Kapitel Neun: Die Wetten

Hermine hatte gewusst, dass, sobald die Nachrichten über die Reinen Erwachsenen die allgemeine Bevölkerung erreichten, die Reaktion stark sein würde, aber nichts hatte sie auf die Realität vorbereitet.

Die Spekulationen in der Zeitung waren schon vom Prinzip her nervig. Der Prophet hatte einen neuen Tiefpunkt erreicht und eine Ausgabe mit kleinen Bildern jedes Siebtklässlers gedruckt, und so jedermann dazu eingeladen, wild über deren Sexleben zu spekulieren. Alle möglichen Menschen, die sie nie getroffen hatten, stellten unüberlegte und schlecht informierte Vermutungen an, und der Prophet zählte die Stimmen aus. Hermine versuchte, nicht auf diesen Ergebnissen zu verharren, die sich mit jeder neuen, bescheuerten Theorie wild veränderten.

Sehr viel schlimmer waren die Spekulationen in der Schule. Nicht einmal das erste Quidditchspiel des Jahres – in dem Hufflepuff Ravenclaw besiegte – lenkte die Leute von ihrer neuen Beschäftigung ab. Gerüchte flogen umher, und die Schüler verglichen sie hier nicht nur, sie wetteten darauf. Über Nacht war so etwas wie ein Wettbüro entstanden, und sie, Neville Longbottom, Millicent Bulstrode, Vincent Crabbe, Gregory Goyle, Vera Moon und Morag MacDougal wurden als wahrscheinlichste Jungfrauen gewertet.

Es schien keinen Schüler in der Schule zu geben, der nicht versuchte herauszufinden, wer mit wem geschlafen hatte, und Hermine fand es extrem verstörend, dass Elfjährige sie nach ihren Sexualpartnern befragten. Da sie unter denen war, die als am wahrscheinlichsten Rein eingeschätzt wurden, wurde sie die ganze Zeit belästigt und schließlich fing sie an, Hauspunkte abzuziehen, anstatt nur damit zu drohen, damit die Leute sie in Ruhe ließen. Es gab viele bittere Bemerkungen darüber, dass ihre schlechte Laune offensichtlich zeigte, dass sie nicht flach gelegt wurde, und sie presste ihren Kiefer zusammen und dachte an all die Flüche, die sie nicht auf die nervigen Blagen um sie herum anwenden würde.

Gerüchte waren über jeden Schüler in jedem Haus entstanden, und auch wenn es quasi unmöglich wahr, Wahrheit und Lügen voneinander zu trennen, einigten sich die Leute auf einige, wie sie fanden mehr oder weniger zuverlässige, Tatsachen.

Tracey Davis hatte sich als Tratschtante Slytherins erwiesen, und wenn man ihr Glauben schenkte – auch wenn ihre Wahrhaftigkeit nicht einfach als gegeben hingenommen werden konnte – dann waren Pansy und Draco vom Haken, genau wie Blaise Zabini und Daphne Greengrass, und Tracey selbst mit Theodore Nott.

Theodore Nott, so schien es, war nicht sehr wählerisch in seinen Partnerinnen, und hatte Zeit mit der Hälfte der Slytherin-Mädchen, der Hälfte der Ravenclaw-Mädchen – was Lisa Turpin und Bronwyn Tyne von der Liste des Ordens eliminieren würde – und sogar Lavender Brown verbracht, zumindest laut den Gerüchten. Christopher Dempster hatte verlegen zugegeben, Nächte mit Lisa Turpin und Susan Bones verbracht zu haben.

Seamus wurde feuerrot, als er derjenige war, der verkündete, dass Crabbe und Goyle definitiv keine Jungfrauen waren. Bei einer Aktion im sechsten Schuljahr waren riesige Mengen Feuerwhiskey geflossen, und das war alles, was Hermine sich angehört hatte.

Ginny, mit einem Blick in ihren Augen, der jedem einen Flederwicht-Fluch versprach, der zweifeln oder sie aufziehen würde, hatte für Nevilles sexuelle Vergangenheit gebürgt. Hermine glaubte ihr nicht, wie es sich fügte, aber wollte Neville dazu gratulieren, dass er jemanden gefunden hatte, der ihm ein Alibi verschaffte. Mit wem auch immer er geschlafen hatte war offensichtlich nicht für die Öffentlichkeit bestimmt, und eine mögliche Alternative war wirklich die einzige Art, Leute dazu zu bringen, sich zurückzuziehen. Simon Slade und Morag MacDougal hatten zusammen zugegeben, dass sie auch keine Jungfrau mehr war.

Montagmorgen waren Hermine, Millicent und Vera in einem erstarkten Malstrom der Spekulation übrig geblieben, und Hermine war schon vom Grundsatz her genervt, dass die Auswahl irgendwie auf drei durchschnittliche und ruhige Mädchen verringert worden war, die verdammt noch mal nicht darüber tratschen wollten. Die drei – alle scheinbar gleich sturköpfig – wiederholten immer wieder, dass nein, sie keine Jungfrauen waren, aber dass es niemandem etwas anging, mit wem sie geschlafen hatten.

Sie wiederholten diese Worte immer und immer wieder, aber die Menschen schienen ein Geständnis irgendeiner Art zu hören, als sei es unmöglich, dass sie schlicht ihre Privatsphäre schützen wollten. Aber selbst die Neugierigsten mit ihrer löchrigen Logik sahen ein, dass es nicht alle drei sein konnten, und so ließ niemand locker.

Hermine hatte keine Ahnung, mit wem Millicent geschlafen hatte, und auch niemand sonst schien eine Idee zu haben. Unbegründete Gerüchte hatten die Slytherin mit Crabbe und Goyle in Verbindung gebracht, aber die beiden nahmen sich am Montag die Zeit, alle Beziehung mit ihr abzustreiten; ein Mensch zu sein, die zwischen der Öffentlichkeit und ihrer Begierde standen, die Reinen Erwachsenen zu finden, war im Moment keine angenehme Position.

Was Vera anging hatte Hermine einen Verdacht, den niemand sonst zu teilen schien. Sie würde niemals willentlich verantwortlich dafür sein, eine Beziehung zu enthüllen, wenn deren Beteiligte offensichtlich wünschten sie geheim zu halten, also behielt sie ihren Verdacht für sich.

Es war ein paar Tage nach Beginn des Wintersemesters letztes Jahr gewesen. Anwesenheit in der Bibliothek war noch nicht auf normaler Ebene angekommen, und sogar Hermine hatte sie einige Stunden früher verlassen. Sie musste aber für ein Buch, das sie vergessen hatte, zurückgehen und in einer stillen Ecke der scheinbar verlassenen Bibliothek hatte sie Vera und Daphne Greengrass entdeckt.

Sie hatten sie nicht gesehen, so vertieft waren sie in ihre Bücher, aber Hermine war es schwer gefallen, ihre Körpersprache als etwas anderes als intim einzustufen. Es war nicht explizit oder unangemessen, aber die Art und Weise, wie sie sich über ihrer geteilten Lektüre aneinander drückten, mit Daphnes Kinn auf Veras Schulter, hatte von großer Vertrautheit gesprochen. Es war möglich, dass sie schlicht gute Freunde waren, aber Hermine hatte während der letzten fünfeinhalb Jahre nicht einmal gesehen, dass sie einander auch nur gegrüßt hatten, und so vermutete sie eine versteckte Beziehung.

Angesichts des Stigmas dagegen, dass Slytherins sich mit Hufflepuffs oder Gryffindors trafen, machte Hermine ihnen keinen Vorwurf, dass sie es für sich behielten. Sie hätte gerne ihre Unterstützung dafür, dass sie es gegen alle Widerstände schafften, gezeigt, aber sie hatte gewusst, dass solch eine Einmischung eher nicht gut angekommen wäre.

Stattdessen hatte sie still ihr Buch geholt und die Tür auf dem Rückweg so verhext, dass ein lautes Knarren die Ankunft von jedem anderen ankündigen würde, sodass die Mädchen genug Zeit hätten, sich zu trennen und angemessen zu verhalten.

Wenn Daphne die einzige Person war, mit der Vera in Hogwarts geschlafen hatte, dann gab es für sie keine sichere Antwort, die die Leute dazu bringen würde, sie in Ruhe zu lassen. Millicent hatte wahrscheinlich das gleiche Problem. Oder vielleicht dachten sie einfach nicht, dass es jemand anderen etwas anging, so wie Hermine es tat. Wenn das nur eine Option wäre.

Die drei Mädchen waren nicht die einzigen, die Aufmerksamkeit abbekamen. Es gab ein wachsendes Interesse daran, wer Harrys erstes Mal gewesen war. Niemand schien zu glauben, dass er eine Jungfrau sein könnte, aber sie wollten einen Namen und hatten Probleme damit einen zu finden. Parvati hatte alle Gerüchte über ein Verhältnis während des Weihnachtsballes im Keim erstickt. Mehrere Ravenclaws hatten Cho Chang Eulen geschickt, und sie hatte ihnen gerne mitgeteilt, was für ein unbefriedigender Freund er gewesen war. Die Nachricht war netterweise an den Prophet gesickert und in der morgendlichen Zeitung abgedruckt worden.

Es gab einige Leute, die auf Ginny setzten, aber als sie Harrys Beispiel gefolgt war, und sich weigerte, es in die eine oder andere Richtung zu bestätigen, schien der Konsens, dass – angesichts ihrer Offenheit über Neville – wenn sie wirklich mit Harry geschlafen hätte, sie es bereits zugegeben hätte.

Hermine wusste, dass sie und Harry ihre Beziehung lieber früher als später zugeben sollten, aber sie zögerte, diesen letzten Schritt zu gehen. Es lag nicht einmal an dem Chaos, das folgen würde. Sie glaubte wirklich, dass es niemanden etwas anging, mit wem sie geschlafen hatte. Sie hasste es, angestarrt und bewertet und ausgefragt zu werden, und sie wollte nicht so wirken, als würde sie nachgeben. Wenn nicht viel mehr davon abhinge, dann hätte sie kein Problem damit, ihnen allen zu sagen, wohin sie es sich stecken konnten, und kein weiteres Wort über die Sache zu verlieren.

Harry, wie Hermine, erklärte jedem, dass sie sich um ihre eigenen Angelegenheiten kümmern sollten; die Leute waren beinahe so aggressiv mit ihm wie mit ihr und schienen zu glauben, dass, da er eine öffentliche Ikone war, sie ein Recht darauf hatten, von seinem Liebesleben zu erfahren.

Die beiden versuchten stur, so etwas wie Normalität in dem Chaos zu bewahren, und es half, dass ihr Training mit Severus am Wochenende wieder begonnen hatte, vor dem Quidditchspiel am Samstagmorgen. Hermine hatte sicher gestellt, dass sie die ganze Zeit über höflich und auf respektvoller Distanz blieb. Sie dachte, dass Severus ebenfalls distanziert erschien, aber da sie es durch das Treffen geschafft hatten, ohne dass jemand Punkte verlor oder sie sich gegenseitig anschrien, fand sie, dass es ziemlich gut lief. Harry gab ihnen ab und zu merkwürdige Blicke, aber tat ansonsten so, als hätte er keine Abweichungen zu sonst bemerkt, und es war beinahe so, wie es sein sollte.

Montagnachmittag fiel Ron auf, dass er die Antworten nicht kannte, die die Anderen so beharrlich suchten. Und er schien ganz entschieden der Meinung zu sein, dass ihre übliche Antwort, es gehe niemanden etwas an, nicht auf ihn zutreffen konnte.

„Komm schon, du kannst es mir erzählen." Es war jetzt vier Uhr, und sie befanden sich auf dem dritten Stock, als sie von Zauberkunst auf dem Weg zum Abendessen waren. Er versuchte noch immer, ihnen ihre Geheimnisse zu entlocken – und tat, als sei ihre Zurückhaltung vollkommen unfair.

„Ich werde es nicht sagen, Ron", sagte Harry ungehalten.

Er war seit Stunden so gelöchert worden und inzwischen völlig entnervt; ihre Gefühle waren identisch.

„'Mine." Er wandte sich an sie, als würde ihr Antwort sich von der unterscheiden, die sie vor zwei Minuten gegeben hatte. „Es war Krum, oder? Du kannst es mir erzählen."

Nicht einmal das Ältere Futhark aufzusagen half.

„Welchen Teil von 'Es geht dich nichts an' kannst du nicht verstehen?", blaffte sie. „Ich werde dir nicht sagen, mit wem ich geschlafen habe, egal wie oft du fragst! Kannst du das nicht in deinen dicken Schädel hineinbekommen?"

Sie hatten den zweiten Stock passiert und näherten sich dem Erdgeschoss.

Er sah verletzt aus. Das einzig Gute, angesichts ihrer Situation, war, dass ihm nie einzufallen schien, dass sie eine der Jungfrauen sein könnte; wenn sie es wäre, dann hätte sie es garantiert sofort bei dem Treffen des Ordens gesagt, wie die gehorsame kleine Mitläuferin, von der er sicher schien, dass sie es war.

Plötzlich grinste er spöttisch. „Es war Neville, oder? Das ist peinlich, aber -"

Wenn sie Bluthochdruck bekam, dann war Ronald Weasley der einzige Grund. Sie war sicher, dass sie nicht hören wollte, wie er den Satz beenden würde. Sie wollte auch nicht, dass es irgendjemand sonst hörte, und sie kamen nun in eine dichtbevölkerte Gegend, da viele andere Schüler zum Abendessen gingen.

„Wenn es Neville wäre, dann wäre das nicht peinlich", brachte sie heraus und fragte sich, wie stark sie den Kiefer zusammendrücken konnte, bevor ihre Zähne brachen. „Es ginge dich jedoch weiterhin Überhaupt. Nichts. An!"

Er hatte den Nerv, seine Augen zu verdrehen. „Du bist unmöglich." Er klang genervt und drehte sich von ihr weg. „Also, Harry, war es Fleur?"

Die seinen Bruder heiratet!, stieß Hermine hervor. Sie musste ihre Emotionen ausdrücken, aber hatte gemerkt, dass es kein Nehrwert hatte, sie Ron mitzuteilen.

Du würdest verstehen, wenn ich ihn umbringe, oder?, fragte sie hoffnungsvoll, der verzweifelte Unterton in ihrer Stimme nur zum größten Teil vorgetäuscht.

Ich helfe dir verdammt noch mal dabei, sagte er bösartig.

„Es geht dich nichts an, Ron", antwortete Harry fest.

Der Rotschopf warf seine Hände in die Luft. „Hört euch beiden doch zu! Jeder würde denken, dass ihr beide gevögelt hättet!"

Sie blieben stumm.

Verdammt, fluchte sie leise. Es hatte geschehen müssen, aber dies war nicht ihre Wahl, was Methode und Ort anging. Und es geht los.

Drei. Harry begann den Countdown. Zwei. Eins.

Ron blieb wie angewurzelt stehen und wirbelte herum, um sie anzusehen. „Sagt mir, dass ihr zwei nicht miteinander geschlafen habt."

Sie tauschten Blicke, und Hermine gab sich beste Mühe: „Ron, das hier ist nicht der beste Ort, das zu besprechen."

Sie hätte genauso gut nichts sagen können. Seine nächste Frage war deutlich lauter und erregte die Aufmerksamkeit von jedem in ihrer Umgebung. „Habt ihr zwei gevögelt?"

„Ron", zischte Hermine.

„Verfluchte Hölle! Wie konntet ihr beide Sex haben?"

„Ganz normal, bin ich sicher", erwiderte Harry steif.

„Aber wie konntet ihr nichts sagen?", verlangte Ron.

„Ich mache mir nicht die Gewohnheit, von meinen Küssen zu erzählen."

„Ach nein?" Rons Gesichtsfarbe biss sich schrecklich mit seinem Haar. „Ich scheine mich daran zu erinnern, alles über Chos Kuss erfahren zu haben, nachdem der passiert ist!"

„Das ist eine Redensart, Ron." Harrys Gereiztheit mit dem ganzen Gespräch drückte sich dadurch aus, dass er herablassend zu reden begann. „Nur weil ich meinen ersten Kuss erwähnt habe, heißt das nicht, dass ich geplant habe, mein erstes Mal mit allen zu teilen. Warum bist du so wütend? Es ist nicht so, als hättest du jemals Interesse an Hermine gezeigt."

„Naja, wenn ich gewusst hätte, dass ich die Milch bekommen kann, ohne die Kuh zu kaufen -!", fauchte Ron.

Diejenigen, die keinen Hehl daraus machten, dass sie zuhörten, sogen gesammelt Luft ein.

Hermine klammerte sich an Harrys Arm und bohrte ihre Nägel so sehr ein, dass sie bestimmt die Haut verletzten. Anspannung ging beinahe sichtbar von ihm aus.

Wag es ja nicht, das hier schlimmer zu machen. Willst du Albus oder Minerva erklären, warum ihr zwei euch wie Hooligans geprügelt habt?

Er entspannte sich ansatzweise, und sie lockerte ihren Griff.

Sie hob ihr Kinn und sah Ron eisig an, auch wenn sie die Hitze des Errötens bis in ihre Stirn fühlte. „Meine 'Milch' ist nicht für einfach jeden verfügbar." Er schaffte es, irgendwie, noch röter zu werden, ganz offensichtlich völlig gewahr, dass sie ihn damit beleidigte. Sie wandte sich an den Gryffindor an ihrer Seite und lächelte. „Harry, ich würde jetzt gern zum Abendessen gehen."

Da sie sich bereits an ihm festhielt, wenn auch aus einem anderen Grund, war es ein Leichtes für ihn, ihren Arm um seinen zu legen, und er führte sie gehorsam in die Große Halle, wobei keiner von beiden zurück zu Ron schaute.

Hermine war sicher, dass die Neuigkeiten jedem Schüler telepathisch mitgeteilt worden waren, bevor sie sich hingesetzt hatten. Vielleicht hatte Rons Stimme einfach so weit getragen. Die anderen Schüler renkten sich beinahe die Köpfe aus, als sie ihre Hälse so weit wie möglich reckten, um einen Blick auf sie und Harry am Gryffindortisch zu erhaschen. Sie hatten sich an das Ende neben dem Hohen Tisch gesetzt, da das die Chancen verkleinerte, dass jemand – wie, zum Beispiel, Ron - einen Aufstand in der Mitte des Essens verursachen würde.

Dieser, noch immer mit roten Ohren, hatte sich einen Teil der Bank am anderen Ende des Tisches zu eigen gemacht, und starrte finster vor sich hin. So weit es Hermine betraf, konnte er dort hinten versauern. Jetzt, da die Gefahr einer möglichen Flurkatastrophe abgewandt war, konnte sie um ihrer selbst Willen wütend werden. Sie zu beschuldigen „sich mit dem Feind zu verbünden", als sie mit Viktor Krum zum Weihnachtsball gegangen war, war schon schlimm genug gewesen, aber sie so laut wie möglich und vor der halben Schule als wertlose Schlampe zu bezeichnen, das war noch etwas anderes. [11]

Denn Harry hatte ganz richtig gesagt, dass Ron nie einen Versuch um sie unternommen hatte. Er hatte sie nie um ein Date gebeten, oder mehr getan, als sich über ihre Wahlen auszulassen. Er hatte sich bewiesenermaßen frei dazu gefühlt, seine Nächte in Betten anderer Leute zu verbringen – so wie französische Austauschschüler und Hermines Zimmernachbarinnen – aber sie konnte keinen eigenen Entscheidungen treffen, ohne böse von ihm beleidigt zu werden.

Er hatte diejenigen als Menschen, mit denen sie hätte schlafen können, ausgewählt, derer sie sich seiner Meinung nach schämen sollte, und als ihre wirkliche – vorgetäuschte – Wahl nicht mit seinen vorgefassten Meinungen in Einklang zu bringen war, hatte er die Frechheit, sie leicht zu nennen!

Es half wirklich nicht gegen ihren Jähzorn oder den windenden Schmerz, der sich in ihr festsetzte, dass sie nicht sehr viele Möglichkeiten oder Angebote gehabt hatte und dass sie tatsächlich noch eine Jungfrau war.

Einer der wenigen engen Freunde, die sie in der Schule besaß, und er hatte gesagt, dass sie den Aufwand nicht wert war. Dass er nur an sie gedacht hätte, wenn er gewusst hätte, dass er sie vögeln konnte und sonst nichts mit ihr zu tun haben brauchte.

Ich könnte ihn vergiften, während er schläft.

Harry und Hermine wechselten kleine Lächeln ob dieses ungewöhnlichen Vorschlags von Albus' Intimus.

Dürfen Phönixe Menschen vergiften?, fragte Harry neugierig.

Wir können tun, was immer wir möchten, erwiderte der Phönix erhaben. Nach einem Augenblick gab er zu: Das ist aber vielleicht keine häufige Entscheidung.

Danke für das Angebot, sagte Hermine mit einem Seufzen. Ich werde weiter daran arbeiten, meine Gefühle zu überwachen.

Ein mentales Kopfschütteln. Ich habe mal geraten; ich musste nicht in deinen Kopf sehen, um zu wissen, dass du genervt sein würdest.

Aber leider, wenn wir jeden vergiften würden, der mich nervt, dann würde die magische Bevölkerung binnen kürzester Zeit ausgelöscht werden. Du willst nicht für die Zerstörung der magischen Welt verantwortlich sein, oder?

Harry schnaubte in seinem Kopf. Von Rons Vergiftung zum Ende der magischen Welt. Ich weiß, dass die Weasleys zahlreich sind, aber das ist ein beängstigender Sprung.

Sie zog einen geistigen, ungehaltenen Schmollmund, und protestierte, Harry, ich weigere mich strikt dagegen, ihn mir als Vater der magischen Welt vorzustellen, und muss mir bei dem Gedanken jetzt vielleicht mein Gehirn auswaschen.

Dabei würde ich gerne zusehen, warf Fawkes munter ein.

Sie lachte mental. Okay, Mission erfüllt. Ich fühle mich jetzt viel besser. Ist das Abendessen vorbei?

Es würde von den meisten Menschen wahrscheinlich höchstens als halb vorbei angesehen werden, und Harrys Teller war noch immer fast voll, aber er bestätigte ihr augenblicklich, dass die Mahlzeit auf jeden Fall beendet war.

Als Harry verdächtigt worden war, der Erbe Slytherins zu sein, waren die meisten Schüler wenigstens zu ängstlich gewesen, ihn anzusehen. Hermine hatte kein besonderes Begehr, unter einer Lupe zu essen.

Es gab einen wahrnehmbaren Abfall in der Geräuschkulisse, als sie aufstanden. Alle Augen schienen auf ihnen zu kleben.

Bieten wir ihnen eine Schau?, fragte Harry.

Ja, bitte.

Harry hielt ihr seine Hand hin und sie ergriff sie sofort. Sie sahen weder nach links noch nach rechts, als sie aus dem Raum schlenderten und an Ron vorbeigingen, ohne zu überprüfen, wie er reagierte. Als sie die Türschwelle überschritten hatten, schien es, als wäre ein Bann gebrochen worden; der Lärmanstieg machte sie froh, dass sie sich davon machten. Sie hörten nicht auf zu gehen oder ihre Hände zu halten, bis sie in der Sicherheit ihrer eigenen Räume waren.

„Also", bemerkte Harry, „das hätte besser laufen können."

„Meinst du?", sagte sie sarkastisch. „Überlass es Ron, es zu dem ungünstigstem Augenblick anzusprechen und nicht ruhen zu lassen."

Harry zögerte einen Moment lang. „Das war, was wir wollten, oder? Dass die Schule von uns erfährt?"

Sie seufzte. „Dass die Schule von uns erfährt, ja. Dass Ron mich in der Mitte des Flurs eine billige Kuh nennt, nicht wirklich."

Harry zog ein Gesicht gespielter Verwirrung, die Augen unnatürlich groß. „Das war nicht, was wir wollten? Ich schätze, dann hätte ich die Ereignisse des Abends nicht ganz so planen sollen, hm?"

Sie war eine Hexe, und noch dazu eine, die Magie ohne Zauberstab beherrschte, also musste sie nicht einen Finger bewegen, um eines der dekorativen Sofakissen auf ihn zu werfen. Sein Schild war etwas zu enthusiastisch, und das Kissen verschmorte bei dem Kontakt.

Sie zog ihre Augenbrauen hoch.

Er zuckte abwehrend mit den Schultern. „Es erschien mir als gute Idee. Stellt sicher, dass keine Gegenstände abprallen, die aus Versehen jemanden auf meiner Seite der Schlacht verletzen könnten."

Sie nickte. „Es war eine gute Absicht. Ich bin nur nicht sicher, dass unser Kissen eine große Gefahr dargestellt hätte."

Er zog seine Nase kraus, bevor er zugab: „In diesem Fall war es vielleicht etwas zu viel. Magst du mit zur anderen Seite des Zimmers gehen und gefährlichere Geschosse auf mich abfeuern?"

Hermine, die sich nur zu gern ablenken lassen wollte, willigte ein, und so legten sie ihre Umhänge ab, begaben sich auf die andere Hälfte des Raumes und fingen an. Harrys Schild eignete sich ausgezeichnet dazu, Steine und andere Geschosse zu zerstören. Es gab ein Mittelfeld von Zaubern, die beinahe zu stark waren; anstatt zu zerfließen, trafen die Zauber den Schild, verharrten einen Moment, und prallten dann in unvorhersehbaren Winkeln ab, was es ein wenig gefährlich machte, es zu verwenden, wenn Freunde in der Nähe waren, die getroffen werden konnten. Als Hermine den Schild mit mehreren starken Zaubern gleichzeitig überlastete, explodierten diese in einem blenden grellen Lichtblitz nach außen, der etwas erschreckend war.

Von ihrem Kampf verschwitzt aber angenehm energiegeladen, ließen sie sich wieder auf die Couch fallen.

„Es wird auf jeden Fall funktionieren, wenn man alleine oder in einer kleinen Gruppe ist", bemerkte Hermine. „Nicht", beeilte sie sich hinzuzufügen, „dass ich es auf irgendeine Weise befürworten würden, wenn du alleine davon rennst."

Er lächelte. „Notfälle scheinen mich ungeachtet meiner Absichten zu finden; ich behalte es für diese ungeplanten Szenarien im Kopf."

„Einverstanden", sagte sie fröhlich, bevor sie aufstand, um ihren Umhang aufzuheben.

Bereits zu Beginn hatte Harry akzeptiert, dass Unordnung in ihrem Gemeinschaftsraum nicht länger toleriert wurde als notwendig; ihre Besitztümer konnten herum liegen, während sie sie brauchten, aber danach sollte sofort aufgeräumt werden.

Hannah und Ernie wurden angekündigt, und nachdem sie die Schultern zuckte, winkte Harry die Tür offen.

Die zwei Hufflepuffs blinzelten die beiden Gryffindors an.

„Wir können später wiederkommen", sagte Ernie sofort.

Da sie gerade erst gekommen waren, war das eine merkwürdige Aussage.

„Braucht ihr nicht", sagte Hermine und warf Harry Umhang in sein Zimmer. Was er in seinem eigenen Raum tat, ging sie nichts an.

„Wir nehmen an, dass ihr aus einem guten Grund jetzt hier seid", fügte Harry hinzu, und Hermine war beeindruckt davon, wie mild er den Gedanken ausgedrückt hatte.

Hannah ging bereits wieder rückwärts aus dem Raum. „Nein, wirklich, es war nicht so wichtig. Wir reden morgen mit euch."

Und sie waren verschwunden.

„Das war … merkwürdig", erklärte Hermine.

Harry sah zu ihr hinüber und begann auf einmal, breit zu grinsen. Sie zog fragend ihre Augenbrauen hoch.

„Du siehst ganz verschwitzt aus, 'Mine."

„Genau wie du", erklärte sie unbeeindruckt. „Und gleich werden wir beide duschen gehen."

„Du hast gerade unsere abgelegten Umhänge aufgesammelt und meinen mit großer Vertrautheit in mein Zimmer gelegt."

„Ja. Und?"

„Was denkst du, dass Ernie und Hannah dachten, was wir getan haben, bevor sie hier ankamen?" Harry grinste so breit, als würde er gleich platzen.

Sie erkannte den Zusammenhang, und sie konnte nicht glauben, dass sie nicht verstanden hatte, warum den beiden Hufflepuffs so unbehaglich zu Mute gewesen war. Sie fiel wieder neben ihn aufs Sofa, ihr eigener Umhang noch in ihrer Hand.

Sie war sowohl amüsiert als auch entsetzt. „Die ganze Schule wird es in ein paar Minuten gehört haben, oder?"

„Wir scheinen nicht viel tun zu müssen, um die Gerüchte um unsere Beziehung anzufeuern. Ich würde wetten, dass die Leute es jetzt schon als unumstößliche Tatsache ansehen."

„Es scheint wirklich beängstigend einfach zu sein, die große Masse hier zu täuschen", stimmte Hermine zu. „Natürlich muss ich nur an den Erben Slytherins denken, und dann merke ich, dass Präzedenzfälle existieren."

Harry schnitt eine Grimasse, als er an den Abschnitt seiner Schullaufbahn erinnert wurde. „Zumindest wird deswegen niemand gemieden."

Hermine lachte kurz auf. „Sprich für dich selbst. Ich werde fertig gemacht werden." Ihr Temperament milderte sich sofort, als sie sah, wie aufgebracht Harry deswegen aussah. „Ich hätte offensichtlich Hinweise verteilen müssen, damit all die eifrigen Mädchen und Jungen dich besser hätten kennen lernen können. Vielleicht hätte ich sogar ein Buch schreiben sollen."

Einer seiner Mundwinkel zog sich nach oben. „Ich bin sicher, das hätte geholfen, ja."

„Du lässt mich wissen, wenn dein Leben zu langweilig wird, dann mache ich mich sofort daran." Sie zwang sich vom Sofa auf. „Okay. Ich muss duschen gehen, damit ich mich an den Wolfsbann machen kann."

„Es wäre schrecklich, wenn du Remus beichten müsstest, dass du seinen Trank nicht rechtzeitig fertig bekommen hast, weil wir über unser falsches Liebesleben geredet haben. Geh los."

Sie fühlte sich sehr viel fröhlicher, als sie fand dass die Situation an sich verlangte, und nahm eine schnelle, effiziente Dusche, bevor sie ins Labor ging um weiter an der Basis zu arbeiten, die sie am Morgen begonnen hatte.

Harry hatte ihr Labor letzte Woche gesehen, nachdem er vorsichtige Sorgen ausgedrückt hatte, dass sie so viel Zeit in ihrem Schlafzimmer verbrachte. Sie hatte nicht überlegt, wie es für ihn aussehen musste, und sich beeilt ihm zu versichern, dass ihre Gewohnheiten sich nicht geändert hatten, nur der Ort, an dem sie diesen nachging.

Sie war außerordentlich erfreut, dass er das Auftauchen des Labors und ihre Verlagerung dorthin einfach hinnahm, und keine der heiklen Fragen stellte, die er offensichtlich dachte. Er konnte ein wirklich außerordentlich guter Freund sein.


In der Aufregung um das Outing ihrer Beziehung mit Harry hatte Hermine nicht sofort die Folgen bedacht, die es auf Andere haben würde. Soweit es den Rest der magischen Welt betraf, hatten sie und Harry den Akt vollzogen, und somit blieben nur noch Vera und Millicent über, was der Prophet am Dienstagmorgen sehr geschmacklos verkündete.

Es gab eine merkwürdige Aufteilung der Aufmerksamkeit. Hermine hätte gedacht, dass die beiden Reinen Erwachsenen zu finden die einzige Tatsache war, die Nachrichten und Gerüchte verdiente. Und doch fanden ein großer Anteil der Menschen die Zeit, über sie und Harry zu reden, und Theorien über ihre Beziehung aufzustellen. Die Verleumdungen schienen erst richtig begonnen zu haben, unbeeindruckt von anderen wichtigen Informationen.

Hermine bekam von einem guten Teil der weiblichen Bevölkerung Hogwarts die kalte Schulter. Die männlichen Interessenten hatten entweder entschieden, dass es nicht ihre Schuld war, dass Harry Frauen mochte, oder sie versteckten ihre Abneigung einfach besser. Bis jetzt hatte Hermine bereits mehrere wilde Theorien über ihr und Harrys erstes Mal gehört: dass sie zu der Zeit Schularbeiten erledigt und Harrys Taten gar nicht bemerkt hätte, dass sie ein Sexhandbuch gelesen hätte, während sie miteinander schliefen, um sicher zu gehen, dass sie es richtig machten, und dass sie danach Harry eine Note gegeben hätte, mit einer genauen Bewertung jedes Schrittes des Akts.

Wenigstens half ihr Zorn darüber, wie lächerlich die Theorien waren dabei, ihre verletzten Gefühle beiseite zu schieben. Sie wusste, dass deren Meinungen nicht zählen sollten, aber jetzt spekulierte nicht nur jeder über ihr Sexleben, sie weigerten sich noch immer, sie als etwas anderes zu sehen als das Gehirn von Gryffindor.

Harry hatte säuerlich angemerkt, dass für einen Haufen Mädchen, die sich so für ihn empörten, sie bemerkenswert beleidigend waren, was sein Urteilsvermögen und seine Fähigkeiten anbelangte. Er bekam viele Angebote, „es ihm besser zu besorgen", die ihn ob des Klischees die Augen rollen ließen.

Es gab sogar eine Petition, die die beiden zwingen sollte, in unterschiedliche Räumlichkeiten zu ziehen. Albus hatte die im Kern erstickt, und jeden daran erinnert, dass alle volljährigen Schüler einvernehmliche Beziehungen führen durften, so lange sie sich angemessen verhielten.

Angesichts Severus' momentaner Laune war Hermine überrascht, dass der Mann nicht zum Schulleiter gegangen war und sich beschwert hatte, dass die beiden zusammen im Bett gefunden worden waren, aber vielleicht war er nicht gewillt zuzugeben, dass er sich die Zeit genommen hatte, sich nach dem Angriff an Halloween um Harry zu sorgen. Was auch immer der Grund sein mochte, er war stumm geblieben, und so waren ihre Räume in Sicherheit. Es war alles sehr nervig, aber nicht unerträglich.

Die Augenblicke, in denen die Schüler nicht über Harry und Hermine nachdachten, waren damit gefüllt, sich mit ihren anderen beiden Zielen zu beschäftigen. Millicent und Vera wollten noch immer nicht zugeben, wer ihre Partner waren oder gewesen waren, und das überzeugte viele Leute davon, dass die Mädchen logen und einfach nur die Aufmerksamkeit von sich ablenken wollten.

Einige Schüler – vielleicht die selben, die es bei ihr und Harry versucht hatten – hatten anscheinend angestrebt, Millicent aus den Kerkern verbannen zu lassen, und gaben vor, sich Sorgen zu machen, dass Voldemort versuchen würde, sie in die Finger zu bekommen, wenn sie in ihrem eigenen Haus blieb. Albus erinnerte sie alle streng daran, dass alle Schüler aller Häuser beschützt wurden. Was auch immer das heißen mochte. Weder Millicent noch Vera verbrachten viel Zeit alleine, und Hermine konnte es ihnen nicht wirklich verübeln, sich Sorgen zu machen.

Es gab nun viel einschmeichelndes Verhalten um sie herum, als ob die Leute sich auf ihre gute Seite stellen wollten oder sich vielleicht als potentielle Partner anboten. Auch wenn sie eine Slytherin war, nahm Millicent, wie Vera, nichts davon an. Auf jede Frage antworteten sie, dass sie in der Tat keine Jungfrauen waren, und dass sie sich zufälligerweise auch gerade nicht nach irgendwelchen Partnern umsahen.

Auf diese Aussage wurde mit höflicher und weniger höflicher Ungläubigkeit von quasi jedem reagiert, aber Hermine hoffte, dass sie jegliche ernste Gegenreaktionen verhindern würde, wenn die Wahrheit ans Licht kam. Solange Millicent und Vera einen Reinen Zustand stets geradeheraus verneinten, konnte ihnen niemand den Vorwurf machen, dass sie die Situation zu ihrem Vorteil genutzt hätten oder sich als etwas darstellten, das sie nicht waren.

Der Prophet, der seit der Dienstagsausgabe, die erklärt hatte, dass Hermine aus dem Rennen war und somit Millicent und Vera die de facto Gewinner, keine aufregenden Neuigkeiten über die Reinen Erwachsenen hatte, hatte das Jahr des Trimagischen Turniers wieder hervorgekramt. Kimmkorn war dieses Mal vorsichtiger und hatte nichts völlig Verleumderisches gesagt, aber die Frau war noch immer eine abgebrühte Reporterin, und sie erwähnte die „vereinzelten Gerüchte" und „alten Neuigkeiten" so häufig wie möglich.

Insgesamt bezweifelte Hermine, dass ihr das viel mehr Todesblicke einbringen konnte, als sie bereits erhielt. Briefe an den Herausgeber zeigten, dass Viktor nun viel Mitleid erhielt, denn offensichtlich war sie damals wirklich mit Harry zusammen gewesen, und hatte den Internationalen Sucher nur benutzt, um den Gryffindor eifersüchtig zu machen.

Da Viktor noch immer in Bulgarien war und sie sich seit dem vierten Schuljahr nicht mehr als ein paar Minuten gesehen hatten, würde er sich wahrscheinlich schlapp lachen, sollte ihm jemand die Artikel schicken... Sie machte eine mentale Notiz, sie abzusenden, sobald es genügend gab, denn irgendjemand sollte von dem ganzen Fiasko etwas haben.

Ihre Beziehung, abweichend von der populären Meinung, war nie über Freundschaft hinausgegangen. Viktor hatte einmal angedeutet, dass er mehr nicht abgeneigt wäre, aber sie war zu jung gewesen, als sie sich das erste Mal getroffen hatten, und er war ein Gentleman gewesen. Dass sich ihm ein ganzes Jahr Schülerinnen an den Hals warfen, war anscheinend eine anstrengende Erfahrung, und ein vernünftiges Mädchen war genau das, wonach er gesucht hatte; sie konnten reden, aber er musste sich keine Sorgen machen, dass sie ein Aufheben um ihn machen und ihn ablenken würde, oder ihn nach ein paar Monaten beschuldigen würde, sie geschwängert und dann sie und das Kind im Stich gelassen zu haben.

Sie waren per Eulen in Kontakt geblieben, aber da es so viele kriegsbedingte Neuigkeiten gab, über die sie nicht sprechen konnte, waren die Briefe nie allzu persönlich. Sie berichtete von der Schule, und stellte sicher, dass sie nie zu theoretisch würde um ihn nicht abzuhängen, und er tat das gleiche für sie mit Quidditch. Wenn Ron jemals gemerkt hätte, wie viel Quidditchtheorie in den Briefen stand, dann hätte sie sie wohl niemals lesen, geschweige denn behalten können.

Während Ron sich lange genug hatte zusammen reißen können, um Viktor am Ende des Schuljahres um ein Autogramm bitten zu können, schien dies das größte Zugeständnis zu sein, das der Rothaarige machen konnte; abgesehen von seinen fiesen Fragen im Bezug auf den Aufruhr um die Reinen Erwachsenen hatte er nicht ein einziges Mal nach ihrer Beziehung mit Viktor gefragt, und sie hatte nicht vor ihn aufzuklären. Es schien merkwürdig, dass sie diejenige von den Dreien war, die einen internationalen Quidditchstar zum Freund hatte, aber so war es nun einmal.

Sie würde Viktor immer dankbar sein, denn er hatte ihr, im Nachhinein zumindest, klar gemacht, dass sie von Severus angezogen war. Sie war Viktors körperlichem Charme nicht gänzlich abgeneigt gewesen, und mehrere Jahre lang hatte dieses Wissen an ihr genagt, denn er war nicht schrecklich attraktiv. Als Quidditchheld epischen Ausmaßes würde er weibliche Gesellschaft nie missen müssen, und er war gut gebaut, aber ansonsten war er nicht sehr bemerkenswert; auf dem Boden wirkte er düster und unbeholfen.

Hermine dachte gerne, dass sie ihre Beziehungen auf Merkmale aufbauen würde, die nicht nur oberflächlich waren, und hier hatte ihr Verstand immer verharrt. Viktor war keinesfalls dumm, aber er zog Sport der Schule vor, und dementsprechend hatte sein Verstand sie auch nicht angezogen. Woher kam es also dann?

Sie hatte es endlich verstanden, als sie Severus an dem Morgen nach der hässlichen Cruciatus-Folter im sechsten Schuljahr hatte schlafen sehen. Was sie zu Viktor hingezogen hatte, waren die körperlichen Merkmale, die Severus ähnelten, den sie nicht bewusst als attraktiv anzusehen wagte. Sobald sie es sich eingestanden hatte, war die Wahrheit so offensichtlich erschienen, dass sie nicht verstehen konnte, wie sie es nicht früher schon verstanden hatte. Severus hatte dunkle Haare und eine große Nase, er war blass und häufig eher grimmig, und all diese Teile bildeten das Ganze – das sie sehr mochte. Oder meistens mochte; es war schwerer ihn zu mögen, wenn er sich wie ein komplettes Arschloch verhielt.

Was für einen Waffenstillstand sie während des Trainings am Wochenende auch gehabt haben mochten war verschwunden, und Severus genoss sichtlich jedes bisschen Schmerz, das er ihnen während der Woche bereiten konnte. Das Treffen am Dienstag hatte geendet, als Severus schlicht den Raum verlassen hatte und nicht wiedergekehrt war. Sie und Harry hatten fast vierzig Minuten gewartet um sicher zu stellen, dass er wirklich nicht zurück kehrte. Sie wussten noch immer nicht, was sie getan hatten, um ihn zu beleidigen.

Am Mittwoch schien der Hauslehrer von Slytherin entschlossen zu sein, ihr abgebrochenes Training des Vortages wett zu machen, denn er griff sie gnadenlos an.

Schließlich, als Harry von seinem Zusammenstoß mit der Wand beinahe ohnmächtig geworden war und sie entwaffnet worden war, warf sie sich vor ihn und fing den Haut-Verbrennungs-Fluch ab, den Severus auf den am Boden liegenden Gryffindor gefeuert hatte. Zauberstablose Schild-Zauber brauchten viel Kraft, und an diesem Punkt war sie sicher, dass sie keinen mehr ausführen konnte.

Severus beendete den Zauber – was weitere Verletzungen verhinderte, aber nichts an dem bereits entstandenen Schaden änderte – und starrte sie finster und mit unverkennbarer Abneigung an.

„Überlass es einer Gryffindor, zur Rettung zu eilen, wenn sie sich nicht verteidigen kann."

Hermine stand auf und presste ihren Kiefer zusammen, um keinen Laut auszustoßen, als sie die beschädigte Haut über ihrem Bauch, ihrer Seite und ihrem rechten Arm dehnte.

Ihre Stimme war kühl. „Es besteht kein Zweifel, dass ich willens bin, sein Leben über meines zu stellen."

„Hermine", protestierte Harry. Er klang von dem Schlag seines Schädels gegen die Wand noch immer mehr als ein bisschen außer sich. Wenn ihre Polsterungs-Zauber nicht gewesen wären, dann wäre er vermutlich bewusstlos. „Diese dumme Prophezeiung ist dein Leben nicht wert."

Sie lächelte traurig als sie ihm mit ihrem guten Arm auf die Füße half. „Du glaubst nicht wirklich, dass ich es deshalb tue, oder?" Er sah sie verständnislos an, und sie murmelte liebevoll: „Idiot. Ich beschütze dich, weil ich dich liebe."

Er blinzelte sie mit unmöglich grünen Augen an. Er sah auf einmal sehr jung aus.

„Oh."

Anscheinend hatte keiner von beiden sich je die Zeit genommen, die Situation für ihn zu klären.

„Es gibt jedoch viele von uns, deren einzige Sorge die Zerstörung des Dunklen Lords ist."

Sie knurrte beinahe, aber Harrys Lippen zogen sich nach oben und seine Stimme war ruhig und ehrlich, als er dem Professor antwortete, der ein paar Meter entfernt von ihnen noch immer finster dreinblickte. „Ich wäre schockiert zu erfahren, dass dem nicht so wäre, Sir."

Severus' Gesichtsausdruck blieb säuerlich, und sein Tonfall war beißend: „Da ihr beide offensichtlich aussichtslose Fälle seid, ist das alles für heute Abend."

Harry rief ihren Zauberstab für sie herbei und hielt ihn ihr wortlos hin. Sie lächelte als Dank und steckte ihn zurück in seine Scheide, wobei sie unfreiwillig zusammenzuckte, als das ihren Arm reizte. Die Augen des Gryffindors verengten sich.

„Er hat dich mit dem Fluch erwischt, mit dem letzten", sagte Harry argwöhnisch.

„Natürlich hat er das." Sie verdrehte die Augen. „Das war das Ziel."

Harrys Lippen wurden schmaler. „Warum hast du nichts gesagt?"

Sie seufzte. „Ich wollte mich darum kümmern, sobald wir zurück in unseren Zimmern sind."

„Wenn das Unbehagen zu viel für dich ist, Miss Granger, dann sollte es direkt behandelt werden."

Warum musste jedes Wort aus seinem Mund so spöttisch sein?

„Ich habe keinen Zweifel, dass ich überleben werde, bis ich in meinem Zimmer ankomme", antwortete sie steif.

Harrys Gesichtsausdruck war steinern geworden. „Aber du solltest es nicht müssen. Wir können uns jetzt darum kümmern, und es sagt nichts über deine Schmerztoleranz oder etwas ähnlich Bescheuertes aus."

Ihre Lippen zuckten. „Das war nicht meine Hauptsorge, Harry. Ich habe keine Brand-Salbe dabei, also ist eine Voraussetzung, dass wir in unserer Quartier zurückkehren."

„Aber Snape ist Meister der Zaubertränke."

„Ich kenne Professor Snapes Beruf, aber das heißt nicht, dass er mit Brand-Salbe in der Tasche herumläuft. Außer du misstraust der Wirksamkeit der Charge, die ich gebraut habe?"

Er schnitt eine Grimasse. „Du weißt, dass ich alles trinken würde, das du mir gibst."

„Was in diesem Fall ein Fehler wäre, da sie auf die Haut aufgetragen wird."

Er schnitt eine neue Grimasse. „Du weißt, was ich meine. Muss ich den Umhang von deinem Arm reißen, damit ich den Schaden sehe?"

„Ich würde den Versuch nicht unbedingt empfehlen", sagte sie ausdruckslos. Er sah sie nur weiter an. „Oh, na schön", willigte sie ungnädig ein und begann, ihren Umhang abzulegen.

„Da Mr. Potter scheinbar entschlossen ist, dich zum Ausziehen zu bewegen, werde ich die Salbe holen."

Sie würdigte dies nicht mit einer verbalen Antwort, und nickte nur steif. Severus stolzierte mit heftig wehendem Umhang davon.

Sie streifte das schwarze Kleidungsstück ab und sah auf ihren Pullover hinab. Er war dünn und relativ eng anliegend. Wie ihr Umhang war er vollkommen unbeschadet von dem Fluch, der ihre Haut verletzt hatte. Das war die Brillanz des Haut-Verbrennungs-Fluches; er ließ Kleidung völlig unberührt, aber verbrannte alles, was darunter lag. Lange unter dem Fluch gehalten zu werden führte irgendwann zur Bewusstlosigkeit von den Schmerzen, die inneren Organe überhitzten und kochen, und darauf folgte der Tod.

Er war wahrscheinlich, fiel Hermine ein, der Ursprung der Muggelgerüchte von spontaner menschlicher Verbrennung. Sie schauderte bei dem Gedanken, dass er auf wehrlose Muggel angewandt wurde, vor Allem jetzt, da sie genau wusste, wie sehr es weh tat.

Um an all ihre Verletzungen zu gelangen, würde sie den Pullover ausziehen müssen. Egal was alle dachten, fand sie es nicht besonders angenehm, halbnackt vor Harry zu stehen, ganz zu schweigen von Severus. Zumindest, berichtigte sie sich in Gedanken mit höhnischer Belustigung, nicht unter diesen Umständen.

Der Pullover würde also angezogen bleiben, und sie würde nur den Ärmel hochkrempeln. Solange niemand zu viele Fragen stellte, würde das funktionieren.

Sie streckte ihren verletzten Arm aus. „Kannst du vielleicht den Ärmel ein bisschen vergrößern und ihn für mich hochziehen? Ich denke, das ist die schmerzloseste Möglichkeit."

Harry tat wie geheißen, und zog den Stoff vorsichtig nach oben in dem Versuch, ihre verbrannte Haut nicht zu berühren. Sie hörte die Unterbrechung in seiner Atmung, als er die Verbrennung erblickte. Der Zauber hatte sich hauptsächlich vorne und an der Seite getroffen, aber die Ränder des magischen Feuers hatten sich über ihren Arm ausgebreitet und die Unterseite ihres Trizeps, den Ellenbogen und einen Teil des Unterarms berührt. Sie verdrehte sich ein wenig, sah hinunter und verstand Harrys Reaktion.

Es sah aus wie eine schwere Verbrennung zweiten Grades, die Haut war rot, warf Blasen und tat höllisch weh. Die oberflächlich anzuwendende Brand-Salbe würde nicht so viel bringen, wie sie hoffte; wenn ihr Arm so aussah, dann würde ihr Rumpf viel schlimmer sein. Was sie wirklich brauchte war ein Brand-Trank, der von innen heraus wirken würde. Sie ging die Zutaten in ihrem Kopf durch und versuchte auszurechnen, wie lange sie dafür brauchen würde.

Auf ihr Nicken hin, löste Harry die Zauberstabscheide und zog sie so sanft wie möglich von ihrem Arm, und sie biss die Zähne zusammen, damit er nicht merkte, wie sehr es schmerzte.

Severus kam zurück, warf einen Blick auf sie und sagte: „Zieh den Pullover aus."

So viel zu ihrem brillanten Plan. Traurig dachte sie darüber nach, wie häufig Severus die Folgen des Fluches gesehen haben musste, dass er so schnell erkannte, dass ihre Wunde am Arm nur der Rand der Verletzungen war.

Harry empörte sich an ihrer Stelle. „Was?"

„Ich habe nicht ihren Arm getroffen. Ich muss die eigentliche Verletzung sehen."

„Es ist noch schlimmer?", fragte Harry und klang vollkommen entsetzt.

„Der Treffer war auf meinem Oberkörper", gab sie widerwillig zu.

„Dann können wir zu Poppy gehen", sagte Harry streitlustig. „Wir müssen es nicht hier tun."

„Und erzählen ihr was?", fragte Hermine. „Dass jemand mich aus Versehen mit einem Haut-Verbrennungs-Fluch getroffen hat? Ich fürchte, wir müssen mehr Bedacht zeigen."

„Naja, wir könnten -", Harry beäugte ihren Torso misstrauisch.

Ich könnte runter kommen.

Und deine Tränen hierfür verschwenden? Ganz zu schweigen davon, dass sie Severus erklären müssten, warum Fawkes für eine einfache Verbrennung vorbei schaute. Sei nicht töricht. Aber danke für den Gedanken.

Harry runzelte weiter die Stirn und zeigte ihr so, dass Fawkes das Angebot nur ihr gemacht hatte; Harry wäre sofort darauf eingegangen, ungeachtet der Konsequenzen. Am Besten machten sie weiter, bevor ihm die Möglichkeit einfiel. Sie bemühte sich nicht um ihren Zauberstab, sondern dachte schlicht den Zauber, der sie des Pullovers entledigen würde. Genau genommen, sagte sie sich selbst, war es, als trüge sie einen Bikini. Was, zugegeben, sie in dieser Situation niemals tun würde mit den beiden Männern … die sie anstarrten.

Sie sah an sich selbst hinab. Als sie heute Morgen aufgestanden war, hatte sie nicht geplant, nur halb angezogen vor irgendjemandem zu stehen. Ihr BH war weiß, schlicht, und völlig brauchbar, aber das war alles, was man über ihn sagen konnte. Unter den Umständen nahm sie an, dass das besser war als etwas Riskantes mit Spitze. Es erforderte etwas mehr Verdrehen, damit sie den Schaden sehen konnte, den der Zauber angerichtet hatte. Die Haut war nicht nur rot und blasig, sondern an einigen Stellen aufgebrochen, mit kleinen schwarzen Stücken darum.

Die Reaktionen waren jetzt deutlich: Harry sah entsetzt aus, und Severus war völlig ausdruckslos.

„Es sieht schlimmer aus, als es sich anfühlt?", versuchte sie.

„Nächstes Mal wage es ja nicht, vor mich zu springen", sagte Harry entschieden.

„Ich kann meinen Drang, dich zu beschützen, nicht einfach abstellen", widersprach sie.

„Und was ist mit meinem Drang, dich zu beschützen?", wollte er wissen. „Du rennst einfach darüber hinweg, und es scheint dich nicht zu kümmern."

Sie grinste. „Ich schätze, wir müssen es einfach jedes Mal ausfechten, um zu sehen, wer wen beschützen darf. Heute habe ich gewonnen."

„Und solch einen spektakulären Preis gewonnen", unterbrach Severus trocken.

Seine Augen blickten gebannt auf die Verletzung; sie fühlte sich mehr wie ein Käfer unter einem Mikroskop als alles andere, und es schien unwahrscheinlich, dass er überhaupt gemerkt hatte, dass sie eine Frau war, die ohne Oberteil vor ihm stand. Die Mischung aus extremer Erleichterung und extremer Scham hob sich beinahe gegenseitig auf.

Der Slytherin sprach erneut. „Es ist, wie ich vermutet habe."

Er hielt ihr eine Zaubertrankflasche hin. Sie schluckte ihn erleichtert.

„Ich dachte, du hast gesagt, dass die Salbe auf die Haut kommt", sagte Harry stirnrunzelnd.

„Tut sie. Der Brand-Trank ist für … schwerere Verbrennungen."

Harry griff Severus an: „Sie sollten keine solche schmerzhaften Zauber verwenden!"

„Harry", mahnte sie, „es würde uns kaum etwas bringen, den Wabbelbeinfluch abwehren zu üben. So lernen wir." Harry sah noch immer rebellisch aus. „Außer du denkst, dass Professor Snape zu Voldemort gehen könnte, um ihn zu bitten, dass er nur nicht-tödliche Zauber verwendet, weil wir nur die gebt haben, haben wir keine andere Wahl."

Die aggressive Haltung des Gryffindors entspannte sich endlich. „Und vielleicht können wir die Bitte senden, dass der schlangengesichtige Bastard sich einfach selbst umbringt?"

Sie lächelte schwach. „Ja, ich bin sicher, dass, sollte der Professor je lebensmüde sein, er die beiden Vorschläge unterbreiten wird."

Der Trank fing bereits an, Wirkung zu zeigen, und der Schmerz ließ nach.

„Danke sehr, Sir", wandte sie sich an Severus.

Er reichte ihr ein zweites Gefäß, dieses flach und rund.

„Um die völlige Heilung zu beschleunigen. Sobald die Verbrennungen zugeheilt sind, trage die Salbe auf." Er sah zwischen ihr und Harry hin und her. „Ich bin sicher, du wirst kein Problem haben, es auf schwer zu erreichende Stellen aufgetragen zu bekommen."

Gerade wenn sie dachte, dass er sich wieder vernünftig verhielt, machte er so eine Bemerkung. Sie hatte den Brand-Trank als Entschuldigung angesehen, und besser schien es nicht zu werden.

„Ich bin sicher, dass ich es schaffen werde", sagte sie unverbindlich.

„Ich lasse euch dann allein", sagte er tonlos, und bevor Hermine sich eine passende Antwort überlegen konnte, war er fort.

Sie stellte sicher, dass die Privatsphäre-Zauber noch wirkten, beschwor einen Stuhl und versuchte, eine bequeme Sitzposition zu finden. Es schien einfacher zu sein, den Trank seine Arbeit machen zu lassen, bevor sie versuchte, sich wieder anzuziehen und zu ihren Räumen zurückzukehren. Schließlich stellte sie fest, dass es weh tat, wenn sie sich irgendwo beugte, verwandelte den Stuhl in eine Chaiselongue und legte sich hin. So blieb ihre gesamte Haut entspannt und der Schmerz wurde eingeschränkt.

Als Harry sich nach all diesen Veränderungen immer noch nicht bewegte, beschwor sie einen Sessel für ihn und gestikulierte ihn darin hinein.

„Er hätte sich wenigstens entschuldigen können", protestierte Harry, als er endlich saß.

„Er hat mir den Heiltrank gegeben. In dieser Situation war das sehr willkommen, das kannst du mir glauben."

Nicht, dass sie eine herzliche Entschuldigung abgelehnt hätte. Es wäre ziemlich beruhigend zu erfahren, dass er es nicht genoss, ihr weh zu tun. An manchen Tagen war das erschreckend schwierig fest zu stellen.

Harry starrte ihren Oberkörper noch immer an, und sie räusperte sich laut. „Meinst du, dass du deinen Blick lösen könntest?"

Er wurde puterrot, und seine Augen richteten sich sofort auf alles außer sie.

„Es tut mir so leid", brabbelte er. „Ich habe nicht dich angesehen, nur die Verbrennung, weißt du. Ich würde nie deine Privatsphäre verletzen wollen, und ich wollte wirklich nicht, dass du dich unbehaglich fühlst, und ich -"

Sie lachte. „Alles gut, Harry. Ich bin sicher, dass wir beide gleich wenig Vergnügen hieraus ziehen. Du sahst aber wirklich aus, als würdest du etwas Hübsches sehen."

Jetzt, da er begriff, dass sie nur einen Spaß gemacht hatte, erholte er sich so weit, dass er sagen konnte: „Wenn ich weniger schwul wäre, wäre das bestimmt eine wunderbare Gelegenheit, dich zu begaffen."

„Oh, die verlorenen Möglichkeiten", lamentierte sie.

Sie grinsten sich an, und fielen in eine angenehme Stille, aber Harry unterbrach diese ein paar Minuten später mit einer Frage, die sie lieber nicht gehört hätte.

„Wie geht es dir? Ich habe gemerkt, dass die Leute … etwas harsch waren."

Sie dachte, dass sie es besser versteckt hätte.

„So wie zu erwarten war", sagte sie achselzuckend. „Ich wusste immer, dass es den Leuten nicht gefallen würde, und es besänftigt sie irgendwie, sich lächerliche Geschichten auszudenken. Das macht mich zum leichten Ziel, aber ich weiß, dass ich ihren Hohn verkraften kann, und so müssen wir uns keine Sorgen machen, dass unschuldige Ziele angegriffen werden."

„Aber du bist unschuldig, vergiss nicht", erinnerte Harry sie.

„Ich war vorgewarnt, und die Meinung von Leuten, die ich nicht kenne, hat mir nie viel ausgemacht." Das stimmte größtenteils. „Es beschützt uns beide, und das ist die Hauptsache."

„Ich scheine nur viel besser dabei wegzukommen, das ist alles", sagte er langsam.

„Die Leute haben nicht gerade Schlange gestanden, um mit mir zu schlafen, Harry." Mit Mühe rollte sie ihre Augen nicht. „Natürlich ist niemand gereizt, dass du mit mir schläfst."

„Vertrau mir, du willst meine Gruppe nerviger Groupies nicht haben. Ich schätze, dass wir beide auf Idioten stehen, wenn es deinem Typ nichts ausmacht. Draco schert sich auch nicht im Geringsten um dich und mich, und er ist die einzige verdammte Person, bei der es mich freuen würde, wenn er über die Neuigkeiten ungehalten wäre."

Sie legte ihren Kopf in Zustimmung leicht schief. „Vielleicht könnten wir das als Grundlage dafür nehmen, warum wir beide Reine Erwachsene sind: Die Leute, die wir mögen, sind Idioten."

Harry grinste. „Ich bin sicher, dass du eine sehr überzeugende Abhandlung verfassen könntest. Wir könnten es Draco und … wem auch immer du magst anonym zuschicken. Du wirst es mir doch irgendwann sagen, oder?"

„Wenn wir alt und grau sind, sicher", stimmte sie zu, bevor sie das Thema wechselte. „Es ist ziemlich komisch, dass wir die beiden Reinen Erwachsenen sind."

Er zog seine Augenbrauen fragend hoch.

„Denk an all die sogenannten Blutpuristen, die die ganze Zeit von ihrer Reinblütigkeit reden. Es ist keine wirklich offizielle Bezeichnung, und wenn du es logisch betrachtest, dann haben sich alle irgendwann untereinander geheiratet, oder sie wären alle ausgestorben. Wir sind die beiden, die offizielle 'Rein' genannt werden, und wir sind halbblütig und muggelstämmig."

Er lächelte. „Wenn es jemals sicher sein sollte das zu tun, dann sind Lucius Malfoy und Voldemort die ersten Leute, denen wir das erzählen."

Hermine grinste. „Abgemacht."

An diesem Punkt in ihrem Gespräch war ihre Verbrennung so weit geheilt, dass sie keine verletzte Haut mehr hatte, und sie konnten die Brand-Salbe einreiben. Sie trug das meiste selbst auf, aber Harry setzte sich neben sie und rieb die Salbe auf den Teil der Verbrennung, der auf ihren Rücken reichte, und stellte sicher, dass sie keine Stellen ihres Oberkörpers und ihrer Arme ausgelassen hatte.

Sie sahen zu, wie der Schaden der Verbrennung komplett verblasste. Harry hatte die Stirn gerunzelt. Er streckte den Finger aus und strich über die rosafarbene Narbe, die noch da war.

„Warum hat das nicht geheilt?"

Es war stark verblasst, seit sie es erhalten hatte, und war jetzt nur noch eine blasse, rosa Linie aus Narbengewebe, die ihren Oberkörper kreuzte, am weitesten in der Mitte kurz über ihrem Bauchnabel, und die sich an beiden Enden verengte, wo sie ihre Seiten erreichte. Sie war fast zwanzig Zentimeter lang, aber an der schlimmsten Stelle nur wenige Zentimeter breit.

„Es ist keine Verbrennung." Er sah sie fragend an, und sie gab auf. „Es ist von Dolohovs Schneide-Fluch in der Mysteriumsabteilung."

Sein Gesichtsausdruck zeigte, dass er nicht gewusst hatte, dass sie bleibende Narben davongetragen hatte.

„Hermine...", flüsterte er reuig.

Sie schüttelte den Kopf. „Es tut nicht weh. Es stört mich überhaupt nicht. Ich würde es niemals dagegen eintauschen, in der Nacht nicht dort gewesen zu sein."

Es führte nicht gerade zu, dass sie sich besser über ihren Körper fühlte, aber es bestand keine Chance, dass sie Harry das erzählen würde.

„Aber es ist meine Schuld!", rief er mit gequälter Stimme aus.

„Jeder von uns hat die Entscheidung getroffen, in der Nacht dort zu sein", überging sie ihn. „Wir haben die Prophezeiung beschützt. Wir alle haben Verluste erlitten, und wir gehen alle damit um."

Sein Gesicht war überschattet, und sie musste zwei Finger unter seinem Kinn verwenden, damit er sie ansah.

„Darum trainieren wir", fügte sie sanft hinzu. „Darum verwendet Professor Snape heftige Sprüche gegen uns."

Harry runzelte erneut die Stirn, aber sie hatte ihn erfolgreich abgelenkt, da seine nächsten Worte waren: „Behandelt er uns sonst mit Nachsicht?"

„Ich bin nicht sicher. Diese letzten beiden Stunden waren … schwierig. Aber er muss uns härter behandeln, wenn wir besser werden. Vielleicht hat dieses Mal früher dazugelegt, als wir es gewohnt sind."

Er sah zu, wie sie aufstand und ihren Umhang wieder anzog, ohne sich ein Oberteil herauf zu beschwören.

„Ich schätze, du hast recht. Es ist nur... Heute schien es ein bisschen persönlich zu sein, und ich glaube nicht, dass ich in letzter Zeit etwas besonders Nerviges getan habe."

Sie lächelte. „Professor Snapes Verhalten ist schwer vorherzusehen. Wir haben eine Menge Aufmerksamkeit der Medien bekommen."

Harry rollte mit den Augen. „Als ob wir das je wollten, aber du hast recht. Das hat ihn immer gereizt, oder?"

Sie erinnerten sich beide an ihr viertes Schuljahr. Plötzlich grinste Harry.

„Meinst du, wir könnten ein erfolgreiches Gerücht verbreiten, dass eine der Schriftrollen seine ist, und es einfach nur eine sehr lange Verzögerung gab?"

Sie schnaubte vor Lachen. „Ich bezweifle irgendwie, dass das funktionieren würde, aber es ist eine wunderbare Idee. Er könnte all die Aufmerksamkeit bekommen, und wir könnten in Vergessenheit geraten."

Harry seufzte glücklich. „Das wäre schön, oder?"

Sie zog ihn hoch, bevor sie beide Stühle verschwinden ließ. „Schön und unerreichbar. Komm schon. Ich muss den Wolfsbann fertig stellen; Remus wird ihn morgen Abend abholen."

Sie Maskierten sich und kehrten in ihre Räume zurück, wo Hermine Harry eine Gute Nacht wünschte, bevor sie in ihr Labor verschwand. Sobald sie mit dem Wolfsbann fertig war, würde sie etwas Brand-Salbe brauen, da es anscheinend ganz praktisch war, welche zur Hand zu haben.


[11] Dieses Bisschen von Rons Dummheit stammt direkt aus dem Feuerkelch.

Im nächsten Kapitel mischt sich das Ministerium mehrmals ein und Hermine lädt Remus mitten in der Nacht in die Schule ein.