Als ich meine Augen wieder öffnete sah ich einen Fernseher und ein Regal voll mit DVDs, die ich nur zu gut kannte. „JAKE!" Der hochgewachsene Indianer lugte aus der Küchentür ins Wohnzimmer und lächelte entschuldigend. „Anders wärst du nicht mitgekommen. Was hätte ich denn machen sollen?"Das konnte doch nicht sein Ernst sein. „Du hättest mich im Krankenhaus lassen sollen!" Ich dachte nicht daran mich zu beruhigen. Jake lauschte auf irgendwas, sprang dann aus dem Haus und ließ mich alleine zurück. Was sollte der Mist?

Nach einer Stunde tauchte er reichlich zerzaust wieder auf und nahm mich ohne zu fragen auf den Arm. Dann rannte er mit mir zur Straße, die über die Grenze von La Push und Forks führte. „Jake, was ist hier los? Ich will zurück zu Charlie." Er sagte kein Wort, sondern hielt einfach an und setzte mich auf meinen Füßen ab. Verwirrt drehte ich mich um und entdeckte Carlisle, Emmett, Jasper und ein Mädchen, wobei es sich nur um Alice handeln konnte. „Was zum...?" „Wir wollten dich zurück ins Krankenhaus bringen. Charlie ist aufgewacht." Vor Freude fiel ich Carlisle um den Hals und konnte es gar nicht abwarten wieder im Krankenhaus zu sein, aber vorher hatte ich noch etwas zu erledigen. „Kann mir jemand ein Handy leihen? Ich muss dringend jemanden anrufen." Alice reichte mir ein kleines silbernes Mobiltelefon und ich wählte die Nummer meiner Mutter. „Renée Swan." Nach nur zweimal klingeln nahm sie ab. „Hi, Mom. Ich bin es, Bella. Ich muss dringend mit dir..." Weiter kam ich nicht. „Oh mein Gott Liebes, geht es dir gut? Was machst du in Forks so kurz vor deinem Abschluss? Warum hast du dich nicht früher gemeldet? Nur einen Zettel auf dem Tisch liegen lassen, was fällt dir eigentlich ein?" „Mom! Charlie hatte einen Autounfall und liegt im Krankenhaus. Ich bin hier, um mich um ihn zu kümmern aber er ist erst eben aus dem Koma aufgewacht und ich wollte dich nicht zusätzlich beunruhigen. Du weißt wie du in so einer Situation bist und es hätte nichts gebracht, wenn der Arzt ebenfalls im Koma liegen würde. Mom? Bist du noch dran?" „Ja. Wir kommen mit der nächsten Maschine zu dir." Sie war ausgesprochen ruhig, aber das konnte auch der Schock sein. „Ich bin mir sicher, ihr könnt in Charlies Haus schlafen." „Wir sind morgen früh da." Dann legte sie auf. „Ich kann nur hoffen den morgigen Tag zu überleben." Carlisle öffnete mir die Beifahrertür und seine Kinder stiegen auf der Rückbank ein.

Wieder im Krankenhaus setzte ich mich neben meinen Vater und schaute in seine halb geschlossenen Augen. „Hi, Dad." Ich hatte Angst zu laut zu reden und seinen Kopf zu sehr zu foltern. „Er ist noch nicht ganz bei sich, die Schmerzmittel sind ziemlich stark." „Ich bleibe trotzdem hier." Carlisle verließ das Zimmer und ich legte mich zum ersten Mal freiwillig hin und begrüßte den traumlosen Schlaf.

Am nächsten Tag wurde ich von Carlisle von meiner Schulpflicht erlöst, damit ich meinen Vater auf den Besuch am Nachmittag vorbereiten konnte. Zu viel Menschen auf einmal konnten sehr anstrengend für ihn werden. Um ihm noch etwas Ruhe zu gönnen ging ich in den Flur und wartete auf Carlisle. Er kam mit Emmett um die Ecke und las sich eine Akte durch. Bei mir angekommen fragte er ob Charlie schon irgendwas gesagt hatte, doch ich verneinte und schaute durch die Glasscheibe ins Zimmer. „Bells!" Erschrocken fuhren alle zu dem Geschrei herum, als ich Lilie auch schon auf mich zurennen sah. Sie stolperte und wäre der Länge nach hingefallen, hätte Emmett sie nicht aufgefangen und hoch gehoben. Ehrfürchtig, mit großen Augen und offenem Mund, schaute sie den Riesen an und begann zu grinsen. „Kann ich den behalten?" Lachend schaute Emmett mich an und zwinkerte mir zu. „Mich mag man einfach." Hinter mir hörte ich Jake. Was machte der denn hier. „Nicht so schnell, wir müssen erst deine..." Er verstummte und starrte entsetzt zu Lilie, die noch immer von Emmett in der Luft gehalten wurde. „Ja sie hat mich schon gefunden. Mom und Phil sind aber erst heute Nachmittag angekündigt." Noch immer sagte er nichts und Emmett ließ Lilie wieder auf den Boden, nur damit ich sie wieder hochheben konnte. Sie ist zwar erst vier, aber schon lange nicht mehr der kleine Zwerg, von vor zwei Jahren, den ich durch die Luft geworfen habe. „Können wir zu Onkel Charlie gehen?" Nachdem Carlisle sein Einverständnis gegeben hatte flüchtete ich in den stillen Raum. Jake hatte sich mit Emmett angelegt und die beiden wussten ein paar nicht jugendfreie Schimpfwörter, die ich der kleinen Prinzessin auf meinem Arm ersparen wollte. „Wie bist du hier her gekommen?" „Jake hat mich gefahren." Mom musste sie wirklich besser im Auge behalten. Ich setzte sie auf meinen Schoß und sie hielt Charlies Hand. „Warum ist er nicht wach?" „Er... er ist noch sehr müde. Der Unfall hat ihn sehr viel Kraft gekostet. Wir müssen warten, bis er sich wieder erholt hat." Sie nickte, als wäre dies das Normalste der Welt.

„Isabella?" Carlisle stand in der Tür. „Ich wollte noch einmal deinen Vater untersuchen." Mit Lilie auf dem Arm verließ ich das Zimmer wieder und wandte mich an Emmett. „Weißt du ob sie hier irgendwo auf meine Mom warten kann?" „Klar. Ich kann ihr in Carlisles Büro was vorlesen, wenn das kein Problem ist." Lilie schien von der Idee begeistert zu sein, und so überreichte ich sie Emmett, der mit ihr verschwand. „Wer war das?" Jasper zog neugierig eine Augenbraue hoch. „Meine Schwester." Mehr wollte ich dazu nicht sagen und wandte mich Carlisle zu, der gerade wieder in den Flur kam. „Keine Veränderungen." Ich nickte und schaute wieder zu Charlie. Meine Sorgen kreisten nicht nur um ihn, aber das musste nicht gleich jeder wissen.

Emmett trug die in Tränen aufgelöste Lilie nur Minuten später zu mir. Wütend wollte Jake auf ihn zugehen, doch dann sah ich Lilies Hand. Sie hatte eine dicke Strähne ihrer eigenen Haare zwischen den Fingern und drückte sie fest an sich. „Ich hab nichts gemacht, das schwöre ich." „Nein sie reißt sich selber die Haare raus." „Halt die Klappe Jacob." Meine Stimme war hart und kalt. Als ich mich Lilie zuwandte verschwand dieser Ausdruck aus meinen Augen, ich hatte nur noch Augen für sie.