Kapitel X:

"Du kleiner Freak!", knurrte Vernon. "Hast du immer noch nicht gelernt, die Klappe zu halten? Ich schätze, du brauchst noch eine weitere Lektion." Während er sich Harry näherte, die Augen fest auf seinen Körper gerichtet, öffnete er die Gürtelschnalle und zog den Ledergürtel aus den Schlaufen.


Sirius mag zwar keine Morgenmensch sein, im Gegenteil: üblicherweise schläft er wie tot bis Nachmittags, wenn ihn keiner weckt. Aber zwei Jahre auf der Flucht vor dem Ministerium ließen seine Schlafgewohnheiten nicht unverschont.

Wenn es schon hell draußen war und das kurze Öffnen eines Auges genügte, um ihn zu versichern, dass er wohlbehalten und sicher – am Besten mit Moony zusammen - im Schlafzimmer lag, dann konnte Sirius tief und fest schlafen, aber während der dunklen Stunden in der Nacht brauchte es nicht viel, ihn zu wecken.

(Und um das mal klar zu stellen, er wird auch einfach nicht gern nachts geweckt. Wirklich. Es gibt nicht viele Gründe, die das in seinen Augen rechtfertigten. Einer davon – sein Favorit- ist, wenn Remus nicht schlafen kann und ihn weckt, um…naja…aber das war jetzt nicht der Fall).

So wachte er schon nach dem zweiten Mal, als Remus ihn in dieser Nacht gerufen hatte, abrupt auf und saß kerzengerade im Bett, seine Hände suchten automatisch nach etwas, womit er sich verteidigen könnte (das tat er immer – ‚IMMER WACHSAM!', wie Mad-Eye sagen würde).

„Shh Sirius, ich bin's."

Im schwachen Licht im Raum sah Remus, wie Tatze sich zu ihm drehte und in seine Augen sah, bis er nach ein paar Sekunden realisierte, wo er war. Sirius fuhr mit der Hand über sein Gesicht.
„Wa-" „Es ist Harry", antwortete Remus, bevor Sirius überhaupt zu Ende fragen konnte.
„Harry?"

Remus nickte in der Dunkelheit.

„Ja. Er wälzt sich im Bett hin und her. Ich denke, er hat wieder einen Albtraum…"

Sirius nickte nur und stieg aus dem Bett, Remus einen Kuss auf die Stirn gebend.

„Okay. Vielleicht ist er ja Gesprächiger mit mir in der Nacht."


Ein Albtraum war es offensichtlich wirklich gewesen. Harrys Schlafanzug war schweißnass, und es war wirklich ein Kampf, den Jungen wach zu bekommen, ohne ihn zu Tode zu erschrecken. Harry hatte seine Hände im Schlaf gehoben, wie um sich selbst zu verteidigen, und die ganze Zeit ‚Nein' gemurmelt, woraufhin Sirius die Stirn gerunzelt hatte.

Als Sirius ihn schließlich wach gekriegt hatte und Harry sich genug gesammelt hatte, um mit dem Zittern aufzuhören, weigerte er sich ohne wenn und aber, über seinen Albtraum zu reden, genau so wie letzte Nacht mit Remus. Harry hatte gesagt, alles an das er sich erinnerte, war, dass er einen Albtraum hatte, aber nicht mehr, um was er ginge.

Sirius kannte Harry zwar nicht so gut, wie er es gern hätte, wie er es als Pate müsste, aber er wusste schon, dass Harry ein schlechter Lügner war. Ein sehr schlechter. Sirius glaubte Harry keine Sekunde lang, dass er sich nicht an seinen Albtraum erinnern könne, aber – so, wie Remus- war er sich bewusst, dass Harry den ersten Schritt machen musste, ob es ihm gefällt oder nicht.


Draco Malfoy war ein Frühaufsteher (jedenfalls, wenn er genug geschlafen und nicht gerade die wohl schlimmste Nacht seines Lebens durchgemacht hatte).

So kam es, dass er an diesem Morgen um 6 Uhr am Tisch in der Küche des Grimmauldplatz Nr. 12 saß, noch im halbdunkeln, die Sonne gerade aufgehen sehend. Er hatte es oben im Zimmer einfach nicht mehr ausgehalten. Es war einfach nicht seins, auch, wenn Bla-Sirius und er es zusammen gesäubert hatten und der Schwarzhaarige wirklich sein Bestes gab, den Raum heimisch zu machen und Draco dazu zu bringen, sich Wohlzufühlen, sogar versucht hatte, mit ihm Witze zu reißen.

Dracos Gedanken wurden unterbrochen, als er Geräusche auf der Treppe hörte. Er sah im schummrigen Morgenlicht auf, als der Werwolf in die Küche trat – fertig angezogen und anscheinend hellwach. Er ist wohl auch mehr der Morgenmensch. ‚Kein Mensch!', sagte die Stimme seines Vaters im Kopf. ‚Eine Kreatur, ein Monster!'

Remus lächelte ihn unbesorgt an. „Guten Morgen Draco. Ich habe nicht damit gerechnet, dass schon jemand wach ist. Möchtest du auch einen Tee? Ich kann den Tag einfach nicht anständig beginnen ohne eine gute Tasse Tee…", lachte Lupin und machte sich an die Arbeit, Wasser aufzusetzen. Warum er den Tee nicht einfach herzauberte war Draco ein Rätsel.

Ohne eine Antwort von Draco, ob er denn überhaupt Tee haben möchte, abzuwarten, stellte Lupin ihm eine Tasse hin und daneben legte er ein Stück Schokolade. Hatte der Kerl die hier überall im Haus rumliegen?

„Na los, trink.", sagte der Werwolf, als er Draco Tee eingegossen hatte. Und das immer noch lächelnd. War das etwa Mitleid? Draco wollte mit Sicherheit kein Mitleid von einem Werwolf! Immer wieder erinnerte ihn die Stimme seines Vaters daran.

Draco nahm trotzdem einen Schluck und wurde sofort von der Wärme des Tees durchströmt.

Eine Zeit lang sagte keiner von ihnen was, während Lupin sich ebenfalls Tee eingoss und sich gegenüber von Draco setzte.

„Weißt du,", sagte Lupin schließlich, „wenn du reden willst…", er brach ab und ließ den Satz ausklingen, während er in seine Tasse schaute.

Ein harsches ‚Nein' und eine Beleidigung lag schon automatisch auf Dracos Lippen, aber er brachte es nicht über sich, nach den Vorgängen der letzten Tage.

Und immerhin waren diese Menschen (‚Mensch und Kreatur' . und da war sie wieder, die Stimme in seinem Kopf, die wie Lucius klang) seine Gastgeber. Sie hatten ihn aufgenommen. Der Werwolf war gestern sogar zu ihm gekommen, um ihm ein Buch zu geben, damit Draco sich nicht langweile, damit er was zu tun habe, damit er etwas besäße, was seins sei.

„Ich weiß nicht.", sagte Malfoy leise und ihm fiel auf, dass das wohl der erste Satz sein musste, den er zu Lupin gesagt hatte seit seiner Ankunft – abgesehen von den üblichen Höflichkeitsfloskeln wie Bitte und Danke.

Remus sah ihn an und lächelte verständnisvoll - ein kurzer Anflug von Wut keimte in Draco auf: wie konnte sich dieser Werwolf anmaßen, zu verstehen, was er durchgemacht hatte?

Wie seine Gedanken lesen könnend legte Remus seine Hand beruhigend auf die von Draco und sagte: „Es ist schwer, nachzuvollziehen, durch was du gegangen bist, Draco. Ich kann natürlich nicht alles verstehen, aber ich möchte dir helfen…. Weißt du, ich war dabei, als meine Mutter getötet wurde. Wenigstens ein wenig verstehe ich, wie du fühlst…. Also, wenn du reden willst, ich bin für dich da."

Oh.

„Ich…", begann Draco stockend. Er konnte jetzt einfach noch nicht darüber reden. es laut auszusprechen, würde es so real machen, so endgültig.

„Ich komm drauf zurück…?" Er versuchte es mit einem kleinen Lächeln und Lupins Gesicht erhellte sich. „Mehr verlang ich auch gar nicht."

Kurz sahen sich beide in die Augen und Draco erinnerte sich an all die furchtbaren Dinge, die sein Vater ihm schon in früher Kindheit über Werwölfe gesagt hatte.

Er konnte in diesem Moment einfach nicht glauben, dass dieser herzensgute, fürsorgliche Mensch hier vor ihm wirklich so eine blutrünstige, grausame Kreatur sein soll.

„So, hast du Hunger? Ich denke, es wird Zeit für ein anständiges Frühstück!", sagte Lupin plötzlich glücklich und stand auf.

Während er so am Kochen war - er hatte Dracos Hilfe dankend abgelehnt - redete er immer weiter, über alles Mögliche und Draco fiel wieder auf, wie sehr die Stimme des Werwo- nein, Remus- ihn doch beruhigte. Wer hätte das gedacht?.


Und wieder stand Severus Snape vor der Haustür dieser wirklich, wirklich nervtötenden Bagage. Er hätte nie gedacht, dass er einmal so oft Sirius Black besuchen müsste. Er hätte weiß Gott besseres mit seiner Zeit anzufangen gewusst.

Aber immerhin geht es bei den Besuchen ja nicht um ihn, sondern um Draco. Und Severus würde alles für den Jungen tun.

Also war er hier – erneut. Diesmal mit Dracos Sachen, alles, was er aus der Manor holen konnte.

Nachdem Severus dem Ministerium von den Vorkommnissen in Malfoy Manor berichtet hatte, gleich an dem Tag, an dem er Draco hier her gebracht hatte, hatten Auroren das ganze Haus von oben bis unten durchsucht, Sachen beschlagnahmt und Wachen postiert.
Als ob Lucius wirklich so dumm wäre, im Land zu bleiben, geschweige den, noch einmal nach Malfoy Manor zurückzukehren. Also wirklich.

Es hatte länger gedauert, als erwartet, Dracos Sachen zu holen. Anscheinend war das Ministerium der Ansicht, dass, wenn Draco seine Sachen hätte, er irgendwie Lucius helfen würde. Als ob der Junge sofort, sobald er alles hätte, zu dem rennen würde, der vor seinen Augen seine Mutter getötet und ihn danach auch noch töten wollte. Idioten.

Zuerst wollten sie Snape überhaupt nicht rein lassen. Dann verweigerten sie ihm, Dracos Sachen mitzunehmen.

Wenn sie dabei wenigstens die Sicherheit von Draco als vordersten Punkt im Auge hätten! Aber nein, es ging ihnen nur um ihre eigene Sicherheit. Diese Feiglinge hatten immer noch Angst vor Lucius Malfoy.

Schließlich konnte Severus Dracos Sachen doch noch mitnehmen, die Meisten jedenfalls.

Und da für ihn natürlich Dracos Sicherheit oberste Priorität ist, hatte er zunächst alles nach versteckten Aufspür-Zaubern durchsucht – ob jetzt von Lucius auferlegt oder vom Ministerium. Der Orden des Phönix wusste, wo Draco sich aufhielt, das war schon genug. Das Ministerium musste es wirklich nicht wissen, diese Bande von unfähigen Feiglingen.

Der Orden würde Lucius kriegen und dann kann Draco wieder ein normales Leben führen. Oder so normal, wie er es hinkriegt. Severus wird alles geben, was er hat, um den Jungen wieder glücklich zu machen.

Und seine eigenen Sachen wieder zu bekommen war schon mal ein erster Schritt zur Normalität.

Severus wusste natürlich, dass das hier nicht sein letzter Besuch sein würde. Er würde so oft vorbei kommen, wie er konnte, um Draco zu helfen. Und ihm war auch klar, dass Black und Lupin – obwohl er die Beiden wirklich nicht leiden konnte und vor allem Black für einen unverbesserlichen, eingebildeten Egoisten hielt (Vorurteile, die schon so lange Zeit her sind, sterben halt schwer) – Draco Schutz bieten und sich um ihn kümmern würden. Sie würden Draco beistehen, damit er am Ende ganz herauskommt, und nicht gebrochen.
Mit Sicherheit.
(Aber trotzdem war Sirius Black ein Idiot.)

Und mit den Gedanken klopfte er an Grimmauldplatz Nr. 12


Der Tag ging schnell vorbei, und – betrachtet man die Vorkommnisse der letzten Tage- er war relativ ruhig. Harry und Sirius hatten das gute Wetter ausgenutzt und die Gartenlaube entrümpelt (auf Remus' Anweisung hin. Nicht, dass Sirius jemals selbst auf den Gedanken käme, endlich mal überall Ordnung zu schaffen in seinem Haus – „Unser Haus, Moony. Es ist unser Haus.", insistierte er immer wieder, wenn Remus das zu ihm sagte. Und sowieso war Sirius der Meinung, dass „ich nicht an einem Ort aufräumen muss, an dem ich doch eh nie bin! Warum soll dann bitte die Gartenlaube aufgeräumt sein? Ich plane ja nicht mal, irgendwas mit dem Garten zu machen, Moony!". Natürlich räumte er schließlich die Gartenlaube trotzdem auf.).
Remus selbst hatte sich daran gemacht, dass zweite Esszimmer zu putzen – bald würde ein Treffen des Ordens stattfinden, der alten Zeiten willen im ehemaligen Hauptquartier (und wieder hatte Sirius dazu natürlich was zu sagen: „Du musst nicht soviel putzen Moony! Die sind Schlimmeres gewöhnt hier! Weißt du noch, wie es vor ein paar Jahren war…?" Lupin hatte das nicht mit einer Antwort gewürdigt.).

Snape war auch vorbei gekommen. Mit Dracos Sachen im Gepäck.

Eben diese wurden gerade von Draco in seinem Zimmer ausgepackt und eingeräumt, während Harry auf dem Boden vor dem Kamin auf dem Boden lag und in einer alten Zeitschrift blätterte und Sirius es sich dösend auf der Couch breit gemacht hatte.

Remus hatte Tee gekocht, und nachdem er Draco eine Tasse hochgebracht hatte – Schwarzer Tee mit zwei Stück Zucker und einem Spritzer Zitrone, wie er heute morgen beim Frühstück gelernt hatte- kam er mit einem Tablett ins Wohnzimmer. Er stellte den Tee auf den Couchtisch und schenkte jedem eine Tasse ein. Harry richtete sich auf, legte die Zeitschrift (Quidditch Weekly) auf den Tisch und nickte dankend, während Sirius keinerlei Anstalten machte, für Remus auf der Couch Platz zu schaffen. Remus schlug sanft auf Sirius Beine. Dieser hob sie lediglich an, woraufhin Remus nur die Augen verdrehte, was Harry ein Lächeln entlockte. Remus setzte sich trotzdem auf den frei gewordenen Platz und lies Sirius ihm die Beine auf seinen Schoß legen. Sirius grinste nur, und mit einem noch breiteren Grinsen, als Remus gedankenverloren anfing, seine Füße zu massieren, wandte er sich zu Harry: „Also Kiddo, erzähl doch mal-" Harry wurde einen kurzen Augenblick panisch. Er würde ihn doch jetzt nicht über seine Albträume ausfragen oder warum er hier her kam, oder? „wie erging es dir so in deiner Anfangszeit im guten alten Hogwarts?", endete Sirius. Sie hatten bis jetzt noch nie die Zeit gehabt, über so normale, alltägliche Dinge in aller Ruhe zu sprechen. Sie wussten zwar, was ab dem dritten Schuljahr so los war – und die Geschichten über die Kammer des Schreckens und Riddles Tagebuch waren auch keine Neuheit für sie- , aber wie es Harry in seiner Anfangszeit erging, wie er sich gefühlt hatte, als er das erste Mal Hogwarts betreten hatte, darüber wussten Remus und Sirius nicht das geringste.
Harry fing an, alles zu erzählen, was während seines ersten Jahres in Hogwarts passiert war. Von Zeit zu Zeit unterbrach Sirius Harry in seiner Erzählung, meistens mit Bemerkungen über Snapes fettiges Haar, Snapes zu lange Nase, Snapes hässliche Visage, Snapes Geisteszustand, Snapes katastrophale Körperhygiene oder einfach Snape im Allgemeinen. Remus lachte nur und schüttelte seinen Kopf, wann immer Sirius etwas sagte, aber Harry entschied, dass er wirklich nie wieder mit Snape und Sirius in einem Raum sein wollte. Nicht, wenn es nicht zu verhindern ist.
Es tat gut, über etwas anderes zu reden. Es tat gut, nicht darüber nachzudenken. Während er erzählte, verschwendete Harry keinen Gedanken an all die späteren Jahre, er dachte nur an sein erstes Jahr in Hogwarts, dachte an die Zeit, wo er 11 war, wo eigentlich noch alles gut war, wo Vernons Bestrafungen für ihn nur aus Schlägen bestanden. (‚Und das du die Zeit als ‚gut' bezeichnest', kam es Harry in den Sinn, ‚ist das nicht irgendwie erbärmlich?')
Und es tat gut, noch nicht schlafen zu gehen. Er wollte noch nicht träumen.
Um die Wahrheit zu sagen, seine Albträume sind in den letzten Nächten immer lebendiger geworden. Harry war müde, natürlich, aber er wollte einfach nicht schlafen gehen, nur um ein paar Stunden später wieder schweißgebadet aufzuwachen. Er wollte seine Augen nicht schließen, er wollte nicht Cedrics Tod wieder und wieder erleben, wollte nicht Dumbledore sterben sehen, wollte nicht Vernon wieder spüren und sein grausiges Lachen hören. Natürlich hatte er diese Albträume verdient! Immerhin konnte Cedric nie wieder Albträume haben, selbst wenn er wollte, denn er war tot, tot wegen Harry. Es war seine Schuld. Das alles.
Aber Harry konnte es einfach nicht mehr ertragen. Er hatte Angst, ins Bett zu gehen und seine Augen zu schließen.

„Wird langsam spät.", merkte Remus an. Mit einem Schwung seines Zauberstabes lies er die schmutzigen Tassen verschwinden. „Ich gehe schlafen." Sirius gähnte nur zustimmend und sie standen auf. „Du auch Harry?" „Oh ja…ich…ich geh auch gleich. ich les nur noch den Artikel hier zu Ende. Er ist wirklich interessant, wisst ihr." Er nahm sich wieder Quidditch Weekly vom Tisch und schlug es blind auf irgendeiner Seite auf. Sirius sah schon zu müde aus, um das zu hinterfragen. Lupin zog eine Augenbraue hoch, sagte aber nichts weiter dazu außer: „Na gut. Aber mach nicht mehr zu lange. Gute Nacht Harry.". „Gute Nacht." Sirius wuschelte ihn noch einmal durch die Haare, was Harry zum Grinsen brachte – als ob sie nicht schon durcheinander genug wären- und Harry beobachtete, wie die Zwei die Treppe hoch gingen. Als sie außer Sicht waren verschwand sein Lächeln. Seufzend setzte er sich aufs Sofa und machte sich daran, die Zeitschrift durchzublättern.


‚Hm, Durst!' Mit diesem plötzlichen Gedanken war Sirius mitten in der Nacht aufgewacht. Und in seinem schlaftrunkenen Zustand schien das das Wichtigste auf der Welt zu sein: Er musste seinen Durst löschen! Also stand er auf (und das so leise, wie es nur jemand konnte, der schon Jahre lang mit Remus gelebt hatte. Er wollte ihn nicht wecken. Nur genau das ging vor allem Nachts besonders schnell. Also hatte er mit der Zeit Techniken entwickelt, wie er, wenn Sirius mal wieder irgendeinen nächtlichen Drang, wie plötzlich etwas trinken zu müssen, hatte - oder er einem schlafenden Remus einen Streich spielen wollte – ein verpeilter, gerade aufgewachter Remus, der nicht wusste, was da gerade mit ihm geschah, war wirklich einfach nur hinreizend - , aufstehen konnte, ohne Moony dabei zu wecken.) und machte sich auf den Weg in die Küche. Die Sache mit dem hergezaubertes-Essen-und-Trinken-schmeckt-einfach-anders von Moony färbte wirklich auf ihn ab – aber das würde er Remus natürlich nie sagen! Sirius konnte sich schon jetzt sein ‚Ich hab's dir ja gesagt'-Grinsen vorstellen.

Unten angekommen – und erheblich wacher, als er um diese Zeit in der Nacht eigentlich sein wollte- hörte Sirius etwas aus dem Wohnzimmer und sah den schwachen Lichtschein der Couchtisch-Lampe in den Flur scheinen. Als er in die Tür trat sah er, wie Harry sich auf dem Sofa hin und her wälzte.

‚Er muss wohl hier unten eingeschlafen sein.' Und den Geräuschen nach zu urteilen, die der Junge von sich gab, hatte er wohl erneut einen Albtraum.

Es war das selbe Spiel wie in der vorigen Nacht, als Sirius Harry vorsichtig weckte und Harry daraufhin erneut sagte, er könne sich an nichts in seinem Traum erinnern. Sirius sah aber genau Tränen in Harrys Augen aufsteigen und sein Herz brach.

Er nahm das Gesicht des Teenagers in seine Hände und brachte ihn so dazu, ihm in die Augen zu schauen. „Harry, du musst dich nicht zurückhalten, nur weil du denkst, dass ich oder irgendjemand anderes weniger von dir halten würde, wenn du Schwäche zeigst. Du kannst auch mal loslassen. Jeder, der wenigstens ein bisschen bei klarem Verstand ist, weiß, dass es Zeiten gibt, wo man einfach mal schwach sein und andere für sich Stark sein lassen muss.
Zum Beispiel Remus da oben ist eine der stolzesten und dickköpfigsten Personen, die ich je getroffen habe. Aber selbst er lässt andere sich um ihn kümmern nach einem Vollmond, weil er weiß, dass er zu schwach ist, es selbst zu tun.
Du musst mir nicht erzählen, was mit dir passiert ist. Aber ich will, dass du weißt, dass du immer zu mir kommen kannst, wenn dich etwas bedrückt. Und, dass du auch ruhig mal weinen kannst. Ich werde für dich da sein, wenn du mich brauchst.".
Und das waren anscheinend die Worte, die Harry gebraucht hatte.

Harry stürzte sich in Sirius Arme und lies seinen Tränen freien Lauf. Während der Junge an seiner Brust weinte, murmelte Sirius immer wieder beruhigende Worte und streichelte ihm über den Rücken. „Shh…Es wird alles gut werden…. Versprochen….Es ist okay….".
Die Schluchzer wurden mit der Zeit immer weniger, und Sirius spürte, wie Harrys Atmung sich verlangsamte bis er schließlich eingeschlafen war. Liebevoll blickte er auf den schwarzen Haarschopf in seinen Armen und seufzte. Der Junge hatte schon soviel durchmachen müssen, und war doch noch so jung. Er dachte an Lily und James, und wie stolz sie sicher auf Harry wären.
„Es wird alles gut werden.", flüsterte Sirius und fuhr Harry noch einmal durch die Haare. Dann nahm er die Decke, die über der Couch-Lehne hing, und deckte sie Beide zu, vorsichtig darauf bedacht, den immer noch in seinen Armen liegenden Harry nicht zu wecken. Er lehnte sich gemütlich zurück und schlief ebenfalls ein.

TBC