Harry Potter und die Fünfte Seele

Ganz vielen Dank für die vielen Reviews an Hermine Potter, OD und Arthus von den Stammreviewern, sowie an Crowman und DKub. Ich entschuldige mich für alle Rechtschreib- und andere Fehler, und tue mein bestes, sie zu auszumerzen. Ein Beta würde das ganze natürlich erleichtern, aber mit meinen momentan mehr als chaotischen Erreichbarkeitszeiten will ich das keinem zumuten.

Erklärung:

Das hier ist nur ein verzeifelter Versuch eines Potterverrückten, die Zeit bis zum Erscheinen des siebten Bandes zu überbrücken. Es wird nicht versucht, damit Gewinn zu machen. Alle Figuren und Orte sind geistiges Eigentum von Joanne K. Rowling und der Verlage, die ihre Bücher verbreiten.

Kapitel 9 – Neuer Streit, und ein Entschluss

Der Raum, in den Harry dem Minister gefolgt war, war nur unwesentlich größer als eine Besenkammer in Hogwarts. Vermutlich ein Lagerraum, denn es standen nur ein paar schmale Regale herum, aber keine Tische oder Stühle. Scrimgeour hatte gewartet bis Harry im Zimmer war, und dann sofort die Türe zugeschlagen, bevor er sich zu ihm umgedreht und begonnen hatte, zu schreien.

"Was zur Hölle hast du dir dabei gedacht, junger Mann?"

Harry musste sich etwas zusammenreissen, um sich von der grollenden Stimmen nicht beeindrucken zu lassen, aber er hatte sich auf die unausweichliche Konfrontation vorbereitet und schon einige Sätze parat. "Ich werde ihnen genau sagen, was ich mir dabei gedacht habe, Herr Minister," antwortete er mit ebenso geladener Stimme, "ich habe mir gedacht dass es keinen Sinn macht, nur abzuwarten, was als nächstes passiert. Und ich habe mir gedacht, dass mit jedem Tag, den das Ministerium abwartet, in der Hoffnung dass sich die Dinge von alleine beruhigen, da draussen Menschen leiden und sterben. Und ich denke, dass wir Voldemort nicht alleine werden aufhalten können, wir brauchen jeden auf unserer Seite den wir bekommen können, egal ob Hauself, Kobold oder Werwolf. Wenn wir zu lange warten werden sie warscheinlich ihr Heil darin suchen, dass sie sich Voldemort anschließen!"

"Du... aber..." dem Minister schien es für einen Augenblick die Sprache verschlagen zu haben, und als Harry erkannte dass ihm keine Gegenargumente einfielen, musste er sich beherrschen nicht zu grinsen.

"Aber bist du dir im klaren, was deine Worte für die Öffentlichkeit bedeuten? Das war beinah so etwas wie eine Kriegserklärung!"

Harry spürte jetzt Wut aufsteigen. "Und wo liegt das Problem? Wollen sie weiter allen versichern, dass alles in Ordnung ist, und warten bis die ganze magische Welt in Trümmern liegt? Wie nennen sie das, wenn nicht Krieg? Ich habe zwei der wichtigsten Menschen in meinem Leben verloren, zu unterschiedlichen Zeitpunkten, in dem Krieg, von dem sie sagen er wäre keiner, und ich habe genügend andere sterben sehen."

"Du verstehst das nicht, Junge," schrie der Minister wieder zurück, "wenn wir mit diesem Kampf an die Öffentlichkeit gehen, werden noch mehr Menschen Stellung beziehen, und nicht alle auf unserer Seite. Es wird noch mehr Opfer geben!"

"Es wird noch mehr Opfer geben, egal was sie tun. Die Frage ist, ob sie dem ganzen ein Ende setzen wollen!"

Der Minister schien kurz davor zu sein, völlig zu explodieren, und Harry konnte sehen, dass er am ganzen Körper vor Wut zitterte. "Wer bin ich eigentlich, dass ich mir eine Standpauke von einem Schuljungen anhöre? Du solltest dankbar für die Unterstützung sein, die du und deine Freunde von uns bekommen habt!"

"Ich bin dankbar, auch wenn sie mir das nicht glauben, aber ich werde einen Teufel tun und meinen Mund halten, während meine Freunde und Familienmitglieder von Voldemort umgebracht werden!"

"Jetzt habe ich aber genug. Ich werde mir das nicht länger anhören!" Damit drehte sich der Minister auf der Stelle um und stürmte aus dem Zimmer, wobei er sich durch eine erschrockene Gruppe von Zauberern und Hexen drängte, die sich gleich vor der Tür versammelt hatten.

Die meisten davon konnten an der roten Haarfarbe sofort als Weasleys identifiziert werden, und Hermine, Remus und Tonks waren bei ihnen, genauso wie McGonagall, und jeder starrte ihn ungläubig an. Scheinbar war jedes Wort der Diskussion draußen zu hören gewesen. Langsam verließ auch er den Raum und fand sich zwischen den grinsenden Gesichtern von Fred und George Weasley wieder.

Einer der beiden, warscheinlich George, legte eine Hand auf seine Schulter. "Wir haben Glück gehabt, dass wir es noch rechtzeitig zu deiner Rede geschafft haben," fing er an, und Fred knüpfte ohne Pause an, "oder wir hätten den besten Tritt verpasst, den unser Herr Minister je in seinen dicken Hintern bekommen hat!"

"Fred!" War die entrüstete Stimme von Molly Weasley aus der Gruppe zu vernehmen.

"Und das war schon das zweite Mal innerhalb von zwölf Stunden. Ich glaube, das ist sowas wie ein Rekord." Tonks' Kommentar ließ die Augen der Zwillinge groß werden.

"Das zweite Mal? Harry, du bist unser Held!" Riefen sie beide gleichzeitig.

Die Gruppe machte sich auf den Weg zurück zu den Wohnräumen, wobei sich Ron aufgeregt gestikulierend mit seinen Brüdern über den Vorfall unterhielt. Ginny hielt abwechselnd seine Hand oder mischte in der Diskussion zwischen den Jungen mit. Tonks und Remus flüsterten sich vertraulich zu. Er ließ sich ein wenig zurückfallen, so dass er neben Arthur Weasley her ging.

"Mr. Weasley?"

"Was gibt es, Harry?" Der Zauberer trug einen ruhigen Gesichtsausdruck zur Schau, und Harry konnte nicht sagen, was er von der ganzen Sache hielt.

"Ich hoffe, sie bekommen keinen Ärger für das, was ich gesagt habe."

"Mach dir keine Sorgen, Harry. Auch wenn ich welchen bekäme, es war höchste Eisenbahn, dass jemand dem Minister einen Schubs gibt, und ich bin stolz auf den Mut, den du gezeigt hast."

Mrs. Weasley hatte sich ebenfalls den beiden angeschlossen. "Wir sind alle stolz auf dich, Harry."

Sie war kurz davor, ihn mit einer der gefürchteten Weasley-Umarmungen zu erdrücken, aber ein leises Hüsteln von Professor McGonagall rettete ihn. "Ich muss sagen, auch ich bin beeindruckt. Ich beginne zu erkennen, warum dich der Sprechende Hut nach Slytherin stecken wollte. Gut gemacht!"

"Äh, Professor McGonagall?" Harry sah sie fragend an. Er hatte sie etwas fragen wollen, und jetzt war wohl der beste Augenblick.

"Ja, Harry?"

"Ich habe mich gefragt, ob wir, also ich, Hermine, Ron und vielleicht Ginny, eventuell für den Rest der Ferien in Hogwarts bleiben könnten?"

"Aber Harry, wir können doch alle hier bleiben!" Unterbrach ihn Mrs. Weasley mit einem besorgten Gesichtsausdruck.

"Es tut mir leid, Mrs. Weasley," antwortete er weich, "aber es wäre nicht gut, wenn ich noch viel länger hier bliebe. Sie haben die Auseinandersetzung zwischen dem Minister und mir miterlebt, und ich glaube nicht, dass das schon die letzte war. Wenn ich länger bliebe, dann könnte das bedeuten, dass wir alle hier rausfliegen. Und es wäre hier auch nicht viel länger sicher falls ich zu oft gesehen werden. Voldemort wird irgendwann bemerken dass ich hier bin und seine Angriffe auf das Ministeriumsgebäude konzentrieren. Und er ist schließlich schon einmal erfolgreich hereingekommen."

Die entschlossene Stimme von Professor McGonagall ließ alle Proteste von Molly Weasley im Keim ersticken. "Ich habe das schon erwartet, Harry, und nachdem mich Professor Dumbledore über deine unerledigten Aufgaben ins Bild gesetzt hat, denke ich auch, dass Hogwarts ein guter Ausgangspunkt dafür ist. In den letzten Tagen sind die Verteidigungszauber verstärkt worden, also sollte es nach unserem Ermessen auch wieder sicher sein."

Schließlich kamen sie an der Wohnung an, und Harry bat seine Freunde und die Zwillinge, ihn in zwei Stunden im Gemeinschaftsraum zu treffen. Auf die Frage, weshalb, gab er nur eine unbestimmte Antwort. Alle begaben sich in die Küche, wo Molly Weasely sofort damit begann, das Essen zuzubereiten, nachdem die meisten von ihnen verschlafen und so das Frühstück verpasst hatten.

Sie verbrachten dann eine entspannte halbe Stunde mit dem Essen und Spekulieren, wie sich das Ministerium jetzt wohl verhalten würde. Nachdem alle fertig waren, bot Harry an beim Abwasch zu helfen, und war kurz darauf mit Mrs. Weasley alleine in der Küche.

"Es tut mir leid, dass ich nicht früher gefragt habe, aber wie geht es Bill?" Er hätte beinah vergessen, dass der älteste der Weasley-Brüder sich im Kampf in Hogwarts ernsthafte Verletzungen zugezogen hatte, und fühlte sich ein wenig schuldig.

"Oh Harry!" Mrs. Weasley schien von einem Moment zum anderen den Tränen nahe. "Es geht ihm schon wieder ganz gut. Es werden zwar einige Narben bleiben, aber davon abgesehen ist alles sehr gut verheilt."

Harry war erleichtert, dass es keine Komplikationen gegeben hatte. "Dann wir die Hochzeit stattfinden?"

Jetzt verschwand ein Teil der Sorgen aus Mrs. Weasleys Augen. "Ja, die Hochzeit wird am zwölften August sein." Ein kleiner Schatten flog über ihr Gesicht. "Aber sie haben sich entschlossen, in Frankreich zu heiraten, es ist dort sicherer."

Er nickte verständnisvoll. "Dann werdet ihr alle dort hinfahren?"

"Harry, wir werden alle dort hinfahren. Du gehörst auch zur Familie, und Fleur würde mich lebendig häuten, wenn ich dich nicht mitbringen würde. Aber hat Ron dir noch nichts davon gesagt?"

"Nun ja, mit allem was geschehen ist hatten wir wohl einfach noch keine Zeit, darüber zu reden."

"Natürlich. Aber du wirst ohnehin bald eine Eule mit einer Einladung erhalten. Aber willst du wirklich über den Sommer in Hogwarts bleiben?"

Harry hatte sich vor dieser Frage die ganze Zeit gefürchtet, er wusste schließlich, wieviel Angst Mrs. Weasley davor hatte, ihre Kinder aus ihrer Sicht zu lassen. "Ich muss, und ich weiß auch, dass Ron und Hermine nicht zurückbleiben werden. Wegen Ginny..."

"Sie ist viel zu jung für so gefährliche Sachen!"

"...ich weiß, dass sie sich noch mehr Sorgen um sie machen, falls das möglich ist. Aber ich glaube nicht, dass sie sie dazu bringen können, hier zu bleiben. Niemand könnte das. Aber ich verspreche, dass ich so gut wie irgend möglich auf sie aufpassen werde. Ich könnte nicht weiterleben, wenn ihr etwas passieren würde." Und mit leiser Stimme, beinah einem Flüstern, fügte er hinzu, "Ich liebe sie."

"Oh Harry!" Rief Mrs. Weasley wieder, diesmal mit Tränen auf ihren Wangen, und umfing ihn mit ihren Armen. "Ich weiß, wieviel ihr einander bedeutet. Aber ihr verdient etwas anderes als all die Gefahren und Grausamkeiten, durch die durch müsst. Ich will keinen von euch verlieren!"

Er konnte die Trauer selbst spüren, die in ihren Worten lag, und umarmte sie zurück, wobei er sich seltsam getröstet fühlte. "Ich weiß. Wir werden so vorsichtig sein wie möglich. Danke, Mrs. Weasley!"

"Es ist wirklich Zeit, dass du das 'Mrs. Weasley' sein lässt," erklärte sie ihm mit einem Lächeln in ihrem Tränenüberzogenen Gesicht, "nenn mich bitte Molly."

"Danke, Molly."

Nach ein paar Minuten entschuldigte er sich. Er fühlte sich ein wenig erschöpft und wollte sich eine Stunde hinlegen. In Anbetracht des leeren Gemeinschaftsraums vermutete er, dass er nicht der einzige mit dieser Idee war, und wie erwartet fand er Ron schnarchend im Bett. Ohne viel Zeit zu verlieren legte er seine Brille auf den Nachttisch und ließ sich, ohne sich auszuziehen, auf sein Bett fallen. Eine Minute später war er ebenfalls eingeschlafen.

Etwas mehr als eine Stunde später wachte er wieder auf. Er streckte sich genüsslich und gähnte, dabei bemerkend, dass Rons Bett jetzt wieder leer war. Er erschrak kurz, denn er hatte keine Uhr dabei, aber er hoffte dass er die anderen nicht zu lange warten hatte lassen. Kein Grund zur Panik, dachte er bei sich, Ron hätte ihn sicherlich aufgeweckt. Die anderen waren schon alle im Gemeinschaftsraum und warteten auf ihn. Während Hermine etwas in Rons Ohr flüsterte begrüßten ihn die Zwillinge mit gespielten Verbeugungen.

"Wenn das nicht..." begann Fred.

"...seine Majestät, unser liebster..." fuhr George fort.

"Sponsor des Jahres ist." Machte Fred wieder weiter. "Der uns vielleicht..."

"...die Ehre erweisen mag..."

"...uns armen Sterblichen zu erzählen..."

"...warum wir schon seit Stunden warten."

"Stunden?" Fred gab seinem Bruder einen Klaps auf den Hinterkopf. "Endlose Tage!"

"Aber, aber, das war völlig unpassendes aggressives Verhalten im Anblick seiner gnädigen Hoheit, oh Bruder!"

"Schon gut, hört auf damit!" Schrie Ginny. "Ihr zwei..."

Harry vollendete ihren Satz mit einem Grinsen. "...seid unerträglich zusammen!"

"Genug!" Mischte Hermine sich ein, "Mir wird schwindlig!" Ron murmelte etwas unverständliches, aber Harry war sich ziemlich sicher, dass er das Wort 'wahnsinnig' herausgehört hatte.

Hermines Blick lag erwartungsvoll auf Harry. "Also, um was geht es?"

"Nicht hier. Aber ich denke, ich kenne genau den richtigen Ort für eine private Unterhaltung." Erklärte er mit einem Lächeln. "Dann werde ich auch Gelegenheit haben, euch einen Verwandten vorzustellen."

Jetzt starrten ihn alle mit großen Augen an. Nur bei Ginny, die sich an seine Schulter gelehnt hatte, konnte er einen kurzen Schimmer von Zweifel erhaschen. "Was hast du uns vorenthalten, Harry?"

Er erkannte den Ausdruck in ihrem Blick nur allzu schnell und tastete nach ihrer Hand, um sie beruhigend zu drücken. "Nichts, das es Wert wäre, sich darüber Sorgen zu machen. Nur etwas, das ich eben erst entdeckt habe, und ich hatte noch keine Gelegenheit, euch davon zu erzählen. Ach, Hermine, würde es dir was ausmachen, eine kurze Nachricht für die Weasleys, oder wer auch immer reinkommt, zu schreiben, dass wir nur ein paar Meter den Gang runter in einem der Räume sind? Ich möchte nicht, dass Mrs. Weasley das ganze Ministerium in Panik versetzt, wenn sie uns hier nicht findet."

Die Hexe mit den buschigen Haaren nickte und zog augenblicklich eine Feder und Pergemant aus der Tasche ihres Umhangs, um ein paar Zeilen darauf zu schreiben. Sie legte das Pergament auf den Tisch und betraten hinter Harry das Labyrinth aus Fluren, der sich darüber freute, im Ministerium nicht mehr völlig orientierungslos zu sein. Nach kurzem erreichten sie das Schulzimmer, wo ihn Tonks nach seinem Streit mit Ron gefunden hatte. Er öffnete die Tür einen Spalt und spähte hinein. Der Raum war verlassen, so dass er die Türe schnell ganz aufmachte und hineintrat. Als die anderen ebenfalls im Zimmer waren schloss er sie wieder und versah sie mit einem starken Schweigezauber, den Hermine vor zwei Jahren für die DA herausgesucht hatte.

Während er langsam zu dem Portrait an der Wand ging, konnte er nicht umhin, über beide Ohren zu grinsen. Frances schlief tief und fest in einem Stuhl, und Harry trat lautlos heran, bis sein Kopf nur noch eine Armlänge von dem Bild entfernt war, um dann laut zu husten. Der Zauberer fiel beinah mitsamt seinem Stuhl um.

"Was...? Das ist...! Oh, Harry, schön, dich zu sehen!"

"Darf ich euch alle einander vorstellen," sagte Harry und trat einen Schritt zur Seite, so dass seine Freunde einen ungestörten Blick auf das Protrait werfen konnten, "das ist mein Urgroßvater, Frances Potter," und mit einem Blinzeln fügte er hinzu, "auch bekannt als der 'Fidele Frances'."

Hermine quietschte erfreut auf. "Frances Potter? Sie haben während des letzten Goblin-Aufstandes gekämpft, nicht wahr?"

Harry seufzte laut auf. Es schien als würde jedes andere Mitglied der magischen Welt mehr über seine Familie wissen als er selbst. Doch die anderen bemerkten es gottseidank nicht.

Der Mann im Gemälde zog eine Augenbraue hoch. "Ich sehe, sie haben ihre Hausaufgaben gemacht, meine schöne Dame." Hermine errötete im ganzen Gesicht bei dieser Anrede, und Harry fühlte, dass sie sich ein wenig schämte, so herausgeplatzt zu sein. Aber Harrys Urgroßvater behielt sein Lächeln auf den Lippen. "Es wäre eine große Ehre für mich, den Namen einer solch seltenen Blume zu erfahren."

Hermine war sprachlos, und Ron kicherte kurz, bevor ihn Ginnys Ellbogen und ein bedrohlicher Blick seiner Freundin zum Verstummen brachten. Harry stellte alle der Reihe nach vor, aber als er bei Ginny angekommen war, wurde er von Frances unterbrochen. "Nein, sag nichts mehr, junger Harry. Dieses wunderschöne rothaarige Mädchen muss deine Freundin sein, nicht wahr? Falls nicht, solltest du dringend etwas unternehmen!"

Harry sah den alten Zauberer mit Erstaunen an. Er war sich sicher, dass er und Ginny kein Anzeichen für ihre Beziehung gegeben hatten, seit sie den Raum betreten hatten. "Woher...?"

Der Mann lachte glucksend in seinen Bart. "Weisst du, Harry, wenn ich so nachdenke hat es in der Familie Potter wohl die letzten fünf- oder sechshundert Jahre nur rothaarige Frauen gegeben. Eine andere Frau könnte niemals einen echten Potter zähmen. Und wenn ich mir die Flammen ansehe, die hinter ihren lieblichen Augen züngeln, bin ich mir sicher, dass kein Potter ihr widerstehen kann."

Jetzt war Ginny an der Reihe von Kopf bis Fuß zu erröten, doch Harry räusperte sich bedeutungsvoll. "Ich würde gerne noch eine Weile weiterplaudern, aber ich habe etwas auf dem Herzen, worüber ich mit euch allen reden wollte."

Die anderen sahen ihn erwartungsvoll an.

"Die letzten paar Tage haben mir echt Kopfschmerzen bereitet," begann er, ein wenig unsicher, wo er anfangen sollte, aber schnell nahm sein Gesicht einen entschlossenen Ausdruck an, "es passiert zur Zeit viel zu viel in der magischen Welt, und ich werde nicht mehr lange hier im Ministerium bleiben, eingesperrt und unfähig, etwas dagegen zu tun. Hier sind wir nicht mehr Wert als die Auroren, die auch nur reagieren, wenn sie unbedingt müssen!" Seine Stimme wurde schärfer, und er begann vor den anderen auf und ab zu laufen, wie er es in den DA-Treffen getan hatte, wenn er angespannt gewesen war. "Ich will nicht nur reagieren, ich muss Voldemort einen Schritt voraus sein!"

Keiner in der Gruppe gab ein Geräusch von sich, als er den Namen des dunklen Zauberers aussprach, was ein gutes Zeichen war.

"Ich werde den Spieß umdrehen, ich habe es satt mir von ihm jeden Augenblick meines Lebens diktieren zu lassen!" Er war jetzt wirklich wütend, und die Zwillinge, die ihn nicht so gut kannten wie der Rest, traten vorsichtig einen Schritt zurück, als er weiterschimpfte.

"Und ich habe einige Dinge zu erledigen bevor ich in der Lage sein werde ihn zu vernichten, und die kann ich wohl kaum hier tun."

Die Zwillinge sahen ihn an, als hätte ihnen jemand ins Gesicht geschlagen. Fred war, wie meistens, der erste der beiden der seine Gedanken geordnet hatte. Mit einer Ernsthaftigkeit, die man sonst selten bei den beiden zu sehen bekam, sprach er Harry an. "Was meinst du mit 'bevor du in der Lage sein wirst, ihn zu vernichten'?"

"Tut mir leid, ich hatte ganz vergessen, dass ihr noch nicht alles wisst. Aber bevor ich euch alles erzähle, müsst ihr mir versprechen," und er sah sie dabei bedeutungsschwer an, "dass ihr mit niemandem über das sprecht, was ihr hier hört."

Fred und George nickten beide zustimmend, und Harry erzählte ihnen von der Prohpezeiung, was genau alles im Ministerium in der Mysterienabteilung geschehen war, und von seiner und Dumbledores Suche nach den Horcruxen, die schließlich im Tod seines Mentors geendet hatte. Er beschrieb auch noch einmal die zweite Prophezeiung, und die mysteriösen Seelensteine. Bei alldem wurde er nur ein paar Mal von den erstaunten Ausrufen der Zwillinge oder von seinen Freunden, die die ein oder andere Anmerkung einstreuten, unterbochen. Es war hart für ihn, all die Momente noch einmal Revue passieren zu lassen, aber Ginny hatte ihre Arme um ihn geschlungen und massierte sanft seinen Nacken, wann immer er in den Erinnerungen stecken zu bleiben schien.

Es dauerte eine Weile, alles zu erklären, aber als er fertig war standen die Zwillinge mit entschlossenem Gesichtsausdruck vor ihm.

"Nur damit du es weisst, ..." George legte seine Hand auf Harrys linke Schulter, während Fred die seine auf Harrys rechte legte.

"...wir werden an deiner Seite kämpfen..."

"...egal, was passiert..."

"...bis es vorbei ist..."

"...schließlich..."

"...gehörst du zur Familie."

Harry lächelte den beiden mit feuchten Augen zu. Wie zur Hölle, fragte er sich, hatte er so treue Freunde verdient, und als Ron laut verkündete "Das werden wir alle!" musste er nach unten sehen und einen sehr interessanten Punkt auf dem Boden untersuchen, um nicht von seinen Gefühlen überwältigt zu werden. Er spürte, dass er in diesem Augenblick auf einer Kreuzung stand, und obwohl er so lange versucht hatte, die Dinge für sich zu behalten und die Probleme alleine zu lösen, wusste er, dass er diese Straße nicht alleine würde gehen können.

Er war dabei, übertrieben sentimental zu werden, aber die Stimme seines Urgroßvaters rettete ihn. "Ich weiss nicht, ob ich eine große Hilfe sein kann, aber das ist eine Aufgabe, die eines Potters mehr als Wert ist, und ich würde gerne meinen Beitrag leisten."

Harry schenkte ihm ein freundliches Lächeln. "Danke!" Dann kam ihm eine Idee. "Genau gesagt, ich könnte mir ganz gut vorstellen, wie du uns helfen könntest!"

Der alte Zauberer sah ihn eifrig an. "Und wie?"

"Gibt es noch andere Portraits von dir?"

Die Erkenntnis zeichnete sich auf dem Gesicht des alten Mannes ab. "In der Tat! Ziemlich schlau, muss ich sagen. Ja, es gibt eines im drittnächsten Raum auf der linken Seite. Der Raum ist die letzten zwanzig Jahre nicht genutzt worden, es wird also kaum jemandem auffallen, falls dort etwas fehlt. Oh," er zwinkerte verschwörerisch, "und es gibt eines im Flur gleich neben dem Büro des Ministers."

"Würdest du denn als Nachrichtenübermittler, und, nennen wir es 'verlängertes Ohr', für uns fungieren?" fragte Harry.

"Der Fidele Frances, zu euren Diensten!" Der gemalte Zauberer salutierte mit der Hand über seiner Augenbraue.

"Aber wohin willst du gehen, Harry?" fragte ihn Hermine besorgt.

"Ich habe mich schon gewundert, wann du endlich fragen würdest. Ich habe mit McGonagall gesporchen, sie hat zugestimmt dass wir den Rest der Ferien in Hogwarts verbringen können.

"Cool!" Rief Ron, wurde aber sofort wieder ernst. "Aber unsere Ma wird..."

"Keine Grund zur Sorge," unterbrach Harry ihn, "das ist bereits geklärt, ich habe mir ihr gesprochen und sie hat zugestimmt."

Jetzt sahen ihn alle Weasleys überfahren an. Ron war der erste, der seine Stimme wiederfand. "Aber sicherlich würde sie nicht..."

"Wag es nicht zu sagen, was du denkst!" Platzte Ginny mit wütendem Gesichtsaudruck heraus. "Ich gehe dorthin, wo Harry hingeht! Punkt!" Mit einem Stampfen unterstrich sie ihren Satz.

Harry drehte sich mit einem Glucksen zu ihr hin und umarmte sie. "Glaub ja nicht, ich würde dich für eine Sekunde aus meinen Augen lassen, Gin. Du gehst mit uns." Er gab ihr einen innigen Kuss, den sie zuerst ein wenig widerstrebend, dann mit mehr und mehr Enthusiasmus erwiderte, bis sich der Raum um seinen Kopf zu drehen schien.

"Iiiiieee, das ist..."

"widerlich! Lass unsere Schwester in Ruhe..." Riefen die Zwillinge.

"...oder wir müssen dich verhexen. Auserwählter..."

"...oder nicht!"

Harry drehte sein Gesicht zu den beiden. "Seid ihr wirklich bereit, die Herrin des Flederwichtfluchs herauszufordern?"

"Wenn du es so sagst..." Fred ließ seinen Blick unschuldig im Raum herumwandern, und George folgte seinem Vorbild.

"...dann denke ich, wir sind vorübergehend..."

"...vollständig blind geworden."

Daraufhin stellten sie alle ein paar Stühle im Kreis zusammen und begannen, ihre Abreise für den nächsten Tag zu planen. Hermine drängte sie, einen genauen Zeitplan für die nächsten paar Tage aufzustellen, und eine Liste zu machen mit den Punkten, die sie recherchieren wollten. Ron ächzte als sie verkündete, dass sie jeden Tag um sieben aufstehen müssten, aber nachdem Harry ihn darauf hinwies, dass ihnen nur noch zehn Wochen bis zum Ende der Ferien blieben, stimmte er mürrisch zu.

Die Zwillinge versprachen, bei der Vernichtung der Horcruxe zu helfen, nachdem sie beide viel Erfahrung mit unbekannten Zaubersprüchen hatten. Und wie Ginny erklärte, würde es auch nicht schaden, einige wachsame Augenpaare in der Winkelgasse zu haben. Sie schlug auch vor, dass sie alle Harrys Tresor in Gringotts einen Besuch einen Besuch abstatten sollten, genau wie Grimauld Place, um nach Dingen und Büchern ausschau zu halten, die ihnen bei ihrer Aufgabe helfen könnten.

Hermines Drängen den Orden des Phönix in ihre Pläne einzuweihen fand weniger Anklang, und sie einigten sich darauf eine langes Gespräch mit McGonagall zu führen bevor sie eine Entscheidung darüber trafen.

Frances streute hier und da einen Vorschlag ein, und schließlich erklärten sie ihren Plan als für's erste ausreichend. Sie winkten Frances zum Abschied zu, und nachdem Harry kurz in den anderen Raum geschlüpft war, um das andere Portrait zu holen, machten sie sich auf den Weg zurück zur Wohnung.

Auf dem Weg neckten sich Ron und Hermine wie üblich gegenseitig, einmal mehr mit Rons ewig knurrenden Magen als Thema. Der beschwerte sich lautstark, dass das Verpassen eines Frühstücks eine unverzeihliche Form körperlicher Züchtigung sei, aber er erntete dafür nur verzweifelte Seufzer von den anderen. Harry selbst fühlte sich erleichtert darüber, dass langsam etwas in Bewegung kam.

Als sie die Eingangstür erreicht hatten, ließ er die anderen vorgehen und hielt Ginny an der Hand zurück. Er zog sie in seine Arme und war wieder erstaunt, wie weich sie sich anfühlte. Ein Gefühl von Leichtigkeit, als würde er einen Meter über dem Boden schweben, breitete sich von seinem Magen aus. Er sah ihr tief in die Augen und wurde ernst. "Denkst du...?"

Er konnte den Satz nicht vollenden, weil Ginny ihre Finger über seinen Mund legte. "Es wird alles in Ordnung gehen. Ich vertraue dir, das tun wir alle." Damit zog sie ihn zu sich heran um ihn zu küssen, und einige Sekunden später konnte er sich gar nicht mehr erinnern, welche Frage er hatte stellen wollen.

Zehn Minuten später betraten Harry und Ginny den Gemeinschaftsraum, beide mit gerötetem Gesicht und ausser Atem. Falls es den anderen auffiel, ließen sie es sich aber nicht anmerken, und sie waren beide dankbar dafür.