Kapitel 8: Blicke in die Seele
Timothy beobachte Jude genau, als sie das Paket öffnete und auf sein kleines Geschenk starrte. Ein breites Grinsen bildete sich auf seinem Gesicht, als er ihre Verwirrung sah. Aber da war noch mehr, sie schien nicht nur verwirrt zu sein sondern auch peinlich berührt, ihre zuvor blassen Wangen färbten sich rot und ihre Hände begannen zu zittern.
„Das gehört doch Ihnen, oder? Ich fand es damals bei ihren persönlichen Sachen und es schien mir das Einzige zu sein, was wirklich etwas sehr persönliches war." Langsam stand Timothy auf ohne den Blick von Jude abzuwenden „Wissen Sie, ich muss zugeben, dass ich zuerst etwas geschockt war, dass ausgerechnet meine strenge und so keusche Schwester Jude derartige Dessous trägt. Aber jetzt sehen die Dinge ganz anders aus…ganz anders."
Timothy stand neben Jude und kniete sich neben sie hin, um sie besser ansehen zu können. Langsam schob seine Hand das weiße Papier weg und enthüllt das verführerische kleine rote Negligee. Seine Finger glitten über das seidige Material und er blickte Jude mit einem verschlagenen Blick an.
„Es ist wirklich sehr schön…..vielleicht möchten Sie es ja mal für mich anziehen! Vielleicht wenn Sie mal für mich kochen."
Jude spürte wie ihr Gesicht zu glühen begann und ihr Herz immer schneller schlug. Nie zuvor hatte sie sich so bloßgestellt gefühlt. Als sie Timothys letzte Worte hörte, musste sie den Kloß in ihrem Hals herunterschlucken um überhaupt einen Ton heraus zubringen. Sie riss Timothy das Negligee aus der Hand, steckte es schnell zurück in die Schachtel und schlug mit aller Kraft wieder den Deckel auf die Schachtel. Mit einem langen Atemzug fasste sie all ihren Mut zusammen und sah mit wütenden Augen zu Timothy.
„Was soll das? Haben Sie mich in ihr Büro gebracht um mich zu demütigen?"
„Sie zu demütigen?" Timothy sah Jude unschuldig an, aber in seinen Augen spielgelte sich wieder, wieviel Spaß ihm dieses kleine Spielchen machte „Ganz im Gegenteil. Ich will Ihnen damit nur zeigen, dass Sie sich nicht länger verstellen müssen. Wir beide wissen, dass Sie nicht die fromme Nonne waren, die Sie vorgegeben haben zu sein. Wissen Sie noch, als ich Ihnen bei unseren gemeinsamen Dinner Wein einschenken wollte? Sie haben es abgelehnt und meinten Sie würden auf Alkohol verzichten, aber nur wenige Wochen später haben Sie eine ganze Karaffe Messwein getrunken und einen überaus…..nunja peinlichen Auftritt vor allen hingelegt. Als Nonne sollten sie Keusch sein aber kaum hatten Sie nur für ein paar Stunden ihren Habit ausgezogen, da ließen Sie sich in einer Bar von irgendeinen Mann aufreißen, dessen Namen Sie bis heute nicht wissen."
Jude wurde immer unwohler und sie sah Timothy mit großen Augen an. Woher wusste er das? Nie hatte sie jemanden von ihren kleinen Fauxpas erzählt, nicht einmal bei der Beichte. Ihre Stimme war leise und zitternd als sie zu Timothy sprach und sie war wütend auf sich selbst, dass sie nicht mehr Stärke zeigte.
„Woher wissen Sie das?"
Ein teuflisches Grinsen erschien auf dem Gesicht des Monsignore und er blickte Jude direkt in die Augen „Ich weiß alles über Sie meine Liebe. Alles! Ich bin nicht länger geblendet von der Fassade der aufrichtigen Nonne, denn jetzt kann ich sehen wer und was Sie wirklich sind Judy Martin! Ich weiß von ihren sehr ereignisreichen Leben als Sängerin…..einem kleinen Flittchen, welches jeden Abend in dreckigen Bars einen Mann nach den anderen aufgerissen hatte." Timothys Hand packte Judes Wange und er zog sie zu sich heran, so dass er ihr ins Ohr flüstern konnte „Ich weiß von dem kleinen Mädchen, das Sie überfahren haben und dann einfach haben liegen lassen."
Jude spürte Timothys Hand auf ihrer Wange und seinen Atem an ihrem Ohr und sie begann zu frösteln. Eine Hände und sein Atem waren kälter als Eis…..es war unmenschlich. Sie hörte seine Worte und Tränen bildeten sich in ihren Augen. Tränen des Bedauerns für ihre Sünden. Jude wollte aufstehen und aus dem Büro laufen, aber es war als wäre sie an diesen Stuhl gefesselt. Sie hatte das Gefühl ihr Körper wäre aus Stein und unfähig sich zu rühren.
Timothy drehte Judes Gesicht zu sich und streichelte ihre Wange, während er sie ernst und gleichzeitig prüfend ansah.
„Ich mache Ihnen keinen Vorwurf Jude, ganz im Gegenteil. Haben wir nicht alle etwas Dunkles in unserer Seele? Einen kleinen schwarzen Fleck, der uns dazu bringt böse Dinge zu tun?"
Jude schüttelte leicht den Kopf, als ihr die Tränen über ihre Wangen liefen „Nein!"
Wieder begann Timothy zu grinsen „Nein?" ein amüsiertes Kichern entkam ihm und er packte ihr Gesicht zwischen beiden Händen und zog sie gewaltsam näher zu sich heran. Mit weitaufgerissenen Augen sah er Jude an „Oh doch Jude, auch Sie haben diesen dunklen Fleck. Ich kann es sehen, tief in ihrer Seele. Versteckt in der dunkelsten Ecke ihrer Seele, kann ich sehen was Sie immer versteckt haben. Glauben Sie wirklich, Sie können sich weiterhin vor mir verstecken?"
Jude spürte wie sich sein Blick geradezu in die tiefsten Ecken ihrer Seele bohrte und mit jeder Sekunde fürchte sie den Mann vor ihr mehr. Eines war für Jude nun völlig klar, das war nicht Timothy Howard. Er war genau das, als das ihn Mary Eunice bezeichnet hatte….das Böse.
„Ich will Ihnen etwas zeigen!" abrupt ließ er Jude los und stand auf. Jude war noch zu schockiert um seinen Bewegungen zu folgen und so blickte sie mit ausdruckslosen Augen in die Leere. Sie hörte hinter sich das Quietschen einer Tür und ihr Herz schlug immer schneller, denn sie wusste auch ohne es zu sehen wohin er gegangen war.
„Das ist wirklich eine hübsche kleine Sammlung an Rohrstöcken meine Liebe." Timothy blickte anerkennend auf die vielen Stöcke und griff nach den größten. Ein zufriedenes Lächeln zierte sein Gesicht, als er sich wieder zu Jude drehte. Langsam ging er wieder auf sie zu und klatschte mit den Stock in seine eigene Hand „Ich nehme an, dass es höllisch wehtut diesen Stock auf seinen Hintern peitschen zu spüren. Wieder und wieder und wieder… Ich weiß, dass es Ihre Lieblings Bestrafung war für Regelbrecher und Ungehorsamkeit war. Jetzt stellt sich mir die Frage, warum? Warum ausgerechnet die Schläge mit dem Stock?" Timothy stellte sich dicht vor Jude und fuhr langsam mit dem Stock über ihre nackten Beine, wobei er ihr Kleid bis hin zu den Oberschenkeln nach oben schob.
Jude begann innerlich immer mehr in Panik zu geraten. Es war nicht nur die Angst vor den Schlägen, sondern auch die Angst vor der Demütigung. Der Gedanke mit blanken Hintern über den Tisch gebeugt zu sein, ließ sie vor Scham innerlich zerbrechen. Sie fühlte das kalte Holz an ihren Beinen und wie es sich langsam unter ihr Kleid schob.
‚Oh Gott, bitte bitte nicht das!'
„Sagen Sie es mir! Haben Sie steht's diese Strafe ausgesucht, weil Sie dachten es wäre angemessen oder weil Sie es selbst genossen haben? Zusehen wie der Stock mit aller Kraft auf die nackten Hintern der Patienten fuhr. Zusehen wie sich ihre Haut rot färbe mit jeden Schlag mehr. Das Gefühl zu haben über allen anderen zustehen und zu wissen, dass sie Ihnen völlig ausgeliefert waren. Das war der wahre Grund, nicht wahr? Kommen Sie Jude, sagen Sie es mir."
Jude atmete immer heftiger und schüttelte nur den Kopf. Nein, sie war kein böser Mensch…..sie war keine Sadistin… Sie spürte wie der Stock immer tiefer unter ihr Kleid glitt und sie wusste, sie musste wieder die Kontrolle über sich bekommen. Ihre schockstarre löste sich und mit einer schnellen Bewegung stieß sie den Stock von sich weg. Sie musste hier weg! Sie stand auf und wollte aus dem Büro rennen, aber noch bevor sie zwei Schritte gehen konnte, spürte sie eine starke Hand an ihrem Oberarm und er riss sie zurück. Mit einer einfachen Bewegung stieß Timothy Jude an die Wand und hielt den Stock an ihre Kehle, dass sie für einen Moment dachte er wollte sie erwürgen. Doch dafür war der Druck nicht fest genug. Dennoch konnte Jude sich nicht wegbewegen, sie versuchte den Stock wegzudrücken aber Timothy war einfach zu stark und es schien ihm nicht ein bisschen Anstrengung zu kosten.
„Das meine Liebe, sollten Sie nicht noch einmal versuchen. Sie werden erst gehen, wenn ich es Ihnen gestatte." Mit eisigen Blick sah er zu Jude und warf dann den Stock beiseite. Er drückte sich gegen sie und ließ ihr keine Möglichkeit zu entkommen. Sein Körper drückte gegen ihren und so wie er ihre Wärme spüren konnte, so konnte sie seine Kälte spüren. Seine eiskalten Hände hielten ihre Handgelenke so fest, dass Jude sich sicher war, es würden sich Blutergüsse bilden.
„Ich möchte jetzt gehen!" brachte Jude mit zitternder Stimme hervor, als sie weiterhin versuchte sich zu bewegen.
Timothy jedoch begann wieder zu grinsen und nährte sich immer mehr ihrem Gesicht „Aber wieso denn? Wir beide könnten jetzt so viel Spaß zusammen haben. Denken Sie nach Jude, denken Sie über alles nach was ich Ihnen hier gesagt habe. Sie können sich für meine Seite entscheiden und endlich mit dieser albernen Heuchelei aufhören. Sie können all ihre Gelüste und Wünsche frei ausleben und endlich richtig frei sein. Oder aber Sie stellen sich gegen mich und werden ein Opfer meiner Willkür. Es ist Ihre Entscheidung…ich weiß, Sie sind nie ein dummes Mädchen gewesen, fangen Sie jetzt nicht damit an." Timothy begutachtete Jude genau „Sie haben einen schönen Mund, ich glaube wirklich das ‚Verführ mich Rot' ihre Farbe ist. Ich kann es kaum erwarten, es zu sehen." Mit diesen Worten drückte Timothy seinen Mund auf Judes und hielt sie dabei fest an die Wand gedrückt.
Jude versuchte Timothy wegzuschieben aber es war, als würde sie gegen einen Felsen kämpfen. Mit aller Kraft presste sie ihre Lippen zusammen und schloss die Augen um ihn nicht sehen zu müssen. Nach einigen Sekunden spürte sie wie seine kalten Lippen sich von ihren lösten und er ihre Handgelenke losließ. Mit selbstgefälligen Blick sah er die Frau vor sich an und trat zurück.
„Jetzt dürfen Sie gehen, aber denken Sie über alles nach. Und kommen Sie nicht auf die dumme Idee jemanden von unseren kleinen Plausch hier zu erzählen. Sie wissen, niemand würde Ihnen glauben."
Jude versuchte sich wieder einigermaßen zu sammeln und machte sich ohne noch einmal zu Timothy zu schauen auf den Weg zur Tür.
„Ach und Jude?" rief Timothy und wartet, dass sich Jude noch einmal zu ihm umdrehte. Mit seinen Händen hielt er das rote Negligee hoch und sah sie ernst an „Sie werden das für mich tragen! Ob Sie es wollen oder nicht!"
Völlig verzweifelt und überfordert mit allem was gerade passiert war, verließ Jude das Büro. Schon oft war sie in ausweglosen Situationen aber aus dieser schien es wirklich kein Entrinnen zu geben.
