Gefangene der Angst
Mißtrauen
Pierre schien einen Brieffreund zu haben. Warum auch immer, Pierre erhielt regelmäßig Briefe, manchmal sogar ein Paket, und schrieb pflichtschuldigst zurück. Seine Briefe waren immer an P.F.E. Bertrand adressiert und er schickte seine Antworten an ein Postfach mit einer Nummer ohne Namen in Paris. Dies fiel zwar auf, insbesondere der Vicomte fand das merkwürdig, allerdings sprach niemand ihn darauf an.
Christine bestand darauf, in der Ballsaison einen Ball zu geben. "Aber keinen Maskenball, jede Form der Verkleidung verboten, sonst könnten wir ja gleich Erik einladen", sagte sie und machte sich daran, eine Gästeliste zusammenzustellen. Dubois, der Namen und Adressen aller Personen von Rang und Namen in einer sorgfältigen Kartei aufbewahrte, half ihr dabei.
"Haben wir irgendjemand vergessen?" fragte sie Dubois und Pierre - der sich wieder einmal einmischen musste - antwortete: "Den Polizeichef, seinen Stellvertreter und dessen Assistent." "Wieso sollten wir die einladen?" fragte Raoul erstaunt, der gerade Marie auf seinem Schoss hielt und mit ihr spielte. "Man weiß nie, wann man nicht einen Gefallen von der Polizei, einen wohlwollenden Bericht oder eine Zeugenbefragung in amikaler Atmosphäre braucht. Sie sollten sie einladen, schon allein deshalb, weil Sie dann herausfinden können, welche kleinen Gefallen Sie denen tun können."
"Ich hoffe nur, Marie hat das nicht gehört", seufzte der Vicomte, "Geben Sie mir da gerade eine Anleitung, Polizeibeamte zu korrumpieren?" "Aber nein", widersprach Pierre, "Von Korruption redet keiner nur von einem guten Miteinander und kleinen Freundlichkeiten. Mit dem Gerichtspräsidenten haben Sie das doch sehr gut hingekriegt, aber das reicht nicht, die ersten am Tatort sind die Polizisten und was da schiefgeht, ist nachher schwer zu korrigieren, auch bei einem generösen Richter." "Was habe ich?" fragte Raoul erstaunt.
"Der Gerichtspräsident, dem Sie die Eigenjagd zu einem Spottpreis verpachten?" versuchte Pierre ihm auf die Sprünge zu helfen. "Das ist der Gerichtspräsident? Der freundliche ältere Herr, der sich über die Jagdeinladung so gefreut hat?" "Das wussten Sie nicht?" fragte Pierre amüsiert, "Und ich dachte, das wäre Strategie..." Jetzt platzte Dubois der Kragen: "Können Sie nicht einmal etwas ohne Hinterlist tun? Und das gerade jetzt, wo ich anfange, Sie für einen Menschen zu halten." Dubois ging, um sich um die Einladungskarten zu kümmern. Der Blick, den er Pierre im Vorbeigehen zuwarf, ließ deutlich erkennen, dass er ihm am liebsten ins Gesicht gespuckt hätte. Pierre knirschte mit den Zähnen und versuchte so zu tun, als hätte er das nicht bemerkt.
"Sie kennen das Problem", verteidigte sich Pierre, "Und wir hatten schon einmal eine Leiche im Chateau. Beim nächsten Mal sollten wir besser vorbereitet sein." "Beim nächsten Mal?" fragte Christine entsetzt. "Ich hoffe ja auch, dass es kein nächstes Mal gibt, aber man kann nie vorsichtig genug sein", lenkte Pierre ein, "Und dann will ich lieber Notwehr im Polizeibericht lesen als Mord. Wenn der Angreifer der Einzige ist, der was abbekommt, dann ist Notwehr nicht so einfach zu beweisen."
In dem Moment forderte Marie: "Lala" "Ist gut, Mariechen, ich singe für dich", sagte Christine, die es schön fand, dass Marie Musik mochte. "Nein, Er lala, Er lala", sagte Maire. Mir Er war Pierre gemeint, Marie verkürzte die meisten Namen auf die letzte Silbe des Namens. Aus Babette wurde Et, aus Yvonne, dem Kindermädchen, On und aus Pierre eben Er.
"Na gut, was willst du spielen?" fragte Pierre. "Nicht lala, lala! Lala, nicht lala!" beharrte Marie weinerlich. Raoul hielt sie auf seinem Schoss und versuchte sie zu beruhigen. "Er spielt ja gleich mit dir."
"Ich glaube, sie meint etwas anderes", erklärte Christine, "Lala mit Betonung auf der ersten Silbe heißt spielen, Betonung auf der zweiten Silbe... heißt singen." Plötzlich starrten alle Pierre an. "Ich kann aber nicht singen", sagte Pierre achselzuckend, "Was? Was starren Sie mich plötzlich so an?" Christine schüttelte den Kopf und sagte: "Tut mir leid. Ich bin nur etwas angespannt, das ist alles. Liegt wohl an der Schwangerschaft, ich hab solche Angst, dass dem Baby etwas passiert. Die Angst spielt mir einen Streich."
Pierre entschuldigte sich und verließ den Raum. Marie begann zu weinen und wurde erst ruhiger, als Christine ihr ein Kinderlied vorsang.
Die Planung des Balles war denkbar kompliziert. Pierre hätte am liebsten die Gäste im Chateau eingesperrt aber Raoul bestand darauf, dass die Hunde im Torwärterhaus eingesperrt wurden. "Wenn Sie sich solche Sorgen machen, ziehen Sie einen Frack an und nehmen am Ball teil, dann sind Sie in unserer Nähe." "Kommt nicht in Frage. Ich gehöre nicht dazu und werde in der Küche sein, wie es sich für Personal gehört", antwortete Pierre. Der Vicomte war gekränkt. "Sie sind mehr ein Freund der Familie als Personal", sagte er, "Und wenn Sie versprechen, sich zu benehmen, sehe ich kein Problem." "Ich schon", widersprach Pierre, "Ich kann das nicht." Plötzlich bemerkte Raoul, dass Pierre nervös wirkte. "Sie haben Angst, oder?" fragte er und Pierre biss sich auf die Lippe und schwieg. "Ich werde Sie zu nichts zwingen", gab Raoul nach, "Aber wovor haben Sie Angst?" "Ich fühle mich in feinen Gesellschaften generell unwohl, weil es da Spielregeln gibt, die ich einfach nicht verstehe."
Der Ball erwies sich als hervorragende Idee, denn schon im Vorfeld entspannte Christine sich sichtlich. Je mehr Menschen da waren und he mehr Betriebsamkeit herrschte, desto weniger Angst vor Erik hatte sie.
Der Ball war ein glänzender Erfolg, neben den Pariser Bällen wirkte er matt und blass, neben den Provinzbällen jedoch als glanzvoller Höhepunkt.
Am Tag vor dem Ball ging Raoul zur Küche, um mit Babette die Menüfolge zu besprechen. Eigentlich war das die Aufgabe der Hausherrin aber die konnte aktuell nicht einmal das Wort Essen hören, weil ihr wieder übel war. Die Küchentür stand einen kleinen Spalt offen und er sah, dass Pierre rittlings auf einem Stuhl saß, die Arme auf die Lehne gestützt, den Kopf auf die Arme gelegt. Neben ihm lagen die drei Hunde. Raoul sah sie nur von hinten, denn alle vier - und in dem Moment hatte der Vicomte wirklich den Eindruck, es wären vier große graue struppige Hunde - sahen in Richtung Anrichte, wo vermutlich Babette stand und irgendetwas arbeitete, was aber außerhalb von Raouls Blickfeld lag.
"Irgendwann wirst du es ihnen sagen müssen", sagte Babette und Raoul blieb still stehen. Es war ganz und gar nicht seine Art zu lauschen, aber er konnte ja zumindest kurz warten, bevor er eintrat. "Ich weiß" seufzte Pierre. Kleine Fleischbrocken flogen in Richtung der Hunde, die sie geschickt in der Luft auffingen und fast erwartete Raoul, dass auch irgendwas zu Pierre fliegen würde.
"So kann das nicht weitergehen", fuhr Babette ernst fort. Pierre widersprach: "Warum nicht? Es geht ja irgendwie." "Tut es nicht. Dir bricht jedes Mal der Schweiß aus, wenn du Post bekommst. Diesmal hast du dich ganz alleine schachmatt gesetzt", beharrte Babette, "Wie fühlt es sich an, jedes Mal Angst vor dem Briefträger zu haben?" Pierre knurrte. Er knurrte wirklich wie ein Hund.
"Wenn du schweigst, spielst du ihm in die Hände", gab die Köchin zu bedenken und dem Geräusch nach begann sie Kräuter zu hacken. "Ich habe nur drei Möglichkeiten", gab Pierre resigniert zu, "Ich kann ihn umbringen, aber das habe ich beim letzten Mal einfach nicht über mich gebracht..." "Worüber ich froh bin", unterbrach die Köchin streng. "...oder ich mache weiter wie bisher oder ich räume den Tresor aus, schnappe mir ein Pferd und mache mich aus dem Staub." "Was hindert dich?" "Ich kann nicht. Der Gedanke, Marie nie wieder zu sehen, ist unerträglich."
Raoul hielt den Atem an. Er hätte Pierre keinen Raub zugetraut, aber Pierre dachte anscheinend sehr konkret darüber nach. Andererseits hatte er den Gedanken ja wieder verworfen...
"Wie fühlt sich das an, am anderen Ende zu sitzen?" fragte Babette und Pierre schüttelte sich. "Besch***. Er genießt das, das weiß ich." "Dann tu endlich was und mach den Mund auf." "Ich kann nicht!" schrie Pierre und dann waren beide eine Weile still. Nur das Schaben des Küchenmessers war zu hören.
"Schweigen ist in dem Fall auch verlogen", mahnte Babette. "Komm du mir nicht mit Moral, weißt du überhaupt, wer die Väter deiner Kinder sind?" wehrte sich Pierre, dann duckte er sich geschickt unter einem Küchenmesser weg, das sich hinter ihm in die Wand bohrte. "Als Messerwerferin bist du eine komplette Fehlbesetzung!" zischte Pierre und die drei Hunde verzogen sich in ein anderes Eck der Küche, als er aufstand und aus Raouls Blickfeld verschwand, "Bleib lieber bei der Bratpfanne." "Die kriegst du gleich über den Schädel!" "Ach ja?" "Ja hmmmpf..."
Raoul beschloss, seine Anwesenheit bemerkbar zu machen und betrat die Küche. Sofort wurde er von den Hunden mit freudigem Gebell begrüßt und Pierre und Babette sprangen auseinander, als hätten sie sich gerade aneinander verbrannt. "Ich wollte nicht stören", sagte der Vicomte etwas verlegen, als er sah, wie die Köchin rot anlief und Pierre schwer atmend mit dem Gesicht zur Wand dastand. Pierre fuhr sich mit beiden Händen übers Gesicht, dann drehte er sich zu Raoul um.
"Was haben Sie gehört?" fragte Pierre und seine Stimme klang beinahe schrill. "Dass Sie erpresst werden und darüber nachgedacht haben, mich zu berauben", antwortete der Vicomte streng. "O Gott", stöhnte Pierre auf und hielt sich an einem der Kästen fest, "Bitte, Monsieur, das würde ich nie tun. Es stimmt, in meiner Verzweiflung habe ich darüber nachgedacht aber... Sie haben es sicher gehört, ich würde es nie tun." "Wegen Marie", schränkte Raoul ein. Pierre trat verlegen von einem Fuß auf den anderen und sah zu Boden. "Bekomme ich eine Antwort?" fragte Raoul und Pierre begann stotternd: "Wenn... wenn... aber es ist nicht so... vielleicht... ich... Verdammt Babette, sag doch was!"
"Ich? Die Suppe hast du dir eingebrockt, mein Lieber, die löffelst du selber aus!" sagte Babette streng, als wäre Pierre ein unfolgsames Kind und Raoul der gestrenge Lehrer. "Ja, ich hab darüber nachgedacht. Aber ich werde es nicht tun", sagte Pierre fest, "Ich werde Ihnen und Ihrer Familie kein Leid zufügen." Der Vicomte überlegte eine Weile, dann sagte er: "Die Sache ist nicht vom Tisch, aber hat Zeit bis nach dem Ball. Babette, was ist für das Menü geplant?"
Der Ball fand wie geplant und - für den Vicomte überraschend - ohne Zwischenfälle statt und er konnte mit seiner Frau endlich ein paar unbeschwerte Stunden verbringen.
Am nächsten Tag rief Raoul Pierre in sein Büro und stellte ihn zur Rede. Pierre stand da, etwas geduckt und ließ den Kopf hängen. Der Vicomte saß in seinem Sessel hinter dem Schreibtisch. "Also, Monsieur Bertrand, was haben Sie mir zu sagen?" begann Raoul. Pierre brummte irgendetwas in seinen Bart. "Bitte?" fragte Raoul und Pierre schüttelte den Kopf. "Machen Sie es uns doch nicht so schwer!" ärgerte sich Raoul, "Wir wissen beide, dass ich einen Teil Ihres Gesprächs mit Babette gehört habe, ich weiß, dass Sie erpresst werden und sogar darüber nachgedacht haben, den Erpresser umzubringen oder mich zu berauben und mit dem Geld zu fliehen." Pierre nickte und ballte die Hände zu Fäusten.
"Ich muss wissen, ob jetzt ein Sicherheitsrisiko vorliegt", Raoul betonte das Wort Sicherheitsrisiko besonders, war das doch eines von Pierres Lieblingswörtern. "Nein", sagte Pierre fest, "Keinerlei Risiko." "Sie werden erpresst. Das ist schon ein Risiko", wandte Raoul ein. "Aber nur für mich, nicht für Sie." "Dann reden Sie darüber, Monsieur Bertrand, machen Sie den Mund auf und sagen die Wahrheit. Anders kann ich nicht wissen was los ist und müsste den Fall der Polizei melden, damit die herausfinden, was Sache ist", sagte Raoul.
"Bitte keine Polizei", bat Pierre. "Setzen Sie sich und hören Sie auf herumzuzappeln!" sagte der Vicomte strenger als er es geplant hatte. Pierre setzte sich und schwieg, wobei er an seinen Fingernägeln kaute. Irgendwie erweckte er den Eindruck eines kleinen Schulkindes, dass eine vergessene Schularbeit zu beichten hat.
"Also, von wem werden Sie erpresst?" begann Raoul das Verhör. "Von dem selben Mann, den ich treffen musste", antwortete Pierre ausweichend. Raoul verdrehte die Augen: "Machen Sie es doch nicht so schwer - wer ist es und womit erpresst er Sie? Was will er?" "Soll ich es einfach erzählen?" "Ich bitte darum."
Pierre seufzte: "Also gut. Es ist der selbe Mann, den ich neulich treffen musste." "Der, dessen Sohn Sie getötet haben?" "Genau der. Er... er hat etwas gegen mich in der Hand, wenn er damit zu den richtigen Leuten geht, bin ich so gut wie tot. Er hat mich aufgespürt, wie er mich hier gefunden hat, weiß ich nicht, aber er wollte mich treffen. Ich bin zu dem Treffen gegangen, fest entschlossen, ihn einfach zu erschießen. Und genau das konnte ich nicht. Ich hatte ihn im Visier, aber ich konnte es nicht. Das ist mir noch nie passiert, dass ich einfach nicht töten konnte. Also habe ich mit ihm gesprochen, wie er es wollte. Er wollte, dass ich ihm für sein Schweigen den Schlüssel gebe und ich habe mich ihm unterworfen. Da ich ihn nicht töten konnte, hatte ich keine Wahl." "Was für einen Schlüssel?" fragte der Vicomte. "Ich habe ein Kellerabteil in der Nähe von Paris, dort sind Sachen von mir. Er hat jetzt fast meine gesamte persönliche Habe. In dem Paket, das er mir geschickt hat, waren persönliche Gegenstände von mir."
"Was will er denn noch, wenn Sie ihm alles schon überlassen haben?" fragte Raoul. "Es ging nie um Geld", antwortete Pierre, "Niemals. Er verlangt von mir, dass ich ihm Fragen beantworte. Die schickt er mir, ich schreibe meine Antworten dazu und schicke den Brief zurück. Dann kommen irgendwann die nächsten Fragen und ich muss antworten. Es ist wie ein Kreuzverhör, allerdings per Post."
Raoul überlegte und gab dann zu bedenken: "Je mehr Sie ihm sagen, desto mehr verstricken Sie sich selber, haben Sie daran schon gedacht?" Pierre seufzte: "Er stellt keine Fragen, die mich zwingen, mich selbst zu belasten. Ich glaube, er will mich einfach wissen lassen, dass er da ist und dass ich ihn nicht loswerde bis einer von uns stirbt."
Beide schwiegen und dachten nach. Schließlich fragte Raoul: "Warum haben Sie seinen Sohn umgebracht?" Pierre zuckte zusammen und überlegte ganz offensichtlich seine Antwort sehr sorgfältig. "Wir waren auf der selben Seite, damals. Sein Sohn war mein Freund. Als er... verwundet... war... konnte ich ihm nicht mehr helfen, aber ich konnte ihn auch nicht seinem Schicksal überlassen. Also habe ich ihm das Leben genommen, um ihn vor Schlimmerem zu bewahren. Der Vater hat das nie überwunden. Seitdem ist er hinter mir her. Ich glaube, er will einfach, dass ich niemals vergessen kann, was ich getan habe." "Das ist krank", sagte Raoul, "Andererseits wenn ich denke, dass jemand Marie..." Der Vicomte schauderte, dann fuhr er fort: "Aber auch irgendwo verständlich. Sind Sie sicher, dass er Ihnen nichts tun wird?" "Absolut. Wenn er gewollt hätte, hätte er mich schon vor Jahren umgebracht."
Wieder schwiegen beide. "Und was machen wir jetzt?" fragte Raoul. Pierre seufzte: "Wenn ich das wüsste. Ich kann eigentlich nichts anderes tun, als mich ihm beugen und seine blöden Briefe beantworten, so sehr ich es hasse. So lang er nicht mehr von mir verlangt, werde ich kein Risiko eingehen." "Das meinte ich nicht", sagte Raoul streng, "Sie haben ernsthaft überlegt, mich zu berauben." Pierre zuckte zusammen. "Ja, habe ich", gestand er, "Aber ich werde es nicht tun. Ich... manchmal nehme ich Zigaretten, Wein oder sogar Cognac, aber... sicher kein Geld, keine Wertsachen. Kleinigkeiten, von denen Sie mir die meisten sowieso erlaubt haben. Ich würde alles tun, um hierbleiben zu können. Hier ist es... friedlich." Das Wort friedlich betonte er, als ob es seine Vorstellung vom Paradies wäre.
"Friedlich?" Raoul starrte ihn mit großen Augen an, "Friedlich? Sie sind hier, um einen wahnsinnigen Angreifer von uns fern zu halten und Sie finden es hier friedlich?" "Vielleicht haben wir einfach andere Maßstäbe", räumte Pierre ein.
"Was bleibt ist, dass Sie ernsthaft darüber nachgedacht haben, mich zu berauben. So etwas nehme ich sehr persönlich", sagte der Vicomte und verzog das Gesicht, "Sie haben mein Vertrauen verspielt und wie gedenken Sie das zu lösen?" "Ich... ich wollte nicht, dass Sie es erfahren..." stammelte Pierre, "Ich habe es Babette gestanden, Sie haben uns nur heimlich belauscht." "Machen Sie nicht mir einen Vorwurf daraus", wies ihn der Vicomte zurecht, "Sie haben ernsthaft darüber nachgedacht. Sie hätten mich beraubt und wären geflohen. Wie soll ich Ihnen da je wieder vertrauen?"
"Ich habe es nicht GETAN", widersprach Pierre, "Daran gedacht habe ich, ja, und wenn ich es tatsächlich gewollt hätte, wäre ich schon über alle Berge. Es zählt einzig das, was ich tue. Beurteilen Sie mich danach." Raoul lächelte bei dieser Antwort. Dann sagte er: "Also schön, Sie haben gewonnen. Ich bin bereit, so zu tun als ob ich das Gespräch nie belauscht hätte. Aber seien Sie versichert, dass ich Ihnen ab jetzt genauer auf die Finger schauen werde."
