9. Kapitel
Pemberley, Derbyshire – Krankheit und Hausarrest
Elizabeth erschien an diesem Abend nicht zum Essen. William hatte ihr fürsorglich ein Tablett mit Suppe und Toast nach oben schicken lassen, aber sie war endlich in einen ruhigeren Schlaf gefallen und Mrs. Reynolds hatte es nicht übers Herz gebracht, sie zu wecken. Gegen abend hatte sie leichtes Fieber bekommen, das glücklicherweise nicht allzu sehr stieg. William ließ voller Sorge nach dem Arzt schicken, doch der konnte ihn beruhigen. In zwei, drei Tagen sollte sie wieder auf den Beinen sein. Sie brauchte nur ein wenig Erholung von dem Schock und das Fieber würde von selbst wieder sinken. Vor allem ausruhen sollte sie sich jetzt. William hatte angeordnet, daß die ganze Nacht über jemand an ihrer Seite saß und ihren Schlaf bewachte.
Elizabeth blieb zwei Tage im Bett, sehr gegen ihren Willen, aber William und Mrs. Reynolds bestanden darauf. Sie fühlte sich bereits am nächsten Nachmittag wieder gut und munter genug, aber William erlaubte es nicht, daß sie schon aufstand. Am zweiten Tag kam er in Begleitung seiner Kinder, um nach ihr zu sehen.
Die beiden kletterten sofort auf ihr Bett, was William wieder die Stirn runzeln ließ. „Nein, bitte lassen sie sie," murmelte Elizabeth und ließ sie sich an sie kuscheln.
„Wie geht es ihnen, Miss Bennet?" erkundigte er sich höflich.
„Danke, gut genug, daß ich wieder aufstehen kann."
„Kommt nicht in Frage."
Elizabeth rollte genervt mit den Augen. „Ich habe kein Fieber mehr, Sir. Ich fühle mich wohl!"
„Sie ruhen sich heute noch aus. Keine Widerrede! Morgen früh dürfen sie aufstehen."
„Sie sind ein Tyrann, Sir."
„Ich bin um ihr Wohl besorgt, weiter nichts."
Elizabeth funkelte ihn bloß an. Sie haßte es, wenn er ihr Vorschriften über Sachen machen wollte, die ihn nicht das geringste angingen!
„Es tut mir leid, Lizz...Miss Bennet, daß ich nicht auf sie gehört habe," ließ sich auf einmal Alexander mit leiser Stimme vernehmen. „Ich wollte nicht, daß sie ins Wasser fallen."
Elizabeth blickte auf das Kind in ihrem Arm, das so elend aussah, daß ihr fast das Herz brach. „Ist schon in Ordnung, Liebling," sagte sie und drückte ihn an sich. „Ich bin nicht so leicht zu zerstören. Das nächste mal paßt du besser auf, nicht wahr?"
Der Junge nickte ernst.
Allerdings hätte ich nichts dagegen, noch einmal an der starken Brust deines Vaters zu kuscheln, dachte sie verträumt und erschrak fast sofort über diesen frivolen Gedanken.
Sie warf einen verstohlenen Blick auf ihren Arbeitgeber, aber William sah so abwesend aus, daß sie schmunzeln mußte. Sie wußte es nicht, aber er hatte gerade fast den gleichen Gedanken. Wie schön es sich angefühlt hatte, sie in den Armen zu halten...auch wenn sie über und über mit Algen bedeckt gewesen war und nach altem Wasser gerochen hatte... als sein träumerischer Blick auf eine feixende Elizabeth fiel, wurde er prompt rot.
„Ich werde den beiden nächste Woche das Schwimmen beibringen," murmelte William, um schnell das Thema zu wechseln.
„Oh! Darf ich mich bei diesem Kurs anmelden, Sir?"
William starrte sie verwundert an. „Miss Bennet, sie können unmöglich von mir erwarten, daß ich ihnen das Schwimmen beibringe."
„Wieso nicht? Wenn ich wieder einmal jemanden retten muß? Oder selbst ins Wasser falle? Pemberley wimmelt vor Teichen und Seen und Flüssen! Hier zu leben kann für einen Nichtschwimmer schlichtweg lebensgefährlich sein!"
„Nein, es ist unmöglich."
„Dann werde ich den Unterricht nur noch im Haus abhalten und nicht mehr mit den Kindern nach draußen gehen," stellte Elizabeth kategorisch fest.
Entsetzte Blicke bei Hannah und Alexander.
„Miss Bennet, seien sie nicht albern. Zum Unterrichten muß man nicht schwimmen können."
„Ich dachte, sie sind um mein Wohl besorgt, Sir? Und dann wollen sie mich in Gefahr bringen!"
William fragte sich, ob sein Kindermädchen irgendwie einen Schaden zurückbehalten hatte von ihrem Sturz ins Wasser. Was redete sie da die ganze Zeit bloß für einen Unsinn?
„Bitte, Papa!" mischte sich Hannah ein. Die Aussicht, den kompletten Unterricht im Haus verbringen zu müssen, machte ihr große Sorge.
„Hannah, ich kann Miss Bennet nicht unterrichten! Es...es ist absolut unschicklich! Sie ist eine Frau!"
Wie stellte sie sich das vor?
„Vielleicht kann Mrs. Reynolds ihnen helfen, Miss Bennet?" schlug Alexander hilfsbereit vor.
„Soweit ich weiß, kann Mrs. Reynolds nicht schwimmen. Und auch sonst niemand von den weiblichen Angestellten. Sie sehen, Miss Bennet, es ist absolut unnötig, auf Pemberley schwimmen zu können." William wurde langsam ungeduldig.
„Und ich wäre beinahe ertrunken, weil ich es nicht kann! Und überhaupt, warum sollen Frauen nicht schwimmen können?"
„Aber Papa!" rief Hannah, „ich bin auch eine Frau und du bringst mir das Schwimmen bei!"
William kapitulierte fast vor soviel weiblicher Logik. „Liebes, du bist ein Kind und außerdem meine Tochter. Das ist etwas ganz anderes."
„Biiiiiiiiitte, Papa!"
„Nein."
„Bitte, Mr. Darcy!" kam es leise vom Bett.
William seufzte. Wie sollte das gehen? Er konnte sie unmöglich im Wasser festhalten, er würde sie anfassen müssen, damit sie nicht ertrank... nein, er konnte sie dort nicht berühren! Es war viel zu unschicklich. Und vor allen Dingen viel zu riskant für seinen eigenen Seelenfrieden.
„Ich helfe dir, Papa!" schlug Hannah vor.
„Nein, es geht nicht. Und jetzt will ich nichts mehr darüber hören."
William erhob sich, sammelte seine Kinder ein, die sich nur zögernd von ihrer Gouvernante trennen wollten, verbeugte sich kurz und verließ das Krankenzimmer.
Elizabeth drehte ihm eine Nase, als er das Zimmer verlassen hatte. Sie würde bei den Schwimmstunden mit den Kindern anwesend sein und es sollte doch mit dem Teufel zugehen, wenn er sie nicht ebenfalls unterrichten würde! Sie fragte sich, ob es ihr tatsächlich nur ums Schwimmen ging oder nicht vielmehr darum, noch einmal in seinen Armen liegen zu dürfen. Er würde sie im Wasser festhalten müssen und wäre ihr nah... Elizabeth schüttelte über sich selbst den Kopf. Er mochte sie doch noch nicht einmal, ständig hatte er etwas zu kritisieren und andauernd machte er ihr Vorschriften – wieso sollte sie so erpicht darauf sein, seine Nähe zu spüren, von ihm berührt zu werden?
Weil er sie ohne zu Zögern aus dem Teich gerettet, sie in den Armen gehalten, sie gewärmt und beruhigt, sie nicht abgewiesen hatte. Und im nächsten Moment war er plötzlich wieder streng und absolut unnahbar. Elizabeth seufzte. Dieser Mann verwirrte sie ohne Ende.
Elizabeth wagte natürlich bei William einen Vorstoß, um Alexander vor seiner Strafe zu bewahren, und prompt gerieten sie sich darüber wieder in die Haare.
„Mischen sie sich bitte nicht in meine Erziehungsmethoden, Miss Bennet," sagte William kühl, als sie ihn darauf ansprach und um „Verschonung für den Delinquenten" bat.
„Aber er hat sich entschuldigt! Es tut ihm leid und er wird es nicht noch einmal tun."
„Er hat sich selbst und sie in Lebensgefahr gebracht und muß mit den Konsequenzen leben. Glauben sie mir, diese Strafe ist noch viel zu mild. Mein Vater hätte..."
Elizabeth unterbrach ihn ungeduldig. „Es ist sehr gemein von ihnen, ihn nicht rauszulassen, Sir!"
Williams Augen wurden schmal vor Ärger. „Genug, Miss Bennet. Das reicht. Wenn sie an einer Weiterführung unseres Arbeitsverhältnisses interessiert sind, dann hinterfragen sie bitte meine Entscheidungen, was die Erziehung meiner Kinder angeht, niemals wieder. Haben wir uns verstanden?"
Elizabeth funkelte ihn wütend an, aber er starrte genauso finster zurück. Schließlich wandte Elizabeth als erste den Blick ab. „Ja, Sir!" brummte sie kaum hörbar und verließ sein Arbeitszimmer, einen resignierten William zurücklassend.
Sie versuchte, die eine Woche Zwangsarrest so abwechslungsreich wie möglich für die Kinder zu gestalten. Es hatte sich eingebürgert, daß sie die Vormittagsstunden mit Lesen und Schreiben verbrachten, und dann normalerweise nachmittags nach draußen gingen. In dieser Woche, so hatte sich Elizabeth überlegt, würden sie nachmittags eben mehr spielen, singen und basteln als streng zu lernen. Sie hatte sich von Mrs. Reynolds Stoff besorgt und bastelte mit den Kindern lustige Figuren, mit denen sie später selbstausgedachte Theaterstücke aufführen konnten. Dann wieder brachte sie ihnen Lieder bei, zu denen man verrückte Tänze oder passende Handbewegungen machen konnte. Hannah erklärte sich mit ihrem Zwillingsbruder solidarisch und verließ ebenfalls das Haus eine Woche lang nicht.
William fand die Geste rührend, aber er dachte gar nicht daran, das Verbot zu lockern, sprich, zu verkürzen. Strafe war Strafe und er war stolz darauf, daß sein Sohn diese wie ein Mann angenommen hatte. Er beklagte sich mit keiner Silbe. Nur manchmal verriet sein sehnsüchtiger Blick nach draußen, was er vermißte.
William war mit Elizabeths Unterricht im allgemeinen zufrieden. Sie hatte ein Talent dafür, den Kleinen etwas auf spielerische Art und Weise beizubringen, vollkommen ohne Strenge, und die kleinen Teufel fraßen ihr förmlich aus der Hand. Nicht sonderlich angetan war er hingegen von der Tatsache, daß sie nicht unterschied zwischen männlichen und weiblichen Tätigkeiten. Als er einmal dem nachmittäglichen Unterricht beiwohnte, traf ihn fast der Schlag, als er Alexander mit Nadel und Faden antraf und dieser an einer Stoffpuppe nähte. William protestierte energisch, doch Alexander wollte unbedingt weitermachen und bettelte so sehr, also ließ er ihm seinen Willen. Spätestens im Herbst, wenn der neue Tutor kam, hätte der Junge für solchen Unsinn ohnehin keine Zeit mehr. William wollte unter keinen Umständen, daß sein erstgeborener Sohn und Erbe später einmal seine Garderobe würde selbst ausbessern können!
An seinen Nerven zerrte auch, daß Elizabeth ständig mit ihm streiten mußte. Sie mischte sich für seinen Geschmack viel zu sehr in seine Erziehung ein und das konnte er nicht dulden. Wenn er entschied, daß Alexander, und nicht Hannah, klassische Sprachen lernen würde, stand dieser Beschluß felsenfest und wurde nicht angetastet. Er wunderte sich manchmal über Elizabeth. Sie wußte doch mittlerweile ganz genau, daß sie ihn nicht würde umstimmen können, und trotzdem gerieten sie immer wieder aneinander. Er wollte diese Streitereien nicht. Sie sollte den Kindern ein paar Grundlagen beibringen und sich nicht um solch wichtige Dinge kümmern. Was verstand sie schon davon!
So erfrischend er sie und ihre Art sonst auch fand – in dieser Beziehung ging sie ihm fürchterlich auf die Nerven.
Und William Darcy merkte gar nicht, wie geschickt er manipuliert wurde. Elizabeths Wunsch war es, die Kinder zu freidenkenden, warmherzigen und verantwortungsbewußten Menschen zu erziehen, die aber auch über den Tellerrand ihres eigenen kleinen Universums hinausblicken konnten. Was schadete es, wenn Alexander wußte, wie man mit Nadel und Faden umging? Er würde als erwachsener Mann sicher niemals seine Strümpfe stopfen! Aber er wußte, um was es ging. Und was konnte es schon ausmachen, wenn man auch Hannah Unterricht in Naturwissenschaften gab? Sie Sprachen lernen ließ? Elizabeth war fest davon überzeugt, daß man beiden Kindern sämtliche Quellen des Wissens zugänglich machen sollte. Sie wunderte sich ein wenig, daß Mr. Darcy in so engen, althergebrachten Schienen dachte. Er war doch normalerweise auch neuen Ideen niemals abgeneigt.
Und Elizabeth führte ihn geschickt und sehr, sehr behutsam auf den – ihrer Meinung nach – richtigen Weg. Natürlich wußte sie, daß er es haßte, wenn sie mit ihm über Erziehungsfragen stritt und stets das letzte Wort behielt. Aber steter Tropfen höhlte vielleicht auch diesen Stein und so verfolgte sie ihre Politik der kleinen Schritte und erfreute sich an ihren unscheinbaren, aber auf Dauer nicht unwichtigen Erfolgen.
Je länger der Hausarrest für Alexander dauerte, um so unruhiger wurden die Kinder. Sie waren es nicht gewöhnt, lange Zeit stillzusitzen, und irgendwann verloren auch die selbstgemachten Stoffpuppen und ihre ausgedachten Geschichten ihren Reiz. Sie sehnten sich nach Bewegung, sie wollten nach draußen und rennen und toben. Elizabeth tat es in der Seele weh, sie so frustriert zu sehen, vor allem, weil das Wetter in der Tat ganz wunderbar war. Dazu kam, daß es streng verboten war, im und durch das Haus zu rennen. Die große Galerie im zweiten Stock bot sich natürlich hervorragend für Nachlauf an, ebenso der – leider mittlerweile kaum noch genutzte – Ballsaal. Alles tabu.
Eines schönen Morgens hatte Elizabeth eine Idee. Sie und die Kinder hatten William wie jeden Tag beim Frühstück Gesellschaft geleistet und er hatte sich geduldig von den Zwillingen angehört, was es alles für Bäume gab und daß sie, sobald der Hausarrest vorbei wäre, mit Elizabeth nach draußen gehen würden um nachzuschauen, welche dieser Bäume nun tatsächlich in den Parks von Pemberley wuchsen. William lobte die Idee und hatte sogar noch einige hilfreiche Einfälle, die die Kinder aufmerksam und mit großem Eifer aufgriffen.
William verabschiedete sich gleich nach dem Frühstück, um mit seinem Verwalter nach Lambton zu reiten – sie wollten Futtermittel einkaufen. Außerdem war Pferdemarkt und William hatte immer Bedarf an edlen Rössern. Eine kleine – und manchmal recht kostspielige – Leidenschaft von ihm.
Das würde ihn vorneweg ein paar Stunden beschäftigen, dachte Elizabeth und sie könnten in der Zwischenzeit ein kleines Wettrennen organisieren. William ritt also mit Mr. Reynolds davon, Mrs. Reynolds war für einige Besorgungen ins Dorf gefahren und so hatten sie freie Bahn. Einfach nur ein Wettrennen wäre natürlich zu langweilig gewesen – also baute sie eine Art Strecke auf, auf der zwischendurch Gegenstände eingesammelt und an einen bestimmten Punkt gebracht werden mußten. Wer am schnellsten war, hatte gewonnen und bekam einen Kuß als Siegespreis.
Elizabeth verteilte also Bänder, Hauben, einen Löffel, Mr. Darcys Handschuh, den Alex aus der Eingangshalle stiebitzt hatte und vieles andere mehr und gab das Kommando. Die zwei Kleinen rasten also außer Rand und Band durch die Galerie und den langen Gang – nur die Treppenhäuser waren tabu, sie wollte ja schließlich nicht, daß sich jemand den Hals brach. Gegenstände wurden eingesammelt und abgegeben und sie quiekten und schrieen und machten einen Heidenlärm. Am Ende wurde die ganze Jagd etwas erschwert, weil Elizabeth anfing, sie zu scheuchen und wenn sie einen von ihnen erwischte, mußte er seinen ergatterten Gegenstand wieder abgeben.
Sie alberten lange Zeit so miteinander herum und tobten sich aus. Selbst Elizabeth kam langsam außer Puste. Ab und zu machten sie Pausen, unter anderem um sich mit einem kleinen Happen gegen mittag zu stärken, aber dann ging die Rennerei nahtlos weiter. Die Kleinen wurden überhaupt nicht müde, so schien es. Als Elizabeth schließlich Hannah verfolgte, die mit einem Seidenschal von William (wo immer sie den her hatte) durch die Galerie jagte, passierte es. Sie hatte Hannah das edle Stück Stoff abgejagt und war so in ihre Verfolgungsjagd vertieft, daß sie die Person nicht bemerkte, die – sich über den Krach im Haus wundernd – leise die Treppe hochgekommen war und exakt in diesem Moment die Galerie betrat, in der Elizabeth an dieser Stelle vorbeijagte. In vollem Lauf und ohne bremsen zu können, prallte sie mit voller Wucht frontal gegen Mr. Darcy.
Ihm blieb kurz die Luft weg vor Überraschung und Schock, während Elizabeth fast gestürzt wäre, hätte er sie nicht reflexartig festgehalten. Sie starrten sich an. William überrascht, Elizabeth verlegen. Keiner von beiden merkte, daß William Elizabeth nicht losgelassen hatte.
„Miss Bennet, darf ich fragen, was sie hier treiben?" fragte er schließlich in erstaunlich sanftem Ton. Elizabeth konnte ihn nur sprachlos anstarren. Wieso war er nicht wütend wie sonst, wenn sie etwas angestellt hatte?
„Mr. Darcy! Sie sind schon zurück! Ich…wir…ich meine…" stotterte Elizabeth.
„Wir spielen, Papa!" kam es vorwurfsvoll aus einer Ecke. „Spielen? Miss Bennet, haben sie die Kinder zum Rennen durchs Haus angestiftet, obwohl sie genau wissen, daß ich es verboten habe?"
„Aber die Kinder hatten die ganze Woche über keine Bewegung, Sir! Sie rosten ein, wenn sie nicht toben dürfen! Und raus dürfen sie erst wieder am Montag." Sie blickte zu Boden. „Und ich habe extra darauf geachtet, daß sie nicht durchs Treppenhaus rennen, Sir," fügte sie leise hinzu. William mußte sich ein Grinsen verkneifen. Sie sah einfach zum Anbeißen aus mit ihren geröteten Wangen, der zerzausten Frisur und so atemlos, wie sie war. Er fragte sich, was sie da in der Hand hielt und machte große Augen, als er sein eigenes Halstuch erkannte.
Da er gerade ein wundervolles Pferd für einen lächerlichen Preis erstanden hatte, war er in denkbar guter Laune und beschloß, sie ein bißchen zu necken. Die zwei Gläser Weinbrand, die er zur Besiegelung des Geschäfts mit dem Verkäufer genossen hatte, schienen ebenfalls ein wenig zu seiner etwas übermütigen Stimmung beizutragen.
„Und was genau hatten sie mit meinem Halstuch vor, Madam?" fragte er betont ernsthaft.
Elizabeth wurde rot. „Wir…wir haben ein paar Gegenstände versteckt, Sir. Wer zuerst seine Sachen gefunden und zurückgebracht hat, hat gewonnen."
„Ah. Und gibt es einen Siegespreis?"
„Einen Kuß, Sir," murmelte sie verlegen.
„Und wer hat gewonnen, Miss Bennet?"
„Lizzy!" schrieen Hannah und Alexander beide im Chor und kicherten. „Sie hat das Halstuch, Papa! Den Hauptpreis."
William zog amüsiert die Brauen hoch. „Das heißt, sie haben sich den Kuß verdient, Miss Bennet?"
Elizabeth starrte ihn etwas unbehaglich an und schwieg. Die Zwillinge beäugten die komischen Erwachsenen neugierig, stießen sich an und giggelten. Und William, der immer noch Elizabeth stützte, lächelte, beugte sich zu ihr hin und küßte sie mitten auf den Mund. Zu kurz für einen leidenschaftlichen Kuß, zu lange für einen freundschaftlichen Schmatzer. Aber lange genug, um Elizabeth erröten und verlegen werden zu lassen. William blickte sie einen Augenblick warm, ja fast liebevoll an, dann lächelte er und verließ wortlos die Galerie.
