Hi, da bin ich wieder. Ich hab mich wie ein Honigkuchenpferdchen über eure Reviews gefreut. Danke! Fühlt euch alle mal durchgeknuddelt.

Kapitel 9

Silith lag in ihrem Bett und starrte mit blinden Augen die Decke an. Sie war schon früh aufgewacht, aber da sie nichts sehen konnte, blieb sie lieber liegen, bis der Schlag zum Sonnenaufgang ertönte.

Es war schon verwunderlich, was sich innerhalb eines Tages alles ändern konnte. Die Abneigung zwischen ihr und den Elben schien sich in Luft aufgelöst zu haben. Ein Grinsen schlich sich auf ihre Lippen. Und Tikal war die Attraktion im Schloss. Wann sah man schon einmal ein Tier, das gerade mal so groß war, dass es bequem auf einer Hand platz nehmen konnte und das auch noch sprechen konnte?

Ihre Gedanken wanderten zu dem Abend des Festes, an dem ihr Vater aufgetaucht war. Mittlerweile konnte sie sich wieder an alles erinnern, aber es war ihr immer noch ein Rätsel, wie sie es geschafft hatte, ihn zu besiegen. Ein kleiner, unscheinbarer Zauber hatte ihrem Vater den Garaus gemacht. Ein winziger Zauber, den schon Kleinkinder anwenden konnten. Mehr hatte es nicht gebraucht.

Sie tastete sich vorsichtig zum Rand des Bettes vor und stand auf. Tikal war seit gestern Abend nicht mehr aufgetaucht. Wahrscheinlich schmollte sie noch. Aber solange sie sich in ihrem Zimmer befand, kam sie allein zurecht. Sie lebte schließlich nicht umsonst seit über einem Jahr hier.

Kaum hatte sie sich fertig gemacht, ertönte auch schon ein heller Ton, der den Sonnenaufgang ankündigte. Aus Gewohnheit ging sie zu ihrem Fenster, öffnete es und blickte nach draußen. Im Laufe der Jahre war es für sie eine Art Ritual geworden den neuen Tag zu begrüßen, wann immer sie die Gelegenheit dazu hatte. Das tat sie auch jetzt, da sie blind war.

Um so mehr war sie überrascht, dass dort, wo die Sonne um diese Jahreszeit immer aufging, anstelle der Dunkelheit ein heller Fleck war. Ihre Augen erholten sich! Sie konnte zwar immer noch nicht richtig sehen, aber helle Flächen anstelle von eintöniger Dunkelheit, das war doch schon einmal ein Fortschritt.

Hinter sich hörte sie das Tapsen kleiner Pfoten auf kaltem Steinboden. „Tikal?", fragte sie ohne sich umzuwenden.

„Wer sonst?", kam die prompte Antwort. Tikal kletterte an ihrem Kleid hoch und setzte sich auf ihre Schultern. „Also, was haben du und Legolas gestern noch so wichtiges geredet?"

Silith lachte. „Das interessiert dich jetzt, was?" Sie schloss das Fenster. „Er hat mich lediglich gebeten, das Lied zu singen, das Lydia mir beigebracht hat."

„Und? Hast du es gemacht?", fragte Tikal, nun ernsthaft interessiert. Silith nickte und ging vorsichtig durchs Zimmer. „Du hast es ihm tatsächlich vorgesungen? Meine Güte, wie kommt es denn dazu?" Silith lachte ob der übertriebenen Reaktion. „Nein, jetzt im Ernst! Ich hab ja schon Wochen gebraucht, bis du mir das Lied einmal vorgesungen hast und dann das?"

Silith hob die Hand und kraulte Tikal sanft hinter den Ohren. „Ich vertraue ihm", war alles, was sie dazu sagte.

„Und mir etwa nicht?"

Silith kicherte leise. „Doch, sonst hätte ich es dir doch nicht erzählt, oder? So, und jetzt komm, lass uns zum Frühstück gehen! Ich hab Hunger!"

°°

Alles in Allem verliefen die nächsten Tage, gemessen an den vorhergegangenen, relativ ruhig. Weder tauchte noch einmal ein Skalve noch ein anderer von Lydons Schergen auf und versuchte, den Alltag der Stadt völlig zum entgleisen zu bringen. Es war fast schon wie die Ruhe vor dem Sturm, doch kaum einer schien es zu bemerken.

Legolas war gerade auf dem Weg zu Siliths Zimmer um sie abzuholen. Das hatte er sich zur Gewohnheit gemacht, nachdem sie ja zeitweise erblindet war und Tikal sie einmal mit Absicht gegen eine verschlossene Tür hatte laufen lassen.

Er wollte gerade in den Korridor einbiegen, auf dem sich Siliths Zimmer befand, als etwas kleines, pelziges an ihm vorbeihuschte, das er als Tikal erkannte. Warum hatte sie es so eilig? Die Antwort auf die Frage kam wenige Sekunden später um die Ecke gerannt: Silith. Sie konnte gerade noch so abbremsen, damit sie nicht in ihn hineinrannte.

„Was...?", war alles, was er heraus brachte. Er war viel zu überrascht, Silith hier so durch die Gänge rennen zu sehen, als dass er mehr hätte sagen können. Endlich fasste er sich wieder. „Ihr könnt wieder sehen?"

Silith nickte etwas außer Atem. „Ja, seit heute Morgen." Sie stützte sich leicht an der Wand ab, was Legolas zum Schmunzeln brachte. Anscheinend war ihre Kondition nicht die beste.

„Was hat Tikal denn gemacht, dass Ihr sie so gejagt habt?", fragte er neugierig.

Silith schüttelte den Kopf. „Ich glaube, das wollt Ihr nicht wirklich wissen..."

„Und wenn doch?" Er sah sie leicht lächelnd an.

„Werde ich es Euch trotzdem nicht sagen", führte sie seinen Satz zu ende und stieß sich von der Wand ab.

Sie wollten sich gerade zum Gehen wenden, als Gimli ihnen lachend entgegen kam. „Was hast du denn mit Tikal gemacht, dass sie so verschreckt weggelaufen ist?"

„Ich mit ihr?", echote Silith empört. „Sie hat mich geärgert, da werde ich sie doch erschrecken dürfen!"

Gimli hob abwehrend die Hände. „Schon gut, schon gut!", brummte er. „Was hat sie denn getan?"

„Das habe ich auch schon gefragt, aber sie will es nicht erzählen", antwortete Legolas an ihrer statt.

Silith lächelte leicht und wollte etwas erwidern, doch ihre Worte blieben ihr im Halse stecken. Mit vor Angst aufgerissenen Augen starrte sie an Gimli vorbei, wo ein Mann stand, der nicht älter als zwanzig sein konnte. Alles an ihm schien schwarz zu sein. Seine Haare, seine Augen, seine Kleidung, kurz: sein ganzes Erscheinungsbild. Nur seine bronzene Haut fiel etwas aus dem Rahmen. Sie schien die einzige zu sein, die ihn sehen konnte.

Der Mann lächelte und trat ein paar Schritte auf sie zu, bis er einen Meter vor ihr zum Stehen kam. „So sieht man sich wieder, was mein kleiner Engel?", sagte er mit sanfter, einlullender Stimme, die bei Silith jedoch genau das Gegenteil bewirkte. Ihr Innerstes zog sich zusammen. Wie konnte das sein? Was tat er hier? Sie hatte gedacht, sie hätte noch etwas Zeit sich darauf vorzubereiten! Es war zu früh, viel zu früh! „Was ist? Erkennst du mich nicht mehr?", fragte er und wollte mit seiner Hand über ihre Wange streichen, doch sie wich zurück.

„Ver.. verschwinde!", stotterte sie. In ihren Augen stand eine Angst geschrieben, von der sich ganze Legionen von Skalven Jahrhunderte hätten ernähren können.

Er lachte leise. „Jetzt haben wir uns seit fünfhundert Jahren nicht mehr gesehen und du willst, dass ich verschwinde... Tut mir Leid, aber so einfach ist das leider nicht..." Er lachte wieder leise amüsiert. „Ganz und gar nicht... Aber gut, ich will es dir zeigen", sagte er und winkte leicht mit der Hand, woraufhin das Schloss, Legolas und Gimli zu verblassen begannen. Eine Weile herrschte nur weißer Raum um sie herum, dann begann sich eine neue Landschaft zu bilden. Silith zog zischend Luft zwischen den Zähnen in ihre Lungen. Das durfte nicht wahr sein! „Verstehst du jetzt, was ich meine?" Er deutete auf das Bild, das sich ihnen bot. „So muss dein Volk leben, während du es dir in Minas Tirith gut gehen lässt."

Silith blickte sich schockiert um. Das durfte nicht wahr sein!

Überall sah sie bekannte Gesichter. Freunde. Verwandte. Und alle sahen sie traurig aus. Der Glanz, der einst in ihren Augen gestanden hatte, war verschwunden. Sie hatten ihre Lebensfreude verloren. Erwachsene wie Kinder. Sie sahen alle heruntergekommen aus und trugen alte, verschmutzte Kleidung. Was war nur geschehen?

Doch bevor sie das ganze Ausmaß der Lage erkennen konnte, verschwand das Bild auch schon wieder und sie waren wieder von weißem Raum umgeben.

„Verstehst du jetzt, was ich meine? Deinem Volk geht es schlecht, manchen sogar noch schlechter als schlecht. Und wenn du dich weiter gegen mich auflehnst, wie du es schon seit einem halben Jahrtausend tust, dann werde ich gezwungen sein, ihnen Leid anzutun. Und das willst du doch nicht, oder?" Seine Stimme hatte etwas von ihrer Sanftheit verloren, doch sie klang nicht minder einlullend.

Silith stolperte ein paar Schritte zurück. „Ich... nein... ich kann nicht... ich darf nicht... nein...", stotterte sie zusammenhangslos.

Er seufzte resignierend auf und verringerte den Abstand zwischen ihnen wieder auf den einen Meter. „Dann werde ich dir noch etwas anderes zeigen müssen. So leid es mir tut, aber du bist so störrisch, dass mir keine andere Wahl bleibt", sagte er fast schon bedauernd. Er deutete wieder eine Bewegung mit seiner rechten Hand an und eine neue Szene bildete sich um sie herum. Doch dieses Mal waren sie nicht draußen, im Freien, sondern drinnen, in einem Raum, der verdächtig nach einer Folterkammer aussah.

Silith hatte ein flaues Gefühl im Magen. Ihr war gar nicht wohl, als sie die ganzen Folterinstrumente sah, die in diesem Raum gelagert waren. Doch als sie sah, wer an einer Wand keine zwei Meter von ihr entfernt an einer Mauer angekettet war, wäre sie fast zusammengebrochen. Lydia! Nein, das durfte nicht sein! Nicht sie! Es zerriss ihr fast das Herz ihre Freundin so zu sehen. Voller Verwundungen und Schmutz hatte sie wenig Ähnlichkeit mit der Lydia, die sie gekannt hatte. Kaum noch etwas erinnerte an die junge, vor Lebensfreude nur so strotzende Frau, die alles und jeden mit ihrer guten Laune hatte anstecken können.

Und der, der ihr das angetan hatte, stand nun hinter ihr und flüsterte ihr sanft, als ob er nichts damit zu tun hatte, ins Ohr: „Überleg es dir gut, was du mir antworten wirst. Ich werde dann kommen, wenn du es am wenigsten erwarten wirst. Auf bald, mein Engel", hauchte er noch, bevor er und das Trugbild sich in Luft auflösten und sie sich wieder im Schloss befand, doch das nahm sie gar nicht wahr. Sie starrte nur entgeistert auf die Stelle, wo sie Lydia bis vor wenige Momente noch gesehen hatte. Und das alles nur, weil sie sich gegen ihn wehrte. Weil sie sich auflehnte gegen ihn. Weil sie ihren Trotzkopf durchsetzten wollte. Nur wegen ihr.

Legolas und Gimli hatten weder etwas von dem Mann noch etwas von der Vision mitbekommen. Das einzige, das sie sahen, war, dass Silith auf einmal wie hypnotisiert nach vorne gestarrt hatte und auf keine ihrer Fragen reagiert hatte. Schließlich wurde es Legolas zu bunt. Er fasste sie an den Schultern und schüttelte sie leicht.

„Silith!", sagte er fast schon flehend. „Was ist mit dir?" Doch sie reagierte immer noch nicht. „Silith!"

Endlich schien sie aus ihrer Starre zu erwachen. Zum ersten Mal seit mehreren Minuten blinzelte sie und auch die Steifheit ihres Körpers schien auf einmal verschwunden zu sein. Langsam wandte sie ihm ihr Gesicht zu und was er dort in ihren Augen lesen konnte, verpasste ihm einen schmerzhaften Stich in sein Herz. Es lag so viel Angst, Verzweiflung und Hilflosigkeit in ihrem Blick, die ihn innerlich zusammenzucken ließen. Was war mit ihr geschehen?

Er strich sanft über ihre Oberarme um sie und sich selbst zu beruhigen, doch ohne Erfolg. Der Ausdruck in ihren Augen änderte sich nicht. Es schien fast so, als würde er noch herzzerreißender werden. Aus einem Impuls heraus zog er Silith in seine Arme und drückte sie sanft an sich.

„Schsch! Es wir alles gut! Vertrau mir!", murmelte er immer und immer wieder in ihr Haar, während er ihr beruhigend über den Rücken strich. Er warf Gimli einen Blick zu, der so viel hieß wie: „Würdest du bitte den anderen bescheid sagen?" Gimli verstand und ging so leise, wie es für einen Zwerg eben möglich war, davon.

Bei Silith hatten seine gemurmelten Worte die Erinnerung an einen Traum geweckt, den sie schon fast aus ihrem Gedächtnis gestrichen hatte. Genau die selben Worte hatte die Gestalt gemurmelt, während sie sie in ihren Armen hin und her gewiegt hatte. Das selbe Gefühl der Vertrautheit, das sie auch damals im Traum verspürt hatte, durchflutete sie und veranlasste sie dazu, ihren Gefühlen freien Lauf zu verschaffen.

Leise Schluchzer entkamen ihrer Kehle und bald wurde ihr zierlicher Körper von Weinkrämpfen geschüttelt. Legolas hielt sie während der ganzen Zeit einfach nur im Arm und sagte nichts, bis sie sich wieder beruhigt hatte. Und auch dann schwieg er und gab ihr so die Zeit, die sie brauchte um ihre Gedanken zu sortieren.

Nach einer Ewigkeit, wie es ihr vorkam, löste sie sich langsam aus seiner wärmespendenden Umarmung und sah betreten zu Boden. „Können wir vielleicht...", krächzte sie und brach mitten im Satz ab. Doch Legolas hatte sie verstanden und führte sie langsam zu ihrem Zimmer zurück.

Dort angekommen ging Silith geradewegs zum Fenster, öffnete es und setzte sich auf die breite Fensterbank. Sie hatte die Beine mit ihren Armen umschlungen und ihren Kopf auf ihre Knie gelegt, während sie nach draußen sah. Legolas war zur ihr getreten und legte ihr eine Hand auf ihre Schulter.

„Was ist passiert?", fragte er leise um sie nicht zu verschrecken; jetzt, da sie sich beruhigt hatte.

Silith sah eine Weile weiter nach draußen, sodass er schon dachte, sie hätte ihn nicht verstanden, doch dann antwortete sie. „Ich hatte eine Vision." Sie holte einmal tief Luft bevor sie fortfuhr. Erst stockend, dann immer flüssiger erzählte sie ihm alles. Von Lydon bis zu Lydia. Ohne etwas auszulassen. Als sie endete, hatte Legolas wieder seine Arme um sie gelegt und sie an seinen Oberkörper gezogen. Während sie gesprochen hatte, hatten sich wieder Tränen den Weg aus ihren Augen gekämpft und rannen ihr die Wangen hinab.

„Ist wieder alles in Ordnung?", fragte Legolas, als ihre Tränen versiegt waren. Sie nickte scheu und wand sich aus seiner Umarmung. Es schien ihr peinlich zu sein, dass sie innerhalb von so kurzer Zeit zweimal ihrer Verzweiflung nachgegeben hatte. Legolas wollte etwas sagen, damit die peinliche Stille durchbrochen wurde, doch ihm wollte einfach nichts einfallen.

Gerade als die Stille unerträglich zu werden schien, klopfte es an der Tür. Gimli war zurück mit Aragorn, Gandalf und Fürst Imrahil im Schlepptau. Faramir war bereits nicht mehr anwesend gewesen und so hatte er auch nicht mitkommen können, als Gimli in den Saal getreten war. Man hatte ihn allerdings benachrichtigen lassen, sodass er bald eintreffen würde.

Da Silith sich nicht in der Lage fühlte, das Erlebte noch einmal zu erzählen, übernahm Legolas diese Rolle. Silith saß während der ganzen Zeit zusammengesunken auf der Fensterbank und hing ihren düsteren Gedanken nach.

„Und was wollt Ihr nun tun?", fragte Fürst Imrahil die vor sich hingrübelnde Ainu i Amdir, die aufgeschreckt den Kopf von den Knien hob.

Für einen Augenblick stand die selbe Furch und Abgehetztheit in ihren Augen wie kurz nach der Vision, doch als sie bemerkte, dass es nicht Lydon war, der sie angesprochen hatte, beruhigte sie sich und auch der Ausdruck verschwand aus ihren Augen. „Ich... ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Ich kann mich Lydon nicht ergeben, denn dann hätte er auch den Alchatar und somit die ganze Magie meines Volkes. Aber wenn ich mich weiter gegen ihn auflehne, wird er mein Volk töten." Sie seufzte resigniert und legte ihr Kinn auf ihren Knien ab.

Gandalf nickte verstehend. „Eine richtige Zwickmühle", murmelte er. „Habt Ihr denn keine Ahnung, was man gegen Lydon unternehmen könnte, oder wie man Euer Volk befreien könnte?"

Silith schüttelte müde den Kopf. „Nein, nicht die geringste. Lydon... er ist einfach zu mächtig. Das war er schon vor fünfhundert Jahren, aber jetzt, da er über die Magie aller Ainu i Amdir außer mir verfügt..." Es war nicht nötig, dass sie den Satz zuende führte. Die anderen wussten bereits, welche Macht sie besaß und was sie anrichten konnte, wenn sie diese erst einmal freisetzte. Ihnen war nicht wohl bei dem Gedanken, dass eine Person die Macht von mehreren hundert Ainu i Amdir besitzen sollte.

Aragorn, der bisher schweigend dagestanden hatte, ergriff nun das Wort. „Ich denke, es nützt nichts, wenn wir darüber diskutieren, ohne vorher darüber gründlich nachgedacht zu haben. Vor allem du, Silith, hast dir im Moment einen Augenblick Ruhe verdient. Morgen ist denke ich ein besserer Zeitpunkt um nach einer Lösung zu suchen." Er stieß sich leicht von der Wand ab, an der er gelehnt hatte. Mit einem Nicken in Siliths Richtung ging er aus dem Zimmer und Gandalf, Gimli und Fürst Imrahil folgten ihm. Faramir war bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht aufgetaucht.

Legolas jedoch blieb bei Silith und lehnte neben ihr an der Fensterbank. „Silith...", begann er.

Im Gleichen Moment sagte Silith: „Legolas..." Sie sahen sich an und lachten. Zum ersten Mal hellte sich Siliths Miene wieder auf, wenn auch nur teilweise. „Ihr zuerst!", sagte sie.

Legolas nickte. „Nun... Ich weiß nicht, wie ich es sagen soll..." Zum ersten Mal in seinem Leben wusste er nicht, wie er sein Anliegen in Worte fassen sollte. Er seufzte kurz und entschloss sich dann, es einfach auszusprechen. „Ich wollte Euch einfach sagen, dass ich Euch helfen werde, wenn ich es kann."

Silith legte den Kopf leicht schief. „Danke!", sagte sie und lächelte.

„Und was wolltet Ihr sagen?", fragte Legolas.

„Das, was ich Euch schon gesagt habe: Danke!", erwiderte sie. Sie ließ sich langsam von der Fensterbank hinabgleiten. „Ich glaube, ich hätte noch Stunden so mitten im Gang gestanden, wärt Ihr nicht da gewesen", lächelte sie, doch es erreichte nicht ihre Augen. Ihre Gedanken kreisten noch immer um Lydon, ihr Volk und Lydia und sie machte sich viel zu viele Sorgen, als dass sie befreit lächeln konnte.

Legolas bemerkte es und legte ihr beruhigend eine Hand auf die Schulter. „Wir werden schon einen Weg finden, Euer Volk und Lydia zu befreien. Da bin ich mir sicher."

Silith nickte wenig überzeugt und ging zu ihrem Nachttisch, aus dessen oberster Schublade sie etwas nahm, dass in ein dunkles Tuch eingeschlagen war. Auf seinen fragenden Blick schüttelte sie nur den Kopf. Sie würde es schon noch erklären. Vorsichtig, fast schon liebevoll enthüllte sie das, was das Tuch verbarg. Zum ersten Mal bekam Legolas den Alchatar zu Gesicht. Er erkannte sofort, dass dieser Stein etwas besonderes war. Er schien von innen heraus zu leuchten, wenn auch nur schwach.

„Ist das der Alchatar?", fragte er, während er zu Silith hinüberging.

Sie nickte. „Ja, das ist er. Und Lydon ist hinter ihm her." Sie seufzte, während sie den Stein traurig betrachtete. „Er war einmal azurblau, doch nun..." Sie machte eine hilflose Geste in Richtung des Steins, der von weitem aussah wie schwarz.

Auf einmal fiel Legolas etwas merkwürdiges auf. „Und seit wann hat sich der Stein verdunkelt? War das schon, bevor ihr Mittelerde verlassen habt, oder erst in der Zeit vor Lydons Angriff?"

Silith sah ihn erst verständnislos an, dann verstand sie, was er meinte. „Es begann ungefähr hundert Jahre vor seinem Angriff. Aber wie soll Lydon das bewerkstelligt haben? Er kam doch nicht in die Nähe des Steins!"

Legolas betrachtete den Stein nachdenklich. „Ihr habt doch gesagt, dass Eure Magie von diesem Stein herrührt. Was wenn Lydon sich nach und nach Euer Volk geneigt gemacht hat und sich deren Magie angeeignet und „gefärbt" hat? So hat er dann den Stein schwärzen können."

Silith fuhr mit einer Hand über den Stein und er leuchtete etwas auf. „Wenn das Stimmt, dann bin ich das letzte Puzzleteil, dass ihm fehlt. Deshalb ist er hinter mir her." Sie seufzte. „Das macht das ganze auch nicht unbedingt leichter." Sie hüllte den Stein wieder in den Stoff. Doch sie legte ihn nicht zurück in die Schublade. Sie verbarg ihn in einem Lederbeutel, den sie am Gürtel ihres Kleides befestigte. „Es ist wohl besser, wenn ich ihn bei mir trage."

Legolas nickte. „So, ich denke, jetzt haben wir genug gegrübelt. Ihr solltet an die frische Luft!" Silith sah ihn entgeistert an. Wie kam er denn nun auf so etwas? Legolas lachte ob ihrer überraschten Mine und schob sie aus dem Zimmer. „Nun geht schon!" Innerlich war Legolas jedoch über sich selbst überrascht. Seit wann stellte er seine Gefühle so offen zur Schau, dass selbst Gimli etwas davon mitbekam?

Ende Kapitel 9

So, das war's erst einmal. Ich muss mich erst einmal ausruhen. Ich hab fast vier Stunden daran herumgebastelt, bis es mir gefallen hat. Das war was! Aber jetzt kann ich mich ja entspannt zurücklehnen und auf eure Reviews warten. Schreibt bitte ganz fleißig, ja?