Kapitel 8

-Flashback-

Es war kurz nach beginn des siebten Schuljahres in Hogwarts. Harry hatte Draco Malfoy, ohne das Wissen seiner Freunde, zu einem Gespräch unter vier Augen gebeten. Dieser hatte erstaunlicherweise sogar angenommen und nun saßen sie sich in zwei gemütlichen Sesseln vor dem prasselnden Kamin im Raum der Wünsche gegenüber.
"Malfoy, ich wollte mit dir über diese sinnlosen und absolut kindischen Streitereien reden.", begann Harry in neutralem Tonfall.
Der Malfoyerbe hob nur in alter Manier eine Augenbraue und sah seinen Gegenüber abschätzend an.
"Ich finde, wir sind inzwischen alt genug unsere Differenzen in einem vernünftigen Gespräch beizulegen und uns nicht gleich haufenweise Flüche auf den Hals zu jagen.", fuhr Harry, nachdem er einige Zeit auf eine Erwiderung seines Gegenübers gewartet hatte, ungerührt fort.
"Du willst also, dass wir aufhören uns zu streiten?", fragte der Malfoyerbe in kühlen Tonfall nach.
Harry lächelte.
"Das hast jetzt du gesagt. Ich hab nichts gegen unsere Wortgefechte, solange sie auf einer zivilisierten Ebene liegen und sich nicht verletzend auf uns oder andere auswirken. Im Gegenteil, es würde mir sogar fehlen, mich mit dir zu zoffen. Aber wenn, dann bitte ohne Magie. Das ist kindisch und bringt uns nur Ärger."
"Warum?", fragte der Malfoyerbe nur kühl nach.
"Ich werde im Laufe dieses Schuljahres wahrscheinlich gegen Voldemort antreten dürfen und der Alte erwartet von mir, dass ich ihn töte. Sollte ich dies nicht schaffen, will ich mit der Gewissheit sterben, dass ich alles mit den Menschen, die mir wichtig sind, geklärt habe."
Für einen kurzen Moment entgleisten dem Malfoy sämtliche Gesichtszüge und er sah erstaunt seinen Gegenüber an.
"Ich bin wichtig für dich?"
"Ja. Du, Snape, Herm und Ginny waren die ganze Zeit über die einzigen, die mich wie einen normalen Menschen behandelt haben und nicht wie etwas besonderes.", lächelte Harry seinen Gegenüber an.
"Wie meinst du das? Dir hat es doch gefallen, immer im Rampenlicht zu stehen."
"Nein. Das hat es nie. Weißt du, ich bin in meinem Leben immer von einem Hoch ins nächste Tief gefallen. Ich wurde von einem namenlosen, unwichtigen Waisenjungen zu einem Helden gemacht, was ich selbst nie wollte. Der Großteil meiner Taten beruht auf verdammt viel Glück. Versteh doch, Malfoy, ich habe die ganze Zeit einen Namen gelebt. Erst Harry, den nichtsnutzigen, faulen Freak, bei meinen Verwandten. Dann Harry Potter, den Jungen-der-lebt, Retter der Zauberwelt und was weiß ich noch alles, bei Dumbledore. Mich hat nie jemand gefragt, was ich will. Der Mensch, der hinter diesen zwei Welten liegt wurde nie berücksichtigt. Außer von euch vieren.
Ihr wart die Ersten und Einzigen, die mich wie einen normalen Menschen behandelt und mir ihre Meinung offen ins Gesicht gesagt haben. Das war es, was ich immer wollte. Ein ganz normales Kind sein. Und das konnte ich nur bei euch vieren.
Deshalb bist du mir wichtig...Draco."
Angesprochener ließ sich seufzend in dem Sessel zurückfallen und dachte über das eben Gehörte nach.
"Warum jetzt?"
"Ich hab das Gefühl, dass bald etwas passieren wird, dass es mir nicht mehr möglich macht, es später zu tun. Eigentlich hab ich das ja schon seit einem Jahr vor, aber...ich war mir nicht sicher, wie du reagieren würdest und ich glaube, mir läuft so langsam die Zeit davon."
"Warum hast du damals meine Freundschaft ausgeschlagen?"
"Ich hatte nie Freunde. Dafür hat mein Cousin stets gesorgt. Dann kam Ron. Er setzte sich einfach so zu mir ins Abteil und hat sich mit mir unterhalten. Du kannst dir nicht vorstellen, wie froh ich darüber war, endlich jemanden gefunden zu haben, der mich mochte.
Als du dann aufgetaucht bist und ihn beleidigt hast, wurde ich wütend. Er war immerhin der erste Freund, den ich je hatte.
Darum hab ich später auch deine Freundschaft ausgeschlagen."
"Wissen Wiesel und Granger, dass du hier bist?"
"Nein. Es geht sie nichts an. Wir sind zwar Freunde, aber ich lasse mir von ihnen nicht mein Leben diktieren."
Draco erhob sich.
"Erwarte jetzt aber bloß nicht, dass ich nett zu den beiden bin, Harry.", mit diesen Worten verließ der Malfoyerbe den Raum der Wünsche und ließ einen erleichtert lächelnden Harry zurück.

Am nächsten Morgen grüßten sich die beiden ehemaligen Erzfeinde freundlich, was sich wie ein Lauffeuer in Hogwarts verbreitete. Ron und Hermine stellten den Goldjungen in der Pause zur Rede.
"Sag mal was sollte das? Du kannst zu so einem Mini-Todesser nicht freundlich sein.", keifte Ron ihn an.
"Was ich kann und was nicht entscheide ich noch immer selbst. Und nenn ihn nicht Mini-Todesser. Mir ist bis jetzt nämlich noch nicht aufgefallen, dass Draco ein schwarzes Mal trägt."
"Draco! Du nennst diesen Abschaum beim Vornamen! Das..", noch ehe Ron seinen Satz beendet hatte, unterbrach Hermine ihn.
"War das dein wichtiger Termin gestern Abend?"
"Ja. Ich war der Meinung, dass diese Kindereien aufhören müssen und hab mich mit Draco unterhalten. Er mag euch zwar immer noch nicht, aber wir werden uns nicht mehr gegenseitig Verfluchen."
"Wie kannst du ihm das Glauben, er ist ein Slytherin!", schrie Ron. Inzwischen lauschte der gesamte Pausenhof dem Gespräch.
"Du bist viel zu verbohrt, Ron. Werd erwachsen, dann reden wir weiter.", meinte Harry, drehte sich um und verließ den Pausenhof. Hermine folgte ihm, während Ron sprachlos zurück blieb.
"Warum?", fragte sie nur, als sie ihn eingeholt hatte.
"Weil ich es tun wollte, bevor es zu spät ist."
"Wegen Voldemort?"
"Ja. Ich spüre, dass bald etwas passieren wird. Ich weiß nur nicht, was."
"Sieht aus, als wärst du doch endlich erwachsen geworden.", lächelte Hermine ihn an.
"Nein, Herm. Ich hab nur angefangen das zu tun, was ich für richtig halte und nicht so wie vorher, was alle von mir erwarten."

Ron versuchte noch die ganze nächste Woche Harry davon zu überzeugen, Draco wieder wie vorher zu behandeln. Er merkte gar nicht, dass er damit die Nerven sämtlicher Gryffindors ziemlich strapazierte. Die meisten anderen Gryffindors hatten sich vorerst zurück gehalten. Als sie jedoch feststellten, dass durch die beginnende Freundschaft zwischen Draco und Harry, sich auch das Verhältnis zwischen Gryffindor und Slytherin insgesamt verbessert hatte, gaben sie der neuen Situation eine Chance.
Die Lehrer waren über diese Wendung äußerst überrascht. Der Unterricht mit den beiden Häusern gestaltete sich so gut wie nie zuvor, da das Arbeitsklima an sich entspannter war. Es fielen kaum noch Flüche auf den Gängen der Schule und man konnte vereinzelt sogar einige Slytherins und Gryffindors friedlich miteinander reden sehen.
Draco hatte sich inzwischen mit Hermine ausgesprochen und musste erstaunt feststellen, dass sie für eine Mugglegeborene gar nicht so schlimm war. Man konnte mit ihr vernünftig reden, sie besaß Humor und sie war eine ausgesprochen gute Lernhilfe.
Man sah Harry und Hermine meist zusammen mit Draco, Blaise Zabini und Pansy Parkinson.
Ginny hatte offensichtlich den Platz von Ron in dem Goldenen Trio Gryffindors eingenommen.
Ron wurde meist ignoriert. Er ging mit seiner Sturheit und seinem ewigen Gemecker den meisten auf die Nerven, wodurch er bald von allen ausgegrenzt wurde.
Die Höhe war allerdings, als er nach Zaubertränke versuchte Harry und Draco zu verfluchen. Allerdings war er für Harry zu langsam. Dieser blockte den Fluch ab.
Snape hatte es mitbekommen und verdonnerte Ron zu mehreren Wochen Nachsitzen. Wurde Ron vorher schon ausgegrenzt, so wurde er jetzt vollkommen ignoriert. Außer von den Lehrern die so nett waren, ihm für jede nicht gewusste Antwort und jede nicht erledigte Aufgabe Unmengen an Strafarbeiten zu geben.
Von dem Tag an konnte Harry Ron nicht mehr als Freund ansehen. Zu sehr war er über diesen feigen Angriff schockiert und zu wichtig war ihm die Sache mit Draco.
So hatte Ron Harrys Vertrauen zerstört und seine Freundschaft verloren.

-Flashback ende-

"Sie werden dafür bezahlen.", meinte Sal.
"Um die Dursleys kümmern wir uns persönlich. Unsere Gesetze verlangen, dass sie bestraft werden. Severus, ich möchte dich bitten, die Vertreter des Adels zusammen zu rufen und ihnen die gesamte Situation zu erklären. Sag ihnen auch, dass es sich bei dem entführten Jungen um den künftigen Vampirkönig handelt.
Um Dumbledore kümmern wir uns selbst. Sollte er bis Ende der Weihnachtsferien Hogwarts nicht verlassen haben, wird er die Magie des Schlosses zu spüren bekommen. Sollte er es verlassen, ist er nicht mehr durch unseren Bann geschützt und wird unter unserem Volk als Freiwild gehandelt.
Was diesen Ron angeht, so wird dieser sich vor dem Vampirrat verantworten müssen. Dort wird eine gerechte Strafe gefällt.", erklärte Row.
"Dazu müsst ihr ihn erst mal finden.", meinte Herm.
"Wir werden ihn finden. Du weißt gar nicht, wie viele Beschützer der Kleine hat, sobald raus kommt, dass er der Vampirkönig ist. Unser Volk hat zu lange auf ihn gewartet, als dass sie ihn jetzt nicht schützen würden, bis er in der Lage ist, den Titel anzunehmen.", meinte Hel.
"Wir werden ihn vorstellen müssen.", meinte Ric.
"Nur dem Rat, das sind mehr als genug Leute.", erwiderte Sal ruhig.
"Was ist dieser Rat?", fragte Hermine neugierig. Zu ihrer Überraschung antwortete Draco.
"Der Rat ist eine Zusammenkunft aller Abgesandten der verschiedenen Rassen. Er umfasst um die zweihundert Leute, wobei jede Rasse zwei bis drei Abgesandte, die vom restlichen Volk im Abstand von fünf Jahren gewählt werden."
"Woher weißt du das?", fragte Ginny.
"Meine Mutter war eine Zeit lang Abgesandte der Veelas. Daher weiß ich es."
"Narzissa Black?", fragte Godric.
"Ja. Warum?"
"Nun, sie wurde vor knapp einem Jahr neu gewählt, da sie allerdings zur Zeit in Askaban sitzt, muss entweder eine Neuwahl stattfinden, was allerdings ziemlich aufwendig wäre, oder aber du, als ihr einziges Kind, übernimmst den Posten bis zur nächsten Neuwahl.", meinte Row.
"Aber ich weiß doch gar nicht, wie das geht und was ich machen muss.", protestierte Dray.
"Da die Veelas zur Zeit drei Abgesandte haben, dürfte es kein Problem sein, wenn du dich im Hintergrund hältst, solange du hier bleibst und mit uns auf Luzifer aufpasst. Es kann nur von Vorteil sein, wenn viele verschiedene Rassen bei seiner Erziehung mithelfen.", meinte Hel nachdenklich.
"Das Ganze ist zum größten Teil sowieso nur repräsentativ. Du gehst zu den Versammlungen, hörst dir an, was die anderen zu meckern haben, gibst deinen Senf dazu und erzählst dann dem Volk grob, was gesagt worden ist.", meinte Sal. "Die eigentliche Arbeit haben die Ratsvorsitzenden. Sie dürfen sich die Beschwerden anhören und müssen darauf reagieren und neue Beschlüsse fassen. Du musst nur entscheiden, ob du findest, dass die Idee gut ist, oder nicht.", meinte Ric und zwinkerte Dray leicht zu.
"Und wer sind die Ratsvorsitzenden?", fragte Dray.
"Sitzen vor dir.", meinte Row nur.
"Ihr vier?"
"Ja. Die Vampire stehen von all diesen Rassen an höchster Stelle, da wir diejenigen waren, die sich um das Bündnis der Rassen kümmerten. Wir vier sind die derzeit höchsten Vampire, so genannte Lords und Ladys, da der Fürst, der die Legende sprach, vor Jahrhunderten bei dem Versuch einen Streit zwischen Engel und Dämonen zu schlichten, sein Leben ließ. Deshalb sind wir die Ratsvorsitzenden.", meinte Row lächelnd.
"Aber die Rasen bekämpfen sich doch untereinander.", meinte Herm.
"Ja. Bis zu einem gewissen Punkt lassen wir es in diesen Kämpfen gehen, dann gehen wir meist dazwischen. Es ist wie in Hogwarts. Man kann Streitereien nicht verhindern, dazu sind die Menschen zu unterschiedlich in ihrer Denkweise und ihrer Lebensweise, aber man kann ihn eindämmen, indem man die betreffenden Parteien nicht von vornherein voneinander fern hält, sondern nur darauf achtet, dass sie nicht zu großen Schaden anrichten.
Weißt du, würde man sie voneinander fern halten, würde sich die Spannung so weit aufbauen, dass es irgendwann zu einem gewaltigen Konflikt kommt, der weitaus verheerendere Schäden anrichten würde, als die kleinen Entladungen zwischendurch."
"Und der Krieg zwischen Elben und Dämonen vor vierzig Jahren?", fragte Herm interessiert.
"Nun, da haben wir uns verschätzt und als wir die Lage endlich anständig überblicken konnten, war es bereits zu spät und das Unheil angerichtet."
"Aber man sieht, dass aus einer Katastrophe dennoch etwas wunderbares entstehen kann.", warf Hel ein.
Alle sahen sie nur unverständlich an.
"Überlegt mal. Wenn wir davon ausgehen, dass Lily wirklich wegen des Krieges geboren wurde, dann wäre Luzifer, hätten wir früher eingegriffen, jetzt nicht hier bei uns, sondern würde wahrscheinlich gar nicht existieren."
"Da hast du recht, meine Liebe.", meinte Ric nur und warf einen kurzen Blick auf die beiden Jüngsten der Runde, die friedlich in den Armen von Sal und Ric eingeschlafen waren.

Die Kinder wurden ins Bett gebracht, wo Sal sich, aus Angst, ihnen könnte wieder etwas passieren, dazulegte. Zum Glück war das Bett der Kleinen groß genug, sodass ohne Probleme fünf Erwachsene darauf Platz hatten.
Ric ging schmunzelnd zurück in den Saal und unterhielt sich mit den dort Anwesenden noch etwas. Nach dem Abendessen, wobei sich keiner dazu überwinden konnte, die drei Schlafenden zu wecken, da sie einfach ein zu niedliches Bild abgaben (Salazar in der Mitte, rechts und links die beiden Kleinen, die sich an ihm festkrallten und teilweise sogar auf ihm lagen).
Danach zerstreuten sich die Leute.
Severus ging zusammen mit Draco, der zugestimmt hatte, den Posten seiner Mutter einzunehmen, zu den verschiedenen Abgesandten, um ihnen die derzeitige Situation zu erklären und sie zur Ratsversammlung am 30. Dezember einzuladen.
Eine größere Gruppe, darunter Ginny und Herm, ging in die Rosalienstraße, um dort noch die letzten Geschenke zu kaufen.
Der Rest setzte sich meist in kleineren Grüppchen irgendwo im Schloss zusammen um zu reden oder sich anderweitig zu beschäftigen.
Ric hatte sich von allen anderen abgekapselt und kroch zu seiner kleinen Familie ins Bett, wo er sofort von Salazar und Luzifer beschlagnahmt wurde.