6.3.2005 Quantico (ein Tag später)
Jack stand vor Spencers Wohnungstür. Es war keine schlechte Gegend, er klopfte an die Apartmenttür und erstarrte als er kurze Zeit später einen blassen stark zitternden jungen Mann vor sich stehen sah. "Spencer" verkündete er erschrocken als er einen Schritt vortrat um ihn zu stützen. "Dad" krächzte der Doktor stark zitternd. "Wie lange machst du das schon?" fragte der Colonel ihn besorgt musternd. Spencer hob Zeige- und Mittelfinger. "Zwei Tage und du hast mich gestern erst angerufen?" fragte Jack geschockt.
Ein kalter Entzug musste geplant werden, man durfte so etwas gefährliches nicht alleine machen. "H-h-hab g-g-g-tssss..." Spencer brach stark zitternd ab. "...gedacht... würd's... sch-...schhhh...schaffen" stotterte er als Jack ihn auf die Couch zu steuerte. "Ist gut, setz dich, hast du geschafft etwas zu essen?" fragte der Mann in Sorge. Spencer schüttelte den Kopf. "Bleibt... nichts unten" antwortete der Doktor sich hinlegend. Jack musterte Spencers Handgelenk als sich dieser mit zittrigen Händen durchs Haar strich.
Er packte seinen Arm und zog ihn zu sich. Sein Blick unlesbar als er die Fesselspuren erblickte. Das Genie sah ihn besorgt an. "Was ist passiert?" fragte der Colonel finster. "Nei-...nicht! Tobias hör auf!" rief der junge Doktor seinen Arm zurück ziehend. Er kauerte sich auf der Couch zusammen. Jack schaute ihn entsetzt an. Der junge Agent fuhr sich nervös durchs Haar, immer wieder vor sich her stotternd. "Ist okay... alles ist okay, Junge" versuchte er den verschreckten Mann zu beruhigen, was ihm nach und nach auch gelang.
Als er sich sicher war, dass er ruhig genug war, stand er auf. Spencer atmete etwas ruhiger und Jack nahm eine Decke, die über dem Couchrücken lag und deckte ihn zu. Dann durchforstete er die Wohnung. In der Küche durchstöberte er die Schränke, es war weniger darin als in seinem eigenen Haus. Auf dem Tisch lagen Karten für Lieferdienste. Die ganze Wohnung stand mit Büchern voll, an einer Wand hingen alle akademischen Auszeichnungen des Jungen.
Das Bett war verwuschelt und es roch unangenehm in dem Raum. Er öffnete ein Fenster und ging ins Bad. Es würde dem jungen Mann sicherlich gut tun ein Bad zu nehmen. Er ging wieder zurück zu Spencer. "Hey mein Junge, ich lasse dir gerade ein Bad einlaufen, es wird dir gut tun" sagte er sanft. "Hn" murmelte das Genie und versuchte sich aufzurichten. "Ich helfe dir" sagte der ältere Mann und half ihm ins Bad. Langsam half er seinem Sohn aus den Klamotten. Er erschrak bei den ganzen blauen Flecken und Einstichen in den Armen. Speziell Spencers Fuß hatte gelitten.
Jack erstarrte als er merkte, dass sein Junge nicht nur gefesselt sondern auch gefoltert wurde. Er verbiss seine Reaktion, wütend konnte er hinterher noch werden. Er half dem jungen Mann in die Wanne. "Ich gehe nur schnell etwas zu Essen bestellen und das Bett neu beziehen. Ruf mich, wenn du Hilfe brauchst" sagte Jack und wartete bis Spencer nickte. Der Colonel warf einen letzten Blick auf ihn und ging schließlich aus dem Raum, die Tür angelehnt lassend.
8.3.2005 Quantico (zwei Tage später)
Jack atmete auf als er Spencer das erste Mal ruhig schlafen sah. Sie hatten zwei lange Tage und Nächte hinter sich. Jedoch glaubte er endlich das Schlimmste hinter sich zu haben. Trotz der Sucht, hatte der junge Mann nicht einmal nach, den leeren Ampullen nach, die er gefunden hatte, Dilaudid gefragt. Er war ein willensstarker junger Mann. Der Colonel hatte Hammond und sein Team über den Fund informiert, jedoch wusste er noch immer nicht was wirklich passiert war.
Er wollte gerade in die Küche gehen um etwas zu Essen zu machen, er hatte zwischendurch eingekauft, als es an der Tür klopfte. Überrascht warf er einen flüchtigen Blick in Spencers Schlafzimmer, den Jungen noch immer tief und fest schlafend sehen, ging er zur Tür. Vor ihm stand ein farbiger Mann, den er als Spencers Kollegen identifizierte. "Oh, guten Tag" sagte der Agent überrascht den Mann zu erblicken.
"Hallo" sagte Jack langsam. "Ich bin Derek Morgan, ich habe mir Sorgen um Spencer gemacht" sagte er. "Er schläft gerade, aber kommen Sie rein" sagte Jack die Tür weiter öffnend, vielleicht erhielt er so endlich seine Antworten. "Jack O'Neill" gab der anderen Mann zurück und Morgan musterte ihn aufmerksam. "Ah! Spence hat gesagt, Sie profilen die Familien nicht" unterbrach der Colonel eine Hand hebend.
Unweigerlich schlich ein Grinsen auf Dereks Gesicht. "Warum waren Sie nicht schon früher hier?" fragte Jack plötzlich, den Profiler aufmerksam musternd. "Wir hatten einen Fall und Spencer ist noch krank geschrieben" sagte der Agent. Beide setzten sich und Jack nickte, damit konnte er leben. "Was ist mit ihm passiert?" fragte er plötzlich, als sich stille Rage in seine Augen schlich, er blinzelte und sie war verschwunden. Verblüfft weiteten sich Dereks Augen, das hieß nichts Gutes, zumindest nicht für ihn.
"Wir waren auf einem Fall" fing er schließlich an und schaute auf den Kaffeetisch. "Reid war mit JJ dabei eine Routinebefragung durchzuführen, wir haben ursprünglich nach einem Team gesucht, das mordete" erklärte Derek und atmete tief durch. "Durch Zufall haben sie genau die Person erwischt, die die Morde begangen hatte. Tobias Hankel hatte eine gespaltene Persönlichkeit, genau genommen war er drei Personen, sein brutaler, verstorbener Vater Charles, ein Racheengel, der sich Raphael nannte und er selbst" sagte er sich unbehaglich fühlend.
"Spencer hat auf der Stelle verstanden, dass Hankel unser UnSub war und sie verfolgten ihn als er flüchtete. Sie haben sich getrennt. Als wir JJ gefunden haben, stand sie unter Schock und es gab keine Spur von dem Jungen. Wir haben Garcia, unsere technische Analystin, einfliegen lassen als wir merkten, dass Tobias alles filmte und versteckte Kameras in verschiedenen Häusern hatte" der Mann atmete tief durch und warf einen flüchtigen Blick Richtung Schlafzimmer, es war nicht das erste Mal, dass er bei Reid war. Jack folgte seinem Blick und merkte, dass sich der andere Mann selbst Schuld gab an dem, was passiert war.
"Als Garcia das Programm geknackt hatte, fanden wir einen Livestream. Inmitten eines dunklen Raums saß Reid, gefesselt und einer Platzwunde am Kopf. Raphael hat Spencer versucht dazu zu bringen, etwas zu beichten. Irgendwas, das ihn belastete. Womit er wohl nicht gerechnet hatte war, dass uns Reid Botschaften über diese Unterhaltungen gesendet hat" erklärte er und schaute O'Neill in die Augen. Diese waren unlesbar. "Was für Botschaften?" fragte der Colonel seine Rage und Verzweiflung fest in sich haltend.
"Über seinen Aufenthaltsort, er versuchte uns Hinweise zu geben, wo er sich befand und er hat das gut gemacht" antwortete der Agent. "Hat Spencer etwas zu beichten gehabt?" fragte Jack langsam. Derek schüttelte den Kopf. "Nein, soweit wir sehen konnten gab es nichts. Spencer ist wohl eine der unschuldigsten Menschen, die ich kenne" antwortete der farbige Mann. "Was Raphael und Charles, den beiden Alpha-Persönlichkeiten, ganz und gar nicht passte. An..." Derek atmete tief durch und Jack wappnete sich innerlich. Schließlich lag sein Junge im Schlafzimmer hinter ihnen.
"An einem Punkt..." Derek schloss seine Augen und fuhr sich über seinen Kopf. "An einem Punkt mussten wir mit ansehen, wie Spencer einen Krampf erlitt und daran erstickte..." sagte er schließlich und Jack sog zischelnd Luft ein. "Wir haben gedacht, dass es vorbei war als Tobias plötzlich in den Raum kam und ihn wiederbelebte. Garcia hatte es in der Zwischenzeit geschafft seinen Standort festzulegen und wir sind los" erklärte er wieder zu dem Mann aufsehend.
"Sie waren auf einem Friedhof, als wir sie fanden schaufelte Spencer gerade sein eigenes Grab" sagte er vorsichtig, der andere Mann war unlesbar. "Was ist mit Hankel passiert?" fragte O'Neill leise, kontrolliert. "Reid hat ihn erschossen" antwortete der Agent und sah wie der andere Mann ruhig nickte. "Wie geht es ihm wirklich?" fragte Derek als er wieder zum Schlafzimmer schaute.
Jack musterte den Agent ein weiteres Mal. "Er ist erkältet" anwortete er und Morgan schaute ihn mit einer angehobenen Augenbraue an. "Das werden Sie sagen, wenn Sie gefragt werden" sagte Jack streng, beschließend dem Mann zu vertrauen. Morgan nickte. "Nichts, gar nichts, wird seine Akte erreichen" stellte der Mann klar und Derek hatte das seltsame Bedürfnis zu salutieren obwohl er nie in der Army gewesen ist. "Ich verspreche es" sagte Morgan ernst. Der andere Mann musterte ihn ein weiteres Mal bevor er nickte.
"Er hat einen kalten Entzug hinter sich. Hankel hat ihn wohl auf Dilaudid angefixt. Spencer wollte den Entzug alleine durchstehen, hat sich aber glücklicherweise anders entschieden und mich angerufen" erklärte Jack und sah wie sich Morgans Augen alamiert weiteten. "Er ist aus dem Gröbsten heraus, allerdings hat er nun wirklich eine Erkältung" sagte der ältere Mann in Ironie. "Dad?" krächzte eine müde Stimme aus dem Schlafzimmer. "Ich bin hier" antwortete Jack und zog Morgans überraschten Blick auf sich. Ein belegtes Husten erreichte ihre Ohren und Derek zuckte in Sympathie zusammen als Jack aufstand, ein Glas Wasser nahm und ins Schlafzimmer ging.
"Langsam" sagte der Mann leise als er Spencer stützte damit er trinken konnte. "Du hast Fieber, leg dich wieder schlafen, ich werde gleich was kochen" fügte er sanft hinzu. "'kay" murmelte Spencer wieder aufs Bett zurück fallend. Morgan sah, wie der ältere Mann aufstand und kurz im Bad verschwand. Er kam mit einem nassen Lappen wieder und legte diesen auf Spencers Stirn. Jack seufzte leise als er wieder ins Wohnzimmer kam.
"Dad?" wiederholte der Profiler interessiert. Über Jacks Gesicht schlich unweigerlich ein Lächeln. "Er ist mein Junge" antwortete der Colonel als wäre es offensichtlich. "Na dann, nur bitte tun Sie mir den Gefallen und verlassen Sie ihn nicht so einfach wie sein eigener Vater gemacht hat" bat Derek ernst. Er machte sich wirklich Gedanken um Spencer und Jack lockerte seinen Blick. "Keine Sorge, jetzt wo ich ihn wieder habe gibt es keine Chance, dass ich ihn im Stich lasse... er ist meine zweite Chance Vater zu sein und auch wenn es etwas spät ist, will ich ihm die Sicherheit geben immer zu mir kommen zu können. Nicht auszudenken, wenn er den Entzug alleine hätte durchmachen müssen" erklärte er ernst und der Agent nickte anerkennend.
"Versprechen Sie mir, dass Sie ein Auge auf ihn haben werden. Der Junge braucht eigentlich eine Leine, aber ich würde mich schon sicherer fühlen, wenn jemand auf ihn aufpasst" sagte er und Derek nickte. "Ich verstehe schon und keine Sorge, ich lasse ihn nicht mehr alleine davon rennen" versprach der farbige Mann ernst und Jack nickte zufrieden. "Gut, Kaffee?" fragte der Colonel aufstehend. "Gerne" antwortete Derek als er dem Mann in die Küche folgte.
Der Agent setzte sich auf einen der Stühle während Jack die Kaffeemaschine bestückte. "Wie ist Spencer so auf der Arbeit?" fragte er über seine Schulter schauend. Über Dereks Gesicht schlich ein Lächeln als er dem anderen Mann erzählte wie unersätzlich Reid an der Arbeit war. "Ich glaube, ich rieche Kaffee... ist das Kaffee?" fragte ein herrlich verwuschelter Spencer Reid vollkommen verschlafen in der Tür stehend. "Bluthund" murrte Jack und ein Grinsen schlich über Dereks Gesicht.
"Morgan?" nuschelte das Genie seinen Kollegen am Esstisch sitzen sehend. "Hey Kleiner" begrüßte der Mann seine Tasse Kaffee in Begrüßung hebend. Spencer verengte seine Augen und runzelte seine Stirn als er sehr stark über etwas nachdachte. Schließlich gab er auf und seufzte leise als er sich von Jack zu einem Stuhl führen ließ. "Kaffee?" fragte er hoffnungsvoll. "Wenn du wieder gesund bist. Du hast den Doc gehört, Kaffee gibt's nur für gesunde Doktoren" antwortete Jack.
Spencer öffnete protestierend seinen Mund und Jack hob eine Hand. "Ah, und gesunde Supervisory Special Agents" fügte er hinzu und der junge Mann schloss stirnrunzelnd seinen Mund. "Bleiben Sie zum Essen? Es gibt heute... Suppe" fragte Jack zu Derek schauend. Dieser sah von dem älteren Mann zu Spencer, er wollte wirklich noch eine Weile bleiben. Ihre Interaktion war äußerst amüsant. "Gerne" sagte er schließlich und erhielt ein schwaches Lächeln von Reid. "Wie lange habe ich dich noch für mich?" fragte der Doktor zu Jack schauend.
Dieser warf ihm einem entschuldigenden Blick zu. "Ich wurde vorhin angerufen, Carter und George vermissen mich schon, also geht mein Flug morgen Abend" antwortete er. "'kay..." murmelte Reid nickend. Seine Augen nur mit Mühe aufhalten könnend. "JJ hat mir geschrieben, sie wollte übermorgen mal nach mir sehen, das passt doch" fügte er hinzu. "Ja, sie hat noch einiges im Büro zu tun" sagte Derek. "Aber ich bin mir sicher, dass ich Garcia dazu bekomme dir ein paar Muffins zu backen, wenn sie erfährt, dass du erkältet bist" fügte er grinsend hinzu und erhielt einen hoffnungsvollen Blick. "Wirklich?" fragte er.
"Ja natürlich, Kleiner" antwortete der Agent amüsiert. "Ich bin größer als er und er nennt mich 'Kleiner'" murrte das Genie zu Jack schauend. Dieser schaute ihn amüsiert an. "Naja, von der eigentlichen Größe hast du Recht, aber von der Muskelmasse her, hat er Recht. Du musst wirklich mal was für dein Gewicht tun" warf Jack ungewohnt diplomatisch ein. "Ich esse!" protestierte Spencer und hustete anschließend. "Ja, aber wenn ich Rückschlüsse ziehen soll, bist du wie Carter, du musst an Pausen, Essen und Trinken erinnert werden, wenn du dich erst einmal in eine Sache hinein gearbeitet hast" entgegnete Jack und Spencer zuckte ertappt zusammen.
