Beta: Oriza

"Ich möchte als nächstes." Für alle überraschend hatte sich Zack gemeldet, sie hätten erwartet er würde sich zieren und es möglichst lange hinausschieben. Er atmete nochmal tief durch und begann: "Also ich muss wohl vor gut achtzehn Jahren beginnen als Abraxas Malfoy nach Amerika kam..."

Zack sprach mit geschlossenen Augen, schon fast in einer Art Trance. Er hatte seine Erlebnisse noch nie so zusammenhängend irgendjemandem erzählt, neben ihm wussten wohl nur seine Großeltern und Mitch alles und vielleicht auch der Direktor. Nick's Neugier allerdings wurde immer nur Häppchenweise befriedigt.

„Ich habe keine Ahnung, warum er nach Amerika kam, aber es war wohl rein geschäftlich. Er war unter anderem in New Orleans, die dortige Zauberergemeinschaft ist ziemlich groß. Meine Mutter war gerade frisch von zu Hause abgehauen, nachdem sie von der Schule geflogen war und verdiente sich ihren Lebensunterhalt, indem sie Touristen die Zukunft vorhersagte. Da sie kein Kind von Traurigkeit war, nahm sie die auch gerne mit ins Bett. Sie war wirklich schön, und hatte einen schönen Körper, daher sagten wenige „nein". Ein Abraxas Malfoy auch nicht; sie wurde schwanger. Geplant war es von ihrer Seite aus nicht, sie war ziemlich geschockt, als sie es bemerkte und rannte nach Hause zurück. Meine Großeltern taten ihr Bestes um sie zu unterstützen und sie zum Bleiben zu bewegen, aber meine Mutter haute schon bald wieder ab. Mit dem Haushaltsgeld.

Schließlich wurde ich geboren, ich habe keine Ahnung wo eigentlich, da sie damals selten länger als einen Monat in einer Stadt blieb. Sie zog ab dann also mit mir herum. Ich weiß nicht, woher sie das Geld für die Miete bekam, aber legal war es wohl selten. Das erste woran ich mich dann erinnern kann sind billige, dreckige Wohnungen, in denen man einen Kampf um das Überleben führen musste. Ich musste schon früh die Einkäufe erledigen, mich mit Nachbarn herumschlagen, die sich beschwerten und die Rechnungen sortieren. Sie war zwar eine Hexe, aber eine lausige. Die Sprüche die sie beherrschte gingen oft schief, oder hatten selten den gewünschten Effekt. Tränke brauen konnte sie gar nicht. Aber Männer um den Finger wickeln. Sie ging nicht wirklich auf den Strich, ließ sich aber haushalten. Die Männer kamen und gingen etwa eine Woche lang, dann kam der nächste. Ich versteckte mich.

Als ich etwas vier war fing sie dann das Trinken an, erst wenig, dann immer mehr. Sie wurde immer unberechenbarer. Sie hatte vorher für mich gesorgt, wie eine streunende Katze für ihr Junges, aber dann musste ich mich immer häufiger selber versorgen und einkaufen gehen.

Schließlich musste ich zur Schule; ich war froh dort zu sein. Aber mit so einer Mutter wird man immer sofort abgeschrieben. Ich tat mein Bestes, kam pünktlich und meist auch in sauberer Kleidung. Meine Klassenlehrerin begann sich um mich zu kümmern, fragte mich Dinge über mein Zuhause und hörte mir zu. Ich beantwortete alles wahrheitsgemäß. Schon kurz darauf stand das Jugendamt vor der Tür. Meine Mutter warf sie raus. Sie nahm mich und verließ die Stadt. Warum sie mich mitgenommen hatte, ist mir immer noch ein Rätsel. Vielleicht wollte sie einen Sandsack haben, an dem sie ihren Frust ablassen konnte, das tat sie dann auch ausführlich. Sie hatte mich vorher schon mal geschlagen, aber noch nie so verprügelt. Sie machte sich aber wohl doch Sorgen um mich, da ich in einem Krankenhaus aufwachte. Die Ärzte und Schwestern waren sehr nett und wollten alles genau wissen, aber ich hatte meine Lektion gelernt und plapperte Mutter alles nach.

Kurz darauf waren wir wieder in einer neuen Stadt und ich in einer neuen Schule. Den Lehrern erzählte ich nichts von dem was zu Hause passierte und das war so einiges. Sie hatte ihre Liebe zu Drogen entdeckt. Ihren Dealer bezahlte sie mit einem Fick, meistens direkt in der Küche, wo ich ab und an mal auf sie stieß. Die Männer blieben immer kürzer und kamen immer häufiger nur einmal. Ich hatte mittlerweile schon eine ziemlich gute Vorstellung, von dem was da passierte. Wir blieben lange in dieser Stadt, was ich gut fand, ich hatte immerhin ein paar Freunde gefunden. Ihnen ging es ähnlich, wir gingen zusammen klauen und taten unser Bestes um zu überleben. Wieder ziemlich überstürzt zogen wir um, ich weiß nicht wieso. Vielleicht schuldete sie ihrem Dealer was, hatte sich mit dem falschen Zuhälter angelegt oder einen ihrer Freier betrogen.

Ich lebte mich schnell ein und fand ein paar Freunde. Auch meine Mutter fand so was wie eine Freundin, zwar stritten sie sich häufig, aber sie halfen einander, immer darauf bedacht, dass etwas für einen selber heraus sprang. Sie war es, die meine Mutter auf das Thema „Vater" ansetzte.

„Hast du eigentlich noch Kontakt zu seinem Vater?" Sie rauchten und sahen eine hirnlose Serie im Fernsehen an, während Nick am Schreibtisch Hausaufgaben machte.

„Meinst du Zack? Ich kenne seinen Vater nicht."

„Wirklich? Der Kleine hat aber ein paar markante Merkmale, mit seinen blonden Haaren."

„Da hast du recht, zu der Zeit habe ich in New Orleans Touristen aus der Hand gelesen. Es muss einer von denen gewesen sein. Ich war nicht immer nüchtern bei der Arbeit." Sie lachten. „Aber mal ernsthaft, ich glaube ich weiß es jetzt. Er war recht groß, Engländer, da bin ich mir sicher und war blond mit reichlich grau darin. Hatte aber noch ordentlich Power für sein Alter, fünfzig war er mindestens."

„Hat er dich wenigstens gut bezahlt?"

„Ja, durchaus. Nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig." Im Fernseher wurde gerade ziemlich laut gekreischt.

„Du hast nie versucht ihn zu erreichen und Geld zu fordern?"

„Natürlich schon, aber wie denn?"

„Deine Eltern hätten es sicherlich gekonnt."

Man hörte ein ziemlich lautes undamenhaftes Schnauben, „Pah! Die haben sich nicht dafür interessiert. Ich hab mir ein Baby andrehen lassen, das war schlimm genug, zu erfahren, wer das dann noch war, wäre zu viel gewesen. Vielleicht hätten sie ihn ja sogar gekannt?" Ich hatte da schon längst mit meinen Hausaufgaben aufgehört. Ich war ziemlich geschockt. Ich wusste nicht, dass ich vielleicht noch irgendwo Großeltern hatte. Aber weiteres hätte ich von meiner Mutter nicht erfahren und so gab ich die Suche auf, bevor ich überhaupt richtig damit angefangen hatte.

Ihr half der Zufall. Sie hatte in unserem momentanen zu Hause Kontakt zu Zauberern und holte sich regelmäßig Zeitungen. Auf der Hauptseite stand es dann ziemlich groß: „Malfoy Tod! Einflussreichster Mann Englands Krankheit erlegen." Das Foto war groß und zeigte ihn Mitte fünfzig. Die Ähnlichkeit zwischen uns war nicht wegzudiskutieren, sein Tod auch nicht. Mutter war noch nie so wütend, sie verlor jede Kontrolle über sich und schlug mich halb tot. Diesmal pflegte sie mich selber um Fragen im Krankenhaus aus dem Weg zu gehen. Die Grundschule beendete ich mit ziemlich guten Noten, die meine Mutter einen Dreck interessierten.

Wir zogen pünktlich zur High-School nach New York, ich merkte schon bald, dass es hier viel gefährlicher war, als ich es mir je vorgestellte hatte. Früher konnte ich nachts rausgehen, ich kannte mich aus und versteckte mich irgendwo, bis ich wieder heim konnte. Hier liefen überall Obdachlose und Gangster herum. Wenn ich mich in eine Ecke setzte kamen sie sofort auf mich zu. Ich musste regelmäßig um mich treten um gerade noch so weg zu kommen. In der Gegend wurden selbst Nonnen vergewaltigt, sollten sie sich je dorthin wagen. Ein Junge wie mich fiel da auf, ich nahm keine Drogen, rauchte nicht, trank nicht. Außerdem war ich meistens einigermaßen gut gekleidet, Mutter war das sehr wichtig. Bald wurden die falschen auf mich aufmerksam, sie gingen direkt zu ihr. Ich hatte keine Chance, als es klingelte und kurze Zeit später ein Mann in meinem Zimmer stand. Ich habe mich gewehrt, klar, aber es hat nichts gebracht. Meine vierzig gegen seine neunzig Kilo." Zack machte ein Geräusch, das irgendwo zwischen einem Schluchzen und Lachen lag.

„Sie hatte mir sogar etwas von meinem „hart erarbeitetem Geld" gegeben. Ich habe es das Klo runter gespült. Bei den vielen Malen danach bekam ich auch immer etwas ab. Das hob ich aber auf und sparte. Ich wusste nie, wann jemand kam, oft wurde aber mein Zimmer von außen verschlossen, um mich an der Flucht zu hindern. Oder sie gab mir Arbeiten im Haushalt, die mich beschäftigten, wenn jemand seinen Besuch angekündigt hatte. Danach war an Flucht kaum zu denken, ich war froh, wenn ich nicht ohnmächtig war, bewegen konnte ich mich kaum, schlecht war mir obendrein. Meine Mutter und ich teilten häufig die Männer mal sie zuerst, dann ich. Sie waren nie sonderlich höflich oder vorsichtig mit uns, aber einer schlug über die Stränge. Erst war ich dran, als er mich schlug hatte meine Mutter, die auf wer weiß was war, nur ein Lachen übrig, als er ihr aber die gleiche Behandlung zukommen lassen wollte wehrte sie sich. Er folgte ihr aus der Wohnung, als sie vor ihm floh, ich blieb allein zurück und nutzte die Chance sofort. Sie hatte vor drei Tagen einen Brief bekommen, den sie vor mir versteckte, normalerweise blieb die Post offen liegen, damit ich mich darum kümmerte. Ich schnappte mir den Brief und mein Geld und floh.

Erst beim Busbahnhof stoppte ich und las die Absenderadresse, der Name war mir jedenfalls bekannt, es war unserer, der Weg war nicht weit. Die Stadt lag ebenfalls an der Ostküste. Die Fahrt konnte ich mir leisten, auch wenn ich sehr schräg angesehen wurde. Durch den Brief hatte ich aber eine Ausrede, die gut genug war, das hielt den Busfahrer davon ab die Polizei zu rufen. Während der Fahrt hatte ich Zeit genug ihn dann auch zu lesen, es standen eigentlich nur Bitten darin, die sollte mit mir zurückkommen, oder zumindest anrufen. Die Busfahrt über war ich in einem ziemlichen Delirium, mir tat so einiges weh, hatte wohl Fieber und mir war schlecht. Den restlichen Weg legte ich zu Fuß zurück und stand schließlich vor dem Haus meiner Großeltern. Dreckig, blutend und wie mir voll Ekel einfiel noch voll von seinem Sperma. Noch während ich mit mir kämpfte, ob ich denn klingeln sollte, öffnete sich die Tür von selbst. Meine Oma sah mich kurz an, zog mich sofort ins Haus und rief nach ihrem Mann. Ich wurde auf einem Küchenstuhl platziert und erst dann fiel ich schlussendlich doch in Ohnmacht.

Ich wachte in einem Bett wieder auf, sogar sauber wie ich als erstes feststellte. Dann bemerkte ich die Frau neben mir, die mich traurig ansah. Mir über den Kopf strich und Hallo sagte. Dann brach sie in Tränen aus, auch die nächsten Tage weinte sie ständig, vor allem, nachdem sie alles aus mir raus hatte. Meine Großeltern übernahmen das Sorgerecht. Simon traute ich aber nicht über den Weg, er war ein Mann. Sie schickten mich erstmal zur Therapie, Bewältigung und so weiter. Dann suchten sie nach meiner Mutter, die wieder verschwunden war. Schließlich kam das Thema Schule zur Sprache, ich war bislang nur auf Muggelschulen gewesen, von Magie wusste ich fast nichts. Dummerweise war ich mit dreizehn auch schon zu alt für die erste Klasse, laut Schulministerium. Meine Tanten halfen mir aber mit dem Schulstoff, sodass ich genügend Grundwissen hatte um in die Zweite quer einzusteigen. Das klappte auch ganz gut, den Rest hatte ich auch schnell aufgeholt. Mit den anderen Schülern kam ich nicht gut klar, ich prügelte mich ziemlich oft, mit den arroganten Schnöseln. Mir tat es dann aber immer Leid. Aber nicht, dass ich sie verletzt hatte, eher, dass meine Großmutter gerufen wurde. Grandpa sagte dann ein paar ernste Worte zu mir.

„Es ist mir egal, warum oder mit wem du sich schlägst, aber sei dir sicher, es verletzt jedes mal Susan. Hör ihr zu Liebe auf. Sie erträgt es nicht, nochmal ein Kind zu verlieren."

Naja, danach hielt ich mich zurück, ein bisschen zumindest. Mitch wurde mir als leuchtendes Vorbild präsentiert, nachdem wir ein paar mal aneinander geraten waren verstanden wir uns ziemlich gut und wurden irgendwann Freunde. Jetzt bin ich ein lieber Junge."

Bei diesen Schlussworten lachte Mitch auf, auch Harry konnte ein belustigtes Schnauben nicht unterdrücken. Zack war noch weit davon entfernt ein lieber Junge zu sein. Jetzt kamen die Fragen, hier waren sie aber nicht so einfach. Mitch und Nick hielten sich zurück um Harry den Vortritt zu lassen, die von ihm gewünschte Frage zu stellen, sie nickten ihm zu, als er aufblickte. Er seufzte, er wollte nicht der erste sein. Ihn interessierte nämlich nicht so sehr Zack's Gefühle oder wie er sich fühlte. Er wusste es sicher selbst gut genug, durch seine eigenen Erlebnisse. Einen Seufzer später und er stellte seine Frage, „wie hast du es geschafft, dich mit deinem Großvater mittlerweile so gut zu verstehen?"

„Nachdem ich ein Jahr bei ihnen war, entschloss er sich, während Grandma durch die Staaten tourte um neue Geräte vorzustellen, in seine Heimat zu fahren. Ich musste mit, hatte aber wahnsinnige Angst. Einmal, weil ich ihm soweit traute, wie ich ihn werfen konnte und zum Anderen, weil ich noch nie auf das Land gefahren war, ich war ein richtiges Großstadtkind. Ich schloss schon kurz nach meiner Ankunft auf der Ranch Bekanntschaft mit den ersten Kühen, die ich je gesehen hatte. Das Kalb schleckte mir quer über das Gesicht und die Mutter hatte anscheinend Hunger und bettelte. Pferde hatte ich schon mal gesehen, von weitem, mit Polizisten oben drauf, von denen hatte ich mich bislang ferngehalten. Ich saß schneller auf einem drauf als ich gucken konnte und war genauso flott wieder unten. Ich lernte aber schnell und nach wenigen Tagen war ich wohl gut genug um mit den Cowboys auszureiten. Vor denen hatte ich richtig schiss. Grandpa war auch dabei, klar, aber keine einzige Frau, wobei ich denen auch nur bedingt mein Vertrauen schenkte." Zack schnaubte, mittlerweile war das anders, fuhr dann aber fort.

„Wir waren drei volle Tage unterwegs, ich wurde mit meinen Ängsten konfrontiert. Ein Haufen Männer um mich herum, nachts, ohne Schutz. Da war es kein Wunder, dass ich Panik bekam, als ich wegen eines Pumas mitten in der Nacht aufgeweckt wurde. Ich schlug um mich und verscheuchte die Raubkatze höchst wirkungsvoll. Grandpa schüttelte mich kräftig um mich in die Gegenwart zurück zu bringen. Dann heulte ich mich richtig bei ihm aus und alle gingen wieder schlafen.

Am nächsten Morgen wurde kein Wort darüber verloren und ich hatte zumindest etwas Angst verloren. Die nächsten zwei Tage wurde es immer besser, man musste sich in der Wildnis vertrauen und das taten die anderen ganz selbstverständlich, obwohl sie sich noch nicht lange kannten und aus unterschiedlichen Regionen kamen. Ich beobachtete sie und kam zu dem Schluss, dass ich ihnen auch trauen konnte zumindest ein bisschen. Außerdem stellten sie keine Fragen. Beim letzten gemeinsamen Essen saß ich nicht mit dem größtmöglichen Abstand zu allen, sondern nah bei ihnen. Mit Grandpa habe ich dann noch einiges unternommen und komme ganz gut mit ihm klar."

Damit war diese nicht erwartete Frage beantwortet, zwei folgten noch. Mitch bedeutet Nick zuerst zu fragen. Der druckste etwas herum, er wusste nicht so recht was er sagen sollte. Grob wusste er ja schon einiges, die Details waren ihm aber fremd gewesen.

„Habt ihr Kontakt mit den Malfoys?"

„Nein, wir haben es nie versucht." Zack schüttelte vehement seinen Kopf.

Harry unterstützte ihn, „Lucius, dein Halbbruder, ist ein Todesser. Man sollte also einiges an Abstand halten. Außerdem ist er schlüpfriger als ein Aal und man hat schneller ein Messer im Rücken, als man „piep" sagen kann."

„Da hast du ja tolle Verwandtschaft, Zack!"

„Klappe, Nick!"

Mitch stellte seine Frage kurz und schmerzlos: „Morgen Texas-Grill oder Mongole?"

„Grill, ich will nicht tagelang nach Knoblauch stinken."

„Wo wir gerade beim Essen sind, ich habe was aus der Küche besorgt." Harry deckte die Platten auf. Die drei anderen stürzten sich auch sofort darauf, nur Harry war flau im Magen. Er hatte Angst vor den Reaktionen. Nick zwang ihn aber zu ein paar Happen, bevor Mitch weitermachte. Zack hingegen lange ordentlich zu, er hatte nichts essen können. Allein beim Gedanken an früher drehte sich ihm der Magen um. Nochmal alles zu durchleben war eine Tortur gewesen und von der Idee mit den Fragen war er entsetzt gewesen. Er wollte keine peinlichen und intimen Details seiner Gefühlswelt loswerden. Das hatte er ja auch nicht gebraucht. Was Mitch gleich erzählen würde wussten er und Nick schon.

„Ich habe eigentlich nicht soviel zu erzählen. Ich bin ein amerikanischer Ureinwohner, fast durch und durch, nur eine Urgroßmutter war eine Weiße. Ich bin in einem Reservat aufgewachsen. Es ist wirklich so schlimm, wie immer erzählt wird, die meisten Erwachsenen tranken schon um neun Uhr morgens und hörten bis sie schlafen gingen auch nicht mehr damit auf. Die Kinder wissen nicht was sie machen sollen und bauen Mist. Schule ist eine Tortur, man wird schräg, als angehender Alkoholiker angesehen. Die Lehrer haben Massen an Vorurteilen.

Meine jungen Eltern waren mit mir überfordert und gaben mich zu meinen Großeltern, ich hatte als erster seit einigen Jahren wieder magisches Talent im Reservat. Es wurde schnell beschlossen, dass ich auf eine gute Schule gehen würde um eine gute Arbeit zu finden. Das Geld wurde zusammengelegt, genauso wie die Erwartungshaltung. Ich tat mein Bestes und bekam super Noten und ein Stipendium. Das habe ich immer noch und hoffe auch auf eines für die Uni. Ich möchte irgendwann die anderen aus dem Reservat herausholen und die Kinder auf gute Schulen schicken, dass sie eine Chance erhalten. So wer hat Fragen?"

Zack und Nick schüttelten die Köpfe, sie kannten den in sich gekehrten ruhigen Indianer schon lange, da brauchten sie ihn nichts mehr fragen. Harry's Frage war auch nicht gerade persönlich, sondern eher allgemein. „Du hast gesagt, dass du der erste mit magischem Talent seit langem gewesen warst, wir haben aber gelernt, dass der Zauberer-Anteil unter Indianern sehr hoch ist."

„Da stellst du eine ganz schön komplizierte Frage. So war es mal, fast alle Indianer hatten irgendein magisches Talent, meistens was das Jagen, oder Rohstofffindung betraf. Das sie aber richtig Magie wirken konnten war schon seltener, aber nicht so selten, wie es heute geworden ist. Man kann nur spekulieren woran das liegen könnte. Viele sagen, dass es an den vielen Mischlingen liegt, aber diese Erklärung ist eher dürftig, da häufig Kinder mit einem magischen Elternpaar ebenfalls magisch sind. Was sich aber sehr geändert hat ist unser Lebensstil, die meisten sind sich ihrer Umgebung und deren Magie nicht mehr bewusst. Die kleinen magischen Talente lassen sich nur noch selten finden, was vielleicht auch am Alkohol-Konsum liegt. Dadurch werden vielleicht auch die Kinder irgendwie geschädigt, aber andererseits war Zack's Mutter auch nicht gerade Abstinent. Ich schätze, man wird es nie genau wissen."

„Das ist wirklich merkwürdig, und bedenklich. Falls das, was auch immer der Grund ist, auf andere übergreift." Harry sah wirklich besorgt aus.

„Daran habe ich noch gar nicht gedacht!" Mitch sah nicht minder geschockt aus als Nick und Zack. „Was können wir machen?"

„Wir sollten dem Direktor davon erzählen vielleicht kennt er jemanden, der sich damit beschäftigt, oder es machen kann." Nick schüttelte den Kopf, „ich wundere mich, dass das bislang noch keiner gemerkt hat."

„Indianer und deren Wohlergehen steht halt nicht ganz oben auf der Liste von Politikern. Der Rest scheint sie regelmäßig zu vergessen. Es gibt nur wenige die sich engagieren." Mitch hatte selbst genug Probleme mit Rassismus und mit Anfeindungen zu kämpfen. „Wir sollten möglichst bald mit ihm sprechen, vielleicht beschäftigt sich ja auch schon jemand mit diesem Problem."

Jetzt war nur noch Harry übrig und der bekam gerade ordentlich Schiss. Was wäre wenn sie ihn verraten würden, oder sehr wütend auf ihn wären?

Erst mal musste er sich wieder beruhigen, ein paar mal tief durchatmen half da schon.

„Okay, meine Geschichte beginnt vor sechzehn Jahren, als Lord Voldemort meine Eltern an Halloween tötete, die Liebe meiner Mutter mich aber vor dem Todesfluch schützte. Er selbst verlor seinen Körper und fast sein Leben, ich hatte als einziges sichtbares Zeichen ein blitzförmige Narbe auf der Stirn. Die ist auch mein Erkennungszeichen geworden, das Zeichen für den Jungen-der-lebt. Harry Potter."

Das war es, netter Cliffhanger nicht?

Bis zum nächsten Mal

mogeta

R&R