Kees und Savage hatten diese Nacht auf Nal Hutta im Vergnügungstempel namens Delirium durchgemacht. In dem achtstöckigen Gebäude hatten sie Spielautomaten betätigt, getanzt und Theater- und Showvorführungen beigewohnt. Jetzt lagen die Beiden erschöpft im Bett und freuten sich über den Zweijahresvertrag, den sie beide bei Gardulla der Hutt unterschrieben hatten.

„Kannst du dich noch daran erinnern, wie ungläubig dieser gelbe Twi'lek geschaut hatte, als ich gesagt habe, dass ich entweder mit dir singen werde oder gar nicht?", sagte Kees und tätschelte Savage dabei liebevoll den breiten Nacken.

„Ich brauchte ihn nur einmal anzuschauen und dann ist er sofort zu Gardulla gerannt", erwiderte der Nachtbruder belustigt.

„Die dann ihr o.k. gegeben hat", zwitscherte Kees und gab Savage einen dicken Schmatzer auf die Backe.

Die Probezeit von zwei Monaten war vorüber und jetzt fühlte Kees sich frei genug, das zu tun, was sie für richtig hielt. Jetzt würde sie San Hill endlich sagen, dass …

Ihr Komlink summte. Sie aktivierte die Verbindung, während über dem Gerät das verärgerte Gesicht Count Dookus erschien.

„Wieso sind du und deine Familie nicht auf Dathomir geblieben, bis ich euch holen komme wie vereinbart?!", fragte Dooku drohend.

„Hab was Besseres gefunden", erwiderte Kees fröhlich, wenngleich müde. „Ich werde jetzt Sängerin und habe gestern einen Zweijahresvertrag mit Gardulla der Hutt unterzeichnet."

„Dann musst du sehr gut sein", sagte Dooku anerkennend. „Möglicherweise hat uns die Macht hier einen ganz neuen Weg eröffnet - einen Weg in den Hutt-Raum."

„Ich nehme an, das heißt, dass Ihr uns vorerst hier in Ruhe lasst?", schlussfolgerte Kees, während Savage mucksmäuschenstill neben ihr im Bett saß.

„Mutter Talzin hat mir gesagt, sie wisse nicht, wohin Ma Flodder mit dem Rest der Familie geflogen ist. Weißt du es, Kees?", kam Dooku zum nächsten Punkt.

Die blonde Holländerin schüttelte den Kopf. Dooku streckte seine Hand aus und Kees fasste sich an den augenblicklich schmerzenden Kopf. Savage versuchte, das Komlink auszuschalten, aber Kees nahm seine Hand weg.

„Nein, das würde es nur noch schlimmer machen", sagte sie vor Schmerz stöhnend zu Savage.

Dooku ließ Kees' Geist wieder frei und zog sich aus ihrem Kopf zurück.

„Du weißt es also wirklich nicht", sagte er eine Spur milder. „Wenn sie sich bei dir melden, dann sorge dafür, dass sie zu eurem nächsten Konzert kommen. Versprich ihnen Freikarten, was auch immer. Dann wird weder ihnen, noch dir, noch deinem Liebhaber ein Leid geschehen. Hast du das verstanden?"

Kees nickte eifrig. Dooku beendete die Verbindung.

„Hoffentlich erzählt er jetzt diesem Muun-Schleimer nichts", meinte Savage besorgt.

„Keine Sorge", beruhigte ihn Kees. „Dooku wird sich dieses pikante Detail ganz bestimmt für eine Erpressung aufheben, falls wir nicht kooperieren."

„Wie überaus beruhigend zu wissend", erwiderte Savage mit einem schiefen Grinsen.

Der Müllfrachter flog durch den Hyperraum nach Mandalore.

„Ich habe einen Plan, Mandalore zu erobern, sobald ich neue Beine bekommen habe", eröffnete Maul.

„Wieso können wir nicht friedlich mit Herzogin Satine darüber reden, dass sie ihre lasche Politik etwas verschärfen und Euch politisches Asyl gewähren soll? Dann könnt Ihr ganz unbehelligt auf Mandalore leben, ohne dass Sidious davon Wind bekommt", wandte Klaus ein.

„Das wäre nicht verkehrt. Mandalore ist ja ein neutrales System. Da kann er nicht einfach einmarschieren", meinte Werner.

„Ich werde mich niemandem beugen!", erwiderte Maul. „Denn ich bin kein mittelloser Flüchtling, sondern ein Sith. Aber es soll euer Schaden nicht sein, vorausgesetzt, ihr stellt euch mir nicht in den Weg."

„Wie viele Leute würden denn zu Schaden kommen?", fragte Werner besorgt.

„Also in The Clone Wars sind bei der Machtübernahme keine Leute getötet worden. Und die von der Schwarzen Sonne auf Mustafar hätten ihren Tod verdient", meinte Klaus.

„Eine sehr gute Wahl", lobte Maul den schwarzhaarigen Holländer. „Ich dachte auch schon daran, die Schwarze Sonne und die Pykes zu rekrutieren. Wir brauchen jetzt nur noch eine Gruppe Mandalorianer, die uns hilft."

„Da sollten wir am besten den Mond Concordia ansteuern", schlug Klaus vor. Und so geschah es.

Es war bereits spät am Abend, als der Müllfrachter, mit welchem die Flodder-Familie derzeit unterwegs war, auf dem mandalorianischen Mond Concordia landete. Bereits im Anflug waren drei der charakteristischen Gauntlet-Fighter aufgestiegen, um die unangemeldeten Besucher zu einem kleinen Hangar zu geleiten, wo bereits der Gouverneur des Mondes nebst seiner Gefährtin und acht weiteren schwerbewaffneten Mandalorianern auf sie wartete.

Die Luke des Müllfrachters ging auf und alle stiegen aus, zuerst Ma Flodder mit ihrer Familie, dann Werner mit Maul und schließlich Feral, welcher den Hund Whisky im Schlepptau hatte.

„Ich weiß noch nicht, ob ich euch hier willkommen heißen kann, Fremdlinge", sagte der behelmte Pre Vizsla reserviert zu der bunten Schar. „Wer seid ihr und was wollt ihr hier auf unserem bescheidenen Domizil?"

„Wir sind die Flodders vom Planeten Erde. Die Erde liegt in einer weit, weit entfernten Galaxis. Und das hier ist Werner, unser Chef-Berater und dort drüben sind Maul und sein Bruder Feral."

„Was habt ihr denn mit Zabraks zu schaffen?", fragte Bo Katan unfreundlich.

„Ich bin ein Sith!", übernahm Maul die Initiative.

„Dann seid Ihr Count Dookus neuer Schüler, nachdem Ventress verschwunden ist?", inquirierte Bo Katan.

„Ich … diene niemandem!", grollte Maul. „Ich bin hierhergekommen, um neue Beine zu bekommen. Mit diesen Spinnenbeinen kann ich mich schwerlich blicken lassen."

„Nun, wenn Count Dooku keine Lust hat, Euch welche zu beschaffen, dann seid Ihr wohl in Ungnade gefallen", spöttelte Bo Katan.

„Wir werden ja sehen, wer hier in Ungnade gefallen ist oder noch fällt", gab Maul kühl zurück. „Die neuen Beine sind ja erst der Anfang. Aber zunächst sagt mir doch, welchem Clan ihr angehört. Ich kenne euer Helmzeichen noch nicht."

Pre Vizsla nahm seinen Helm ab, um seinen markanten kahlrasierten Schädel zu entblößen. Seine Gefährten taten es ihm gleich. „Wir sind vom Vizsla-Clan und ich bin Pre Vizsla, von der Herzogin Satine ernannter Gouverneur dieses Mondes. Neue Beine hätten wir schon, aber Ihr müsst zuerst etwas tun, um sie Euch zu verdienen, es sei denn, Ihr habt viele Credits dabei."

„Wir haben gute Beziehungen zum Bankenclan, die uns gutes Geld garantieren", eröffnete Ma Flodder.

„Und wann können wir mit diesem Geld rechnen?"

Ma Flodder tuschelte etwas mit Werner auf Holländisch.

„Nun, in etwa drei Wochen vielleicht, wenn meine Tochter San Hill kontaktiert hat, um die Summe rüberwachsen zu lassen", sagte Ma Flodder zu Pre Vizsla.

Maul verzog das Gesicht. Seine gelben Augen schauten zum Mutterplaneten Mandalore hinüber, der groß und ockerfarben schräg westlich am Nachthimmel thronte.

„Was ist die Herzogin Satine für eine Herrscherin?"

„Sie ist eine äußerst friedliebende Frau. Ich diene ihr bereits seit acht Jahren", erwiderte Pre Vizsla.

„Ich spüre Unzufriedenheit in Euch. Denn Ihr seid nicht ganz so friedliebend wie die Herzogin, hab ich nicht recht?", preschte Maul vor.

„Und wenn schon. Was geht das Euch an?", knurrte Pre Vizsla.

Maul lächelte hintergründig. Er war auf dem richtigen Weg. Er schaute in die Runde. Der Anführer der Mandalorianer hier auf diesem Mond schien kurz davor, seine wahren Intentionen aus dem Sack zu lassen, während sein alter Kumpel Werner skeptisch dreinschaute.

„Wozu in drei Wochen Geld vom Bankenclan eintreiben, wenn Reichtum und Macht doch direkt vor uns liegen", sagte Maul und wies nach oben in den nachtschwarzen Himmel, wo der Mutterplanet über Concordia hing.

Pre Vizslas blassblaue Augen begannen zu leuchten. „Die Herzogin ist schwach. Es bedarf nur eines gezielten Anstoßes, um sie zu Fall zu bringen", sagte er schließlich.

Maul runzelte die tätowierte Stirn. „Ich glaube, Ihr macht es Euch zu einfach. Wir arbeiten einen Plan aus, um die Herzogin zu stürzen und Mandalore zu erobern. Ich hatte in meiner Jugend einen mandalorianischen Ausbilder, der mir viel von eurer Kultur beigebracht hatte. Zusammen können wir mehr erreichen, als Ihr bislang zu träumen wagtet", verhieß er den verdutzten Mandalorianern.

Bo Katans grüne Augen glänzten, aber ihr Mund blieb skeptisch verkniffen. „Ich bin mir nicht sicher, ob wir ihnen trauen können", sagte sie zu ihrem Geliebten.

Maul erhob seine Hand. Bo Katan erhob sich in die Luft und begann zu röcheln. „Zweifel …", er ließ eine Kunstpause nach diesem Wort, auch, um Bo Katans Angst und ihr Röcheln zu genießen, „… führt direkt zum Misserfolg!", deklamierte Maul unheilschwanger.

„Genau das sage ich meinen Klienten auch immer", setzte Werner hinzu.

„Wir machen das!", entschied Pre Vizsla und sofort ließ Maul die rothaarige Mandalorianerin wieder auf den Boden sinken, wo sich diese bestürzt an ihre soeben gewürgte Kehle fasste.

Dann gingen alle ins Zelt und berieten sich. Pre Vizsla und Bo Katan suchten geeignete Ziele aus, die sich anzugreifen lohnte. Maul jedoch flog mit Feral und den Flodders nach Mustafar zur Schwarzen Sonne.

„Das wird eure Beerdigung", prophezeite ihnen Ziton Moj, der Leiter des Falleener-Wachbataillons am Eingang der inmitten der Lava hochaufragenden Festung der Schwarzen Sonne.

Die Schar ging hinein. Die sieben Anführer der Schwarzen Sonne saßen um den großen langen Tisch herum und sahen die Besucher an.

„Was wollt Ihr hier?", fragte der grüngewandete Falleener, der am Kopfende des Tisches saß.

Maul tänzelte auf seinen acht Spinnenbeinen ein paar Schritte nach vorn. „Wir brauchen Männer, genügend Waffen und andere Ressourcen, um eine Armee aufzustellen."

„Wir sind keine Söldner!", meinte der Falleener verächtlich.

„Dies ist Eure letzte Gelegenheit, Euch uns anzuschließen … oder unterzugehen", flüsterte Maul bedrohlich.

Die Falleener-Runde erhob sich geschlossen vom Tisch. „Wir sind die Schwarze Sonne!", sagte ihr Anführer entschlossen.

„Nun gut, dann sei es so", erwiderte Maul höhnisch und gab Johnny einen Wink.

Der stämmige Holländer aktivierte sein Doppellichtschwert und warf es. Die rote Doppelklinge kreiselte durch den Raum über die Köpfe der Führungsriege der Schwarzen Sonne hinweg. Maul warf Johnny einen bösen Blick zu. Seine gelben Augen funkelten zornig. „Das also hast du von Dooku gelernt?", fragte der Sith den früheren Adepten Dookus.

Ein schrilles Kreischen ertönte, gefolgt von einem Zischen. Als die Schar zur Ursache der Geräusche nach oben schaute, sah sie, dass Johnnys Lichtschwert eine Kontrollkonsole im hinteren Teil der Festung touchiert und beschädigt hatte. Funken stoben empor, dann flammten ein paar Lichter rot auf, um kurze Zeit später für immer zu verlöschen. Von mehreren Seiten knackte es vernehmlich im Gebälk des Schlosses.

„Du Idiot! Du hast den Selbstzerstörungsmechanismus unseres Hauptquartiers aktiviert!", brüllte der oberste Anführer der Schwarzen Sonne.

„Wie es scheint, war dein Training bei Dooku doch nicht ganz nutzlos", meinte Maul zufrieden grinsend zu Johnny.

Dann machte der Sithlord eine Handbewegung, die allen bedeutete, das sinkende Schiff zu verlassen. Sie schafften es gerade noch, den Gauntlet-Fighter zu erreichen, mit dem sie gekommen waren. Als sie zurückschauten, sahen sie, wie es durch die Fenster vom Inneren der Festung her grell orange leuchtete, genau in demselben Farbton, welchen die Lavaflüsse des Planeten unter ihnen hatten. Ein paar Steine lösten sich von den Zinnen des hochaufragenden Gebäudes und fielen in die Lavaströme, welche Mustafar durchzogen wie glühende Adern. Während alle Leute in der Festung dem sicheren Tod anheimgefallen sein mussten, regte sich an einem Mauervorsprung des ersten Stocks der Feste jedoch noch Leben. Denn genau dort hing der Falleener, der sie hereingelassen hatte. Maul bedeutete Pre Vizsla, den Gauntlet-Fighter zu dem bald fallenden Falleener heranzufliegen. Die Einstiegsluke öffnete sich und der spinnenbeinige Maul krabbelte auf die in der Luft schwebende Rampe.

„Sieht ganz so aus, als läge die Entscheidung, sich uns anzuschließen, jetzt bei Euch", rief Maul zu dem hängenden Ziton Moj hinüber.

„So sei es, die Schwarze Sonne steht ganz zu … Eurer Verfügung", schrie Ziton Moj zurück.

Maul lächelte knapp. „Dann lasst los!", sagte er zu dem ihn angsterfüllt anschauenden Falleener.

Ziton Moj ließ los. Der Falleener wusste, dass er so oder so sterben würde. Also klammerte er sich an den dünnen Strohhalm, den ihm der schwarzrot tätowierte Zabrak hinhielt. Für ein paar Meter fiel er hinunter, dann fühlte er, wie eine unsichtbare Macht ihn in der Schwebe hielt. Er schaute zu Maul hinüber. Dieser hielt beide Hände in seine Richtung ausgestreckt.

„Es war gut, mir zu vertrauen", lobte Maul den neuen Anführer der Schwarzen Sonne. „Ich hoffe, dies wird auch umgekehrt so sein."

Mit diesen Worten zog er Ziton Moj mithilfe der Macht in die Einstiegsluke des Gauntlet-Fighters hinein, um so schnell wie möglich mit dem neuen Verbündeten nach Concordia zurückzufliegen. Während sich der mandalorianische Kampfbomber in den Orbit von Mustafar erhob, bestaunten all seine Insassen das Schauspiel, welches sich ereignete, als der Vulkan, auf welchem die Festung stand, seine Lavamassen steil aufrecht durch das hochaufstrebende Gebäude schießen ließ. Eine riesige glühend heiße Druckwelle zerstörte das Dach, dann ergoss sich eine gewaltige Lavafontäne in alle Richtungen, während die Wände und Giebel der Festung auseinanderbarsten wie ein von einem Kleinkind eilig zusammengestapelter Spielzeugturm, nachdem sich der halbwüchsige Erbauer anders besonnen hatte.

Die frischgebackenen Eroberer waren gerade nach Concordia zurückgekehrt, als ihnen behelmte Humanoide vom Planeten Oba Diah ihre Aufwartung machten. „Die Pykes sind gewillt, sich Euch anzuschließen", erklärte deren Anführer Minister Lom Pyke.

„Spice-Dealer! Es wird immer besser!", sagte Bo Katan zu Pre Vizsla, diesmal jedoch in deutlich besserer Laune.

„Und jetzt auf nach Nal Hutta!", kommandierte Maul.

„Wieso eigentlich!", widersprach Klaus. „Die Hutts sind unsichere Kantonisten. Und wenn sie der Allianz Lebewohl sagen, dann werden sich auch die Schwarze Sonne und die Pykes wieder von uns abwenden. Ich finde, wir sollten zuerst unsere Macht auf Mandalore entfalten, bevor wir an die Hutts herantreten. Nur wenn wir genügend Hinterland und damit Macht vorweisen können, werden uns die Hutts dauerhaft unterstützen. Und zu viele Syndikate auf Mandalore würden auch zu vermehrter Unruhe unter der Bevölkerung führen."

„Das klingt logisch", stimmte Maul zu.

„Dann lasst uns zum nächsten Teil kommen: Der Invasion auf Mandalore!", trieb Pre Vizsla seine Vision voran. „Ich schlage vor, Ihr Zabraks greift ein paar Leute an, während die Falleener die Banken überfallen. Dann kommen wir von der Death Watch und retten und befreien die Leute."

„Es gefällt mir nicht, dass Maul und Feral die Bösen in diesem Spiel sein sollen", widersprach Werner.

„Fahre doch bitte fort", ermutigte Maul seinen Freund von Lotho Minor.

Nachdem Werner seinen Plan erläutert hatte, wurden die verschiedenen Rollen verteilt.

„Eigentlich sollten wir mal Kees auf Nal Hutta anrufen", meinte Klaus zu seiner Mutter.

„Aber erst, nachdem wir Mandalore erobert haben. Schließlich möchten wir ihr ja auch was präsentieren können, wenn sie auf Nal Hutta schon derart als Sängerin erfolgreich ist", beschied ihn Ma Flodder.

Johnny und Klaus hatten gerade die Tür zu einem Warenlager in den Docks von Sundari aufgebrochen. „Das sind tolle Tonträger. Die können uns ein Vermögen einbringen", sagte Johnny zu seinem jüngeren Bruder.

„Hey, was macht ihr Zwei da?", rief ein Zollbeamter des Raumhafens von Sundari.

Eine Tonträger-Disk flog dem Beamten direkt ins Gesicht und hinterließ eine blutende Wunde auf seiner höckerigen Nase.

„Halt! Stehenbleiben!", hörten sie von hinten Ferals Stimme. Sofort ließen Johnny und Klaus die Disks fallen und liefen davon.

„Diese gemeinen Diebe werden sich hier niemals wieder blicken lassen!", versprach der orangefarbene Zabrak mit tönender Stimme.

„Oh, vielen Dank! Wer sind Sie?", fragte der Raumhafenbeamte erleichtert. „Ich bin Feral von Dathomir. Die Nachtbrüder von Dathomir arbeiten mit der Death Watch zusammen, um das Volk dieses Planeten auch während des zügellosen Schlendrians der Herrschaft von Herzogin Satine zu beschützen."

„Erzähl mir mehr von den Nachtbrüdern!", bat der Raumhafenzöllner.

„Leider erlaubt mir das meine Zeit nicht", antwortete Feral mit Bedauern in der Stimme. „Noch viele andere Menschen in Not warten auf meine Hilfe."

Sprach es und verschwand, während der Zöllner dem gehörnten Mann bewundernd hinterherblickte.

Die Bankkunden waren verzweifelt. Zwei grüne Falleener, der Kleidung nach von der Schwarzen Sonne, waren in die Filiale der Sparkasse von Sundari gestürmt und hatten nicht nur den Tresor aufgeschweißt, sondern auch die Handtaschen der Kunden geplündert. Jetzt hatten die Gangster von außen gar noch die Tür verschweißt, so dass keiner der Kunden mehr nach draußen konnte. Da hörten sie plötzlich ein Zischen und Brummen. Sie sahen, wie sich eine schwarze Spitze durch die Tür nach innen schnitt. Als der ovale Türausschnitt nach innen fiel, sahen sie einen vollgerüsteten Mandalorianer, der durch das von ihm geschnittene Loch in die Bankfiliale hineinstieg.

„Endlich kommt jemand, um uns zu helfen! Satine hat wieder einmal keine Leute, um diese Bank zu bewachen. Ist ja auch nicht das erste Mal, dass so etwas hier in Sundari passiert!", sagte einer der Kunden verärgert.

„Danke", sagte ein anderer. „Wer sind Sie?"

Pre Vizsla nahm seinen T-Visier-Helm ab und klemmte ihn cool unter seinen linken Arm, während seine Rechte den brummenden Darksaber triumphierend in die Höhe hielt. „Die Herrschaft von Herzogin Satine neigt sich ihrem Ende zu!", erklärte der Anführer der Death Watch. „Und dies werdet ihr mir zu verdanken haben - mir, Pre Vizsla, dem Anführer der Death Watch!"

„Ach, die gibt es noch?", meinte eine Frau.

„Siehst du doch!", sagte eine andere.

Ein murmelndes Raunen ging durch die Menge der Kunden, dann war der Mandalorianer auch schon wieder fort.

Die Frau mit der blonden Pagenkopffrisur ging nichtsahnend den Weg entlang, dessen Geländer vor dem Sturz in hundert Meter Tiefe vorbeugte. Auf einmal wurde die Frau hochgehoben und über das Geländer geworfen. Ein Schrei entfuhr ihrer Kehle, während sie in die Tiefe fiel. Sie schaute nach oben zum Geländer, hinter welchem zwei Pykes hämisch lachen. Zwei laute „Plogs ertönten, da fielen die beiden Gangster plötzlich zu Boden. Von oben hörte die Fallende plötzlich ein leises Surren. Nur kurze Zeit später wurde sie von silbrig-grauen elastischen Fäden aufgefangen, die sich wie ein Netz um sie herum spannten und ihren Fall aufhielten. Sie federte noch einige Meter in dem Netz nach unten, dann wurde sie hochgezogen und sah ihren Retter an.

„Keine Sorge, Sie sind in Sicherheit!", sagte Darth Maul huldvoll, während er die von ihm ausgeworfenen Spinnenfäden wieder nach oben zog.

„Ich wusste gar nicht, dass Ihr das könnt", nuschelte die neben Maul stehende Ma Flodder, während sie an ihrer Zigarre zog. In der Hand hielt Ma Flodder eine große Bratpfanne, mit welcher sie zuvor die beiden Pykes niedergeschlagen hatte.

„Dieser Unterleib stammt von einer verstorbenen Spinne, deren Beine abgerissen worden waren. Ich habe die Beine durch kybernetische ersetzt und alle Funktionen des Spinnenleibes reaktiviert, einschließlich der Netzweb-Funktion!", erklärte Maul stolz.

„Wer seid Ihr?", fragte die blonde Mandalorianerin den schwarz-roten Zabrak.

„Leider warten schon weitere Bürger in Not auf meine Hilfe. Vielleicht ein anderes Mal", erwiderte Darth Maul.

„Ich danke Euch", sagte die blonde Frau ergriffen.

Nur einen Augenblick später schwang sich Darth Maul an einem neu ausgeworfenen Spinnenfaden hinüber zum nächsten Häuserblock, von dem aus ein weiterer verzweifelter Schrei an seine Ohren gedrungen war.

Währenddessen strolchten Holgie und Tine mit einem Sack, prall gefüllt mit Spitzenunterwäsche, durch die Straßen der mandalorianischen Hauptstadt. Holgie hatte vor etwa zehn Minuten dem völlig verängstigten Inhaber eines Dessous-Geschäfts ein großes Messer an die Kehle gehalten und der ältere Mann hatte dem mittlerweile neunjährigen Holgie und dessen Schwester daraufhin die Dessous und Schlüpfer bereitwillig in den hingehaltenen Sack gestopft. Dann waren die Kinder getürmt. Der Inhaber saß kraftlos und zusammengesunken auf seinem Stuhl und schaute niedergeschlagen ins Leere. Da öffnete sich die Tür erneut und ein gehörnter Zabrak mit Spinnenbeinen trat ein.

„Was wollen Sie denn jetzt von mir? Ich habe keine Dessous mehr! Nur noch die riesigen Ladenhüter in Größe 60!", jammerte der Ladeninhaber.

„Euch wiedergeben, was Euer ist", sagte Maul und legte einen Stapel Credits auf den Verkaufstresen.

„Aber das …"

„Sind Ihre Steuergelder, veruntreut von Herzogin Satine!", erklärte Maul. „Ich gebe sie Ihnen zurück."

Kaum war Maul auf einem Spinnenfaden davongesegelt, rieb sich der Inhaber in diebischer Freude die Hände. Die Credits waren mehr als doppelt so viel wert wie die gestohlene Ware!

„Los, kommt!", befahl Maul Tine und Holgie, die eine Straßenecke weiter auf ihn gewartet hatten.

Maul huschte mit den beiden Kindern durch die Gassen von Sundari. An geeigneter Stelle ließ er einen Spinnenfaden aus seinem Unterleib schnellen und vermittels dieses elastischen Seiles schmuggelten sich die beiden Kinder mit ihrem Diebesgut durch ein offenstehendes Fenster im dritten Stock in Herzogin Satines Palast hinein.

„Herzogin, was sollen wir tun?", fragte der Anführer der Leibwache von Herzogin Satine Kryze. „Überall werden Leute angegriffen und ausgeraubt. Und die Death Watch, einige menschliche Auswärtige und zwei Zabraks wurden in der Stadt gesichtet, einer davon mit Spinnenbeinen. Der Spinnenmann hilft Leuten in Not, so wie wir es tun sollten! Aber seit Ihr die Armee abgeschafft und die Polizei kräftemäßig halbiert habt, sind keine Kapazitäten mehr frei."

„Dann werde ich jetzt auf den Balkon treten und zu einer Freiwilligenarmee aufrufen!", sagte Satine.

„Aber so eine Armee müssen wir bewaffnen. Aber Ihr habt jedem Polizisten nur einen Blaster zuerkannt und den Rest verschrotten lassen", wandte der Anführer der Leibwache ein.

„Hmmm … dann muss ich Obi-Wan Kenobi kontaktieren. Ich spüre eine Verschwörung, meine Herrschaft auf Mandalore zu vernichten."

„Ja, das kann gut möglich sein", erwiderte der Leibgardist frustriert.

Satine trat auf den Balkon heraus.

„Bürger Mandalores! Lasst Euch von den Verbrechern nicht einschüchtern! Wir werden sie gemeinsam besiegen!", rief sie.

„Ach ja? Wie denn? Ohne Waffen?", höhnte ein Mann von unten zu Satines Balkon herauf.

„Wenn wir alle zusammenstehen, werden wir das schaffen!", erwiderte Satine überzeugt.

„Nein, wir schaffen das!", rief Pre Vizsla von unten.

„Pre Vizsla! Was habt Ihr damit zu tun? Reicht es Euch nicht, dass ich Euch zum Gouverneur von Concordia ernannt habe?"

„Das hätte mir vielleicht gereicht", erwiderte Pre Vizsla ruhig. „Aber dann habe ich mitbekommen, dass Ihr unschuldige Bürger ausrauben lasst, um Eure Sucht nach immer neuer Unterwäsche zu befriedigen, um damit Euren Intimfreund Obi-Wan Kenobi zu beeindrucken!", schmetterte Pre Vizsla nach oben zurück.

„Das ist nicht wahr!", rief Satine empört. „Das sind gemeine Lügen!"

„Ach ja? Lügen?", rief Bo Katan, die urplötzlich neben Satine auf dem Balkon erschienen war und eine Handvoll karmesinroter Unterwäsche in ihrer Hand hielt. „Die hier habe ich in deinem Schlafzimmerschrank gefunden, Schwester! Vor einer Stunde wurden diese Dessous einem rechtschaffenen Unterwäscheverkäufer im Herzen von Sundari unter Gewaltandrohung gestohlen – auf Dein Geheiß!"

„Nein! Hört nicht auf sie! Das ist eine abscheuliche Verschwörung!", rief Satine entsetzt ihren Untertanen auf dem Platz vor dem herzoglichen Palast zu. „Dafür gibt es keinen Beweis! Jeder weiß, dass wir Zwei schon seit Jahren verfeindet sind, seit du dich mit Pre Vizsla eingelassen hast, Bo!", wandte sie sich ihrer rothaarigen Schwester zu, deren grüne Augen sie heimtückisch anfunkelten.

„Leider muss ich Bo Katans Anschuldigung bestätigen", rief der Anführer der Leibgarde der Herzogin niedergeschlagen vom Balkon auf den Platz hinunter. „Ich selbst habe im Schlafzimmer Satines das Notfallfluchtpaket bergen wollen, um die Herzogin in Sicherheit zu bringen und bin dabei auf einen riesigen Berg gestohlener Unterwäsche gestoßen, an welcher noch die Preisschilder hängen und Sicherheitsetiketten kleben! Ich kündige hiermit!"

Ein anzügliches Johlen ging durch die Menge.

„Scheint, als wäre unsere Herzogin nicht nur halbherzig im Verfolgen von Kriminellen, sondern gar selbst eine Diebin!", konstatierte Pre Vizsla mit einem genüsslichen Lächeln.

Panisch floh Satine vom Balkon. Sie lief in den Thronsaal und aktivierte ihr Komlink.

„Pre Vizsla hat mich heimtückisch entmachtet und steht mit den Verbrecherfamilien im Bunde. Hilf mir, Obi-Wan Kenobi. Du bist meine letzte Hoffnung!", flehte sie ihren langjährigen Freund im Jedi-Tempel an.

„Braves Mädchen!", hörte sie da eine Stimme von der Tür her.

Sie deaktivierte ihr Komlink und schwang herum, um Darth Maul vor sich zu sehen, der soeben in den Thronsaal gekrabbelt war.

„Was willst du, du Monster!", fuhr sie den Sithlord an.

„Ihr seid die Herzogin Satine, nicht wahr? Mein Name ist Maul, Darth Maul!"

„Obi-Wan Kenobi hat Maul auf Naboo getötet. Ihr seid ein Hochstapler!", fuhr Satine Maul an.

„Obi-Wan wird Euch schon bestätigen, wer ich bin. Und ich werde Euch helfen, wenn Euch noch zu helfen ist, Herzogin", erwiderte Maul ruhig.

Dann streckte er seine Hand aus. Satine wurde hochgehoben, dann schlangen sich silbrig-graue Spinnenfäden um ihren Leib, während sich die Herzogin darin vor Ekel krümmte und wand. Nach etwa fünf Minuten hing Satine in einem riesigen wagenradartigen Spinnennetz verpuppt inmitten ihres eigenen Thronsaales.

„So ein Bild von Euch würde ich mir doch glatt hier in die Fensterscheiben einarbeiten lassen – in meinen Thronsaal", sinnierte Maul vergnügt über seine Zukunft.

„Das ist nicht Euer Thronsaal! Und schon bald wird Obi-Wan Kenobi kommen, um mich zu retten und Eure Machenschaften zu beenden!", spie Satine dem schwarzroten Zabrak entgegen.

„Und genau darauf warte ich", erwiderte Maul mit ruhiger Stimme, während Feral in den Saal hineinkam.

„Müssen wir wirklich diesen Jedi rufen?", flüsterte Feral und warf der gefangenen Herzogin einen begehrlichen Blick zu, den Satine hasserfüllt erwiderte.

„Ma Flodder hat mir erzählt, du hättest dich auf Stobar sehr gut mit Padawan Ahsoka Tano verstanden. Sie wäre wahrlich enttäuscht, würdest du ihr jetzt untreu werden, du Casanova!", erwiderte Maul seinem orangen Bruder mit einem betont vorwurfsvollen Blick.

Endlich war die Twilight in Sundari gelandet. Obi-Wan stieg aus, in die Rüstung des Kopfgeldjägers Rako Hardeen gewandet, um nicht gleich erkannt zu werden. Da sah er einen orangefarbenen Zabrak auf dem Landefeld stehen. Er bekam ein mieses Gefühl in der Magengrube.

„Tolles Schiff!", sagte Feral anerkennend, kaum dass Obi-Wan auf der Rampe der Einstiegsluke erschienen war.

„Danke, aber veralbern kann ich mich gut auch alleine!", erwiderte Obi-Wan scharf, während die Rampe ächzte und quietschte, bis sie sich in abgehackten Intervallen schließlich auf den Permabetonboden der kleinen Landebucht herabsenkte.

„Also die Schrottmühle, mit der wir nach Mandalore gekommen sind, sah noch viel runtergekommener aus", erwiderte Feral.

„Du bist nicht hier, um mit mir über heruntergekommene Raumschiffe zu reden, hab ich recht?", fragte Obi-Wan.

„Richtig, ich soll Euch zu meinem Bruder bringen."

„Wer ist dein Bruder?", fragte Obi-Wan verwundert.

„Kommt einfach mit", sagte Feral freundlich.

Als Feral mit Obi-Wan in den Thronsaal kam, in welchem Satine im Spinnennetz hing, saß Maul hinter der Herzogin auf dem Thron und räkelte sich genüsslich auf diesem. Die Tür zum Thronsaal schloss sich hinter den beiden Ankömmlingen und zwei Death Watch-Krieger packten Obi-Wan von links und rechts an den Armen, um jegliche Gegenwehr im Keim zu ersticken.

„Willkommen auf meinem Planeten!", begrüßte Darth Maul seinen Erzfeind. „Wie Ihr seht, sitze ich deutlich über Euch!"

„Noch, aber schon bald wird sich der Kreis schließen und dann werde ich Euch wieder dorthin zurückbefördern, wo Ihr eigentlich hingehört!", drohte Obi-Wan.

„Nicht so schnell!", zischte Maul und aktivierte seine rote Klinge. Dann stand er von seinem Thron auf und trippelte mit seinen acht Beinen von hinten auf Satine zu. Die rote Plasmaspitze berührte ihren Rücken. Die Herzogin verzog das Gesicht vor Pein.

„Lasst sie los!", forderte Obi-Wan. „Ich werde mich Euch im Kampf stellen … Ehrenhaft von Mann zu Mann! Oder traut Ihr Euch etwa nicht?"

„Keine Sorge", sagte Maul von oben herab. „Ich habe nicht die Absicht Euch zu töten, Kenobi. Aber ich werde dafür sorgen, dass Ihr meinen Schmerz teilt."

Obi-Wans Augen weiteten sich.

„Ihr werdet jetzt und hier erklären, dass Ihr Satine heiraten und aus dem Orden der Jedi austreten werdet. Ihr Zwei werdet Mandalore für immer verlassen, dann wird Eurer großen Liebe nichts geschehen", versprach Maul.

„Hör nicht auf ihn, Obi-Wan!", beschwor Satine ihren Jedi-Freund.

Jetzt weiteten sich auch die Pupillen von Obi-Wans Augen. „Satine, hätte Maul mir das vor zwölf Jahren auf Naboo angeboten, dann hätte ich für dich sofort den Orden der Jedi verlassen", gestand Obi-Wan.

„Aber wir müssen unsere Pflicht tun. Mein Volk braucht mich. Und der Jedi-Orden braucht dich", beschwor Satine ihn.

Johnny kam in den Thronsaal.

„Noch ein Sith-Handlanger!", stellte Obi-Wan trocken fest. „Anakin hat mir von dir erzählt. Du und deine Familie - ihr habt euch in der Plop Dribble's Diner-Raumhafencantina auf Stobar nicht gut benommen!", tadelte Obi-Wan den blondgefärbten Holländer mit dem Doppellichtschwert am Gürtel.

„Hat Anakin Euch auch erzählt, dass er ein Liebesverhältnis mit Senatorin Padmé Amidala unterhält?", gab Johnny lächelnd zurück.

Obi-Wan erbleichte.

„Die Herzogin und der Jedi. Der Jedi und die Senatorin. Wirklich reizende Konstellationen!", streute Maul mit einem amüsierten Grinsen ein.

„Anakin würde niemals den Kodex der Jedi brechen!", protestierte Obi-Wan entrüstet. „Wie könnt Ihr so etwas behaupten? Das sind doch lediglich Lügen, ausgestreut von Count Dooku!"

„Dafür braucht es keinen Dooku. Padmé und Euer ehemaliger Padawan wurden häufig zusammen auf Naboo gesehen … und in Padmés Apartment im Republica-500-Gebäude! Davon gibt es eindeutige Filmaufnahmen!", erklärte Johnny dem sichtlich aufgewühlten Obi-Wan.

„… die der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, solltet Ihr Satine jetzt im Stich lassen. Satine wird sterben!", grollte Maul in Obi-Wans Richtung und stach einen Standardzentimeter weit in Satines Rücken hinein. Satine krümmte sich, aber sie blieb stumm und gab keinen Laut von sich. Diese Standhaftigkeit der Herzogin nötigte Maul Respekt ab.

„Gut …", stieß Obi-Wan hervor. „Ich … erkläre hiermit …"

„… meinen Austritt aus dem Orden der Jedi und dass ich Herzogin Satine Kryze heiraten werde … dass sie … dass Satine für mich auf den Thron Mandalores verzichtet", hörte Anakin Skywalker auf Coruscant im Jedi-Tempel im Holo-Net seinen Meister erklären.

„Der hat's gut", sagte Anakin zu Ahsoka, die neben ihrem Meister vor dem Plasmabildschirm in der Cantina des Jedi-Tempels saß und sich ihr Abendessen munden ließ. „Eigentlich kann ich Obi-Wan ja verstehen. Auch ich denke gelegentlich daran, den Orden zu verlassen. Aber ich hätte nie gedacht, dass Obi-Wan mir in diesem Punkt zuvorkommen würde."

„Ich wusste ja, dass die Beiden befreundet sind, aber so?", meinte Ahsoka betreten.

„Es gibt vieles, was du nicht weißt, Snips", erwiderte Anakin nebulös.

Satine und Obi-Wan hatten sich mit der Twilight in den Orbit über Mandalore erhoben.

„Wohin fliegen wir denn?", fragte Satine. „Ich würde ja gerne mal deine Heimat Stewjon kennenlernen. Meine Heimat kennst du ja bereits."

„Vorher muss ich Anakin die Twilight zurückgeben, sowie mein Lichtschwert im Tempel, da ich ja nicht mehr dem Orden angehöre", erwiderte Obi-Wan pflichtbewusst.

„Dein ehemaliger Padawan hat bereits einen tollen Kampfbomber vom Jedi-Tempel. Und soviel ich weiß, hat Anakin den alten Spice-Frachter damals auf Teth auch nur geklaut!", murrte Satine.

„Aber er gehört Anakin. Er hat mir die Twilight vertrauensvoll ausgeliehen und also bringe ich sie ihm auch wieder zurück."

Satine zog einen Flunsch.

„Das heißt also, wir müssen jetzt erstmal Credits für ein neues Raumschiff lockermachen, obwohl Anakin die Twilight momentan gar nicht braucht?", begehrte Satine auf. „Und wieso überhaupt musst du dein Lichtschert wieder abgeben? Du selbst hast mir damals gesagt, dass jeder Jedi sowieso ein eigenes baut. Es herrscht Krieg in der Galaxis und du wirst dein Lichtschwert vielleicht schon bald wieder brauchen. Und eigentlich habe ich auch keine große Lust, erst den weiten Weg nach Ilum zu fliegen, damit du dort einen neuen Kristall für dein neues Lichtschwert suchst. Was, wenn du in dieser Höhle über Nacht eingeschlossen wirst und ich muss dann neunzehn Standardtage lang vor der Höhle warten, wenn du nicht gleich einen Kristall findest?", fragte Satine vorwurfsvoll.

„Wärst du heute Maul und seinen finsteren Plänen nicht auf dem Leim gegangen, dann wäre es niemals so weit gekommen!", widersprach Obi-Wan.

„Und du? Du hast doch genauso mitgespielt!", schmetterte Satine ihm an den Kopf. „Und du hast es noch nicht einmal für mich getan, sondern für deinen Padawan, damit dessen Fehltritt nicht ans Licht der Öffentlichkeit gelangt!"

Sie brach in Tränen aus. Obi-Wan nahm Satine in die Arme, aber sie stieß ihn weg.

„Aber ich habe doch jetzt den Orden verlassen. Das ist es doch, was zählt … Wir!", versuchte er, sie zu besänftigen.

Aber Satine war noch nicht fertig. „Und mir hast du vorhin im Thronsaal gesagt, dass du vor zwölf Jahren auf Naboo für mich den Jedi-Orden verlassen hättest. Das heißt dann wohl, dass du es heute eigentlich nicht getan hättest!"

„Es gibt kein eigentlich. Es gibt nur Tun oder Nichttun!", erklärte Obi-Wan mit tragender Stimme.

Satines längliches Gesicht lief rot an. „Erspare mir deine Jedi-Plattitüden!"

„… sagt die Frau, die der ich heute wieder einmal das Leben gerettet habe. Es war doch das … vierte Mal?"

Satine atmete scharf aus. Sie war müde. In jeder Hinsicht. Aber das mochte sie vor Obi-Wan nicht zugeben. Sie straffte ihren Rücken und sah ihn scharf an: „Selbstgefällig wie immer! Also … fliegen wir jetzt sofort nach Stewjon?"

„Gut, ich werde sofort die Koordinaten eingeben, Liebste", gab Obi-Wan klein bei.

Satines Gesicht entspannte sich. Die vormalige Herzogin wischte sich die Tränen aus den Augen. Dann zog sie ihr blaues Kleid glatt. „Leben deine Eltern eigentlich noch?"

„Ich weiß es nicht", erwiderte Obi-Wan und seufzte auf.

Ma Flodder inspizierte das große dreistöckige Haus, welches Werner für sie ausgesucht hatte. Jetzt standen Werner und Maul neben dem Familienoberhaupt der Flodders und warteten auf die Entscheidung der fünffachen Mutter.

„Hier hat Satine gewohnt, bevor sie Herzogin von Mandalore wurde. Gelegentlich hat sie ihr früheres Domizil als Gästehaus genutzt", erklärte Werner van Koten, während er die Flodders durch die Räume führte.

„Werner, ich wusste, dass ich mich auf dich verlassen kann", sagte Ma Flodder glückstrahlend. „Du hast uns damals in Amsterdam eine größere Wohnung versprochen und dieses Versprechen hast du auch gehalten. Danke!"

„Ich werde dann wieder so alle zwei Wochen vorbeischauen?", schlug Werner vor.

„Aber immer doch, du alter Wichser!", entgegnete Johnny grinsend.