(Disclaimer und Beta siehe Anfang)
8.
Monster.
Ich bin ein Monster.
Harry richtete sich keuchend auf. Seine Hände stützte er auf der Klobrille ab, über der er gerade noch gehangen hatte.
Ich habe Malfoy in dieses zitternde, weinende und bettelnde Etwas verwandelt.
ICH habe das getan.
Ich habe das Malfoy angetan- dem stolzen, arroganten, selbstsicheren und überheblichen Malfoy.
Wieviel schlimmer als er gedachte hatte mussten seine Worte gewesen sein, dass sie sogar Malfoy zerbrechen konnten?
Zerbrechen. Ich habe ihn zerbrochen.
Scheißegal, dass es Malfoy ist. Ich habe einen anderen Menschen zerbrochen. Einen Menschen, der mir hilflos ausgeliefert war und mich anflehte
Monster.
Ich hasse dich.
Harry stand jetzt vor dem Spiegel und starrte in sein eigenes Gesicht, auf dem noch Wassertropfen glitzerten, nachdem er sich gerade den Mund gewaschen hatte.
Ich hasse dich.
Du bist genauso schlimm wie Voldemort.
- Stimmt nicht, meldete sich plötzlich eine andere Stimme zu Wort. Es war ja zu seinem Besten.
Ach, du meinst, du hast das aus reiner Nächstenliebe getan?
- Jedenfalls hasse ich ihn nicht. Ich habe gezittert, als ich ihn beschimpft habe. Ich musste die Augen schließen und tief durchatmen, damit ich nach den Schlägen nicht selbst heulend zusammenbrach. Ich habe gelitten...
Und du glaubst, das macht es besser?
- Nein... aber jetzt ist nicht die Zeit für Selbstmitleid.
Ach nein?
- Nein. Draco geht es noch schlechter als zuvor und du hast immer noch nichts getan, um seine Verletzungen von dem Cruciatus zu heilen.
"Oh verflucht!!!"
Harry wischte rasch sein Gesicht trocken und begab sich zurück ins Schlafzimmer.
---
"Silencio!"
Jetzt ist es aus. Er tut es wirklich.
Harry...!
Draco zitterte unkontrolliert. Nackt, auf Händen und Knien, saß er vor Harry Potter, dem Mann, wegen dem er nach Azkaban gekommen war. Dem Mann, der ihn gleich vollkommen zerstören würde.
Wie kann er sich nur so verändert haben? Das ist nicht fair!!!
Draco zitterte noch heftiger, als er spürte, wie Harry sich hinter ihm bewegte. In Erwartung des Unabänderlichen krampfte sich Dracos Körper schmerzhaft zusammen.
Warum muss es gerade er sein?
Warum?
Und wieso konnte er mich nicht wenigstens anhören? Wieso... ?
Es dauerte eine Weile, bis Draco Harrys Abwesenheit bemerkte.
Was konnte das bedeuten? Unsicher wandte Draco sich um. Sein Erstaunen, als Harry nicht im Raum zu sehen war, verflog schnell, als er die würgenden Geräusche aus dem Badezimmer hörte.
Ist er krank...?
Augenblicklich stritten zwei Gefühle in Dracos Brust: Erleichterung, weil Harry jetzt vielleicht nicht imstande wäre, ihm Gewalt anzutun; und Sorge. Sorge um den Anderen. Trotz allem war es immer noch Harry, der Mann, der ihn retten oder zugrunde richten konnte. Der Mann, der sein Leben in der Hand hielt- schon viel länger, als Harry selbst ahnte.
---
Als Harry erneut das Schlafzimmer betrat, sah Malfoy ihm ängstlich entgegen. Doch es war nicht mehr die panische Furcht, welche zuvor sein Gesicht entstellt hatte. Diesmal schien nicht nur die nackte Angst ums Überleben, beziehungsweise um seine Unversehrtheit, aus dem Blick des Gefangenen zu sprechen. Da war noch etwas Anderes... Doch Harry konnte nicht sagen, was. Es spielte auch keine Rolle. Er musste sich jetzt endlich um Dracos Wunden kümmern.
Draco zuckte zurück, als Harry seinen Zauberstab auf ihn richtete.
"Schon gut, Malfoy, ich tue dir nichts. Sanis."
Reglos saß Draco da und beobachtete verwirrt, wie Harry sich neben ihm auf die Knie fallen ließ und anfing, die Wunden zu heilen, die er eben selbst verursacht hatte.
Seine Augen weiteten sich ungläubig, als Harry anschließend nach Spätfolgen von dem Cruciatus suchte und ein paar abgerissene Nervenenden fand und heilte.
"Herr, was tut Ihr?", flüsterte Draco.
Die Reaktion darauf fiel anders aus als er erwartet hatte. Harry schlug sich die Hände vors Gesicht und wandte den Kopf ab. Verwirrt sah Draco, wie sich die Schultern des Schwarzhaarigen schüttelten.
Er weint...
"Bitte...", kam Harrys erstickte Stimme, "bitte nenn mich nicht 'Herr'!"
Draco war jetzt richtig verwirrt. "Wie... wie soll ich Euch denn dann nennen?"
"Nicht 'Euch', nicht 'Sie', nicht 'Herr'! Respekt ist das Letzte, was ich verdient habe! Oh Gott, Malfoy, es tut mir so leid!!!"
Harry hatte sich bei diesen Worten umgedreht und starrte Draco jetzt aus wilden, nassen, rot geränderten Augen an.
Draco schluckte.
"Was tut... dir... leid, ...Potter?", wagte Draco schließlich zu fragen.
"Alles!", war die gequälte Antwort. "Meine Worte. Der Cruciatus. Die Schläge. Die... die Demütigung..."
Harrys Stimme riss ab. Er schluchzte noch etwas lauter und unterbrach sich nur einmal kurz, um mit einem zittrigen Spruch Dracos sämtliche Fesseln zu lösen. Draco sah ihn die ganze Zeit über nur verwirrt an. Er verstand kein Wort von dem, was Harry da sagte. Es ergab alles keinen Sinn.
Stumm beobachtete er, wie Harry aufstand und ins Badezimmer lief. Er rührte sich nicht, selbst dann nicht, als Harry mit einigen Kleidungsstücken in der Hand zurückkehrte und sie ihm hinstreckte.
Einen Moment verharrten sie so. Dann holte Harry tief Luft und sagte: "Malfoy. Bitte zieh' das hier an."
Draco nahm die angebotene Kleidung, immer noch wortlos.
Er sah zu, wie Harry sich wieder umdrehte und das Zimmer verließ. Draco blickte noch lange auf die geschlossene Türe.
Endlich erlaubte er sich, den Worten Harrys zumindest für den Moment Glauben zu schenken.
Harry schien tatsächlich zu wollen, dass er sich bekleidete. Und von Verlangen oder Grausamkeit war in seiner Stimme auch kein Funken mehr zu entdecken gewesen.
War er zuvor unter Imperius gewesen?
Nein, das ergab keinen Sinn. Warum sollte Voldemort das tun? Und wie sollte Harry in seinem schwachen Zustand nach so langer Zeit in Azkaban einen Imperius abgeschüttelt haben?
Hmm... vielleicht Drogen? Was man Harry wohl gegeben hatte?
Aber wer? Jemand, der Draco hasste und ihm eins auswischen wollte? Das hätte lange und aufwändige Planung erfordert. Irgendwie erschien ihm das auch nicht sehr wahrscheinlich.
Es half alles nichts. Wenn er Antworten wollte, musste er Harry fragen.
---
Es dauerte fast eine Stunde bis Harry wieder aus dem Badezimmer auftauchte. Draco war die ganze Zeit stumm am Tisch gesessen und hatte sich den Kopf über seinen ehemaligen Mitschüler zerbrochen. Es ergab alles keinen Sinn. Es war fast so, als gäbe es zwei Harrys. Aber welches war der Echte?
Mit großer Nervosität beobachtete Draco, wie die Badezimmertüre sich langsam öffnete. Welcher der beiden Harrys würde ihm gleich gegenüber stehen? Der heldenhafte und gutmütige Gryffindor aus ihren Schultagen oder der böse, gefährliche Todesser von früher am Tag? ...Oder vielleicht ein Dritter- der zerbrochene und verstörte Harry, dem er zuletzt begegnet war?
Hatte Azkaban Harry zerbrochen? War er deshalb so ...launisch?
Fast hätte Draco gelacht. Launisch? Er war schon immer ein Meister der Untertreibung gewesen.
Das Lachen blieb ihm jedoch im Halse stecken als Harry die Türe hinter sich schloss und nun mit langsamen, aber auch entschlossenen Bewegungen auf ihn zukam. Er ließ sich Draco gegenüber am Tisch nieder und sah ihn stumm an.
Draco wurde unter diesem Blick fast wahnsinnig.
Es war unmöglich zu sagen, welcher Harry ihn aus diesen verschlossenen Zügen heraus musterte. Harry hatte sein Gesicht nun so vollkommen unter Kontrolle, wie kaum ein Slytherin das jemals fertig gebracht hatte. Draco wollte wissen, mit wem er es zu tun hatte, doch falls es der Todesser war, wollte er nicht riskieren, einen falschen Zug zu machen. Ein falsches Wort konnte genügen, damit er sich selbst zu einer Fortsetzung der unterbrochenen Szene verdammte.
Bei dem Gedanken konnte er ein Zittern nicht unterdrücken. Er mochte sich immer gewünscht haben, dass... Aber doch nicht so...
"Malfoy."
Bei Harrys leisen Worten zuckte Draco zusammen wie ein geprügelter Hund. Angstvoll sah er den anderen an.
Ja?, wollte er sagen. Doch welche Anrede sollte er benutzen? Herr? Oder Potter?
Harry?
Nein, nicht Harry. Nie Harry.
Er mochte sich vielleicht wünschen, die Dinge lägen anders. Doch in der momentanen Situation war die Benutzung des Vornamens vermutlich ein Fehler, der jede von Harrys Persönlichkeiten verärgern konnte.
Verunsichert starrte er Harry nur aus großen Augen an.
Der andere wich seinem Blick aus. "Sag, Malfoy, warum warst du eigentlich in Azkaban?"
Draco schluckte.
Diese Frage hatte er nicht erwartet. Er hatte heute schon zweimal versucht, Harry zu erklären, was vorgefallen war- doch Harry hatte ihn beide Male mundtot gemacht.
Unruhig schielte er auf den Zauberstab, der vor Harry auf dem Tisch lag.
Harry folgte seinem Blick und seufzte. Dann ergriff er den Zauberstab.
Draco wich sofort ein wenig zurück, sodass er jetzt mit absolut geradem Rücken auf seinem Stuhl saß, so weit vom Tisch entfernt wie nur möglich.
Harry sah ihn aus traurigen Augen an. "Kannst du mir versprechen, dass du mich nicht angreifst, wenn ich den Zauberstab weglege?"
Draco sah ihn verwirrt an. Wieso sollte Harry den Stab denn weglegen wollen? Vielleicht brauchte er ja beide Hände ... Oh Merlin, war es das? Wollte Harry jetzt weitermachen, wo er zuvor aufgehört hatte?
...Selbst wenn, was konnte er dagegen tun?
Wenn Harry den Stab weglegte, konnte er ihn vielleicht irgendwie an sich nehmen. Doch auch dann hatte er trotzdem noch keine Chance, zu entkommen. Er war viel zu geschwächt, um Magie anzuwenden. Gar nicht zu sprechen davon, dass er sich in einem Schloss voller Todesser unter einem fluchsicheren Anti-Apparations-Schild befand.
Was auch immer Harry vorhatte, Draco war ihm ausgeliefert.
Ergeben schloss er die Augen und nickte.
Einen Moment blieb alles still, so als musterte ihn Harry schweigend, um herauszufinden, ob er die Wahrheit sagte. Er schien zu irgendeinem Schluss zu kommen, denn gleich darauf hörte Draco, wie der Andere sich ihm näherte. Unbewusst begann er wieder zu zittern.
Doch Harry blieb nicht bei Draco stehen, sondern lief an ihm vorbei zum Fenster. Draco hörte ein leises Klappern, als der Andere seinen Zauberstab auf dem Fensterbrett ablegte, dann zurückkehrende Schritte. Wieder versteifte er sich; wieder lief Harry an ihm vorbei.
Ein Scharren, als Harry den Stuhl verrückte und sich wieder darauf niederließ. Dann Stille.
"Malfoy?"
Draco schluckte und hob den Blick.
Harry saß ihm gegenüber. Seine Maske schien verrutscht zu sein, denn Draco konnte im Gesicht des Ex- Gryffindors jetzt deutlich Erschöpfung und so etwas wie Unsicherheit lesen.
Erneut begann Harry zu sprechen.
"Malfoy, ich weiß, dass wir einander immer gehasst haben. Du hattest nie Grund mir zu vertrauen. Nach dem, was heute geschehen ist, weiß ich nicht, ob du mir jemals wieder wirst vertrauen können. Vermutlich nicht.
Es ist auch nicht wichtig.
Aber... ich möchte nicht, dass du mehr leidest als unbedingt nötig. Deshalb hoffe ich, dass du mir entgegen meiner Erwartungen vielleicht trotzdem irendwann glauben wirst, wenn ich dir sage, dass ich dir nichts tun möchte."
Draco starrte den Zauberer vor sich ungläubig an.
"Ja, ich weiß, ich habe dir allen Anlass zur Sorge gegeben. Aber wie du siehst, bin ich momentan unbewaffnet. Außerdem bin auch ich heute erst aus Azkaban frei gekommen, ich bin ebenso erschöpft wie du. Selbst wenn ich wollte, könnte ich jetzt nicht mehr viel Schaden anrichten.
Nicht, dass ich nicht schon mehr als genug getan hätte..."
Den letzten Satz hatte er so leise gesagt, dass Draco beinahe vermutete, dass er nicht für seine Ohren bestimmt war.
Was meinte Harry damit? Wollte er ihm sagen, dass er keine Wahl gehabt hatte, als ihn zu verletzen und zu demütigen? Dass es ihm Leid tat? Oder wollte er ihn beruhigen, nur um ihn hinterher noch vernichtender treffen zu können?
Er wusste es nicht. Doch er hoffte. Er wollte daran glauben, dass das Gesicht, das Harry ihm jetzt zeigte, der Harry war, der momentan wirklich die Kontrolle hatte. Der echte Harry.
"Warum...was... Hast du mich wirklich als Eigentum verlangt?", brachte er schließlich unsicher hervor.
Harry seufzte und schloss die Augen. Als er sie wieder öffnete, leuchtete Schmerz und Einsamkeit aus ihrer grünen Tiefe.
"Ich wollte das alles nicht, Malfoy. Ich wollte nur einfach friedlich in meiner Zelle sterben. Aber Voldemort ließ mich nicht."
Geschockt sog Draco die Luft ein.
"Er sagte mir in sehr deutlichen Worten, dass ich mich ihm anschließen würde, ob ich nun wollte oder nicht. Er weiß, dass ich den Imperius abschütteln kann, doch es gibt genug andere Wege, einen Menschen zu brechen. Ich bin sicher, durch dein Vater weißt du darüber das Eine oder Andere."
Draco senkte den Blick. Er hatte den Tod seiner Eltern noch immer nicht überwunden.
Seine Augen brannten und beschämt stellte er fest, dass eine Träne sein rechtes Auge verließ und unaufhaltsam unter seinen Haaren hervor seine Wange hinunter lief. Er wollte nicht, dass Harry sah, wie gebrochen er jetzt war. Doch wenn er die Träne wegwischte, wäre es offensichtlich.
Also blieb er still sitzen und hoffte, dass der andere noch immer zu Boden sah.
"Oh Gott, Malfoy! Ich hätte das nicht sagen sollen... Ich habe erst heute erfahren, was mit deinen Eltern passiert ist. Es tut mir leid!!!"
Jetzt sah Draco doch auf. Sein Blick fiel auf den vor Verlegenheit hochroten Harry Potter, der sich so unerwartet bei ihm entschuldigte.
"Es tut mir leid. Du weißt ja, Gryffindors... wir wissen erst, was wir sagen, wenn wir es selbst hören..." Er lächelte gequält und wandte den Blick ab.
"Jedenfalls..." Draco hörte, wie schwer es dem Anderen fiel, wieder einen ruhigen Tonfall in seine Stimme zu zwingen. Doch Harry gewann den Kampf. "Jedenfalls wollte ich nicht zu Voldemorts willenloser Puppe werden. Wenn ich schon auf Voldemorts Seite stehen muss, dann will ich diese Chance auch nutzen.
Voldemort hat mein Leben zerstört. Er hat mir meine Eltern genommen- und somit auch meine Kindheit, denn meine Verwandten hassten mich. Er hat meine Schuljahre, die beste Zeit meines Lebens, immer wieder zu einem grausamen Alptraum werden lassen. Und schließlich hat er dafür gesorgt, dass ich für den Mord an meinen Verwandten nach Azkaban komme.
Zugegeben, ich hatte manchmal den Wunsch, diese ... diese Leute- "- Draco hatte das unbestimmte Gefühl, dass Harry eigentlich etwas ganz Anderes sagen wollte - "einfach mit einem Avada zu beseitigen. Aber ich hätte so etwas nie wirklich tun können.
Ich dachte, meine Freunde wüssten das...", setzte er nach, wieder so leise, dass Draco sich sicher war, dass Harry unbewusst seine Gedanken laut ausgesprochen hatte. Der ex-Held starrte einen Moment lang stumpf vor sich hin, dann fing er sich wieder und fuhr fort. Draco hing gebannt an seinen Lippen.
"Ich habe allen Grund, Voldemort zu hassen. Auch wenn meine Freunde mich im Stich gelassen haben, auch wenn der Orden mich verraten und mein Pate mich enttäuscht hat- derjenige, den ich auf dieser Welt am meisten hasse, ist immer noch Tom Riddle."
"Riddle?"
"Voldemorts früherer Name... Ich hasse diesen Menschen. Wenn er denn eine Mensch ist. ...Wenn ich jetzt aufgebe, wird er mit seinen kranken Plänen weitermachen wie bisher. Wusstest du, dass es über Voldemort und mich eine Prophezeiung gibt?", wandte er sich nun direkt an Draco.
Draco starrte ihn überrascht an, zu verwirrt, um irgendetwas zu antworten.
"Es heißt, dass ich der Einzige bin, der ihn besiegen kann, Malfoy. Es ist meine Aufgabe, Voldemort zu töten. Wenn ich es nicht tue, schafft es niemand.
Ich kann die Zaubererwelt im Allgemeinen im Moment nicht besonders leiden. Und mit den Muggeln hatte ich in meinem Leben auch nicht allzu viel Glück. Aber selbst wenn es nicht wäre, um den Tod von tausenden von Unschuldigen zu verhindern, dann zumindest für meine Rache! Voldemort hat mich zerstört, und ich kann nicht gehen, wenn ich genau weiß, dass nur ich an ihm Rache nehmen kann!"
Feuer loderte plötzlich in Harrys Augen.
"Mein Leben ist vorbei. Alle haben mich verraten, alle bis auf den Letzten haben mich im Stich gelassen. Hedwig ist tot; sie war vielleicht das einzige Wesen, das mich jemals ernsthaft ge...gemocht hat."
Es schmerzte Draco, zu sehen, dass Harry das Wort 'Liebe' nicht einmal aussprechen konnte.
"Es ist niemand mehr da. Alles was ich will, ist, zu gehen... Das alles hinter mir zu lassen...
Aber Voldemort macht es mir natürlich nicht so leicht." Er lachte bitter. "Ich soll für ihn die Galleonsfigur spielen, so, wie ich es bisher für Dumbledore und Fudge war. Ich habe aber keine Lust mehr darauf, mich benutzen zu lassen!
Wenn ich schon gehe, dann nehme ich ihn mit! Der Tag, an dem ich dieses Leben verlasse, wird auch Voldemorts letzter sein."
Nach diesem beachtlichen Statement sah Harry sich verwirrt um, als nehme er erst jetzt sein Publikum wahr.
Er seufzte.
"Und an dieser Stelle kommst du in die Geschichte, Malfoy. Wenn ich Voldemort nahe genug kommen will, um ihn zu erledigen, brauche ich sein Vertrauen. Das bekomme ich aber nur, wenn er mich für einen zornigen, rachsüchtigen Todesser hält, den er unter seiner Kontrolle hat. Heute mittag... in Azkaban... Ich musste beweisen, dass ich das Zeug zum Todesser habe, Malfoy. Ich musste einen Menschen foltern-" Er schluckte geräuschvoll.
"Ich war froh, dass ich noch niemanden umbringen musste... aber ich fürchte, das ist nur ein temporärer Segen. Der Cruciatus war schon schlimm genug... Für dich sicher noch mehr als für mich.
Aber er ist mir, ehrlich gesagt, schwerer gefallen, als ich dachte. Ich sah dich und dachte daran, was du und dein Vater mir im Lauf der Jahre angetan habt. Wenn ich schon jemanden foltern muss, dachte ich mir, dann lieber jemanden, der es verdient hat..."
Draco sah ihn mit verletztem Blick an, hielt aber weiter den Mund. Es war nur logisch, dass Harry die Dinge so betrachtete. Schließlich hatte er ihm nie Anlass gegeben, etwas Anderes zu denken.
Ohne die traurigen Blicke seines Gegenübers zu registrieren, fuhr Harry fort.
"Leider hatte ich mich geirrt. Es fiel mir kein Stück leichter, den Cruciatus auf dich zu richten, als wenn an deiner Stelle Hermine oder Ron gestanden hätte."
Draco konnte sich ein ungläubiges Schnaufen nicht verwehren. Gleichzeitig fuhr Harry fort: "Nicht, dass das noch viel zu bedeuten hätte. Nach ihren Verrat weiß ich nicht, ob ich sie nicht sogar noch eher als dich..." Verwirrt brach er ab. "Ich meine, immerhin hast du nie ein Geheimnis daraus gemacht, wie du über mich denkst."
"Genau da irrst du dich, Harry", flüsterte Draco.
Die Worte hatten seine Lippen verlassen, ehe er darüber nachdenken konnte. Erschrocken sah er Harry an und betete, dass dieser nichts gehört hatte.
Doch der Tag schien sich nicht damit zufrieden zu geben, der schlimmste seines Lebens zu sein. Er musste noch schlimmer werden.
"Wie meist du das?", fragte Harry verwirrt.
Draco stöhnte. Auch das noch. Es war schmerzhaft genug, dass Harry ihn als den Menschen einschätzte, den er mit der wenigsten Zurückhaltung verfluchen konnte; jetzt musste er Idiot auch noch damit herausrücken, dass das Gefühl nicht beiderseitig war! Wieviel schlimmer konnte er seine Situation denn noch machen?
"Nichts, ich ...äääh- was meinst du jetzt damit? Äh, wieso hattest du Probleme damit, mich zu verfluchen? Hat sich nicht so angefühlt."
Das Wunder geschah. Harry ließ sich ablenken. Er versank in Schuldgefühlen und hatte Dracos Ausrutscher scheinbar vergessen.
"Oh Gott, Malfoy, es tut mir so leid! Ich wollte das alles nicht... Ich- ich musste an Voldemort denken und mein Gehirn beinahe komplett abschalten, damit mir dieser eine Cruciatus gelang. Ich weiß, dass das keine Ausrede ist, aber: Ich hatte keine andere Wahl. Wenn ich dich nicht verflucht hätte, würde ich nie Voldemorts Vertrauen bekommen. Und dann könnte ich ihn nie besiegen..."
"Du meinst, du hasst mich nicht genug, um mich zu verfluchen?"
"Merlin, nein!" Harry starrte ihn aus weit aufgerissenen Augen an. "Der Einzige, den ich so sehr hasse, ist Voldemort! ...dein Herr", fügte er niedergeschlagen hinzu.
-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
A/N: Poet meinte, nach dem 7. Kapitel habe man den Eindruck, Harry hätte Draco tatsächlich vergewaltigt. Dem ist nicht so. Das Theater hörte mit dem Silencium auf.
Danke an Virginia, TC, coco und Olaf für die reviews!!!
Virginia- Luft weggeblieben? Freut mich! So war's auch gedacht. -g- Ja, ich denke auch nicht, dass Harry sowas je tun würde. Es ist ihm ja auch entsprechend schwer gefallen.
TC- : ) zurück ; D
coco- Hmm, du durchschaust mich. -g- Wow, das statement zu den reviews ist ja schon fast ein Treueschwur! -ggg- Womit habe ich das verdient? -eingebildete Tränen wegtupf- Übrigens, was mögliche Unglücksfälle angeht: a) und b) sind dieses Jahr schon vergeben, die hat meine Beta für sich reserviert ... Und c) verbiete ich dir. ;D Also wirst du wohl brav weiter regelmäßig reviewn müssen. -smirk-
Olaf- Danke. : )
