Es tut mir leid, dass ich im Moment so wenig Zeit für die Story habe. Aber hier ist endlich das nächste Kapitel.

Vorher noch zwei Dinge:

-danke für eure Reviews, wie gesagt, die verbessern meinen Tag immer sehr! Also auch diesmal bitte nicht vergessen, mir eure Meinung zu hinterlassen ;)

-und ich sollte noch bemerken, dass ich kein Medizin-Spezialist bin und nicht weiß, ob die Aussagen des Arztes so ganz korrekt sind. Das ist aber für die Aussage des Kapitels nicht ganz so relevant, also viel Spaß!

Chapter 9

Ihr Verstand sagte ihr: „Du musst einen Schmerz spüren in deinem Fuß, in deiner Wade, deinem Oberschenkel, wo auch immer sie gerade mit diesem spitzen Ding hineinstechen." Denn sie sah die Nadel, sie sah, wie der Arzt sie an mehreren Stellen damit stach. Dennoch spürte sie nichts und schüttelte immer wieder den Kopf, wenn der junge Mann nachfragte.

Nachdem sie aufgewacht war und vergeblich versucht hatte, ihre Zehen zu bewegen, war sie in Panik geraten. Ihr Blutdruck war in die Höhe geschnellt und es kamen ein Arzt und zwei Schwestern hereingestürmt. Dann hatten die Tests und die Fragen begonnen. Sharon hatte irgendwann abgeschaltet. Sie wollte wissen, was mit ihr los war, warum sie ihre Beine nicht spürte und ihr Rücken so höllisch schmerzte. Aber sie bekam keine Antworten, nur mehr Fragen.

Jetzt sprach er mit den Schwestern, gab ihnen Anweisungen, die Sharon nicht verstand. Sobald sich die Tür hinter ihnen schloss, wandte er sich um und sah ihr endlich in die Augen. Mit einem Seufzer begann er: „Zuerst, Mrs Raydor muss ich Ihnen sagen, dass wir keines Ihrer Kinder bisher erreichen konnten. Wir haben beide angerufen, da sie als Ihre Notfallkontakte gelistet sind. Aber es nimmt niemand ab, tut mir leid."

„Kriege ich ein Telefon? Ich würde sie dann lieber selbst anrufen, damit sie sich weniger Sorgen machen."

Ihre Stimme klang immer noch rau und zittrig, aber das Thema ihrer Kinder lenkte sie kurz von sich selbst ab.

„Eigentlich nicht, hier auf der ICU, aber ich werde sehen, was sich machen lässt."

„Danke, Dr….?"

Sie hatte sich den Namen nicht merken können und ohne Brille versuchte sie vergeblich, sein Namensschild zu lesen.

„Weaver", ergänzte er mit einem Seufzer.

Sie nickte. Dann drängte sich ihre Ungeduld wieder nach vorn.

„Könnten Sie mir jetzt bitte sagen, was mit mir los ist?"

Sie sah ihn verzweifelt, ängstlich und auch ein wenig hoffnungsvoll an. Was würde er sagen? Was passierte jetzt mit ihr? Wie schwer waren ihre Verletzungen? All die Fragen schwirrten in ihrem Kopf herum, seit sie vor etwas mehr als einer Stunde aufgewacht war. Gespannt sah sie den jungen Arzt an.

Er atmete tief ein und zog sich dann den Stuhl heran, auf dem Flynn vorhin gesessen hatte.

„In Ordnung, ich werde jetzt von vorn beginnen und alles erzählen. Ich werde Ihnen nichts vorenthalten, das verspreche ich. Aber ich bitte Sie, mich erst zu Ende anzuhören. Wenn ich fertig bin, können Sie mich alles fragen. Doch versuchen Sie bitte, damit zu warten, bis ich alles gesagt habe, was ich Ihnen mitteilen möchte. Okay?"

Sharon nickte.

„Nun gut. Sie hatten mehrere innere Blutungen, deshalb mussten wir sofort operieren. Glücklicherweise waren wir in der Lage, alle Gefäße zu reparieren. Allerdings wird ihr Torso die nächsten Wochen etwas schmerzen. Was Ihre Kopfverletzung angeht, hatten Sie auch einen großen Schutzengel. Es ist bei einer Platzwunde und einer leichten Gehirnerschütterung geblieben. Das hätte leicht anders enden können."

Er machte eine Pause und sah zu den Monitoren hinauf. Sharon atmete tief durch. Bisher klang es alles halb so schlimm. Aber genau das machte ihr Angst. Er war noch nicht auf ihren Rücken und das fehlende Gefühl in ihren Beinen eingegangen. Mit einem weiteren tiefen Atemzug wappnete sie sich, als Dr Weaver erneut zum Reden ansetzte.

„Was mir wirklich Sorgen macht, ist Ihre Wirbelsäulenverletzung. Bei dem Unfall haben Sie sich zwei benachbarte Wirbel in Ihrer oberen Lendenwirbelsäule gebrochen. Es sind glatte Brüche, das heißt, beim Bruch selbst ist das Rückenmark nicht verletzt worden. Als sie jedoch aus dem Wagen gezogen wurden, haben sich die Knochen etwas verschoben. Das Ganze ist so stark angeschwollen, dass wir nicht erkennen können, ob das Rückenmark dabei verletzt wurde oder nicht. Zurzeit sind sie zwar gelähmt, das kann aber auch dadurch auftreten, dass die Schwellung sozusagen das Rückenmark abklemmt. Sollte dies der Fall sein, besteht eine gute Chance, dass Ihr Gefühl vollständig zurückkehrt, sobald die Schwellung zurückgeht. Aber ich will ehrlich mit Ihnen sein, Mrs Raydor. Es könnte genauso gut sein, dass eines oder mehrere der Wirbelfragmente ihr Rückenmark verletzt beziehungsweise durchtrennt haben. In dem Fall…"

Er sprach den Satz nicht zu Ende und schüttelte stattdessen nur traurig mit dem Kopf, während sein Blick zu Boden schweifte. Sharon schluckte schwer. Gelähmt? Vielleicht für immer?

Es war zu viel, um es auf einmal zu verarbeiten. Sie wusste gar nicht, was sie denken oder wie sie reagieren sollte. Sie hatte Angst. Das Gefühl war ganz deutlich. Alles andere war nur ein großes Durcheinander. Wie konnte etwas, an das sie sich nicht einmal richtig erinnern konnte, ihr Leben schlagartig auf den Kopf stellen?

Die Stimme von Weaver riss sie aus ihren Gedanken.

„Es tut mir sehr leid, Mrs Raydor. Ich würde Ihnen gern etwas anderes sagen, aber wir können nur abwarten, bis die Schwellung zurückgeht. Das wird ein paar Tage dauern. Dann werden wir einen Eingriff vornehmen, sofern Sie stabil genug sind, um die Brüche zu richten. Und erst wenn das Ergebnis der OP vorliegt und das Rückenmark wieder frei liegt, werden wir Ihnen sagen können, ob die Lähmung temporär oder permanent ist."

Permanent. Das war so ein kleines Wort und doch so bedeutungsvoll. Sharon starrte geradeaus, ohne wirklich etwas wahrzunehmen. Sie wusste nicht, ob sie in Panik geraten oder zuversichtlich lächeln sollte. In ihr herrschte immer noch Chaos.

Aber sie war immerhin Captain Sharon Raydor und so schnell würde sie nicht aufgeben. Sie musste einfach daran glauben, dass diese Lähmung eben nicht permanent ist.

„Haben Sie noch Fragen? Irgendetwas?"

Sie sah den jungen Mann an und atmete tief ein.

„Ähm, nein, ich… Ich denke, ich muss das jetzt erstmal verarbeiten. Ich, ich danke Ihnen für die Aufrichtigkeit, Doktor."

Weaver nickte, er hatte verstanden, dass sie allein sein wollte. Auf dem Weg zur Tür machte er noch einmal Kehrt.

„Ähm, Mrs Raydor? Solange Ihre Kinder nicht hier sind, gibt es jemand anderen, den wir benachrichtigen sollen? Ihren Ehemann oder Freunde?"

Sharon sah ihn mit großen Augen an.

„Nein, bloß nicht meinen Ehemann. Ähm, danke, aber es gibt niemanden, den ich hiermit gerade belasten möchte." Sie machte eine Handbewegung in Richtung ihrer unbeweglichen Beine.

Dr. Weaver sah auf seine Patientin hinunter. Sie hatte zwar mehrere Hämatome und eine genähte Wunde im Gesicht, aber er konnte erkennen, dass sie eine attraktive Frau war. Außerdem schien sie sehr vernünftig und freundlich zu sein. Wie konnte eine so starke Frau wie sie niemanden außer ihrer Kinder haben, dem sie sich in einer Notsituation anvertrauen könnte? Plötzlich fiel ihm etwas ein.

„Was ist mit Lieutenant Flynn? Er hätte mich gestern am liebsten erwürgt, als ich ihm verboten habe, Sie zu besuchen. Ich habe dann eine Ausnahme gemacht, deshalb war er bei Ihnen, als sie das erste Mal aufgewacht sind. Meine Kollegin hatte ihn danach nicht mehr zu Ihnen gelassen, aber laut der Schwester hat er den ganzen gestrigen Tag hier verbracht. Er sagte, sie wären Freunde?"

Sharons Blick weitete sich. Freunde? Andy Flynn und sie? Er hatte hier gewartet wegen ihr? Er, der sie als kaltherzig und eine böse Hexe bezeichnet?

Überrascht dachte sie an die letzte Erinnerung an ihn zurück. Sie hatte sich langsam zurück ins Bewusstsein gekämpft und das Erste, was sie sah, war er. Er war da gewesen.

Plötzlich kam alles zurück. Der Grund für die Panikattacke. Der Grund, warum sie dringend mit der Polizei reden musste.

Also spielte sie mit.

„Ähm ja, im Grunde wäre es sehr freundlich, wenn Sie Lieutenant F-, ich meine, wenn Sie Andy benachrichtigen könnten. Ich würde gern mit ihm sprechen."

Dr Weaver schaute sie etwas misstrauisch an wegen ihres Versprechers, aber nickte dann.

„In Ordnung. Hier ist zwar immer noch niemand erlaubt, der nicht verwandt ist, aber was soll's!? Ich habe für Sie jetzt schon so viele Ausnahmen gemacht, da kommt es auf die eine auch nicht mehr an. Ich lasse sie jetzt allein, und sorge dafür, dass sie ein Telefon und einen gewissen Lieutenant F-, ähm ich meine Andy auf ihr Zimmer geliefert bekommen."

Er zwinkerte ihr zu und wandte sich dann zur Tür.

Obwohl sie in einer miserablen Situation war, höllische Schmerzen hatte und es ungewiss war, ob sie je wieder auf eigenen Beinen laufen würde, konnte sie sich ein leichtes Lächeln nicht verkneifen.

„Danke, Doc."