Titel: Sacred
Autor: Zanna
Disclaimer & Warnungen: siehe Prolog
Beta: Laren
Kommentar: Ja, ich weiß, es ist kaum zu glauben, aber es gibt ein neues Kapitel! Meine Schreibblockade ist endlich gebrochen! (War alles nur die Schuld von Jack und Ianto, die haben sich halt vorgedrängelt :-)) Ich hoffe ihr erinnert euch noch an diese Story - oder lest einfach nochmal den Anfang nach :-) - und da es schon so lang her ist, laber ich nicht so lang rum und wünsch euch einfach viel Spaß beim Lesen!
Kapitel 9
Zechs umrundete eines der vielen Lagerfeuer, an denen seine Ritter saßen und näherte sich einem der Zelte, die lose zwischen den Feuern verteil aufgebaut waren. Sie hatten an diesem Abend bereits früh ihr Lager aufgeschlagen – eigentlich so wie an all den anderen Abenden zuvor – da es das älteste Mitglied ihrer Reisegruppe nicht länger im Sattel ausgehalten hatte. Und obwohl Zechs mit dem Ort ihres Lagerplatzes ganz und gar nicht zufrieden war, war ihm nichts anderes übrig geblieben als den Befehl zum halten zu geben.
Allerdings konnte das so nicht weitergehen. Wie sollten sie jemals vorankommen auf ihrer Reise wenn sie jeden Tag mehrere Stunden Tageslicht verloren, nur weil wieder eines der Ratsmitglieder etwas zum jammern fand? Aus diesem Grund stand Zechs jetzt auch hier vor Lord Montagues Zelt und kratzte an der Plane, um einen der Diener des alten Mannes auf sich aufmerksam zu machen.
Nur wenige Sekunden später hob sich die Klappe des Zeltes und der ebenfalls nicht mehr ganz junge Kammerdiener des Lords trat heraus und sah Zechs mit einem fragenden Gesichtsausdruck an.
„Wie geht es Lord Montague?" fragte Zechs. „Wird er in der Lage sein morgen weiterzureisen?"
„Mylord ruht gerade, Hauptmann," antwortete der Mann. „Er war sehr erschöpft – diese Reise ist nicht gerade leicht für ihn. Hauptmann, wäre es vielleicht möglich ein paar Tage Rast einzulegen? Mylord würde Euch niemals darum bitten, aber ich mache mir Sorgen um ihn. Er ist nicht mehr so jung wie er denkt." Der Mann warf Zechs ein teils amüsiertes, teils ironisches Lächeln zu.
„Es tut mir leid." Zechs schüttelte den Kopf. „So gerne ich Lord Montague seine wohlverdiente Rast auch geben wollte, wir haben schon zu viel Zeit verloren. Und je länger wir auf den Straßen bleiben, desto größer ist die Gefahr eines Angriffs. Auch eine so große und gut geschützte Reisegruppe ist heutzutage nicht sicher, das wisst Ihr."
Der Kammerdiener seufzte und nickte zustimmend mit dem Kopf.
Zechs zögerte kurz, dann setzte er hinzu, „Vielleicht... wenn Ihr Lord Montague dazu überreden könntet, in einem der Wagen zu reisen? Das wäre mit Sicherheit nicht so beschwerlich wie die Reise zu Pferd."
Der Kammerdiener neigte leicht den Kopf. „Ich werde sehen was ich tun kann, Hauptmann. Ich kann Euch jedoch nichts versprechen. Mylord kann äußerst stur sein."
Zechs lächelte leicht, dann verabschiedete er sich von dem Kammerdiener, der sofort wieder im Inneren des Zeltes verschwand. Zechs drehte sich ebenfalls herum und begann seinen Weg durch die verschiedenen Lagerfeuer zu seinem eigenen zu suchen.
Schon seit dem ersten Abend hatten sich verschiedene Gruppen gebildet, und obwohl Zechs normalerweise immer mit der einen oder anderen Gruppe seiner Ritter saß und ein Feuer teilte, hatte er sich erneut der Gruppe um Lord Winner, Sir Moreton und Meister Chang angeschlossen. Die Themen der Gespräche in dieser Gruppe waren für Zechs einfach zu interessant als dass er sie verpassen wollte.
Mit einem dankbaren Nicken in Lord Winners Richtung, der ihm sobald er das Lagerfeuer erreichte eine Schale mit Eintopf reichte, ließ Zechs sich schließlich seufzend nieder. Inzwischen war er auch gar nicht mehr erstaunt darüber, dass der junge Lord nicht nur wusste wie man eine Mahlzeit zubereitete, sondern offensichtlich auch nicht davor zurückscheute, diese Aufgabe auszuführen. Andererseits hätte Zechs es vielleicht ahnen sollen – Quatre Winner war das einzige Mitglied des Kronrates – außer Sir Moreton – das keine persönlichen Diener im Schlepptau hatte. Der junge Lord schien nicht nur in der Lage zu sein sich selbst zu versorgen, er schien es auch vorzuziehen. Nicht dass Zechs sich darüber beschweren wollte.
Und da sowohl Meister Chang und Sir Moreton kochen konnten, hatten sie schnell beschlossen sich in dieser Aufgabe abzuwechseln. Sir Moreton, weil er früher ebenfalls ein Ritter der Königlichen Garde gewesen war, und da die Ritter sehr oft auf Patrouille oder ähnlichen Aufträgen unterwegs waren blieb ihnen nichts anderes übrig als sich selbst zu versorgen, wenn sie nicht verhungern wollten. Und Wufei Chang – nun, der junge Magier hatte ihnen nicht erzählt wo er kochen gelernt hatte, aber Zechs dachte nicht dass es zu den üblichen Fähigkeiten eines Magiers gehörte. Soweit er wusste lebten die Magier auf Burg Sternental nicht viel anders als all die Adligen in Hohenmut; in gewisser Weise stellten sie eine eigene Art Adel dar.
Zechs seufzte erneut, rutschte ein wenig unruhig auf dem Stein auf dem er saß umher und rührte in seinem Essen. Irgendwie konnte er heute nicht zur Ruhe kommen. Schon seit sie hier Rast gemacht hatten fühlte er sich angespannt wie die Seite einer Gitarre, die zu fest aufgezogen wurde.
„Was ist los, Hauptmann?"
Zechs hob den Kopf und blickte hinüber zu Meister Chang, der ihm diese Frage gestellt hatte.
„Ihr wirkt unruhig," setzte der junge Magier hinzu. „Ist irgendetwas mit Lord Montague? Ich sah Euch von seinem Zelt kommen – wird er etwa nicht in der Lage sein morgen weiterzureisen?"
„Nein, nein," winkte Zechs ab. „Das ist es nicht. Sein Kammerdiener versicherte mir, der Lord wäre nur ein wenig erschöpft."
„Was ist es dann?"
„Es ist dieser Ort." Zechs warf einen unbehaglichen Blick in die umliegenden Bäume, die außerhalb des Feuerscheins so gerade noch zu sehen waren. „Ich kann nichts genaues sagen, aber irgendwas hier gefällt mir nicht. Ich wünschte wir hätten unser Lager wo anders aufschlagen können. Dieser Ort hier fühlt sich – falsch – an. Es ist nichts worauf ich meinen Finger legen könnte, nur ein Gefühl."
„Ich weiß was Ihr meint," meldete Lord Winner sich zu Wort. „Ich kann es auch spüren."
Zechs warf dem jungen Mann einen schnellen Blick zu und konnte erkennen, dass er genauso unbehaglich aussah wie Zechs sich fühlte. Die nächsten Minuten vergingen schweigend, jeder von ihnen in seine Schüssel vertieft – das hieß, alle außer Meister Chang. Der junge Magier hatte seine Schüssel mit Essen abgestellt, die Augen geschlossen, eine undeutliche Geste mit seinen Händen gemacht und war dann in eine Art Trance versunken. Zumindest nahm Zechs das an, denn der Magier saß völlig unbeweglich einfach nur da und rührte sich nicht.
Schließlich öffnete Chang die Augen wieder, stieß einen tiefen Seufzer aus und sagte, „Ich habe nichts feststellen können. Dieser Ort hier ist weder verflucht noch von dunkler Magie durchtränkt. Ich konnte auch keine Spuren von irgendwelchen Untoten in der Umgebung entdecken."
Zechs verzog den Mund ein wenig. „Wie ich schon sagte, es ist nur ein Gefühl, aber im Laufe meiner Zeit in der Königlichen Garde habe ich gelernt mich auf dieses Gefühl zu verlassen."
Der Magier erwiderte daraufhin nichts mehr, und nachdem die Mahlzeit beendet und die Kochutensilien gewaschen und wieder weggepackt worden waren, verschwanden sowohl Lord Winner, Meister Chang und Sir Moreton in ihren jeweiligen Zelten, ohne diesmal noch ein längeres Gespräch zu starten wie an den Abenden zuvor. Eigentlich hätte auch Zechs sich schlafen legen sollen, schließlich würde der morgige Tag nicht weniger anstrengend sein als die restlichen zuvor, aber dasselbe unruhige Gefühl dass ihn schon sein Essen nicht genießen lassen konnte hielt ihn auch nun wach.
Die restlichen Ritter der Königlichen Garde hatten sich inzwischen auch schlafen gelegt, einige von ihnen in Zelten, andere einfach nur in ihre Bettrollen gewickelt um die noch glühenden Feuer herum. Nur diejenigen die die erste Nachtwache inne hatten waren noch wach und patrouillierten leise um das Lager. Zechs, der sich entschlossen hatte einen kurzen Spaziergang zu machen, nickte einem der Ritter schweigend zu als er an ihm vorbeikam.
Der Wald um das Lager herum lag in tiefem Schweigen. Obwohl Zechs seine Schritte so lautlos setzte wie nur möglich, so war das leise Rascheln der trockenen Blätter unter seinen Stiefeln das einzige Geräusch das er hören konnte. Diese ungewöhnliche Stille war es wahrscheinlich die Zechs überhaupt erst auf das ungewöhnliche Geräusch aufmerksam machte, als er nach zehnminütiger Wanderung bereits wieder auf dem Rückweg zum Lager war.
Zechs verharrte mitten im Schritt und rührte keinen Muskel. Im ersten Moment war er sich nicht sicher, ob er nicht einfach nur das Rascheln seiner eigenen Schritte für etwas anderes gehalten hatte, aber dann hörte er es wieder. Trippeln. Leise, trippelnde Geräusche, wie von vielen, kleinen Beinen.
Zechs drehte leicht den Kopf um die Herkunft der Geräusche besser orten zu können. Inzwischen war es auch schon so laut, dass er es hören konnte ohne den Atem anzuhalten, und es kam eindeutig von links. Und es bewegte sich in Richtung ihres Lagers.
Das Zischen schließlich war es was Zechs wieder in Bewegung setzte. Er kannte dieses seltsame, fast quietschende Zischen. Er hatte es schon oft gehört. Und nie hatte es einen leichten Kampf bedeutet.
Mit einem lauten Warnschrei stürmte Zechs in das Lager. „Spinnen!" schrie er. „Wir werden von Spinnenmonstern angegriffen! Los, aufwachen, Männer! Zu den Waffen!"
Sofort herrschte unglaubliches Chaos. Zumindest für das ungeübte Auge sah es so aus, auch wenn Zechs wusste, dass dem ganz und gar nicht so war. Seine Ritter, die ohnehin nicht sehr tief schliefen, waren von einer Sekunde zur nächsten wach und griffen nach ihren Waffen, die jeder von ihnen in Reichweite hatte. Glücklicherweise hatte jeder von ihnen schon seine Erfahrungen mit Spinnenmonstern gemacht, so dass seine Männer auch ohne Zechs Anweisungen wussten was sie zu tun hatten. So konnte Zechs sich ganz der Aufgabe widmen, sich um die Lords und Ladys zu kümmern.
Doch noch bevor Zechs das Zelt des ersten Adligen erreichen konnte waren die Spinnen auch schon heran. Mit einem lauten kreischen, das fast menschlich klang, stürmten die ersten Monster aus dem Schatten der umliegenden Bäume und sprangen die Ritter an, die sich ihnen in den Weg stellten. Hätte es sich um gewöhnliche Spinnen gehandelt, so wäre das alles kein Problem gewesen. Doch diese Spinnen hießen nicht umsonst ‚Monster'. Mit der Größe eines Wolfes, messerscharfen Beißwerkzeugen von denen säureartiger Speichel tropfte und ihren gepanzerten schwarzen Körpern glichen sie nicht nur einem Alptraum, sie waren auch unheimlich schwer zu bekämpfen und zu töten.
„Melvin!" rief Zechs einem der Ritter in der Nähe zu. „Nehmt ein paar Männer und schützt Lord Montague und die anderen Mitglieder des Kronrates!"
Der Ritter nickte Zechs zu und machte sich daran, den Befehl auszuführen.
„Hauptmann!"
Zechs drehte sich um und sah sich plötzlich Lord Winner, Sir Moreton und Meister Chang gegenüber. Die ersteren waren beide mit je einem Schwert bewaffnet, der Magier hielt nichts außer einem kurzen, knorrigen Stab in der Hand.
„Wie können wir helfen?" rief Sir Moreton.
„Was sind das für Wesen?" fügte Lord Winner hinzu.
„Spinnenmonster," antwortete Zechs, während er in Richtung der kämpfenden Männer eilte. „Zumindest nennen wir sie so. Ich habe keine Ahnung ob sie einen anderen Namen haben. Sie sind schwer zu töten, Ihr müsst genau auf die Stelle zielen wo der Kopf mit dem Körper verbunden ist. Nur da könnt Ihr mit dem Schwert durch den Panzer dringen. Und nehmt euch vor ihrem Speichel in Acht!"
Sowohl Lord Winner als auch Sir Moreton nickten nur knapp, dann stürzten auch sie sich in das Kampfgewimmel. Zechs warf einen hastigen Blick in die Runden. Verdammt, er hatte noch niemals so viele Spinnenmonster auf einmal gesehen! Sie mussten ihr Lager ganz in der Nähe eines Nestes aufgeschlagen haben! Kein Wunder dass es im Wald so still gewesen war – die Spinnenmonster hatten sämtliche Vögel und andere Tiere entweder gefressen oder vertrieben. Das war auch der Grund für Zechs' ungutes Gefühl gewesen, wie er jetzt im Nachhinein erkannte.
„Meister Chang!" rief Zechs über seine Schulter, während er sein Schwert mit voller Wucht auf eine der Spinnen niedersausen ließ. „Ihr solltet Euch besser zurück zu den Zelten begeben. Unbewaffnet seid Ihr kein Gegner für diese Monster." Die Spinne, die durch den schweren Schlag nur für eine kurze Sekunde zurückgeworfen worden war, schüttelte sich leicht und rannte dann kreischend auf ihren acht Beinen erneut direkt auf Zechs zu.
Eine Feuerkugel rauschte an Zechs linker Schulter vorbei und traf die Spinne mitten im Sprung noch bevor Zechs sein Schwert erneut heben konnte. Die Spinne landete brennend auf dem Boden und schrie gellend während die Flammen sie einhüllten. Nach nur wenigen Sekunden war nichts mehr von ihr übrig.
Zechs drehte sich zur Seite und starrte den jungen Magier an, der ihn mit einem leicht spöttischen Blick bedachte.
„Ich brauche keine Waffe, um mit diesen Biestern fertig zu werden, Hauptmann," schnaubte Meister Chang, während sich ein zweiter Feuerball von seinen Fingern löste und eine weitere Spinne verbrannte, die gerade dabei gewesen war sich auf Zechs zu stürzen.
Zechs riss sich zusammen und drehte sich wieder um, um sich auf den Kampf zu konzentrieren. Es war offensichtlich, dass der Magier sehr gut auf sich alleine aufpassen konnte, also brauchte er sich keine weiteren Sorgen um ihn machen. Die Spinnen vor ihm reichten ihm eigentlich auch völlig aus.
Später konnte Zechs gar nicht mehr sagen, wie lange sie gegen diese Monster kämpften. Ihre Zahl schien kein Ende nehmen zu wollen, egal wie viele von ihnen sie auch töteten, der Wald spuckte immer mehr von ihnen aus. Fast schien es so als würden für jede getötete Spinne zwei weitere aus dem Wald stürmen.
Meister Chang hatte sich inzwischen von Zechs' Position fortbewegt, aber dank der lodernden Feuerbälle und der schrillen Todesschreie der verbrennenden Spinnen konnte Zechs immer genau sagen, wo der Magier sich gerade aufhielt. Das Feuer hatte außerdem noch einen weiteren Vorteil: es schaffte mehr Licht auf ihrer Lichtung und ließ sie die Spinnen besser erkennen.
Auch Sir Moreton und Lord Winner schienen sehr wohl mit ihren Schwertern umgehen zu können, wie Zechs fast am Rande mitbekam, als er ihnen im Verlauf des Kampfes mehrere Male über den Weg lief. Sir Moretons Stil ähnelte wie erwartet dem Rest der Ritter, aber der junge Lord ließ Zechs ein paar Mal verblüfft blinzeln. Lord Winner bewegte sich mit einer Eleganz und Schnelligkeit, die fast an einen Tanz denken ließen. Er kämpfte mit seinem ganzen Körper, stieß Tritte aus, rollte sich über die Panzer der Spinnen, ja einmal sah Zechs ihn sogar eine Drehung mitten im Sprung ausführen.
Viel Zeit blieb ihm jedoch nicht dazustehen und den Kampfstil des jungen Mannes zu bewundern – und sich zu fragen, wo der Lord das wohl gelernt hatte – die Spinnen schienen noch immer kein Ende zu nehmen und Zechs hatte mehr als alle Hände voll zu tun sein Leben zu verteidigen.
Plötzlich hörte Zechs ein schrilles Quieken über den Bäumen, und während er sich noch verzweifelt fragte ob die Spinnen etwa gelernt hatten auf Bäume zu klettern und sie nun auch von oben angreifen würden, schoss auf einmal ein Schwarm Fledermäuse hervor und stürzte sich ebenfalls auf die Spinnen.
Mit offenem Mund starrte Zechs die Fledermäuse an. Er hätte es ja nie für möglich gehalten, dass diese eigentlich so kleinen und fast zarten Geschöpfe in der Lage wären, es mit den Spinnenmonstern aufzunehmen, aber die Fledermäuse machten kurzen Prozess mit ihnen. Es war zwar jedes Mal der gesamte Schwarm nötig um eine einzelne Spinne zu töten, aber wenn sie sich auf eines der Monster stürzten, so hatte dieses keine Chance.
Mit einem respektvollen Grinsen in Meister Changs Richtung stürzte auch Zechs sich wieder in den Kampf. Er wusste zwar nicht wie der Magier die Fledermäuse dazu gebracht hatte ihnen zu helfen, aber im Moment war ihm wirklich alles recht. Solange es ihre Gegner nur dezimierte würde er keine Fragen stellen.
Inzwischen sah es auch endlich so aus, als würden der Angriff der Spinnen endlich nachlassen. Soweit Zechs es erkennen konnte stürmten keine weiteren Spinnen mehr aus dem Wald, und die die sich bereits auf der Lichtung befanden waren alle in irgendwelche Kämpf verwickelt.
Zechs war gerade dabei einer der Spinnen sein Schwert genau in die verwundbare Stelle zu stoßen, als er plötzlich ein Zischen hinter sich hörte, und im nächsten Moment auch schon zu Boden geworfen wurde. Zechs stieß einen Schrei aus und rollte sich herum, um sein Schwert nach oben manövrieren zu können.
Die Spinne stand genau über ihm, die scharfen Beißwerkzeuge weit geöffnet. Sofort riss Zechs die Arme vor sein Gesicht und drehte sich wieder zur Seite. Nicht nur dass er verhindern wollte dass die Spinne ihn biss, viel gefährlicher war eine Verletzung durch ihren säureartigen Speichel. Vor allem im Gesicht. Zechs hatte schon mehr als einmal gesehen, wie diese Art von Verletzung das Opfer das Augenlicht gekostet hatte.
Auf einmal ertönte das singende Geräusch eines herabsausenden Schwertes, und als Zechs die Arme vorsichtig wieder senkte und die Augen öffnete, konnte er sehen wie die Spinne von ihm weg gehoben wurde – fein säuberlich aufgespießt auf das Schwert von Quatre Winner.
Für einen Augenblick lag Zechs einfach nur so da und starrte hinauf in die vom flackernden Feuerschein rot erscheinenden Augen des jungen Lords, dann blinzelte Winner und seine Augen sahen wieder ganz normal aus.
„Seid Ihr in Ordnung, Hauptmann?" fragte der Lord und reichte ihm eine Hand.
Zechs ergriff die Hand dankbar. „Ja, danke, Mylord," sagte er während Winner ihn hochzog. „Ihr habt mir das Leben gerettet."
Lord Winner winkte ab. „Ihr schuldet mir nichts. Ihr wisst selbst dass das üblich ist für so einen Kampf. Das nächste Mal rettet ihr das meinige. Und ich denke, wir sind inzwischen über das ‚Mylord' hinaus, oder? Bitte nennt mich Quatre."
Zechs nickte dankbar und erwiderte, „In Ordnung. Mein Name ist Zechs." Dann warf er einen Blick in die Runde. Keines der Spinnenmonster war noch auf den Beinen, soweit Zechs das sehen konnte. Während seines kleinen Gerangels mit der Spinne hatten seine Männer die letzten getötet. Und soweit er sehen konnte hatte es auch keine Verluste in ihren Reihen gegeben. Die einzigen Leichen die Zechs erkennen konnten waren die der Spinnen.
Zechs ließ seinen Blick über die zahlreichen Kadaver wandern und verzog den Mund. Das hier versprach keine reizende Aufgabe zu werden.
„Meister Chang?" rief Zechs laut nach dem Magier.
„Nennt mich Wufei," ertönte eine ruhige Stimme direkt an Zechs rechtem Ohr und ließ ihn zusammenzucken. Als er sich in die Richtung umdrehte blickte er direkt in die amüsierten schwarzen Augen des Magiers, der offensichtlich sein Gespräch mit Lord Winner mitbekommen hatte.
„Danke," nickte Zechs und bot ihm nun ebenfalls seinen Vornamen an.
Wufei neigte nur dankend den Kopf und fragte dann, „Ihr wolltet etwas von mir?"
Zechs sah ihn einen Moment lang verwirrt an, dann fiel es ihm wieder ein. „Oh ja, genau. Wäre es möglich all diese Spinnenleichen zu verbrennen?"
Wufei zuckte mit den Schultern. „Sicher. Am besten ist es wenn wir sie alle auf einem Ort auftürmen. Kostet nicht soviel Energie und reduziert die Wahrscheinlichkeit eines Waldbrandes."
Zechs sah sich noch einmal auf der Lichtung um. Die Spinnenkadaver waren weitflächig über ihren gesamten Lagerplatz verteilt. Und dank des schweren Panzers waren diese Spinnen auch nicht wirklich leicht. Das versprach eine lange Nacht zu werden. Doch es führte leider auch kein Weg daran vorbei, sie konnten die Leichen nicht einfach so hier liegen lassen. Das würde zu viele Aasfresser anziehen – und in der heutigen Zeit bedeutete das leider meist aasfressende Monster.
Mit einem tiefen Seufzer nickte Zechs deshalb nur und rief seine Männer zusammen – zumindest diejenigen die mehr oder weniger unverletzt waren. Glücklicherweise schien keine der Verletzungen zu schwer zu sein, trotzdem würden sie morgen entscheiden müssen, ob einige der Männer eventuell zurückgeschickt werden müssten. Zechs gefiel der Gedanke zwar gar nicht – denn da die Männer verletzt waren würde er ihnen auch einen Teil der unverletzten Ritter als Begleitschutz mitgeben müssen – aber das alles waren Sorgen für den Morgen. Für diese Nacht hatten sie erst einmal genug zu tun. Mit einem weiteren tiefen Seufzer packte Zechs eine der Spinnen am Bein und begann sie zum Sammelplatz zu schleifen.
