Als Loki seine Augen aufschlug, war die Welt um ihn in blau und weiß getaucht. Wunderschöne Eisformationen ragten gen Himmel und waren mit einer leichten Schicht Schnee bedeckt. Die Welt um ihn lag unberührt, die einzige Abweichung war er selbst. Loki sah an sich herunter. Er war in sein Schlafgewand gekleidet, seine Füße bar jedes Schutzes. Eigentlich hätte er frieren sollen, doch die Luft war weder warm noch kalt, sondern eine unwirkliche Temperatur in der Mitte.
Plötzlich leuchtete ein Licht in der Ferne auf. Es war klein, rund und wirkte warm. Neugierig ging der Schwarzhaarige auf das Licht zu, welches auf Hüfthöhe über dem Boden schwebte. Doch als er es erreicht, verschwand es, nur um in einiger Entfernung wiederaufzutauchen.
Loki sah unschlüssig auf das Licht und drehte sich dann zu seinen Fußspuren im Schnee um. Doch der Schnee lag unberührt hinter ihm, als wäre er frisch gefallen. Auch die Felsen sahen in jeder Richtung gleich aus und als er sich ein zweites Mal drehte, hätte er schwören können, dass sie ihren Standort gewechselt hatten.
Er wandte sich wieder dem Licht zu, welches scheinbar noch an derselben Stelle schwebte. In der Zwischenzeit hatte sich ein zweites Licht hinzugesellt, welches etwas weiter von Loki entfernt war. Sie pulsierten in einem langsamen und gleichmäßigen Rhythmus, wie Wellen am Meer.
Auf Loki wirkten sie beruhigend, weshalb er sich erneut in gemäßigtem Tempo näherte. Als er nur noch wenige Schritte entfernt war, bewegten sich die Lichter gemeinsam weiter. Blieb Loki stehen, stoppten auch die Lichter. Lief er schneller, so blieben sie doch im selben Abstand zu ihm. Egal, was er tat, die Lichter blieben immer vor ihm, es war unmöglich, sie einzuholen oder näher zu betrachten.
Mit der Zeit gesellten sich weitere Lichter zu dem Schwarzhaarigen. Sie erschienen mal weiter weg, mal
näher an den anderen leuchtenden Kugeln und zeigten beinahe gerade in eine Richtung.
Nach einer Weile waren genug Lichter vorhanden, um zu erkennen, dass sie eine Straße geformt hatten. Links und rechts vor Loki lag ein von pulsierenden Lichtern begrenzter Weg, welcher ihn durch die Eiswüste führte. Immer noch konnte er den Lichtern nicht zu nahekommen, sie bewegten sich weiter oder verschwanden, nur um an einer anderen Stelle wiederaufzutauchen.
Es kam Loki vor, wie eine Ewigkeit und gleichzeitig wie nur einige Minuten, bis die Lichter ihre Form veränderten. Der Weg begann sich zu verbreitern und mehr Lichter erschienen, sodass sie den Weg nicht nur in einer Reihe säumten, sondern bald in zwei oder drei Reihen neben dem Schwarzhaarigen verliefen. Schließlich konnte er ein Ende des Weges erkennen. Die Lichter hatten den Weg vor ihm halbkreisförmig versperrt.
Mehr und mehr der Lichter erschienen von allen Seiten und scharrten sich um Loki, hielten jedoch einige Schritte Abstand. Immer langsamer bewegte sich der Schwarzhaarige und sah sich die Bewegungen der Lichter an, bis er schließlich zu Stehen kam.
Die Lichter hatten einen Kreis um ihn gebildet und waren inzwischen genug, um ein Meer von pulsierendem Leuchten zu erschaffen. Sie waren überall, wohin er auch sah, erstreckte sich ein Meer von Lichtern.
Langsam bewegten sie sich in Position. Aus dem Meer wurden perfekte Kreise, die sich langsam zu drehen begannen. Abwechselnd drehte sich ein Kreis im und einer gegen den Uhrzeigersinn. Sie wurden schneller und schneller, bis nur noch Schlieren zu erkennen waren.
Loki beobachtete dieses Verhalten verwirrt und wusste nicht, wie er zu Handeln hatte.
Plötzlich stoppten die Lichter und Loki fiel.
Unter ihm hatte sich ein Schwarzes Loch aufgetan, welches ihn verschluckte. Die Lichter waren nur noch Punkte und verschwanden in Sekundenbruchteilen ganz. Doch bevor er in Panik verfallen konnte, schlug Loki auf dem Boden auf. Um ihn herum war es Schwarz. Nichts war zu sehen. Hätte er nicht den Boden unter seinen nackten Füßen gespürt wäre er sich nicht sicher gewesen, wo oben und wo unten war.
Loki besann sich seiner Magie und wollt ein Licht heraufbeschwören, doch nichts passierte. Die Dunkelheit war überall. Nicht einmal ein Loch in der Decke, durch welche er gefallen war, spendete ihm Licht.
Vorsichtig stand der Schwarzhaarige auf und versuchte, in der Finsternis eine Form zu ertasten. Eine Felsenwand, welche ihm den Weg weisen konnte. Doch in seiner Umgebung war nichts.
Langsam machte er einen Schritt vorwärts. Seine Schritte schienen zu hallen und die Geräusche der kleinen Steine auf dem Boden wurde um ein Vielfaches verstärkt.
Nach einem Dutzend Schritten stieß sein Fuß gegen etwas Weiches. Es war kalt, aber keine Felswand, es fühlte sich eher wie Stoff an. Vorsichtig ging Loki auf die Knie und tastete nach dem Gegenstand.
Seine Hände stießen auf etwas Hartes und Glattes und ein leises metallisches Geräusch erklang.
Plötzlich leuchtete ein Licht auf, wie ein Scheinwerfer und Loki war in der Lage, zu sehen, was er berührte.
Es war ein Brustharnisch, wie ihn die Krieger Asgards trugen. Nur war es kein Mann. Die Person saß mit dem Kopf nach vorne gebeugt, sodass ihre langen Haare in ihr Gesicht fielen und es verdeckten. Vor ihm lag Sif, eine der vier, die seinen Bruder überall hin verfolgten. Loki und Sif hassten sich, was in ganz Asgard bekannt war. Schnell nahm Loki also seine Hände von ihrer Rüstung, in der Erwartung, angeschrien zu werden.
Doch nichts passierte.
„Sif?", fragte er vorsichtig und berührte ihre Schulter.
Als sie sich nicht regte, schüttelte er sich vorsichtig und dann stärker, bis sie plötzlich gegen ihn fiel. Aus Reflex hielt er sie fest, seine Hände auf ihren Rücken.
Doch an ihrem Rücken war nicht, wie auf der Vorderseite, der Harnisch. Stattdessen sanken Lokis Hände in etwas Weiches und Klebriges. Der Gott begann zu zittern.
„Sif?", fragte er leise und hielt seine Augen starr nach vorn gerichtet.
Als keine Antwort erklang, konnte er sich nicht davon abhalten, auf seine Hände zu blicken, um zu sehen, in was er gefasst hatte.
Was er sah, nah ihm die Luft und er stieß Sifs Leiche von sich. Sie landete mit dem Rücken gegen einen vereisten Felsen. Ihre leeren Augen schienen sich direkt ihn Lokis Seele zu bohren. Ihr Rücken war zwar wieder verdeckt, aber Loki würde nie den Krater vergessen, welcher ihre Organe freilegte.
Panisch versuchte er, seine Hände an seiner Hose abzuwischen, aber Blut und Stücke von Sifs Innerem blieben zurück, egal was er tat.
Das Licht war über Sif und beleuchtete sie perfekt, als wäre sie ein Ausstellungsstück. Der Rest der Höhle lag immer noch in vollkommener Dunkelheit, kein Ausweg war zu sehen.
Schwer atmend trat Loki einen weiteren Schritt zurück und stieß erneut gegen etwas, das ein dumpfes Geräusch von sich gab.
Dieses Mal erschien der Lichtstrahl sofort und beleuchtete den Schwarzhaarigen von hinten. Sein Blick war weiterhin auf Sif gerichtet und alles in ihm sträubte sich, zu sehen, was auch immer hinter ihm lag.
„Lo...oki.", röchelte es hinter ihm und er fuhr herum. Vor ihm lag Fandral, ein weiterer von Thors Freunden. Seine Hand streckte sich nach Loki, doch als dieser noch wie erstarrt auf den Mann vor ihm sah, trübten sich seine Augen, er hauchte seinen letzten Atemzug und fiel dann in sich zusammen.
Durch seine Mitte war ein Speer aus Eis getrieben wurden, welcher sich in den Boden bohrte und verhinderte, dass der Krieger auf dem Fels aufkam.
Loki drehte sich von den beiden Toten weg und rannte. Weg von den Lichtern, hinein in die Finsternis. Doch schon nach wenigen Metern fiel er über eine weitere Leiche. Hogun lag auf dem Rücken, das Gesicht schmerzverzerrt. Sein Körper lag, von einem Licht erleuchtet, mehrere Meter entfernt, übersäht von Wunden. Es wirkte, als wäre sein Kopf mit roher Gewalt abgerissen wurden.
Je weiter der Exgott stolperte, desto mehr Leichen erschienen auf seinem Weg. Volstagg und seine Frau, anscheinend zu Tode geprügelt. General Tyr, mit einem Schwerthieb auch seiner zweiten Hand entledigt, unzählige Mitglieder des Rates, zerstückelt. Diener Asgard, Mägde und Knechte, Krieger. Sie hatten Erfrierungen, teilweise fehlten ihnen Körperteile. In einigen der Wunden steckten noch Waffen, passend zur Umgebung waren alle aus Eis gefertigt.
Nach einer Weile musste er über die Leichen steigen, welche sich zu seinen Füßen zu türmen begannen. Er versuchte zu entkommen, aber das Meer der Toten schien kein Ende zu nehmen.
Plötzlich konnte er inmitten der Toten einen Thron ausmachen. Groß und golden lag dieser vor Loki und er konnte drei Gestalten um ihn herum erkennen. Nach nur einem Blinzeln stand er vor dem Thron, doch er konnte sich nicht darüber wundern, zu sehr traumatisierte ihn das Bild, das sich ihm bot.
Auf dem Thron Asgards saß Odin. Doch er war nicht wiederzuerkennen. Seine goldene Augenklappe war nirgends zu sehen und gab den Blick auf sein fehlendes Auge frei. Saß er sonst aufrecht und stolz, so wirkte er im Tod zusammengesunken, die Linien auf seinem Gesicht traten hervor und man sah ihm all seine Jahre an.
Ein Dolch aus Eis steckte ihn seinem Herzen. Er hatte die Rüstung durchdrungen, als wäre sie aus Butter.
Wie es die Zeremonie gebot, war Thor zu seiner Rechten. Loki brachte es kaum über sich, seinen Adoptivbruder anzusehen.
Mjölnir lag selbst im Tod in der Hand des Donnergottes. Sein roter Umhang war zerrissen und zerschnitten. Seine Rüstung von Dellen und Kratzern übersäht. Die sonst so gepflegten Haare hingen strähnig und blutverkrustet von seinem Kopf. Die blauen Augen, sonst so voller Leben und Enthusiasmus waren wie aus Glas. Das einzige, das Loki in ihnen sah, war seine eigene Reflektion. Spuren von Eis zogen sich Thors bloßen Arme hinauf. Sein Körper war mit Wunden übersät, doch die Todesursache war klar. Ein Eisschwert durchstieß sein Herz und trat an seinem Rücken wieder aus, als hätte es jemand mit großer Kraft durch ihn geschoben.
Zu Odins linker Seite war Frigga. Erst bei ihrem Anblick begannen Tränen über Lokis Wangen zu laufen. Frigga zeigte im Gegensatz zu allen anderen Toten keine Anzeichen eines Kampfes. Sie trug ihr Lieblingskleid in einem satten blau. Kein Haar an ihrer aufwendigen Frisur war verrutscht. Ihre Hände waren frei von Blut und Schmutz und griffen nach dem Dolch, welcher aus ihrer Brust ragte. Sie war die einzige, welche von hinten erstochen wurde und ihr Gesicht war im Augenblick der geschockten Erkenntnis erstarrt.
Loki konnte sich nicht mehr auf den Beinen halten und sank zu Boden. Die Tränen ließen alles vor ihm verschwimmen.
„Warum? Warum?!", schrie er seine Verwirrung, Verzweiflung und Wut hinaus.
Wie als Antwort hörte er ein Geräusch wie brechendes Eis. Es war, als würden um ihn Eisberge auseinanderbersten.
Doch Loki war wie gelähmt. Er konnte den Blick nicht von seiner toten Familie abwenden. Er erwachte erst aus seiner Starre, als eine Stimme erklang.
„Ist es nicht ein grandioser Anblick?"
Langsam drehte Loki sich zu der Stimme um. Vor ihm stand Laufey, der König der Frostgiganten. Eine Rasse, welche das Eis beherrschte, in diesem lebte und selbst wie gefroren wirkte. Aus allen Richtungen scharten sie die Frostgiganten um den Schwarzhaarigen und überragten ihn bei weitem. Sie waren nach einem Krieg, der Jahrhunderte zurücklag wohl der größte Feind Asgard. Nun ergab alles einen Sinn. Die Waffen, die Erfrierungen. In Loki staute sich Wut an, welche sich während Laufeys nächster Wort nur steigerte.
„Sie dachten, sie wären unbesiegbar. Lebten in ihrer goldenen Stadt und sahen auf uns herab. Doch sie herrschen nicht länger!"
Die anderen Frostgiganten brüllten zustimmend.
„Noch habt ihr nicht alle Asen besiegt! Ich werde nicht ruhen, bis jeder von euch dreckigen, ehrenlosen Eisblöcken sich windend verendet!", schrie Loki voller Wut.
Doch Laufey lachte nur. „Woher der plötzliche Sinneswandel? Warst du es nicht, kleiner Riese, der uns die Thore zu Asgard öffnete? Der seiner wahren Familie die Rache gab, die ihr gebührte? Der, endlich zurück in seiner wahren Gestalt, neben uns kämpfte?"
Schockiert sah Loki auf Laufey. Dieser hatte während seines letzten Satzes auf den Schwarzhaarigen gedeutet, was diesen dazu brachte, auf seine Hände zu sehen.
Seine blauen Hände. Rau und eisig, wie die eines Frostgiganten. Überzogen mit seltsamen Linien, die alle der Jotunnen auf ihrer Haut trugen.
„Nein…", flüsterte er und trat einen Schritt zurück. Doch seine Haut blieb weiterhin blau und eiskalt.
„Warst du es nicht, der mit seinen eigenen Händen die Königsfamilie ermordete? Sie versuchten so sehr, dich zur Vernunft zu bringen. Odin weigerte sich zu kämpfen. Thor wollte dich nicht verletzte. Und Frigga, oh die zarte Frigga, sie flehte so lieblich."
Loki begann, an seinen Armen zu kratzen. „Nein, nein, nein, nein.", wie im Wahn begann er, an seiner Haut zu kratzen. Er versuchte, die cremefarbene Haut zu erreichen, welche unter dem unsäglichen blau verborgen sein musste. Immer stärker bohrten sich seine Finger in das Fleisch.
„Doch das Beste waren ihre Gesichter. Frigga, als du sie umarmtest, nur um ihr das Messer in den Rücken zu rammen. Odin, der nach dem Tod seiner Frau aufgab und ihr wenige Sekunden später folgte. Thor, der kämpfte, bis er sich vor Erschöpfung nicht mehr stehen konnte und trotzdem bis zu seinem letzten Atemzug flehte, dass sein Bruder zurückkehrt."
„Nein, Nein, Nein, Nein, NEIN!", Loki schrie, so laut er konnte. Egal was er tat, sein Aussehen änderte sich nicht. Wie ein Mantra sprach er immer wieder dasselbe Wort, während die Frostgiganten um ihn standen und lachten. Eisige Kälte machte sich in Loki breit, welche nichts mit der Temperatur der Umgebung zu tun hatte.
Plötzlich wurde Loki gefangen gehalten. Etwas zog an seinen Armen. Wie besessen versuchte der Schwarzhaarige weiterhin, sich zu Kratzen und seinem Körper und den neunen Fesseln zu entkommen. Laufeys Stimme klang weiter verspottend in seinen Ohren.
Als er zu einem Schlag ausholen wollte, erstarrte Loki. Die Stimme sprach immer noch, doch sie war ruhig und gefasst. Die Ketten, welche um ihn lagen, brannten förmlich im Gegensatz zur Kühle seines restlichen Körpers. Als er innehielt, bemerkte er eine Wärmequelle, direkt vor sich. Sein einziger Gedanke war, der Kälte zu entkommen, also drückte er sich an gegen die Wärme und presste sich an sie, so gut es ging. Nach kurzer Zeit schien sich die Wärme auszubreiten und umschloss den erschöpften Exgott, welcher in einen unruhigen Schlaf fiel.
Als Loki aufwachte, bemerkte er zuerst das Brennen in seinen Armen. im Halbschlaf wollte er nach seiner Schulter greifen, doch eine fremde Hand kam ihm zuvor.
„Nein Lo, wir lassen die Hände weit weg von den Schultern."
„Stark?", fragte er verschlafen.
Dann bemerkte er, dass er nicht in seinem Bett lag. Und irgendetwas umarmte. Loki schlug die Augen auf und kam Angesicht zu Angesicht mit Stark. Erschrocken machte er einen Satz nach hinten und schlug gegen das Bett. Der Schmerz in seinen Schultern flammte auf.
„Wow, Lo, alles in Ordnung?", Tony tastete vorsichtig die Verbände ab, konnte aber kein Blut entdecken. Erleichtert stand er auf und streckte sich.
Loki saß auf den Boden, immer noch von seinem Traum mitgenommen.
Er bewegte sich erst, als Tony ihm ein Glas Wasser und eine kleine weiße Pille in die Hand drückte.
„Gegen die Schmerzen. Du hast deinen Arm ganz schön zugerichtet."
Der Exgott nahm das Wasser und die Tablette dankbar entgegen. Er hatte gar nicht bemerkt, wie trocken sein Hals vom Schreien war.
„Es tut mir leid, dir Umstände bereitet zu haben.", entschuldigte er sich anschließend.
Tony winkte ab. „Ich bin froh, dass ich helfen konnte. Also, bist du eher ein Aussprechen Typ, oder willst du vergessen, was auch immer du geträumt hast und wir schauen ein paar Naturdokus an?"
Loki sah seinen Gastgeber nur sprachlos an. Nicht nur hatte Stark ihm geholfen und scheinbar umarmt, als er geträumt hatte, sondern er bot ihm an, bei ihm zu bleiben. Er ging nicht einfach weg, da das Problem ja anscheinend aus der Welt geschaffen war, sondern schlug Aktivitäten vor. Diese schienen zwar etwas beliebig, aber vor allem die zweite klang sehr gut.
Tony hatte Lokis Blick bemerkt und beantwortete die unausgesprochene Frage. „Naja, nachdem ich aus der Höhle wiederkam…", er tippte auf seinen Ark-Reaktor. „… Gab es kaum eine Nacht, in der ich durchgeschlafen habe. Pepper wollte mich immer zum Reden bringen, aber mir war es meist lieber, irgendetwas sinnloses im Fernsehen zu gucken und mich zu beruhigen."
Das Thema Pepper, von welcher Tony sich getrennt hatte, war schon aufgekommen. Während der zwei Wochen musste Tony einige Male zu Stark Industries und meist war es Pepper gewesen, welche ihn via Jarvis an seine Termine erinnert hatte. Tony war zwar nicht darauf eingegangen, warum die beiden sich getrennt hatten, aber Loki konnte es sich denken. Es gab nicht viele Frauen, welche auf Dauern neben einem Helden Bestand hatten.
„Fernsehen.", kam schließlich die kurze Antwort.
Loki stand langsam auf, noch etwas wackelig auf den Beinen. Tony blieb in der Nähe, um ihm im Notfall helfen zu können, sagte aber nicht, wofür ihm Loki unendlich dankbar war.
Die beiden machten es sich auf der Couch gemütlich und nach kurzem Zögern lehnte Loki sich gegen Tony, welcher neben ihm saß. Er fühlte immer noch die Kälte der Frostgiganten und die Körperwärme des Erfinders vertrieb die Erinnerungen an den Traum und half ihm, im Hier und Jetzt zu bleiben.
Tony lehnte sich seinerseits ebenfalls gegen Loki und legte nach kurzem Zögern einen Arm um den Exgott. Die Geste wurde mit einem leisen, erleichterten Seufzer belohnt.
Loki ließ sich etwas zusammensinken, um noch näher an Stark zu sein und betrachtete dann die TierDoku. Er wusste nicht warum, aber er hatte sich selten so geborgen gefühlt wie in den Armen des Erfinders.
Nach einer halben Stunde begann die Tablette zu wirken. Der Schmerz in Lokis Armen ließ nach. Das hatte allerdings die unglückliche Nebenwirkung, dass seine Finger wieder zu den verletzen Oberarmen wanderten. Um wegen seiner Summenden Magie zu Kratzen oder zu sehen, ob er rot bluten würde, war nicht sicher.
„Lo, ich setz mich gleich auf deine Hände.", grummelte Stark gespielt wütend, während er mit sanften Griff die Hände des Schwarzhaarigen wieder nach unten führte.
Der Exgott versuchte in den nächsten 20 Minuten, ruhig zu sitzen, doch die beruhigende Wirkung der Medizin machte ihm zu Schaffen. Er hatte das Gefühl, seine Umgebung wäre von einem Tuch verhüllt. Es erinnerte ihn unangenehm an die dunkle Höhle und das Eis, dessen Kälte er im Traum nicht spüren konnte.
Nach weiteren zehn Minuten gab er es schließlich auf.
„Stark, wäre es möglich ein Fenster zu öffnen?" Vielleicht würde ihn die Kalte Luft davon überzeugen, dass er nicht mehr in einem Traum gefangen war.
„Sorry, Bambi, aus Sicherheitsgründen habe ich keine Fenster, nur Glaswände. Falls du frische Luft schnappen willst: Der Fahrstuhl fährt bis zum Dach. Manchmal ist es angenehm, keine Wände um dich herum zu haben."
„Danke.", Loki stand auf, wurde aber nach nur einem Schritt gestoppt.
Stark hatte seinen Ärmel festgehalten. „Soll ich mitkommen?"
Loki schüttelte den Kopf. „Das wird nicht nötig sein."
Er stieg aus dem Fahrstuhl und besah sich das Dach des Stark-Towers. Während der Invasion war er bereits hier gewesen und die Umgebung kam ihm vage bekannt vor. Die kalte Luft beruhigte seine Unruhe und er ließ seinen Blick schweifen. Die Stadt leuchtete zu hell, um die Sterne sehen zu können, aber die Lichter der Häuser waren fast wie kleine Sterne, welche im Dunklen der Stadt leuchteten.
Loki lehnte sich an die Balustrade und betrachtete das Treiben unter sich.
Als er zwei Stunden später wieder ins Penthouse kam, war der Fernseher aus und Stark nirgendwo zu sehen.
„Sir ist wieder schlafen gegangen. Ich soll Ihnen ausrichten, dass er jederzeit bereitsteht, sollten sie Gesellschaft wollen.", meldete sich Jarvis zu Wort.
„Danke Jarvis, ich werde versuchen, noch etwas zu schlafen."
Teils durch die Schmerzmittel, teils durch die frühe Stunde fühlte Loki, wie ihn der Schlaf übermannte. Entgegen all seinen Erwartungen schlief er schnell ein und wurde nicht wieder von Albträumen geplagt.
Am nächsten Morgen verhielten sich sowohl Loki als auch Tony, als wäre nichts gewesen, auch wenn sie drei Stunden später als üblich frühstückten.
Und wenn Stark seinem Gast öfter das Haar verwuschelte oder ihm auf den Rückenklopfte, so gefielen dem Exgott diese Gesten zu sehr, als dass er sie durch Nachfragen gefährdete.
- Shield HQ -
Auf dem Helicarrier herrschte reges Treiben. Auch wenn niemand versuchte, die Weltherrschaft an sich zu reißen, gab es genug zu tun. Die Agenten sammelten stetig Informationen und die fliegende Festung verlangte einiges an Personal. So musste sie ständig auf Schwachpunkte überprüft werden, kleinere Probleme wurden repariert und ein Dutzend Agenten behielt die Messgeräte, die Flugbahn und den Flugverkehr im Auge.
Direktor Fury stand im Zentrum des Kontrollraumes, über den Agenten, um sie zu mehr Leistung zu motivieren. Denn niemand spielte Ballerspiele, während der Chef hinter ihm stand und alle Bildschirme einsehen konnte. Zumindest nicht mehr seitdem Stark-Desaster.
„Direktor Fury!"
Ein Mann platze aufgeregt auf die Kommandobrücke des Helicarriers und bliebt vor Fury stehen, welcher wortlos auf die Bildschirme vor ihm gestarrt hatte.
„Was ist?", fragte der Direktor von Shield und sah auf den Agenten, welcher ein Tablet umklammerte. „Erstatten Sie Bericht, Mr. …"
„Williams, Sir. Ich bin eingeteilt, um Ironman zu überwachen."
„Ich hoffe es ist etwas Wichtiges. Nicht wie vor zwei Wochen, als ich meine Zeit verschwendet habe, nur weil Stark in seinem Anzug eine Frau aufgegabelt hat."
„Nein, Sir, wir haben es genau überprüft!"
„Dann spucken Sie's aus, ich habe nicht den ganzen Tag Zeit!", fuhr Fury Agent Williams gereizt an. Der war eingeschüchtert, nahm aber seinen Mut zusammen und sprach weiter.
„Der Stark-Tower ist zu gut gesichert, als das wir auf die Kameras im Gebäude zugreifen können. Die Fassade ist ebenfalls mit Einwegspiegeln versehen, sodass wir nicht sehen können, was innen vorgeht.", der Agent holte Luft, um fortzufahren, wurde aber von Fury unterbrochen.
„Kommen Sie zum Punkt!"
Verschreckt stotterte der Agent. „A-Aber, wir wa-waren in der La-Lage…", er schluckte und stählte sich. „... einige Aufnahmen vom Dach des Towers machen. Und als wir die Aufnahmen von gestern auswerteten, entdeckten wir das. Wir haben natürlich doppelt und dreifach gecheckt, aber es gab keine Manipulation der Aufnahmen."
Er drehte das Tablet um, sodass das Bild darauf zu erkennen war.
„Es ist Loki, Sir. Er ist zurück."
