Die vergessenen Reiche

- Icewind Dale 2

Blut Mond

Hallo alle zusammen!

Endlich bin ich mit diesem Kapitel fertig. Es hat lange gedauert und es ist auch ziemlich lange geworden. Eigentlich wollte ich noch mehr schreiben, aber dann hab ich beschlossen es ins nächste Kapitel zu schreiben.

Elessa hat ja nun vor, ihre Freund zu retten und das das nicht unbedingt einfach wird, das kann man sich ja denken. Aber es wird nicht nur nicht einfach, es wird fast unmöglich.

Und als dann alles schon verloren scheint, wird Elessa wieder von ihrem Berserkerrausch ergriffen.

Aber ob dieser ihr wirklich helfen kann oder nicht doch mehr Probleme nach sich zieht, als sie sie sowieso schon hat? Nun, das werden wir jetzt wohl bald sehen.

9. Kapitel

- . . . wird Sturm ernten

Ich duckte mich noch ein ganzes Stück weiter in die Felsen und wartete bis der riesenhafte Ork an meinem Versteck vorbei gegangen war. Dann hob ich den Kopf und rutschte wieder bis an den Rand der Klippe vor. Pudnuck hatte recht gehabt als er behauptete es wäre besser, wenn er vorging.

Ich zweifelte zwar das seine Schleichkünste es mit meinen aufnehmen konnten, aber er hatte einen Vorteil auf seiner Seite gegen denn es mir schwer fiel anzukommen. Er war klein. Und verdammt schnell. Einige male hatte ich ihn zurückrufen müssen, als wir ihm zu dem Lager der Orks gefolgt waren. Zwar hatten wir ihn noch gehört, weil Pudnuck sich seinen Weg so durch das Unterholz bahnte, dass man ihn gar nicht überhören konnte, aber er war eindeutig verschwunden gewesen.

Zugegeben, diese Art des Anschleichens hatte auch etwas für sich, wenn man so klein war wie der Goblin. Keiner würde denken, das sich so ein Feind nähern würde und einen Goblin konnte man aus der Entfernung leicht für irgendein Tier halten, das durch das Unterholz brach. Etwas, das für mich allerdings nicht in Frage kam.

Und jetzt lag ich hier auf dem Bauch und beobachtet schon eine ganze Weile das Lager der Orks. Ab und an musste ich mich in die Felsen zurück ziehen, wenn die Wache vorbeikam, aber ansonsten blieb alles ruhig. Pudnuck hatte sich auch noch nicht blicken lassen und ich hoffte, das er bald zurück kommen würde. Zwar war die Nacht noch lang und die Feuer im Lager brannten hoch, aber man sollte ja sein Glück auch nicht überschätzen und es war nur noch ein Frage der Zeit bis mich eine der Wachen aus puren Zufall entdecken würde.

Steine lösten sich hinter mir und ich fuhr in einer schnellen Bewegung herum und zog meinen Dolch, aber der kleine Schatten der mir hinter einem Felsen zuwinkte gehörte Pudnuck. Ich schlich mich zu ihm und er gab mir mit einer Geste zu verstehen, das ich ihm folgen sollte.

Der Goblin führte mich zurück zu Sabrina und Dereth, die in einiger Entfernung vom Lager auf uns warteten. Pudnuck warf noch mal einen Blick in die Runde dann erklärte er:

„Sein unmöglich in Lager zu kommen ohne gesehen zu werden."

„Und weiter?" Wollte ich wissen.

„Belauscht Orks, furchtbarer Akzent." Er schüttelte sich und ich war nahe dran ihn zu schütteln. „Aber ich verstanden, ungefähr."

„Also?"

„Freunde in Höhle in Felswand. Nur ein Weg, stark bewacht und steil. Wir klettern und dann müssten kämpfen. Unmöglich ihn gehen leise und geheim." Ich trat von einem Bein auf das andere.

„Und was genau soll das jetzt heißen?"

„Das was ich sagen. Seien unmöglich zu retten Freunde von Dämonenfrau." Sabrina sah erst Dereth an und dann mich.

„Und wenn wir sie, nun sagen wir mal, nicht heimlich sondern ganz offen befreien?" Ich sah sie an und runzelte die Stirn.

„Wie meinst du das?"

„Nun, du hast uns erzählt, das die Orks ein Teil der Chimärenlegion sind. Und die Chimärenlegion umfasst viele Rassen. Orks und Goblins mögen ihre Vortrupps sein, aber die eigentliche Armee und auch Führungskaste besteht aus Magiern, Halbdämonen, Halbdrachen, Drachen und eben auch ... ." Sie sah mich an. „Tieflingen." Einen Moment brauchte ich, um zu verstehen worauf sie hinaus wollte.

„Du meinst doch nicht, das ich ... ? Oh nein! Auf keinen Fall!"

„Aber Elessa," mischte sich nun auch Dereth ein. „Du hast selber gesagt, das Pudnuck dich auch für eine hohe Dämonenfrau gehalten hat."

„Nicht gehalten hat. Sie seien!" Der Goblin sah böse zu Dereth, als hätte mich dieser tödlichst Beleidigt. „Sie seien!" Beharrte er erneut.

„Da siehst dus. Wenn du nun also, ganz offen zu den Orks gehst und verlangst das sie die Gefangenen an die Chimärenlegion übergeben, weil z.B. Shaeringkal das so will ... ." Er ließ den Satz in der Luft hängen und ich überlegte.

„Es wäre die einzige Möglichkeit, die auch mir einfallen würde." Bestätigte Sabrina und ich warf einen Blick auf Pudnuck.

„He Goblin, was du da sagst ist auch ganz sicher die Wahrheit?"

„Ich schwören, bei mein Leben!" Ich atmete tief ein und warf einen Blick zurück zu den Klippen. „Also gut, aber du Pudnuck wirst mich begleiten! Und wehe dir, wenn du gelogen hast!"

Ich schritt fest und sicher aus, wie jemand, der es gewohnt war anderen Befehle zu geben und Pudnuck trippelte einige Schritte hinter mir. Mein grünes Hemd hatte ich ausgezogen und trug nun das rötliche Kettenhemd ganz offen über meinem weißen, was ihm selbst im wenigen Licht des Mondes ein unheilvolles, bedrohliches Glitzern abverlangte. Dolch und Schwert hatte ich so zurecht gerückt, das sie jeder sehen konnte und meinen doch etwas schäbigen Mantel hatte ich mir so um die Schultern gelegt, das man merken musste, wie ungern ich ihn trug und auch nur, weil mich die Kälte dazu zwang.

Die Haare, in einem wilden durcheinander hoch gesteckt und mit etlichen Knochen und Federn geschmückt, von denen ich gar nicht wissen wollte, wo Pudnuck sie aufgetrieben hatte und von welchen Tieren sie waren, marschierte ich schnurstracks auf das offene Tor der Orks zu, wo zwei der großen Biester wache standen.

Mein Herz hämmerte und ich hoffte, das mir keiner der Orks anmerken würde wir nervös ich war. Denn das war ich und mit jedem Schritt, den ich weiter auf das Tor zuging wurde mir mehr bewusst, wie dünn das Eis war auf das ich mich zugbewegte. Darüber nachdenken, was alles schief gehen konnte, wollte ich erst gar nicht, obwohl mir Sabrina und Dereth mehrmals versichert hatten, das selbst sie mich so nicht wiedererkennen würden.

Einer der Orks wand seinen Kopf in meine Richtung dann drehte er sich zu seinem Clanmitglied herum worauf dieses im Lager verschwand. Brüll und Knurrlaute folgten und noch bevor ich Nahe genug heran war, um auch nur ein Wort zu rufen, standen mindestens zehn Orks am Tor. Jetzt war es zu spät zum Umkehren.

Ich warf Pudnuck noch mal einen abschätzenden Blick zu und ging dann ohne zu zögern weiter. Die Orks nicht zu beachten und wie selbstverständlich an ihnen vorbei zu gehen, so als wäre das für mich das natürlichste der Welt, viel mir alles andere als leicht. Weit kam ich auch nicht, als mir einer der haarigen Wesen den Weg verstellte.

„Was du wollen? Nicht erwünscht, verschwinden!" Ich sah ihn an, als wäre der Ork komplett wahnsinnig.

„Bist du auf den Kopf gefallen oder einfach nur dumm?" Fragte ich in barschem Ton. „Weißt du nicht wer ich bin, Vieh? Lass mich passieren, bevor ich die Geduld verliere und dich von deinem hässlichen Kopf trenne!" Ohne ihn auch nur weiter zu beachten schritt ich weiter. Der Ork fuhr herum und packte mich am Arm.

Ich reagierte aus purer Gewohntheit. Wirbelte herum, zog meinen Dolch und rammte ihm dem Ork ins Herzen. Neben mir konnte ich hören, wie Pudnuck stark die Luft einzog und ich fragte mich, was mich eigentlich dazu verleitet hatte diese Dummheit zu begehen. Aber jetzt war es zu spät und es gab nur noch eine Möglichkeit wieder aus der Situation heraus zu finden.

Ich zog meinen Dolch aus dem toten Körper, sah angeekelt auf das Blut und wischte es am Fell des Toten ab, dann steckte ich den Dolch mit einer beiläufigen Geste wieder ein und drehte mich zu einem der Orks um.

„Du!" Der Angesprochene zuckte zusammen und schien wie aus einer Erstarrung zu erwachen. „Bring mich zu Torak. Sofort!" Die Reaktion überraschte mich. Der Ork wirbelte herum und beeilte sich durch das Tor zu treten. Dort stehen geblieben, drehte er sich zu mir um und sah mich an. Ich blickte noch mal kurz die anderen Orks an, die aber schnell ihre Blicke abwandten und folgte meinem unfreiwilligen Führer. Hinter mir hörte ich wie Pudnuck irgendetwas auf einer seltsamen Knurrsprache sagte. Als ich seine trippelnden Schritte neben mir hörte fragte ich ihn danach. Er zuckte mit den Schultern

„Ich ihnen nur gesagt, das sie können froh sein noch zu leben." Fragend blickte ich ihn an und runzelte die Stirn. „Ich sagen, du normalerweise nie sagen was du willst. Du einfach nehmen." Der Goblin grinste und ich fragte mich, ob er das wirklich ernst gemeint hatte.

Dann wand ich meine Aufmerksamkeit wieder nach vorne und konzentrierte mich auf das was ich sah. Es war nicht besonders ermutigend. Überall wo wir vorbei kamen reckten uns Orks ihr Gesichter entgehen und ich kam auf mindestens dreißig. Wenn man davon ausgehen musste, das sich auch in den Zelten und in den Höhlen noch welche aufhielten, dann konnten es durchweg fünfzig Orks sein, mit denen ich es im Ernstfall zu tun bekommen würde. Zu viele um es überhaupt nur in Erwägung zu ziehen.

Und auch was den weg zu en Höhlen anging hatte Pudnuck recht. Er war steil und selbst auf dem weg den der Ork ging mussten wir an einigen Stelle fast klettern. Es gab absolut keine Möglichkeit hier ungesehen und vor allem ungewollt herein oder hinaus zu kommen. Ich würde alles auf die eine Karte setzten müssen, die ich hatte. Auch wen es ausgerechnet die war, auf die ich am wenigsten vertraute.

Wir passierten den Höhleneingang, wo mehrere, besonders große Orks wache hielten und uns misstrauisch hinterher blickten. Ich ignorierte das Gefühl mich umzudrehen und stieß stattdessen den Ork an der uns führte.

„He Ork, wie weit noch?" Der Ork drehte sich mit einem Knurren zu mir um und weiß in einen weiteren, hell erleuchteten Höhlengang, in dem wieder zwei Orks standen. Ich schritt ohne sie alle drei zu beachten voraus und schon nach wenigen Augenblicken erweiterte sich die Höhle und ich sah mich mehr behaarten Biestern gegenüber als mir lieb war.

Ganz hinten in der Höhle regte sich etwas und ein besonders großer und hässlicher Ork erhob sich und kam auf mich zu. Der Ork, der mich geführt hatte ging an mir vorbei und auf den Neuen zu. Sie wechselten einige Laute und Pudnuck raunte mir zu, das es sich bei dem anderen Ork um Torak handelte. Wie hätte es auch anders ein können? Ich beschloss meiner Rolle weiter etwas Nahrung zu geben und ging einfach durch die Reihen der am Lagerfeuer sitzenden Orks hindurch. Vor Torak blieb ich stehen und maß ihn mit einem abschätzigen Blick.

„Du bist also Torak?!" Stellte ich mit überheblicher Stimme fest. „Nun, du siehst noch schäbiger aus, als ich es mir vorgestellt hatte. Aber seiß drum," ich schnitt ihm mit einer Geste das Wort ab als ich bemerkte das er was sagen wollte. „Ich bin nicht hier, um mich über dich zu wundern, das tun andere. Ich bin hier um etwas zu holen." Torak sah mich weiter mit einem misstrauischem Glitzern in den Augen an.

„Wer du seien, das du so todesmutig und kommen in Toraks Höhle Mensch?" Meine Augen zogen sich zusammen und ich beugte mich ein Stück vor, so das Torak die Zeichen in meinem Gesicht sehen musste. Es verfehlte seine Wirkung nicht. Torak zog erst die Augen zusammen und riss sie dann auf.

„Ich bin kein Mensch, Ork. Pass auf was du sagst, oder du kannst dich zu deiner Torwache gesellen!" Torak drehte sich zu dem Ork um und die Beiden wechselten wieder einige Laute.

„Du haben Ork erschlagen." Ich ignorierte die Worte und sah mich aufmerksam in der Höhle um.

„Und weiter? Er hat mich angefasst. Glaubst du ich lasse mich von schmutzigen Orkhänden besudeln?" Nun drehte ich mich wieder zu Torak um. „Aber ich bin nicht hier, um mit dir über solche Nebensächlichkeiten zu reden. Vielmehr interessiert es mich oder besser gesagt Sherincal, warum der Angriff auf Targos fehl ging und warum diese hinterhältige Menschenbrut immer noch lebt."

„Ich das ihr schon gesagt haben, persönlich. Weil dumme Menschen hatten Hilfe. Warum sie mich fragen Sachen, die sie schon wissen?" Ups. Ich drehte mich um, um meine Unsicherheit zu verbergen und fuhr dann in einem fast seufzenden Tonfall fort.

„Wer soll schon diesen Halbdrachen verstehen. Wenn sie aufgebracht ist, dann kann sie Niemand mehr beruhigen und im Moment ist sie sehr aufgebracht! Die Chimärenlegion rückt vor und Targos ist immer noch nicht besiegt. Sherincal will sich persönlich bei den Menschen dafür ‚bedanken' das sie Targos zu Hilfe gekommen sind. Also, wo sind sie?"

„Sherincal nichts wissen, von Dreien wo ich gefangen." Ich konnte sehen wie sich einige Orks im Raum erhoben.

„Oh," machte ich abfällig. „Du hast wirklich geglaubt, das sie es nicht weiß? Dann bist du tatsächlich noch dümmer als ich gedacht habe. Aber mir ist nicht nach streiten zu mute. He Goblin, zeig es ihm." Pudnuck trippelte an und überreichte Torak ein Schreiben. Sabrina hatte es zusammen mit Dereths Hilfe und etwas Elfenmagie nach den Beschreibungen von Pudnuck angefertigt, der selber so ein ähnliches Schreiben bekommen hatte, als ihm der Befehl zukam mit seinem Goblinstamm sich am Angriff auf Targos zu beteiligen. Ich betete, das es Torak täuschte.

Der Ork lass sich das Schreiben einmal durch, dann blickte er auf, sah mich, dann Pudnuck und schließlich noch mal mich an und lass das Schreiben erneut. Ich wanderte in der Zeit durch die Höhle und versuchte mir so viel zu merken wie nur irgend möglich und gleichzeitig so wenig nervös zu wirken, wie es gerade noch ging. Dann hatte ich meine Runde beendet und auch Torak schien schließlich zu einem Entschluss gekommen zu sein.

„Du Glück haben, das du kommen von Sherincal, ich dich sonst hätte zu Abend gegessen." Ich zog es vor dieser Bemerkung keine weitere Aufmerksamkeit zu schenken.

„Was ist also nun? Sherincal wartet nicht gern und ich auch nicht. Wo sind diese Bastarde?" Der Ork warf noch mal ein Blick auf das Schreiben.

„Werden dich zu ihnen führen. Folgen." Er nahm einen scheit aus dem Feuer und verließ den Raum. Einige Schritte ging es einen Gang entlang, dann bogen wir rechts ab und wieder links. Der Gang wurde schmaler, bis man nur noch mit Mühe hindurchgehen konnte und erweitete sich dann plötzliche wieder in eine Höhle. Ich ging hinter Torak und als er zur Seite trat gab er mir den Blick auf eine große Höhle frei.

Sie war durch ein großes Hölzernes Gitter getrennt und der dahinter liegende Raum wiederum in einzelne Verschläge, die allerdings nicht leer waren. Ich zählte zehn Menschen und fünf Elfen, die sich in bemitleidenswertem zustand in verschiedene Zellen drängten. Manche von ihnen waren verletzt und einige auch angekettet. Es war mir egal. Ich war nicht wegen ihnen hier.

Torak zeigte nach links, wohin er auch die Fackel schwenkte und ich konnte es aufblitzen sehen. An der Wand lehnten Waffen, unter denen ich auch Vasuls Doppelaxt erkannte. Das würde die Sache einfacher machen, wenn auch nicht viel.

Der Ork führte mich an zwei weiteren Zellen vorbei und schließlich in der Letzten wurde ich meinem Ziel gewahr. Ich ballte die Fäuste und musste all meine Willenskraft zusammen nehmen, um Torak nicht auf der Stelle umzubringen. Diese Gefangenen waren mir nicht egal. Auch wenn ich es mir in diesem Moment sehnlichst wünschte.

Vasul war mit schweren Ketten direkt an die Wand gekettet worden und in seinem haarigen Fell klafften an vielen Stellen Wunden und getrockneter, verschmutzter Schorf. Er warf nur einen kurzen Blick auf uns und ließ den Kopf dann wieder sinken.

Riatal hing an einer Kette, die gerade lang genug war, das er mit den Knien den Boden berühren konnte von der Decke. Er hatte weder seine Rüstung noch ein Hemd an und auch auf seiner Haut zeichneten sich die Spuren schwerer Misshandlung ab.

Teraluna schien noch am glimpflichsten davon gekommen zu sein. Sie trug zwar Ketten, die zweifelsohne magisch waren, denn sie glühten ganz leicht, aber ansonsten konnte sie sich frei bewegen. Sie sah auf und erkannte mich prompt.

„Elessa! Was .. wie ... ." Die Stimme versagte ihr und nun hoben auch Riatal und Vasul den Kopf. In Riatals Augen konnte ich Überraschung und Unglauben lesen, während Vasul Mühe hatte aus seinen Augen zu schauen. Torak drehte sich zu mir um.

„Sie dich kennen, du aber sagen ... ."

„Ich habe gar nichts gesagt und natürlich kennen sie mich." Schnitt ich ihm das Wort ab. „Immerhin waren sie so freundlich und haben mich nach Targos hineingebracht, so das ich für Sherincal wertvolle Informationen sammeln konnte." Ich lachte. „Wenn man bedenkt wie einfach es mir fiel sie zu manipulieren." Teraluna sah mich ungläubig an, während in Riatals Augen die alte Feindschaft aufflackerte. Wie weh sein Blick wirklich tat, wurde mir erst in dem Moment klar, als ich mich von ihm abwandte und wieder Torak zu.

„Schließ auf." Der Ork sah mich an.

„Warum?"

„Damit ich mich noch für etwas revanchieren kann und außerdem werde ich sie sowieso mitnehmen. Sherincal wartet."

„Das du werden nicht tun." Betont langsam zog ich meine Augenbraue nach oben.

„Was?!"

„Sherincal viel können verlangen, können auch haben Ork und Elf, aber nicht Mensch. Er mich verletzt. Er werden sterben, qualvoll. Morgen. Du gerne bleiben und zusehen." Ich unterdrückte das Verlangen Riatal gleich jetzt umzubringen. Was musste sich dieser Idiot auch immer aufführen wie ein Held! Ilamter verfluche ihn.

„Gut," gab ich wiederwillig nach. „Aber bevor du ihn tötest will ich noch etwas mit ihm begleichen." Torak verzog sein Gesicht.

„Er dich auch haben beleidigt."

„Nicht nur das Ork und jetzt gib mir den Schlüssel." Mit einem sadistischen Lächeln reichte ihn mir Torak und ich schloss das Gitter auf. Ich wusste nicht, ob ich es wirklich über mich bringen würde, was ich mir ausgedacht hatte, aber ich musste nahe genug an sie heran um ihnen etwas zuflüstern zu können, auch wenn ich dafür etwas im Begriff war zu tun, für das er mich wahrscheinlich hassen würde und dieser Gedanke tat wirklich weh.

Ich blieb vor Riatal stehen und sah kurz und wie ich hoffte voller Hass auf ihn herab, dann packte ich seine Haare und bog seinen Kopf nach hinten. Der Blick der mir entgegenschlug war schlimmer als ich befürchtet hatte. Ich zwang mich zu einem herablassendem Lächeln.

„Du warst dumm Mensch, genauso dumm wie so viele schon vor dir."

„Lass mich los!" Er versuchte sich aus meinem Griff zu befreien, aber ich ließ ihn nicht los, dann brachte ich mein Gesicht nahe vor seins und ich spürte selbst wie ich mich hasste, als ich ihm die nächsten Worte ins Gesicht schlug

„Aber es war süß zu sehen, wie du nicht mehr gewusst hast wo dir der Kopf steht. Hast du wirklich geglaubt jemand wie ich würde sich mit jemandem wie dir einlassen?" Ich lachte erneut.

„Du verlogene Schlange, du hast ... ." Ich zog blitzschnell meinen Dolch und brachte seine Spitze unter seinem Kinn an, so das er gezwungen war den Kopf nach oben zu halten, es sei denn er wollte Gefahr laufen sich selbst aufzuspießen. Blut lief eh schon an der Klinge hinab.

„Elessa!" Teraluna war aufgesprungen blieb aber stehen, als ich die Spitze des Dolches noch ein Stück weiter in Riatals Fleisch bohrte.

„Ich würde an deiner Stelle nicht so vorlaut sein, Mensch, oder sehnst du dich so sehr nach dem Tod?" Ich drückte seinen Kopf noch ein Stück weiter zurück, so das er ihn nun in einem fast unmöglichen Winkel halten musste. Sein Blut lief mittlerweile in einem dünnen Strom über meine Hand und endlich geschah das, worauf ich gehofft hatte.

Teraluna sprang mit einem Schrei auf mich zu. Ich wirbelte blitzschnell herum, packte sie am Hals und drückte sie zu Boden, meinen Dolch auf ihrer Brust und mein Kopf dich an ihrem Ohr.

„Um Mitternacht, haltet euch bereit." Laut sagte ich jedoch als ich mich aufrichtet. „Wenn meine Herrin Sherincal dich nicht haben wollte, dann wäre das jetzt dein Tod Elf. Also danke deinem Gott, für die wenigen Tage, die dir noch bleiben!" Ich erhob mich und verließ die Zelle, gab Torak den Schlüssel zurück und ging ihm voraus. Meine linke Hand klammerte sich fest um den Schwertgriff und ich konnte spüren, wie das Leder knarrte, meine andere Hand hatte ich unter dem Mantel zur Faust geballt. Um Mitternacht, das waren noch drei Stunden. Drei Stunden in denen ich mir etwas überlegen musste!

Die Höhle war dunkel, denn die meisten Feuer waren mittlerweile ausgegangen und ein allgegenwärtiges Geräusch verriet mir, das auch die meisten Bewohner dieser Höhle schliefen. Vorsichtig erhob ich mich und ließ meine Augen über die schlafenden Leiber der Orks gleiten.

Ilmater, wie einfach wäre es jetzt alle einfach zu töten. Aber ich hatte keine Zeit um mich solchen verlockenden Gedanken hin zu geben. Ein falsches Geräusch, ein falscher Schritt und wir wären alle dem Tode geweiht.

Vorsichtig arbeitet ich mich zu Torak durch, der an einer Wand lehnte, und lauthals schnarchte. Ich ließ mich auf die Knie nieder und beugte mich zu ihm vor. Sein Atem stank erbärmlich und ich musste mich eines heftigen Übelkeitsgefühl erwären, als ich noch ein Stück näher rückte und meine Hand nach seinem Fell ausstreckte.

Ganz sachte schlossen sich meine Finger um den Schlüssel, den er um den Hals trug. Mein Herz hämmerte. Wenn jetzt etwas – irgendetwas – passierte, dann war ich tot. Ich konzentrierte mich, hob den Schlüssel sacht an und nahm auch meine zweite Hand zu Hilfe.

Der Schlüssel hob sich und ich zog die Schnur unendlich langsam über Toraks Kopf. Kein verräterisches Geräusch erklang und alles blieb ruhig. Selbst Torak schnarchte ungehindert weiter und ich erhob mich lautlos.

Aber wohl doch nicht ganz so lautlos wie ich gehofft hatte. Etwas knackte unter meinen Stiefeln und ich hielt für einen Moment den Atem an. Doch Nichts rührte sich und wahrscheinlich hätte sich selbst bei einem viel lauteren Geräusch nichts gerührt, so wie mache der Orks schnarchten, mussten die anderen einen gesunden Schlaf haben, sonst würden sie wahrscheinlich früher oder später vor Müdigkeit sterben.

Ich wand mich zum Ausgang der Höhle und hoffte, das mich Pudnuck dort erwartete.

Er tat es und mit einem knappen Nicken gab ich ihm zu verstehen, das ich den Schlüssel hatte. Pudnuck nickte, blickte sich mit seinen kleinen Goblinaugen kurz um und tappte dann schnell voraus. Zielsicher bewegte er sich durch die Dunkelheit der Höhle. Wir folgten den Tunneln, bis wir die Stelle erreichten, an der sich der Gang zur Höhle erweiterte.

Pudnuck blieb plötzlich stehen und gab mir ein Zeichen es auch zu tun. Ich ließ mich auf die Knie herunter und spähte um die Ecke. Das was ich sah gefiel mir nicht. Am hinterstehen Ende der Gefängnishöhle brannte eine Fackel und das war genau die Stelle, an die ich musste. Ich zog meinen Kopf zurück. Verdammt! Konnte denn nicht ein Mal etwas einfach sein?

Ich riskierte einen weiteren Blick und gab dann Pudnuck ein Zeichen hier auf mich zu warten und mich zu warnen, sollten noch andere ungebetene Geäste auftauchen. Dann schlich ich mich gebückt an den ersten Abzweigungen der Zellen vorbei und ließ mich nochmals ganz auf den Boden nieder. Ein weiterer Blick zeigte mir, das ich richtig gelegen hatte. Die Fackel befand sich genau in der Zelle, in der auch meine Freunde waren. Und mit der Fackel etwas großes haariges, das zweifellos ein Ork war. Ich fasste einen Entschluss und schob mich auf dem Bauch um die Ecke und weiter am Boden entlang, bis ich den Rand der Zelle erreicht hatte.

Vorsichtig ging ich in die Hocke, aber immer darauf bedacht mich außerhalb des Lichtes der Fackel zu halten. Meine Hand glitt zu meinem Dolch, aber dann ließ ich sie wieder sinken. Zu riskant. Traf ich eine Rippe, oder hatte der Ork auch nur den Hauch einer Chance einen Laut auszustoßen, würden wir alle hier sterben. Das Risiko war einfach viel zu groß.

Ich warf nochmals einen Blick in die Zelle und erkannte, das der Ork erregt auf Vasul einredete, was er allerdings sagte, das konnte ich nicht verstehen. Ich wollte es auch gar nicht. Für einen überaus kurzen Moment schloss ich die Augen und konzentrierte mich, dann drehte ich meinen Kopf sah noch mal zu dem Ork und kroch um die Ecke in die Zelle.

Keiner bemerkte mich, langsam, unendlich langsam schlich ich noch einen Schritt weiter und dann noch einen. Ich war so nah dran, das ich nur meine Hand hätte ausstrecken müssen, um den Ork zu berühren. Ein kurzer Blick zu Riatal zeigte mir, das er mich nicht verraten konnte, weil er schlief. Meine Augen kehrten wieder auf den Rücken des Orks zurück und mit einem Mal, war es wieder da, ein eiskaltes Gefühl, das mir sagte, was ich zu tun hatte.

Ein Gefühl das mich schon früher in der Wildnis oft aus brenzligen Situationen gerettet hatte. Etwas, das mir einfach sagte, was ich zu tun und wie ich zu reagieren hatte. Ich brauchte nicht mehr zu denken oder zu überlegen, ich wusste es einfach. Und ich tat es.

Ein weiterer Schritt brachte mich unmittelbar hinter den Ork und ich richtete mich langsam auf, bis meine Augen über seine Schulter blicken konnten. Wie ein zweiter, lautloser Schatten stand ich hinter ihm und konnte sein Herz schlagen hören, ja sogar das lautlose Rauschen des Blutes in seinen Adern nahm ich war. Meine Hände griffen nach oben, packten zu. Der Ork hatte nicht einmal Zeit, einen weiteren Atemzug zu nehmen, bevor ich ihm das Genick brach.

Ich versuchte ihn so leise wie möglich zu Boden gleiten zu lassen und als ich endlich aufblickte sah ich in Teralunas immer noch vor Überraschung weit aufgerissenen Augen und auch Vasul sah mich an, als wäre ich einfach aus dem Nichts erschienen.

„Aber wie ... woher ... ?" Ich schnitt ihr das Wort mit einer Handbewegung ab.

„Später, deine Hände." Sie reichte sie mir und ich schloss ihre Ketten auf, dann gab ich ihr die Schlüssel und sie befreite Vasul. Ich ging aus der Zelle und winkte Pudnuck heran, sprach kurz mit ihm und schickte ihn wieder zurück in den Gang. Er würde aufpassen, das uns auf dem Weg nach draußen Niemand zufällig überraschte. Dann ging ich wieder zurück zu Teraluna. Sie hatte Vasul bereits befreit und machte sich nun an Riatals Ketten zu schaffen.

Jener schlug plötzlich die Augen auf, sah erst Teraluna dann Vasul und schließlich mich an. Aus seinem Gesicht wich die wenige Farbe, die noch darin war. Er wollte etwas sagen, aber ich ließ ihn erst gar nicht zu Wort kommen sondern drehte mich um und ging zu den Waffen. Schnell hatte ich die meiner Freunde herausgesucht und bereit gelegt. Als ich mich wieder um drehte sah ich wie Teraluna gerade dabei war eine der anderen Zellen aufzuschließen. Ich ging zu ihr.

„Was tust du da?" Sie sah mich überrascht an, antwortete aber ebenso leise.

„Ich befreie sie. Niemand verdient es in der Hand dieser Tiere zu sein."

„Wir können sie nicht alle befreien. Genau genommen kann ich ja noch nicht einmal euch befreien. Es grenzt an ein Wunder, das wir noch nicht alle tot sind!"

„Ich lasse sie aber nicht hier! Das kann ich nicht. Ich bin Druidin und somit jedem Leben verpflichtet." Ich packte sie am Arm.

„Du wirst sie nicht befreien. Ich riskiere mein Leben nicht, um irgend so einen Abschaum hier heraus zu holen. Ich riskiere es für euch und für Niemanden sonst!" Kalt blickte ich sie an. „Wenn du das nicht willst, kannst du gerne hier bleiben."

„Aber wir können doch nicht ... ."

„Elessa hat recht." Ich drehte mich zu Riatal um, der sich gerade seinen Mantel über die Schultern warf. „Es gilt, sie oder wir." Seine Augen wanderte für einen kurzen Moment zu mir, wichen aber meinem direkten Blick aus, was mir nur recht war.

Teraluna sah versteinert von ihm zu mir und wieder zurück zu den trostlosen Gestalten, die überhaupt Nichts von alle dem mit bekommen hatten.

„So schwer es dir auch fallen mag, aber sieh es ein. Sie sind schon längst tot." Ich konnte sehen, wie in ihr die Verzweiflung nach oben stieg und gab ihr eine Ohrfeige. Wir brauchten einen kühlen Kopf um hier heraus zu kommen und keine panischen Anfälle.

Einen Moment blinzelte sie, so als würde sie aus einem Traum erwachen, dann warf sie noch mal einen Blick in die Käfige, wand sich dann um und ging zu ihren Sachen. Ich folgte ihr, wobei ich es tunlichst vermeidete in Riatals Richtung zu sehen.

Am Ausgang der Höhle traf ich auf Vasul. Er nickte mir zu und ich erwiderte es. Dann drehte ich mich noch mal zu ihnen um.

„Ich will keinen einzigen Ton hören! Nicht mal ein Atemholen!" Ich sah in die Dunkelheit des Tunnels. „Ich gehe voraus."

Der Tunnel war dunkler als ich ihn in Erinnerung hatte. Das mochte aber auch daran liegen, das ich nun um einiges Nervöser war, da ich wusste, wie viel wir schon geschafft und was noch vor uns lag und die Möglichkeit der Dinge die schief gehen konnten, wurde größer mit jedem Schritt den ich tat.

Mein Herz raste und auch meine Atmung ging schneller als normal und ich spürte das leichte zittern meiner Hände, die den Schwertgriff fest umspannten. Für einen Moment schloss ich die Augen, was wenn ... nein, ich durfte nicht dran denken. Ich musste nach vorne Blicken, nicht zurück.

Ich spürte eine Hand auf meiner Schulter und wand den Kopf. Vasul stand hinter mir und nickte mir zu. Ich atmete noch einmal tief durch und trat mit einem entschlossenem Schritt in den Haupttunnel. Kein Ork. Vorsichtig schlich ich einige Schritte weiter und späte in die Abzweigung, die zu der Hölle führte, in der die ganzen Orks schnarchten. Sie schnarchten immer noch und ich begann meinen Herzschlag zu beruhigen.

Mit einer Geste gab ich ihnen zu verstehen, das sie folgen konnten und wir erreichten unbehelligt den Ausgang der Höhle. Ich sah auf die Zelte und den Bergpfad. Nichts regte sich. Vorsichtig machte ich einen Schritt aus der Höhle, wo zur Hölle war Pudnuck? Ich verscheuchte den Gedanken, der kleine Kerl stand wahrscheinlich schon am Waldrand und frägt sich wo wir bleiben.

Vorsichtig ging ich meinen Gefährten einige Schritte voraus den Pfad hinunter, kleine Steine lösten sich unter meinen Stiefel und purzelten in die Tiefe. Das Pröckeln hörte sich in meinen Ohren an , als hätte ich gerade eine gigantische Steinlawine losgelöst. Ich schritt weiter.

Ein kurzer Blick zu den Sternen zeigte mir, das wir noch Zeit hatten, bis die Sonne aufging, aber ewig konnten wir uns auch nicht Zeit lassen, immerhin mussten wir noch ein gehöriges Stück Weg zwischen uns und dem Orklager hinter uns bringen.

Ich duckte mich in die Schatten der Felsen und späte auf den freien Platz vor uns, der zum Tor führte. Kein Ork, keine Wache, das war ideal. Aber trotzdem zögerte ich. Zu einfach. Viel zu einfach Elessa, hier stimmt etwas nicht. Hier konnte einfach etwas ganz und gar nicht stimmen. Ich gab Vasul und den anderen zu verstehen, das sie warten sollten und schritt geduckt auf die freie Fläche hinaus, immer nach links und rechts sehend und mich dabei im Kreis drehend. Ich sah Niemanden, ich spürte Niemanden und doch sagte mir etwas, das hier jemand war. Hier war jemand, ich war mir sicher, so sicher, es musste jemand hier sein, es musste ... . Es war.

Doch ich erkannte es erst, als es zu spät war. Aus den Augenwinkeln nahm ich einen Schatten war, klein, gerade an der grenze des Wahrnehmbaren und wären mein Sinne nicht schon die ganze Zeit in Alarmbereitschaft gewesen, dann hätte ich ihn vielleicht auch wirklich nicht gesehen. Doch ich sah ihn, den Schatten des Bolzens, der von einer Armbrust schnellte, gerade als ich mich umdrehte.

Schmerz explodierte in meiner Schulter und ich wurde zu Boden gerissen. Mein Schrei schallte durch die Nacht und binnen weniger Augenblicke waren Teraluna und Riatal an meiner Seite, Vasul stand hoch aufgerichtet vor mir und beobachtete die Orks, die jetzt aus allen Schatten und Zelten kamen, in denen sie sich vorher versteckt hatten. Ich schlug Teralunas Hand bei Seite, als sie nach meiner Schulter greifen wollte.

„Mir fehlt nichts," sagte ich.

„Aber ... ."

„Mir fehlt nichts! Der Bolzen ist nicht eingedrungen. Mein Kettenhemd hat ihn gestoppt. Hier sieh." Ich zeigte ihr meine Schulter, in der tatsächlich keine Wunde prangte und stand auf. Auch wenn ich unverletzt war, so hatte doch allein die Wucht des Armbrustbolzens ausgereicht, um mich von den Beinen zu reisen und ganz nebenbei, weh hatte es auch getan.

Doch die Schmerzen in meiner Schulter vergaß ich sofort, als mein Blick auf die Orks fiel, die sich in einem Kreis um uns herum aufgestellt hatten. Es waren viele. Zu viele. Bestimmt der ganze Stamm und ich fragte mich, wie zum Teufel sie das hatten wissen können.

Die Reihen teilten sich und kein geringerer als Torak trat auf uns zu. Eine große Axt geschultert und einen Morgenstern am Gürtel. Die Orks knurrten und stießen mit langen Lanzen in unsere Richtung, doch Torak gebot dem Tun mit einem lauten Knurrlaut einhalt.

„Ihr sein weit gekommen, aber nun euer Weg zu Ende. Orks vom Clan des gebrochenem Stoßzahnes werden euch töten." Die Orks knurrten und klapperten mit ihren Waffen. „Aber dich," damit zeigte er auf mich. „Werde ich töten. Du mich hast getäuscht Frau und auch wenn du von gleichem Blut. Diesen Verrat du mit deinem Leben bezahlst." Ich erhob mich und zog mein Schwert.

„Elessa ... ." Ich wehrte Riatals Hand ab, als er nach meinem Arm greifen wollte um mich fest zu halten und ging einige Schritte auf Torak zu.

„Hab ich dein Wort, das du sie gehen lässt, wenn ich dich besiege?" Torak grunzte laut.

„Du mich nicht besiegen wirst können! Du sterben!"

„Hab ich dein Wort, Ork!?"

„Du haben. Keiner der Krieger wird euch angreifen, wenn ich tot."

„Gut und jetzt schwöre das bei deinem Gott Tempus!" Torak knurrte, was beweis genug war, das er sein Wort gebrochen hätte. „Schwöre es! Oder hast du Angst gegen mich zu kämpfen?"

„Ich? Angst? Dir doch die Knie zittern!" Er machte eine Pause. „Gut, ich schwören bei Tempus, kein Krieger Hand an euch legen wird. Und nun kämpfe!" Er schwang seine Axt ohne Vorwarnung und ich duckte mich unter dem Hieb weg. Aus den Augenwinkeln konnte ich sehen, wie die anderen aus der reichweite des Orks sprangen.

Meine Hand packte den Mantel und schleuderte ihn von mir, dann zog ich meinen Dolch und drehte mich zu Torak um, der nun auch nach seinem Morgenstern griff. Die Orks um uns herum knurrten und stießen ihre Lanzen auf den Boden, was ein seltsam rhythmisches Geräusch herauf beschwor, das mit meinem Herzschlag gleich zog.

Die Eisenkugel des Morgensterns pfiff durch die Nacht und das hohe Geräusch das sie dabei verursachte bereitete mir eine Gänsehaut. Dies war kein Goblin, kein dahergelaufener Ork. Dies war ein Krieger, ein Anführer, ein zwei Meter großer und mindestens ein Zentner schwerer Koloss, der nur eines wollte, mich töten.

Die kette sauste durch die Luft und ich wich ihr aus, indem ich mich auf den Boden fallen ließ und weg rollte. Die Kugel schlug in die Erde, wirbelte Brocken in die Luft, ich kam auf dem Rücken zu liegen, wollte aufspringen und sah die Axt von Torak auf meinen Kopf zufliegen. Ich riss ihn zur Seite und das Axtblatt schlug wenige Zentimeter neben mir in den Boden.

Meine Beine spannten sich und ich stieß Torak von mir, sprang auf und beobachtete meinen Gegner. Die Orks grölten und irgendwo vernahm ich das Rufen einer Eule. Es war mir egal. Ich musste mich konzentrieren, musste alles ausblenden, wenn ich diesen Kampf gewinnen wollte.

Erneut griff Torak an, schwang seine fürchterliche Waffe durch die Luft. Ich duckte mich unter ihr hindurch und hatte für wenige Augenblicke seine ungeschützte Flanke vor mir. Mein Dolch bohrte sich tief hinein und noch bevor er Gelegenheit hatte mir seine Axt in den Rücken zu schmettern, war ich wieder auf Distanz. Torak grunzte.

„Glück Mensch, nichts weiter." Ich ignorierte seine Worte. Auch Glück gehörte zu einem Krieger. Wieder schoss sein Morgenstern durch die Luft und wieder musste ich ausweichen. Wieder und wieder trieb er mich mit seiner Waffe vor sich her, immer auf Distanz bedacht, so das ich ihm mit meinem Schwert und meinem Dolch nicht zu Nahe kommen konnte. Lange, würde ich das nicht mehr aushalten.

Er führte einen weiteren Streich gegen mich und ich versuchte auszuweichen, war aber nicht schnell genug. Dem Morgenstern entging ich mit knapper Not, aber die Spitze des Axtplattes streifte meinen linken Unteram und schon diese flüchtige Berührung der mächtigen Waffe reichte, damit ich den Dolch fallen ließ und mit einem Schmerzenschrei zurück wich. Die Menge der Orks grunzte und johlte.

„Nun, geben du auf, oder du wollen weiter machen? Sterben wirst du, ich dir überlassen wie." Ich sah auf und in dieses widerliche, behaarte Gesicht. Mein linker Unterarm war aufgeschlitzt und Blut lief daran herunter, ich konnte ihn nicht mehr gebrauchen. Von Glück konnte ich noch sagen, das er noch dran war und nicht neben meinem Dolch auf der Erde lag. Ich packte das Schwert mit der rechten Hand fester. Sollte Torak sich ein anderes Opfer für den nächsten Tag suchen. Ich würde kämpfend sterben.

Torak schien auch zu dieser Meinung gekommen zu sein, denn der hochmütige Ausdruck auf seinem Gesicht verschwand und wurde ernst. Dann sprang er nach vorne, hieb mit dem Morgenstern nach mir, ich drehte mich, drehte mich fast in seine Arme und ließ mein Schwert durch die Luft gleiten, spürte, wie es erst auf Wiederstand traf und dann eintauchte. Ein schmerzerfülltes Grunzen belohnte mich und ich tauchte unter einem Axthieb durch, der so dicht über meinen Kopf fuhr, das ich Haare fallen spürte.

Ich taumelte einige Schritte zurück und drehte mich zu Torak um. Er hatte Axt fallen gelassen und presste sich die Hand auf seine verletzte rechte Schulter. Er bleckte die Zähne und starrte in meine Richtung und ich spürte plötzlich die Veränderung die mit ihm vorging und die ich befürchtet, aber weit weg gesehnt hatte.

„Nun wirst du sterben Mensch!" Er knurrte und stürzte sich mit einer Geschwindigkeit auf mich, die ich nicht für möglich gehalten hätte. Ich taumelte rückwärts, als der Morgenstern nur Zentimeter vor meinem Gesicht entlang schrammte, duckte mich unter einem weiteren Hieb weg, rollte mich zur Seite und tat alles, um ihm aus dem Weg zu gehen. Aber so konnte ich diesen Kampf nicht gewinnen.

Aus den Augenwinkeln konnte ich die besorgten Gesichter meiner Freunde sehen, aber da spielte auch keine Rolle mehr. Ich hatte mich auf einen Kampf eingelassen, den ich nie hätte gewinnen können, aus dem bloßen Versuch Zeit zu schinden, bis mir etwas anderes eingefallen wäre. Wahrscheinlich würde mir nie wieder irgendetwas einfallen.

Ich wich einem weiteren Hieb aus, verlor das Gleichgewicht und als ich mich im fallen umdrehte und in die Augen des Orks sah, wusste ich das es vorüber war. er schwang erneut seinen Morgenstern und diesmal hatte ich keine Chance der Eisenkugel mit ihren Dornen auszuweichen.

Sie traf mich ungeschützt in die Rippen und schleuderte mich zu Boden. Ich schrie. Schmerzen durchschlugen meinen Körper, die Hälfte davon schien taub zu sein, ja schien ich nicht einmal mehr bewegen zu können, und doch spürte ich den Schmerz, der mit jedem Schlagen meines Herzens erneut durch die Adern geschickt wurde.

Ich stöhnte, meine Hände gruben sich in das Erdreich und ich versuchte mich aufzurichten, es ging nicht. Jede Bewegung tat weh und je länger ich darüber nachdachte um so mehr wunderte ich mich, das ich noch lebte. Der Hieb hätte mir das Rückrat und den Brustkorb eindrücken müssen. Meine Hand wandere an die Stelle wo mich die Kugel getroffen hatte. Sie fuhr über die unversehrten Nieten des Kettenhemdes. Kein Blut, keine Wunde.

Aber das war unmöglich. Der Schlag hätte selbst einen Plattenpanzer in Stücke geschmettert, diese Kettenhemd hätte er zerreisen müssen! Wie war das nur möglich? Aber ich lebte noch und das war das Wichtigste, über das wie konnte ich mir immer noch Gedanken machen ... wenn ich dazu die Gelegenheit bekam.

Ein Orkstiefel trat in mein Blickfeld und als ich die Augen hob sah ich Torak drohen drüber aufragen, die Axt wieder in der Hand.

„Du noch leben?" Er beugte sich herunter und riss mich an den Haaren hoch. Ich schrie. „Tatsächlich, du noch leben." Er ließ meine Haare wieder los und ich sank auf dem Rücken zu Boden. „Aber nicht mehr lange!" Er trat breitbeinig über mich und hob seine Axt.

„Glück haben Mensch, du schnell sterben. Deine Freunde langsam, qualvoll. Und deine Gebeine ich werde den wilden Tieren zum Fressen geben, sie werden dich zerreisen, auf das du weder zu Tempus noch sonst einem Gott kommen kannst." Er hob seine Axt und meine Augen folgten der Bewegung.

Das war es also gewesen? So würde ich sterben? Ich schloss die Augen und verfluchte mich. So lange hatte ich überlebt, weil ich mich immer nur an eine Regel gehalten hatte. Kümmer dich nur um dich selbst! Nur deshalb hatte ich überlebt. Nur deshalb! Und jetzt würde ich sterben, weil ich ihr einmal nicht gefolgt war! So wollte ich das nicht. ich wollte nicht sterben. Nicht jetzt! Nicht jetzt! Nicht für andere! Ich wollte leben!

Und in diesem Augenblick in dem das Gefühl übermächtig wurde regte sich wieder etwas in mir. Es war die selbe Kraft, die ich schon in Targos gespürt hatte, dieses dunkle, kalte Gefühl, das mir aber nichtsdestotrotz Stärke und Macht gab. Es war wieder da, heiß verlangend drängte es sich an die Oberfläche.

Ich schlug die Augen auf, sah auf den Ork, der die Axt erhoben hatte, sah das kurze überraschte Aufflackern in seinen Augen und ich trat zu, mit beiden Beinen, fest. Ich traf seine Kniescheiben, hörte sie brechen und den Ork brüllen. Egal. Ich würde leben. Der Ork viel und ich rollte mich weg, sprang auf. vergessen waren die Schmerzen in meinem Unterarm, vergessen warum ich hier war, alles was zählte war diese Kraft, die ein Ventil brauchte. Ich bückte mich, griff nach dem Morgenstern und schwang ihn durch die Luft, ließ ihn heulen und mit einer einzigen Bewegung ließ ich ihn kraftvoll auf den Ork nieder sausen.

Es krachte und ich spürte die warme, klebrige Masse von Blut und Fleisch die mir ins Gesicht spritzte, als ich Torak den Schädel zertrümmerte.

Atem stand in einer kleinen Wolke vor meinem Gesicht und meine Brust hob und senkte sich doppelt so schnell wie sie eigentlich sollte, Adrenalin schoss durch meinen Körper und alles schien in ein zwielichtiges rotes Licht getaucht zu sein. Ich sah Bewegungen, sah Schatten aus den Augenwinkeln und fuhr herum. Es waren Orks. Noch mehr Orks. Mehr Beute. Mehr Fleisch.

Ich bückte mich ohne sie aus den Augen zu lassen. Meine Hände tasteten über den Boden, fanden Schwert und Dolch. Die Orks immer noch im Auge behaltend erhob ich mich wieder. Ich würde sie töten, ich wollte sie töten! Ich wollte mehr, mehr von dieser roten Flüssigkeit vergießen. Mehr. Mehr. Mehr!

Eine Hand legte sich auf meine Schulter und ich wirbelte herum, erkannte einen weiteren Ork, hob den Dolch, doch jemand anderes fiel mir in die Bewegung. Ich erkannte eine kleinere Gestalt, zierlicher. Mein Blick klärte sich und ich sah Teraluna und der große Schatten war Vasul. Riatal stand neben mir.

Was war geschehen? Ich sah auf die Leiche Toraks, dann auf meine Blut verschmierten Hände. Hatte ich ihn getötet? Ich wusste es nicht mehr.

„Elessa? Alles in Ordnung?" Ich griff mir an den Kopf und verschmierte das Blut dadurch noch mehr.

„Nein," sagte ich.

„Los, wir müssen hier weg!" Ich sah zu Riatal und dann zu den Orks. Er hatte recht. Wir mussten hier weg. Vorsichtig setzten wir uns in Bewegung, schritten auf das Tor zu, die Orks nicht aus den Augen lassend, aber diese rührten sich nicht, nicht Einer von ihnen.

Wir erreichten das Tor, dann den Waldrand und schließlich verschluckten uns die Schatten und wir wurden Unsichtbar in der Nacht.

Das Wasser war bitter kalt und doch hatte ich das Gefühl, das mein ganzer Körper glühte. Irgendetwas war mit mir nicht in Ordnung. Etwas stimmte einfach nicht. Ich stand in dem Bach und das Wasser umspülte meine Hüften. Am Ufer lag Schnee und am Rand des Baches bildeten sich Eiskristalle. Mein Atem stand in kleinen Wolken vor meinem Mund und doch klebet auf meinem Körper der Schweiß.

„Elessa! Komm endlich raus!" Ich ignorierte Teraluna. Wir waren fast die ganze Nacht vor den Orks geflohen, ohne zu wissen ob sie uns auch verfolgten, aber jetzt wo sich langsam die ersten Sonnenstrahlen am Himmel zeigten war uns bewusst geworden, das die Orks sich an da Wort ihres toten Anführers gehalten hatten.

So hatten wir eine Rast eingelegt und ich war schwer in den Schnee gestürzt, von einem Zitterkrampf geschüttelt, der mich immer noch nicht los gelassen hatte. Etwas ... geschah mit mir, das ich nicht verstand und über das ich auch keine Kontrolle hatte und das machte mir Angst. Zudem war mir heiß! Unsagbar heiß, ich hatte das Gefühl gehabt, von innen heraus zu verbrennen und war kurzerhand in den Bach gestiegen um mich abzukühlen. Aber selbst das eisige Wasser half nicht. Ich fror zwar auf meiner Haut, aber in meinem Inneren brannte ein Feuer, zu heiß, als das es mir keine Schmerzen bereiten würde, gerade so, als wollte es aus mir heraus brechen!

„Elessa!" Ich drehte mich nun doch zu ihr um. Wie ein Schatten stand sie am Ufer und winke mir zu. Das Bild verschwamm vor meinen Augen und ich wankte, fing mich wieder und wollte auf das Ufer zu gehen, aber meine Beine bewegten sich nicht so wie ich es wollte. Träge, zu langsam setzten sie sich voreinander und als ich gerade mal zwei Schritte getan hatte merkte ich wie sich wieder die ganze Welt um mich herum, zu drehen begann. Ich kippte, machte mich auf den Aufschlag ins Wasser gefasst, der nicht kam und erst als die bitter Kälte um meine Beine nach ließ, wurde ich gewahr, das mich jemand aus dem Wasser trug.

Träge versuchte ich die Augen zu öffnen und die Gestalt über mir zu erkennen, aber die zeichnete sich ebenfalls wie alles andere nur als dunkler Schatten vor meinen Augen ab. Doch ich fühlte mich wohl, geborgen und so drückte ich mich einfach noch etwas fester in die Arme und ließ alles andere einfach an mir vorüber ziehen.

Sie legten mich vorsichtig auf einen Mantel, der am Feuer lag und ich hörte ihre Stimme wie durch einen dichten Nebel an mein Ohr dringen.

„Was ist mit ihr?"

„Ich weiß es nicht." Das war Teralunas Stimme und ich spürte wie sie meinen verletzten Arm nahm.

„Die Wunden sind nicht schwer und Gift kann ich auch keines entdecken." Sie ließ meinen Arm wieder los. „Ich kann mir einfach nicht erklären woher dieser Schwächeanfall kommt."

Während sie gesprochen hatte, hatte ich versucht nicht auf das brennen in meinem Körper zu reagieren, aber es war immer schlimmer geworden, jetzt da ich aus dem Wasser heraus war. Ich schrie, wand mich unter dieser Hitze, die mit aller Macht an die Oberfläche wollte und als ich die Augen aufschlug, sah ich wieder alles nur durch einen roten Schleier, so als würde das Feuer vor meinen Augen brennen.

„Elessa! Um Helms Willen, halt still! Riatal hilf mir!" Ich spürte Arme, die mich versuchten fest zu halten, aber ich schüttelte sie ab, bäumte mich wie gegen unsichtbare Fesseln auf und versuchte mich zu befreien.

„Teraluna, sieh, ihre Zeichen, sie glühen rot, so als wollten sie anfangen zu brennen und ihre Haut fühlt sich an, als würde unter ihr Feuer glühen!"

„Ja doch, ich weiß! Ich sehe es auch!" Sie klang panisch. „Halt sie fest, ich versuche einen Schlafzauber zu weben, vielleicht beruhigt sie das!" Starke Arme packten mich und versuchten mich fest zu halten. Aber ich wollte nicht festgehalten werden, ich wollte toben, diesen Schmerz heraus brüllen um ihn nicht länger ertragen zu müssen. Dann hörte ich Worte, die tief in mein Bewusstsein eindrangen. Fremde Worte, die ich nicht verstand und die mir nichts sagten, aber die Ruhe spendeten.

Eine Ruhe, die sich wie kühlendes Eis über meinen erhitzen Geist legten und ihn gewaltsam zur Ruhe zwangen. Ich wehrte mich, wollte das nicht, aber bevor ich mich richtig dagegen wehren konnte, glitten meine aufgewühlten Gedanken ab. Ich schloss die Augen und überließ mich der Schwärze, die Linderung versprach. Dann war ich eingeschlafen und träumte. Träumte von Blut.

Ich erwachte aus einem unruhigen Schlaf, der mir kaum Erholung gebracht hatte. Stimmen waren um mich herum, eine Hand legte sich auf meine Stirn und als sich mein Blick klärte, erkannte ich Sabrinas Gesicht, das sich über mich beugte. Sie sah besorgt aus.

„Sie ist aufgewacht." Andere Gesichter kamen in mein Blickfeld und erst nach und nach wollten meine Gedanken ihnen Namen und Bedeutung beimessen. Schließlich fragte mich Sabrina:

„Wie fühlst du dich?" Ich schloss die Augen.

„Schlecht." Schon dieses eine Wort kostete mich mehr Kraft, als ich eigentlich hatte. Sabrina lächelte und stimmte dann einen Singsang an, denn ich nicht verstand, aber dessen Wirkung mich erreichte. Der Nebel, der sich wie zähflüssiger Schleim um meinen Geist gelegt hatte lichtete sich und wenigstens bewegten sich meine Gedanken wieder auf Bahnen, denen ich folgen konnte.

Auch Kraft kehrte in meine müden Glieder zurück und ich setzte mich langsam auf. Die Welt drehte sich immer noch um mich und fragend sahen mich meine Gefährten an. Ich griff mir an den Kopf, als ein plötzlicher Schmerz durch ihn hindurchschoss.

„Was ist passiert?" Fragte ich mit müder Stimme.

„An was kannst du dich denn nicht erinnern?" Ich sah Teraluna an und dir Wahrheit wäre gewesen, wenn ich alles gesagt hätte.

„Ich hab euch aus dem Lager der Orks befreien wollen und bin gegen Torak angetreten. Danach ... verschwimmt alles. Nur noch dunkle Schatten, nichts genaues." Teraluna wechselte einen vielsagenden Blick mit Sabrina und Dereth. „Was ist?" Wollte ich wissen, aber Teraluna schüttelte nur den Kopf.

„Nichts wichtiges. Du hast Torak auch besiegt und wir sind heil aus dem Lager der Orks gekommen. Dank dir." Sie wollte aufmunternd lächeln. „Wahrscheinlich warst du nach deinem Kampf einfach zu erschöpft, um dich an den Weg zu erinnern." Wieder lächelte sie ein missglücktes Lächeln. Sie verschwiegen mir etwas, doch ich hatte weder die Lust noch die Kraft mich jetzt mit ihnen zu streiten. Darum konnte ich mich kümmern, wenn es mir besser ging. Also, aß ich erst mal was und schlang mir mehrere warme decken um die Schultern.

Keiner Sprach mit mir und die Stimmung wirkte irgendwie gedrückt. Wenn ich in Riatals Richtung sah, schaute er weg. Die drei Elfen unterhielten sich leise miteinander und warfen mir immer dann Blicke zu, wenn sie glaubten ich bemerke es nicht. Vasul verhielt sich noch am unauffälligsten. Er kam zu mir und wir unterhielten uns über belanglose Dinge, die ich genauso schnell wieder vergaß, wie ich sie hörte.

Aber irgendwann hielt ich es einfach nicht mehr aus. Ich erhob mich und wollte in den Wald gehen um alleine zu sein, als Teraluna mich vorsichtig am Arm ergriff.

„Wo willst du hin?" In ihrer Stimme schwand ein fast befehlender Unterton mit.

„Wohin man eben mal alleine muss." Sagte ich verärgert und machte mich los.

„Oh," machte sie verlegen.

„Was dachtest du denn? Das ich zurück zu den Orks laufe und ihnen verrate wo ihr euch aufhaltet, damit sie euch alle töten?" Teraluna erbleichte und mir wurde schmerzlich bewusst, das sie genau das gedacht haben musste. Und sie bemerkte, das ich es wusste. Ohne ein weiteres Wort zu sagen drehte sie sich um und ging zurück ans Feuer. Mein Blick schweifte über sie alle und mit einem mal fühlte ich mich weiter von ihnen entfernt als jemals zuvor.

Tja, das sieht nicht gerade gut für unsere Freunde aus. gerade als sie anfingen sich zu vertrauen kam der Bruch. Fronten sind wieder aufgestellt und wer kann eigentlich wem trauen und warum?

Elessa hat mit ihren Kommentaren und ihrem Verhalten natürlich Öl ins Feuer gegossen, teilweise ohne es zu ahnen oder sich daran zu erinnern und so trifft sie das plötzlich wieder aufflackernde Misstrauen ihrer Gefährten hart, denn eigentlich vertraut sie ihnen immer noch.

Doch gerade jetzt wird der Zusammenhalt der Gruppe gebraucht, denn während sie in den Händen der Orks waren, haben die Goblinlegionen ihre Angriffe auf Targos nicht eingestellt, im Gegenteil . . .

Also seid gespannt auf das nächste Kapitel und ich freue mich wie immer über eure Meinungen! Alles Gute.

Eure Hatchepsut