Hauptquartier der Sternenflotte, Admiral Marcus Büro
Einige Stunden später


„Entschuldige Liebes, aber ich bekomme gerade eine dringende Nachricht herein. Ich melde mich später wieder." Admiral Marcus unterbrach das eher dienstliche als private Gespräch mit seiner Tochter Carol, weil ein rotes Icon auf dem Bildschirm aufleuchtete.

Er aktivierte es mit einem Fingertippen. Während sich die verschlüsselte Verbindung aufbaute, legte sich seine Stirn in Falten.

London?

Das verhieß nichts Gutes, wenn er daran dachte, wen er dort stationiert hatte. Aus taktischen Gründen war es besser gewesen, Khan dort zu lassen, auch wenn er ihn vielleicht in San Francisco besser unter Kontrolle und Beobachtung gehabt hätte.

Andererseits bestand hier in direkten Umgebung des Sternenflottenhauptquartiers auch immer die Gefahr, dass der Mann aus der Vergangenheit jemandem ins Auge fiel, der die richtigen Schlüsse ziehen konnte und dann die wirklich unangenehmen Fragen stellte.

Eine Person fiel ihm sofort ein. So sehr er Christopher Pike auch persönlich schätzte, sein ehemaliges Protege hatte leider die Maxime der Förderation leider zu sehr verinnerlicht. Das merkte man auch daran, dass der Viceadmiral trotz der Gefangennahme durch Nero und der Folter, die seine körperliche Unversehrtheit zerstört hatte, immer noch keinen Groll gegen die Feinde der Förderation hegte und weiterhin auf Diplomatie und Verständnis ihrer Kultur und Lebensart setzte, auch wenn er die Notwendigkeit, sch gegen Angriffe von Außen zu verteidigen und die Schwachen zu beschützen, einsah...

Auf dem Bildschirm erschien das Gesicht des Londoner Chefarztes. Marcus zog eine Augenbraue hoch. Das war noch seltsamer, hatte er doch eigentlich den Sicherheitschef des geheimen Stützpunktes erwartet.

„Sir, gut das ich Sie so schnell erreiche!", sagte der Mediziner sichtlich erleichtert.

„Doktor Townhill. Was ist passiert?"

„Es handelt sich um den Augment, Sir", kam der Arzt ohne Umschweige zum Grund seines Anrufs und nannte das Problem direkt beim Namen. Er war einer der wenigen, die um die besondere genetische Struktur Khans wusste.

„Ich meine Commander John Harrison. Ich sollte mich ja persönlich bei Ihnen melden, wenn ein unerwarteter medizinischer Zwischenfall eingetreten ist oder sich sein Gesundheitszustand verändert hat", fügte der Mann schnell hinzu.

„Nun, ersteres ist eingetreten: Harrison hat vor ein paar Stunden eine Strahlendosis abbekommen, die bei einem normalen Menschen schwere Schädigungen verursacht hätte."

„Und?" Marcus beugte sich angespannt vor. „Wie steht es jetzt ihn? Wie konnte das überhaupt passieren?"

„Es ist erstaunlich. Ich wollte es erst selbst kaum glauben. Harrison ist bereits jetzt auf dem Wege der Besserung, auch wenn er im Moment tief schläft. Seine Zellen regenerieren sich und neutralisieren die Verstrahlungen so schnell wie ich es noch nie gesehen habe. Es ist da etwas in seinen roten Blutkörperchen, dass ich noch genauer untersuchen muss."

Der Mediziner rieb sich über die Stirn.

„Die Genetiker, die für das verantwortlich waren, müssen wahren Meister ihres Fachs gewesen sein. Ich wünschte ich könnte das längerfristig untersuchen und weitere Tests mit anderen Strahlenarten durchführen, aber das würde wohl all zu sehr auffallen und gegen die Bestimmungen verstoßen." Er seufzte. „Doch zurück zum Thema. Ich denke, ich kann Harrison spätestens in einer Woche wieder aus der Krankenstation entlassen, wenn nicht sogar schon früher."

„Tun Sie das, was Sie für richtig halten, aber ich verbiete jegliche Tests an Harrison, so sehr es Ihnen auch in den Fingern jucken mag." Marcus stellte damit klar, was er von den Andeutungen und Hoffnungen Townhills hielt.

Noch war Khan Noonien Singh in seiner jetzigen Position viel brauchbarer, konnten seine aus einer Kämpfernatur geborenen Ideen seine Pläne besser vorantreiben, als Untersuchungen, die den Augment nur wieder zu einem Versuchskaninchen degradiert hätten.

Außerdem musste er vorsichtig sein. Khan schien auch jetzt noch immer wieder für eine Überraschung gut zu sein und das gleich in mehrfacher Hinsicht. Daher war es besser, ihn erst einmal weiter in Sicherheit zu wiegen und Hoffnungen zu machen. Was später einmal sein würde, nun, das stand jetzt noch in den Sternen.

Außerdem wollte er nun erst einmal genaueres über den Vorfall erfahren: „Was, zum Teufel, ist eigentlich passiert?"

„So weit ich weiß, Sir, trat bei einem Experiment überraschend Strahlung aus, genaueres wird ihnen sicherlich ein Fachmann sagen können ..." Der Chefmediziner fasste die Ereignisse in wenigen Sätzen zusammen.

„Seine Mitarbeiter Stetson und Hopkins haben nur leichte Verstrahlungen erlitten, die durch Dekontamination und Medikamente beseitigt werden konnten, weil Harrison sie rechtzeitig aus dem Labor bugsiert hat. Ohne sein Eingreifen – so habe ich von den Sicherheitskräften gehört - wären die beiden vermutlich auch nach einer langen Rehabilitationsphase nicht ohne bleibende Schäden davongekommen - und wohl auch noch der ganze Sektor verstrahlt worden."

Admiral Marcus ließ sich an die Lehne seines Stuhles zurücksinken und legte die Stirn noch tiefer in Falten, während er das Gehörte zu verdauen versuchte. Der Arzt mochte seinen Gesichtsausdruck jetzt deuten wie er wollte Seine Besorgnis hatte allerdings andere Gründe als sein Gegenüber vermuten mochten. „Halten Sie mich über Harrisons Zustand auf dem Laufenden und informieren Sie mich auch über die Ergebnisse Ihrer Untersuchungen."

„Ja, Sir. Ich übermittle ihnen in der nächsten Stunden meinen vorläufigen Bericht", entgegnete der Arzt.

Mit einem kurzen Gruß beendete Admiral Marcus dann die Verbindung und stützte seine Ellenbogen auf den Tisch, unschlüssig darüber, was er von der ganzen Sache denken und wie er sie einschätzen sollte.

Khan Noonien Singh hatte normale Menschen gerettet und sich dabei selbst in Gefahr gebracht? Warum? Was wollte er damit erreichen? Aus reiner menschlicher Selbstlosigkeit hatte er dies wohl nicht getan. Oder?

Er schüttelte den Kopf.

Das würde dem psychologischen Profil widersprechen, dass seine Experten aus den Berichten der Vergangenheit und den Gesprächen mit dem Augment zusammengestellt hatten. Khan tat normalerweise nichts ohne Grund, wenn es nicht gerade um seinesgleichen ging.

Er war ein ehrgeiziger, machthungriger Mistkerl, der sich um Wohl und Wehe anderer nicht scherte, wenn etwas zu seinem Vorteil gereichte, und im Verlauf seiner Herrschaft genügend Menschen geopfert hatte, um seine Ziele zu erreichen.

Nein, hinter Khans scheinbar selbstloser Tat steckte mit Sicherheit Berechnung und das musste ihn wachsamer als je zuvor machen!

...

...

...

In einer kleinen Bar in der London Altstadt
Drei Tage später


„Auf John Harrison, unseren Lebensretter!" Geraldine Hopkins hob ihr Glas und prostete damit ihrem Kollegen Jacob Stetson zu. Der erwiderte ihre Geste. Beide genossen den Whiskey in kleinen Schlucken und sahen sich dann schweigend an.

„Morgen wird er schon aus der Krankenstation entlassen", sagte der Ingenieur nach einer kurzen Pause. „Ich hätte nicht gedacht, dass das so schnell gehen würde, sondern eher damit gerechnet, dass sie ihn in eine Spezialklinik bringen. Die Strahlung war vielleicht nicht tödlich, aber dennoch nicht ohne."

Sein Gegenüber zuckte mit den Schultern. „Vielleicht hatte unser Chef einfach Glück und ist nicht so heftig erwischt wurden, wie wir dachten."

„Das wäre dann ein ziemlicher Zufall, Geraldine. Gerade beim Notschalter hinten an der Wand dürften die höchsten Strahlenwerte gewesen sein" Stetson seufzte und starrte auf das Eis in seinem Glas. „Ich bin so dämlich, dass ich nicht früher daran gedacht habe, die Notabschaltung zu aktivieren."

„Dann wären aber vielleicht die ganzen Werte verloren gegangen, die uns jetzt geholfen haben, den Fehler zu beseitigen. Auch wenn alles andere nicht gerade gut gelaufen ist, die letzte Sicherung im Netzwerk hat funktioniert und die entscheidenden Momente aufgezeichnet.." Sie streckte die Hand aus und klopfte ihm auf die Schulter. „Mach dir keine Gedanken drüber ... letztendlich zählt doch nur eines – Harrison hat uns den Arsch gerettet und ist selbst ganz gut davon gekommen."

„Ja, du hast wohl recht." Der Ingenieur rieb sich unwillkürlich den Hals. „Aber es war nicht ohne, als er uns gepackt und zur Tür geschoben hat. Weder du und ich sind Fliegengewichte, aber es hat sich so angefühlt, als hätte er keine Mühe uns durch den Raum zu bewegen. Mann, wie stark ist der Commander eigentlich? Ich fühle jetzt noch die Stelle, wo er mich angefasst hat und habe einen Moment echt gedacht, er will mir als Leder, so wie er mich angeschaut hat, als ich ihm widersprach."

„Na ja, du treibst unsere Chefs ja auch immer gerne zur Weißglut", kicherte Geraldine Hopkins und grinste schief. „Ich glaube Commander Aldredge hätte dir gerne regelmäßig den Hals umgedreht, wenn du ihm wieder mal mit deinen Anmerkungen ins Konzept gepfuscht hast oder ihm unbedingt widersprechen musstest." Sie zwinkerte ihm zu. „Harrisons hartes Eingreifen war in diesem Moment bei dir bestimmt nötig."

„Ja, und bei ihm hat es auch nicht funktioniert, trotzig zu bleiben. Mann ich hätte mir beinahe in die Hose gemacht bei diesem eiskalten Blick!"

„Dennoch ist es ein gutes Zeichen, dass wir uns auf unseren neuen Chef verlassen können, wenn es hart auf hart kommt, auch bei so etwas wie diesem Zwischenfall", fügte die Technikerin leise hinzu: „Vergiss nicht, Aldredge war zwar ein Genie, was das Fachliche betraf, aber ansonsten eher ein gottverdammt feiges, hinterhältiges ... ich spreche es besser nicht aus. Der hätte sich als Erstes in Sicherheit gebracht, uns eiskalt geopfert und sich dann wieder mit den daraus gewonnenen Erkenntnissen profiliert."

„Da hast du wohl recht. Wo immer er jetzt auch steckt, mir tun schon seine neuen Mitarbeiter leid." Stetson verzog schmerzhaft das Gesicht. „Tatsache ist, Harrison hat zwar auch seine Macken, aber irgendwie fängt er an, mir sympathisch zu werden, obwohl er irgendwie unheimlich bleibt..."

„Ach, Jacob ... warte mal ab, vielleicht beginnt jetzt auch langsam bei ihm das Eis zu tauen und er verrät ein bisschen mehr über sich - und wenn nicht, dann müssen wir das wohl auch akzeptieren. Ich jedenfalls bin ihm sehr dankbar und werde ihm die Rettung jedenfalls nicht vergessen."

...

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Eine Partylocation im Herzen von San Francisco
Am gleichen Tag


„Wow, schön dich zu sehen Marla!"

„Wie geht es dir? Ich habe gehört, du treibst dich derzeit in London rum! Kann man sich da wenigstens amüsieren? Ich habe gehört, die Leute da verstünden nichts vom Feiern! Da musst du ja richtig auf Entzug sein!"

„Ich denke, auf der Insel sind sie viel zu steif, um die Sau rauszulassen und richtig abzufeiern! Oder täusche ich mich da etwa?"

„Hey, du machst ja ein Gesicht wie drei Tage Regenwetter! Was ist denn los, Hübsche?"

„Oh, es gibt eine Menge Vorurteile, die nicht stimmen. Glaub mir, einige sind schräger drauf als manche Leute hier in San Francisco ... allerdings habe ich die wirklich scharfen Partys noch nicht entdeckt ... ach und Jerry, und nimm bitte deine Finger da weg ... London ist eben ein ganz anderes Pflaster und man muss erst mal mit den Einheimischen warm werden, ehe sie dir ihr wahres Gesicht zeigen ... Kannst du mich mal durchlassen, Jenny - ich habe bestimmt später Zeit für dich, jetzt muss ich aber erst mal unsere Gastgeberin begrüßen ... das verstehst du doch ... nein, ich hole mir gleich noch einen Drink!"

Marla beantwortete all die Fragen und Begrüßungen halbherzig und kurzangebunden, während sie sich vom Eingang in die Mitte des Raums vorarbeitete. Sie versuchte ihre schlechte Laune mit einem Lächeln zu überspielen, was ihr aber offensichtlich nicht immer gelang, wenn sie in die irritierten oder verunsicherten Gesichter der Freunde sah, mit denen sie noch vor ein paar Wochen wild gefeiert hatte.

Aber London schien sie verändert zu haben – und das lag nicht nur an den Überstunden, die verhindert hatten, dass sie pünktlich zu Christine Chapels Abschiedsfeier nach San Francisco fahren konnte.

Auch nicht die Wut und Frustration, die sich in den letzten Tagen in ihr verstärkt hatten, weil sie immer mehr das Gefühl bekam, abgeschoben worden zu sein. und schon gar nicht das schlechte Gewissen, das sie nach dem Diebstahl der einzigartigen Fotos eigentlich hätte quälen sollen.

Denn das waren sie! Alle anderen bekannten Bildzeugnisse von Khan Noonien Singh, die sie bei einem Datenabgleich gefunden hatte, waren nicht so klar und deutlich gewesen wie diese Aufnahmen einer Spionagedrohne. Sie allein kannte das wahre Aussehen dieses Tyrannen der eugenischen Kriege.

Nein es war ... wie sollte sie das erklären ... eher die ständige Beschäftigung mit einem sehr düsteren Abschnitt der Vergangenheit, den intensiven Einblicken in eine Zeit der Gewalt und Grausamkeit, die auf beiden Seiten regiert hatten.

Nicht nur die Augments hatten Tausende von unschuldigen Menschen getötet, auch die Regierungen, die sich von dem Fluch hatten befreien wollen, den sie selbst ins Leben gebracht hatten, waren bereit gewesen, die gesamte Bevölkerung einer Stadt zu opfern, nur um eine Handvoll genetisch aufgewerteter Menschen zu töten.

Dann war da noch die Frage, ob Khan Noonien Singh und die Augments, die mit ihm geflohen waren, irgendwann und irgendwo zwischen den Sternen glücklich geworden waren, weil sie einen Ort gefunden hatten, den sie für sich selbst gestalten konnten oder ob inzwischen ein Geisterschiff voller Mumien durch das All driftete.

Das war die letzte Erkenntnis, die sie aus alten Aufzeichnungen gewonnen hatte, wenn auch noch nicht in den entsprechenden Bericht eingebunden, den sie alle paar Wochen abzuliefern hatte.

Schließlich war da auch immer noch ihre Wut auf den Verlauf, den ihr Leben nach dem Gespräch mit Admiral Marcus genommen hatte, und die ihr jetzt die Laune so sehr verhagelte.

Statt der Aussicht auf eine Chance, einen der heißbegehrten Plätze auf der Akademie zu bekommen, schien es jetzt immer mehr danach auszusehen, dass sie zusammen mit den Zeugen der Vergangenheit in der British Library verstauben würde ...

„Schatz, was ist denn los? Du machst ein Gesicht wie drei Tage Regenwetter!" Arme umschlangen sie fest und drückten sie an einen durchtrainierten männlichen Körper. „Ich dachte schon, du lässt dich gar nicht mehr hier sehen!"

„Lass das, Finney! Ich bin nicht mehr dein Schätzchen!" Marla schüttelte die Umarmung eines ihrer vielen Ex-Geliebten mit einem schmerzhaften Stoß in dessen Eingeweide ab und sah Finnegan mürrisch an.

„Aua! Hey, du bist aber ganz schön kratzbürstig heute!" Auch der kräftig gebaute Blondschopf gehörte zu denen, die „es" geschafft hatten, wie seine schwarze Freizeituniform mit dem Sternenflottenemblem auf der Brust zeigte.

Wie, das war ihr allerdings ein Rätsel – immerhin hatte er als Kadett nur Flausen im Kopf gehabt und anderen ständig Streiche gespielt. Sie hatte mit ihm gebrochen, als ihn seine lustige Art nicht mehr amüsiert und sie hinter seine Fassade, in sein wirkliches Gesicht geblickt hatte.

Am Ende war er doch nicht mehr als einer der vielen aufgeblasenen, eingebildeten Gockel von der Akademie erwiesen, die völlig von sich eingenommen waren und meinten, dass allein diese Tatsache sie dazu qualifizierte, jedes Mädchen haben zu können. Und eine weitere seiner Eigenart stieß sie mittlerweile ebenfalls ab ...

Marla verzog das Gesicht. „Du hast schon wieder zu viel intus, Finney!"

Ihr Gegenüber hob abwehrend die Hände. „Ist ja schon gut... Mann, was bist du heute schlecht drauf! Ich erkenne dich ja gar nicht wieder, okay, dann mach doch was du willst...", wandte er sich mit einem verärgerten Brummen ab und verschwand in der Menge.

Die junge Historikerin atmete tief durch und setzte ihren Weg fort, um ein paar Worte mit der Gastgeberin zu reden und sie zu beglückwünschen, dass wenigstens sie es geschafft hatte. Ihr Gesicht verfinsterte sich allerdings wieder, als sie Carol neben Christine stehen sah, hatte die gut gemeine Vermittlung der Tochter des Admirals doch gerade dafür gesorgt, dass sie jetzt in London festsaß. Einen Moment überlegte Marla, die Begegnung zu vertagen, doch dazu war es schon zu spät – Christine hatte sie entdeckt und winkte sie heran.

So verdrängte Marla erst einmal ihre düstere Laune und trat zu den beiden hin, umarmte die junge Medizinerin, die schon bald als Krankenschwester ihren Dienst auf einer Station am äußeren Rand der Förderation leisten würde und dort vielleicht ein aufregenderes Leben führen konnte als auf der Erde. „Ich freue mich aufrichtig für dich! Du hast es verdient!"

„Danke Liebes", Christine lächelte schief. „Ich brauche auch die Luftveränderung nach dem ganzen Ärger den ich hier mit ein paar Sternenflottenoffizieren hatte, vor allem einem jungen Captain, der sich selbst für unwiderstehlich hält."

Sie verzog das Gesicht und sprach dann weiter.

„Wie ich hörte hat Kirk die kleine Janice Rand auch schon wieder fallen gelassen, weil er sich jetzt an ein Zwillingspärchen herangemacht hat ... aber genug davon, wir sind schließlich keine Highschool-Girls mehr, sondern erwachsene Frauen."

Ihre Augen wurden schmal, als sie die Historikerin aufmerksam musterte. „Dir täte ein wenig Abstand von allem auch gut, glaube ich. Du bist irgendwie ernster als früher. Oder täusche ich mich da?"

„Na klar, täuschst du dich!" Marla lachte und spielte ihren wahren Gemütszustand herunter, um der Freundin ihren Abschied nicht zu verderben und sie mit ihren Sorgen zu belasten. "Vielleicht habe ich einfach in den letzten Wochen zu viel Papierstaub eingeatmet", fügte sie dann mit einem schiefen Grinsen hinzu.

„Die Arbeit in dem alten Archiv fördert doch so manches Schätzchen der Vergangenheit wieder ans Licht und das macht Spaß´, glaub mir! Vielleicht kann ich meine Doktorarbeit sogar endlich mal fertig stellen, denn jetzt komme ich endlich an das Material, das mir noch fehlte."

„Du meinst, deine Dissertation über die dunklen Zeiten der Erde? Schickst du mir dann nach Veröffentlichung auch eine Kopie? Es wird bestimmt interessant sein, deine Ausführungen zu lesen", meinte die Krankenschwester freundlich.

„Die Dunklen Zeiten werde ich nur am Rand streifen, ich beschäftige mich eher mit der Epoche davor, als es ganz übel für die Menschheit aussah, weil irgendwelche genetisch manipulierten Supermänner die Erde übernehmen und uns Normalsterbliche versklaven wollten. Glaub mir, da sind ein paar nette Überraschungen ans Licht gekommen, Dinge, die ich auch nicht gedacht hätte."

Marla konnte sich ein bitteres Lächeln nicht verkneifen, als sie mit einem gewissen Zynismus in der Stimme weitersprach: „Ich habe das ganze Carols Vater zu verdanken. Er meinte, ich könne mich in London nützlich machen, bis endlich eine Stelle als Historikerin in der Flotte für mich frei wäre."

Carol, die bisher nur still dabei gestanden hatte, entging Marlas ätzender Tonfall nicht. Die blonde Frau runzelte die Stirn und nutzte die Gelegenheit aus, um sich in Erinnerung zu bringen.

„Es war nicht meine Absicht, dich ins Aus zu manövrieren", sagte sie leise. „Ich muss aber zugeben, dass sich mein Vater seit der Zerstörung von Vulkan verändert hat. Er versucht es vor mir geheim zu halten ... aber er macht sich viel mehr Sorgen als früher und widmet sich mehr und mehr seinen Aufgaben, deshalb verstehe ich auch nicht, warum er das getan hat."

„Lass gut sein!", beschwichtigte sie Marla augenblicklich. „Ich weiß, wie du deine Unterstützung gemeint hast. Aber wir sollten uns jetzt nicht länger mit trüben Gedanken herumschlagen, sondern Christines Abschied gebührend feiern!", beschloss sie selbst, sich den Abend nicht länger verderben zu lassen. Morgen war auch noch genug Zeit, um über die letzten Worte von Carol nachzudenken und sich vielleicht mit ihr auszusprechen ...