Loki wachte am nächsten Morgen in seinem Bett auf. Verwirrt sah er auf seine bandagierten Arme, nur um rot anzulaufen, als er sich an die vergangene Nacht erinnerte. Seinen Erinnerungen zufolge hatte er sich Stark geradezu an den Hals geworfen, wie ein verzweifeltes Kind. Nicht, dass er die Zuwendung nicht genossen hätte, doch sein Stolz war nach dem Schlafen stärker.
Seine Augen starrten ins Leere, als er sich an den Grund für sein Verhalten erinnerte. Bisher hatte er seine Vergangenheit verdrängt, so gut er konnte und den Aufenthalt auf Midgard wie einen Urlaub behandelt. Doch er war auf der Erde wegen einer unglücklichen Verkettung von Ereignissen, über die er vor langer Zeit die Kontrolle verloren hatte.
Er hatte Odin nur beweisen wollen, dass Thor nicht bereit war, König zu werden. Beim Allvater, sein Adoptivbruder war nicht mehr als ein groß geratenes Kind. Vertrauensselig, fröhlich und für alles, was nicht in seine Welt passte, blind. Wahrscheinlich wusste der Idiot nicht einmal, wie viel Papierkram der Allvater erledigen musste. Ein Königreich zu führen bestand nicht nur darin, auf Dinge zu hauen, auf einem goldenen Thron zu sitzen und Feste zu feiern. Loki wusste, wie viel Arbeit in Wirklichkeit hinter all dem steckte. Er hatte sich als Kind in seine Studien vertieft und wollte immer mehr Wissen. Hatte nachgefragt, bis er eine Antwort bekam. Thor hatte lieber die Stunden geschwänzt und war mit seinen Freunden losgezogen, um Abenteuer zu suchen.
Also war Loki zu Odin gegangen, um ihm seine Zweifel mitzuteilen. Aber dieser hatte ihn mit einem „Nicht jetzt, Loki." abgetan. Wie schon sooft. Loki blieb nur noch eine Möglichkeit, den Allvater von seiner Entscheidung abzubringen. Er musste beweisen, dass Thor unfähig war, König zu werden. Der Schwarzhaarige wollte den Donnergott nicht ewig vom Thron fernhalten. Nur ein paar Jahrhunderte, bis sich seine Kampfeslust gelegt hatte und er ruhiger und vernünftiger geworden war.
Leider hatte sein Plan nicht funktioniert, wie er sollte. Loki schob es auf die Zeitnot. Wenn er mehr Zeit gehabt hätte, wäre ihm bestimmt ein besserer, weniger riskanter Plan eingefallen. Aber er hatte schnell handeln müssen und so öffnete er das Thor nach Jotunnheim, der Welt der Frostgiganten.
Und Thor hatte genauso reagiert, wie Loki es vorhergesehen hatte. Er war kopfüber in die Schlacht gestürzt, ohne nachzudenken. Natürlich wollte Odin den Frieden nicht gefährden, was Thor dazu brachte, seinen Kopf zu verlieren und den Allvater anzuschreien. Wenn es eines gab, dass dieser hasste, dann war es, seine Entscheidungen in Frage gestellt zu bekommen. Da war nicht einmal Thor, der goldene Sohn, eine Ausnahme.
Damit hätte die ganze Situation beendet sein sollen. Doch dann begann Lokis Plan, aus dem Ruder zu laufen. Thor widersetzte sich Odin erneut und beschloss, die Frostgiganten zur Rede zu stellen.
Der Schwarzhaarige hatte versucht, seinen Adoptivbruder aufzuhalten, blieb jedoch erfolglos. Selbst Heimdall beschloss an diesem Tag, vollkommen außerhalb seines Charakters zu handeln und anstatt den Donnergott aufzuhalten, ermöglichte er ihnen die Reise nach Jotunnheim.
Nach einem kurzen Gemetzel sah es zwischenzeitlich sogar kurz so aus, als könnten sie unbeschadet wieder von dem Eisplaneten verschwinden und Loki hatte aufgeatmet, froh, dass er die Situation entschärfen konnte. Aber ein Wort hatte gereicht, um bei Thor alle Sicherungen durchbrennen zu lassen. Nur weil er „Prinzessin" genannt wurde. Loki hörte jeden Tag weitaus schlimmere Beschimpfungen und war er der Meinung gewesen, als Antwort auf die Beleidigung alle umstehenden zu töten? Nein.
Doch Thor ignorierte, dass sie nur zu sechst waren, in einem feindlichen Reich, in suboptimalen Bedingungen. Er griff an, ohne Sinn und Verstand, was ihnen allen das Leben hätte kosten können. Ihre einzige Rettung war, dass Loki beim Verlassen des Palastes eine Wache informiert hatte. Nur so konnte Odin im letzten Moment heroisch erscheinen und die Lage retten.
Doch er kam zu spät um zu verhindern, dass ein Eisriese Loki berührte. Er kam zu spät, um zu verhindern, dass die Haut seines zweiten Sohnes sich blau färbte. Nicht auf Grund einer Erfrierung, sondern um seine wahre Herkunft zu offenbaren.
Bei dem Gedanken an die blaue Haut waren Lokis Hände zu seinen schmerzenden Armen gewandert. Er hatte die Hände nur leicht aufgelegt, um die Verletzungen nicht zu reizen.
In seinem Traum hatte er solche Angst gehabt. Angst, nicht nur innerlich, sondern auch äußerlich anders zu sein. Er war schon immer anders als die meisten Asen, aber sein Aussehen konnte als leicht exotisch abgetan werden. Mit der blauen Haut und den roten Augen, welche jeder Frostgigant besaß, würde die Wahrheit nicht zu leugnen sein.
Das war alles, was Loki bisher getan hatte. Die Wahrheit leugnen. Tief im Inneren war ihm schon immer klar gewesen, dass er anders war. Er kämpft ungern und las lieber. Statte einer kopflosen Attacke würde er eher ein gut geplantes Attentat durchführen. Er war schlank und seine Muskeln sah nicht aus, als wären sie aufgeblasen. Er benutzte Magie, statt ehrenvoll zu kämpfen. Er war nicht Thor.
Bevor er weiter in seinen Gedanken versinken konnte, schüttelte Loki den Kopf, als könnte er sie so loswerden. Das letzte Mal, als er so gedacht hatte, hatte er am Ende von Gungnir über einen Abgrund gehangen. Und dass, was darauffolgte, wollte er auf jeden Fall vermeiden.
Also stand er auf, zog sich ein paar schwarze Jeans und ein dunkelgrünes, langärmliges T-Shirt an.
„Jarvis, wie spät ist es?"
Als der AI nicht antwortete, sah Loki verwirrt von seinen Socken auf, die er gerade angezogen hatte.
„Jarvis?"
Als erneut keine Antwort kam, richtete der Exgott sich auf und ging zur Tür. Es war merkwürdig, dass der Computer nicht antwortete. Seine Festplatte war groß genug, um mit tausende Menschen gleichzeitig zu sprechen, er konnte also nicht verhindert sein. Und einfach nicht antworten war kein Verhalten, welches die künstliche Intelligenz normalerweise an den Tag legte.
Loki beschloss, der Sache auf dem Grund zu gehen und trat aus der Tür in den Flur. Die Sonne schien durch die Glaswand, es musste also später Vormittag sein.
Bevor der Schwarzhaarige in das Wohnzimmer trat, konnte er fühlen, dass etwas nicht stimmte. Doch es war bereits zu spät.
Bewaffnete Männer in schwarz waren im gesamten Raum verteilt und richteten ihre Waffen auf den Exgott. Er war förmlich von roten Laserpunkten überseht. Einige der Waffen surrten und leuchteten im selben blau wie der Tesserakt. Das Emblem auf ihrer Brust kennzeichnete die Männer klar als Agenten von Shield.
Loki blieb stocksteif stehen und ließ sich nichts anmerken. In seinem Kopf überschlugen sich die Gedanken. Wie hatte Shield ihn gefunden? Stark? Das machte keinen Sinn. Wenn Stark ihn an Shield verraten wollte, hätte der Erfinder das bereits vor Wochen tun können, als er ihn fand. Doch wieso war Shield dann hier? Und viel wichtiger, wie sollte er aus dieser Situation herauskommen? Obwohl es den Männern unklar war, könnte ihn jede der Waffen im Raum töten.
Es herrschte Totenstille, als sich die Agenten und der Exgott gegenüberstanden.
Ein dunkelhäutiger Mann mit einer Augenklappe trat hinter den Agenten hervor und funkelte den Exgott mit seinem einem Auge an.
„Direktor Fury, womit habe ich diese Ehre nur verdient?"
Loki grinste herablassend. Vorerst war es das Beste, seine Karten verdeckt zu halten. Also benahm er sich, wie Fury es von ihm erwartete. Es war ein glücklicher Zufall, dass er den Namen des Menschen noch kannte und er nicht ein weiterer weißer Fleck der Gedankenkontrolle war. Der Direktor von Shield würde einen überheblichen Irren erwarten, der der Meinung war, dass die Menschen im Raum höchstens als Spielzeuge gut waren. Und den würde er auch bekommen.
Der Schwarzhaarige lehnte sich gespielt gelangweilt an die Wand.
„Loki.", Fury spuckte den Namen förmlich aus. „Ich war der Meinung, wir hätten dich nach Asgard geschickt, nach dem du so spektakulär verloren hast."
Der Angesprochene zuckte mit den Schultern. „Asgards Gefängnisse waren nicht nach meinem Geschmack. Die Inneneinrichtung war so düster.", Loki erschauderte übertrieben.
„Mir ist scheißegal, wieso du wieder hier bist. Mein einziges Problem ist, dass ich dich jetzt am Hals habe."
„Ich will mich nicht aufdrängen. Ich danke für die freundliche Begrüßung, auch wenn sie etwas spät kam. Wenn Sie auf demselben Weg gehen würden, wie Sie gekommen sind, können wir das ganze hinter uns lassen."
Fury schnaubte. „Auf keinen Fall."
„Oh? Was erwartete mich denn dann? Eine Zelle?"
„Das wäre ein guter Anfang. Und wir werden es nicht bei einer Zelle belassen."
Loki lachte. „Wieso sollte ich mitkommen? Zellen sind so furchtbar langweilig. Auch wenn mich das Versprechen nach mehr durchaus reizt."
„Aus demselben Grund, aus dem du nicht schon lange verschwunden bist.", Fury deutete auf die tesseraktbetriebenen Schusswaffen.
Loki hatte keine Ahnung, was diese Waffen darstellen sollten, aber er konnte sich denken, dass sie selbst einem Gott schaden würden. Sonst wäre der Direktor nicht so selbstsicher.
Gerade als er zu einer Antwort ansetzen wollte, explodierte eine der Glaswände. Loki zuckte kurz zurück, ehe er Stark erkannte. Der Erfinder schien Teile seiner Rüstung zu tragen und hatte seine Hände auf die Agenten gerichtete.
Der Exgott würde es nie zugeben, aber er war unglaublich erleichtert, das Genie auf seiner Seite zu haben. Er entspannte sich etwas, als der Erfinder sich beschützend vor ihn stellte, richtete sich aber sofort wieder zu seiner vollen Größe auf, um dem Gegner keine Schwäche zu zeigen.
Tony war gerade dabei, an seiner Rüstung zu arbeiten, als plötzlich das Licht ausging und alle Bildschirme schwarz wurden. Auch seine Musik, welche er normalerweise beim Erfinden hörte, verstummte schlagartig. Einzig die Notbeleuchtung blieb an und ermöglichtes es dem Genie, seine Werkstatt zu erkennen.
„Ach komm schon J., so lange war ich doch noch gar nicht hier unten. Es kann nicht schon wieder Essenszeit sein."
Doch der AI antwortete nicht.
„Jarvis, das ist nicht lustig. Ich war fast fertig! Hat Loki dich dazu angestiftete?"
Als er immer noch keine Antwort bekam, versuchte Tony einen der Computer wieder anzuschalten, erfolgslos.
„J.?"
Fluchend wühlte der Erfinder in einem Haufen voller Einzelteile, bis er ein Tablet fand, welches er dort verlegt hatte.
„Komm schon… ja!", das Tablet war ausreichend geladen und hing nicht, wie Jarvis und die meisten anderen Geräte in der Werkstatt, an der Energie des Ark-Reaktors, welcher Stark Tower mit Strom versorgte.
Zuerst versuchte er, auf das System des Stark Towers zuzugreifen, hatte aber keinen Erfolg, da er anscheinend meisterhaft gehackt wurde. Und er war sich ziemlich sicher, zu wissen von wem. Doch nach dem letzten Angriff hatte er sich ein Hintertürchen eingebaut. Mit einigen wenigen Befehlen und einem Passwort („Martini, geschüttelt, nicht gerührt." Er war ein Bond Fan, tolle Autos, schöne Frauen, was wollte ein Mann mehr?) hatte er wieder begrenzte Kontrolle über sein System.
Zuerst begann Tony, die Systeme wieder vollständig hochzufahren, doch das konnte, wegen der Komplexität, fast eine Stunde dauern. Dann hackte er sich in die Kameras, denn wenn es wirklich Shield war, die ihn Lahmgelegt hatte, dann konnte es dafür eigentlich nur einen Grund geben.
Als er die Bilder aus dem Penthouse vor sich hatte, wurde seinen größte Angst bestätigt. Loki stand einer Horde von Shield-Agenten, angeführt von Fury, gegenüber. Und es schien, als hätte der Direktor die großen Waffen ausgepackt. Jeder dritte Agent hatte eine blau glühende Waffe in der Hand, welche den menschlichen Gott wahrscheinlich auf der Stelle vernichten konnte.
Panisch sah Tony sich in der Werkstatt um. Seine Rüstung in der Aktentasche lag im Penthouse und keine seiner anderen Rüstungen konnte er ohne Jarvis Hilfe anlegen. Tonys Blick fiel auf einen der Handschuhe der neusten Rüstung. Zu viel mehr als den Handschuhen und den Stiefeln war er noch nicht gekommen, aber die waren immerhin schon getestet. Größtenteils. Er zog sich die Handschuhe an, schnappte sich die Schuhe und rannte zur Tür, welche er mit einem Notfallcode öffnet.
Schlitternd blieb er vor dem Fahrstuhl stehen.
„Verdammt.", fluchte er, als ihm klar wurde, dass auch die Fahrstühle ohne Strom nicht funktionieren würden. Damit blieb ihm als einziger Weg ins Penthouse nur das Notfalltreppenhaus. Eigentlich hatte er es für unsinnig empfunden und es hatte Pepper einiges an Überredungskunst gekostet, es einbauen zu lassen. Aber in diesem Moment war er dankbar, dass sie auf den Brandschutz bestanden hatte. Denn auch der zweite Ausgang seiner Werkstatt, mit welchem er die Antriebe testete, konnte nur durch Jarvis geöffnet werden.
Tony war sich sicher, noch nie einen Code so schnell eingegeben zu haben. Er sprintete die zwei Etagen bis ins Foyer und stürzte aus dem Treppenhaus. Die verdutzen Umstehenden ignorierend rannte er nach draußen und zog die Stiefel an. Mit nur zwei Griffen waren sie manuell aktiviert und er schoss die Außenfassade nach oben, in Richtung der obersten Etage.
Ohne an die Konsequenzen zu denken, durchbrach er eine der Glaswände, die Hände schützend vors Gesicht gehalten. Blitzschnell hatte er die Repulsoren auf die Shield-Agenten gerichtet, immer noch leicht über den Boden schwebend.
Während die Agenten verwirrt schwiegen, fand Fury seine Stimme sofort wieder.
„Stark! Was genau soll das werden?"
Tony drehte sich etwas, sodass die Repulsoren direkt auf Fury zeigten, landete und stellte sich mit einigen schnellen Schritten schützend vor Loki.
„Das sollte ich fragen!", er war fuchsteufelswild. „Wieso greift Shield mich in meinem eigenen zuhause an? Ihr brecht hier ein, ohne zu fragen und schaltete Jarvis aus. So geht man nicht mit seinen Verbündeten um!"
„Die Vorgehensweise ist durchaus berechtigt, wenn du seit zwei Wochen einen Kriegsverbrecher beherbergst!", bellte Fury und trat einen Schritt auf den Erfinder zu.
„Wem ich erlaube, in meinem Tower zu wohnen ist immer noch meine Sache. Und da ich mich nicht erinnere, Shield zu einer Party eingeladen zu haben, könnt ihr wieder gehen."
„Sobald wir Loki haben, werden wir umgehend verschwinden."
„Nein.", antwortete Tony kühl.
„Mir ist egal, welcher fixe Gedanke zu diesem Verhalten führt. Fakt ist, wir sind in der Überzahl und besser bewaffnet. Dir hingegen fehlt der Großteil deiner Rüstung. Geh zur Seite, Stark."
„Nein.", wiederholte Tony. Er war sich ziemlich sicher, dass Fury ihn nicht einfach abschießen würde. Immerhin war er ein Held und hatte die Welt gerettet. Das würde selbst für Shield schwer zu erklären sein. Jemand würde Fragen stellen und nachforschen, was Shield eventuell enttarnen könnte.
Fury bedeutete einem der Agenten, vorzutreten. „Tritt zur Seite oder du wirst mit einem Betäubungspfeil abgeschossen und wir erreichen unser Ziel trotzdem."
Tony fluchte lautlos. Seine Gedanken suchten nach einem Ausweg, doch selbst wenn er sich Loki schnappte, wären sie nicht schnell genug, um zu entkommen. Vielleicht könnte er Fury lang genug hinhalten, bis Jarvis sich wieder aktivierte. Doch ehe er seinen Mund aufmachen konnte, trat Loki hinter ihm hervor.
„Das wird nicht nötig sein, ich ergebe mich."
„Loks, …", protestierte Tony, doch der Exgott schüttelte nur den Kopf.
„Ich danke dir erneut für deine Gastfreundschaft, Stark, doch es scheint, als wäre es Zeit, zu gehen."
„Genug geplaudert.", Fury legte Loki Handschellen um. Noch während der Exgott skeptisch auf das dünne Metall sah, nickte Fury dem Agenten neben sich zu, welcher einen Betäubungspfeil abfeuerte.
Tony sah die Panik in Lokis Gesicht, als dieser zu Boden fiel und ohnmächtig zu Furys Füßen liegen blieb.
Unwillkürlich machte der Erfinder einen Schritt nach vorn, nur um sofort von den Agenten in das Visier ihrer Gewehre genommen zu werden.
Fury bedeutete zwei der Männer, Loki zu entfernen und wandte sich Tony zu.
„Ich weiß nicht, was das soll, aber ich erwarte einen Bericht. Morgen um acht will ich genau wissen, warum du auf die Idee kamst, es wäre eine gute Idee, den Anführer der Invasion zu verstecken. Und vielleicht siehst du dir noch einmal die Videos von der Invasion an, da du anscheinend komplett vergessen hast, wer hunderte Menschen ermordet hat. Barton wurde wenigstens kontrolliert, aber da deine Augen keinen Hauch von blau aufweisen, bin ich wirklich gespannt auf die Erklärung."
Fury drehte sich um und ging mit wehenden Mantel aufs Dach, gefolgt vom Rest der Agenten.
Tony stand wie erstarrt da, als die Männer in schwarz sein Penthouse verließen und der Start eines Quinjets zu hören war. Seine Gedanken rasten. Was war gerade passiert? Woher wusste Fury, dass Loki hier war? Wieso konnte er nicht verhindern, dass sein Freund vor seinen Augen entführt wurde?
Exakt 58 Minuten und 24 Sekunden nachdem sein System von Shield heruntergefahren wurde, war Jarvis wieder in der Lage, auf alle Systeme zuzugreifen. Es war unmöglich, ihn komplett herunterzufahren, aber Shield hatte es geschafft, dass er sich tief in seine Backup-Server zurückziehen musste, um Datenverluste zu vermeiden.
Ein Scan des Towers verriet ihm, dass Loki komplett abwesend und Sir im Penthouse war. Es dauerte weitere 2 Minuten und 37 Sekunden, ehe der AI Zugriff auf die Lautsprecher im Gebäude hatte.
„Auch wenn ich es begrüße, dass Sie den Alkohol nicht trinken Sir, denke ich nicht, dass es die Situation verändert, wenn sie Ihren kompletten Alkoholvorrat zerstören."
Tony ließ die Flasche Whiskey, welche wahrscheinlich mehr kostete, als die meisten Menschen im Monat verdienen, sinken.
„Geht es dir gut, J.?
„Meine Systeme sind noch nicht vollständig online, aber meine Speicher wurden während des Angriffes nicht beschädigt. Es war den Eindringlingen nicht möglich, auf gespeicherte Daten zuzugreifen. Allerdings war ich gezwungen, mich auf die Backup-Systeme zurückzuziehen, um dem Virus zu entgehen."
„Das ist gut.", Tony stellt die Flasche zurück in die Bar, welche inzwischen stark dezimiert war.
„Wäre es korrekt, aus der Art der Attacke und dem Fehlen unseres Hausgastes zu folgern, dass Shield für den Angriff verantwortlich ist?"
„Ja, verdammt!", Tony fuhr sich durch die Haare. „Sie sind einfach hier reinspaziert, als ich in der Werkstatt war. Ich kann keine der Rüstungen allein anlegen und musste die Prototypen nehmen um überhaupt bis hier hoch zu kommen. Nur um zuzusehen, wie sie Loki mitnehmen, ohne etwas tun zu können! Sch***e!"
Er drehte sich um, nahm blind eine der Flaschen und schmiss sie mit aller Kraft gegen die Wand. Diese war bereits mit Alkoholflecken überseht und am Boden lag ein großer Haufen Scherben.
Tony begann, auf und ab zu laufen.
„Wie konnte ich nur so dumm sein? Natürlich findet Shield irgendwann raus, dass wir ihn hier verstecken. Aber weil solange nichts passiert ist, habe ich mich sicher gefühlt. Ich hätte ihn nicht allein lassen dürfen! Woher wussten sie überhaupt, dass er hier ist? Wussten sie es die ganze Zeit und haben nur auf den richtigen Zeitpunkt gewartet? Oder war es ein Zufall? Haben sie hier irgendwo Kameras angebracht?"
Tony sah sich um, als würde er erwarten, dass an einer der Wände eine offensichtliche Kamera mit einem Shield-Logo angebracht war.
„Sir, der Tower wird in regelmäßigen Abständen mit der neusten Stark-Technologie gescannt. Es wurden keine Kameras gefunden. Auch wenn für das Sicherheitssystem ein Update erforderlich ist, erscheinen mir diese Probleme zweitrangig."
Tony seufzte und ließ sich auf eines der Sofas fallen, welches von den Glasscherben verschon geblieben war.
„Du hast Recht J.", gab er zu.
„Natürlich, Sir."
„Klugscheißer."
Der Erfinder starrte an die Decke. Seine Gedanken überschlugen sich noch immer, doch jetzt hatte er eine Aufgabe. Er musste Shield beweisen, dass Loki unschuldig war. Und wenn das nicht reichte, um seinen Exgott zurückzubekommen, brauchte er einen Plan B. So gern er darauf vertraut hätte, dass Shield Loki freilassen würde, wenn seine Unschuld bewiesen war, leider sah die Realität anders aus. Loki war ein Alien von einem fremden Planeten und wenn niemand wusste, dass er unschuldig oder auf der Erde war, würde niemand gegen Experimente und Befragungen protestieren.
Er sprang auf. „Okay Jarvis, zeig mir Projekt Bambi."
Vor Tony öffnete sich ein Bildschirm, welcher einen Ordner anzeigte, der die Überschrift Bambi trug. In dem Ordner waren alle Beweise, welche er gesammelt hatte, um Lokis Unschuld zu beweisen. Aufnahmen von der Invasion, sowie Videos von Lokis zweiter Ankunft auf der Erde und auch einige Bild und Scans des Exgottes, welche während seines Aufenthaltes im Tower entstanden waren.
Es dauerte nur wenige Minuten, um alle Beweise erneut durchzusehen. Tony hatte oft abends vor den Dateien gesessen und Videos hinzugefügt oder wegen schlechter Qualität verworfen. Die meisten Aufnahmen waren von Shield, allerdings gab es auch einige Videos von Straßenkameras und Smartphones.
Das war der einfache Teil seines Planes. Er hatte eigentlich nur auf den richtigen Moment gewartet, um mit Loki über seinen Plan zu sprechen. Allerdings war dieser dem Thema immer ausgewichen und das Genie wollte es seinem Gast überlassen, wann und wie er seinen Namen reinwusch.
Als nächstes machte der Erfinder sich daran, herauszufinden, wie genau Jarvis gehackt wurde. Er machte sich einige Notizen, wie er die Sicherheit im Tower verbessern konnte und begann dann mit Hilfe des AIs, sich unbemerkt in Shields Server zu hacken. Er musste herausfinden, was Fury wusste und wie er Loki im Notfall befreien konnte. Es gab zu viele Stützpunkte, um sie alle zu durchsuchen. Selbst wenn er mit roher Gewalt vorging, musste er Wissen, wie er an Shields Security vorbeikam und wo Loki war. Sonst würde er stundenlang in den falschen Gebäuden herumirren, während Fury ihn auslachte. Am einfachsten wäre es, wenn er etwas gegen Shield in der Hand hätte.
Also begann er, alle Mauern zu umgehen und deckte Stück für Stück alle geheimen Dateien auf, immer auf der Suche nach der Information, welche ihm den entscheidenden Vorteil beschaffen würde.
„Sie haben einen Gast, Sir."
„Nicht jetzt Jarvis, ich hab dir gesagt ich will nicht gestört werden, ehe Loki nicht wieder sicher hier im Tower ist!"
„Er ist sehr hartnäckig und ließ sich nicht abwimmeln. Seine Freigabe erlaubte ihm, den Fahrstuhl zu betreten. Er wird in wenigen Sekunden im Penthouse eintreffen."
„Verdammt J., ich habe doch gesagt-"
Doch Tony konnte seinen Satz nicht beenden, denn in diesem Moment kündigte ein leises Geräusch die Ankunft einer weiteren Person an.
„Wir müssen uns unterhalten.", sagte Agent Clint Barton, Codename Hawkeye und trat aus dem Fahrstuhl ins Penthouse.
