kleine Überraschung zum Sonntag. Viel Spaß!
.
.
Kapitel 5 - Die Suche des Herzens (Teil 2)
„Ich weiß nicht Professor, ich kann es ihnen wirklich nicht sagen" antwortete Hermine vollkommen verunsichert.
„Also gut Miss Granger, lassen wir diesen Punkt erst mal aus, auch wenn es der zentrale Punkt ist, um den sich alles dreht. Ich will ihnen zumindest erst mal den Rest erklären."
Hermine nickte stumm und konzentrierte sich auf Prof. McGonagall, was ihr immer schwerer fiel, je länger sie sich die Frage mit ihrem Verhältnis zu Harry durch den Kopf gehen lies.
„Sie hören mir zu?" fragte Prof. McGonagall zur Vorsicht noch ein Mal. „Gut, aus Überlieferungen aus der Zeit der Gründung von Hogwarts wissen wir, dass es eine starke Verbindung zwischen den Herzen von zwei Liebenden gibt. Nicht die normale Verbundenheit sondern etwas viel tiefer Gehendes. Und es gibt die Möglichkeit, dass diese Herzen sich finden. Es gibt einen uralten Zauberspruch, den kein Zauberer seit Ewigkeiten ausgesprochen hat, aber wir gehen davon aus, dass wir ihn zustande bekommen und dass er auch funktioniert. Dieser Spruch versetzt das Herz dessen, der mit dem Zauber belegt wird, in einen besonderen Zustand. Fragen sie mich bitte nicht nach Einzelheiten. Da sind sich Prof. Flitwick und Prof. Binns auch nicht so ganz einig." beantwortete Prof. McGonagall Hermines Gesichtsausdruck.
„Wo war ich stehen geblieben? Ah ja, der Zustand. Nun, in diesem Zustand ist das Herz in der Lage nach dem zu ihm gehörenden Herz zu suchen. Wenn das gefundene Herz diese Liebe erwidert und bereit ist, sendet es angeregt durch den Suchimpuls eine Antwort an das suchende Herz. Auf diese Weise ist die Person in der Lage, ihre Liebe jederzeit und überall auf der Erde zu finden. Der Suchende kann den Aufenthaltsort dabei so genau bestimmen, als würde das Zaubereiministerium minderjährigen Zauber orten. Wenn wir also jetzt davon ausgehen, dass zwischen ihnen und Mr Potter mehr als nur Freundschaft besteht, könnte dies der Weg sein Mr Potter zu finden. Ansonsten ist eine Suche unserer Meinung nach sinnlos, da Harry überall stecken könnte. Und sollte er noch etwas von dieser uralten Magie und Macht übrig behalten haben, kann ein Auror in 30 Zentimeter Entfernung an Harry vorbei laufen, ohne ihn zu spüren, sofern Harry es nicht möchte. Und all das auch ohne Tarnumhang. So weit alles verstanden Miss Granger?" fragte Prof. McGonagall nach. Hermine nickte nur. Sie war nicht in der Lage auch nur ein Wort von sich zu geben.
„Gut, damit kommen wir wieder zum Ausgangsproblem zurück - ihre Gefühle zu Mr Potter und die seinen ihnen gegenüber. Denn der Herz-Such-Zauber, den wir anwenden wollen, funktioniert nur, wenn keine Zweifel im Herzen vorhanden sind. Es wäre daher gut, wenn sie sich schnell über ihre Gefühle im Klaren werden könnten."
Mit diesem Satz lies Prof. McGonagall eine zutiefst erschütterte Hermine in der Küche zurück.
„Sie haben gut reden" dachte Hermine bei sich bevor sich ihre Gedanke wieder im Chaos verloren.
Prof. McGonagall ging nachdenklich zum Zelt zurück. Hatte Miss Granger alles verstanden? Täuschten sie und die anderen sich auch nicht? Alle die sie in Hogwarts gefragt hatte, hatten ihr gesagt, dass es ihrer Meinung nach nur eine Frage der Zeit ist, bis die beiden ihrer Liebe zueinander erkennen würden und sich diese auch endlich eingestehen.
Bisher umkreisten sich die beiden wie zwei Zauberer beim Duell, anstatt dass sie endlich aufeinander zugehen und die Sache klärten.
Auch das Gespräch, welches sie mit der Familie Granger geführt hatte, bestärkte sie in ihrem Glauben. Sie hatte den beiden nicht verraten, um was es geht, aber dennoch die Informationen erhalten, die sie brauchte.
Nun konnte sie nichts mehr tun. Alles lag jetzt in den Händen von Hermine.
Prof. McGonagall wurde schon sehnsüchtig im Zelt zurück erwartet.
„Wo ist meine Tochter?" bestürmte sie Mrs Granger, kaum dass Prof. McGonagall den Kopf in das Festzelt gesteckt hatte.
„Sie ist in der Küche" entgegnete ihr Prof. McGonagall. „Und sie sollten sie noch mindestens 10 Minuten alleine mit ihren Gedanken lassen" ergänzte sie, als sie sah, wie Mrs Granger schon aufspringen wollte.
Die Anwesenden sahen sie an.
„Nein, ich bin nicht herzlos" warf Prof. McGonagall ihnen zu „aber es ist sehr wichtig, dass Miss Granger sich noch mal unser Gespräch durch den Kopf gehen lässt und sich endlich mit dem Problem befasst". Wobei sie das Wort Problem sonderbar betonte.
„Ich könnte jetzt ein Butterbier vertragen" wandte sich Prof. McGonagall an Mr Weasley und setzte sich zu den Anderen an den Tisch.
Hermine saß, nachdem Prof. McGonagall sie in der Küche zurückgelassen hatte, noch eine Zeit lang reglos auf ihrem Stuhl.
„Ich soll Harry finden" dachte sie bei sich. „Nein, mein Herz soll Harry finden" korrigierte sie sich im selben Moment. „Aber wie soll das gehen? Das ist doch nicht logisch!"
„Manchmal steht ihnen ihr Kopf selbst im Weg" hallten die Worte von Prof. McGonagall in ihrem Kopf nach.
Ja, aber wie stand es denn nun wirklich um sie und Harry? Harry hatte doch Ginny geküsst und war mit Ginny im sechsten Schuljahr zusammen.
„Gewesen" ergänzte ihr Unterbewusstsein spöttisch.
Dem konnte Hermine nichts entgegnen. Es stimmte, am Ende ihres Schuljahres hatten sich beide getrennt und Ginny war inzwischen mit Neville zusammen. Allen Anschein nach waren beide sehr glücklich. Sonst kannte Hermine niemanden, den Harry ein Mal näher an sich herangelassen hätte. Allenfalls noch Cho.
„Und was ist mit Dir" kam der Einwurf ihres Unterbewusstseins? „Mit Dir und Ron?"
„Nichts!" fuhr Hermine auf und ärgerte sich sogleich über ihren Ausbruch.
Da saß sie nun, alleine in der Küche der Familie Weasley und hielt ein Zwiegespräch mit ihrem Unterbewusstsein. Wenn die Situation nicht so verfahren gewesen wäre, hätte sie lachen mögen.
„Ja, ich habe vielleicht mal mit Ron geflirtet und ja, Ron und ich sind uns näher gekommen, aber mehr war da nicht."
„Wirklich?" kam erneut ein Einwurf ihres Unterbewusstseins. Und so langsam fragte sich Hermine, ob sie wirklich mit ihrem Unterbewusstsein redete oder ob Prof. McGonagall, als sie sie vor sich in die Küche geschoben hatte, nicht doch heimlich zu ihrem Zauberstab gegriffen hatte.
„Und sie sind doch die klügste Hexe" hallte es wie zur Bestätigung in ihrem Kopf wieder.
Hermine saß wie vom Donner gerührt.
„Und bevor sie sich jetzt zu sehr wundern, ich bin nicht ihrer Lehrerin, ich bin lediglich ein für die Dauer von 10 Minuten in ihrem Geist aktivierter Diskussionspartner. Ich sollte sie durch möglichst spitze Bemerkungen dazu bringen, ihre Fassung zu verlieren, sodass sie endlich ihren, wenn auch brillanten, Verstand ausschalten und anfangen auch mal mit ihrem Herzen zu denken. Diese 10 Minuten sind nun vorbei, daher war es meine Pflicht mich vor ihnen zu offenbaren. Und nun werde ich für immer aus ihrem Kopf verschwinden. Zu guter Letzt noch ein kleiner Rat von mir. Sie sind ja eine Mugglegeborene und sollten daher die Bücher der Muggle zumindest teilweise kennen. Besser jedenfalls als ich. Und zu ihrer Situation fällt mir etwas aus einem Buch der Muggle ein: Nur mit dem Herzen sieht man gut. Ach, wie hieß er denn noch gleich wieder? Ach ja, irgendetwas mit Antoine. Und nun leben sie wohl Miss Granger."
„Antoine, Antoine de Saint-Exupery" ergänzte Hermine in Gedanken.
Eine Antwort bekam sie nicht mehr, aber ein kurzes Gefühl der Heiterkeit zeugte davon, dass ihr Gesprächspartner es wohl noch mitbekommen hatte.
Sie senkte ihren Kopf auf die Tischplatte und schloss die Augen.
„Das darf doch alles nicht wahr sein" murmelte sie vor sich hin. Diesmal kam keine Erwiderung. Nun war sie wirklich alleine mit ihren Gedanken.
„Liebe ich denn Harry? Liebt er denn mich?" kamen die beiden zentralen Fragen in ihr hoch.
Sie gab sich selbst keine Antwort. Die Tränen, die auf den Tisch tropften schienen Antwort genug.
