Harry Potter and the Paradigm of Uncertainty

Autor: Lori Summers

Deutsche Übersetzung: Dani und Alina

http://www.POU.de.vu

Disclaimer:

Diese Geschichte basiert auf Situationen und Charaktere, die das geistige Eigentum von Joanne K. Rowling sowie von verschiedenen Verlegern (z.B. Bloomsbury Books, Scholacsti Books, Carlsen Verlag, etc.) sind.

Ebenso gehören die Charaktere von Laura Chant, Sorry Carlisle und der gesamten Carlisle-Familie entstammen dem exzellenten Roman "The Changeover".Weder die Autorin, noch die Übersetzer dieser Geschichte verdienen Geld damit und es liegt nicht in ihrer Absicht Copyrights oder Warenzeichen zu verletzen.

Hinweis für Minderjährige:

Diese Geschichte spielt einige Jahre nach Harry Potter und der Stein der Wesen.

Aufgrund dessen handelt es sich um eine Geschichte für Volljährige Leser.

Um dies genauer zu begründen: Die jeweiligen Charaktere sind nun erwachsen. Das bedeutet, dass in ihrem Leben auch Krieg, Gewalt und Sex eine Rolle spielen, nur um einige zu nennen.

Komplex:

Harry Potter and the Paradigm of Uncertainty ist der erste Teil der Trilogie von Lori Summersund wird von Dani und Alina übersetzt. Der zweite (the Show that never ends) und dritte (Hero with a thousand faces) werden übersetzt von Claudia, Lilly Black, Nicole, Katrin und Stephanie. HWTF wird zukünftig noch übersetzt und dann auch online gestellt, ebenso die vorhandenen Cookies.

Wer dann immer noch nicht genug hat, kann zudem die „Vorgeschichte" von POU lesen.

Diese wurden jedoch nicht von Lori Summers geschrieben, sondern sind 2 eigenständige Geschichten von Penny und Carole und lauten „A Sirius Change" und „A Sirius Affair".

Wir wünschen euch viel Spaß beim lesen.

Neuntes Kapitel:
Der Tag danach

Als Hermione frisch geduscht und angezogen in die Küche kam, waren ihre drei Mitbewohner bereits da und reichten einen Teller Waffeln herum. Laura sah auf und strahlte sie an. Hermione ging zu ihr hinüber und umarmte sie. „Geht's dir gut?", fragte sie und fühlte sich ein wenig schuldig, dass sie durch die Ablenkung der vergangenen Nacht Lauras Verletzung total vergessen hatte. „Es tut mir so leid, dass ich dich nicht mehr getroffen habe, als du nach Hause gekommen bist..."

„Mir geht es total gut, mach dir keine Sorgen. Diese beiden waren besorgt genug für alle in diesem Haus. Kaffee?"

„Bitte", sagte Hermione, setzte sich neben Justin und nahm eine Tasse von George entgegen.

„Ich auch", sagte Harry, als er mit schweißnassem Gesicht und durchtränktem T-Shirt in die Küche kam. „Aber bitte stark." Er setzte sich zu Hermiones Linken. Keiner der beiden bemerkte den wissenden Blick, den die anderen drei bei seinem Eintritt austauschten.

„Reichst du mir mal die Butter?", fragte Hermione.

Laura reichte sie ihr. „Hier bitte, Liebes. Hättest du auch gerne die Marmelade? Oder vielleicht ein bisschen Sex mit Harry?", sagte sie beiläufig, als würde sie ihr den Ahornsyrup anbieten.

Hermione und Harry zuckten beide zusammen, als hätten sie Elektroden auf den Sitzen ihrer Stühle. Justin und George brachen in schallendes Gelächter aus, aber Laura lächelte bloß zuckersüß über ihre nervösen Gesichtsausdrücke.

„Wa... was... wie war das?", stotterte Hermione. Harry saß bloß dort und hielt sich die Hand vor den Mund, als würde er sich nur mit Mühe davon abhalten selbst loszulachen.

„Oh, na komm schon, Kleines. Ihr solltet nicht das Fenster offen lassen, wenn ihr eine geheime Verabredung habt... wir haben alles gehört. Es hörte sich an als würdet ihr zwei für ein Vorsprechen bei ‚Wild Kingdom' üben."

„Wovon redest du?", beharrte Hermione, während ihre Ohren erröteten.

Laura räusperte sich und setzte sich auf. Ihre Stimme nahm einen hohen Ton an, als sie eine sehr treffende Nachahmung dessen vorführte, was sie und die anderen am Abend zuvor gehört hatten. Hermione lief dunkelrot an und warf mit einem Brötchen nach ihrer Mitbewohnerin um sie zum Schweigen zu bringen. Harry schüttelte sich vor unterdrücktem Lachen.

„Also", stammelte Hermione. „Ich kann das erklären. Seht ihr... ich war, äh... ich war..."

Harry schüttelte den Kopf und lächelte sie an. „Liebes, ich denke nicht, dass du dich da rausreden kannst."

„Nein, nein, lass sie fortfahren!", sagte Laura. „Wenn sie eine völlig unschuldige Erklärung zustande bringt, wieso sie gestern Nacht stöhnend und schreiend in Wogen der Ekstase in deinem Zimmer war, dann brenne ich nur darauf es zu hören."

Hermione stöhnte frustriert. „Oh, zum Teufel", seufzte sie. Harry schlang einen Arm um sie und küsste sie auf die Schläfe, während die anderen fröhlich grinsten. Hermione sah sich schüchtern um und wagte es zu lächeln.

„Oh, wie romantisch", seufzte Laura. „Ein fast perfekter Moment."

„Nicht vollkommen perfekt?", fragte Harry.

„Ich wünschte nur Cho wäre hier und könnte es sehen." Allgemeines Gelächter ließen die Gedanken an Allegra und die dunklen Kräfte verblassen. „Also", fuhr Laura fort. „Wie wollt ihr damit umgehen? Eine Anzeige? Wir könnten auch einfach jedem eine Eule schicken..."

„Nein!", sagten Harry und Hermione gleichzeitig. Hermione sah überrascht zu Harry auf... sie hatte es nicht jedem sagen wollen, aber sie hatte angenommen, er würde es wollen. An seinem Gesichtsausdruck konnte sie erkennen, dass er genau dasselbe dachte. Lauras Augen blickten von einem Gesicht zum anderen und zurück. „Das bleibt besser vorerst unter uns", fuhr Hermione fort und brachte ein Lächeln zustande. Sie konnte neben sich fühlen, wie Harry unruhig auf seinem Platz hin und her rutschte. Laura, die ihre Unbehaglichkeit wahrnahm, ließ das Thema fallen und erzählte von den Sternbildern, die sie letzte Nacht gesehen hatte. Hermione starrte auf ihre Waffeln und gab vor zu beschäftigt mit dem Essen zu sein um jemanden anzusehen. Die gute Laune von vor dreißig Sekunden war so schnell verflogen wie sie gekommen war... Justin und George aßen in angespannter Stille, während Laura daherschwafelte.

Alle zuckten zusammen, als die Vordertür zuknallte. „Ich bin zu Hause!", rief eine fröhliche Stimme. Cho kam in die Küche. „Hey, Waffeln!"

„Was machst du hier?", fragte George überrascht.

„Ich habe ein paar Tage freibekommen und meine Mitbewohner vermisst." Sie griff nach dem Stuhl neben Justin. „Ein Königreich für eine Tasse anständigen Kaffee." Sie sah sich um und bemerkte ihre ausdruckslosen Gesichter. „Was ist los? Ihr seht aus als hättet ihr kein Plan! Was ist passiert?"

Laura lehnte sich zu Hermione herüber. „Bitte, ich flehe dich an... darf ich es ihr sagen?"

Hermione saß vorgeblich an ihrem Schreibtisch und arbeitete an einem Aufsatz, bei dem sie Mitverfasserin war, aber sie konnte sich nicht konzentrieren. Sie hatte Harry seit dem Frühstück nicht gesehen und musste die ganze Zeit an ihn denken. Die eine Hälfte von ihr wollte ihn packen und durchschütteln, bis er ihr verriet, was in ihm vorging... die andere Hälfte wollte ihn einfach packen und ihm die Kleidung vom Leib reissen.

Als hätten ihn ihre Gedanken herbeigerufen, öffnete er die Tür und trat ein. „Beschäftigt?"

„Nicht wirklich." Sie legte ihre Feder ab, als er sich auf den Stuhl vor ihrem Schreibtisch setzte. Einen Moment lang sagte niemand etwas.

„Ich habe heute morgen eine Eule von Sorry bekommen. Ihm geht es gut, seine Deckung ist unversehrt. Was das Timing der letzten Nacht angeht, denke ich, dass Allegra einen Beobachter in Hogsmeade hatte, der uns entdeckt und ihr berichtet hat, wo wir waren."

Sie nickte. „Das macht Sinn. Ich bin froh, dass es Sorry gut geht."

Harry betrachtete seine Finger. „Wollen wir darüber reden, was beim Frühstück passiert ist, oder wollen wir einfach so tun, als wäre es unwichtig?"

Sie zuckte mit den Schultern und nahm ihre Feder wieder auf. „Du willst es keinem erzählen, das finde ich okay."

„Du wolltest es auch keinem erzählen!"

„Nein, aber ich dachte du wolltest!"

„Und ich dachte du wolltest!"

„Das wird allmählich lächerlich."

„Allerdings." Er sah zu ihr auf. „Schämst du dich?"

„Natürlich nicht! Es ist nur... ich will, dass es unter denen hier im Haus bleibt, in Ordnung? Interpretiere da nicht zu viel rein."

Er biss sich auf die Lippe. „Geht es um Ron?", fragte er vorsichtig.

Hermione stand auf und nickte, als hätte sie es erwartet. „Ich wusste, dass dich das auffrisst."

Er stand ebenfalls auf und begann auf und ab zu schreiten. „Hermione... denkst du es wird eine Zeit geben, in der es nur uns beide gibt? Ohne Rons Geist, der uns auf Schritt uns Tritt verfolgt?" Er hielt inne und sah ihr in die Augen. „Was wäre, wenn er noch leben würde?"

Sie schluckte. „Ich weiß es nicht."

Er sackte ein bisschen in sich zusammen. „Ich denke, du hast Angst davor es irgendjemandem zu sagen, weil du denkst, dass wir Ron betrügen!"

„Ich hatte kein Problem damit, es George zu erzählen!"

„Du hattest keine Wahl, er lebt hier! Zumindest habe ich einen guten Grund es geheim zu halten!"

„Und der wäre?"

„Du kennst die Antwort darauf. Wenn rauskommt, dass wir zusammen sind, könnten wird dir genauso gut eine Zielscheibe auf die Stirn malen."

Sie schüttelte erstaunt den Kopf. „Das ist der größte Haufen Unsinn, den ich je gehört habe. Du bist genauso verwirrt wie ich, das ist nur eine bequeme Ausrede! Und wie soll ich das hinterfragen? Du versuchst bloß mich zu beschützen, richtig? Daran ist nichts falsch!"

„Wenn das nicht der Grund ist, welcher dann?" Ihre Stimmen waren während der Unterhaltung stetig angestiegen und mittlerweile schrien sie fast.

„Ich weiß es nicht, sag es mir! Vielleicht denkst du ja, dass wir Ron betrügen!"

„Du bist diejenige, die mit ihm zusammen war!"

„Vielleicht bist du einfach sauer auf mich."

Er starrte sie an. „Wieso zur Hölle sollte ich sauer auf dich sein?"

„Weil du lieber losziehen und den Helden spielen und Allegra und Voldemort verfolgen willst, und ich halte dich davon ab!"

Harry hatte keine Gelegenheit darauf zu antworten, weil in dem Moment die Tür des Arbeitszimmers zugeschlagen wurde. Sie drehten sich beide um und öffneten vor Überraschung den Mund.

„Was zur Hölle ist hier los?", fragte Ginny, mit den Händen in die Hüften gestemmt und einem strengen Gesichtsausdruck.

Hermione starrte sie an. „Ginny!" Sie war überrascht, aber auch erfreut ihre alte Freundin zu sehen... aber sie fragte sich, wieso sie hier war.

Ginny Weasley war eine enge Freundin der gesamten Hausgemeinschaft, und besonders Harry und Hermione. Sie wäre beim Kauf von Bailicroft fast mit eingezogen, hatte dann aber eine eigene schöne Wohnung in London gefunden. Sie war die Gründerin und Chefredakteurin des „Circe"-Magazins, einer Zeitschrift für die moderne Hexe, die tiefgründige Artikel veröffentlichte, wie zum Beispiel Beiträge über Feminismus, die Rolle der Hexerei in der Gesellschaft, die Probleme der heutigen Hexe, die Gesundheit und das Verhalten von Frauen und eine weite Bandbreite anderer Themen, die noch mehr mädchenhaften Krams wie Modetips und Beziehungsberatung beinhalteten. In seinem vierjährigen Bestehen hatte das Magazin eine Auflage von 50.000 Abonnenten erreicht, was eine recht große Anzahl in der Zaubererwelt war. Ginny war eine durch und durch erfahrene und mondäne Person... intelligent, tough und unabhängig. Aus dem ungeschickten, kleinen Mädchen, das sie einst gewesen war, hatte sich eine große, attraktive und bezaubernd schöne Frau entwickelt, die sich keinen Unsinn erzählen ließ... und Junge, konnte sie einem einheizen.

Bevor sie und Harry schließlich zueinander gefunden hatten, waren sie jahrelang befreundet gewesen. Sie waren fast aus einem Gefühl der Verbindlichkeit heraus zusammengekommen, als sie sich dachten, dass sie früher oder später eine romantische Beziehung haben müssten und dass sie es genauso gut auch hinter sich bringen könnten. Zu Hermiones Überraschung dauerte diese Beziehung fast ein ganzes Jahr... sie waren wirklich eher beste Freunde als irgendetwas anderes.

Und jetzt war sie hier, elegant in ein maßgeschneidertes Kostüm mit kurzem Rock und Stöckelschuhe gekleidet und sah so aus, als wäre sie bereit ihnen ordentlich die Leviten zu lesen. „Was machst du denn hier, Ginny?", fragte Harry.

„George hat mir eine Eule geschickt. Er hat mir von euch beiden erzählt und er macht sich Sorgen darüber, dass ihr ‚zu viel denkt', wie er es formulierte, und er dachte, ich wäre die beste Person, um das aus dem Weg zu räumen." Harry und Hermione tauschten einen verlegenen Blick aus. „Setzt euch, alle beide." Sie setzten sich nebeneinander auf eine der Ledersofas. „Jetzt fasst euch an den Händen." Beide runzelten verwirrt die Stirn. „Kommt schon, tut es. Fasst euch an den Händen!" Harry zuckte mit den Schultern und nahm Hermiones Hand. Hermione hatte eine Ahnung, worauf Ginny aus war. Sie fühlte sich bereits weniger streitlustig dadurch, dass ihre Finger ineinander verflochten waren. „Gut. Also. Worüber habt ihr euch gestritten?"

„Nun", sagte Hermione, „keiner von uns will irgendwem von unserer neuen Beziehung erzählen."

Ginny nickte. „Und das Problem ist, dass ihr euch beide fragt, was für schändliche Motive der andere haben könnte, dieses Geheimnis zu wahren, richtig? Das dachte ich mir." Sie sah Harry an. „In Ordnung, Harry. Ich will, dass du mir erzählst, wie du dich gefühlt hast, nach dem was letzte Nacht passiert ist."

Harry blickte Hermione an und sah dann zurück zu Ginny. „Ich habe... nun, ich war sehr glücklich." Er drehte sich zu Hermione um. „Ich habe einen Teil von mir gefunden, den ich seit meiner Geburt vermisst habe. Ich habe mich vervollständigt gefühlt." Hermione lächelte.

„Und du, Hermione?"

Sie dachte einen Moment nach. „Es war einfach... Vervollständigung. Eine Vervollständigung von etwas, das vor Jahren begonnen hatte. Es war wie..." Sie fühlte wie in ihrer Hals ein Kloß heranwuchs. „Wie aus einem Gefängnis zu kommen, von dem ich vorher nicht wusste, dass es existierte." Harry drückte ihre Hand.

„In Ordnung. Und ihr fühlt euch beide schuldig und denkt, ihr betrügt Ron. Nein, ihr braucht gar nicht so überrascht zu gucken, man sieht es euren Gesichtern an. Wenn ihr das nicht verarbeitet, wird es euch ewig zu Lasten sein." Sie lehnte sich vor und fixierte sie mit einem strengen Blick. „Nun, ihr könnt nicht zu Ron gehen und ihn um Erlaubnis fragen, aber ich bin seine Schwester und deshalb werde ich es tun. Wisst ihr, was Ron jetzt sagen würde?"

„Was?", fragte Hermione.

„Er würde sagen, dass es verdammt noch mal an der Zeit ist." Sie nickte knapp, eine Geste, die auf unheimliche Weise an Ron erinnerte. „Er würde euch in die Arme nehmen, euch viel Glück wünschen und sagen, dass er sich schon gefragt hat, wie lange es wohl dauern würde."

„Aber wenn er noch leben würde... was wäre, wenn ich noch mit ihm zusammen wäre?", fragte Hermione.

„Denkst du, dann wären die Dinge so gekommen?"

Hermione starrte hinab auf ihre ineinander verschlungenen Finger. „Nein", sagte sie nach einer langen Pause sanft. „Ich weiß es nicht."

„Nun, das wäre eine Sache, über die man nachdenken könnte. Aber ihr seid beide glücklich. Lasst euch von dem, was ein toter Mann eventuell denken könnte, nicht von irgendetwas abhalten. Er hat euch beide geliebt, und er würde wollen, dass ihr glücklich seid. Er würde nicht wollen, dass ihr ewig trauert, und er wäre sehr beunruhigt, wenn er wüsste, dass die Erinnerung an ihn zwischen euch stehen würde." Hermione nickte und fühlte sich um einiges besser. Ginny lächelte. „Und jetzt küsst euch und vertragt euch."

Harry legte einen Finger unter Hermiones Kinn und hob ihr Gesicht an. Sie lehnte sich vor und küsste ihn, während ihre Hand auf seinem Bein ruhte. Ginny stand auf und sah selbstzufrieden aus. Keiner der beiden bemerkte es, sie waren zu sehr mit sich selbst beschäftigt. „Ich denke, meine Arbeit hier ist getan", sagte Ginny und verließ das Zimmer.

Der Rest des Nachmittags verlief ohne besondere Ereignisse. Nachdem Ginny gegangen war, waren Harry und Hermione für ungefähr eine Stunde im Kloster verschwunden (diesmal mit geschlossenen Fenstern) und waren nur aufgetaucht, um von ihren Mitbewohnern gutmütige Sticheleien und Rippenstöße zu erdulden. Hermione beobachtete Cho aufmerksam, bemerkte aber keine böswilligen Anzeichen. Sie war überrascht gewesen, als sie die neuen Entwicklungen erfahren hatte, aber bisher hatte sie sich jeglicher schneidender Bemerkungen, die sonst ihre Spezialität waren, enthalten.

Harry war die meiste Zeit des frühen Abends sehr still gewesen und hatte sich damit begnügt auf der Veranda zu sitzen und den Unterhaltungen seiner Mitbewohner zuzuhören. Beim Abendessen erklärte er, dass er an diesem Abend in die G.A. gehen würde.

„Ob das vernünftig ist?", fragte George.

„Ich bin nicht in Gefahr. Ich muss mich um Lupin kümmern und ein paar Eulen verschicken", sagte er und sah Hermione bedeutungsvoll an. In beiderseitigem Einverständnis hatten sie beschlossen, Laura nicht von Sorrys Aktivitäten im Kreis zu erzählen. Jedes Wissen, das sie besaß, könnte sie noch mehr gefährden, und es hatte keinen Zweck sie zu beunruhigen, wenn es nichts gab, das sie tun konnte. Hermione war beunruhigt bei dem Gedanken, dass Harry das Haus verließ, aber er hatte Recht, bestimmte Dinge mussten erledigt werden. „Und ich muss etwa zehntausend Dinge erledigen, was die Verfolgung von Allegra und das Ausschwärmen meiner Agenten angeht."

Nachdem also das Geschirr gespült war, brachte sie ihn zur Tür... er musste aufgrund der Schutzzauber, die das Haus umgaben, bis zum Anfang der Einfahrt hinunterwandern um apparieren zu können. Sie traten hinaus in die Säulenhalle und schlossen die Tür hinter sich. „Wann bist du wieder da?", fragte sie.

„Oh, spät heute Nacht, denke ich. Warte nicht auf mich." Er sah sie dabei nicht an.

„Werde ich nicht, aber... weck mich, wenn du nach Hause kommst."

„In Ordnung." Er verstummte. Hermione steckte die Hände in die Hosentaschen und zuckte mit den Schultern.

„Heute ist den ganzen Tag über nichts Schreckliches passiert, das ist doch ermutigend."

„Das war leider nur die erste Runde. Die zweite Runde würde ich gerne vermeiden, wenn ich könnte." Dann drehte er sich zu ihr um und nahm sie bei den Händen. „Sei vorsichtig. Pass auf dich auf."

„Werde ich." Sie ließ seine Hände los, umarmte ihn und freute sich darüber, dass er sofort seine Arme um sie legte und sie fest an sich drückte. Ein paar Augenblicke standen sie so da und hielten sich fest, dann trat Harry zurück und nahm ihr Gesicht in seine Hände.

„Auf Wiedersehen", sagte er. Sie nickte und fragte sich, ob er wusste, dass er sie nicht täuschen konnte. Er küsste sie. „Ich seh' dich bald."

Sie nickte, als er zurücktrat und die Einfahrt hinunter ging. Sie sah ihm nach, bis er um die Kurve und ausser Sicht war, dann ging sie ins Haus und begann zu suchen.

Sie fand die Nachricht genau dort, wo sie sie erwartet hatte, auf ihrem Kopfkissen. Sie nahm sie hoch, riss die Lasche mit dem Fingernagel auf und entfaltete das Blatt schweren Briefpapiers.

Hermione,

wenn du das hier liest, dann bin ich gegangen... und nicht nur zum Hauptquartier der G.A. Ich konnte dir nicht sagen, dass ich gehe, weil ich wusste, dass ich nicht in der Lage gewesen wäre, auf meinen Entschluss zu beharren, und es ist sehr wichtig, dass ich das tue. Ich muss Allegra und Voldemort finden, bevor sie wieder zuschlagen, und bevor sie herausfinden, dass der schnellste Weg mich zu zerstören, wäre, dir zu schaden. In dem Moment, in dem sie deine Bedeutung in meinem Leben erkennen, wäre dein Leben verloren. Ich kann nicht zulassen, dass das passiert. Sie schaden Anderen nur um mich auszulöschen... ich schätze, das ist der Plan.

Ich werde zurückkommen, wenn ich sie besiegt habe, aber das könnte sehr lange dauern... und es existiert die Möglichkeit, dass ich gar nicht zurückkomme. Wenn ich ihn bekämpfe und dabei sterbe, dann wird es das wert gewesen sein, solange ich weiß, dass du in Sicherheit bist.

Für uns waren die letzten Tage sehr sonderbar, Hermione. Wir könnten den Rest unseres Lebens damit verbringen, herauszufinden, was es für uns bedeutet, und ich hoffe, dass wir die Gelegenheit dazu bekommen. Nach allem, was wir durchgemacht haben, muss ich daran glauben, dass es jetzt, wo wir die Aussicht auf ein wirklich glückliches Leben haben, nicht enden wird. Wenn ich nach all dem einfach zu dir zurückkommen kann, dann werde ich mein ganzes Leben um nichts Anderes bitten. Bitte glaub mir, dass es mir sehr schwer fällt, dich zu verlassen... Ich weiß, dass du verärgert sein wirst. Ich hoffe, du hast mir vergeben, wenn ich zurückkomme.

Ich will nur, dass du weißt, dass ich dir gehöre... aber das weißt du ja bereits.

Harry

Laura, Cho, Justin und George starrten sie ungläubig an, als sie ihnen die Hauptaussagen des Briefes am Küchentisch wiedergab. „Das ist alles?", rief Laura aus. „Er ist einfach gegangen?"

Hermione nickte. „Ja, er ist einfach gegangen."

Cho zog eine Augenbraue hoch. „Ich kann nicht glauben, dass du so ruhig bist. Fast als würde es dich nicht interessieren!" Sie hätte noch mehr gesagt, aber der tödliche Blick, den Hermione ihr zuwarf, ließ sie eilends verstummen.

„Ich kann dir versichern, dass es mich sehr wohl interessiert. Aber du hast Recht, ich bin ruhig. Vermutlich, weil ich es erwartet habe."

„Das hast du?", sagte George.

„Vielleicht glaubt Harry, dass er mich getäuscht hat, aber er unterschätzt, wie gut ich ihn kenne. Er kann unmöglich hier herumsitzen und nichts tun, während er glaubt, dass die Leute in diesem Haus in Gefahr sind. Der kürzliche Wandel in meinem Verhältnis zu ihm hat nur dazu gedient, dass sich sein Drang zum heldenhaften Märtyrertum noch verstärkt. Für mich ist das keine Überraschung. Man könnte sogar sagen, dass ich darauf gewartet habe."

„Überraschung oder nicht, ich denke, dass es dich trotzdem beunruhigt nicht zu wissen, wo er ist."

„Und da hast du recht, Justin. Nur, dass ich etwas weiß, das unser Mr. Potter nicht weiß."

„Und das wäre?"

„Dass ich ihn, als ich ihm auf Wiedersehen gesagt habe, mit einem winzigen Heimkehr-Talisman versehen habe. Egal wo er hingegangen ist, ich werde ihn finden. Wenn er glaubt, dass ich mich damit zufrieden gebe hier herumzusitzen und mich nach ihm zu verzehren, dann täuscht er sich gewaltig." Sie nickte entschieden, warf Harrys Nachricht auf den Küchentisch und ging gezielt aus der Küche in die Vorderhalle. Laura folgte ihr.

„Es wird Arbeit kosten seinen Standort genau zu bestimmen", sagte sie und beeilte sich um mit Hermione Schritt zu halten, die mit großen Schritten auf das Arbeitszimmer zuging.

„Das weiß ich."

„Je weiter er sich entfernt, desto schwieriger wird es sein die Signale zu erkennen."

„Das weiß ich auch."

„Wenn er den Talisman findet, wird er seine Wirkung innerhalb von fünf Sekunden unterbinden."

„Hast du irgendwelche hilfreichen Vorschläge, Laura?", keifte Hermione, trat hinter einen der großen Schreibtische im Arbeitszimmer und öffnete ein Buch über Astronomie.

Laura stellte sich vor den Schreibtisch und stemmte die Hände in die Hüften. „Nur, dass zwei Köpfe besser sind als einer."

„Vier Köpfe", sagte Justin, als er und George neben Laura auftauchten. Hermione grinste.

„Fünf." Alle starrten sie an, als Cho hereinkam und auf ihren Schreibtisch zuging. „Lasst uns anfangen."

Später in der Nacht hatte sich die gesamte Hausgemeinschaft im zweiten Stockwerk des Aussichtspunktes mit Lauras Teleskopen versammelt. Cho blickte durch eines von ihnen und diktierte Ausrichtungsmuster, die Justin aufschrieb. George wälzte sich durch einen Stapel Bücher und suchte nach einer Alternative, einen Heimkehr-Talisman aufzuspüren. Hermione stand am Geländer mit ihrem Zauberstab in der Hand. Alle paar Sekunden hob sie ihn und schickte einen Lichtstreifen in den Himmel... Laura beobachtete die Streifen durch ein Fernglas und hoffte auf eine Abweichung, welche die Richtung des Talismans anzeigen würde. Doch bisher: nichts.

Cho trat vom Teleskop zurück. „Das wär's dann wohl, der Mond geht gleich auf." Sie setzte sich auf die Bank, die das gesamte zweite Stockwerk umfasste. Eine Zeitlang schwiegen sie. Niemand wollte es zugeben, aber ihre Hoffnung schwand. Mit jeder verstreichenden Minute würde es schwerer und schwerer werden, Harry aufzuspüren. „Vielleicht solltest du ihn einfach tun lassen, was zu tun ist, und zwar allein", sagte Cho leise.

Hermione drehte sich nicht einmal herum. „Kommt nicht in Frage."

„Wieso?", sagte Cho und stand auf. „Was kannst du schon hilfreiches tun? Er ist ein Profi! Du bist... entschuldige, aber du bist ein Bücherwurm, Hermione. Du wirst dich nur selber umbringen und ihn wahrscheinlich auch."

Bei diesen Worten senkte Hermione ihren Zauberstab und drehte sich zu Cho um. „Was soll ich sonst machen? Einfach hier herumsitzen und verrückt werden?"

„Lieber verrückt als tot!"

„Ich kann schon auf mich selbst aufpassen."

„Nicht du, er! Du weißt, dass er für dich sterben würde, und wenn du ihm folgst, wird er genau das tun müssen!", rief Cho.

Hermione starrte sie an. „Und das erträgst du nicht, stimmt's? Dass er sterben würde, um mich zu beschützen! Es scheint dich umzubringen, dass nicht du es bist, für deren Sicherheit er dort draußen kämpft!"

„Nun, wer sagt, dass er das nicht ist? Er würde versuchen, jedes unschuldige Leben zu beschützen und das weißt du ganz genau. Ich würde da an deiner Stelle nicht so viel hereininterpretieren."

Hermione gaffte sie an. „Wovon redest du?"

Cho trat mit leuchtenden Augen näher an sie heran. „Es gibt keinen Grund dafür, dass du hinter ihm her rennst und euch beide umbringst, nur weil du es endlich hingekriegt hast, dass er dich vögelt!"

Laura schnappte nach Luft und drehte ihr Gesicht weg. Justin starrte sie nur mit offenem Mund an, während George mit einer Hand über den Augen den Kopf schüttelte. Hermione schien so wütend zu sein, dass sich ihre Gefühle zu einer eisigen Stille zusammengebraut hatten. Sie trat einen Schritt vor und schlug Cho mit aller Härte ins Gesicht. Mehr sagte sie nicht, sondern ging einfach die Treppe hinab und ins Haus. Cho wollte auch gehen, aber Laura hielt sie am Arm fest. „Oh nein, du nicht", sagte sie. „Du setzt dich auf deinen Arsch und hilfst uns ihn zu finden. Und wenn du noch ein Wort sagst, dann schwöre ich bei Gott, lasse ich diesen Schlag wie ein freundliches Bussi auf die Wange aussehen."

Hermione saß an ihrem Schreibtisch im Arbeitszimmer und starrte auf ein Buch, aber sie las es nicht. Chos Worte hallten in ihrem Kopf wider, wie eine gesprungene Schallplatte... letztendlich hingekriegt hast, dass er dich vögelt, letztendlich hingekriegt hast, dass er dich vögelt. Dachte Cho wirklich, dass Hermione das die ganzen Jahre über versucht hatte? Ihn dazu zu bringen sie... nun, zu vögeln? Das war beleidigend und einfach nicht wahr.

Es klopfte an der Tür. Hermione erwartete, dass es Laura sei und rief „Komm rein!" Aber es war nicht Laura. Hermiones Gesichtsausdruck verschärfte sich. „Es interessiert mich wirklich nicht, was du zu sagen hast, Cho", sagte sie und sah zurück auf ihr Buch.

Cho trat vor und stellte sich vor Hermiones Schreibtisch. Sie sah wirklich so aus, als würde es ihr Leid tun. „Darf ich mich nicht entschuldigen?"

„Ich weiß nicht, kannst du das überhaupt?"

„Ich habe mich wirklich schlecht benommen." Hermione hob langsam den Kopf und sah sie an. „In Ordnung, das war wirklich total schrecklich von mir." Sie seufzte und setzte sich auf einen der Stühle vor dem Schreibtisch. „Tatsache ist... du bist ihm nicht hinterhergelaufen, sondern ich. Und doch bist du diejenige, die er vögelt."

Hermione verdrehte die Augen. „Musst du das so nennen?"

„Entschuldige. ich schätze ich bin eine verbitterte, verdorbene Person."

Hermione schnaufte vor Lachen und war überrascht, dass es aus ihrem Mund kam. „Oh ja, du bist eine sehr, sehr verbitterte Frau."

Cho kicherte und schüttelte den Kopf. „Es hätte eigentlich anders laufen sollen, verstehst du? Die Männer laufen mir nach, das tun sie immer."

„Offenbar nicht immer." Sie konnte es sich nicht verkneifen.

Cho nickte. „Und ich wollte dir gerade dafür danken, dass du mir das nicht unter die Nase gerieben hast." Sie biss sich auf die Lippe und sah zur Seite. „Ich dachte wirklich, dass wir irgendwann..." Sie brach ab. „Ich liebe ihn immer noch."

Hermione war plötzlich sehr traurig, als sie bemerkte, dass Cho das wirklich glaubte. „Nein, Cho. Das tust du nicht. Du liebst die Vorstellung von ihm, das ist alles. Es war niemals er selbst."

Sie hatte eine wütende Verneinung erwartet, aber statt dessen sah Cho sie nur nachdenklich an. „Ich schätze du hast Recht. Und trotzdem tut es weh." Sie stand auf und zog etwas aus ihrer Tasche... es war ein Kompaß.

„Was ist das?"

„Ich habe ihn gefunden", sagte sie einfach. Hermione sprang auf.

„Was?!"

„Ich habe den richtigen Spruch zum Aufspüren des Talismans gefunden. Ich habe ihn dazu benutzt diesen Kompaß zu verzaubern, er sollte dich direkt zu ihm führen."

Hermione eilte um den Schreibtisch herum und nahm den Kompaß entgegen. „Oh, ich könnte dich küssen", sagte sie. „Aber ich tue es nicht", fügte sie schnell hinzu.

Cho lächelte. „Geh. Geh und finde ihn, und dann lass ihn nie wieder aus den Augen."

„Das habe ich vor." Sie stürmte zur Tür, aber Chos Stimme hielt sie zurück.

„Hermione?"

Sie drehte sich um. „Ja?"

„Ähm... wenn du zurückkommst, meinst du wir..." Sie räusperte sich. „Können wir uns einfach mal zusammensetzen und ein bisschen reden?"

Hermione lächelte. „Das würde mir gefallen."

Cho deutete mit dem Kopf Richtung Tür. „Dann los, geh, mach dass du wegkommst. Beeile dich lieber."

Hermione verließ das Arbeitszimmer und rannte die Halle hinab, während sie sich die Kette des Kompasses um den Hals legte. Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal sagen würde, dachte sie, aber Gott segne Cho.