Disclaimer: Die Figuren, die aus „Harry Potter" bekannt sind, gehören nicht mir, sondern Joanne K. Rowling. Ich habe mir lediglich die Handlung ausgedacht und verdiene mit dieser Geschichte kein Geld, sondern wollte nur Spaß am Schreiben haben. Falls es eine ähnliche Geschichte bereits irgendwo geben sollte und der Autor sich beklaut fühlt, tut es mir leid, aber ich habe diese spezielle Storyline noch nirgendwo gelesen. Ist alles in meinem Hirn entstanden :).

Zusatzinfo: Band 7 ist und wird nicht berücksichtigt, da ich ihn zum damaligen Zeitpunkt, als ich die Storyline erstellt hab, noch nicht gelesen habe. Die anderen aber schon – so gut es geht. ;)

Wie immer ein dickes Dankeschön an meine Reviewer! Das wären:chris92, t0nKs (hach, das freut mich echt:o) ), kurai91, Serpensortia.s, Ginny-Hermione Fan, LunaNigra, Nina Lestrange undKnutschkugel! Ab jetzt könnt ihr euch freuen, dass die folgenden Kapitel alle ca. diese Länge haben werden –hurray- -gg-

Nun viel Spaß bei...

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B(l)ack Again

By Puma Padfoot

xXx

Kapitel Zehn: Care for me, please

Es war falsch, alles so falsch. Hermiones Hände krallten sich in die Bettdecke und sie schloss resigniert die Augen. Sie hatte in den letzten Stunden viel nachgedacht, sehr viel über ihn nachgedacht. Sie konnte es sich einfach nicht erlauben, ihn zu lieben, denn immerhin war er Harrys Pate und sie kannten ihn bereits von früher. Und dennoch war dieser Sirius so anders.

Die junge Frau drehte sich langsam auf den Rücken und zwirbelte gedankenverloren eine Haarsträne zwischen den Fingerspitzen. Ihre Gefühlsentwicklung Sirius gegenüber hatte so schleichend stattgefunden, dass sie erst kaum etwas wahrgenommen hatte. Wenn er aufgeschlossen und weniger launisch war, konnte man nicht anders, als sich wohl in seiner Gesellschaft zu fühlen. Zudem sah er alles andere als schlecht aus, sodass man einfach das Gefühl verspürte, ihm zu gefallen. Also konnte man es ihr kaum übel nehmen, oder?

Aber dennoch... Für ihn war das alles doch nur ein Spiel, nur für sein Vergnügen. Wer tat schon einfach mal so, dass man der feste Freund der jeweiligen Person war? Genau, keiner! Außer es ging um eine Wette, eine Verarschung oder um den eigenen Jux. In seinen Augen war doch eh alles nur Spaß; was kümmerte es ihn also, ob er jemanden falsche Hoffnungen gab oder gar verletzte?

Und Hermione wollte nicht verletzt werden, erst recht nicht von Sirius. Zudem war sie sich nicht einmal sicher, ob sie ihn wirklich seinetwegen liebte oder nur diese Anziehung empfand, weil er einfach gerade das einzige männliche Wesen war, dass sich viel in ihrer Nähe aufhielt und ihr eindeutig mehr zusprach als alle anderen; sie also möglicherweise nur mehr körperlichen Gefallen an ihm fand und sich deswegen zu ihm hingezogen fühlte...

Missmutig vergrub sie ihren Kopf ins Kissen und verkniff sich einen gereizten Aufschrei. Das konnte doch nicht wahr sein! Diese ganze Situation war einfach nur ätzend!

Doch mitleidserregend im Bett herumzugammeln half auch nichts, das Leben ging schließlich weiter. Dennoch war etwas anders. Und genau das bemerkte Hermione, als sie die Küche betrat, um mit den anderen zu Frühstücken: Sie konnte Sirius nicht mehr lange in die Augen sehen. Seitdem ihr bewusst wurde, dass sie ihn liebte – sei es nun auf die eine oder andere Weise – konnte sie einfach nicht mehr lange den Blickkontakt aufrecht erhalten, es ging einfach nicht mehr. Sobald seine grauen Augen auf ihren ruhten, hatte sie das Gefühl, dass er bis in ihre Seele schauen konnte, oder zumindest deutlich tiefer, als es ihr lieber gewesen wäre. Und sie hatte Angst, dass er es wusste; dass er von ihren Gefühlen wissen konnte.

„Guten Morgen", sagte Hermione, als sie sich an den Tisch setzte und sich um einen möglichst unbekümmerten bemühte.

„Kaffee?", fragte Ron, der neben ihr saß und am nächsten zur Kanne saß.

Sie nickte ihm lächelnd zu und griff in den Brotkorb. Als sie den Kopf hob, spürte sie Sirius' Augen auf sich ruhen. Nur für einen Bruchteil einer Sekunde ließ sie ihren Blick auf seinen treffen, ehe sie sich schnell zur Seite drehte und hastig nach der Butter griff. Leider stand diese nicht wie erwartet dort und ihre Hand schloss sich um eine angefangene Leberwurstpackung. Hermione stöhnte innerlich auf. Wenn ihr Fehler jetzt nicht auffallen sollte, dann musste sie sich schnell etwas einfallen lassen, denn-...

„Ich denke, du magst keine Leberwurst?", ließ Ginny verlauten und kaute unbekümmert auf ihrem Marmeladentoast herum.

„Stimmt", erwiderte Hermione und schnitt sich etwas Wurst heraus, „Es ist auch für Krummbein gedacht. Ich hatte von ihm geträumt, es war ein Albtraum." Gut, der letzte Teil war gelogen, aber solange es keine dramatischen Auswirkungen hatte...

„Oh." Schnell schluckte die jüngste Weasley den Toast hinunter und warf Sirius einen schnellen Seitenblick zu, der still über sein Getränk gebeugt war. Als er ihren Blick bemerkte, verengten sich seine Augen missmutig und er schob den Stuhl zurück.

Automatisch hob Hermione den Blick, als der junge Mann aufstand, und sah ihm nur noch stumm hinterher, als er die Küche ohne weitere Worte verließ. Hatte er diese Nacht wieder einen Anfall gehabt? Harry fing ihren Blick auf und schien ihre Gedanken erraten zu haben, denn er nickte langsam. Seufzend griff sie nach dem Käse, obwohl ihr der Appetit vergangen war.

xXx

Hermione brachte gerade den Müll aus ihrem Zimmer nach draußen zum Mülleimer, als sie Geräusche hörte. Hastig versuchte sie sich hinter dem Schuppen zu verstecken, denn in ihrer jetzigen Verfassung wollte sie nicht auf Sirius treffen, doch wenige Sekunden später kam eine Person um die Ecke gebogen.

„Oh, Harry, du bist's", stieß Hermione erleichtert aus.

„Ist alles in Ordnung? Du machst so einen gehetzten Eindruck?", fragte er besorgt nach.

Sie wich seinem prüfenden Blick aus. „Nein, nein, alles okay."

„Wirklich?"

Gerade, als Hermione den Mund zu einer weiteren Antwort öffnen wollte, ertönten weitere Geräusche und ihre Befürchtung trat ein, als Sirius um die Ecke bog und sein schweres Motorrad neben sich her schob. Er verharrte kurz, als er die beiden sah und ließ seinen Blick über sie schweifen, um die Situation zu erfassen.

Harry lächelte ihm zu. „Ich bin dann mal wieder weg. Ginny wartet schon, ähm, ja..." Hastig verschwand er wieder und ließ Hermione und Sirius alleine zurück.

Die junge Frau räusperte sich. „Ich geh dann auch wieder ins Haus." Eigentlich hatte sie bei dem schönen Wetter noch draußen bleiben wollen, doch sie drehte sich bereits weg.

„Hast du Lust auf eine kleine Motorradtour?" Seine ruhige Stimme unterbrach die unangenehme Stille.

Alles in ihr schrie einerseits Ja!, während ihr Körper von Angst und Aufregung durchströmt wurde, auf was sie sich dann einlassen würde und was die Folgen sein mögen.

„Lieber nicht", lenkte Hermione verlegen ein und begegnete nur kurz Sirius' eindringlichen Blick, bevor sie sein Motorrad betrachtete. „Tob dich besser ohne mich auf. Ich würde bestimmt eh nur wieder kreischen." Sie grinste ihn schief an, als sie auf den gemeinsamen Besenflug anspielte.

Zu ihrer Erleichterung sah sie, dass ein spöttisches Lächeln seine Lippen umspielte. „Ich krieg dich noch dazu. Es macht Spaß, ehrlich."

Ihre Gesichtszüge verfinsterten sich etwas bei seinen letzten Worten und Sirius schien aufmerksam genug, dies zu bemerken. „Du schuldest mir außerdem noch zwei Butterbier und einen Feuerwiskey, schon vergessen? Die kannst du mir dann ausgeben", fuhr er ablenkend fort.

„Wann ausgeben?", fragte sie irritiert.

„Heute Abend. Wir wollen in den Tropfenden Kessel, Harry und Ron wollten sich noch mit weiteren Freunden treffen."

„Wieso weiß ich nichts davon?", fragte Hermione nach, wobei es ihr nicht gelang, den traurigen Unterton in ihrer Stimme völlig zu verbannen.

„Eigentlich wollte er es dir eben sagen, aber dann kam ich wohl dazwischen..." Er zuckte mit den Schultern. „Jetzt weißt du es jedenfalls. Also – hast du nun Lust, mitzufahren?"

„Wann, jetzt?"

Er grinste über ihren entsetzten Tonfall. „Natürlich jetzt. Wenn nicht jetzt, dann heute Abend. Und dann kannst du dich nicht mehr drücken."

„Lieber heute Abend", legte sie fest und spielte erneut auf den gemeinsamen Besenflug an, als sie hinzufügte: „Du weißt doch: Ich muss mich immer erst mental darauf vorbereiten."

Nickend setzte er sich wieder in Bewegung und schwang sein Bein über den Motorradsitz. „Heute Abend dann. Und keine Ausreden!"

„Nein, diesmal nicht", versichter Hermione ihm lächelnd. Diesmal würde sie ihr bockiges Verhalten wieder gutmachen können.

xXx

„Wann kommen die beiden denn endlich?", fragte Ginny zum zweiten Mal nach und blickte ungeduldig auf ihre Uhr.

Harry und Ron wechselten einen schnellen Blick. „Ich glaube nicht, dass Sirius hier so schnell auftauchen wird."

Ginny warf ihm einen fragenden Blick zu. „Mein lieber Freund, spielst du etwa auf etwas bestimmtes an?"

Er sah sich kurz um, ehe er mit gedämpfter Stimme antwortete: „Ron und ich hatten uns schon letztens darüber unterhalten. Wir vermuten, dass... nun ja, dass er Hermione mag. Und sie ihn ebenso."

„Achso, das!" Selbstgefällig lehnte sie sich zurück und griff nach ihrem Butterbier. „Das ist mir natürlich auch schon aufgefallen."

„Ich hoffe nur, dass er nicht mit ihr spielt", brummte Ron.

„Glaube ich nicht", warf Ginny sogleich wieder ein. „Habt ihr sie nicht beobachtet? Die schleichen ja umeinander herum wie um den heißen Brei. Wird Zeit, dass da mal endlich was passiert! Ich denke, Sirius war früher so ein Frauenheld – wo bleibt sein Charme?"

„Och, ich glaube, den hat er nicht verloren. Nur für ihn ist die ganze Situation auch noch neu, das darfst du nicht vergessen." Harry lächelte ihr zärtlich zu.

„Hermione ist viel entspannter in den letzten Wochen geworden, ist euch das schon aufgefallen?", sagte Ron.

„Ich finde vielmehr, dass sie entweder sehr gut oder sehr schlecht drauf ist... Also eher sehr wechselhaft", überlegte Harry.

„Na, da seht ihr es doch!" Grinsend richtete Ginny sich wieder auf. „Sie ist verliebt. Das ist doch eindeutig." Bevor sie fortfahren konnte, traten zwei Gestalten an ihren Tisch heran. „Lee, George! Schön, dass ihr auch da seid! Wann wollte Fred denn kommen?"

„Der wollte noch kurz den Laden dichtmachen", grinste letzterer. Seine Augen glitten über die Anwesenden, bevor er stirnrunzlend nachhakte: „Wo ist Hermione?"

„Die kommt noch", antwortete Ginny munter, „Sie ist noch mit Sirius unterwegs." Auf Lees fragenden Blick hin erläuterte sie den beiden die verlorene Wette und die Motorradtour.

„So, so, mit Sirius also", grinste Lee und ließ sich neben Ron fallen. „Dann bringt mich mal auf den neusten Stand. Ich weiß zwar ein paar Sachen von den Zwillingen, aber längst nicht alles..."

Die Erzählung verzögerte sich noch, als Fred mit Oliver im Schlepptau auftauchte. Durch Zufall stießen Hannah und Lavender ebenfalls dazu und so waren die anderen schon gut dabei, als sich die Tür zum Tropfenden Kessel ein weiteres Mal öffnete und eine lachende Hermione eintrat, die vergeblich versuchte, ihre wirre Haarpracht zu ordnen. Kurz hinter ihr tauchte Sirius auf, der ebenfalls grinste und mit der Erzählung einer Anekdote stoppte, als er die anderen entdeckte.

„Da seid ihr ja endlich!", rief ihnen Ginny zu, „Wir haben schon gewartet."

„Haben wir?", kicherte Lee und leerte einen weiteren Feuerwiskey. „Lass die beiden doch ihren Spaß haben, Gin."

„Und dass sie den hatten, sieht man", grinste Fred und warf seinem Zwillingsbruder einen vielsagenden Blick zu. „Hermione hat einen guten Fang gemacht, was?" Elegant wich er dem Rippenstoß seiner Schwester aus und stieß dabei gegen Oliver, der etwas Butterbier auf Lavenders Hose verschüttete, die daraufhin erbost kreischte. Schnell drückte Ron ihr einen Kuss auf die Lippen, um die zu beruhigen.

Als die beiden Neuankömmlinge an den langen Tisch herantraten, brach sogleich Tumult aus und beide wurden von Begrüßungen überschüttet. Als Tom angetrotten kam, warf Sirius Hermione einen Blick zu. „Du weißt ja, was du für mich zu bestellen hast." Sie schnaubte daraufhin nur, gab aber die Bestellung ab.

Der Abend wurde sehr spät und sehr lustig. Obwohl Sirius schon einiges getrunken hatte, bestand er darauf, noch mit seinem Motorrad nach Hause zu fliegen („Die klauen mir sonst das Schätzchen unter der Nase weg!"), während die anderen apparierten. Im Fuchsbau angekommen verschwanden Hermione und Ginny schnell nach oben, um das angefangene Gespräch beenden zu können, während Harry und Ron noch eine Weile in der Küche herumstanden.

„Meinst du, das wird noch etwas mit den beiden?", fragte Ron plötzlich.

„Mit wem?" Harry fuhr sich durch die Haare.

„Na, mit Hermione und Sirius", sagte er ungeduldig und trommelte mit den Fingern auf die Tischplatte.

„Wenn er sie wirklich liebt, dann ja. Aber ich finde, man weiß oft nicht, wo man bei ihm steht, wenn man nicht mit ihm darüber gesprochen hat."

„Hm, finde ich jetzt nicht. Erwartest du jetzt nicht zuviel? Ich meine, einige Sachen sind einfach klar... Da braucht man keine klaren Worte." Ron starrte nachdenklich auf die Küchenuhr. „Wie beste Freunde. Die brauchen sich auch nicht zu sagen, dass sie beste Freunde sind. Das ist einfach klar, weil... weil es nunmal so ist. Verstehst du, was ich meine?"

„Ich glaube schon." Harry lächelte ihn schief an. „Aber ich habe eindeutig zuviel Alkohol im Blut, meine Gedanken wabbern ziellos durch meinen Kopf."

„Was für eine grauenvolle Beschreibung", lachte Ron leise, „Gehen wir schlafen. Sirius wird wohl auch bald auftauchen, es sei denn..."

„...- er ist wieder unterwegs auf eigene Tour?"

„Genau." Er nickte. „Mich interessiert wirklich, wo er sich immer herumtreibt."

Potter unterdrückte ein Gähnen. „Wen nicht?"

„Aber weißt du, was ich vermute?", fuhr Ron fort, „Ich glaube, dass er sehr wohl mehr für Hermione empfindet, denn ich glaube, dass seine abwesende Haltung reiner Selbstschutz ist."

„Für solche tiefgründigen Gedanken bin ich heute nicht mehr imstande", murmelte Harry dumpf und schlurfte zur Treppe, „Aber klingt gut, wirklich."

„Natürlich klingt das gut", grinste Ron, „Ich habe zwar nicht oft tiefgründige Gedanken – das sagte Hermione jedenfalls mal eines Tages zu mir – aber wenn ich welche habe, sind sie sehr gut." Daraufhin konnte sein bester Freund nur leise lachen.

xXx

Sirius schlenderte die Regalreihen entlang und griff wahllos nach einem weiteren Buch. Sie waren wieder einmal in der Bibliothek von Manchester und verbrachten erneut unzählige Stunden mit Suchen und noch mehr Lesen.

Der junge Mann war unruhig. Er fand einfach keine Ruhe, seine Gedanken schienen immer aufgewühlt zu sein und er konnte sich einfach nicht konzentrieren. Und der Grund saß zwanzig Meter weiter in einem der gemütlichen Sessel und blätterte aufmerksam in einem dicken Wälzer.

Er seufzte und ging frustriert weiter. Zwar wusste er schon halb, wer oder was an seinem Gemütszustand verantwortlich war, aber dennoch... Wie sollte er die Sache angehen? Sie war so anders als die voherigen Frauen. Sie schien so unberechenbar, so anders eben. Die Motorradtour hatte Spaß gemacht, war spritzig gewesen. Und es hatte sich mehr als richtig angefühlt, als sie so hinter ihm festgehalten gesessen hatte.

Einerseits nagten die Zweifel an ihm, denn immerhin hatte Hermione schon sein früheres Ich gekannt, als er 36 Jahre alt gewesen war! Sirius fühlte sich immer etwas unwohl, wenn er an sein späteres Ich dachte. Es war einfach komisch zu wissen, dass einem die anderen noch zu einem anderen Zeitpunkt gekannt haben – zu einem Zeitpunkt, an dem Sirius sich selber ja noch nicht kennen konnte, da er den Zeitpunkt noch gar nicht durchlebt hatte.

Er wusste auch nicht genau, wie er später von der Einstellung und seinem Verhalten her gewesen war und wie die anderen zu ihm gestanden hatten und dieser Fakt war einfach... komisch. Komisch und unangenehm. Meistens verdrängte Sirius solche Gedanken und konzentrierte sich auf das Jetzt und Hier, was eigentlich immer half. Immerhin gab es ihn zumindest jetzt nur einmal und er war nunmal zu genau diesem jetzigen Zeitpunkt 21 Jahre alt. Er würde die Vergangenheit auch nicht mehr rückgängig machen können – beziehungsweise die Zukunft, wenn man es genau nahm – und würde nun einfach seinen eigenen Weg gehen.

Und wenn er sich schon vornahm, seine Wege wie bisher zu gehen, dann gehörte auch dazu, sich wie früher zu benehmen. Und dazu gehörte wiederum auch, auf Informationssuche zu gehen, und zwar nicht in Form von Büchern.

Sirius ließ sich mittels des Wegweise-Zaubers Harrys Position in der Bibliothek anzeigen, bevor er wie zufällig zu seinem Patensohn schlenderte. Nachdem er sich auf den danebenstehenden Sesseln fallen gelassen hatte und der andere junge Mann aufgeblickt hatte, machte er eine Geste zu den danebenliegenden Büchern.

„Schon etwas fündig geworden?"

Harry schüttelte mit dem Kopf. „Eigentlich überhaupt nicht. Ich habe auch schon fast die Hoffnung aufgegeben... Also – nun ja, ich meine natürlich..."

„Schon gut, ich glaube selber noch kaum daran." Sirius seufzte und zeigte vage in die Richtung, wo sich Hermione befinden müsste. „Aber sie tut es. Glaubt sogar felsenfest daran."

Ein kleines Lächeln erschien auf Harrys Gesicht. „Oh ja, wenn sie sich erst einmal etwas vornimmt, ist sie kaum noch zu stoppen. In der Hinsicht kann sie ziemlich leidenschaftlich sein."

„So? Und in anderen Hinsichten?" Sofort hätte sich Sirius am liebsten auf die Zunge gebissen, aber was raus war, war raus und ließ sich nun auch nicht mehr rückgängig machen.

Schmunzelnd richtete sich sein Patensohn auf. „Wie meinst du das?"

Er zuckte mit den Schultern. „Naja... Hatte sie eigentlich schon viele Freunde?"

„Nein, das hielt sich bisher in Grenzen. Kennst du eigentlich Victor Krum?"

„Den bulgarischen Quiddichspieler?"

Harry nickte. „Genau. Sie trafen sich im vierten Schuljahr, wir hatten den einen Abend davon erzählt. Sie hatten sich ziemlich gut verstanden."

Was?!Und weiter?"

„Nichts weiter. Dann war sie mal eine Weile mit Ron-..."

„Ron?!" Schnell verstummte Sirius, als seine Stimme immer lauter wurde und hastig versteckte er die aufkommenden Gefühle hinter einer emotionslosen Maske.

„-aber das hielt auch nicht lange", fuhr Harry fort. „Zwischenzeitlich während der letzten vier Jahre kam noch eine kurze Beziehung mit Rick McJolly, aber das war ebenfalls nicht der Knüller. Das war alles."

Sirius schwieg und blickte gedankenverloren aus dem Fenster. Als er sich nach ein paar Minuten immer noch nicht regte, lehnte sich Harry langsam nach vorne. „Sirius, versprich mir bitte eins..."

„Hm?" Sein Blick klärte sich langsam und er blickte in das ernste Antlitz seines Patensohnes.

„Tu Hermione nicht weh. Spiel nicht mit ihr, das hat sie nicht verdient."

„Nein, das hat sie wirklich nicht verdient", antwortete er mit leiser, heiserer Stimme, bevor er sich aufrichtete und hinter die nächsten Regalreihen verschwand.

xXx

Keuchend schleppte sich Hermione zwei Meter weiter, während sie sich die linke schmerzende Seite hielt. Ihre rechte Schulter brannte ebenfalls, sodass sie sich kaum konzentrieren und einen vernünftigen Zauber zustande bringen konnte. Sie sah das Licht der Lampe am Fuchsbau nicht mehr weit entfernt und taumelte ein paar Schritte weiter, bevor ein lautes Knacken im Unterholz sie innehalten ließ.

Ihr Atem stockte, als das Rascheln lauter wurde und ihr entwich sogar ein kurzer Aufschrei, als etwas Großes, Schwarzes aus dem Unterholz brach und hechelnd vor ihr zum Stehen kam.

„Sirius!" Erleichert ging sie in die Knie und stützte sich an einem großen Stein ab, bevor sie mit schwacher Stimme fragte: „Was machst du denn hier?"

Sofort hatte er die Menschengestalt angenommen und ging ebenfalls neben ihr in die Knie, um sie besorgt an den Ellenbogen zu umfassen. „Ich konnte wieder nicht schlafen. Aber was ist mit dir passiert? Du bist verletzt!"

„Es war alles nur ein dummer Unfall", nuschelte sie dumpf, ehe sie ein leises Stöhnen von sich gab, als er sie nach oben zog und stützte.

„Wo bist du verletzt? Was ist passiert?"

Doch sie konnte erstmal nicht antworten, sondern stützte nur schwer atmend ihren Kopf gegen seine Schulter.

„Scheiße, Hermione, reiß dich zusammen! Ich apparier gleich mit dir ins St. Mungus."

Sie lächelte schwach, als sie Sorge in seiner Stimme erkannte. Er sorgte sich tatsächlich um ihr Leben... „Nein, nicht den anderen Bescheid sagen... Sie regen sich unnötig auf. Ich weiß die Gegenzauber und –mittel, fühle mich gerade nur etwas schwach..." Sie brach erneut keuchend ab.

„Nur ein bisschen?", knurrte er, bevor er unter ihre Kniekehlen griff und sie in seine Arme wuchtete. „Ich bring dich jetzt ins Badezimmer, wo wir dich versorgen. Und dann erzählst du mir, was passiert ist."

Hermione nickte müde. „Klingt gut."

Schnell hatte er sie in den Fuchsbau gebracht. Es war stockduster, da die anderen längst schlafen gegangen waren, und Sirius trug sie so schnell wie möglich die Treppe rauf ins Badezimmer, wo er sie auf den Klodeckel absetzte. „Wo bist du verletzt?", fragte er erneut ernst nach.

„Rechte Schulter und linke Seite, bei den Rippen", erwiderte sie knapp, ehe sie begann, sich langsam aus der Kleidung zu schälen. Der Stoff scheuerte und brannte in den Wunden und sie musste dringend die spezielle Heilsalbe gegen Stechgift drauftun, wenn sie weitere Infektionen vermeiden wollte. Mit weiteren kurzgebundenen Anweisungen beorderte sie Sirius, ihr diverse Sachen zu bringen, was er ohne weitere Worte auch tat.

Als sie noch ihr T-Shirt anhatte, hielt sie inne. Sie wollte sich nicht vor Sirius entkleiden, wollte nicht so von ihm gesehen werden. Im Licht der Badezimmerlampe schimmerte das Grau seiner Augen dunkler als sonst und verlieh seinem Gesicht ein noch geheimnisvolleres Aussehen. Von der Attraktivität ganz zu schweigen.

Hermione atmete tief aus. „Würdest du bitte gehen? Den Rest kann ich alleine, danke für deine Hilfe."

„Nein."

Trotzig hob sie den Kopf und begegnete seinen entschlossenen Blick. „Wie bitte?"

„Nein, ich werde nicht gehen. DU bist verletzt, weigerst dich zudem auch noch, dich ins St. Mungus bringen zu lassen, geschweige denn den anderen Bescheid zu sagen... Da werde ich dich garantiert nicht alleine lassen." Er verschränkte die Arme.

Sie sah sogleich, dass diskutieren keinen Sinn haben würde. So seufzte sie nur, ehe sie nach dem Saum ihres T-Shirts griff, um es sich über den Kopf zu ziehen. Errötend hielt sie sich den Stoff noch vor die Brust, denn nur in Hose und BH wollte sie einfach nicht vor Sirius setzen. Sie wusste nicht, ob seine dunklen Augen schnell über ihren Oberkörper huschten, vielmehr trat er näher, um sich die Verletzungen genauer anzusehen.

„Woher hast du die? Was ist passiert? Harry und Ron meinten, du wolltest noch etwas länger im Aurorencenter bleiben. Was zum Teufel hast du da gemacht?"

Hermione nahm ihm seinen aufgebrachten Tonfall nicht übel. „Ich wollte noch etwas länger bleiben, weil ich den neuen Zauber noch etwas länger üben und darüber noch etwas nachlesen wollte. Das habe ich auch getan und als ich gehen wollte, ertönten Geräusche aus dem Übungsverwandlungsraum." Sie sog zischend Luft ein, als Sirius mit dem Finger vorsichtig über die Schulterwunde strich.

„Die scheint nicht sonderlich tief zu sein, da hast du nochmal Glück gehabt", murmelte er, bevor er eine Schüssel mit Wasser holte und mit einem Handtuch die Wunde zu säubern begann.

„Jedenfalls öffnete ich die Tür, um nachzuschauen, was das war", fuhr Hermione mit zitternder Stimme fort, „Es war alles dunkel, bis ich drei Schemen auf mich zukommen sah: Bunyaks. Weißt du, was das sind?"

Als er mit dem Kopf schüttelte, setzte sie zu einer Erläuterung an. „Klatschergroße Fluginsekten, die sehr gut im Dunkel sehen können, oft als Spionen eingesetzt werden und Giftstacheln besitzen. Du siehst also die Gründe, warum wir auch lernen, uns gegen diese Tiere zu wehren-..."

Sirius packte sie an den Schultern. „Sagtest du eben Gift?", zischte er.

„Deswegen solltest du mir aus dem Schrank die Salbe bringen. Das Gift wirkt sehr langsam und ist auch nicht tötlich, nur sehr schmerzhaft", entgegnete sie mit einer schmerzverzogenen Grimasse. „Es reicht, wenn wir die Wunde säubern, sie mit der Salbe einschmieren und verbinden. In ein paar Tagen bin ich wieder so fit wie eh und je."

Als er sich stumm an die Arbeit machte, fragte er dennoch nach einer Weile nach: „Und wie gelangten die Bunyaks in den Raum?"

„Wir hatten sie letzte Woche im Unterricht behandelt." Sie stoppte, als Sirius begann, reichlich Salbe auf die Wunde zu schmieren. Seine Finger waren im Gegensatz zur Salbe fast schon kühl und dennoch so beruhigend. Doch so beruhigend seine Bewegungen eigentlich sein sollten, umso mehr erweckten sie ein ganz anderes Gefühl in Hermione.

„Warum bist du nicht appariert? Hast einen Arzt gerufen?"

„Hm?" Sie konnte sich kaum auf seine Worte konzentrieren, zwang sich jedoch dazu. „Ich konnte mich nicht konzentrieren. Von daher wollte ich nicht das Risiko eingehen, in der Verfassung zu apparieren..."

Sirius hatte mit dem Verbinden begonnen. Beide schwiegen, während Hermiones Atem nur stockte. Er kniete nun vor ihr und musste sich jeweils zu ihr hinbeugen, um sie vernünftig einzubandagieren; dabei streifte der Stoff seines Shirts immer wieder ihre Haut und Hermione unterdrückte ein Zittern. Als er die Bandage befestigt hatte, wandte er sich ihrer linken Seite zu. Dunkle Abdrücke zierten die Rippenpartie und Sirius fuhr vorsichtig mit den Fingerspitzen über die Stelle. Wieder sog Hermione scharf die Luft zwischen den Zähnen ein.

„Das sieht nach einer fiesen Quetschung aus. Wie hast du das geschafft?"

„Ein verdammter Brummer ist mit voller Geschwindigkeit gegen mich geflogen. Die haben verstärkte Panzer, da hast du keine Chance."

Er nickte mit grimmiger Miene, ehe er nach einer weiteren Tube griff. „Da ich miserabel in Heilzauber bin, wirst du mit der Salbe vorlieb nehmen müssen."

„Ist mir alles recht, solange der Schmerz nur aufhört", versuchte sie in einem scherzhaften Tonfall herauszuquetschen, scheiterte allerdings erbärmlich. Sie konnte sowieso nicht weiterreden, als sein Gesicht nur Zentimeter von ihrem Oberkörper entfernt war, als er konzentriert die Salbe verteilte. Sein dunkles Haar fiel ihm in die Augen, doch er strich sie nur abwesend zur Seite.

„Warum machst du sowas, Hermione?", sagte er mehr leise zu sich als zu ihr, doch Hermione konnte nicht verhindern, dass ihr die nächste Gegenfrage ebenso leise herausrutschte.

„Warum machst du das alles, Sirius?"

Langsam richtete er sich auf und blickte ihr mit einem unleserlichen Ausdruck in die Augen. Verschiedenste Emotionen wirbelten in seinem Grau den Pupillen, doch sie konnte keine so richtig deuten.

„Du fragst dich ernsthaft nach dem Warum?", raunte er mit leiser Stimme.

Sie schluckte. „Vielleicht. Vielleicht weiß ich es auch und kann es mir denken. Aber ich bin mir nicht sicher..."

Sirius lächelte sie klein an. „Wie kann sich Hermione Granger nicht sicher sein? Sie weiß doch sonst immer alles."

„Nicht alles. Auch ich bin nicht perfekt."

„Auch wahr, aber wer ist das schon?" Und damit beugte er sich nach vorne und überbrückte die letzten paar Zentimeter, um seine Lippen sanft auf ihre treffen zu lassen.

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tbc

Vorschau aufs nächste Kapitel:

Du hattest Luna geschrieben?", fragte Ron zweifelnd nach.

Hermione druckste etwas verlegen herum. „Luna ist auf ihre Art und Weise eine ganz Liebe. Außerdem kennt sie sich sehr gut mit esoterischen Sachen aus..."

Ginny lächelte. „Du hast sie also um Rat gefragt."

Kann nicht schaden, oder?", murmelte sie nur noch, während ihre Augen bereits über das Pergament huschten. Nach ein, zwei Minuten blickte sie mit einem breiten Lächeln in die Runde. „Ich glaube, wir könnten bald näher am Ziel sein als erwartet."