Hallo!! Hier kommt dann also das 9.Kapitel, hoffentlich gefällt's euch…. :)
Danke für eure lieben Reviews °lach°! Mir fällt mittlerweile nichts mehr ein, was ich euch als Dankeschön anbieten könnte, also kann sich heute mal jeder irgendwas aussuchen, das er am liebsten mag
9. Die Höhle des Löwen
Am nächsten Morgen fühlte sich Hermine wie gerädert. Stöhnend richtete sie sich auf, was sie kurz darauf auch schon wieder bereute. Ihr Kopf fühlte sich an als hätte sie ihn stundenlang gegen die Wand geschlagen. Langsam schwang sie die Beine aus dem Bett, stand auf und tappte mit vorsichtigen Schritten ins Bad.
Verdammt, was war los mit ihr? Und plötzlich, zwischen ihren Überlegungen blitzten Gedankenfetzen vor ihren Augen auf. Bilder von ihr, an einem Mauervorsprung hängend, Bilder von Snape der sie in seine Arme zog und ihr beruhigende Wort ins Ohr flüsterte.
Mit einem Schlag war sie hellwach. Mit jeder Sekunde erinnerte sie sich an mehr Einzelheiten ihres verwirrenden Traums.
Warum träumte sie so was? War sie psychisch mittlerweile schon so kaputt, dass sie von Snape als ihr Retter träumte? Ja, er hatte ihr praktisch das Leben gerettet, aber das erklärte nicht, warum sie sich nach der „Rettung" in seinen Armen so geborgen gefühlt hatte.
Ja, verdammt, sie hatte sich wohl gefühlt, als er ihr beruhigend über den Rücken gestrichen hatte und seine Stimme sie umhüllte wie schwarzer Samt….Bei Merlins Eiern, war sie jetzt völlig verrückt? Eine eiskalte Dusche würde ihr jetzt bestimmt helfen einen klaren Kopf zu bekommen. Gesagt, getan.
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Nachdem sie geduscht und angezogen war, verließ Hermine ihre Räume im Gryffindorturm und lief hinunter in die Große Halle zum Frühstück. Es war das erste Mal seit ihrem „Zusammenbruch", dass sie sich wieder unter Menschen begab und sie fühlte sich ziemlich mulmig, als kleinere Schülergruppen lachen und schwatzend an ihr vorbeiliefen.
Das Leben ging weiter, ob mit oder ohne sie. Was wäre passiert, wenn Snape am Samstag nicht rechtzeitig aufgetaucht wäre? Würden sich trotzdem die Schüler in der Halle einfinden, ausgelassen und fröhlich? Würde man sie vermissen?
Verdammt, diese Gedanken hatte sie doch schon mal durchgemacht und es hatte zu nichts geführt. Sie musste anfangen nach vorn zu schauen. Keine Gedanken mehr daran verschwenden was passiert wäre, wenn. Keine Gedanken an ihre toten Freunde, keine Gedanken mehr daran, dass ihr Leben eigentlich keinen Sinn mehr machte.
Sie musste sich auf das Jetzt konzentrieren. Und vor allem darauf, dass am Abend die erste Laborstunde mit Snape anstand. Nach ihrem Traum von letzter Nacht war sie noch weniger erfreut von nun an mehr Zeit mit ihm zu verbringen als nötig, doch bis die Direktorin endlich aufgab, musste sie sich eben zusammenreißen.
Was hatte sie sich nochmal gesagt?! Höflich und distanziert, genau das war es. Wenn sie sich zurückhielt bot sie ihm keine Angriffsfläche und sie hätte ihre Ruhe.
Dass ein gewisser Tränkemeister in seinen Kerkern saß und mit genau den gleichen Gedanken beschäftigt war wie sie, konnte sie natürlich nicht ahnen.
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Severus saß an seinem Schreibtisch und bereitete den Unterricht der siebten Klasse vor. Nach einer erholsamen Nacht war er am Morgen relativ gutgelaunt aufgestanden, bis ihm siedend heiß einfiel, dass am Abend die ersten gemeinsamen Laborstunden mit Hermine anstanden.
Er hatte sich zwar einige (und seiner Meinung nach auch viel zu viele) Gedanken zu diesem Thema gemacht, doch trotz aller guten Vorsätze wusste er immer noch nicht wie er sich ihr gegenüber verhalten sollte.
Vor allem wusste er nicht, ob er sich zurückhalten könnte, wenn sie auf ihren Auftritt bei McGonagall zu sprechen kamen. Unter der Oberfläche kochte er immer noch vor Wut, Verständnis hin oder her.
Sie hatte mit ihren Vorwürfen einen wunden Punkt in ihm getroffen, der auch jetzt, nach Ende des Krieges und seiner Zeit bei Voldemort empfindlich schmerzte. Oft genug war er während der Jahre als Spion gezwungen gewesen, das zu tun, was Hermine ihm hier so freimütig vorwarf.
Er hatte immer noch schwer mit seiner Vergangenheit zu kämpfen, auch ohne das ein vorlautes Gör redete ohne zu denken. Was hatte sie sich nur dabei gedacht? Hatte sie überhaupt gedacht? Oder…..
Bei Merlin, wie sollte er es schaffen, sie heute Abend mehr oder weniger zu ignorieren? Jedes Mal wenn er an sie dachte schwankte er zwischen Wut und Verständnis, zwischen Mitgefühl und Gleichgültigkeit. Wie sollte er neutral bleiben, wenn er, was sie anging, von Gefühlen überrannt wurde?
Er hatte fast zwanzig Jahre als Spion unter Voldemort gearbeitet, ja sogar gelebt und nun scheiterte seine mühsam antrainierte Selbstbeherrschung an einem 18-jährigen Mädchen? Das konnte er nicht zulassen. Doch was sollte er tun? Er wusste es nicht.
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Den ganzen Tag über wurde Hermine die Gedanken an ihren Traum nicht mehr los und je näher der Abend rückte, desto nervöser wurde sie. Wie sollte sie sich verhalten? Würde er sie für ihren „Ausrutscher" büßen lassen?
Sie konnte alle Vorwürfe und Kommentare von ihm ertragen, solange sie sich sicher sein konnte, dass er sie nicht mit ihrem Freitodversuch konfrontierte. Doch sie war sich nicht sicher und genau das war das Problem. Er hatte der Direktorin gegenüber nichts verraten, doch das beunruhigte Hermine. Severus Snape tat nichts uneigennützig.
Sie konnte ihm nicht vertrauen. Auch wenn er während des Krieges immer auf ihrer Seite gestanden hatte, war er doch Spion gewesen, durch und durch. Er hatte das Talent Menschen zu beeinflussen und zu manipulieren und egal ob er ihr Lehrer war oder nicht (als ob diese Tatsache ihn früher davon abgehalten hatte, zu machen was er wollte), er verfolgte mit seinem Tun irgendein Ziel. Nicht zu wissen was er plante, machte sie ganz verrückt.
Wie sollte sie bloß mit ihm in einem Labor zusammenarbeiten, wenn sie jede Sekunde Angst haben musste, dass er sein Wissen gegen sie einsetzte?
Plötzlich wurde sie aus ihren Gedanken gerissen, als sie gegen jemanden prallte und sie beide zu Boden riss. Tja Hermine, das kommt davon, wenn man gleichzeitig läuft und denkt, dachte sie sarkastisch und rappelte sich auf. Als sie dem Menschen der unter ihr gelegen hatte eine Hand reichen wollte, erstarrte sie. Vor ihr auf dem Boden lag das Objekt ihrer Gedanken, Snape.
Mit unheilverkündender Miene stand er auf, ignorierte ihre noch immer ausgestreckte Hand und sah sie von oben herab an. „Miss Granger, wollen sie mich jetzt doch noch umbringen, nachdem sie es im Büro der Direktorin nicht geschafft haben? Wenn ja, sagen sie das nächste Mal Bescheid.", fuhr er sie an.
„Ähhmm….ich… es tut mir Leid, ich wollte nicht…..ich hab sie nicht gesehen, ich….." „Miss Granger, ist ihnen ihr Hirn bei dem Sturz abhanden gekommen oder warum können sie keine ganzen Sätze mehr formulieren? Bevor sie sich geistig überanstrengen, lasse ich sie allein. Und denken sie daran, heute Abend, 20:00 Uhr, vor meinem Büro", sprachs und rauschte mit wehenden Roben davon.
Hermine stand noch einige Minuten auf derselben Stelle, bis sie den Kopf schüttelte und ihre Tasche vom Boden aufhob. Was war das denn bitte? Er dachte jetzt bestimmt sie wäre eine vollkommene Idiotin.
Er hatte sie mit seinem plötzlichen Auftauchen überrumpelt und bevor sie ihre Gedanken ordnen konnte war er schon wieder verschwunden. Sein Anblick brachte die mühsam verdrängten Bilder ihres Traums wieder an die Oberfläche und die damit verbundenen Gefühle verwirrten sie gänzlich.
Mit langsamen Schritten lief sie in ihren Turm zurück, um sich für das Abendessen umzuziehen. Den Schülern der Abschlussklasse war es erlaubt, außerhalb der Schulstunden Freizeitkleidung zu tragen und dieser Entschluss der Direktion sorgte für Begeisterung unter den Schülern.
Nach dem sie das auch Abendessen hinter sich gebracht hatte, holte Hermine ihre Schultasche aus dem Gryffindorturm und machte sich mit einem unguten Gefühl im Magen auf den Weg zu Snape.
Als sie dann schließlich vor seiner Bürotür stand, verließ sie der berühmt-berüchtigte gryffindor'sche Mut und sie hätte am liebsten kehrtgemacht und wäre an „ihren" Platz am See gelaufen, doch sie zwang sich stehenzubleiben und zu klopfen.
Nach einigen Sekunden wurde die Tür aufgerissen und Snape stand vor ihr. Jedoch nicht wie erwartet, in seiner Lehrermontur, sondern in einer Art „Freizeitlook". Schwarze Stoffhose und ein regenwolkengrauer, dünner Rollkragenpullover.
Hermine blieb fast die Luft weg bei diesem Anblick. Wenn er sich so im Unterricht präsentiert hätte, wären ihm die Schülerinnen in Scharen hinterhergerannt. Er sah wirklich attraktiv aus in diesen…..Bei Merlin, hatte sie gerade wirklich die Worte „Snape" und „attraktiv" in einem Satz verwendet? Sie musste sich dringend mal wieder bei Madam Pomfrey durchchecken lassen.
Severus, der ihren Blick bemerkt hatte, schmunzelte. Ihm war durchaus bewusst, dass er sie mit seinem Aussehen überrascht hatte. Seltsamerweise sah sie nicht erschrocken oder verängstigt aus, sonder eher fasziniert. Er beschloss dem ganzen trotzdem ein Ende zu bereiten.
„Miss Granger, wenn sie damit fertig sind mich anzustarren, könnten wir uns vielleicht an die Arbeit begeben?! Ich hatte nicht vor den Abend in der Tür meines Büros zu verbringen. Folgen sie mir.".
Mit diesen Worten drehte er sich um und lief quer durch das Büro auf eine Tür zu, die Besuchern normalerweise verborgen blieb, sich ganz darauf verlassend, dass Hermine ihm folgen würde.
Genau das tat sie auch, bevor sie kurz vor der kleinen Holztür, hinter dem Schreibtisch noch einmal stehen blieb, mit dem unguten Gefühl, die Höhle des Löwen, oder besser gesagt, der Schlange zu betreten.
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Ich freu mich wie immer über Reviews aller Art!! :)
