Amicitia et fides

Freundschaft und Treue

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Disclaimer: Die Welt von Harry Potter gehört J. K. Rowling.

Ein neues Kapitel für euch. Ich erwarte mal einen allgemeinen Reviewaufschwung :)

LG Lucia

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Kapitel 9

Ungebrochen

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„Malfoy!" Ein Fuß trat ihm schmerzhaft in die Seite. Lucius ließ ein kurzes Winseln vernehmen und öffnete träge die Augen. Ein kleiner untersetzter Wärter hatte sich breitbeinig vor ihm aufgebaut. „Los! Wach auf! Zwei Wochen lang den Kranken spielen reicht!"

Lucius konnte sich nicht mehr daran erinnern, wann er das letzte Mal wirklich wach gewesen war. Das Letzte, was in seinem Gedächtnis gespeichert war, war das Bild von mindestens sechs Männern, die um ihn herumstanden und ein Gefühl von unglaublichem Schmerz. Und jetzt, da er wieder wach war, war der Schmerz zurück und Lucius konnte überhaupt nicht definieren, wo es ihm am meisten weh tat.

„Du hast Post! Schon seit mindesten zwölf Tagen, aber du elender Feigling wolltest ja nicht mehr wach werden!"

Feigling? Lucius wollte ihm etwas entgegnen, aber aus seiner Kehle drang kein einziges Wort. Zu müde, zu erschöpft, um irgendetwas zu sagen, geschweige denn zu tun. Regungslos blieb er auf dem Rücken liegen. „Und übrigens: McGill ist immer noch nicht ansprechbar, du Schwein!" Endlich kam etwas über Lucius' Lippen. „Dann hat es sich ja wenigstens gelohnt", sagte er und ein fast schon seliges Lächeln huschte über seine Züge.

Der Mann warf ihm den Briefumschlag auf den Brustkorb, dann ging er zurück zur Zellentüre. „In der Ecke steht übrigens dein Essen! Wenn du nicht willst, dass wir kommen, um es dir einzuprügeln, dann würde ich es annehmen." Er lachte hohl und schloss dann die Türe hinter sich.

Lucius tastete mit der linken Hand nach dem Brief, der auf seinem Brustkorb lag. Die rechte lag steif neben seinem Körper. Erneut versuchte er, den Unterarm zu bewegen – keine Chance. Er stöhnte auf und begann unkoordiniert am Briefumschlag herumzuknibbeln. Nach einer gefühlten Ewigkeit zog er endlich den Brief heraus.

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Lucius lachte heiser, was einen pochenden Schmerz im Bauchraum auslöste. Sicherlich hatte Severus es gut gemeint mit seiner kleinen Anleitung, wie er mit seinem verunstalteten Körper umgehen sollte, aber wie zum Teufel sollte er denn feststellen, was ihm alles weh tat, wenn er kaum einen klaren Gedanken fassen konnte vor Schmerz.

Viel trinken … lachhaft. Wenn die Wachen einen guten Tag hatten, dann bekam Lucius gerade mal ein Schüsselchen Wasser. Wunden abbinden … gute Idee, wenn man beide Hände benutzen könnte. Unter höllischen Schmerzen rollte Lucius sich auf den Bauch und robbte herüber zu dem Hocker, auf dem das Wasserschüsselchen und eine Scheibe Brot standen.

Nachdem er das Glas Wasser in einem Zug geleert hatte, schienen sich seine Gedanken wieder zu ordnen. Er zog sich mit seinem linken Arm herüber zu seinem Bett, wo die Feder und das Tintenfass lagen, dann nahm er die Feder auf, um mit der Linken eine kaum leserliche Antwort an Severus zu verfassen.

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Sehr geehrter Professor Snape,

interpretieren Sie meine letzte Nachricht wie es Ihnen beliebt, nur tun Sie mir den Gefallen und fragen meinen Sohn, ob er mir nicht doch irgendwas zu sagen hat!

Hochachtungsvoll

Lucius Malfoy

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Lucius fror erbärmlich. Was hätte er nicht alles für eine Decke gegeben, oder auch nur für einen Fetzen, mit dem er sich zudecken konnte. Ein kräftiger Hustenanfall schüttelte seinen Körper und er spuckte eine ganze Menge Blut über seine eigenen Hände. Egal, alles egal.

Wieder setzte er die Feder auf das Pergament. Auch wenn Severus es wahrscheinlich leichter haben würde, ägyptische Hieroglyphen zu entziffern, als seine Schrift mit der linken Hand, da musste er dann wohl durch.

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Severus,

ich muss mich wohl erneut für mein Verhalten entschuldigen. Dumm von mir zu glauben, dass du eine Entschädigung von mir annehmen würdest!

Was meinen Fehler, von dem ich geschrieben habe, angeht, so bereue ich rein gar nichts. Ich habe einen der Wärter angegriffen und schwer verletzt, nachdem er mich, meinen Sohn und auch dich beleidigt hat!

Niemand beleidigt ungestraft die Menschen, die mir wichtig sind! Und obwohl sie es mir im Gegenzug doppelt und dreifach zurückgegeben haben, so ist es doch ein recht annehmbarer Preis dafür, dass ich diesem Stück Dreck zeigen konnte, dass man mit einem Malfoy noch längst nicht alles machen kann, was man will!

Dein Ratschlag, wie ich meine Blessuren behandeln soll, ist zweifellos gut gemeint, aber nicht weiter notwendig. Mir geht es gut und ich fürchte, selbst wenn es nicht so wäre, dann könnte ich trotzdem keinen von deinen Ratschlägen anwenden. Du weißt, ich bin in Bezug auf Heilkunde nie eine Leuchte gewesen und das hat sich leider auch nicht geändert!

Ich muss zugeben, dass es mich recht hart trifft, dass Draco nicht auf meinen Brief antwortet und es beunruhigt mich immer mehr, dass anscheinend niemand von euch etwas dagegen unternehmen kann, dass er immer weiter abrutscht!

Das mit diesem Mädchen … Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Sache meinen Sohn nicht aus der Bahn geworfen hat. Wie gesagt, was Berechnung und Gefühlskälte angeht kommt er einfach nicht auf mich, sondern viel zu sehr nach seiner Mutter.

Der arme Junge muss völlig durcheinander sein! Ich bitte dich, versuche noch einmal ihm zu sagen, dass er mir antworten soll! Es wäre wichtig für mich! Oder versuche Kontakt mit Narcissa aufzunehmen! Sie soll ihrer Schwester ins Gewissen reden. Wenn dieses durchgedrehte Weib auf jemanden hört, dann ist es Narcissa! Notfalls soll sie ihre Schwester einfach bei uns Zuhause rausschmeißen. Sie muss sich nicht alles von ihr bieten lassen.

Dass du mir die Freundschaft hältst, Severus, bedeutet mir wirklich etwas! Es tut gut zu wissen, dass es außerhalb von Askaban noch Menschen gibt, die sich nicht von mir abgewendet haben!

Lucius

P.S.: – Ich hoffe, du kannst das Geschmiere überhaupt entziffern.

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Lucius überflog das Geschriebene und musste feststellen, dass der Text wirklich aussah als wäre eine ganze Hühnerschar darüber gelaufen. Er schmunzelte bei dem Gedanken, was Severus wohl zu seiner Sauklaue sagen würde. Unordentliche Texte waren für ihn ein Gräuel, das wusste Lucius, dennoch würde er nicht damit hausieren gehen, dass er seine rechte Hand nicht benutzen konnte.

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Fortsetzung folgt.