Die Wochen vergingen aufallend unauffällig. Bis auf die Sache mit John und den üblichen Schülervergehen blieb es ruhig. Kein Basilisk. Keine Kammer des Schreckens. Einzig und allein Lockhart strapazierte weiterhin Severus' Nerven. Es gab Tage da hätte er das Goldlöckchen am Liebsten vom nächsten Treppenabsatz gestoßen, aber er durfte ja nicht. Albus und Minerva hatten es ihm verboten.
Alles beim Alten in Hogwarts.
Es war einer dieser Abende, die Severus bei einem Glas Schnaps im Eberkopf verbrachte. Fernab des Schlosses und vor allem der Schüler. er saß allein am Tresen, trank einige Gläser Whisky und wankte dann mehr oder weniger angetrunken durch die dunklen Gassen von Hogsmead.
Aprupt blieb Severus stehen als er einige in schwarze Roben gehüllte Gestalten auf der Straße sah. Einen von ihnen erkannte er sogar betrunken wieder: Es war der Magier, den er in Malfoy Manor gesehen hatte.
„Ist alles vorbereitet?", fragte er einen der anderen Männer.
„Ja, wir müssen nur warten bis wir einen Vorwand haben." Das war eindeutig Lucius.
Was machte er hier? Severus erinnerte sich an das Gespräch der beiden vor Weihnachten. Lucius hatte gesagt er wolle Dumbledore loswerden, um im Schloss das Buch ausfindig zu machen. Wie wollte er das anstellen?
Severus ging in einer Nische in Deckung, bevor die beiden ihn sehen konnten.
„Das Buch verweilt schon zu lange im Schloss.", sagte der schwarze Magier. „Wenn es das ist, was ich glaube, dann ist die Kammer des Schreckens unser geringstes Problem."
„Es ist nur eine Frage der Zeit bis es einen weiteren Angriff geben wird.", sagte Lucius.
„Ihr fürchtet Euch, Malfoy.", meinte der Magier kühl.
„Natürlich tue ich das!", antwortete Lucius grimmig. „Wenn er zurück kommt, dann ist es meine Schuld."
„Die Essenz des Buches kann nur eine Form von ihm wiederherstellen, nicht ihn wiederbeleben, so wie der Stein der Weisen. Dennoch wäre selbst eine schwächere Version seines früheren Ichs immer noch eine Gefahr."
Severus traute seinen Ohren nicht. Woher wussten sie vom Stein der Weisen? Er musste unbedingt an diesem Magier dran bleiben. Um Lucius würde er sich später kümmern.
„Hört auf mit Eurer Erbsenzählerei!", ging Lucius den Magier an.
„In der Magie sind es die feinen Unterschiede, die den Ausschlag geben.", erwiderte der Fremde.
„Sorgt Ihr einfach für Euren Teil. Ich habe den Schulrat fast dort, wo ich ihn haben will. Wenn jetzt noch etwas passiert, dann muss Dumbledore seinen Hut nehmen.", sagte Lucius.
„Sch!", machte der Magier.
„Was?"
„Wir werden beobachtet."
Severus duckte sich immer noch in der Dunkelheit. Er konnte ihn unmöglich gesehen haben.
„Kommt heraus!", rief der Magier in seine Richtung.
Severus trat langsam aus dem Schatten. Sicherheitshalber hob er die Arme.
„Was tust du hier?", sagte Lucius sichtlich überrascht.
„Das gleiche könnte ich dich fragen.", entgegnete Severus.
„Ihr kennt ihn?", fragte der Magier.
„Ja, ein alter Bekannter."
Severus hob die Augenbraue. Es erstaunte ihn, dass Lucius ihn als Bekannten vorstellte und nicht als Freund. Auch wenn sie heute in vielem nicht einer Meinung waren überraschte ihn das doch. Sie hatten schließlich viel miteinander durchgemacht.
„Warum verfolgt er uns?", fragte der Magier immer noch an Lucius gewandt.
„Ich verfolge euch nicht. Ich bin nur zufällig hier lang gekommen und habe eine Pause in der Ecke da drüben gemacht.", sagte Severus ehe Lucius irgendetwas antworten konnte.
„So?", fragte der Magier.
„Ich glaube, wir können uns helfen. Ihr sucht etwas, woran auch ich interessiert bin.", sagte Severus.
„Steck deine Nase da nicht hinein!", knurrte Lucius ihn an.
„Ich steck meine Nase nirgends hinein, aber ich vermute ihr sucht genau das Gleiche wie ich."
Lucius und der Magier sahen sich an.
„Nicht hier.", sagte der Magier. „Folgt mir, wir sollten das nicht auf der Straße besprechen."
Severus folgte mit Lucius dem Mann. Er führte sie quer durch Hogsmead, zum Rand des Dorfes auf einen Hügel. Da stand ein antiker Steinkreis mit keltischen Symbolen.
Ah, natürlich. Ein abgeschirmtes Feld. Vermutlich diente der Steinkreis als eine Art Apparierpunkt. Ziemlich altmodisch, aber effizient. Und was noch besser war, nicht vom Ministerium verfolgbar. Sehr alte Magie. Das Ministerium verfolgte aber nur die modernen Standartverfahren. Das war wie wenn im Zeitalter des Internets jemand Briefe schrieb. Man verfolgte E-Mails und digitalen Datentransfer, aber niemand dachte mehr daran die Post aufzudampfen. Das Gleiche war das hier. Man hackte die Sicherheit indem man sie durch alte Technik umging.
Der Magier richtete seinen Zauberstab auf den Boden und innerhalb nicht mal eines Augenblicks umwirbelten sie grünes Feuer und zog sie durch Raum und Zeit. Severus traf hart auf dem Parkettboden auf. Sie waren in einem Haus. Um sie herum war der selbe Kreis angeordnet wie auf dem Hügel in Hogmead, nur dass es sich um keine guten, alten, keltischen Steinquarder handlte, sondern um Bücherstabel.
Severus hob die Augenbraue. Gut, rein technisch war es egal mit was man einen magischen Kreis anordnete. Man hätte auch Kaffeetassen oder Bierdeckel nehmen können. Hauptsache die Konstellation passte. Die antiken Völker Nordeuropas waren halt immer etwas melodramatisch gewesen. Außerdem konnte man einen Hinkelstein nicht einfach umstoßen. Sparte Zeit, wenn man als Druide regelmäßig damit arbeitete. Nur das versetzen war mühsam. Deshalb gab es auch so viele Steinkreise in Europa. Die früheren Druiden legten für jede magische Konstellation oft einen eigenen Steinkreis an.
Severus sah sich um. Ein altes Haus. Riesige, vollgestopfte Bücherregale und noch mehr gestapelte Bücher. Alles war aufgetürmt auf dem Boden, auf Tischen und Stühlen. Bei so vielen Büchern schien es logisch einen Teleportkreis aus ihnen zu stapeln. An den freien Wänden hingen hölzerne Masken. Sie wirkten afrikanisch auf ihn. Wie Masken von Vodoopriestern oder Medizinmännern. Die Fenster waren verschlossen. Die Läden davor zwar schon etwas kaputt, aber man konnte dennoch nicht sehen, wo genau sie waren.
Severus erhob sich.
„Interessantes Haus.", sagte er.
Nun setzte der Magier erstmals seine Kapuze ab. Er war ein Schwarzer mit Narben im Gesicht. Sein linkes Auge war milchig, wie erblindet und sein schwarzes, krauses Haar hatte er zu einem Zopf zusammen gebunden.
„Ich darf mich vorstellen. Baktu Moomba al Sharraam. Zirkel der Sieben. Dritter Oberschamane vom Clan der Sharii."
„Und ich vermute, Ihr seid nicht zum Spaß so weit von Zuhause weg?", fragte Severus.
„Oh, Mr Malfoy hier. Ich bot ihm meine Hilfe an bei der Suche nach diesem sonderbaren Objekt.", erklärte der Magier.
„Tatsächlich?", fragte Severus. „Warum habt ihr so ein Interesse an diesem Buch?"
„Seht euch um.", antwortete der Magier mit einer ausschweifenden Geste.
„Ich sammle Wissen. Und in diesem Buch steckt etwas wahrhaft Einzigartiges."
„Zum Beispiel?", fragte Severus.
„Die Essenz von Lord Voldemort. Gefangen in einem Buch. Von ihm selbst angelegt. Höchst erstaunlich. In manchen Teilen der Welt herrscht ein reger Artefakthandel mit alten Gegenständen des Dunklen Lords."
„Ich vermute, das ist nicht besonders gesundheitsfördernd.", bemerkte Severus.
„Die meisten Sachen sind ungefährlich. Dieses Buch ist da jedoch etwas anderes. So wie ich das verstehe hat er darin einen Seelensplitter eingeschlossen. Weiß der Teufel warum. Und er wurde aktiviert."
„Die Kammer des Schreckens.", schloss Severus. „Nicht irgendjemand hat die Kammer geöffnet, sondern sein erwachter Seelenteil, richtig? So viel wie ich von Seelensplittern weiß braucht es dazu einen Wirtskörper. Jemand muss das Buch besessen und es mit nach Hogwarts gebracht haben. Derjenige hat womöglich auch die Kammer geöffnet."
„Sehr gut.", sagte der Magier.
„Die Frage ist wie wollt ihr das Buch finden. Das ist wie die Nadel im Heuhaufen.", sagte Severus.
„Auf die altmodische Art.", sagte Lucius hinter ihm. „Wir räumen die Schule und wühlen uns durch tausende von Büchern bis wir es haben."
„Das ist euer Plan?", fragte Severus ungläubig. „Ah, deshalb wollt ihr Dumbledore loswerden. Er stände dieser kleinen Suchaktion womöglich nicht gerade aufgeschlossen über."
„Dumbledore ist ein Narr. Er würde sich nur unnötig einmischen.", entgegnete der Magier.
„Natürlich würde er das. Er ist schließlich Dumbledore.", meinte Severus.
„Mit jedem Opfer wird der Seelenteil im Buch stärker. Die Versteinerungen sind kein Zufall. Er nutzt den Basilisken, um die Energie aus den Opfern abzufassen. Dafür darf er sie nicht töten. Sie wissen ja, der Tod bedeudet maximalen Energieverlust."
„Mal angenommen ich helfe euch.", antwortete Severus.
„Sie?", fragte der Magier und musterte ihn von oben bis unten.
„Ich habe kein Interesse daran Lord Voldemort wiederzusehen und sei es nur als schwächere Essenz aus einem Buch.", erklärte Severus. „Mich interessiert es nicht, ob ihr schwarzmagische Artefakte nach was-weiß-ich-wohin schmuggelt, aber eines davon ist ausgerechnet in der Schule gelandet. Das interessiert mich dann schon."
„Er ist Lehrer.", fügte Lucius überflüssiger Weise hinzu. Severus war sich sicher, sein afrikanischer Freund wusste das schon.
„Natürlich. Jemand in der Schule könnte uns von Nutzen sein."
„Also, wonach suchen wir?", fragte Severus direkt.
„Kommt mit. Ich zeige euch etwas.", sagte der Magier.
Sie folgten ihm durch das Zimmer zu einem der überfüllten Tische. Er zog eine Schublade heraus. Er holte eine Art Kristallkugel heraus. Keine gewöhnliche Kristallkugel, wie sie im Schloss verwendet wurden. Und sie diente auch nicht zu hellseherischen Zwecken.
Der Magier schütelte sie und ein grelles, grünes Leuchten breitete sich aus und blendete sie.
„Wisst ihr was das ist?", fragte er.
„Auf den ersten Blick, ein Detektor zum Aufspüren von Magie? Die Form ist aber schon etwas nostalgisch, oder?", sagte Severus.
„Ich besitze mehrere Artefakte aus dem Besitz des Dunklen Lords. Ihr energetisches Muster könnte uns theoretisch zum Buch führen."
„Moment mal, was für Gegenstände?", fragte Severus.
„Nichts Besonderes. Dinge aus dem alten Bestand. Die Meisten sind nicht einmal magisch. Hier eine Socke, dort eine Teetasse, aber er hat sein energetisches Muster an ihnen hinterlassen. Starke Magier hinterlassen Fingerabdrücke. Selbst wenn er nur Alltagsgegenstände besessen hat kann man es noch über Jahre, ja, Jahrzehnte nachverfolgen."
Severus nickte. Ja, das Ministerium machte das ähnlich bei Straftätern. Das energetische Muster eines Magier war einzigartig. Je mächter der Zauberer desto stärker leuchtete sein magischer Fingerabdruck durch die Gefüge von Raum und Zeit. Im Falle von Voldemort würde es lodern wie ein helles Feuer.
Die Kristallkugel zeigte keinen Ort an. Es war nicht so wie in den Filmen, wo irgendwelche Orte oder Leute darin schwebten. Im echten Leben sah man nur herumwirbelnde, leuchtende Teilchen. Man musste es sich wie eine Chiffre vorstellen. Der Code wurde erst bei der Berührung des richtigen Magiers decodiert. Quasi wie ein personalisierter Enigma-Codeknacker.
Severus ergriff mit der Hand die Kristallkugel und spürte sofort wie sich die Teilchen in ihm ausbreiteten. In seinem Kopf fügte sich alles zu einem Bild zusammen. Der magische Code wurde entschlüsselt und ihm übertragen. Er sah alles vor sich. Den Weg, den das Buch zurückgelegt hatte. Durch all die Hände, durch die es gegangen war bis es schließlich im Schloss landete. Oh, das war interessant. Das Buch lag im Gryffindorturm.
Severus ließ los.
„Das könnte kompliziert werden.", sagte er schließlich.
„Was habt ihr gesehen?", wollte der Magier wissen.
„Das Buch, es ist im Besitz eines Gryffindors. Ich konnte nur nicht erkennen welcher genau."
„Die Essenz versteckt sich gut. Womöglich ist nicht mehr gänzlich ans Buch gebunden und befindet sich bereits im Übergang."
„Wie?", schaltete sich Lucius ein. „Ihr meint Sie ist auf einen der Schüler übergegangen?"
Severus riss die Augen auf. Oh, verdammt! Das durfte nicht wahr sein. Dumbledore würde ihn in Stücke reisen, wenn er herausfand, dass er seine Aufgabe vernachlässigt hatte. Dennoch, es konnte nicht sein, oder? Was wäre wenn der Seelenteil übergegangen war? Und zwar nicht auf irgendjemanden, sondern sich diese Essenz Voldemorts ganz genau ihr Opfer ausgesucht hatte?
Die Essenz eines Magier in einem Gegenstand war immer noch ein lebendiges Ding. Das wäre wie, wenn Der Eine Ring sich auf Frodo stürzte, um endlich wieder zu seinem Meister zu kommen. Tolkien war ein toller Theoretiker der Magie. Und dann hatte er noch alles so wunderbar in einen Fantasyroman verpackt. Manche Magier wussten halt wie man die Zensur des Ministeriums umging ohne den Geheimhaltungspakt zu verletzen.
Severus drehte sich um und marschierte zum Kreis aus Büchern.
„Wo wollt Ihr hin?", fragte der Magier.
„Ich muss etwas erledigen.", rief er.
Severus zog seinen Zauberstab, löste die Magie des Kreises aus und fand sich sogleich in Hogmead wieder. Er rannte los wie von der Tarantel gestochen. Hoch zum Schloss. Lucius und sein neuer Begleiter würden ihn schon bald folgen. Das hatte er im Gefühl.
Severus rannte vor dem Tor einige Schüler um. Er durfte keine Zeit verlieren und überwand Treppenstufen mit mehreren Sätzen, immer höher. Hoch in den Turm in Dumbledores Büro. Völlig aus der Puste fiel er dem Direktor sprichwörtlich mit der Tür ins Haus.
„Severus?", fragte dieser erstaunt. Er saß hinter seinem Schreibtisch bei einer Tasse Tee.
„Das Buch.", keuchte Severus. „Einer der Gryffindors hat es."
„Wer?", fragte Dumbledore.
„Keine Ahnung.", antwortete Severus und stemmte sich auf die Knie. Er versuchte durchzuatmen, Luft zu holen. „Aber ich habe da so eine Idee."
Albus erhob sich und kam auf ihn zu.
„Ich weiß jetzt, was es ist. Ein Speicher für einen Seelensplitter. Ein Teil des Dunklen Lords lebt in dem Buch. Es muss ein Schüler sein. Derjenige, der das Buch besitzt hat auch die Kammer geöffnet."
Dumbledore packte ihn an den Schultern, zog ihn in die Aufrechte und sah ihn scharf an.
„Severus, erzählen Sie mir alles!"
Severus erzählte ihm alles, was er wusste. Ließ jedoch das eine oder andere Detail bezüglich Lucius aus. Er hatte den Magier einfach in Hogsmead getroffen und war ihm gefolgt. Etwas in ihm wollte seinen alten Freund nicht verraten und auch nicht von der Falle sprechen, die er gedenkte ihm zu stellen. Lucius versuchte Dumbledore halbwegs legal über den Schulbeirat loszuwerden. Sollte er es versuchen. Severus verließ sich darauf, dass der alte Magier das eh kommen sah. Um alles konnte er sich ja auch nicht kümmern.
Nach ihrem Gespräch rief Albus Minerva her. Er erzählte ihr vom Buch und was es enthielt. Die Aufgabe den richtigen Schüler zu finden fiel ihr zu, da sie die Hauslehrerin von Gryffindor war.
Severus versucht derweil mehr über den Magier herauszufinden, der bei Lucius war. Einen Namen hatte er ja schließlich nun. Er ging in die verbotene Bibliothek. Nach etwas Sucherei fand er es schließlich. Die Chronik des Zirkels der Sieben.
Der Zirkel der Sieben war ein Magierbund, der sich mit der Erlangung magischen Wissens beschäftigte. Den Schamanen - wie man Magier oft im afrikanischen Kontext nannte - war es dabei gleich, ob die Magie als „hell" oder „dunkel" eingestuft wurde. Ihre Philosophie war es, dass nicht die magischen Kräfte gut oder schlecht waren, sondern die Art wie sie benutzt wurden. Sie waren Sammler und Gelehrte. Keine Schwarzmagier im europäischen Sinne, der immer noch stark von den Hexenjagden geprägt war.
Severus suchte nach dem Namen und fand ihn.
Baktu Moomba al Sharraam
Dritter Oberschamane der Sharii, Sammler des Wissens, Meister der Schwarzen Bibliothek von Johannisburg
Ein Gelehrter, aber warum war er so am Buch interessiert? Severus war sich ziemlich sicher, dass Lucius ihm mehr half als er ihm. Es war sicher kein Zufall gewesen, dass er sich ausgerechnet dann hier aufhielt als Lucius das Buch abhanden kam. Sicher spielte er nicht mit offenen Karten.
Sein Kontakt zu Magiern vom Schwarzen Kontinent war eher beschränkt. Severus hatte im Krieg gegen Sharad Akam gekämpft, aber sie hatten die Truppen Voldemorts oft mit konventionellen Waffen bekämpft, um die magischen Rüstungen der Todesser zu umgehen. Nur selten hatte er einen Sharad-Akamer Magie wirken sehen und wenn, dann war sie verheerend gewesen. Die Afrikaner benutzten ein anderes Fokusierungssystem. Sie kämpften nicht mit Zauberstäben, sondern bündeten die Kräfte wortlos, ohne Fokus, mit Hilfe von Handzeichen. Sie manipulierten die Magie direkt. Ein Zauberstab war im Grunde eine Art Umwandler für die magische Kraft, die durch einen Magier floss. Mit Worten und entsprechenden Bewegungen konnte er die Kraft in entsprechende Bahnen lenken. Das Problem an der ganzen Sache war, dass der Zauberstab die ganze Arbeit übernahm. Ohne ihn sind viele Magier regelrecht behindert. Ihr Fluss zur Quelle ist abgeschnitten. Sie und der Zauberstab werden eins. Ohne ihn können sie nicht einmal einfachste Formen wirken, die teilweise sogar untrainierte Kleinkinder hinbekommen.
Daher wunderte es Severus, dass der Zirkelmagier einen Zauberstab benutzte. Vielleicht lebte er auch schon länger in Europa und hatte sich angepasst. Magier, die ohne Fokus zauberten fielen hier auf wie ein bunter Hund. Dennoch wäre es gewiss unklug gewesen ihn zu unterschätzen.
Severus klappte das Buch zu. Langsam nahm das Geschehen eine Form an. Alles begann Sinn zu ergeben. Trotzdem fühlte sich Severus als würde ihm ein wichtiges Puzzleteil fehlen. Er rieb sich die Augen und stellte das Buch zurück. Wenigstens wusste er jetzt womit und mit wem er es zutun hatte.
