Disclaimer: Harry Potter gehört natürlich nach wie vor Joanne K. Rowling... und daran wird sich auch so schnell nichts ändern!

Montag, 2.09.1991. Morgens

Um Punkt sieben Uhr wurden die Jungen durch lautes Weckerklingeln aus dem Schlaf gerissen. Als sich herausstellte, dass der Wecker Blaise Zabini gehörte, verfluchten die anderen Jungen die unerwünschte Ruhestörung.

„Verdammt Zabini! Mach dieses Schrillmonster aus!", rief Draco empört.

Von Blaise kam jedoch keine Reaktion. Harry stellte verblüfft fest, dass der noch immer seelenruhig vor sich hinschnarchte.

Er schlich sich an dessen Bett, nahm das lärmende Ungetüm vom Nachttisch und legte ihn auf Blaises Ohr. Dieser schrak wie von der Tarantel gestochen hoch, so dass der Wecker laut scheppernd auf den Boden knallte und endlich verstummte.

Andrew und Draco fingen schallend an zu lachen, während Theodor Nott nur den Kopf schüttelte.

„Wirklich Zabini, du hast einen festen Schlaf.", kommentierte er nur trocken.

Blaise sah sie verwundert an und sagte mit unschuldiger Stimme:

„Ich bin Krach von Zuhause gewöhnt. Daher hat Mum den lautesten Wecker gekauft."

Draco schnaubte. „Der scheint bei dir ja auch nicht wirklich was zu nützen. Morgen gibts dann eine kalte Dusche."

„Traust dich ja eh nicht, Malfoy!"

„Wetten doch, Zabini?" Draco grinste feist.

„Und wenn nicht, kommst du eben zu spät!", warf Theodore ein.

Nachdem sie sich fertig für den Tag gemacht hatten, drängten Crabbe und Goyle ihre Zimmerkameraden, doch endlich frühstücken zu gehen.

Um sich nicht zu verlaufen, gingen sie den älteren Schülern hinterher in Richtung große Halle.

Die langen Haustische waren bereits reich gedeckt, und bereits von vielen Schülern besetzt. Die sieben Jungen ließen sich bei den Mädchen nieder, die schon Plätze für sie freigehalten hatten. Während sie genüsslich Toast, Eier, Speck und Müsli aßen, kam Professor Snape an ihren Tisch und verteilte die Stundenpläne. Aufgeregt sahen sie nach, was sie gleich um neun Uhr für ein Fach hatten. Es war Kräuterkunde bei Professor Sprout, zusammen mit den Ravenclaws.

Plötzlich hörten sie die Stimme von Dudley Dursley vom Hufflepufftisch durch die Halle schallen:

„Igitt! Was ist denn das für ein ekliges Zeug?! Ich will Erdbeermilch! Die von Speakermens Shop. Gibts die hier nicht?"

Die meisten Hufflepuffs schauten verwirrt und ein anderer Erstklässler, der anscheinend auch Muggelstämmig war, sagte:

„Erstens, das ist Kürbissaft und zweitens, Sachen aus Muggelläden gibt es hier nicht. Der Kakao ist hier ohnehin viel besser. Probier doch mal!"

„Wie kann man nur Muggelsachen trinken. Das ist doch alles total verpestet, sagt Tante Linda.", bemerkte Andrew verächtlich.

Dudley nahm den Vorschlag an und schien ebenfalls Gefallen am Kakao der Zaubererwelt zu finden, denn nun begann er gierig, ein Glas nach dem anderen zu schlürfen, wobei der die Kakaokanne mit Argusaugen bewachte. Gleichzeitig schaffte er es irgendwie, ein Toast nach dem anderen zentimeterdick mit Butter und Schokoladencreme oder Marmelade zu bestreichen, um es dann mit aller Macht in seinen Mund zu quetschen, wobei die Hälfte des Toastbelags aus seinen Mund quoll und an seinem Kinn herunterlief. Seine Sitznachbarn wandten sich angewidert ab.

Harry sah Dudley mit offenem Mund zu. Noch nie in seinem Leben hatte er eine solch schlechte Manieren und eine solche Gier nach Essen gesehen. Dudley sah alles andere als verhungert aus, und es gab doch genug für jeden hier. Vielleicht fürchtete er, dass es den ganzen Tag nichts mehr zu essen geben würde? Selbst Crabbe und Goyle aßen zwar viel und schnell, aber doch viel manierlicher als Dudley. Harry stellte sich Tante Linda und Rose vor, was sie dazu sagen würden......und musste schlucken. Eine Gardinenpredigt wäre das mindeste. Und warum hatte er schon wieder das Gefühl eines Déjà-vu?

„Unglaublich. Der muss doch gleich platzen...!", brachte Harry schließlich heraus.

Die anderen kicherten, nickten zustimmend und wandten sich wieder dem Essen zu.

Bei dem Zwischenfall verpassten sie den mörderischen Blick Snapes, der auf Dudley ruhte als wolle er Löcher in seinen Körper brennen. Was fiel diesem Bengel ein, sich hier so aufzuführen wie ein Schwein im Schweinestall?! So ein Benehmen würde er an seinem Haustisch keinesfalls dulden. Aber es sah Sprout ähnlich, dass sie nichts tat, sie ließ ihren Schäfchen zu viel durchgehen und hoffte vermutlich, dass er sich von allein ändern würde.

Auch der Blick des Potterjungen sprach Bände. Snape wusste, dass die O'Dwyers und Moores Wert auf gutes Benehmen legten, ähnlich wie die Malfoys. Da war es kein Wunder, dass der Junge völlig entgeistert auf den Dursleyjungen starrte. Überhaupt war Snape erleichtert, dass Harry von Lilys Verwandtschaft aufgenommen und großgezogen worden war. Wie Dumbledore darauf kam, dass Harry bei den Muggeln sicher gewesen wäre, entzog sich völlig Snapes Verständnis. Aber nun saß er hier, am Slytherintisch, befreundet mit dem Sohn von Snapes bestem Freund Lucius, mit langen Haaren, ohne Narbe und ohne Brille. Fast hätte Snape ihn nicht erkannt. Durch seine langen Haare und die fehlende Brille sah er seinem Vater nicht besonders ähnlich. Albus hatte sogar gesagt, Harry habe Lilys grüne Augen. Und Lucius hatte ihn als einen typisch erzogenen Reinblüterjungen beschrieben, der wusste, wie man sich in der Öffentlichkeit zu benehmen hatte. Aber dieser Dursleybengel.....Und woher zum Teufel kannte er eigentlich diesen Namen? Snape meinte sich zu erinnern, dass Albus ihn mal erwähnt hatte, aber in welchem Zusammenhang war das noch mal gewesen? Oder war es doch Lily gewesen, die den Namen erwähnt hatte?

„Severus? Am ersten Tag schon schlecht gelaunt?", unterbrach Minerva ihn aus seinen Gedanken.

Snape starrte sie nur eine Sekunde lang irritiert an, schwieg jedoch.

„Das ist auch eine Antwort.", schmunzelte Minerva in ihre Teetasse.

Severus schnaubte nur und wandte sich wieder seinem Rührei zu.

Nach einiger Zeit sausten hunderte Eulen durch die Dachluken und flogen in einem großen Durcheinander durch die Halle zu ihren Empfängern. Thor, Freya und Dracos Uhu Ares kamen mit leeren Krallen zu ihren Besitzern geflogen, um ein wenig von ihrem Frühstück zu stibitzen und ihre Langeweile zu vertreiben. Harry, Andrew und Draco schrieben ihren Familien eine kurze Nachricht, dass sie in Slytherin gelandet waren, und schickten ihre Eulen damit los. Amanda versuchte, nicht zu neidisch auszusehen, weil sie nun bei jedem Brief um eine Eule bitten musste, wenn sie keine Schuleule benutzen wollte.

„Siehst du? Eulen sind besser als Katzen!", kam auch schon der unausweichliche Kommentar von Andrew.

„Ach halt die Klappe!", schnappte sie zurück. Harry und Draco grinsten.

Bryan, der einige Plätze entfernt saß, war schon in seinen Tagespropheten vertieft und bekam nicht mit, wie die Eule, die ihn gebracht hatte, sein Frühstück verschlang.

Nach dem Frühstück holten sie ihre Schulsachen aus ihrem Schlafsaal und Ian Greytree brachte die Erstklässler der Slytherins zu den Gewächshäusern, wo die Ravenclaws bereits auf sie warteten. Ein paar Minuten später tauchte eine rundliche, kleine Hexe auf, die sie gut gelaunt begrüßte.

„Guten Morgen zusammen! Herzlich willkommen zu eurer ersten Stunde in Hogwarts. Ich bin Professor Sprout. Heute werde ich euch etwas über magische Pflanzen und ihre Verwendungsmöglichkeiten erzählen. Aber zuerst werde ich sichergehen, dass ihr alle da seid.

Terry Boot?"

„Hier!"

„Mandy Brocklehurst?"

„Hier!"

„Milicent Bulstrode?"

„Hier!"

„Vincent Crabbe?"

„Hmm."

.......

Mit Blaise Zabini endete die Anwesenheitskontrolle, und sie sagte:

„Folgt mir nun zu Gewächshaus Eins. Ich warne euch allerdings, ja keine Pflanze zu berühren. Manche reagieren darauf aggressiv und es ist umständlich und sehr langwierig, abgebissene Finger wieder nachwachsen zu lassen!"

Die Klasse sah sie mit gehobenen Augenbrauen und aufgerissenen Augen an und viele wurden merklich blasser um die Nase.

In besagtem Gewächshaus, in dem sie die wunderlichsten und seltsamsten Pflanzen vorfanden, die sie je gesehen hatten, wurden sie von Professor Sprout herumgeführt und mussten sich Verhaltenregeln für den Umgang mit magischen Pflanzen aufschreiben, die sie als Hausaufgabe auswendig lernen sollten. Harry wünschte sich sehnlichst, dass sie anstatt Pflanzen magische Tierwesen durchnehmen würden, doch von Bryan wusste er, dass das erst in der dritten Klasse gewählt werden konnte.

Nachdem die Stunde zu Ende war, suchten sie den Weg zurück zum Schloss, wo die Slytherins als nächstes Zauberkunst mit den Hufflepuffs und die Ravenclaws gemeinsam mit den Gryffindors Verteidigung gegen die dunklen Künste hatten.

Ein Sechstklässler zeigte den Slytherins den Weg zum Zauberkunstklassenzimmer, wo sie feststellten, dass die Hufflepuffs noch nicht da waren. Diese kamen wenig später in Begleitung von ihrem Vertrauensschüler hinzu. Dudley war allerdings nicht zu sehen.

„Wo ist denn der Fleischklops?", fragte Draco laut genug, dass es alle hören konnten. Einige Hufflepuffs rissen empört die Münder auf, um etwas entsprechendes entgegenzusetzen. In diesem Moment kam Professor Flitwick um die Ecke.

„Es ist nicht sehr freundlich von Ihnen, mich als Fleischklops zu bezeichnen, Mr. Malfoy.", erklärte er entrüstet mit einer quiekenden Stimme.

Draco wurde tomatenrot und stotterte, dass er doch gar nicht den Professor gemeint habe.

„Das will ich auch sehr hoffen, junger Mann.", sagte der Professor schmunzelnd und schloss das Klassenzimmer auf.

Nachdem die laut schwatzende Schülermenge sich niedergelassen hatte, führte Flitwick wie auch Sprout vorher die Anwesenheitskontrolle durch. Als sich beim Aufruf von Dudleys Namen niemand meldete, fragte er, ob jemand wisse, wo er sei.

Andrew flüsterte:

„Bei dem Schwabbelschwein auf zwei Beinen ist wahrscheinlich eine Treppe unter ihm zusammengekracht."

Die Slytherins prusteten los, und Professor Flitwick mahnte mit seiner piepsigen Stimme:

„Darf ich um Ruhe bitten! Also, wer von ihnen weiß, wo Mr. Dursley ist? Die Schüler vom Hufflepuff Haus doch vielleicht?"

Niemand meldete sich, und die Hufflepuffs zuckten mit den Schultern oder schüttelten die Köpfe. In diesem Moment klopfte es an der Tür, und auf ein „Herein!" von Flitwick öffnete sich die Tür. Professor McGonagall tauchte auf, mit Dudley im Schlepptau, der sehr bedröppelt dreinschaute.

„Verzeih die Störung, Filius, aber ich musste eine ernste Unterredung mit Mr. Dursley führen. Nun suchen Sie schon einen freien Platz, Mr. Dursley."

Dudley trottet mit gesenktem Kopf zu einem übriggebliebenen Platz in der hinteren Reihe und ließ sich auf den Stuhl plumpsen. Die anderen kicherten, selbst die Hufflepuffs. Professor McGonagall verschwand wieder durch die Tür. Professor Flitwick ermahnte die tuschelnde Klasse zur Ruhe und sagte dann:

„So, nachdem Mr. Dursley nun zu uns gestoßen ist, können wir ja fortfahren."

Nachdem die Anwesenheitskontrolle ohne weitere Zwischenfälle verlaufen war, diktierte Flitwick ihnen die Grundregeln für die Handhabung eines Zauberstabes und die gefährlichen Folgen, die eine falsche Handhabung nach sich ziehen konnte, z.B. wenn man den Zauberstab an der Spitze statt am Griff in die Hand nahm und einen Zauber ausführte, oder bei einer falschen Aussprache eines Zauberspruchs.

Danach führte er ihnen einige Zauber vor, die sie zum späteren Zeitpunkt lernen würden. Staunend beobachteten die Klasse, wie er Bücher durch das Klassenzimmer fliegen ließ und seinen Bart lila verfärbte, was die Schüler zum kichern brachte. Anschließend führte er ihnen unter ergänzenden Erklärungen den Lumos-Zauber vor und ließ sie diesen üben. Die meisten hatten den Dreh schnell heraus, und nach kurzer Zeit war der Klassenraum mit hellen Lichtstrahlen erfüllt. Dudley Dursley war ungeheuer fasziniert von dem Lichtstrahl, der aus seinem Zauberstab hervorbrach, und bewegte die Spitze seines Stabes in die Richtung seines Auges, um das Licht besser untersuchen zu können. Doch das Licht war so hell, dass er erschrocken die Augen zusammenkneifen musste.

„Bei Merlin, Mr. Dursley, niemals mit der Spitze in das Auge zeigen! Haben Sie denn eben nicht zugehört? Das kann sehr böse enden!", quiekte Flitwick entsetzt.

„Ich dachte, bei Licht wäre das nicht so schlimm.", stammelte Dudley.

„Aber zu helles Licht kann auch Ihren Augen schaden. Manche sind schon erblindet, weil ihre Augen zu helles Licht abbekommen haben.", erklärte der Professor. Dudley sah ihn entsetzt an und nickte hastig, wobei sein Doppelkinn heftig zitterte. Flitwick überlegte, ob Madam Pomfrey ihm nicht eine Diät verordnen konnte. Der arme Junge, dachte er. Wie hatten es seine Eltern so weit kommen lassen? Er kann sich ja kaum noch bewegen.

Als Hausaufgabe gab er ihnen am ende der Stunde einen dreißig Zentimeter langen Aufsatz über den Lumos-Zauber auf und entließ sie dann in die Pause. Ein paar Slytherins und Hufflepuffs fragten gemeinsam Professor Flitwick, wo sich der Klassenraum für Zaubereigeschichte befand. Flitwick bot sich an, sie dort hinzubringen, da dieser in einem anderen Teil des Schlosses war.

Die Zaubereigeschichtsstunde erwies sich als die weitaus langweiligste Stunde. Professor Binns, der einzige Geist, der auch unterrichtete, sprach mit monotoner Stimme, mit welcher er Ereignisse und Jahreszahlen ohne Punkt und Komma herunterleierte. Schon nach wenigen Minuten saß die Klasse mit glasigen Augen und aufgestütztem Kopf da, und starrte ins Leere.

Harry seufzte vernehmlich. „Blah-blah-blah-blah-blah.....bei Merlin, da sind ja die Spinnweben da oben in der Ecke interessanter...", murmelte er.

Draco antwortete mit einem „Mmm-hmm..."

Amanda drehte gedankenverloren ihre Haare um ihre Finger, während Andrew zum vierten mal herzhaft gähnte. Blaise Zabini zeichnete unterdessen höhnende Fratzen auf den Tisch.

Nach weiteren zehn Minuten war ein Schnarchen zu hören, dessen Rhythmus sich Binns Tonfall anpasste. Die Slytherins sahen sich um und bemerkten, dass Dudley den Kopf in seinen Armen gebettet hatte und tief und fest schlief. Professor Binns ließ sich dadurch nicht stören, obwohl die Slytherins anfingen zu kichern. Zwei von Dudleys Hauskameraden neben ihm versuchten diesen wachzurütteln, was aber zur Folge hatte, dass er laut krachend zu Boden fiel, worauf alle schallend lachten.

Binns brach seinen Vortrag über die ersten Koboldkriege ab und sah irritiert auf. Während Dudley sich mit vor Scham hochrotem Gesicht aufrappelte und zurück auf seinen Stuhl kroch, sagte Binns:

„Dürfte ich um Ruhe bitten! Also wirklich, die Ereignisse des Koboldkrieges sind nun wirklich nicht amüsant! Wenn ich denn nun fortfahren könnte…..Im Jahre 1276 kam es schließlich….."

Fünf Minuten später war der Vorfall wieder fast vergessen und die Schüler waren wieder in einen tranceartigen Halbschlaf verfallen. Erst der Gong zum Ende der Stunde brachte wieder Bewegung in die Klasse und sie verließen laut schwatzend und erleichtert den Klassenraum.

Die Slytherins schafften es, ihren Gemeinschaftsraum zu finden, ohne sich zu verirren und brachten ihre Schulsachen in ihren Schlafsaal. Harry, Andrew, Draco, Crabbe und Goyle beschlossen, die freie Stunde bis zum Mittagessen zu nutzen, um dass Schulgelände zu erkunden.

Draußen schien die Sonne und es war ein warmer Tag, und die Fünf gingen zum See hinunter, um ihn bei Tageslicht zu betrachten. Die grüne Wiese an Ufer des Sees lud zum hinsetzen ein, und schon bald fläzten sie sich im Gras.

„Bryan hat echt nicht übertrieben, als er von Binns erzählt hat.", meinte Andrew.

Draco sagte trocken: „Binns war noch langweiliger als die Vorträge über Politik von meinem Vater, und das will schon was heißen."

Harry grinste über diese Bemerkung, während er in einiger Entfernung Hagrid beobachtete, der aus dem Verbotenen Wald kam und auf seine Hütte zusteuerte. Sein Blick fiel plötzlich auf die fünf Slytherins, und er hielt einen Moment inne. Dann machte er Anstalten, zu ihnen herüberzukommen, schüttelte jedoch nach einigen Sekunden seinen zotteligen Kopf und ging in seine Hütte. Harry runzelte verwirrt die Stirn. Was mochte Hagrid von ihnen gewollt haben?

Eine Stimme riss Harry aus seinen Gedanken. Sie gehörte zu Andrew, der gerade erzählte, dass Bryan ihnen von einem Riesenkraken und Meermenschen berichtet hatte, die angeblich im See wohnen sollten. Draco meinte daraufhin, dass sein Vater auch mal so etwas erwähnt hatte.

Als es wenig später zum Mittagessen gongte, gingen sie in die große Halle und setzten sich an ihren Haustisch, an dem bereits die restlichen Schüler aus ihrem Jahrgang auf das Essen warteten, das nun jeden Augenblick erscheinen würde. Am Tisch der Hufflepuffs saß Dudley etwas abseits der anderen Schüler mit einem ungewöhnlich konzentrierten Gesichtsausdruck, ein kleines, graues, rechteckiges Ding in den Händen haltend, und mit den Daumen wie verrückt darauf herumdrückend.

„Was ist das denn?", fragte Harry verdutzt.

Die anderen folgten seinem Blick, konnten das seltsame Objekt, das Dudley in den Händen hielt, aber genauso wenig identifizieren wie Harry.

„Wahrscheinlich irgendein Muggelding, so wie das aussieht.", vermutete Andrew.

Plötzlich fing das Ding an, schrille, laute Pieptöne von sich zu geben. Alle Schüler und Lehrer zuckten zusammen, hielten sich die Ohren zu oder verzogen das Gesicht zu einer schmerzverzerrten Grimasse. Snape sah aus, als wollte er am liebsten aufspringen und Dudley mit bloßen Händen erwürgen, sein normalerweise blasses Gesicht vor Zorn rot angelaufen. Einzig Dumbledore hatte ein amüsiertes Funkeln in seinen Augen und saß seelenruhig auf seinem Platz. Ein älterer Hufflepuff, der sich offensichtlich mit dem nervigen Piepskästchen auskannte, eilte zu Dudley, riss ihm das Gerät aus den Händen und stellte es aus. Daraufhin erklang ein erleichtertes Seufzen in der Halle.

„Muggelgeräte funktionieren nicht in Hogwarts, also pack es gefälligst weg.", schnappte der Schüler ärgerlich und knallte es vor Dudley auf den Tisch. Dieser stopfte es wütend in seine Umhangtasche. Die meisten Slytherins verdrehten die Augen oder schüttelten den Kopf, und man sah den Hufflepuffs an, dass ihnen der Vorfall gar nicht gefiel. Sie begannen, in harschem Ton auf Dudley einzureden, so dass sie fast nicht mitbekamen, wie das Essen erschien. Harry grinste, als er das sah. Aus irgendeinem Grund hatte er das Gefühl, dass es Dudley mehr als verdient hatte, Ärger zu bekommen. Nicht nur, weil er Muggeldinge mit in die Zaubererwelt brachte oder weil seine Eltern nur Muggel waren, sondern....ja warum eigentlich? Darauf wusste Harry keine Antwort. Er wusste nur, dass es Rachegefühle waren. Sein Magen erinnerte ihn daran, dass es Essenszeit war, so dass er sich vornahm, später darüber nachzudenken.

Nach dem Mittagessen gingen die Jungs wieder zum See, dieses Mal in Begleitung von Amanda, Pansy, Millicent und Daphne. Blaise und Theodore wollten in die Bibliothek, um den Aufsatz für Flitwick zu schreiben.

Am See angekommen, setzten sie sich ans Ufer. Nach einer Weile tauchten einige große Tentakel im Wasser auf, die nach Treibgut fischten.

„Hey, dann hatten Vater und euer Cousin ja Recht! Den Kraken gibts tatsächlich!", rief Draco aus.

Fasziniert beobachteten sie, wie immer mehr Fangarme auftauchten und wieder verschwanden.

„Krass! Seht euch mal die riesigen Saugnäpfe an!", kam es von Andrew.

„Uäääh!", kreischten die Mädchen im Chor, während sie einige Meter zurückwichen.

Millicent verzog das Gesicht. „Die sollen uns bloß nicht zu nahe kommen!"

„Ob der auch die Wassermenschen frisst?", fragte Amanda.

Harry schüttelte den Kopf. „Das glaube ich nicht. Die haben doch Speere und so was, um sich zu wehren."

„Hey, seht mal! Da kommt Hufflepuffs Idiot!", zischte Pansy den anderen zu.

Die anderen sahen sich um und entdeckten Dudley, der gerade auf einen Baum in der Nähe zusteuerte, und sich unter ihm auf den Boden fallen ließ.

Wieder hatte er seine Piepbox dabei, und fingerte daran herum. Die Slytherins ahnten schon, was nun kommen würde und stöhnten auf.

„Das kann doch nicht wahr sein. Warum geht das nicht in seinen Dickschädel, dass Muggelzeug hier nicht geht!?", fauchte Harry genervt.

Da fing besagter Gegenstand auch schon wieder schrill an zu piepsen, und die Slytherins hatten genug. Sie standen auf, gingen zu Dudley herüber und bauten sich vor ihm auf. Dudley, der auf sein lautstarkes Spielzeug konzentriert war, bemerkte sie erst, als Andrew ihm ins Gesicht brüllte:

„STELL ENDLICH DIESES VERDAMMTE DING AB!"

Dudley zuckte erschrocken zusammen, und legte hastig einen Schalter um. Das Piepen verstummte abrupt. Harry zischte ihn an:

„Wie oft muss man dir eigentlich noch sagen, dass Muggelschrott hier nicht funktioniert?! Und was soll das überhaupt sein? Ein Gerät zum Nerven anderer Leute?!"

Die Slytherins kicherten gehässig. Dudley sah Harry verwirrt an. Wie konnte er nicht wissen was das war? Jeder hatte doch heutzutage einen!

„Das ist ein Gameboy! Sag bloß, du hast noch nie einen Gameboy gesehen!"

Die Slytherins stutzen. Wie ein Junge sah das Ding nun wirklich nicht aus. Eher wie eine art Klotz.

Was soll das sein? Ein Junge zum Spielen? Die Muggel sind bekloppter als ich dachte!", sprach Pansy verächtlich das aus, was die Slytherins dachten.

„Was?", fragte Dudley irritiert. Auf die höhnischen Blicke der Slytherins hin fühlte er sich jedoch genötigt, es näher zu erklären.

„Nein, damit kann man Spiele spielen, wie Computerspiele im Kleinformat. Meine Güte wo kommt ihr denn her, dass ihr das nicht kennt?"

Die meisten Slytherins runzelten die Stirn.

„Compudings? Das sind doch diese komischen Muggelkästen, von denen Arthur Weasley so schwärmt. Onkel Magnus hat von denen erzählt, das ist der reinste Schrott. Die Muggel glauben, dass die alles können. Totaler Schwachsinn, wie alles, was die Muggel machen.", sagte Amanda in ihrem arrogantesten Ton.

„Vater sagt, Weasley ist so muggelverdreht, dass er besser bei ihnen leben sollte.", fügte Draco hinzu.

Dudley sah sie geschockt an. Das konnte doch nicht sein, dass sie nicht einmal interessiert schienen, was ein Gameboy tun konnte! Jeder seiner Freunde hatte ihn darum beneidet! Sein Vater hatte ihm immer gesagt, dass es wichtig sei, technisch auf dem neuesten Stand zu sein! Schließlich entwickelte seine Firma ihre Bohrmaschinen ja auch weiter!

Andrew fragte mit einem gemeinen Grinsen:

„Deine Eltern sind auch Muggel, was? Wie armselig. Wo wir herkommen ist doch wohl klar. Wir kommen aus reinblütigen Familien, wo so ein Muggelschrott gar nicht erst erwähnt wird. So was ist mit Magie doch gar nicht vergleichbar."

„Soll das heißen, ihr habt nicht mal elektrisches Licht zu Hause? Das ist ja wie im Mittelalter!", lachte Dudley.

Er hatte zwar bemerkt, dass in der Winkelgasse keine elektrischen Geräte verkauft wurden, aber er hatte bisher geglaubt, dass es daran lag, dass die Straße eben nur aus Fachgeschäften für Magie bestand. So wie es eben Fachgeschäfte für PCs gab.

„Ich bekomme von meinen Eltern immer die neuesten Computerspiele und habe sogar einen Fernseher!", fügte er stolz hinzu. An den Blicken der Slytherins konnte er ablesen, dass sie keinen blassen Schimmer hatten, wovon er sprach. Harry kamen diese komischen Muggelwörter wie Gobbledegook, die Sprache der Kobolde, vor.

„Natürlich haben wir Licht zu Hause, du hirnlose Schwabbelschwarte!", fauchte Amanda entrüstet.

„Aber unser Licht funktioniert mit Magie, so wie es sich in einem vernünftigen Zaubererhaus gehört!"

Dudley rappelte sich auf und stellte sich wichtigtuerisch vor die Slytherins. Sie mussten doch endlich kapieren, wie wichtig es war, immer die neuesten Geräte zu haben! Wie konnte man nur so hinterwäldlerisch leben?

„Dafür habt ihr keine Computerspiele und auch keine Autos. Mein Vater bekommt immer die neuesten und teuersten Firmenwagen. Was macht ihr denn die ganze Zeit ohne Computer und Fernseher? Das ist doch voll langweilig ohne die."

Harry fragte sich eher, was man mit diesen Dingern anfangen sollte.

„Wir können auf Aethons ausreiten und uns die Einhörner im Wald anschauen und Quidditch spielen.", sagte Andrew.

„Was soll das denn sein? Ätos, was ist das? Und was zum Teufel ist Quirditsch?", fragte Dudley irritiert.

„Aethons sind die schönsten und besten geflügelten Pferde die es auf der Welt gibt.", sagte Millicent.

„Und du Hohlkopf kennst nicht mal Quidditch? Obwohl, so wie du aussiehst könnte dich eh kein Besen tragen und würde eher unter dir zusammenbrechen. Dich müsste man vor die Ringe platzieren, da käme kein Quaffel mehr durch! Überhaupt, wie kann man so fett werden? Haben dich deine Eltern im Schweinestall gehalten?", spottete Draco.

Die Slytherins lachten laut auf.

Dudley kochte innerlich. Was immer mit Quaffel und Ringen gemeint war, sollte wohl auch wie der Rest beleidigend sein. Und sein Vater hatte immer gesagt, dass sich ein Dursley nicht beleidigen lässt. Am liebsten würde er diesem blassen Blondschopf mal richtig eine verpassen. Dudley ballte die Fäuste in seinen Hosentaschen, doch er war nicht dumm genug, die überzähligen Gegner anzugreifen. Der Gameboy lag vergessen neben ihm, und als Dudleys Blick auf ihn fiel, beugte er sich hinunter, um ihn aufzuheben. Doch Draco war schneller und schnappte sich das Gerät.

„Ey, das ist mein Gameboy! Gib her!", kommandierte Dudley. Er war es gewohnt, dass andere in seinem Alter das taten, was er von ihnen verlangte. Doch Draco grinste ihn nur höhnisch an.

Dudley versuchte, Draco den Gameboy aus der Hand zu reißen, wurde allerdings von Crabbe und Goyles kräftigen Armen zurückgedrückt.

„Hey, lasst mich los!", protestierte er und versuchte, die beiden abzuschütteln. Noch nie zuvor hatte es jemand gewagt, sich ihm in den Weg zu stellen, geschweige denn ihn davon abzuhalten, jemanden eine reinzuhauen. Und dann waren die beiden auch noch stärker als er selbst!

Aber Crabbe und Goyle ließen sich von Dudleys Protest und Gezappel nicht beirren und drückten ihn noch fester gegen den Baum, vor dem Dudley stand.

Inzwischen untersuchten die anderen Dudleys mysteriöses Ding.

„Mal gucken was da drin ist. Lasst ihn uns aufmachen!", schlug Harry vor.

Draco legte den Gameboy auf einen großen Stein neben dem Baum. Harry richtete seinen Zauberstab auf das Gerät und sagte:

Diffindo!", und die obere Hälfte des Gameboys sprang weg. Zum Vorschein kam ein Gewirr von bunten Schnüren, die auf einer grünen Platte mit seltsamen silbernen Klecksen und metallischen Zylindern befestigt waren, die in eine kleinere hellere Platte mündeten. Die Slytherins schauten verwirrt auf das Innenleben des Gameboys. Jetzt war Harry überzeugt, dass das Ding zu nichts taugen konnte. Er sagte verächtlich:

„Was soll das denn sein? Ich kann mir nicht vorstellen, dass das Ding jemals funktioniert hat. Was hast du gesagt, damit soll man Spiele spielen können? So ein Quatsch, das Ding ist wertloses Zeug!"

Dudley sah fassungslos auf das zerstörte Gerät. Noch nie hatte er sich so machtlos gefühlt.

„DU HAST MEINEN GAMEBOY KAPUTT GEMACHT DU BLÖDMANN!!", heulte Dudley auf und sah Harry mit einem mörderischen Blick an.

„MACH IHN WIEDER HEIL!"

„Fang doch an zu heulen Muggelbrut!", säuselte Draco schadenfroh.

„Heil? Das Ding hat doch eh nicht funktioniert.", lachte Harry.

„WENN DU IHN NICHT HEIL MACHST, MUSST DU MIR EINEN NEUEN KAUFEN!!", brüllte Dudley mit hochrotem Kopf.

„Als ob ich jemals freiwillig die Muggelwelt betreten und mein Geld für so einen Mist ausgeben würde!", erwiderte Harry entrüstet.

„DANN MUSST DU IHN MIR BEZAHLEN!", schrie Dudley und begann, wild um sich zu schlagen, wobei er selbst von Crabbes und Goyles Fäusten getroffen wurde.

Die anderen Slytherins johlten und lachten wiehernd.

„Nur über meine Leiche.", knurrte Harry, der aus irgendeinem Grund immer wütender wurde. Nicht wegen dem, was Dudley von verlangte. Es schien, als würde seine Präsenz schon dafür sorgen, dass Harrys Abneigung gegen ihn immer stärker wurde.

Plötzlich gelang es Dudley sich loszureißen und er stürmte mit wutverzerrtem Gesicht auf Harry und Draco zu. Doch bevor er sie erreichen konnte, hoben Harry und Andrew ihre Zauberstäbe. Während Harry „Wabbelbein!" rief, schrie Andrew:

„Furunculus!".

Der erste Fluch traf Dudleys Beine und der zweite prallte mitten in sein Gesicht. Dudley stolperte geblendet und fiel hin. In seinem Gesicht brachen eitrige Furunkel auf, aus denen circa dreißig Zentimeter lange fleischfarbene Tentakel wuchsen. Dudley versuchte, sich aufzurappeln, aber seine Beine gaben unter ihm nach und bogen sich durch, als bestünden sie aus Gummi, und Dudley fiel abermals hin. Er begriff nicht, was mit ihm geschehen war, denn die Flüche kannte er nicht. Noch nie zuvor hatte sein Körper ihn so sehr im Stich gelassen, selbst bei Crabbe und Goyle hatte er wenigstens zurückschlagen können. Das brüllende Lachen der Slytherins hallte in seinen Ohren, und Tränen schossen ihm in die Augen.

„Was ist, kommst du nicht mehr hoch, Tentakelgesicht? Du wolltest dir doch deinen Muggelschrott wiederholen!", johlte Draco, während Dudley anfing zu wimmern. Als er sich die Tränen aus dem Gesicht wischen wollte, schrie er vor Schmerz auf, als seine Hand die eitrigen Furunkel berührte. Erst jetzt bemerkte er die Tentakel in seinem Gesicht.

„Was habt ihr mit mir gemacht?!", heulte er entsetzt.

„Wir haben dich nur ein bisschen ansehnlicher gemacht!", lachte Andrew.

„Interessant, was die Mischung von den beiden Flüchen ergibt.", sagte Harry, während er Dudley mit einem breiten Grinsen musterte. Er fühlte sich merkwürdig zufrieden, Dudley so zu sehen, so als hätte dieser ihm irgendwann einmal etwas schlimmes angetan. Wie nach einer wohlverdienten Rache.

Draco, der immer noch die Gameboyhälften in den Händen hielt, sagte höhnisch:

„Mit den Tentakeln kannst du ja dem Riesenkraken im See Konkurrenz machen. Mal sehen, wie gut du damit schwimmen kannst. Obwohl, Fett schwimmt ja bekanntlich oben, dann dürftest du ja damit keine Probleme haben."

Damit wandte er sich um schleuderte die Gameboyteile im hohen Bogen in den See, woraufhin Dudley nur noch lauter heulte.

Harry schoss ein seltsam vertrautes Bild in den Kopf: Dudley mit hochrotem, wutverzerrtem Gesicht, der mit aller Kraft seinen Gameboy gegen eine Wand schmetterte, und dann eine Tür zuknallte.

Verwirrt schaute Harry auf. Woher zum Henker war das jetzt wieder gekommen? Es war das erste Mal seit dem Besuch in der Winkelgasse, dass er fremde Bilder in seinem Kopf hatte, die seltsam vertraut schienen, und die definitiv nicht zu seinen Erinnerungen gehörten.

„Lasst uns gehen, bevor das Heulen von Tentakelgesicht noch Lehrer anlockt.", sagte Draco, und die Slytherins zogen kichernd von dannen.

Den Rest des Tages verbrachten sie in Bibliothek und im Gemeinschaftsraum, um sich ihren Hausaufgaben zu widmen, wobei sie jedoch immer wieder durch ihr Kichern unterbrochen wurden. Blaise und Theodore waren höchst amüsiert, besonders als Draco das Wimmern und Heulen Dudleys in den höchsten Tönen nachahmte, bis Madam Pince sie energisch zurechtwies, dass in der Bibliothek gefälligst Ruhe zu herrschen hat.

Beim Abendessen bemerkten sie, dass Dudley nicht anwesend war. Die Hufflepuffs schienen ihn allerdings auch nicht zu vermissen. Ganz im Gegenteil: Sein muggelgeborener Klassenkamerad, über den sie nicht viel mehr wussten, als dass er Justin Finch-Fletchley hieß und dessen Freund Ernie Macmillan genossen fröhlich schwatzend das Abendessen. Schulterzuckend nahmen die Slytherins das zur Kenntnis, und widmeten sich ihren eigenen Dingen.

Dabei entging ihnen, dass Dumbledore sie prüfend musterte und innerlich seufzend zur Kenntnis nehmen musste, dass auch sein Einfluss Grenzen hatte.