IX. DER FOOTCLAN (TEIL 1)

Anmerkung der Autorin: Ich habe für dieses Projekt vier ehemalige Mitglieder des Footclans interviewt. Alle von ihnen haben inzwischen diesen Teil ihrer Vergangenheit hinter sich gelassen, doch da sie fürchten, sich eventuell selbst zu belasten, werden sie hier auf eigenen Wunsch nur mit Nummern genannt.

DONATELLO

Ich suchte immer verzweifelter nach Dingen, die ich lesen konnte. Ich konnte einfach nicht genug Bücher kriegen, also begann ich, alte Zeitungen und Zeitschriften mit nachhause zu bringen. Die anderen lasen sie auch.

LEONARDO

Sie waren so gut wie nie aktuell. Die Zeitungen waren normalerweise ein oder zwei Tage alt, und die Zeitschriften waren schon seit Wochen oder Monaten nicht mehr auf dem neuesten Stand. Aber das kümmerte uns kaum. Wir lasen sie eigentlich nicht, um auf dem Laufenden zu bleiben.

MEISTER SPLINTER

Ich las einige Artikel in den New Yorker Zeitungen die besagten, dass die Zahl der Diebstähle, Entführungen und Raubüberfälle in der Stadt stark zugenommen hatten. Zunächst nahm ich das kaum zu Notiz. Es war bedauernswert, hatte für uns jedoch scheinbar keine Relevanz. Eines Tages las ich einen Artikel... Eine versuchte Entführung war von der Polizei verhindert worden. Sie hatten ein Foto des Täters abgedruckt. Zwar kannte ich den Mann nicht, doch ich erkannte sofort die Uniform, die er trug. Sie trug das Zeichen des Footclan, welcher in Japan von Oroku Saki angeführt worden war.

RAPHAEL

Zuerst hielt ich das für einen Zufall. Ich meine, es war einfach nur ein Fuß in einem weißen Kreis. Heißt ja nicht, dass es da eine Verbindung gibt, oder? Splinter war davon nicht überzeugt.

MICHELANGELO

Ich warf ein, dass vielleicht einfach ein paar New Yorker Punks die Uniform des Footclan kopiert hatten. Du weißt schon – sie hatten jemanden damit gesehen und dachten, es sei cool.

MEISTER SPLINTER

Michelangelos Theorie erschien schlüssig. Es erschien sehr unwahrscheinlich, dass Saki so weit reisen würde, um sein Unheil zu verbreiten. Doch dann sah ich im Fernsehen, wie sie kämpften. Es war ganz gewiss der Foot-Stil. Nicht ganz so raffiniert, aber noch immer als solcher zu erkennen.

DONATELLO

Am Anfang dachten wir einfach nur „Mann, wie seltsam", weißt du? Aber Sensei ließ die Sache einfach nicht fallen.

MEISTER SPLINTER

Die Polizei war sich scheinbar nicht bewusst darüber, womit sie es zu tun hatte. Die Foot waren in Japan... Sie waren weniger unmoralisch als amoralisch. Sie waren keine Verbrecher, doch sie glaubten auch nicht an die Reinheit des Geistes und der Seele, wie mein Sensei sie mir vermittelt hatte. Für sie war Kampfgeschick alles. Also überraschte es mich nicht, zu sehen, wie die Foot sich dem Bösen zuwandten.

LEONARDO

Wenn Sensei einen Artikel über ein Verbrechen sah, bei dem deutlich wurde, dass die Foot dahinter steckten, oder etwas darüber im Radio hörte, sagte er immer: „Es muss etwas getan werden."

RAPHAEL

Ich erinnere mich daran, dass er sagte: „Ich muss etwas tun." Ich hab eine Weile gebraucht ehe ich merkte, dass er das ernst meint.

MICHELANGELO

Als Sensei sagte, dass er diesen Abschaum aus dem Weg räumen will, wollten wir alle helfen. (schmunzelnd) Er war nicht darauf vorbereitet, das zu hören.

MEISTER SPLINTER

Obwohl ich ihr Hilfsangebot sehr zu schätzen wusste, glaubte ich nicht, dass sie verstanden. Sie mussten begreifen, dass dies ein äußerst gefährliches Spiel war. Unten in der Kanalisation waren wir zwar isoliert, jedoch stets sicher. Wenn wir uns auf den Kampf mit den Foot einließen, würden einige von uns definitv verletzt, und es bestand die Möglichkeit, dass einer oder mehr von uns getötet würden.

LEONARDO

Wenn Sensei sagt, dass sie aufgehalten werden müssen, dann müssen sie aufgehalten werden – so unsere Meinung. Wenn er sich ihnen entgegenstellen würde, dann war unsere Unterstützung das Mindeste, das wir anbieten konnten.

MICHELANGELO

Wenn ich zurückschaue bin ich mir nicht mehr ganz sicher, warum wir das eigentlich tun wollten. Es wäre ganz sicher einfacher und sicherer gewesen, New York selbst damit klarkommen zu lassen. Aber wir hatten so langsam das Gefühl, dass New York auch unsere Stadt war. Wenn wir ein Teil davon sein wollten, mussten wir vielleicht darum kämpfen.

FOOT 1

Ich bin in meinem ersten Jahr auf der Highschool zu den Foot gegangen. Obwohl ich schon damals ein guter Kampfsportler war, wurde ich nicht sofort aufgenommen. Stattdessen hing ich rum und spielte Videospiele, so was halt. Sie sagten mir, ich sollte weitertrainieren, und eines Tages würde ich ihnen helfen können. Das war ihre Art.

FOOT 2

Haben Sie Tom Sawyer gelesen? Kennen Sie die Stelle, an der Tom alle dazu bringt, den Zaun für ihn zu streichen? So ungefähr funktionierte das. Sie ließen es aussehen als gäbe es nichts Cooleres als den Foot zu helfen – verdammt noch mal, für sie zu leben! Und jeder glaubte das irgendwie. Bald hat man angefangen, darum zu betteln, mit dem Training anfangen zu dürfen.

FOOT 3

Ich habe letzten Monat eine Sendung über Sekten gesehen, und ungefähr auf der Hälfte wurde mir das Ganze unheimlich. Ich dachte: „Warte mal eine Sekunde, die Foot waren eine Sekte!"

FOOT 2

Der Shredder war der Boss. Wir haben ihn nicht oft gesehen, und wenn wir es taten, fühlte es sich an, als würde er uns mit seiner Präsenz ehren. Als wäre er so cool gewesen.

FOOT 3

Wir hatten diesen Anführer – und trotz dieser Maske und allem hatte er diese... Ich weiß nicht. Niemand wagte es, ihm den Gehorsam zu verweigern. Und wir hätten alles für ihn getan. Wie eine Sekte.

FOOT 2

Wir haben einmal gesehen, wie er so einen Typen in Fetzen gerissen hat. Er ist nicht gestorben, aber wir dachten alle, er würde es.

FOOT 1

ch kann nicht sagen, dass da ein Tag war an dem ich einfach beschlossen habe, ein Krimineller zu werden. So funktionierte das nicht. Und ich nehme einfach mal an, das mein Fall da normal war – es war ein langsamer Prozess. Erst hängst du etwas mit ihnen herum, entwickelst eine Art Loyalität zum Team. Dann hilfst du bei ein paar Sachen aus, und bevor du weißt, wie dir geschieht, hast du's. Eines Tages sah ich mich um und gehörte zu den Foot.

Foot 4

Jeder machte da sein eigenes Ding. Ich gehörte eine Weile zum Schutz. Man ging herum und sammelte das Schutzgeld bei bestimmten Leuten ein. Wenn man das nicht tat, haben sich die Muskelmänner um die Leute gekümmert. Es gab Typen, die Fluchtautos fuhren, Typen, die das Kämpfen übernahmen, und welche, die gestohlene Autos zerlegten – es war alles aufgeteilt, und alles lief glatt.

DONATELLO

Wir brauchten etwa eine Woche, bis wir Splinter überzeugt hatten, dass wir allen Ernstes helfen wollten. Eines Abends starrte er uns einfach nur an, einen nach dem anderen, und sagte schließlich: „So sei es. Morgen werde ich euer Training erneut beginnen." Wir waren uns nicht sicher, was das heißen sollte, aber schon am nächsten Tag haben wir es herausgefunden.

MICHELANGELO

Es ist jetzt nicht so, als hätten wir vorher nur gefaulenzt. Aber plötzlich trainierten wir extra hart und extra lang. Splinter kürzte unseren Unterricht, damit wir mehr trainieren konnten.

RAPHAEL

Splinters Training war hart und schnell - wir haben uns, kurz gesagt, den Arsch aufgerissen. Aber es machte uns nichts aus, denn nun hatten wir endlich ein Ziel.

MEISTER SPLINTER

Als ich damals begann, meine Söhne zu trainieren, ging es um Bewegung, die Übung des Geistes und vielleicht um Selbstverteidigung im Falle eines Angriffs. Doch an diesem Punkt hielt ich es für notwendig, den Fokus ihres Trainings zu verlagern und die Kunst des Ninjutsu in den Vordergrund zu rücken. Sie reagierten darauf, indem sie schneller lernten, sich schneller bewegten, besser kämpften als ich es je zu hoffen gewagt hatte. Mein ursprünglicher Gedanke war, dass sie mir im Kampf gegen die Foot mit ausreichend Training vielleicht ein wenig helfen könnten. Als das Training fortschritt, wurde mir bewusst, dass meine Söhne den Foot mit Sicherheit eindrucksvollere Gegner sein würden als ich selbst.

MICHELANGELO

Sensei hatte uns aufs Ninja-Training verlegt – schnell und hart zuschlagen, dann verschwinden. Er ließ uns immer wieder üben, wie man wegrennt und sich versteckt.

RAPHAEL

Das kam mir anfangs reichlich blöd vor. Ich meine, wenn wir so verdammt überlegen waren, warum hielten wir uns dann mit wegrennen auf? Aber dann sah ich ein, dass das nun einmal die Art ist, auf die Ninjas vorgehen. Überraschungsmoment. (grinsend) Triff sie und verschwinde, frei nach James Brown. Das hat uns so erfolgreich gemacht.

DONATELLO

Als wir uns dem Ende unseres Intensivtrainings näherten, musste ich Mikeys Bett reparieren. Der Rahmen war auseinandergebrochen, und die Lumpen waren herausgefallen. Wir stopften sie gerade wieder hinein, als Mike plötzlich aufsprang und aus dem Zimmer rannte.

MICHELANGELO

Ich nahm diesen orangen Lappen, rannte den Gang runter, schnappte mir eine Schere und schnitt zwei Löcher rein. Dann band ich ihn um und ging zurück zu Don.

DONATELLO

Er hatte diese orangefarbene Maske auf. „Guck – ich bin jetzt ein richtiger Ninja, keiner wird wissen, wer ich bin." Wir haben beide losgeprustet. Es war nicht so, als hätte diese Maske irgendwen davon abgehalten, ihn zu erkennen. Ich sagte so was wie: „Wer bist du? Und was hast du mit Michelangelo gemacht?" Wir haben so laut gelacht, dass die anderen kamen, um zu sehen, was so witzig ist.

RAPHAEL

Wir meinten alle: „Hey, mach mir auch eine." Also machte Mikey eine für jeden von uns.

MICHELANGELO

Am Anfang war es nur ein Witz, aber wir haben sie tatsächlich eine Weile im Kampf getragen. (schulterzuckend) Eine von diesen albernen Sachen, die man so macht.

MEISTER SPLINTER

Mir wurde klar, dass ich meinen Söhnen nicht einfach das Kämpfen beibringen konnte und dann annehmen, dass sie für den Kampf auch bereit waren. Folglich musste ich es ihnen zunächst demonstrieren.

LEONARDO

Nachdem wir eine Weile gedrillt worden waren, nahm Splinter uns mit an die Oberfläche, um ihn in Aktion zu sehen. Es war kein Problem, Foot zum Bekämpfen zu finden – wenn man lang genug in einer Gasse wartete, kam einer vorbei. Wir versteckten uns auf den Dächern und beobachteten, wie er sie stoppte und dann davonhuschte. Selbst mit seinem kranken Fuß war er unglaublich darin.

MICHELANGELO

(grinsend) Ich sag dir, ein paar mal wollte ich jubeln – er war echt fantastisch. Diese Foot-Typen sahen ihn an, lachten und kreisten ihn ein. Und weniger als eine Minute später rannten sie alle weg – oder versuchten es zumindest.

MEISTER

Nach einigen Vorführungen ließ ich sie bei ein paar Ninja-Angriffen helfen.

DONATELLO

Zu Beginn waren wir mehr Rückendeckung als sonst etwas. Wir standen hinter Splinter, für den Fall, das Verstärkung eintrifft, was aber nie geschah.

RAPHAEL

Es war aufregend, Splinter zu helfen, aber irgendwie war's auch langweilig. Er machte die ganze Arbeit, und wenn ich Glück hatte, war alles, was ich machen konnte, ihnen eine zu verpassen, wenn sie wegrannten.

LEONARDO

Wir lernten einige der zweckmäßigeren Aspekte des Kampfs als Ninja kennen. Zum einen suchten wir uns immer andere Gassen. Wir flohen für gewöhnlich erst über die Dächer, statt uns direkt wieder in die Kanalisation zurückzuziehen. Wir hofften, dass wir so nicht direkt dorthin zurückzuverfolgen waren. Wir kamen zu verschiedenen Uhrzeiten, so dass sie nie wussten, wann sie mit uns zu rechnen hatten.

DONATELLO

Das ging einige Wochen so weiter. Wir kämpften ein paar Nächte, setzen alle paar Nächte einmal aus. Und eines nachts versuchten sie dann, clever zu sein.

FOOT 2

Ein paar Jungs kamen mit zerschlagenen Gesichtern wieder oder mit einem kaputten Bein und erzählten, dass eine riesige Maus im Bademantel sie angegriffen hätte. Am Anfang kam nur zurück: „Wovon zur Hölle redet ihr?" Aber immer mehr kamen mit derselben Geschichte zurück.

FOOT 1

Shredder wusste zwar nicht, was vorgeht, aber er fand es nicht gut, soviel ist sicher. Zunächst verpasste er den Typen eine, die so zurückkamen – sagte ihnen, dass sie schwach seien, dass sie es nicht verdient hätten, Foot zu sein, den ganzen Kram. Aber dann kamen einige seiner besten Kämpfer mit der gleichen Geschichte wieder, und er sah ein, dass da wohl doch etwas hinter stecken musste.

FOOT 4

Der Shredder rief uns alle zusammen und erzählte uns, dass so ein Typ sich als riesige Ratte verkleidet hätte und seine Krieger angriff. Wir fingen alle an zu lachen, bis er uns diesen Blick zuwarf. Ich sag Ihnen – der Shredder kann jeden mit einem Blick zum Schweigen bringen. Er sagte, dass er diesen Kerl aus dem weg geräumt haben will. Wer ihm das Outfit von dem Typen brächte, würde belohnt werden.

FOOT 1

Ein paar Typen rannten einfach los und suchten ihn – ihnen war nicht klar, dass dieser Rattentyp eine echte Gefahr war. Die paar, die ihn fanden, wurden verprügelt. Aber mein Truppführer regelte das schlauer. Er gab uns Funkgeräte, und wies uns an, nicht anzugreifen, wenn wir ihn finden. Wir sollten stehen bleiben und die anderen rufen.

MEISTER SPLINTER

Die Foot hatten offenbar gelernt, was zu tun war, wenn ich angriff. An diesem speziellen Abend verlangsamten sie den Kampf mit Absicht. Sie brachten ihn zu einem ergebnislosen Gleichstand. Mir hätte klar sein müssen, was geschah, aber das war es nicht. Ich dachte, dass sie einfach versuchten, mich zu überlisten. Bald traf eine große Gruppe Foot ein, und erst da wurde mir bewusst, dass ich zugelassen hatte, dass sie zahlenmäßige Überlegenheit erreicht und mich festgesetzt hatten.

DONATELLO

Sie umzingelten Splinter, und der Anführer sagte: „Wir machen dich fertig, Freak!" Ich wollte gerade die anderen fragen, ob wir eingreifen sollten, als Leo sich schon in den Kampf warf.

LEONARDO

Ich wusste kaum, was ich tat. Ich habe nicht einmal meine Schwerter gezogen – ich schlug mitsamt der Scheide auf die Füße und Köpfe der Typen ein. Während ich das tat, rief ich meinen Brüdern Anweisungen zu.

RAPHAEL

Es war... wow. Es war schräg, gruselig und einfach nur cool – alles auf einmal. Leonardo war der helle Wahnsinn. Bevor sie überhaupt reagieren konnten, rief er uns zwischen den Angriffen Sachen zu. „Mike, zu Sensei! Don, schneid den Fluchtweg ab! Raph, nimm die Flanke!", was kaum Sinn machte, aber irgendwie wussten wir alle sofort, was er meint. Ich sprang hinab, zog meine Sai und fing an, den Kerlen den Arsch zu versohlen.

MICHELANGELO

Es ging rasend schnell. Es dauerte wahrscheinlich länger als eine Minute, aber auch nicht viel mehr. Wir hörten plötzlich auf, weil außer uns niemand mehr stand. Ich erinnere mich, wie ich meine Brüder angeschaut habe, und sie hatten alle diesen irren Ausdruck in den Augen. Ich dachte, das sei seltsam. Es kam mir erst viel später in den Sinn, dass ich diesen Blick auch hatte.

MEISTER SPLINTER

Ich war völlig überwältigt. In einer Sekunde erschien es mir hoffnungslos und ich hoffte, dass meine Söhne mir helfen könnten, zu entkommen. Drei Minuten später ist ihr erster Kampf vorbei, so schnell und bestimmt gewonnen! Doch ich wusste, dass ich nicht zögern durfte, also rief ich: „Zerstreuen!", und alle liefen in unterschiedlichen Richtungen davon.

FOOT 1

Wir dachten, wir hätten alles perfekt geplant. Wir würden diesen Kerl im Rattenkostüm fertig machen, und das war's dann. Dann tauchten die Typen in den Schildkrötenkostümen auf. Und sie radierten uns einfach aus. Ich konnte zwei Wochen lang kaum laufen. Mein Kumpel war einen ganzen Tag bewusstlos.

FOOT 2

Wir dachten nur: „Was zur Hölle? Typen, die sich als Maskottchen verkleiden und uns einfach aus dem Weg räumen?" Es machte keinen Sinn.

FOOT 4

Ich glaubte, der Shredder sei vorher wütend gewesen, aber das war nichts im Vergleich dazu, wie er da aussah. Er hörte Name einfach zu, während er von diesen Schildkrötentypen erzählte, und er wurde immer ruhiger und ruhiger. Letztlich stand er auf, zog ihm voll eine durchs Gesicht und stürmte raus. Wir haben ihn tagelang nicht mehr gesehen.

MEISTER SPLINTER

In der Nacht darauf zogen wir nicht los. Stattdessen veranstaltete ich eine kleine Feier zu Ehren des ersten Siegs meiner Söhne.

RAPHAEL

Splinter servierte uns warmen Sake. Er hatte vorher schon Sake gehabt, uns aber nie welchen gegeben. (schmunzelnd) Es war keine Überraschung, dass er uns nur ein bisschen gab, aber trotzdem war es cool.

DONATELLO

Wir hatten uns wirklich selbst erstaunt. Wir wussten, dass wir ganz gut kämpfen konnten, aber wir hatten nicht diese totale Dominanz erwartet. Mit wenigen Ausnahmen war das, wie unsere Kämpfe von da an abliefen.

LEONARDO

Versteh mich nicht falsch – die hatten schon ein paar Jungs, die kämpfen konnten. Aber diese Kämpfe dauerten einfach nur länger. Wir haben nie einen Kampf gegen die Foot verloren.

DONATELLO

Wir gingen noch einige Male als Fünfergruppe los, und dann sagte Sensei uns, dass er nicht mehr mitkommen würde.

MEISTER SPLINTER

Ich entschied aus mehreren Gründen, mich aus dem Kampf zurückzuziehen. Zuallererst wurde dadurch mein Knöchel schlechter. Es war notwendig geworden, ihn fester zu verbinden, und ich humpelte stärker. Und das war der andere Grund: Wenn es Zeit wurde, zu verschwinden, war ich bei Weitem der Langsamste. Ohne mich konnten meine Söhne die Szenerie in wenigen Sekunden verlassen.

LEONARDO

Es machte mir Sorgen, ohne Sensei unterwegs zu sein. Aber nach den ersten paar Kämpfen war klar, dass wir wussten, was wir taten.

MICHELANGELO

Er kam ein paar Mal mit um sicherzugehen, dass wir wussten, was wir taten. Aber nachdem er das zwei oder dreimal gemacht hatte, blieb er einfach im Versteck.

MEISTER SPLINTER

(lächelnd) Das war vielleicht schlimmer. Obwohl ich fühlte, dass ich das Richtige tat, machte ich mir große Sorgen. Ich hatte Vertrauen in die kämpferischen Fähigkeiten meiner Söhne, doch man kann es nicht vermeiden, sich zu Sorgen, wenn die eigenen Kinder sich in Gefahr bringen.

DONATELLO

Wir waren eine Weile zu viert, doch die Kämpfe waren immer sehr einseitig. Wir trafen auf zwei Foot, schalteten sie eben in ein paar Sekunden aus, verschwanden dann. Und Raphael fing an, uns auf die Nerven zu gehen.

RAPHAEL

Ich dachte, Leo sei eine Memme. Wir machten zwei Niemande platt, und dann verschwanden wir. Ich wollte auf ihre Verstärkung warten und der auch in den Hintern treten, aber Leo ließ das nicht zu.

LEONARDO

Raph hat es nicht kapiert. Das war kein Spiel – zu sehen, wie viele Foot man verprügeln kann. Es war Krieg. Und wir kämpften mit Guerillataktiken.

DONATELLO

Splinter fand eine gute Lösung – er teilte uns in zwei Teams auf.

MEISTER SPLINTER

Da meine Söhne ihre Kämpfe so schnell beendeten, beschloss ich, den Kampf an zwei Fronten fortzusetzen.

MICHELANGELO

Problem gelöst. Leo und ich waren normalerweise ein Team, Don und Raph das andere. Einige Male waren es zur Auflockerung auch Raph und ich. (schmunzelnd) Ich war nie mit Don unterwegs, denn das hätte Leo und Raph zu einem Team gemacht, und die kamen damals nicht wirklich miteinander klar.

DONATELLO

Es funktionierte eine ganze Zeit lang. Bald trafen wir kaum noch Foot alleine, sie bewegten sich immer in Gruppen von vier oder mehr. Wir konnten aber sie trotzdem noch erledigen.

LEONARDO

Einige Male waren es einfach zu viele. Wir hätten immer noch gewinnen können, aber Sensei hatte uns gewarnt, keine Risiken einzugehen - wenn es zu viele sind, rennt weg.

RAPHAEL

Ich hasste es, wegzurennen, ohne sie vorher wenigstens etwas vermöbelt zu haben, aber Don hielt mich im Zaum. „Die, die kämpfen und dann rennen, werden auch morgen noch kämpfen können", meinte er immer. Und er hatte recht. (schmunzelnd) Aber du weißt ja, wie sehr ich es hasse, wenn jemand anders im Recht ist.

MICHELANGELO

Wir kamen nicht immer mit hocherhobenen Köpfen nachhause. Wir haben alle Prellungen davongetragen, ein paar blaue Augen. Raph und ich haben in einer Nacht beide Schnittwunden davongetragen – wir hatten uns mit ein paar Kerlen mit Schwertern angelegt. Wir haben natürlich gewonnen, aber es dauerte schon mehr als ein paar Tage, bis das wieder verheilt war.

MEISTER SPLINTER

Langsam bekam ich das Gefühl, dass unsere Präsenz zur Kenntnis genommen wurde. Und als der Footclan seine Konzentration auf uns richtete, verlor er seine Konzentration auf Verbrechen gegen andere, was äußerst ermutigend war.

FOOT 1

Mein Trupp lief einige Wochen später wieder in sie hinein. Nicht die Ratte, sondern die Schildkröten. Gegen Ende des Kampfes ließ einer von ihnen seinen Bo fallen, und ich ging von der Seite auf ihn los. Ich warf ihn zu Boden, und wir rangen etwas. Dann erwischte er meinen Nacken, und die Sache war für mich gelaufen. Als ich wieder zu mir kam wusste ich, dass ich sofort mit dem Shredder reden musste. Er war natürlich nicht glücklich darüber, dass wir schon wieder verloren hatten, doch ich sagte ihm, dass ich Informationen habe. Ich erzählte ihm, dass ich einen von ihnen auf dem Boden hatte, und dass ich seine Beine, seinen Panzer und sein Gesicht angefasst hatte, ehe er mich niederschlug. (zögernd) Ich nahm an, dass sie sich wie Plastik oder Spandex oder so was anfühlen würde. Aber sein Gesicht und seine Beine waren rau und schuppig. Und sie gaben nach als wäre... na ja, es fühlte sich an, als seien Muskeln darunter. Und der Panzer fühlte sich hart und glatt an. (zögernd) Und der Grund, warum er mich erwischt hat, war, dass ich ihm direkt in die Augen sehen konnte, auf ganz kurze Entfernung. Und ich war starr vor Schreck. Selbst, nachdem ich ihn angefasst hatte, glaubte ich immer noch, dass er ein Kerl in einem Kostüm ist. Aber seine Augen sahen nicht aus wie die von einem Typen in einem Kostüm. Sie sahen nicht menschlich aus. (Pause.) Ich sagte dem Shredder: „Das klingt jetzt verrückt, ich weiß, aber ich glaube nicht, dass die Kerle Kostüme tragen. Ich denke, die sehen wirklich so aus."