Kapitel 9 - Im Sherwood Forrest
Stöhnend richtete Wheeler sich auf und sofort war Lenka an seiner Seite und half ihm.
„Alles in Ordnung Yankee?" fragte sie besorgt.
„Es ist alles prima Babe", erwiderte er lächelnd und stand auf. So sehr er es auch genoss, dass sie sich so um ihn sorgte und kümmerte, wurde es ihm allmählich etwas lästig stets behandelt zu werden, wie ein rohes Ei.
„Wir haben 10 Tage hier und es sieht nach Regen aus. Wir sollten uns nach einer Unterkunft umsehen. Meinst du, du kannst gehen?" wandte Gi sich dann nach einem kurzen Blick auf die Fernbedienung an Wheeler.
„Ob ich gehen kann?! Bin ich tot oder invalide?" fragte er brummelnd und sah demonstrativ an sich hinunter.
„Bleib ruhig Wheeler. Wir wollen nur vermeiden, dass es dir wieder schlechter geht", erwiderte Ma-Ti.
„Dann lasst uns sehen, dass wir was finden", sagte Kwame und machte sich auf den Weg.
Der Wald, in dem sie gelandet waren, war so dicht, dass das vorankommen nur langsam vor sich ging. Sie kämpften sich durch dichtes Gestrüpp und Unterholz, bevor sie endlich auf einem Weg ankamen.
„Wie geht's dir Wheeler?" fragte Lenka dann und wandte sich um, doch von Wheeler, der das Schlusslicht gebildet hatte, war keine Spur zu sehen.„Wo ist Wheeler?"
„Keine Ahnung. Ma-Ti ist auch verschwunden", erwiderte Gi.
„Wheeler brauchte bestimmt nur eine Pause. Lasst uns ein Stück zurückgehen und nachsehen", sagte Kwame dann.
Doch alles Suchen war vergeblich und schließlich fanden sie sich auf dem Weg wieder, als auch schon eine Kutsche mit berittener Eskorte um eine Biegung kam.
„Wer seid ihr Fremde?" fragte einer der Reiter und zog sein Schwert. Sofort taten es ihm die anderen nach.
„Wir sind Pilger", griff Kwame sofort Ma-Ti's Idee auf und hob die Hände, um zu zeigen, dass sie unbewaffnet waren.„Wir haben grade zwei unserer Freunde hier in diesem Wald verloren."
„Verloren habt ihr sie nicht. Die Geächteten werden sie geschnappt haben."
„Geächtete?!" fragten alle drei wie aus einem Mund.
„Sie leben hier im Sherwood Forest und schnappen sich die Durchreisenden um sie auszurauben." Sie wandten sich der Stimme, die aus der Kutsche ertönte, zu und erblickten einen jungen, aber schmächtigen Mann, gekleidet wie ein König.„Kommt mit uns nach Nottingham. Wenn sie haben, was sie wollten werden sie eure Freunde dorthin schicken. Es ist die einzige Siedlung im Umkreis von Meilen", sagte er dann und klatschte in die Hände. Sofort saß ein Reiter ab und hielt die Tür der Kutsche auf.„Die beiden Damen können bei mir mitfahren. Du kannst dich zum Kutscher setzen", sagte er dann zu Kwame.
„Aber wir müssen unsere Freunde suchen", wandte Gi aufgebracht ein.
„Verzeiht Mylord, aber es handelt sich um die Ehemänner dieser beiden Frauen", erwiderte Kwame schnell, als er den Blick des Mannes bemerkt hatte, der offensichtlich keinen Widerspruch gewohnt war; und erntete dafür einen unauffälligen Klaps auf den Arm von Gi, während er sich ein Grinsen unterdrücken musste. Er hatte einen Heidenspaß die vier damit aufzuziehen, leider ließen sich nur Gi und Ma-Ti so gängeln, weil Wheeler und Lenka mit ihrem Los höchst zufrieden schienen.
„Nun dann ist ihre Sorge wohl gerechtfertigt. Aber es wird euren Männern sicher nicht gefallen, wenn ihr euch hier draußen den Tod holt. Steigt ein", befahl er, als es zu regnen begann und seiner Stimme war zu entnehmen, dass er keinen Widerspruch mehr dulden würde. Also taten die drei, wie ihnen befohlen war.
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Wheeler war grade noch hinter Ma-Ti gewesen und im nächsten Moment fand er sich von einer Horde Männer umzingelt wieder. Kurz darauf stieß auch Ma-Ti zu ihnen.
„Die anderen haben wir nicht mehr gekriegt. Sie haben den Weg erreicht und Prinz John nähert sich mit seiner Kutsche und einer Eskorte", sagte ein junger Kerl, höchstens 17 oder 18 Jahre alt.
„Dann lasst uns sehen, was diese beiden in den Taschen haben", erwiderte ein großer Kerl mit einem langen Holzstab in der Hand und trat auf die beiden zu.
Noch ehe Wheeler und Ma-Ti reagieren oder etwas sagen konnten durchwühlten die Männer ihre Taschen, aber sie fanden nichts.
„Wie kommt es, dass ihr so fein und sauber gekleidet seid, aber nicht einen Penny mit euch herumtragt?"
„Wir sind Pilger. Wir leben von dem, was wir uns in den Dörfern, durch die wir kommen erarbeiten", wandte Ma-Ti ein.
„Wer seid ihr, dass ihr Reisende einfach in die Büsche zerrt und ausraubt?" fragte Wheeler.
„Wir sind die Geächteten vom Sherwood Forrest! Mein Name ist John Little." Wheeler und Ma-Ti sahen sich einen Moment überrascht an.
„Jetzt fehlt ja nur noch Robin Hood", murmelte Wheeler leise.
„Robin? Wir haben hier keinen Robin, nur einen Rob und seinen Bruder Will", erwiderte John und zeigte auf den Jungen und einen nur ein wenig Jüngeren neben ihm.
„Lasst mich raten, ihr seid geächtet, weil ihr das Wild des Königs gejagt habt oder eure Steuern nicht bezahlen konntet", sagte Wheeler dann.
„Oder beides, ja. Ihr seid gut über die Zustände hier informiert, für Pilger."
„Man schnappt so dies und das auf", erwiderte Ma-Ti cool.
„Aber wieso raubt ihr Reisende aus? Wisst ihr wie viele dabei sind, die vermutlich selbst nur das haben, was sie bei sich tragen?"
„Und an wen sollen wir uns sonst wenden Rotschopf?"
„An diejenigen, die Geld haben und die euch in diese Lage gebracht haben", erwiderte Wheeler und ein Raunen ging durch die Gruppe, der etwa 30 Geächteten.
„Du hast gut Reden Klugscheißer. Du redest davon den Sheriff von Nottingham und Prinz John auszurauben."
„Sie sind auch nur Menschen und man muss wissen, wie man es anfangen soll."
„John, John", rief ein Junge aufgeregt, als er herbeieilte.„Prinz John und der Sheriff haben die drei anderen an der Straße aufgesammelt. Sie nehmen sie mit nach Nottingham."
„Wir müssen sie befreien", rief Wheeler aufgebracht, als ihm bewusst wurde als welche Scheusale Prinz John und der Sheriff immer dargestellt wurden. Wer weiß, was sie ihnen antaten.
„Bist du verrückt Junge? Wir haben kaum Waffen und sind nur einfache Bauern. Diese Männer sind zum Kämpfen ausgebildet und haben Schwerter, Armbrüste, Lanzen und was weiß ich noch alles", sagte John und packte Wheeler bei der Schulter, um ihn notfalls mit Gewalt zurückzuhalten, doch Wheeler hatte zu lang auf der Straße gelebt und entwand sich so wendig und schnell seinem Griff, dass allen der Mund vor Staunen aufklappte – einer der vielen Tricks, die er in den Jahren gelernt hatte.
„Das sind unsere Freunde...und meine Frau. Wir können sie nicht diesem Scheusal überlassen." Er hielt sich die Seite, weil sein Ausweichmanöver seine Wunde wieder schmerzen ließ.
„Was willst du dagegen tun? Sie werden dich umbringen, vor allem, wo du offensichtlich angeschlagen bist. Und wir haben schon genug Probleme, da müssen wir uns nicht noch mit Prinz John anlegen."
„Aber was habt ihr jetzt noch zu verlieren? Ihr seid schon geächtet und eure Familien hungern. Es kann doch nur besser werden."
„Wheeler, was hast du vor?" raunte Ma-Ti ihm zu.
„Unsere Freunde befreien und diesen Leuten helfen einen besseren Weg einzuschlagen."
„Meinst du, dass das eine gute Idee ist?"
„Ma-Ti, mit dem Wissen, das wir uns in den letzten Jahren angeeignet haben, wie man gefährliche Situationen bewältigt und Fallen stellt und unserem Können im Bogenschießen und kämpfen, was wir bei Artus gelernt haben können wir ihnen helfen. Wir können ihnen zeigen, wie sie gegen die Ungerechtigkeit ankämpfen und überleben können. Und vielleicht helfen sie uns die anderen zu befreien."
„In zehn Tagen?!"
„Zehn sind besser wie keiner."
„Entschuldigt bitte, aber wir haben beratschlagt. Wenn ihr meint ihr könntet uns helfen und es funktioniert, dann werden wir auch euch helfen. Mein Wort drauf Freunde", sagte John nun und reichte Wheeler die Hand. Ma-Ti zuckte nur mit den Schultern und Wheeler ergriff sie.
„Wie sollen wir euch nennen?"
„Mein Name ist Ma-Ti."
„Nennt mich einfach Robin", erwiderte Wheeler mit einem teuflischen Grinsen.
