8. Ich will ihn… ich will ich nicht…
Es ist tatsächlich erstaunlich was so alles in nur 14 Tagen passieren kann. Mal davon abgesehen, dass jetzt wieder alle gesund waren und einpaar von ihnen die letzten Reste eines Schnupfen bekämpften, war fast schon wieder Normalität in dem Hause Greysmith eingekehrt. Sofern man es als „normal" bezeichnen konnte, wenn Harry schon langsam echte Schlafprobleme hatte.
Warum, fragt ihr euch? Ganz einfach. Es begann damit, dass alle krank wurden und Ginny Harry vorwarnte, dass man nicht neben Ron schlafen kann, wenn dieser Fieber hatte. Und warum das nicht möglich war? Naja, nach nur einer Nacht, hatte Harry Blaueflecken und wachte am eiskalten Boden wieder auf, während Ron das gesamte Doppelbett für sich eingenommen hatte. Deswegen zog Harry wieder zu Draco ins Zimmer und dieser war schließlich bekannt dafür, dass er jedes Mal, wenn er schlief, auf Körperkontakt ging.
Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass Harry sich an seinen schlanken, warmen Körper und angenehmen Geruch gewöhnt hatte. Jetzt, wo er wieder mit Ron in einem Zimmer schlief, vermisste er Dracos nähe so sehr, dass er Stunden brauchte, um endlich einmal einzuschlafen. Ihm entging allerdings nicht, dass der Blonde auch nicht gerade fiter aussah, somal er seit kurzem auch schon dunkle Schatten unter den Augen hatte, die er eigentlich während der Grippe losgeworden war.
Scheinbar stand Harry mit seiner heimlichen Sehnsucht nicht alleine da. Entweder das, oder es war einfach nur purer Zufall. Jedenfalls saßen sie wie üblich im Wohnzimmer, während Melanie mal wieder die Schulbank drückte. Blaise, Ginny und Hermione haben sich schon überlegt, ob sie nicht irgendwelche Gelegenheitsjobs annehmen sollten, da sie sich tödlich langweilten. Harry fand diese Idee gar nicht so schlecht, während Ron und Pansy sich fragten, was das überhaupt für einen Sinn hätte. Draco hingegen sagte gar nichts, sondern las „Harry Potter und der Orden des Phönix".
Auch wenn er nicht mehr den Anschein erweckte, als wollte er ganz dringend den sechsten Band in die Hände bekommen, hatte er sich entschieden einfach weiter zu lesen. So saß er nun quer auf dem Futon, während Harry ihn über den Rand der Tageszeitung beobachtete. Erneut blätterte der Blonde um, dann griff er blind nach einer Soletti, von denen er gleich eine ganze Packung am Schoß liegen hatte und schob sich diese in den Mund. Im Radio spielte es „Tears in heaven", was allgemein zu einer entspannten Stimmung betrug.
Harry merkte, dass es Draco zunehmend schwer fiel dem Text zu folgen, da er mehrfach blinzeln musste und schon seit 10 Minuten noch immer am Anfang einer Seite zu hängen schien. Was Harry auch sah, war, dass Dracos Atmung langsamer und scheinbar auch tiefer geworden war und das war bei ihm sonst nur der Fall, wenn er am Einschlafen war. Und seine Augen waren leicht gerötet und geschwollen.
Ob er überhaupt in dieser Nacht geschlafen hatte?
Harry erinnerte sich nur zu gut daran, wie Draco vor über einer Woche noch gemeint hatte, dass ihr gemeinsamer Kuss nur Blödsinn gewesen wäre, und dass er den Kuss nur erwidert hätte, weil er halb im Delirium war, was nicht stimmte. Und als Harry, der so getan hatte, als würde noch immer schlafen, ihn dann von hinten umarmt und an sich gezogen hatte, schien ihn das auch nicht wirklich zu stören. Es war je eine Genugtuung für Harry zu sehen, bzw. spüren, wie schnell sich der Blonde doch in seinen Armen entspannen konnte. Das war fast schon so, als hätte er sich dabei wohl gefühlt.
Draco rieb sich über die Augen, die jetzt immer röter wurden. Mit einem leisen Seufzen schien er zu resignieren, stellt er die Soletti und das Buch auf dem Couchtisch ab und ging gähnend die Treppe hinauf. Sieh an, sieh an. Scheinbar war er mittlerweile doch so vernünftig, dass er schlafen ging, wenn ihm die Augen beinahe zuklappten. Harry wartete einpaar Momente ab, dann ging er ebenfalls die Treppe hoch.
ooOoo
Draco stand vor dem Fenster, gähnte verhalten. Er wusste gar nicht, ob er überhaupt schlafen konnte, oder ob ihn nach einer Stunde nicht eh wieder ein Alptraum aus dem Schlummer riss. Zugegeben, er vermisste einen gewissen… Kerl. Sehr sogar, aber das würde er niemals in der Öffentlichkeit gestehen. Nie!
Auch wenn er jede Nacht wach lag und sich wünschte, dass er kommen würde, ach wenn er sich im Schatten seines Herzens wünschte, er würde ihn noch mal küssen, würde er das niemals zugeben. Er wünschte sich sogar, dass Harry jetzt auftauchte, um ihn von seinem Sehnen zu erlösen. Natürlich würde Harry nicht auftauchen. Warum sollte er auch.
Draco wollte schwer Seufzen, doch dieses blieb ihm im Halse stecken, als hinter ihm die Türe aufgerissen wurde. Er wagte es nicht, nachzusehen wer da soeben das Zimmer betrat, die Türe lautlos hinter sich schloss und schnellen Schrittes auf den Blonden zukam. Auf einmal wurde er an der Schulter umgedreht und warme Lippen legten sich auf seine. Er kam noch nicht einmal dazu sein Gegenüber entsetzt anzusehen, da dieser ihm durchs Haar strich, so dass ihm ein wohliges Seufzen entfuhr.
Eine heiße Zunge bahnte ihren Weg in seine Mundhöhle, massierte seine Zunge, entlockte ihm ein weiteres seliges Seufzen. Wie ein Ertrinkender legte er seine Arme um Harrys Schultern, drängte sich an den weichen Körper vor ihm. Dieser drückte Draco regelrecht an sich, strich ihm mit dem Daumen über die Wange. Er war so sanft und verlieh Draco dennoch das Gefühl von Geborgenheit.
Der Blonde wollte, dass dieser Kuss, der nur ein wunderschöner Traum sein konnte, niemals enden würde. Doch er endete, so abrupt, wie er begonnen hatte, dass Draco beinahe einen Laut tiefster Unzufriedenheit ausgestoßen hätte. Stattdessen wurde ihm ein Kuss auf die Stirn gehaucht und eine warme Hand fuhr in seinen Nacken, um ihn dort sanft zu kraulen.
„Du solltest schlafen.", meinte Harry mit einer ruhigen Stimme, während Draco bereits den Kopf auf seine Schulter gelegt hatte – gegen diese Krauleinheiten kann man sich auch nicht wehren – und gewillt war an Ort und Stelle einzuschlummern.
„Hn…", erwiderte er müde, damit er überhaupt eine Reaktion zeigte, spürte allerdings, dass seiner Glieder schwerer wurden.
„Soll ich mich eine Weile neben dich legen?"
Eigentlich sollte es Draco peinlich sein, dass Harry so offensichtlich seine Gedanken lesen konnte, aber im Moment war ihm alles egal. Mit einem leisen Schnaufen gab er zu verstehen, dass er nichts dagegen hätte, musste sich jedoch zurückhalten, als Harry ihn von sich löste und zum Bett schob. Nicht dass er noch unwillig murrte.
Es sollte ihm auch peinlich sein, dass Harry ihn von hinten umarmte, aber auch dass war ihm gleichgültig. Hauptsache er wollte sich an die wohlige Wärme hinter ihm kuscheln und friedlich wegdämmern.
ooOoo
Nicht einmal eine Minute, nachdem sie sich hingelegt hatten, war Draco auch eingeschlafen. Harry wollte jetzt eigentlich gehen, aber irgendwie lag er zu gut, als dass er aufstehen könnte. „Nur einen Moment noch.", sagte er sich selbst vor, glitt aber selbst in einen erholsamen Schlaf hinüber. Selber schuld, wenn er nur 1-2 Stunden in der Nacht schlief.
ooOoo
Erst gegen Abend wachte Harry wieder auf. Zuerst war er vollkommen desorientiert, somal er seine Brille nicht trug. Verschwommen nahm er etwas Großes, Blondes neben sich wahr, das den Kopf in seine Richtung drehte.
„Hier.", meinte Draco und legte etwas vor Harry auf den Polster. Seine Brille.
„Uhm… danke.", murmelte dieser und setzte diese auf. Nun erkannte er auch, dass Draco auf dem Bauch lag, vor sich den fünften Band ausgebreitet hatte und mal wieder an einer Soletti knabberte. Es war irgendwie faszinierend mit anzusehen, wie der Blonde die Soletti alleinig mit den Lippen und der Zunge weiter in den Mund zog.
„Und? Wo bist du?", fragte er mit halbherzigen Interesse und starrte auf die rosigen Lippen, die er sogleich wieder für sich einnehmen wollte.
„Du hast gerade mit Neville die Prophezeiung geholt und diese fallen lassen. Ist interessant zu wissen, wie genau mein Vater den damaligen Auftrag verbockt hat."
„Hm… meinst du?" Harry Blick wanderte über Dracos Körper. Es war wirklich eine Seltenheit ihn im Wachzustand so entspannt zu erleben. Draco griff nach einer weiteren Soletti und hielt Harry dann eine hin.
„Auch?"
„Uhm… ja.", murmelte Harry, der von der ungewohnten Freundlichkeit des Blonden überrascht war. Leise knabberte er an der kleinen Salzstange und musterte weiterhin den Jungen neben sich.
„Wenn ihr Trelawney gar nicht verstanden habt, woher wisst ihr dann von dem Inhalt der Prophezeiung?", fragte Draco weiter, als wäre diese Konversation mit dem Ex-Gryffindor etwas Alltägliches.
„Dumbledore hat sie mir später gezeigt. Er hatte noch eine Kopie davon."
„Aso.", murmelte Draco und blätterte etwas vor, um die soeben beschriebene Stelle zu lesen. „Ist ja interessant."
Aus einem unerfindlichen Grund fand Harry ihn gerade irrsinnig süß und hatte das Bedürfnis ihn in eine Umarmung zu ziehen, aber er wusste dieses zu unterbinden.
Als plötzlich die Türe aufging, bekam Harry beinahe einen Herzinfarkt. Melanie steckte ihren Kopf ins Zimmer.
„Ah, du bist auch schon wach. Jungs, es gibt essen und Draco, du isst auch was Anständiges. Du kannst dich schließlich nicht nur von Soletti ernähren.", mahnte sie.
„Ja, ja, bin gleich unten.", murmelte er und las noch die Seite zu Ende. Harry erhob sich unterdessen und folgte Mel aus dem Zimmer.
„Du kannst von mir aus wieder zu ihm rauf ins Zimmer ziehen, wenn du da besser schläfst.", bot sie auf einmal an.
„Uh… nein, das war nur Zufall, dass ich auch…", wollte er sich verteidigen, doch sie warf ihm einen durchdringenden Blick zu.
„Als ich nach Hause gekommen bin, hast du ihn gelöffelt. Glaubst du etwas, dass ich nicht merke, was da zwischen euch läuft."
„Da läuft nix."
„Ach, und warum seht ihr beide so geschafft aus, seitdem du wieder bei Ron schläfst? Das ist auch den anderen nicht entgangen und ich finde das ehrlich gesagt süß."
„Was auch immer.", nuschelte Harry mit geröteten Wangen und setzte sich zu den anderen an den Tisch, welche ihn sogleich mit ihren Blicken fixierten.
„Was?"
„Läuft zwischen Draco und dir was?", verlangte Pansy eingeschnappt zu wissen.
„Klar. Er und ich hatte gerade heißen Sex.", entgegnete Harry sarkastisch und Pansy plusterte, wie ein Kugelfisch ihre Backen auf. Just in diesem Augenblick kam Draco zur Türe hinein.
„Oh, ja, Harry hat mich geschafft. Ich glaub, ich kann die ganze nächste Woche nicht mehr sitzen.", stimmte er mit monotoner Stimme ein und setzte sich auf den freien Stuhl, ohne je von dem Buch in seinen Händen auf zu sehen. Pansy schnappte empört nach Luft, während Ginny und Hermione prustend zu lachen begannen. Kurz darauf stimmten auch Blaise, Melanie, Ron und Harry ein.
„Legst du das Buch je zur Seite?", fragte Mel den Blonden, während sie das Essen servierte. Jonas übernachtete mal wieder auswärts.
„Weißt du das nicht? Ich bin mit dem Buch verschmolzen.", gab Draco zurück, sah dabei zu Melanie hoch und schenkte ihr ein unwiderstehliches, freches Grinsen, das Harry zum ersten Mal in seinem Leben sah. Aus dem Augenwinkel bekam er mit, wie es Hermione, Ginny und Pansy den Atem verschlug.
„Oh wie schade.", meinte Mel und ging zur Theke, um die letzten Teller zu holen. „Und dabei wollte ich dir heute den sechsten Band geben. Tja, dann wirst du ihn nie-"
„Her damit!", forderte Draco und hatte umgehend den fünften Band zugeklappt.
„Später.", sagte Melanie gedehnt und nahm neben Harry Platz. „Guten Appetit."
Harry konnte schwören, dass kurz etwas Feindseeligkeit in Dracos Blick getreten war, doch dann widmete er sich seinem Nachtmahl. Mel hat wieder einmal so gut gekocht, dass er sich fast schon sicher war, sich einen Nachschlag zu nehmen.
Harry schob sich gerade eine Gabel voller Reis in den Mund und Draco trank von einem Glas Soda, als Melanie fast beiläufig fragte, „Und? Habt ihr euch wieder geküsst?"
Unisono verschluckten sie sich zuerst und verteilten dann den Inhalt ihres Mundes über den halben Tisch.
„Leute, ich wollte noch essen.", meckerte Blaise, der vorsorglich seinen Teller hochgehoben hatte.
„Danke, Draco. Ich wollte heute eh noch einmal duschen.", schnappte Pansy, die Draco direkt gegenüber saß und das ganze Mineralwasser abbekommen hatte.
Draco schaute Pansy zunächst entgeistert an, während ihr Makeup verlief, dann bogen sich seine Lippen zusehend zu einem Grinsen.
„Wage es nicht!", zischte sie bedrohlich und sprang auf.
„Ich weiß von nichts.", entgegnete er und musste sich offensichtlich zusammenreißen, um nicht prustend zu lachen zu beginnen.
„Na, Pansy. Zeigst du mal wieder dein wahres Gesicht?", schnarrte Melanie breit grinsend. Ron und Ginny begannen umgehend laut zu lachen. Harry merkte, dass Hermione versuchte neutral zu bleiben, aber bei Blaise folgenden Kommentar – „Jetzt passt dein Gesicht auch zu deinem Arsch." mit Blick auf den Hintern - konnte auch sie sich nicht mehr zusammenreißen.
Pansy schaute Blaise zornig an, wobei das verlaufene Makeup sie dabei regelrecht lächerlich aussehen ließ. Das genügte damit es auch m Harry, Draco und Melanie geschehen war. Da nun fast alle über die Situation lachten, richtete Pansy ihren Unmut auf Blaise, in dem sie auf ihn mit einem der Polster einschlug. Danach setzte sie sich beleidigt schnaubend hin und verschränkte die Arme vor der Brust.
Als es so aussah, als würde sie gleich zu weinen beginnen, legte Blaise einen Arm um sie und wisperte, „Na geh. Wir haben dich doch eh alle lieb."
Seine Worte bekräftigte er damit, indem er ihr einen Kuss auf den Schopf hauchte, während sich alle anderen wieder beruhigten. Melanie holte Pansy ein Reinigungstuch, so dass sie die schwarzen Spuren entfernen konnte. Schlussendlich aßen sie weiter.
„Also, was ist jetzt? Habt ihr euch vorhin geküsst?", harkte Melanie genau in dem Moment nach, obwohl Harry gehofft hatte, dass das Thema nun gegessen wäre.
„Also… Ähm…äh… Nein.", stammelten sie im Chor, nachdem sie einen kurzen Blick getauscht hatten. Es war offensichtlich, dass sie sich doch geküsst hatten, aber diesen Umstand wollten beide zum gegenwärtigen Zeitpunkt verdrängen.
„Und? War es gut?", fragte Melanie weiter, ehe sie sich ein Stück Fleisch in den Mund schob. Harry konnte aus dem Augenwinkel sehen, dass Draco rot wurde.
„Weißt du, dass das so klingt, als hätten sie mit einander geschlafen?", warf Ginny ein und nun wechselte auch Harry die Gesichtsfarbe.
„Stimmt, aber vielleicht haben sie ja-"
Ehe Melanie ihren Gedanken noch aussprechen konnte, schnappte Ron, „Das will ich gar nicht erst wissen. Ist schon seltsam genug, dass sie überhaupt miteinander knutschen!"
Dieser Kommentar veranlasste Hermione und Ginny dazu, Ron eine kräftig hinten drüber zu ziehen und Harry und Draco tiefer zu rutschen. Sie konnten sich ja noch nicht einmal einander ins Gesicht sehen, so peinlich war ihnen das. Das sie es tat, war halt eine Tatsache, aber dass ihre Freunde sich so offenkundig darüber unterhielten, war beiden unangenehm. Damit es nicht mehr zu solchen Unannehmlichkeiten kommen konnte, beschloss Harry, dass er es nun Draco überließ einen weiteren Schritt zu tätigen.
Wobei… er würde schon gerne fortsetzen, was sie noch vorwenigen Stunden in Dracos Zimmer gemacht hatten. In seinen Gedanken, zerrte er Draco die Treppe hoch, warf ihn in sein Bett und küsste ihn leidenschaftlich. Dann knabberte er an seiner champagnerfarbenen Haut, entlockte ihm ein leises Keuchen, während seine Hände gierig das Hemd Stück für Stück öffneten und es von den Schultern den Blonden schob. Nicht nur seine Lippen, sondern seinen ganzen Körper würde er für sich beanspruchen und Draco so sehr die Sinne rauben, dass dieser nur mehr…
//Nein, bitte nicht. Nicht hier!//, flehte Harry in Gedanken und warf einen unauffälligen Blick auf seinen eigenen Schoß. Blöde Fantasie!!!
ooOoo
Draco ging es unterdessen nicht anders. Nachdem er sich der unangenehmen Situation entzogen hatte – niemand hatte Harrys wachsendes Problem bemerkt - war Draco unter die Dusche gestiegen, um sich so etwas Abkühlung zu verschaffen. Ungnädiger Weise war seinem Körper aber nicht nach Kühle zu Mute. Schon gar nicht in einer gewissen Region.
Gerade war er dabei sich einzuschäumen, als ungewollte Gedanken sich seiner bemächtigten und ihn nicht mehr losließen. Unbemerkt wurde Draco rot, was sich noch verschlimmerte, als er seinen Blick nach unten richtete.
„Bitte nicht.", wimmerte er gequält, gab dann aber doch kleinbei.
Während er sich mit der einen Hand an den kühlen Kacheln abstützte, ließ er die andere in seinen Schoss wandern. Mit einem leisen Keuchen schloss er seine Augen und war in Gedanken wieder bei Harry, der in seiner Fantasie hinter ihm stand. Den einen Arm hatte er um die schlanke Taille geschlungen, die freie Hand über Draco an der Wand gelegt.
So bewegten sie sich im Einklang. Harry knabberte an seinem Hals, während er sich selbst um seine Erektion kümmerte. Die Stöße, so wie die Bewegung der Hand wurden immer schneller. Ein raues Stöhnen entfleuchte Dracos rosigen Lippen, schwoll zu einem lauteren an, da Harry mit seinem Penis über einen empfindlichen Punkt in Draco rieb und ihm somit seine Sinne raubte. Ein weiteres Mal stieß er fester zu, auf dass Draco tief stöhnend den kopf in den Nacken warf und unter der Gewalt des Orgasmus heftig erzitterte, ehe ihm einfach so die Knie wegknickten.
Draco brauchte einpaar Momente, um zu realisieren, war hier gerade geschehen war. Bedröpelt sah er zur Wand hoch, die er selbst bekleckert hatte, und wischte fahrig die Spuren weg. Ein angenehm mattes Gefühl stellte sich bei ihm ein, dass er zuletzt verspürt hatte, nachdem Blaise ihn genommen hatte. Er wollte gar nicht erst wissen, ob man ihn gehört hatte, da er sich so ziemlich sicher war, dass man ihn gehört hatte.
Eine gute halbe Stunde später verließ er angezogen das Badzimmer und begegnete einem grinsenden Blaise.
„Kein Kommentar.", knurrte er ihn an und ging an ihm vorbei. Wie er erkannte, war die Küchentüre geschlossen. Überrascht drehte er sich zu Blaise um, der ihm just durchs Haar wuschelte.
„Hab ich gerne gemacht." Mit diesen Worten öffnete er die schalldichte Türe und ließ einen knallroten Draco zurück.
„Draco!", rief Melanie aus, sobald der Blonde das Wohnzimmer betreten hatte, auf dass er erschrocken zusammen zuckte.
„Äh… ja?"
„Das wolltest du doch haben, oder irre ich mich da?", meinte sie grinsend und reichte Draco den sechsten Band. Dann strich sie ihm sanft durchs Haar, hauchte ihm einen Kuss auf die Stirn und ging in die Küche. Verdattert sah er ihr hinterher und fragte sich, ob er sich nur eingebildet hatte, dass ihr Blick für einen Moment lang traurig geworden war.
Gerade als Draco sich hinsetze wollte, bemerkte er, dass er neugierig von sechs Augenpaaren angestarrt wurde.
„Was? Glotzt nicht so."
Kommentarlos schauten alle wieder weg. Draco atmete einmal tief durch, dann schlug er den sechsten Band auf.
ooOoo
Der Nachmittag verlief relativ ruhig. Jeder hatte sich wieder seiner Beschäftigung gewidmet und eine angenehme Atmosphäre hatte sich in dem Wohnzimmer breit gemacht. Während Melanie mit Blaise, Ron, Pansy und Ginny Romy spielte lasen Hermione, Harry und Draco in ihren Büchern. Hermione hatte sich den fünften Harry Potter Band geschnappt, da sie am schnellsten von allen die deutsche Sprache lernte und so üben wollte, Harry den zweiten und Draco las ja bekanntlich im sechsten.
Über den Rand seines Buches hinweg konnte Harry beobachten, wie Draco manchmal rot anlief, warum auch immer. Es wurde dunkel und Mel schaltete das Licht im Wohnzimmer ein. Wieder warf Harry einen Blick zu dem Blonden und stutzte nicht schlecht, als er erkannte, dass dieser bereits über die Hälfte des Buches gelesen hatte. Allerdings lenkten alle ihre Aufmerksamkeit auf Draco, der zuerst tief rot geworden war und dann blass. Um genau zu sein, er war schneeweiß.
„Merlin!", keuchte er entsetzt und schien von den niedergeschriebenen Worten vollkommen gebannt zu sein.
„Was denn los, Dracylein?", fragte Pansy mit einer zuckersüßen und stand auf, um auf ihn zuzugehen.
Draco unterdessen ignorierte sie gekonnt, sah zu Harry auf und blaffte, „Spinnst du?! Man benutzt keine Zauber, von denen man die Auswirkung nicht kennt!"
„Oh je…", murmelte Melanie. Sie wusste scheinbar, wovon der Blonde redete. Ganz im Gegensatz zu Harry.
Dieser hatte sein Buch umgedreht auf den Couchtisch gelegt. „Wovon redest du bitte?"
„Sectumsempra! Du bringst mich damit beinahe um!!"
Wow… so aufgebracht hatte man Draco schon lange nicht mehr erlebt.
„Was?! Zeig her.", befahl Harry, der nun nicht minder aufgewühlt war. Er und Draco gingen auf einander zu. Draco reichte ihm den sechsten Band und deutete auf eine Stelle im Buch.
„Lies selbst!", schnappte er und verschränkte die Arme vor der Brust.
Harry tat wie ihm geheißen und schaute gleich darauf verwundert auf. „Ich erwische dich, wie du weinst?"
Nun glich Dracos Gesicht wieder einer reifen Tomate. Beschämt zischte er, „Lies da!"
Harry las ab der Stelle, auf die Draco zeigte und wisperte nach einer kurzen Weile, „Ach, du heilige…" Er las weiter. „… Scheiße…."
Draco riss ihm wütend das Buch aus den Händen. „Wenn du mich umbringen willst, dann sag es mir gleich!"
„Aber Snape taucht doch eh auf und heilt dich.", verteidigte der Gryffindor sich. „Noch dazu, was kann ich dafür, wenn du so ausrastest und mich gleich attackierst. Ist doch klar, dass ich mich dann wehre."
„Aber nicht mit einem Zauber, dessen Wirkung du nicht kennst!!!", blaffte der Blonde und stürmte die Treppe hinauf.
„Draco, warte.", bat Harry und lief ihm hinterher. Noch ehe er oben angekommen war, hörte er Blaise sagen, „Das ist besser, als Fernsehen."
Der Blonde hatte die Zimmertüre hinter sich zugeknallt, vor der Harry nun stand. Er atmete tief durch, dann trat er ein. Draco stand mit verschränkten Armen vor dem Fenster und starrt in die Dunkelheit hinaus. Das Buch hatte er achtlos aufs Bett geworfen.
„Draco…", begann Harry leise, nachdem er die Türe wieder hinter sich geschlossen hatte. „Ich… Schau, immerhin ist es nicht passiert. Wir sind doch hier und-"
„Aber es würde passieren, wenn wir nicht in dieser beschissenen Dimension gefangen wären!", schrie Draco und wirbelte herum. Erst jetzt konnte Harry die blanke Verzweiflung sehen, die in den sturmgrauen Augen lag.
Was konnte er nur sagen, oder tun, damit es Draco besser ging?
„Draco, ich-"
„Geh raus. Ich will alleine sein.", sagte der Blonde schließlich resigniert und wandte sich dem Fenster zu. Harry wollte noch etwas sagen, doch dann senkte er seinen Blick und verließ wortlos den Raum.
ooOoo
Draco schloss seine Augen, während ein Beben seinen Körper durchlief. Er wusste, dass er nach Harrys sanften Berührungen schrie. Dennoch wollte Draco diesem Verlangen nicht nachgeben. Klar, er hätte aus dem Zimmer stürmen und den Ex-Gryffindor zurückrufen können, aber wollte er sich diese Blöße geben?
Nein, ganz bestimmt nicht.
Deshalb erschien er auch nicht beim Nachtmahl und ignorierte Melanie im ersten Moment, als wie in sein Zimmer gekommen war, um mit ihm zu reden.
„Draco, du kannst mich nicht für immer ignorieren.", meinte sie sanft und umarmte ihn von hinten. Er wollte sie anfahren, dass sie das lassen sollte, doch aus irgendeinem Grund tat er es nicht. Er murrte auch nicht, als sie ihr Kinn auf seine Schulter bettete.
„Du weißt, dass Harry dich niemals bewusst verletzen würde. Das hast du doch selbst gelesen. Du hast gelesen, dass er es noch im selben Moment bereut hat.
„Ich weiß.", sagte Draco mit leiser Stimme, starrte allerdings weiterhin aus dem Fenster.
„Ich verstehe echt nicht, warum ihre es euch so schwer macht. Es ist doc offensichtlich, dass ihr euch in einander verschossen habt."
Jetzt drehte Draco sein Gesicht, um Melanie einen halbherzig bösen Blick zu schenken.
„Ich habe mich nicht in Har- Potter verliebt.", bestritt er vehement.
Melanie grinste. „Neeeein… deswegen hast du auch nicht laut Harrys Namen gestöhnt, als du dir vorhin im Bad einen runtergeholt hast."
Draco spürte regerecht, wie ihm das gesamte Blut ins Gesicht schoss.
„Woher…?", begann er, da er zu überrumpelt war, um es abzustreiten.
„Blaise hat es mir erzählt.", entgegnete sie keck.
In Draco stiegen Mordgelüste auf.
„Hey. Jetzt schau nicht so finster. Blaise ist mein Freund, da ist klar, dass er mir alles erzählt."
„Ihr seid zusammen? Seit wann?"
Nun ließ Melanie von ihm ab und trat vor ihn. „Tja, da siehst du, was du alles nicht mitbekommst, wenn du dich ständig zurückziehst. Da entgehen dir auch die Blicke, die dir Harry ständig zuwirft." Draco öffnete den Mund, um etwas zu sagen, aber Mel plapperte weiter. „Du, der Junge ist gar nicht so abgeneigt, wie du glaubst. Immerhin habe ich ihm dank Blaise vor einpaar Monaten stecken können, wo seine empfindlichen Stellen liegen und wie man sieht, hat Harry es gleich bei der erstbesten Gelegenheit ausgetestet. Er war es nämlich, der die damals den Knutschfleck gemacht hatte. Da drängst sich mir geradezu die Frage auf, wo er sonst noch seine Hände und Lippen gehabt hatte."
Bei den letzten zwei Sätzen war Draco verfallen und seine Röte hatte sich um einpaar Nuancen vertieft. Melanie hingegen grinste zufrieden und flötete, „Soll ich ihn heute Nacht auf dein Zimmer schicken? Immerhin müsstest du bei dir nicht mehr selbst Hand anlegen."
„Raus!", blaffte Draco, dem alles allmählich zuviel wurde, und er drängte Melanie aus seinem Zimmer, ehe er ihr die Türe vor der Nase zuknallte.
Dieses verdammte Mädchen!!! Schon alleinig die Vorstellung, dass Harry ihn auf besondere Weise berührt, machte ihn wuschig! Fehlte nur noch, dass seine eigene kranke Fantasie dazu führte, dass sich bei ihm unten etwas regte. Und das ausgerechnet vor Melanie. Nein, darauf konnte er getrost verzichten.
Er musste sich schnell ablenken, bevor er einen weiteren Gedanken an Harry verschwendete.
Der sechste Band, kam ihm da gelegen.
ooOoo
Er konnte nicht schlafen.
Harry lag neben einem schnarchenden Ron im Bett und starrte auf die Zimmerdecke, welche vom fahlen Mondlicht beschienen wurde. Seine Gedanken galten voll und ganz dem Blonden und Gefühle, wie Schuld und Begierde machten ihn halb wahnsinnig. Zum einen wollte er Draco im Arm halten und ihm Sicherheit schenken. Zum anderen wollte er auch ganz anderen Dinge mit dem Blonden machen, ihn fast in den Wahnsinn treiben, bis er laut stöhnend in seinen Armen zusammensackte.
Dieser Gedanke war wirklich ungünstig. Zwar lag er neben Ron im Bett, aber das reichte offenbar nicht aus, um seinen Körper zu Raison zu bringen. Er musste sich im Augenblick wirklich zusammen reißen, um nicht gleich zu dem Blonden nach oben zu stürmen.
Vielleicht sollte er auch nur erst einmal kalt Duschen, um wieder einen klaren Gedanken fassen zu können. Während er sich erhob, fiel der digitale Wecker in seinen Blickwinkel. Juhu. Es war drei Uhr morgens. Normalerweise fand er um diese Uhrzeit herum endlich seinen Schlaf, aber die Beule in seiner Hose ließ das dieses Mal nicht zu.
Leise schlich er sich aus dem Zimmer. Er hatte nun die Qual der Wahl. Sollte er nun ins untere Bad und damit die Mädchen aufwecken, oder ins obere Bad, wo er höchstens Draco aufwecken konnte, da Melanie und Blaise am anderen Ende des Ganges schliefen. Vielleicht würde Draco ja doch mit ihm… alleinig daran zu glauben war vollkommen absurd und unrealistisch, aber es machte Harry den Gang nach oben leichter. Er wollte sich ins Bad schleichen, doch etwas anderes weckte seine Aufmerksamkeit.
Aus dem Schlüsselloch von Dracos Zimmertüre drang noch Licht. Vorsichtlich spähte er durch jenes und erkannt, dass Draco in seinem Bett ag und ganz offensichtlich schlief. Bedacht darauf, keinen Lärm zu machen, huschte er durch die Türe und auf Dracos Bett zu. Da lag er vor ihm. Regungslos und wehrlos. Das schwere Buch, lag aufgeschlagen mit der Schrift nach unten auf seinen Bauch, der sich regelmäßig hob und senkte.
Harry setzte sich zu dem Blonden aufs Bett, legte das Buch bei Seite, ehe er ihm eine freche Strähne aus der Stirn strich. Er hätte beinahe hysterisch gekichert, als ihm in den Sinn kam, was er nun alles mit dem Slytherin anstellen konnte.
Langsam knöpfte er ihm das langärmelige schwarze Hemd auf, strich es ihm von der Brust. Sein Blick fiel sogleich auf die röslichen Brustwaren, die sich durch die plötzliche Kälte verhärteten. Ob er dort empfindlich war?
Harry beugte sich hinunter, ging noch einmal sicher, dass Draco noch schlief, dann nippte er sanft an der rechten Brustwarze. Draco keuchte leise. Federleicht rieb er mit den Fingerspitzen über die andere Warze, entlockte dem Blonden ein weiteres Keuchen. Er wollte mehr. Mehr Resonanz, mehr die elfenbeinfarbene Haut liebkosen, mehr als Draco nur zu küssen.
Zärtlich strich er mit der Zunge über die Knospe, zwirbelte die andere zwischen Daumen und Zeigefinger. Dieses Mal entglitt Draco weichen Lippen ein leises stöhnen und er begann sich unter den Berührungen zu winden. Es konnte gut sein, dass Harry ihn mit dieser Aktion aufwecken würde, aber das war ihm egal. Er wollte und konnte sich nicht mehr zurückhalten.
Harry wanderte mit seinem Küssen tiefer, hinab zum Bauchnabel in dem er begierig seine Zunge tauchte.
„Was…? Harry…?", keuchte Draco benommen.
Okay, jetzt war er wach.
