A/N: Es ist Wochenende und ich dachte, ich überrasche euch mal mit einem neuen Kapitel. Wenn es nämlich wettermäßig bei euch genauso aussieht wie bei mir, dann sollte man es sich auch vor dem PC/Laptop gemütlich machen und lesen. Also sorge ich dafür, dass es was zu lesen gibt.

Vielen lieben Dank an alle, die für das letzte Kapitel reviewt haben (und es waren wieder verdammt lange Reviews dabei. Ich liebe lange Reviews. Da hat man länger was zu lesen). Einen ganz besonderen Dank allerdings an Zauberfee1979. Sie hat nämlich innerhalb von ein paar Tagen für alle bisherigen Kapitel tolle Reviews dagelassen und meinen Reviewticker ordentlich in die Höhe geschraubt. Ihr alle seid absolut toll und ich hoffe, dass ich mich heute Abend wieder über einen Haufen Reviews freuen kann.

Kleiner Hinweis für dieses Kapitel: Vom Alter der Charaktere her spielt diese Geschichte zwar im dritten HP-Buch, aber euch sollte inzwischen aufgefallen sein, dass ich die Ereignisse von da völlig außer acht gelassen habe. Das gilt also auch für das Quidditchspiel, um das es in diesem Kapitel geht. Ein Gryffindorsieg steht also nicht von vorne herein fest. Und da ich gerade meine "Ich mag die Slytherins irgendwie"-Phase habe, solltet ihr schon dammit rechnen, dass ich es diesmal andersrum enden lassen habe/haben könnte.

OK, genug mit Verwirrung. Viel Spaß beim lesen.


Kapitel 9 – Rückschläge

„Und da kommt Katie Bell. Wirklich phantastisch, wie sie den Pass zwischen Flint und Warrington abgefangen hat. Elegant spielt sie da beide Schlangen-Treiber und Jäger Pucey auf einmal aus, der wirklich sparsam aus der Wäsche guckt und wohl nicht zu wissen scheint, wo bei seinem erstklassigen Besen die Lenkvorrichtung ist. Zumindest kurvt er noch ziemlich abseits rum, während Bell inzwischen den Quaffle an Johnson weitergegeben hat. Die gibt ihn unter Warrington durch an Spinnet ab. Spinnet zielt und ... gibt nochmal ab an Bell und die ... MACHT IHN REIN! 50:10 für Gryffindor. Die Löwenmädels spielen die Schlangen mit ihren drittklassigen Besen schwindelig. Tja, ihr Lieben. Es ist halt ein Unterschied, ob man tatsächlich Talent hat oder nur eine große Klappe."

Breit grinsend sah Katie zur Lehrertribüne hinüber, wo sich Lee gerade einen Anschiss von Professor McGonagall für diesen nicht sehr fairen Seitenhieb zu den Slytherins abholte. Doch sie schüttelte nur den Kopf und erwiderte die Umarmungen von Alicia und Angelina, die ebenfalls mit ihrer Belustigung zu kämpfen hatten. Die Stimmung im Team war ausgelassen und zumindest heute hatte ihr noch niemand ihrer Teamkameraden mehr oder weniger versteckt vorgeworfen, dass sie nicht mehr vertrauenswürdig war. Katie hatte zwar keine Ahnung, wie lange dieser Friede andauern würde, aber sie hatte nicht vor, sich davon die gute Laune kaputt machen zu lassen. Sie war und blieb eine Gryffindor. Und sie wollte diesen Pott. Koste es, was es wolle.

Als sie wieder auf ihre Position zurückflog und sich für die erneute Spielfreigabe bereit machte, konnte sie es nicht lassen, Adrian einen Blick zu zu werfen. Dieser redete gerade gestenreich mit Flint und machte dabei kein sonderlich glückliches Gesicht. Ganz im Gegenteil. Er sah eher verärgert aus und als sein Kapitän ihn schließlich entließ und nochmal zu einem der Treiber hinüber flog, fuhr er sich erst kopfschüttelnd durch die Haare und flog dann auf seine eigene Position zurück, die sich direkt gegenüber von Katies Position befand. Ihre Blicke trafen sich kurz und sie konnte es nicht lassen, ihn triumphierend anzugrinsen.

„Ich hab's dir gesagt, Pucey. Es kommt nicht hauptsächlich auf den Besen an.", rief sie ihm zu und erntete dafür einige Lacher der sich ein Stück unter ihnen befindlichen Ravenclaws, die auf ihrer Tribüne gut gelaunt für Stimmung sorgten.

Adrian wollte gerade zu einer Erwiderung ansetzen, als Madame Hooch den Quaffle wieder freigab. Alle sechs Jäger schossen blitzartig auf ihn zu, doch im Gegenteil zu den Slytherins zogen Angelina und Katie ihre Besen im letzten Moment zur Seite weg, schnitten damit Adrian und Flint den Weg ab und verschafften somit Alicia genug Platz um Warrington der Quaffle vor der Nase wegzuschnappen. Ein übermütiger Jubelschrei entfuhr Katie, als Alicia den Quaffle gleich darauf an Angelina weitergab und im wilden Zickzackkurs auf die Slytherinringe zuhielt, die von Miles Bletchley mit grimmiger Miene bewacht wurden.

„Und wieder sind Woods Mädels im Angriff.", dröhnte Lee's Stimme lautstark durch das Stadion. „Es ist einfach ein wahrer Augenschmaus, was diese Drei da oben fabrizieren. Der Quaffle ist im Augenblick bei Johnson, die macht einen hübschen, kleinen Schlenker um Flint rum und gibt den Quaffle ... UFF! Das hat weh getan."

Ein lauter Aufschrei ging durch das Stadion, als wie aus dem Nichts plötzlich zwei Klatscher gleichzeitig direkt in Angelinas Flugbahn auftauchten. Einem konnte sie noch ausweichen, doch der andere traf sie mit voller Wucht am linken Ellenbogen, was sie heftig ins Trudeln brachte.

„Johnson hat den Quaffle verloren und kämpft mit dem Gleichgewicht. Warrington, Pucey und Bell stürzen derweil gleichzeitig im Sturzflug hinter dem Quaffle her, und es scheint so, als ob sich in diesem Fall die ohne Zweifel erstklassigen Besen der Slytherinjäger bezahlt machen würden. Beide sind Bell um eine Besenlänge voraus und es sieht so aus, als würde Warrington das Rennen machen. Johnson hat sich scheinbar inzwischen wieder gefangen, doch sie liegt viel zu weit zurück, um in das Geschehen eingreifen zu können. Und Warrington hat den Quaffle. Beide Slytherinjäger schießen im Steilflug wieder an Bell vorbei, die gleich zur Verfolgung ansetzt, doch scheinbar haben die Slytherins jetzt den Turbo eingeschaltet. Blitzschnell geht der Quaffle zwischen den beiden hin und her. Bell sollte aufpassen, dass die Zwei sie nicht schwindelig spielen. Ich komme selbst kaum hinterher, wo der Quaffle gerade ist, deshalb ... Verdammt, wo kommt Flint denn plötzlich her? Wie ein Geschoss kommt er von der linken Seite rüber, kriegt den Quaffle zugepasst und ... drin ist das Ding. Keine Chance für Wood, der wohl mit Flint genauso wenig gerechnet hat, wie der Rest von uns. Anschlußtreffer für die Slytherins. Die Gryffindors führen zwar noch mit drei Treffern Vorsprung, aber wenn die Slytherins noch einige Konter von diesem Kaliber auspacken, wird es eng für die Löwen."

Ein deftiger Fluch entfuhr Katie, als sie sah, wie der Quaffle von Warrington zu Flint rüber und dann in den völlig ungeschützten linken Ring flog, den Oliver bei dem schrägen Anflug von Adrian und Warrington auf den mittleren und rechten Ring überhaupt nicht beachtet hatte. Sie wußte definitiv, dass Lee recht hatte. Mit Flint hatte keiner von ihnen mehr gerechnet, denn der schien so weit hinten zu liegen, dass er theoretisch nicht mehr eingreifen konnte. Doch wie Lee schon sagte, hatten sich in diesem Fall die wirklich sehr guten Besen bezahlt gemacht.

„Es kommt vielleicht nicht immer auf den Besen an, Kitty.", konnte sie eine Stimme von weitem rufen hören. „Aber im Großen und Ganzen ist er dann doch ganz nützlich."

Ihr Kopf fuhr ruckartig herum und traf auf Adrian, der sie breit grinsend ansah. Ein spöttisches Funkeln stand in seinen Augen, und Katie konnte nicht anders, als frustriert zu schnauben.

'Verflucht nochmal! Lee hat recht. Noch einige Konter von dem Kaliber und wir können einpacken. Dann können wir nur noch hoffen, dass Harry uns wieder mal aus dem Schlamassel heraus holt und so schnell wie möglich den Schnatz fängt.'

Eine knappe halbe Stunde später hatte sich diese Befürchtung bewahrheitet. Die Slytherins hatten scheinbar von Anfang an geplant, die Gryffindors ein wenig in falsche Sicherheit zu wiegen, bevor sie ernst machten. Es schien fast so, als hätten sie inzwischen wirklich den Turbo eingeschaltet. Katie und ihre Jägerkolleginnen hatten nur noch selten das Glück, den Quaffle mal in die Finger zu bekommen, denn sie wurden wieder und wieder von den blitzschnellen Angriffen der Slytherinjäger ausgespielt. Die Stimmung kippte im gleichen Maß, wie sich die Trefferquote der Slytherins erhöhte. Zwar hielt Oliver auch eine ganze Menge und bewies somit, dass die Führungsetage von Puddlemere United keinen Fehlgriff bei der Vorverpflichtung des derzeitigen Gryffindorkapitäns gemacht hatte, doch letztendlich konnte auch er nicht völlig alleine gegen die drei inzwischen wie entfesselt spielenden Slytherinjäger bestehen, die scheinbar im Minutentakt mit dem festen Vorsatz auf ihn zugeflogen kamen, ihm das Leben so richtig schwer zu machen.

„Verflucht!", brauste Alicia auf, als Warrington mal wieder wie aus dem Nichts vor ihr aufgetaucht war und ihr den Quaffle buchstäblich im selben Moment abgenommen hatte, als sie diesen zu Katie passen wollte. Er war einfach so urplötzlich vor ihr aufgetaucht, dass sie den Wurf nicht mehr anders koordinieren konnte und ihm den Quaffle praktisch zugeworfen hatte. Sie warf Katie einen frustrierten Blick zu, die genau wie sie wieder mal alles aus ihrem Besen heraus holte, um zu den Slytherins aufzuschließen.

„Wieso sind die plötzlich so höllisch schnell? Das kann doch nicht mit fairen Dingen zugehen?", brüllte sie zu Katie rüber, doch diese zuckte nur mit den Schultern, wich einem Klatscher aus und zog den Besen gleich darauf in einer langgezogenen Kurve in Richtung Mittelkreis herum, als sie sah, dass Oliver wieder mal erfolgreich ausgespielt worden war.

„Keine Ahnung!", gab sie zurück und sah Alicia ratlos an. „Gegen Ravenclaw und die Puffles waren die nie so verdammt schnell. Ich kann mir das höchstens dadurch erklären, dass die gegen die mit gebremsten Schaum geflogen sind, um uns im Ernstfall auf dem falschen Fuß zu erwischen. Was ja auch brillant aufgegangen ist, wie man sieht."

„Ja, absolut brillant.", kommentierte Alicia sarkastisch und schüttelte den Kopf.

„BELL! SPINNET!"

Sowohl Katie als auch Alicia sahen sich fragend um und flogen gleich darauf zu Oliver rüber, der sie zu sich heran winkte. Angelina schwebte schon neben ihm und sagte irgendwas zu ihm, woraufhin Oliver nickte und eine Antwort gab, die weder Alicia noch Katie verstanden, da sie noch zu weit weg waren.

„Scheinbar gibt es eine kurze Auszeit bei den Gryffindors.", kommentierte Lee das Geschehen vor den Gryffindorringen. „Als Fan der Rot-Goldenen kann man nur hoffen, dass Wood noch ein Ass aus dem Ärmel zaubern kann, denn im Moment steht es mit 120:50 deutlich nach einem Slytherinsieg aus. Was auch immer da im Moment besprochen wird, scheint aber wohl nur Auswirkungen auf die Jägerinnen der Löwen zu haben, denn sowohl Potter als auch die Weasleys bleiben auf ihren Positionen und gesellen sich nicht zu dem kleinen Plausch vor Woods Ringen dazu."

Inzwischen waren auch Katie und Alicia bei Oliver und Angelina angekommen, und sahen ihren Kapitän fragend an. Dieser atmete einmal tief durch und sah dann alle drei Mädchen fest an, bevor er anfing zu sprechen.

„Wir müssen hier ganz dringend was tun, sonst machen die uns völlig fertig. Ich schaffe es nicht dauerhaft, die aufzuhalten, wenn die mit so einem Wahnsinnstempo auf mich zugeflogen kommen.", meinte er entschlossen und hob abwehrend die Hand, als Alicia etwas sagen wollte. „Ich mache euch keinen Vorwurf, Alicia. Ich sehe, dass ihr euch da draußen auseinander reißt, um das Spiel für uns wieder rumzureißen, aber wir müssen das mal realistisch sehen. Die haben uns ganz elegant ausgespielt, indem die uns die ganze Saison hindurch nicht die wahre Stärke ihrer Besen gezeigt haben. Die haben sogar beim Training nicht alles rausgeholt, weil die wußten, dass ich sie unter Beobachtung hatte."

„Irgendwann müssen die aber mal mit vollem Tempo trainiert haben.", warf Angelina ein. „Und das sogar mehrfach, sonst würde das jetzt nicht so perfekt hinhauen."

Oliver nickte düster.

„In den Sommerferien, über Weihnachten und Ostern. Aber immer anderswo. Nie hier in Hogwarts. Das ist jetzt aber erstmal völlig egal. Tatsache ist, wie kriegen wir das Tempo aus dem Spiel?"

Drei ratlose Gesichter sahen ihn an, doch Katie merkte schnell, dass er eigentlich keine Antwort von ihnen erwartete, denn um seine Mundwinkel herum zuckte es verdächtig. Er warf ihr einen fragenden Blick zu und sie hob schließlich ebenso fragend die Augenbrauen.

„Was?", fragte sie schließlich, als ihr der Blick zu verwirrend wurde.

„Du kriegst von uns allen die am perfektesten simulierten Abstürze hin.", meinte er schließlich leise. „Ich habe Pucey in den letzten Minuten mal genauer beobachtet. Er tut zwar so, als würde er dich einfach nur als Gegnerin sehen, aber jedes Mal, wenn du einem Klatscher ausweichst oder einer Tribüne zu nahe kommst, wirft er dir einen blitzschnellen Blick zu und macht ein Gesicht, als hätte er Zahnschmerzen. Ich weiß nicht, ob er drauf wartet, dass du endgültig abstürzt oder ob er nur sichergehen will, dass es dir gut geht. Ich würde diesem Mistkerl spontan eher ersteres zutrauen, statt letzteres."

Katie warf ihm einen finsteren Blick zu, verkniff sich aber einen Kommentar darauf, denn hier ging es um teaminterne Dinge und nicht um ihr derzeit leicht verrücktes Liebesleben. Oder zumindest hoffte sie das.

„Du meinst, er ist immer mal wieder abgelenkt?", meinte Alicia nachdenklich.

„Genau das meine ich.", bestätigte Oliver und sah Katie weiterhin an. „Wie gesagt, ich weiß nicht, aus welchem Grund er in den Momenten wirklich zu dir hinüber sieht, aber Tatsache ist, dass er es tut. Es käme auf den Versuch. Wenn es ihm wirklich darum geht, sicher zu stellen, dass es Katie gut geht, wird er reagieren, auch wenn ich mir das eigentlich nicht wirklich vorstellen kann. Und gegen zwei Jäger kann ich alleine bestehen. Die behalte ich im Überblick. Bei Dreien auf einmal haut's aber schon nicht mehr hin. Sorry."

„Das heißt, wir müssen immer einen von den Dreien ausschalten.", spann Katie den Faden weiter und nickte. „Könnte funktionieren. Ich weiß nur nicht, ob Adrian wirklich auf diese Finte reinfällt, die du dir da vorgestellt hast, Käpt'n."

„Wenn nicht, trete ihn beim nächsten Versuch vom Besen.", meinte er schulterzuckend. „Ich werde dir definitiv keine Vorwürfe machen, wenn du ihn mal richtig foulst. Einen kontrollierten Strafwurf schaffe ich eher aufzuhalten, als drei wie entfesselt spielende Schlangen."

Katie entfuhr ein Stöhnen, sagte jedoch auch hierauf nichts. Ihr war klar, dass Oliver hier auch die Eifersucht trieb, doch gleichzeitig wußte sie auch, dass auch Adrian so eine Anweisung von seinem Kapitän nicht ignorieren würde, wenn er sie im Bezug auf Katie bekommen würde. Beim Quidditch waren sie Gegner. Das stand zwischen ihnen von Anfang an fest und sie hatte sich bisher auch daran gehalten. Wenn Oliver allerdings mit seiner Ahnung Recht hatte, und Adrian es doch nicht so genau unterscheiden konnte, wie er es gerne wollte, dann würde sie sich auf diese Chance stürzen. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Denn wie hieß es so schön? Im Krieg und in der Liebe ist alles erlaubt. Und Quidditchspiele zwischen Gryffindor und Slytherin sind nunmal schon immer kleine Kriege gewesen. Speziell wenn es das letzte Saisonspiel ist und es um den Pokal ging.

Langsam flogen sie wieder auf die Ausgangsposition zurück. Sie warf Adrian einen langen Blick zu, denn dieser spöttisch grinsend erwiderte, während er sich lässig auf seinen Besen stützte. Doch dann wandte sie sich mit einem resignierten Kopfschütteln ab und sah sich nach Harry um, der hoch über ihr konzentriert seine Runden zog. Sie hoffte wirklich drauf, dass Harry dieses Drama bald beendete. Denn im Moment schien er der einzige von ihnen zu sein, der den Pokal noch für sie gewinnen konnte. Ihre eigenen Chancen bestanden nur aus Ahnungen und Vermutungen, und somit auf sehr unsicheren Füßen.

„Was ist los, Kitty? Ihr gebt doch nicht etwa schon auf, jetzt wo es gerade so richtig anfängt Spaß zu machen, oder?"

„Wenn wir untergehen, dann mit Anstand und Würde, Pucey.", gab sie lahm zurück und erreichte damit, dass er und die beiden anderen Slytherinjäger noch breiter grinsten.

„Na, wenigstens hat sie begriffen, dass sie untergehen werden.", meinte Warrington spöttisch und schnallte in aller Seelenruhe eine Lasche an seinem Handschuh neu fest. „Deine kleine Freundin ist gar nicht mal so blöde."

„Das hat auch niemand behauptet, Chris.", gab Adrian lachend zurück.

'Ja, glaubt ruhig, wir hätten schon aufgegeben. Das macht es uns nur leichter, euch auf's Glatteis zu führen.', machte Katie sich in Gedanken selber Mut.

Ein lauter Pfiff gellte durch's Stadion, als Madame Hooch das Spiel wieder anpfiff. Katie ignorierte den Quaffle und schoss wie vom Katapult abgeschossen auf Adrian zu, der erst im letzten Moment den Besen rumriss und so einen Zusammenprall vermied. Doch dieses Ausweichmanöver hatte ihm wertvolle Zeit gekostet. Zeit, die Alicia nutzte, um den Quaffle zu fangen und ihn mit einem mächtigen Pass quer über das Spielfeld zu Katie warf, die schon ein gutes Stück in die Slytherinzone hinein geflogen war.

Gekonnt fing diese den Quaffle mit einem kurzen Blick über die Schulter hinweg auf, klemmte ihn unter dem Arm und wich einem der Treiber aus, der schlägerschwingend auf sie zu kam. Ihr war klar, dass sie es nie bis auf vernünftige Wurfweite an die Slytherinringe heran schaffen würde, aber trotzdem holte sie alles aus ihrem Besen heraus.

„Und Katie Bell schießt nur so durch das Stadion. Wahnsinn! Wo holt die nur plötzlichen diesen Speed aus ihrem Besen heraus? Da hat sogar Pucey Schwierigkeiten, wieder aufzuschließen. Und dass, obwohl er ja angeblich auf einem erstklassigen Besen fliegt, im Gegensatz zu Bell."

„JORDAN! Wie oft muß ich Ihnen noch..."

Der Rest von Professor McGonagalls Schimpftirade ging im lautstarken Jubel und Beifall der Massen auf den Tribünen unter. Auch Katie konnte sich ein breites Grinsen nicht verkneifen, doch sie zwang sich, weiterhin konzentriert zu bleiben. Aus den Augenwinkeln konnte sie in diesem Moment einen grünen Fleck auftauchen sehen und sie wußte, dass Adrian sie gleich eingeholt hatte. Lange würde er ihr den Quaffle nicht überlassen, soviel stand fest. Deshalb legte sie kurz darauf eine so heftige Vollbremsung hin, dass sie selber fast vom Besen rutschte. Adrian schoss als grüner Komet an ihr vorbei, da er mit so einem Manöver nicht gerechnet hatte.

„UND BELL BREMST! Was auch immer das bewirken sollte, sie hat zumindest erreicht, dass Pucey ihr nicht mehr wie ein Bluthund am Besenschweif klebt. Johnson und Spinnet haben inzwischen aufgeschlossen und versuchen mit Mühe, Flint und Warrington loszuwerden. Aber Bell hat immer noch den Quaffle und fliegt jetzt wieder schnurstracks auf Bletchley zu, der reichlich gelangweilt wirkt. Pucey hat einen Bogen über die Hufflepufftribüne gedreht und kommt nun von backbord wieder auf Bell zu. Achtung Katie, der sieht nicht sonderlich begeistert aus. Den hast du gerade voll auflaufen lassen. Woah! Johnson ist ihren Verfolger gerade dank einem perfekten Klatschertreffer von Fred Weasley losgeworden und hat jetzt freie Bahn. Bell nutzt das gleich aus und gibt den Quaffle ab. Gerade rechtzeitig, bevor Pucey sie erreicht hat. Und was der Kerl für ein Tempo drauf hat. Das ist ja vollkommen irre. Johnson fliegt jetzt auf Bletchley zu, Spinnet spielt immer noch Katz und Maus mit Warrington, während Bell von Pucey vom Kurs abgedrängt wird, um nicht wieder ins Spielgeschehen eingreifen zu können."

Katie hatte Mühe, ihren Besen bei dieser hohen Geschwindigkeit ruhig zu halten. Ihr definitiv drittklassiger Besen beschwerte sich mächtig und würde protestierend aufschreien, wenn er es nur könnte. Doch sie hielt eisern dagegen und versuchte, sich an Adrian vorbei zu drängen, um den Anschein zu erwecken, dass sie sich wirklich noch mit in den Angriff stürzen wollte. Dabei war das definitiv nicht der Fall. Ihr ganzes Bestreben bestand nun darin, Adrian lange genug abzulenken, bis entweder Oliver die zwei verbliebenen Slytherinjäger am erfolgreichen Abschluß eines Angriffs gehindert hatte oder Angelina oder Alicia den Quaffle hinter Miles Bletchley versenkten. Doch soweit kam es gar nicht, denn wieder einmal wurde ein Pass zwischen zwei Gryffindorjägerinnen von einem der Slytherinjäger abgefangen, der damit auch gleich eine 180-Grad-Wendung hinlegte und so schnell in die Gegenrichtung davon flog, als wäre eine ganze Drachenherde hinter ihm her.

'Jetzt oder nie.', feuerte Katie sich selber an, als sie sah, wie Adrian sie herausfordernd ansah, breit grinste und dann seinen Besen rumzog. Sie zog ihren im selben Moment herum, spielte dabei ein leichtes Trudeln vor und flog Adrian dann scheinbar versehentlich an, wobei sie erst unterdrückt fluchte und dann gespielt erschrocken aufschrie, und einen scheinbar außer Kontrolle geratenen Sturzflug hinlegte.

„Warrington und Flint schießen im Parallelflug auf Wood zu, während die Gryffindorjägerinnen ihre liebe Müh und Not haben, um den schnellen Richtungswechsel überhaupt zu verarbeiten. Bell und Pucey drehen fast auf dem selben Fleck um und ... Oh ha, da kommen sich die Zwei doch tatsächlich ins Gehege und stoßen zusammen. Pucey kommt leicht vom Kurs ab, doch Bell scheint größere Probleme zu haben. Warrington gibt gerade an Flint ab, duckt sich unter einem Klatscher von George durch und ist schon wieder auf Kurs. Pucey holt auch auf, doch Bell hat scheinbar größere Probleme. Verdammt, die hat wirkliche Probleme. Bell stürzt ab. ZIEH DEN BESEN HOCH, KATIE!"

Für einen kurzen Moment hatte Katie ein schlechtes Gewissen, als sie Lee's Panik und die erschrockenen Aufschreie von den Tribünen her hörte, während sie in wilden, aber im Grunde genommen doch kontrollierten Spiralen gen Boden schoss, auch wenn es für alle anderen völlig anders aussah. Doch schon einen Moment später spürte sie, wie jemand sie hart am Arm fasste und zu sich ran zog. Nur mühsam verkniff sie sich ein triumphierendes Grinsen und hob den Kopf an, um sich im selben Moment mit Adrians tiefblauen Augen auf knapp zehn Zentimeter Entfernung konfrontiert zu sehen.

„Alles in Ordnung?", fragte er sie, mühsam um genau die Distanz bemüht, die im Spiel eigentlich zwischen ihnen bestehen sollte. Sie nickte langsam und verzog die Lippen gleich darauf doch zu einem triumphierenden Grinsen, als sie über seiner Schulter hinweg sah, wie Angelina den Quaffle an dem völlig verwirrten Miles Bletchley vorbei in den Mittelring warf. Lautstarker Jubel brannte von den Tribünen auf, der im Bereich der Fans in rotgold am lautesten war.

„Ja, jetzt wohl.", meinte sie verschmitzt und gab ihrem Besen einen leichten Kick, damit der sich wieder in Bewegung setzte. „Danke für's Auffangen, Pucey."

Adrian stutzte kurz, kniff dann die Augen zusammen und fluchte so herzhaft, dass Katie in schallendes Gelächter ausbrach. Breit grinsend flog sie zu Angelina rüber, schlug bei ihr ein und fragte dann nach, wie diese überhaupt so schnell wieder an den Quaffle und zu den Slytherinringen rüber gekommen war.

„Reines Glück", meinte sie lachend. „Flint war so sauer auf Pucey, dass er dir hinterher gestürzt ist, dass ich ihm den Quaffle praktisch aus dem Arm pflücken konnte."

„Und ehe er wußte, was los war, war sie auch schon auf und davon und hat Bletchley kalt erwischt.", beendete Alicia ebenfalls lachend und breit grinsend den Bericht. „Keine Ahnung, was der gerade gemacht hat. Grashalme oder Wolken zählen vermutlich. Aber mit Angelina hat er definitiv nicht gerechnet. Zumindest nicht so schnell."

„Na, das nenne ich mal treffen nach Gryffindorart. Und das mit einem drittklassigen Besen. Wie überaus peinlich für die Schlangen.", spottete Katie und drehte sich zu Oliver um, der ihnen beide Daumen hinhielt und sich kaum daran hindern konnte, seine Position zu verlassen und alle seine Jägerinnen einzeln zu umarmen.

„Brillant gemacht, Mädels!", brüllte er ihnen zu. „Noch ein paar von diesem Kaliber und wir haben die Schlangen wieder eingeholt."

„Yes, Sir!", gab Katie lautstark zurück und salutierte grinsend. „Wird gemacht, Sir!"

„Also ich bin mir gerade nicht so ganz sicher, was wir da überhaupt gesehen haben.", konnte man jetzt Lee's leicht verwirrte Stimme wieder im Stadion hören. „Wenn ich das jetzt richtig sehe, dann hat Bell ihren Absturz nur fingiert. Woher sie so sicher war, dass Pucey sie auffangen würde, weiß ich nicht, denn ich persönlich hätte ihm soviel Anstand nicht zugetraut. Aber scheinbar haben sie, Wood und die anderen beiden Mädels auf die richtigen Karten gesetzt. Wie auch immer. Gryffindor hat zumindest den Abstand verkürzt und es steht nur noch 60:120 aus Löwensicht."

Aufmunternder Applaus und laute Sprechchöre zugunsten der Gryffindors brandeten nach dieser Ansage durch das Stadion, als sich alle Spieler wieder auf Position begaben. Katie konnte es nicht lassen, Adrian einen spöttisch-herausfordernden Blick zuzuwerfen, doch dieser antwortete nur mit einem Kopfschütteln.

„Das war nicht fair, Bell.", rief er ihr zu.

„Wer hat behauptet, dass ich fair wäre?", gab sie zurück.

„Du bist eine Gryffindor. Ihr lebt und atmet Fairness. Oder hat sich da ohne mein Wissen etwas geändert?"

„Das ist alles dein unwiderstehlicher Einfluss auf mich, Pucey.", rief sie ihm zu. „Langsam aber sicher nehme ich einige der typischen Eigenschaften an, die dich ja scheinbar zu einem echten, mordsgefährlichen Slytherin machen, der sich gerne an unschuldigen, kleinen Mädchen vergreift."

Johlender, spöttischer Jubel brach daraufhin auf der Tribüne unter ihnen aus, sodass Adrians Antwort darin unterging. Katie zuckte lediglich bedauernd mit den Schultern, um ihm zu signalisieren, dass sie kein Wort verstanden hatte, und stürzte sich gleich darauf wieder auf den Quaffle, als Madame Hooch ihn wieder frei gab. Das Spiel ging schnell und hart weiter, und Adrian machte mehr als deutlich, dass er nicht nochmal auf eine Finte von Katie reinfallen würde. Mehrfach schob er sie vom Kurs ab, erreichte einmal, dass eine ganze Tribüne voller Ravenclaws die Köpfe einzog, als er Katie im Tiefflug darüber abdrängte, und schoss knapp 10 Minuten nach seiner unnötigen Rettungsaktion noch einmal den Quaffle durch einen der Gryffindorringe. Doch auch die Gryffindors hatten langsam aber sicher den Dreh raus, wie sie die Slytherins auf ihren unterlegenen Besen ausspielen konnten. Und so stand es schließlich 210:120 für Slytherin, als die Sucher sich schließlich urplötzlich in die Tiefe stürzten und im Eiltempo dem Schnatz nachjagten.

„Und die Sucher haben den Schnatz entdeckt. Schulter an Schulter jagen die Zwei in die Tiefe und zumindest hier können die Löwen das Tempo mithalten, denn Potter fliegt nicht umsonst auf dem derzeit besten Besen, den es im Moment zu kaufen gibt. Dieser zieht auch langsam aber sicher ein wenig an seinem grünsilbernen Kontrahenten vorbei. Der Schnatz fliegt direkt über der Slytherintribüne, schlägt einen Haken und ... fliegt Potter direkt in die offene Hand. Na, wenn das mal kein Glück ist. Aus und vorbei in diesem Spiel. Gryffindor gewinnt mit 270:210 gegen Slytherin und holt so zum ersten Mal seit Jahren wieder den Pokal aus dem Keller heraus, um ihm in ihrem Turm mal wieder die Sonne zu zeigen. Glückwunsch an Gryffindor und Pech gehabt, Slytherin. Jetzt wisst ihr auch mal, wie man sich als Verlierer im Finale fühlt. Danke für's zuhören und mitfiebern, liebe Hogwartianer. Ich verabschiede mich jetzt in Richtung rotgoldene Masse und hoffe, dass irgendjemand gleich einen anständigen Schluck Feuerwhiskey für mich aufgetrieben hat, denn den brauche ich jetzt wirklich."

„JORDAN!"

Was Professor McGonagall sonst noch zu sagen hatte, ging im dröhnenden Gelächter unter, und als Katie zur Lehrertribüne hinüber sah, konnte sie gerade noch sehen, wie Lee sich die Treppe hinab verdrückte, um sich, ohne Zweifel, in die rotgoldene Masse zu stürzen, die gerade auf das Feld geströmt kam, um ihre Spieler zu feiern. Kurze Zeit später landeten die sieben Gryffindorspieler in einer einzigen, riesigen, roten Stoffwolke und wurde gleich darauf wieder auf verschiedene Schultern gehievt und in Richtung Pokal getragen, mit dem Dumbledore soeben auf den Platz kam.

Es dauerte eine ganze Weile, bis sich die erste Begeisterung gelegt hatte, und sich die Spieler in Rotgold im Eiltempo in Richtung Kabine zurückziehen konnten, um sich für die definitiv rauschende Siegesfeier im Gryffindorturm umzuziehen. Auf dem Weg dahin fiel Katie im Gang noch George und Harry um den Hals, die sie im Stadion noch nicht umarmen konnte, weil diese einfach immer irgendwie außerhalb ihrer Reichweite gewesen waren. Beide erwiderten die Umarmung und fielen dann mit ihr zusammen in den Gryffindor-Schlachtruf ein, den Fred und Alicia gerade anstimmten. Katie wollte gerade hinter den beiden her in die Kabine verschwinden, als sie von jemandem von hinten hochgehoben und herum gewirbelt wurde.

„Aaaaahhhhh!", schrie sie auf und zappelte lachend mit den Beinen. „Was soll das? Laß mich runter!"

„Wieso?", fragte Oliver, lachte und ließ sie dann doch wieder runter. „Ich kann halt nicht widerstehen, wenn du so ausgelassen kreischt."

„Idiot!", knurrte sie, und gab ihm einen Hieb gegen die Schulter. Doch an ihrem glücklichen Grinsen konnte man deutlich erkennen, dass ihr heute nichts so schnell die gute Laune verderben konnte. „Wir haben es gepackt. Wir haben diesen VERFLUCHTEN POTT!", brüllte sie lauthals und fiel Oliver dann spontan um den Hals.

Dieser drehte sich noch einmal mit ihr zusammen herum, stieß einen lauten Schrei aus, der all die Anspannung heraus ließ, unter die er in den letzten Jahren als Gryffindorkapitän gestanden hatte und gab ihr schließlich einen schmatzenden Kuß auf die Lippen. Beide merkten erst mit einiger Verzögerung, was da gerade passiert war, doch Oliver reagierte ein paar Sekundenbruchteile früher als Katie. Bevor diese etwas sagen oder gar protestieren konnte, hatte er sie schon wieder zu einem weiteren Kuß zu sich heran gezogen und vertiefte ihn sofort zu einem dermaßen intensiven Kuß, dass Katie kurz der Atem stockte und sie sich kurz darauf versteifte. Sie spürte deutlich, dass nicht nur die Siegesfreude in diesem Kuß lag, sondern noch eine ganze Menge mehr, und sie hatte keine Ahnung, wie sie darauf reagieren sollte. Dies war genau der Kuß, den sie sich seit Monaten von Oliver erhofft, aber nie bekommen hatte. Und ausgerechnet jetzt, wo sie eigentlich schon mit ihm abgeschlossen hatte, wo sie mit Adrian zusammen war – glücklich zusammen war -, ausgerechnet jetzt bekam sie genau diesen Kuß. Und sie konnte sich nicht helfen. Auch wenn sie spürte, dass sie wieder mal zur falschen Zeit vom falschen Jungen geküsst wurde, reagierte sie unweigerlich auf diesen Kuß.

Wie von selbst schlangen sich ihre Arme schließlich um Olivers Nacken und bevor sie sich dessen überhaupt bewußt war, erwiderte sie diesen Kuß schließlich. Wenn auch nur langsam und zögerlich. Oliver schien nur darauf gewartet zu haben, denn er zog sie noch enger an sich und küßte sie schließlich mit einer Leidenschaft, die ihr bei ihm völlig unbekannt war. Als er sich schließlich schwer atmend von ihr trennte und ihr tief in die Augen sah, schnappte sie hörbar nach Luft. Sein Blick jagte ihr einen heftigen Schauer über den Rücken und sorgte schließlich dafür, dass sie den Blick abwenden mußte, weil sie ihm einfach nicht mehr standhalten konnte. Sie verspannte sich wieder leicht und wandte sich schließlich umständlich aus seiner Umarmung.

„Laß mich bitte los, Oliver.", bat sie ihn leise, ohne ihn anzusehen. Oliver gab sie nur zögerlich frei und umfasste sanft ihr Kinn, um sie dazu zu bringen, ihn wieder anzusehen.

„Ich weiß, dass ich Fehler gemacht habe, Katie.", meinte er leise und sah ihr wieder tief in die Augen. „Das ist mir in den letzten zwei Tagen deutlich klar geworden. Und du kannst mir eins glauben. Ich bereue nichts mehr als das. Bitte, gib mir noch eine Chance. Gib uns noch eine Chance. Du kannst doch nicht ernsthaft gleich alles wegwerfen, was wir gehabt haben, nur weil ich mal eine Zeit lang ein Idiot war. Bitte."

„Ich ..."

Katie sah ihn an, sah seinen hoffnungsvollen Blick und schloss schließlich die Augen, weil sie es nicht ertragen konnte. Weil es sich einfach nicht richtig anfühlte. Weil sie nicht wirklich an ihn gedacht hatte, als er sie geküsst hat.„Aber auch nicht an mich.", hörte sie Adrians Stimme genau die Worte sagen, die er vor Wochen in der Bibliothek zu ihr gesagt hatte. Ein gequälter Laut entfuhr ihr, der irgendwo zwischen Stöhnen und Wimmern lag, und sie riss sich schließlich heftig von Oliver los.

„Ich kann nicht, Oliver.", stieß sie schließlich gepresst hervor und warf ihm einen kurzen verwirrten Blick zu. „Ich kann nicht.", wiederholte sie flüsternd und stürzte im nächsten Moment durch die Tür der Gryffindorkabine, um soviel Abstand wie möglich zwischen sich und Oliver zu bringen.


Die Party im Gryffindorturm wurde zu einem so gigantischen Ereignis, dass noch Jahre später davon berichtet wurde. Lautstark dröhnten die gängigen Schlachtrufe und Vereinslieder der Profiteams durch das alte Grammophon, dass irgendjemand irgendwo aufgetrieben und in Gang gesetzt hatte. Es gab Kürbissaft und Butterbier in rauen Mengen und die Hauselfen hatten scheinbar schon seit Tagen nichts anderes getan, als für ein gewaltiges Kuchen- und Tortenbuffet zu backen, dass dem Siegerhaus zur Verfügung gestellt wurde. Zu allem Überfluß hatte sich Oliver heute über sämtliche Befehlshierarchien hinweg gesetzt und hatte ohne Dumbledore, Professor McGonagall oder Percy zu fragen, die fette Dame angewiesen, heute jeden in den Gryffindorturm zu lassen, solange er keine Slytherinfarben trug oder über 20 war. Die fette Dame hatte ohne lange zu zögern zugesagt – sie schien Olivers momentane Herrschaft ohne Probleme anzuerkennen, auch wenn Percy noch so tobte und von Schulregeln und Passwörtern redete - und so tummelten sich bald nicht nur Gryffindors jeden Alters in ihrem eigenen Gemeinschaftsraum, sondern nach und nach auch eine immer größer werdende Anzahl von Ravenclaws und Hufflepuffs. Letztere brachten ihrerseits alles mit, was sich zum feiern lohnte und so setzte an diesem Tag eine ganz neue Art von Völkerverständigung ein, die vorher in diesem Ausmaß kaum möglich war.

„Wer hätte gedacht, dass die Hufflepuffs so gute Verbindungen zur Küche haben.", rief Lee Angelina über die laute Musik zu, zu der sie gerade wie verrückt tanzten, so als hätte Angelina kein knallhartes Quidditchspiel in den Knochen.

Angelina lachte, doch es war George, der scheinbar aus dem Nichts auftauchte und antwortete.

„Irgendeinen Vorteil muß es schließlich haben, wenn man da unten direkt neben den Hauselfen wohnt." Er grinste breit und verteilte einen gewaltigen Muffinberg, den er aus seiner Robentasche zog. „Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich glaube, einige der Puffles sind sogar Hauselfen."

Brüllendes Gelächter war von den Umstehenden zu hören, und auch Katie und Fred, die nicht weit entfernt eine heiße Sohle auf's Parkett legten, fielen in dieses Gelächter mit ein.

„Ich habe beim besten Willen keine Ahnung, wie ihr Zwei immer auf so einen völligen Blödsinn kommt, aber ich lache gerne darüber.", meinte Katie und grinste Fred gut gelaunt an.

Dieser grinste zurück, wirbelte sie beide einmal herum und zog Katie dann so nah an sich heran, dass diese erschrocken aufquiekte.

„So ein großer Blödsinn ist das gar nicht.", meinte er und ein Funkeln trat in seine Augen. „Mir waren diese merkwürdig spitzen Ohren von Diggory noch nie so ganz geheuer ... Au!"

Verwirrt sah er sich um, als ihm jemand nicht sonderlich sanft auf den Hinterkopf schlug. Katie brach jedoch in übermütiges Gelächter aus und biß sich gleich darauf heftig auf die Unterlippe, um sich zu beruhigen. Doch so ganz gelang es ihr nicht.

„Du solltest aufpassen, was du sagst, wenn du nicht so genau weißt, wer gerade hinter dir steht.", prustete sie schließlich drauf los und brach auf Freds leicht irritierten Blick schließlich in so heftiges Gelächter aus, dass George sie gerade noch auffangen konnte, bevor sie lachend zu Boden gesackt wäre.

„Jetzt sag mir nicht, Diggory stand direkt hinter mir.", meinte er und zuckte im nächsten Moment schon wieder mit den Schultern. „Andererseits, was kümmert mich das?"

„Einen Moment lang hattest du mich in Panik, Bruderherz.", rief George ihm zu und legte kameradschaftlich den Arm um Katie. „Ich hatte schon Angst, die Schlangen hätten dich einmal zu oft mit einem Klatscher erwischt und du würdest plötzlich sowas wie ein Gewissen besitzen."

„Nah", wehrte Fred mit einer abwehrenden Handbewegung ab. „Niemals. Keine Sorge."

„Na, das beruhigt mich aber.", spottete Katie und stellte sich dann auf die Zehenspitzen und reckte den Hals, um sich umzusehen. „Sagt mal, kann mir einer von euch sagen, wo die restlichen 3/7 von unserem Team sind? Ich meine, nichts gegen Lee als Ersatz, aber irgendwie kann der nun auch keine 3 Leute auf einmal ersetzen."

„Hast du eine Ahnung, was ich alles kann.", gab Lee grinsend zurück und wackelte so auffällig anzüglich mit den Augenbrauen, dass er sich einen empörten Boxhieb von Angelina und Katie gleichzeitig einfing, was für deutliche Belustigung bei Fred und George sorgte.

„Harry habe ich vor einer Weile mal da drüben gesehen.", meinte Angelina jetzt und zeigte in Richtung Kamin hinüber. Katie folgte der angegebenen Richtung, konnte aber in der dicht gedrängten Masse keinen wirren Strubbelkopf ausmachen. Dafür entdeckten sie allerdings Alicia, die sie kurz darauf heftig zu sich und den Rest der Gruppe heran winkten. Alicia sah sie, sagte kurz was zu einem der neben ihr stehenden Ravenclaws und drängte sich schließlich zu ihren Teamkameraden durch.

„Die Ravenclaws spinnen völlig.", rief sie ihnen zu, grinste dabei jedoch so breit, dass alle sofort ahnten, dass die Ravenclaws scheinbar nicht im negativen Sinne zu spinnen schienen. „Ratet mal, wo unser Käpt'n gerade steckt.", forderte sie ihre Teamkameraden jetzt auf und wippte so ungeduldig auf den Fußballen rum, dass alle wußten, dass sie sowieso nicht lange zu raten brauchten, um eine Antwort zu erhalten.

„Spuck's schon aus.", forderte Lee sie schließlich auf. „Du platzt doch sonst."

„Spielverderber.", brummelte sie, platzte jedoch gleich darauf mit der Antwort heraus. „Dean Morgans Eltern sind die Besitzer von Burtons bester Blubberbrause und genau das ist der Grund, warum die Ravenclaws einen gewaltigen Vorrat an Original Burton Gold-Champagner in ihrem Kapitänsbüro versteckt haben. Oliver ist gerade mit Roger, Dean und Harry hin, um genug von dem Zeug hier rauf zu schmuggeln, damit wir unseren verfluchten Pott sinnvoll befüllen und auf unseren Sieg trinken können."

„Ist nicht dein Ernst?", stieß Katie im selben Moment hervor, als Fred und George sich abklatschten. Irritiert sah sie die beiden an und erntete zwei identische triumphierende Grinser.

„Was?", fragte Fred sie. „Das zeigt nur, dass es grundsätzlich die Treiber sind, die für den flüssigen Teil von Siegerpartys sorgen."

„Ja, aber bei euch ist es lausiges Butterbier, während es bei den Ravenclaws echter Gold-Champagner ist.", gab Angelina zurück. „Du mußt zugeben, das ist schon ein ganz anderes Kaliber."

„Kleinigkeit, wenn Daddy die Firma gehört.", meinte George und winkte gelassen ab. „Ich dagegen könnte dich ohne große Probleme spontan mit 93 verschiedenen Steckern versorgen, wenn du darauf bestehst, Angelina-Darling."

Angelina sah ihn so verdutzt an, dass George seine gelassene Fassade nicht lange aufrecht halten konnte und breit grinste.

„Idiot!", knurrte Angelina, fiel aber in das Grinsen mit ein. „Wer hätte gedacht, dass es ausgerechnet diese streberhaften Ravenclaws so faustdicke hinter den Ohren haben?"

„Keiner.", antwortete Fred. „Aber dadurch haben sie immerhin eine Daseinsberechtigung bei unserer Party. Immerhin haben wir denen ja scheinbar den Siegeschampagner zu verdanken."

„Oh, du kannst mir eins glauben, Fred Weasley. Ihr habt uns und den Puffles sehr viel mehr zu verdanken, als nur den Siegeschampagner.", mischte sich Cho in diesem Moment in das Gespräch ein, während sie Katie übermütig zuzwinkerte.

„Was?"

Fred sah Cho fragend an, doch diese schwieg und ließ sich wieder von einem der Hufflepuffjäger in die tanzende Menge ziehen. Stattdessen lachte Katie jetzt unterdrückt auf und erntete fragende Blicke.

„Was?", wiederholte Fred nochmal. „Weißt du etwa, was sie damit sagen wollte?"

„Ja" Katie nickte und grinste breit, schüttelte jedoch vehement den Kopf, als alle neugierig auf eine Antwort warteten. „Vergesst es. Das soll euch euer Kapitän mal schön selber beichten. Ich habe keine Lust, den Blitzableiter für ihn zu spielen und das Donnerwetter abzubekommen, wenn er mit der Wahrheit rausrückt."

„Welche Wahrheit?", bohrte Alicia trotzdem nochmal nach.

„Über unsere Trainingszeiten. Und das ist alles, was ihr von mir erfahrt.", gab Katie noch Auskunft und schloss sich dann mit einem imaginären Schlüssel den Mund ab, bevor sie ihn sich über die Schulter war und nochmal in die Runde grinste.

Im Nachhinein war sie sich nicht sicher, ob sie nicht doch etwas gesagt hätte, wenn die anderen noch ein wenig nachgebohrt hätten, aber in diese Zwickmühle kam sie zum Glück nicht. Denn schon kurz darauf kamen Oliver, Harry, Roger und Dean wieder in den Gemeinschaftsraum, hielten alle breit grinsend mehrere Flaschen Gold-Champagner in die Höhe und wurden mit johlendem Applaus bedacht.

„Wo ist mein Team?", brüllte Oliver in die Menge, bevor er die Flaschen einem der Umstehenden in die Hand drückte und sich den riesigen silbernen Quidditchpokal vom Kaminsims angelte, wo dieser an diesem Abend einen Ehrenplatz bekommen hatte. „Es wird Zeit, dass wir anständig auf unseren Sieg anstoßen."

Zustimmendes Johlen war zu hören, während wieder mal laute Gryffindor-Sprechchöre zu hören waren. Katie und der Rest des Teams fand sich wieder mal auf den Schultern ihrer Mitschüler wieder, bevor sie überhaupt wußten, wie ihnen geschah, und auch Lee wurde ohne langes Palaver nach vorne durchgereicht.

„Hey", rief dieser verdutzt aus. „Ihr habt den Falschen. Ich gehöre nicht zum Team."

„Und wie du dazu gehörst.", brüllte jemand aus der Menge. „Ohne dich wären die Spiele nur halb so amüsant."

„Also, wo er recht hat, hat er recht.", meinte Angelina und schubste ihn grinsend mit der Hüfte an, als Lee direkt neben ihr wieder auf auf die Füße gestellt wurde. „Ohne dich wüßten wir nämlich zum Beispiel nie, wenn sich Flint mal wieder völlig sinnlos darüber aufregt, dass seine Leute es nicht schaffen, uns von unseren drittklassigen Besen zu kicken."

Gelächter und Gejohle war die Antwort darauf, und dann knallten die ersten Sektkorken. Kurz darauf knallten die nächsten und knappe fünf Minuten später sprudelte es golden im silbernen Quidditchpokal.

„Auf das verdammt nochmal beste Team dieser Schule!", rief Oliver aus, stemmte den Pokal in die Höhe und grinste, als einige lachende Buh-Rufe und amüsierte Pfiffe zu hören waren. „Und auf die Ravenclaws und Hufflepuffs, die uns geholfen haben, die Schlangen zurück in ihre Kerkerlöcher zu treiben."

„Gerade nochmal gerettet.", konnte Katie Roger irgendwo in ihrer Nähe lachend sagen hören. „AUF GRYFFINDOR!", brüllte der Ravenclawkapitän dann jedoch in die Menge und Katie lief eine leichte Gänsehaut über den Rücken, als die gewaltige Menge im Gemeinschaftsraum diesen Trinkspruch wiederholte.

Oliver war der erste, der einen Schluck aus dem Pokal trank und dem daraufhin die für den Original Burton Gold-Champagner üblichen schillernden goldenen Blasen aus den Ohren stiegen. Breit grinsend reichte er den Pokal an Katie weiter und zwinkerte ihr zu. Katie grinste zurück, trank einen tiefen Schluck, auch wenn sie keine Ahnung hatte, wie der Gold-Champagner schmeckte, da sie ihn noch nie vorher getrunken hatte, und spürte kurz darauf, wie auch ihr Blasen in allen Größen aus den Ohren stiegen. Sie reichte ebenfalls den Pokal weiter, der daraufhin auf eine lange Reise durch den Gemeinschaftsraum ging. Und es dauerte nicht lange, bis es im Gemeinschaftsraum der Gryffindors vor golden schillernden Champagnerblasen nur so wimmelte.

„Ist doch klar, dass der Pott uns gehört.", meinte Oliver irgendwann neben Katie und zog sie mit sich Richtung Tanzfläche. „Ich meine, immerhin gibt es definitiv keinen Silber-Champagner, den die Schlangen daraus trinken könnten."

Katie lachte und ließ sich ein Stück weit mitziehen. Als jedoch gerade in dem Moment ein etwas langsameres Lied anfing, als sie die Tanzfläche erreichten, blieb sie mit einem mulmigen Gefühl im Magen stehen. Unsicher fuhr ihre Hand in ihre Hosentasche, wo sie schon den ganzen Tag die Kette mit sich herum trug, die Adrian ihr zum Geburtstag geschenkt hatte. Umgehabt hatte sie sie heute nicht, um ihm deutlich zu zeigen, dass sie heute im Stadion definitiv nicht seine Freundin sein würde. Adrian hatte dies sehr wohl bemerkt, denn sein Blick war bei der Aufstellung vor dem Spiel deutlich spöttisch zu der Stelle hinüber gewandert, wo sonst das silberne Schlangenherz hing. Allerdings hatte er keine Ahnung gehabt, dass sie die Kette dennoch bei sich in der Quidditchrobe trug. Genau wie jetzt, wo sie sie in ihrer Hosentasche spürte. Und auch wenn sie es sich selber nicht erklären konnte, so hatte sie das verdammt ungute Gefühl, dass sie heute nur zum Teil einen Sieg und zu einem unbestimmten Teil einen ziemlichen Rückschlag erlitten hatte. Sie konnte nur nicht ganz in Worte fassen, woher dieses Gefühl kam.

„Oliver, nein.", meinte sie deshalb jetzt und schüttelte den Kopf. „Ich tanze mit dir, aber nicht nach so einem Lied. Frag mich nochmal, wenn die wieder was schnelleres spielen. Dann bin ich dabei. Aber nicht so."

Oliver sah sie entgeistert an.

„Das ist doch jetzt nicht dein Ernst, Katie.", meinte er ungläubig. „Nach dem was da heute Nachmittag vor unserer Kabine gewesen ist, willst du mir allen Ernstes erzählen, dass ein Tanz zu solcher Musik ein Fehler wäre?"

„Genau das.", bestätigte sie und ging mit leicht unsicherem Lächeln einige Schritte zurück, was jetzt auch für leichtes Stirnrunzeln bei den in der Nähe tanzenden Schülern sorgte. „Alles was da heute im Stadion passiert ist, war in der ersten Siegeseuphorie. Und es war definitiv nicht das, was ich wollte. Ich habe mich entschieden, Oliver." Sie flüsterte den letzten Satz fast und zog langsam die Kette aus ihrer Hosentasche, um sie sich wieder umzuhängen. „Und diese Entscheidung ist nunmal gegen dich ausgefallen. Akzeptiere das endlich. Es ist vorbei. Definitiv."

„Ich glaube das einfach nicht.", meinte Oliver und fuhr sich resigniert seufzend mit der Hand durch die Haare, während er den Kettenanhänger um ihren Hals fast mit Blicken in Brand setzte, um ihn nicht mehr sehen zu müssen. „Du kannst doch nicht immer noch glauben, dass dieser Scheißkerl es tatsächlich ernst mit dir meint."

„Er hat mich im Stadion aufgefangen, als ich abgestürzt bin. Vergiss das nicht."

„Das war eine Finte, Katie. Das war alles so geplant. Du bist nie wirklich abgestürzt. Du kannst dich ihm doch nicht aus lauter Dankbarkeit für etwas, was nie so gewesen ist, wie es aussah, um den Hals fallen.", stieß Oliver hervor.

Inzwischen war doch leichte Verärgerung in seine Stimme getreten und sorgte dafür, dass sich noch mehr ausgelassen Feiernde fragend zu ihnen umdrehten. Aber auch Katie wurde jetzt leicht sauer und warf ihm einen giftigen Blick zu.

„Finte oder nicht, er hat es nicht gewußt.", gab sie zurück. „Aber selbst wenn es Adrian nicht geben würde, wäre es mit uns vorbei. Kapier das endlich. Es hat nie wirklich funktioniert und wir sollten wenigstens versuchen, mit Anstand und Würde Freunde zu bleiben, statt uns irgendwann ganz zu zerfleischen."

„Verdrehe hier nicht die Tatsachen.", warnte er sie und trat näher auf sie zu. „Du bist diejenige von uns beiden, die der Meinung war, dass es anscheinend grundsätzlich nicht funktioniert hat. Ich habe lediglich einige Fehler gesehen, die ich gemacht habe, aber an denen ich arbeiten kann, um unsere Beziehung wieder vernünftig zum laufen zu bringen. Alles was ich von dir erwarte, ist eine Chance, Katie. Soviel Fairness solltest du beweisen, wenn du wirklich eine Gryffindor bist."

Eine Weile war es still um sie herum. Die Musik hatte inzwischen aufgehört zu spielen, aber weder Katie noch Oliver bemerkten es. Beide sahen sich durchdringend an, und es war schließlich zur großen Verwunderung aller Oliver der sich frustrierend schnaubend abwandte und resigniert den Kopf schüttelte.

„Ich bin eine Gryffindor.", meinte Katie schließlich leise. „Wenn ich das heute Nachmittag da draußen im Stadion nicht bewiesen habe, weiß ich nicht, wie ich es sonst tun sollte. Trotzdem hat meine Hauszugehörigkeit nichts damit zu tun, mit wem ich zusammen sein will. Und so leid es mir auch für dich tut, das bist nunmal nicht du, Oliver."

Katie konnte sehen, wie Oliver kurz humorlos auflachte und sich dann wieder zu ihr umdrehte, um sie jetzt mit ziemlich ausdrucksloser Miene anzusehen.

„Erwarte nicht, dass ich da bin und dich tröste, wenn dir endlich die Augen aufgehen und du merkst, dass er nicht halb so ein netter Kerl ist, wie er jetzt in deinen Augen zu sein scheint.", meinte er leise. „Die Scherben wirst du dann alleine aufsammeln müssen. Ich werde dir nicht helfen. Das kannst du nicht wirklich von mir erwarten, egal was da mal zwischen uns war. Und zumindest von meiner Seite aus immer noch ist."

Wortlos wandte er sich daraufhin um und stieg die Treppe in Richtung Jungsschlafsäle hinauf. Katie schloss tief durchatmend die Augen und versuchte krampfhaft, nicht an die unzähligen Augenpaare zu denken, die sich unzweifelhaft gerade auf sie richteten. Völlig unbewußt hob sie eine Hand an und umfasste den Anhänger ihrer Kette. Erst als sie die Augen wieder öffnete und sich völlig unerwartet Auge in Auge mit Lee wiederfand, war sie sich dieser Geste bewußt. Kopfschüttelnd ließ sie die Hand sinken und wandte sich nach einigen endlosen Sekunden schließlich von ihm ab, um auf die Treppe zum Mädchenschlafsaal zu zu gehen. Die eigentlich dicht gedrängten Schüler ließen sie kommentarlos durch, doch sie ahnte, dass Lee sie nicht einfach so gehen lassen würde. Dazu hatte er sich in den letzten Wochen schon viel zu oft in ihr Liebesleben eingemischt. Doch dieses Mal kam nichts, was sie schließlich so irritierte, dass sie sich mit einem leicht verwirrten Blick umwandte und Lee fragend ansah.

„Erwarte nicht, dass ich mich immer noch um dein Seelenheil bemühe, Katie.", meinte Lee schließlich. „Ich habe wirklich versucht, dir Verstand einzureden, als Oliver immer noch nicht bemerkt hat, dass du ihn verarscht. Aber er hat gerade klar und deutlich gesagt, wie er zu der Sache steht, also werde ich mich nicht weiter einmischen. Ihm zuliebe. Nicht dir zuliebe. Und schon gar nicht Pucey zuliebe. Das garantiere ich dir."

Seufzend drehte Katie sich schließlich wieder um und ging die Treppe weiter hoch.

„Ich habe ihn nie verarscht, Lee.", meinte sie jedoch noch, kurz bevor sie um die erste Biegung verschwand. „Ich mag ihm anfangs was vorgespielt haben, aber es war nur zu seinem eigenen Besten. Es ist nicht meine Schuld, wenn er zu spät merkt, was vor sich geht und die Chance verpaßt, noch etwas zu seinen Gunsten zu ändern. Das ist ganz alleine seine Schuld und das braucht er mir jetzt nicht vorzuwerfen."

Sie konnte hören, wie Lee verärgert schnaubte, und schüttelte resigniert den Kopf, als sie weiter die Treppe hinauf stieg. Als sie die Tür zu ihre Schlafsaal schließlich erreicht hatte, setzte unten die Musik wieder ein und nur knappe zwei Minuten später herrschte im Gemeinschaftsraum schon wieder ausgelassene Partystimmung. Katie stand der Sinn jedoch nicht mehr nach feiern. Und selbst wenn, bezweifelte sie stark, dass sie dort unten gerade ein gern gesehener Gast war. Sie mochte bis vor einer Viertelstunde noch eine von sieben Gryffindorhelden des heutigen Tages gewesen sein, aber spätestens nach der Aktion gerade, als sie sich wieder mal öffentlich gegen einen der großen Helden des Löwenhauses gestellt und sich für einen der Erzrivalen entschieden hatte, hatte sie sich diesen Heldenstatus wieder verspielt.

Sieg und Niederlage wechselten sich für sie heute in unregelmäßigen Intervallen ab. Und immer noch hatte sie ein wirklich ungutes Gefühl im Magen, dass sie sich nicht so ganz erklären konnte.

„Ich hoffe wirklich, dass ich mir das nur einbilde.", murmelte sie leise vor sich hin, als sie abwesend an das Dach ihres Himmelbetts starrte. Ihre Hand hob sich wieder einmal an den Anhänger ihrer Kette, doch diesmal war es eine bewußte Entscheidung. „Bitte, laß mich diese Entscheidung nicht bereuen, Adrian. Bitte, steh zu mir. Auch nach diesem ganzen Quidditchwahnsinn. Laß sie nicht recht damit haben, dass du mich nur benutzt hast, um diesen Pott zu gewinnen."


A/N: Man sollte doch meinen, dass nach dem letzten Kapitel alles in bester Ordnung gewesen wäre, aber Pustekuchen. So schnell lasse ich die alle nicht vom Haken. Das wäre ja nur halb so lustig.

OK, zwei Kapitel kommen noch. Was haltet ihr von diesem hier?