Kapitel 9: Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne
„Was war das Potter?", flüsterte Snape wütend. Harry lief ein Schauer den Rücken herab – immer, wenn Snape extrem wütend wurde, senkte er seine Stimme auf eine beunruhigende Art und Weiße.
Harry, Hermine und Ron hatten eine Hohlstunde am Nachmittag genutzt, um in den Kerker, in Snapes Klassenzimmer zu gehen. Sie hatten Professor Thompson gefragt, ob sie ihnen kurz öffnen könnte – sie behaupteten, dass sie Professor Snape nicht finden konnten, dieser jedoch von ihnen wollte, dass sie in ihrer freien Stunde schon mal ein paar Zutaten für den morgigen Trank vorbereiteten. Professor Thompson ging einfach darauf ein – sie verließ sich auf ihre Gryffindors. Vor allem auf diese drei. Als sie gerade den Raum betreten hatten, war Snape aus einem Nebenraum gekommen. Er stellte sich neben Professor Thompson. Noch bevor er etwas sagen konnte, stolperte Harry und verschüttete den Inhalt eines Kessels über den beiden Lehrern.
„Das ähm… war ein… ein… Liebeszaubertrank… Amortentia", stotterte Harry. Snape riss die Augen weit auf. Schnell wandte er seinen Kopf zu Stephanie, die Harry verdutzt ansah, dann sah er wieder zu Harry. „Potter, Sie Idiot! Warum laufen Sie mit einem Liebestrank hier herum? Fünfzig Punkte Abzug für Gryffindor! Für jeden von euch dreien! Und jetzt macht, dass ihr hier rauskommt!", zischte er. Harry stellte den Kessel ab. Er, Ron und Hermine eilten aus dem Raum.
Schweigen. „Ernsthaft, warum läuft Harry hier mit einem Liebestrank herum?", durchbrach Stephanie fragend die Stille. „Was weiß ich…", murmelte Snape immer noch gereizt.
Wieder: Schweigen. „Vielleicht sollten wir uns heute aus dem Weg gehen. Auch, wenn Potter nur wenig von Zaubertränken versteht, der Trank könnte doch wirken", schlug Snape vor, ohne Stephanie anzuschauen. „Stimmt…", pflichtete sie ihm bei, doch keiner der beiden regte sich vom Fleck.
Erneutes Schweigen. Stephanie beugte sich über den Tisch, über den Kessel mit dem restlichen Trank. Sie schloss die Augen und atmete tief ein. Sie seufzte. „Nach was riecht der Trank für dich?", fragte Snape plötzlich. Als er die Frage gestellt hatte, wünschte er sich, es ungeschehen machen zu können – doch einmal ausgesprochen konnte er die Worte nicht mehr zurücknehmen. Stephanie drehte den Kopf zu ihm und lächelte. „Sollte er deiner Meinung nach für mich nach etwas oder jemand Bestimmten riechen?", fragte sie ihn. Verlegen sah er sie mit aufgerissenen Augen an. „Nein, natürlich nicht", sagte er zögernd, versuchte jedoch verärgert zu klingen.
„Weißt du Severus, egal wie sehr du auch versuchst, unfreundlich zu wirken – ich mag dich." Sie machte wenige Schritte auf ihn zu, um die Lücke zwischen ihnen zu schließen. Sie griff nach seinen Schultern, um ihn noch näher an sich heran zu ziehen. Sie schloss die Augen und legte ihre Lippen vorsichtig auf seine. Er tat es ihr gleich. Einige Zeit rührte sich keiner der beiden. Sie standen einfach nur da, hielten ihre Augen geschlossen und küssten sich sanft. Sie genossen einfach nur den Moment, welcher ewig anzuhalten schien.
Als sie von sich ließen, sahen sie einander tief in die Augen. Immer noch wussten sie nicht, was um sie herum geschah – konzentrierten sich nur auf den jeweils anderen und schienen alles andere zu vergessen. „Du bist wunderschön", flüsterte er und brachte sie damit zum Erröten. Als Antwort gab sie ihm noch einen kurzen Kuss auf die Lippen. Er atmete tief ein und aus, fasste allen Mut zusammen und ergriff nun selbst die Initiative.
Er umschlang sie mit einen Armen. Küsste sie – leidenschaftlich und drückte sie leicht gegen das Pult. „Ich will dich", flüsterte sie ihm zu. Ein breites Grinsen formte sich auf seinem Gesicht. Vorsichtig küsste er ihren Hals. „Aber nicht hier."
Severus strich ihr ein Haar aus dem Gesicht. Sie lächelte ihn an und legte eine Hand auf seine Wange. Erneut küsste sie ihn. „Das war wirklich schön", flüsterte sie. Die beiden lagen in Snapes Bett – beide auf der Seite – sich ansehend. „Dieser verrückte Potter und sein Liebestrank", scherzte er. „Ja, der Trank…", murmelte sie. Wieder ein leidenschaftlicher Kuss – diesmal wieder von ihm. „Schade, dass die Wirkung bald nachlassen wird", meinte er. Sie drehte sich auf den Rücken, sah zur Decke. „Du meinst, dass das bloß der Trank war?", fragte sie. Er sah sie weiterhin eindringlich an. „Nun ja, das ist nicht irgendein Trank – wir sprechen hier von dem stärksten Liebestrank überhaupt", meinte er. Sie lachte leicht auf, drehte sich wieder zu ihm, lehnte sich leicht auf ihn. Grinsend sah sie ihm nochmals tief in die Augen, bevor sie ihn korrigierte: „Das war kein Amortentia." „Nun, der Trank schien mir doch recht stark zu sein und einen anderen kennen Potter und seine Freunde eh…" „Das war überhaupt kein Liebestrank", unterbrach ihn Stephanie. Severus sah sie verdutzt an. „Was? Wie meinst du das?" „Ich erkenne einen Liebestrank, wenn er vor mir steht. Dieser Trank war keiner. Ich habe daran gerochen. Ich würde auf Pockenheilung tippen. Hat in etwa die gleiche Farbe, die gleiche Konsistenz und entspricht eben dem, was ich roch", berichtete sie.
Sanft hob er sie von sich und richtete sich auf. „Du meinst…", er beendete diesen Satz nicht. Trotzdem pflichtete sie ihm bei: „Genau, es gab keinen Liebestrank. Wir standen unter keinem magischen Bann."
Er sah sie verwundert an. „Aber, da war was… Ein Zauber!", meinte er. Wieder lachte sie kurz. Auch sie richtete sich auf. Sie lehnte sich über ihn, küsste ihn und drückte seinen Oberkörper wieder zurück auf die Laken und die Kissen. „Vielleicht hast du ja eine ganz andere Art von Zauber gespürt. Eine…. Nicht-magische", flüsterte sie ihm ins Ohr. Er seufzte und dachte darüber nach.
Nach einigen Minuten, in denen Stille herrschte, in denen sie ihn zwar ansah, er jedoch die Wand auf der anderen Seite anstarrte, wandte er sich wieder ihr zu. „Ja…", murmelte er. „Du könntest Recht haben. Und ich… ich fühle diesen… diesen „Zauber" immer noch." Er war dankbar für die Vorlage, die sie ihm gegeben hatte. Über einen „Zauber" zu sprechen war viel angenehmer, als von irgendwelchen Gefühlen zu sprechen… Er nahm sie in den Arm und sie kuschelte sich eng an ihn.
Einige Zeit lagen sie noch einfach so da, bis er sie ansah und sagte: „Weißt du, ich glaube, dieser „Zauber" gefällt mir besser, als jeder andere, den ich so kenne."
