Hochzeit oder Reitausflug!
Das Abendessen war äußerst lecker und Rebecca, Alessa und ich konnten einfach nicht genug von dem Essen bekommen. Die Sitzverteilung war so, dass Thranduil am Kopf der Tafel saß. Rechts neben ihm Legolas und links von ihm, Miril und Rebecca. Dann kam ich und neben Legolas saß eine junge, hübsche Elbe. Ich hätte schwören können, dass die beiden miteinander verwandt waren - was sich auch letztendlich herausstellte. Denn die junge Elbe, die Helyanwe hieß, war seine jüngere Schwester. Neben mir saß Alessa und gegenüber ihr ein fremder Elb, den ich nicht kannte. Doch Alessa verstand sich sehr gut mit ihm, sodass ich mich sehr gut mit Helyanwe unterhalten konnte. Nachdem Essen verabschiedete ich mich und ging in mein Zimmer um meinen wohlverdienten Schlaf zu haben.
Am nächsten Morgen weckte mich, wie am Tag zuvor, die Sonne mit ihren warmen Strahlen auf meinem Gesicht. Ich stand auf und ging an mein Fenster um es zu öffnen und die frische Morgenluft einzuatmen. Was für ein schöner Tag! Das Wetter ist bestens geeignet um vielleicht den umliegenden Wald zu erkunden. Obwohl ... heute wollte Rebecca doch mit ihren Vorbereitungen für die Hochzeit fortfahren. So ein Mist aber auch, aber vielleicht kann ich mich ja irgendwie davor drücken ... Ich zog mich an und wollte gerade aus dem Zimmer gehen, als es klopfte. Ich öffnete die Tür und Helyanwe trat mir mit einem Grinsen entgegen.
"Guten Morgen, Elinwen. Gut geschlafen?", fragte sie mich heiter.
"Guten Morgen. Ja, sehr gut danke.", antwortete ich und grinste sie an. Ich wusste auch nicht so Recht, aber sie hatte so ein ansteckendes Grinsen das mich dazu verlieh mitzugrinsen. Ich kam mir vor, als hätten wir beide ein peinliches Geheimnis, von dem wir aber keinem etwas erzählen durften.
"Ich wollte dich fragen, ob du vielleicht Lust hättest heute mit mir auszureiten? Das Wetter ist so schön und außerdem ist hier alles so einengend", sagte sie.
"Ich würde sehr gerne mitkommen, nur weiss ich nicht ob Rebecca heute weitere Vorbereitungen für ihre Hochzeit treffen möchte. Da muss ich wahrscheinlich dabei sein ...", sagte ich etwas wehleidig.
"Aber Alessa ist doch auch noch da! Und ich denke Rebecca wird es bestimmt einmal verkraften, wenn du nicht bei den Vorbereitungen dabei bist. Wir können sie ja gemeinsam überreden, was hälst du davon?", fragte sie.
"Wir können es ja einmal versuchen", willigte ich ein.
"Gut! Dann los, gehen wir sie suchen!", sagte sie, packte mich an meiner Hand und zog mich mit sich.
Wir suchten fast über eine halbe Stunde, bis wir Rebecca endlich gefunden hatten. Und tatsächlich war sie schon so in ihren Vorbereitungen für ihre Hochzeit vertieft, dass sie gleich ohne einen Kompromiss einwilligte mich für heute von den Vorbereitungen zu befreien. Ich staunte zu erst darüber, freute mich aber dennoch gleichzeitig einen schönen Tag mit Helyanwe verbringen zu können. So machten wir uns beide gleich auf zum Stall, sattelten uns zwei Pferde und ritten ein Stück weit in den Wald hinein.
"Ich kenne einen schönen Platz, da können wir hinreiten, ungefähr eine halbe bis dreiviertel Stunde entfernt von unserem Hof.", sagte sie und fügte hinzu: "Ich freue mich wirklich, dass Rebecca es dir erlaubt hat mitzukommen. Weisst du, du warst mir gestern Abend gleich sympathisch. Denn normalerweise bin ich nämlich nicht sehr extrovertiert ..."
Ich wusste zu erst gar nicht was ich darauf antworten sollte, schließlich sagte ich: "Oh, danke. Wenn ich ehrlich bin Helyanwe, warst du mir auch sehr sympathisch."
Sie antwortete mir, indem sie mir ein warmes Lächeln schenkte. Ich fühlte mich, als würde ich sie schon ewig kennen. Schweigend ritten wir weiter, bis wir an den besagten Platz ankamen. Wir stiegen ab und ließen die Pferde an den kleinen Bach, der durch den Wald floss, laufen. Glücklicherweise hatte Helyanwe an alles gedacht, und breitete eine Decke aus, auf der wir uns beide niederlassen konnten.
"Es ist wirklich schön hier", sagte ich.
"Ich komme immer hier her, wenn ich Zeit zum nachdenken oder Abstand vom Hof brauche.", meinte sie nachdenklich.
Wir redeten über vieles und mehr und mehr kam es mir so vor, als würden Helyanwe und ich uns schon ewig kennen. Als wären wir schon seit langer Zeit gute Freundinnen. Zwar war sie das gesamte Gegenteil von mir in Sachen Vergesslich- und Tollpatschigkeit, doch hatten wir so ziemlich die gleichen Interessen und Vorstellungen. Wir saßen lange am Bach und redeten über so viele Dinge, dass sie mir so vertraut war das ich ihr vieles über mich erzählte und sie es ebenso tat. Es war schon fast Nachmittag, als Helyanwe meinte:
"Elinwen, ich muss leider schon wieder gehen, da ich am Hof erwartet werde. Ich unterrichte junge Elbenmädchen in Standardtänzen. Wenn du möchtest kannst du noch hier bleiben, die Pferde finden den Weg zurück an den Hof von alleine.", schlug sie vor.
"Wenn es dir nichts ausmacht, würde ich sehr gerne noch ein klein wenig hier bleiben", sagte ich.
"Natürlich, kein Problem! Ich habe mich übrigens sehr gefreut mit dir hier zu sein, ich konnte schon lange nicht mehr so vertraut mit jemandem reden. Ich hoffe wir können das bald einmal wiederholen!", sagte sie mit einem freudigen Lächeln auf den Lippen.
"Sehr gerne sogar, mir geht es nämlich genauso", sagte ich und als Abschied umarmten wir uns.
"Wir sehen uns ja dann heute Abend beim Essen!", sagte sie, stieg auf ihr Pferd und ritt davon.
Nun bin ich also alleine! Was für ein Glück, dass ich mein Buch noch mitgenommen habe - jetzt kann ich es immerhin fertig lesen. Ich vertiefte mich einmal wieder in mein Buch und wie so oft verlor ich den Überblick über meine Umwelt, so bekam ich auch nichts mit wie sich das Pferd erschreckte und einfach davon galoppierte. Leider zu spät, sprang ich auf und wollte dem Pferd hinter her - doch es galoppierte direkten Weges gen Süden in Richtung Thranduils Hof. Na, klasse! Das kann doch wirklich nicht wahr sein, wieso muss dieses blöde Mistvieh sich auch erschrecken und einfach davon galoppieren! Jetzt kann ich den ganzen Weg zum Hof zurück laufen. Ich war mehr als wütend, also setzte ich mich zuerst wieder auf die Decke um wieder Herr meiner Gedanken zu werden. So, Elinwen. Jetzt einmal scharf nachdenken, wie war doch noch gleich der Weg zurück zum Hof ...? Doch er wollte mir partout nicht einfallen! Ich stand kurz vor einer Art Wutanfall und Heulkrampf zu gleich. Ich werde hier elendig zu Grunde gehen!, dachte ich. Als ich plötzlich Pferdehufen vernehmen konnte. Mein Pferd? Hat es vielleicht Erbarmen mit mir und kommt zurück ...?
