Disclaimer: Wie immer gehört alles JKR (die Glückliche) und ich verdiene keinen Cent damit (schade). Es wird wieder eine kleine Episode aus dem Buch vorkommen, nicht wundern.

Also ohne weitere große Vorrede: Ich wünsche euch viel Spaß und schon mal danke fürs Lesen! ;)

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Am ersten Freitag des Februar fand das allmonatliche Frauenkränzchen bei Poppy Pomfrey im Krankenflügel statt. Trotz ständiger Abrufbereitschaft hatte sie sich größte Mühe gegeben und ihr Büro mit schwebenden silbernen Spritzen und bunt schillernden Heiltrank-Phiolen geschmückt. Arian staunte nicht schlecht über die liebevolle, wenn auch etwas verrückte Aufmachung des Zimmers. Sie war noch nie zuvor auf der Krankenstation von Hogwarts gewesen und fasziniert studierte sie die vielen ledergebundenen Heilerbücher in dem langen Regal an der Wand. In ihrem abgebrochenen Tränkestudium war ihr schon das eine oder andere davon untergekommen, um die Wirkung spezieller Gebräue zu untersuchen, und irgendwie war die Wiedererkennung ein schönes Gefühl.

Sie war so vertieft, dass sie zusammenfuhr, als ihr plötzlich jemand auf die Schulter tippte.

„Arian?", sprach Septima sie grinsend an. „Meinst du, du kannst dich von den Büchern loseisen und ein wenig Butterbier mit uns trinken?"

Im ersten Moment stieg Arian die Röte ins Gesicht, doch dann überging sie die Situation einfach und gesellte sich zu den anderen. Halbwegs entspannt saßen sie um Poppys Schreibtisch herum und stießen mit ihren Flaschen an als hätten sie allesamt keinen Anstand gelernt (oder vielleicht waren sie auch einfach nur zu faul sich Gläser zu besorgen), während die Tränke um sie herum farbige Lichtflecke über ihre Gesichter tanzen ließen. Immer wieder versuchte jemand ein Gespräch in Gang zu bringen, doch Minerva starrte so grüblerisch-grantig vor sich hin, dass man sich ungewollt etwas fürchtete, auch nur einen falschen Ton von sich zu geben.

Schließlich stellte sie ihr leeres Butterbier geräuschvoll auf der Tischlatte ab und seufzte genervt: „Tut mir leid, Poppy, aber ich brauch' was Stärkeres!"

Die Krankenschwester lächelte ihr verständnisvoll zu und reichte ihr eine Flasche Feuerwhisky und ein Glas in Form eines Totenschädels aus einem verborgenen Kabinett.

„Du machst dir viel zu viele Gedanken deswegen", meinte sie leicht tadelnd. „Das Spiel ist in zwei Wochen, solange kannst du es doch noch verdrängen, oder?"

Finster goss sich Minerva einen doppelten Whisky ein, während der Rest der Mannschaft aus Solidarität beim Butterbier blieb.

„Ich will es aber nicht verdrängen! Was bildet sich dieser Mensch eigentlich ein?! Ha! Und dann muss er auch noch wieder Recht haben, dieser miese Schlangenschwanz! Ich könnte ihn mal… grrrr…" Was auch immer Minerva gerne mit ihrem Kollegen anstellen wollte, ging in trotzigem Knurren unter.

Prustend tauchte Arian aus ihrer Flasche auf. Darum ging es also! Langsam hätte sie schon mal gerne den Durchblick über das, was um sie herum ablief. Irgendwie schien sie in Sachen Informiertheit immer meilenweit hinterher zu hängen…

„Ach, Minnie! Wir veranstalten diese Abende doch nicht, um Trübsal zu blasen!", sagte Poppy und legte ihrer Freundin einen Arm um die Schultern. „Ich habe den Raum nicht nur mit Kitsch bestückt, sondern auch schallgedämpft. Wollen wir nicht ein bisschen Spaß haben?"

„Oh ja, spielen wir Heiler-Tabu!", rief Aurora begeistert und stieß dabei fast ihre noch knapp halbvolle Flasche um.

„Heiler-Tabu? Wie geht das?", fragte Arian sie neugierig.

„Es geht reihum, die Karten verteilen sich selbst und in der Mitte steht ein Glas mit Flubberwürmern oder sonstigem Ekelgetier. Man kann praktisch alles nehmen, solange es widerlich ist. Das Glas wird mit einem Spruch versehen, damit alle nach bestem Wissen und Gewissen raten müssen, und dann fängt der Erste an seinen Begriff zu erklären. Schafft er, ähm, sie es nicht, bevor die Zeit abgelaufen ist, wird diejenige automatisch mit dem Inhalt des Glases beschossen."

„Iiiiiih!"

„Ach was, es ist lustig!", schwärmte Aurora entzückt. „Vor allem weil man nicht weiß, wann die Zeit um ist!"

„Ja, aber du findest es auch nur so witzig, weil du immer so schnell bist. Du hast ja noch nie was abgekriegt", stellte Pomona mit hochgezogenen Augenbrauen fest.

„E-ben!"

Unterdessen war Poppy schon aufgestanden und hatte ihre Vorräte durchwühlt: „Hm, Flubberwürmer hab' ich nicht mehr, Flügelchen kam vorbeigeschneit und hat sich die letzten angeeignet. Aber gestampfte Wellhornschnecken hätte ich noch zu bieten. Ein bisschen über den Verfall, recht aufgequollen, aber für diese Zwecke…" Sie zeigte ein schiefes Grinsen und legte zerfledderte Karten neben einen Topf mit dunklem, schleimigen Inhalt auf den Tisch.

Septima verbarg angewidert das Gesicht in den Händen, dann berührte sie mit ihren Kolleginnen zusammen das große Glasgefäß. Sogar in Minervas Augen war der Schalk ein wenig zurückgekehrt. Gemeinsam sprachen sie: „Hiermit schwör' ich hoch und heilig, dass ich ernsthaft werde raten, sonst soll der widerliche Inhalt dieses Glases mich begraben!"

Der Wellhornschneckenmatsch leuchtete auf und die erste Runde Karten fiel in die Hände der Spielerinnen.

Rolanda machte mutig den Anfang: „Er ist ein wahrer Junkie, kennen wir alle… die Komplementärfarbe zu violett… und macht einem Dauerklebefluch Konkurrenz! Kommt schon!"

„Zitronenbonbons?"

„JA!"

„Was hat das mit Heilern zu tun?", warf Arian verwirrt ein.

„Nichts!"

„Oh."

Als nächstes stotterte sich Septima eins ab, kam jedoch nicht weit und wurde mit einem stinkenden Flatsch Schnecke mitten ins Gesicht belohnt. Es gab ein kollektives Aufstöhnen und hysterisches Gekicher, als die Arithmantikprofessorin sich vor Ekel schüttelte und die Pampe in ihr Getränk platschte.

Arian peitschte derweil das Adrenalin durch den Körper. Jetzt war sie an der Reihe und sie wollte sich keinesfalls gleich beim ersten Mal blamieren. SINLGE MALT WHISKY stand auf ihrer Karte. Nicht zu nennen waren FEUER, DESTILLIERT, GETRÄNK, SCHOTTLAND und… MINERVA MCGONAGALL. Glucksend machte sie sich an eine Beschreibung: „Es handelt sich um eine Flüssigkeit, die jemand von uns hier gern… konsumiert!"

„Wer?"

„Darf ich nicht sagen! Farbe ist gold-braun, schimmernd, durscheinend…"

„Du hörst dich an wie Severus…!"

PFLATSCH! Eine riesige Ladung Schneckengehäckseltes landete auf Rolandas Kopf, die daraufhin begann zu schimpfen wie ein Rohrspatz.

„Das hab ich ganz vergessen zu sagen", kiekste Aurora und lehnte sich zu Arian hinüber, die ziemlich erschrocken aus der Wäsche guckte, „unsere internen Regeln kennt das Ding da auch!"

„Keine Namen männlicher Mitbürger…", murmelte Arian und schluckte.

„Exakt. Los, weiter, sonst bist du die nächste mit Gesichtsmaske, und ich sag dir, schöner macht das nicht!"

„OK. Es kann zum Beispiel scharf sein –"

„Awwwwwwrrrrrr…!"

„Eine Flüssigkeit, du…!"

„Achsoooo…"

„– oder auch rauchig…"

„Whisky!", rief Pomona.

„Weiter! Mehr!", spornte Arian sie außer Atem an, wobei sie beinahe auf und ab hüpfte.

Minerva sprang von ihrem Platz auf und hielt ihr Glas in die Höhe. „Single Malt Whisky!"

„Ja!" Erleichtert ließ sich Arian gegen die Lehne ihres Stuhls sinken.

„Strike!", rief die Verwandlungsprofessorin. „Und wen durftest du jetzt nicht nennen?"

Septima spähte auf die Karte. „Dich, meine liebste Minnie!"

Der böse Blick, der die lachenden Kolleginnen traf, war jedoch kaum ernst gemeint.

Sie spielten noch bis tief in die Nacht weiter, wurden zur Freude aller nicht unterbrochen und als schließlich jede bis auf Aurora ihre Strafladung abbekommen hatte, wurde diese einfach mit vereinten Kräften und unter schrillem Gejauchze kopfüber in das geräumige Glas getaucht.

Es tat so gut, mit den anderen Blödsinn zu machen, dass Arian für die Stunden sogar ihren Streit mit Robbie vergaß. Seit über einem Monat herrschte nun schon Funkstille zwischen ihnen und es tat ihr in der Seele weh, dass er ihre Anstellung in Hogwarts dafür verantwortlich machte, die sie jeden Tag aufs Neue mit den unglaublichsten Dingen überraschte, die ihre Augen zum Leuchten brachten. Sie wollte ihm nicht hinterher laufen, aber so konnte es nicht weiter gehen. Sie liebte es hier, aber… er fehlte ihr auch so…

Das gesamte Wochenende über vergrub sie sich in ihrer Arbeit, bis wirklich nichts mehr zu tun war, und fühlte sich erleichtert, als sie am Montag wieder in den Schulalltagstrott eintreten konnte. Doch am Frühstückstisch wartete bereits eine Überraschung auf sie: Speedy Spencer hockte mitten auf ihrem Teller und putzte affektiert sein hellgrau meliertes Gefieder.

„Gonzales!", kam es ihr ungewollt über die Lippen, was die Eule ungehalten aufschreien ließ.

„Der kleine Mafiaboss sitzt hier schon seit einer ganzen Weile", klärte Daniel sie auf und grinste in seinen Tee. „Vielleicht solltest du ihn erlösen, bevor du noch eines Nachts entführt wirst."

Arian konnte nur nicken und griff hektisch nach Robbies Eule, die jedoch nach dieser Beleidigung nicht einfach so mitspielen wollte. Sie hüpfte kreischend vor ihr davon, bis sie praktisch mit einem Flügel im Rührei hing.

„Nehmen Sie diesen Federwisch da weg! Bei Ihnen mag es anders sein, aber die meisten Menschen mögen keine Federlinge im Frühstück", raunzte Snape sie in charmantester Morgenstimmung an und zog demonstrativ seinen ohnehin halbleeren Teller näher zu sich heran.

„Verzeihung, oh hochwohlgeborener Morgenmensch! Gonzales, komm jetzt her! Du ungezogenes Vieh…!", fluchte Arian leise. „Speedy Spencer!"

So arrogant es dem Vogel nur möglich war, bequemte er sich zu ihr.

„Speedy Spencer?", spottete Snape wie auf Kommando. „Das zeugt von IQ sehr kleiner Schuhgröße."

„Hauptsache Sie sind hochintelligent. Vielleicht können Sie damit Ihre sonstigen Defizite ausgleichen, wobei ich das doch stark bezweifle." Arian hatte die Eule ihres Freundes mittlerweile in den Schwitzkasten genommen und den Brief von ihrem zappelnden Bein entfernt. Sie würdigte ihren Kollegen keines Blickes.

„Sie sind ja so berechenbar!"

Es war eine schmale Pergamentrolle, mehr ein Fetzen als ein richtiges Stück Beschreibstoff, doch es trug Robbies Handschrift auf seiner Oberfläche und das war alles, was zählte!

Cariad… Das war vll n wenig unangemessen.

Verzeihst du mir?

Robbie

Ein seliges Lächeln trat auf ihr Gesicht.

„Gute Nachrichten? Du strahlst so!", erkundigte sich Daniel.

„Allerdings, wie eine atomare Katastrophe!", zischelte Snape, leise genug, dass die anderen Lehrer es nicht hörten. „Junges Liebesglück wieder intakt, wie schön. Wusste gar nicht, dass heutzutage so viel Verlass auf Sandkastenfreundschaften ist." Damit stand er auf und verließ die Große Halle mit wehendem Umhang. Nur die Fanfaren fehlten noch zu hundertzwanzig Prozent Dramatik.

„Was war denn das?" Daniel sah dem Tränkemeister verwundert-belustigt nach.

„Heute spinnt er halt mal auf ne leicht abgewandelte Art. Möglicherweise ist das sein Versuch kreativ zu erscheinen", entgegnete Arian desinteressiert. Ob sie Robbie verzieh? Natürlich! Wenn er schon extra geschrieben hatte!

OoO

Severus wollte sich ganz dringend mal wieder über seine bescheuerte Kollegin aufregen. Sie bekam einen Zweizeiler zugeschickt und ihr wochenlanges Selbstmitleidssuhlen hatte schlagartig ein Ende. Wie ein pubertäres Schulmädchen führte die sich auf und verpestete Hogwarts mit diesem lächerlichen Getue, wo ihm doch gerade so gar nicht der Sinn nach solchem Unfug stand.

Er versuchte sein bestes, um Potter möglichst ständig im Auge zu behalten und ihn saftig einzuschüchtern (Letzteres klappte auch halbwegs, der Dreikäsehoch sah ihn zunehmend irritiert und wütend an, jedoch kam Severus nicht umhin zu bemerken, dass der Junge versuchte irgendetwas zu verbergen), doch schien das kleine Biest irgendwann auch zu spüren, dass es verfolgt wurde. Ganz verblödet war es leider doch noch nicht. Und dann noch so ein Mist von einem vermeintlich erwachsenen Menschen dazu! Es war zum aus der Haut fahren!

Am Tag des Spiels aß er nichts, sondern lief in aller Frühe zum Feld hinunter, wo Hagrid gerade die Besen vorbereitete.

„Morgen…" brummelte der Halbriese und musterte ihn auffällig unauffällig von oben herab.

Severus nickte ihm zu und untersuchte nochmal den Besen, den er sich am Vortag als Reitobjekt ausgesucht hatte. Würde schon taugen, hatte er doch seit Jahren keine Ambitionen in der Luft mehr.

Hagrid starrte ihn immer noch an. Auffordernd hob er eine Augenbraue.

„Warum tun Se des, Schiedsrichter sein?"

„Ich habe meine Gründe", entgegnete Severus verschlossen.

Abwartend sah ihn der Wildhüter an, aber weiter würde er sich definitiv nicht dazu äußern.

„Hm. Ma' sieht sich, Professer, Sir."

Jetzt hatte er es sich wohl endgültig erst einmal mit Hagrid verscherzt. Nun ja, konnte er auch nicht ändern, es gab nun mal Wichtigeres als zwischenmenschliche Bindungen. Und nicht dass diese spezielle besonders eng gewesen wäre…

Severus holte pflichtbewusst die Kiste mit den Quidditchbällen, drehte einige Runden mit dem Besen über dem Spielfeld und warf sogar – als er sich absolut sicher war, dass keiner in der Nähe war und womöglich guckte – ein paar Mal den Quaffel auf die Torringe. Wenn ihn damals bei der Auswahl die Rumtreiber nicht manipuliert hätten… Das Slytherin-Team hätte anders ausgesehen, er hätte Potter fertig gemacht! Und vielleicht… vielleicht hätte dann er bei Lily landen können… als Quidditchheld…

Er kehrte zurück auf den Boden der Tatsachen und des Feldes, wo er am Rand auf seinen Einsatz wartete. Die Mannschaften kamen, um sich umzuziehen, und wenig später trafen auch schon die ersten aufgedreht grölenden Zuschauer ein. Severus hielt Ausschau nach Quirrell, entdeckte ihn in einer der oberen Reihen zwischen zwei schwatzenden Kolleginnen und verengte die Augen. Hoffentlich blieb der dort, er musste jede Bewegung dieses Drecksacks im Auge behalten, jedes Nasebohren und jedes Kopfkratzen. Wenn es wieder so ein Desaster gab wie letztes Mal…

Auf einmal entglitten ihm sämtliche Gesichtszüge. Das konnte einfach nicht wahr sein!

„Dieser verdammte, alte Mistkerl! Ich bring ihn um!", fluchte er mit zusammengebissenen Zähnen und schickte ein paar unflätige Kraftausdrücke hinterher, bei denen sich jedem Troll der Arbeiterklasse die Nackenhaare aufgestellt hätten. Der lange, silberne Bart glänzte höhnisch im Licht der trüben Sonne, die nicht so ganz durch die Wolkendecke zu brechen vermochte. Verreck einer, Dumbledore war hier. Er, Severus, machte sich völlig unnötigerweise vor der gesamten Schule zum Wichtel und hatte im selben Atemzug auch noch sichergestellt, dass ihn ganz und gar jeder seiner Kollegen noch abgrundtiefer verabscheute als zuvor. Alles für nichts und wieder nichts. Mit dem Schulleiter anwesend, würde Quirrell nicht mal die mickrigste seiner verkümmerten Gehirnzellen in Richtung eines schwarzmagischen Fluches bewegen! Nach all den Jahren hätte er es kommen sehen müssen. Severus wusste nicht, wen er in diesem Augenblick mehr hasste: Seinen Vorgesetzten oder sich selbst.

Er pfiff das Spiel in der miesesten Laune an, die er seit Jahren gehabt hatte, und das durfte wirklich etwas heißen.

Nach nur wenigen Momenten musste er einem Klatscher ausweichen, den einer der Weasley-Zwillinge – normalerweise konnte er sie problemlos auseinander halten, doch beim Fliegen waren sie ohne Zweifel identisch – in seine Richtung geschlagen hatte. Bestimmt mit voller Absicht. Wie ausgenommen schade, dass man niemanden vom Platz stellen durfte… Dann eben ein Strafwurf für Hufflepuff. Der leider auch noch danebenging. Diese Pfeifen! Wer hatte Hufflepuffs erfunden?!

Er wollte unbedingt seinem Ärger Luft machen und welch schönere Möglichkeit gab es da als Gryffindor leiden zu lassen? Deshalb gab Severus den Dachsen trotz ihrer Unfähigkeit noch einen zweiten Strafwurf und überging die Tatsache, dass es dafür keinerlei gerechtfertigten Anlass gab. Die Befugnis zu Handlungen dieser Art war doch gerade das Tolle am Lehrerjob.

Plötzlich wurde es unruhig auf den Rängen. Die Menge pfiff und rief aufgeregt. Was war da los? Severus wandte sich um und fiel beinahe von seinem Besen vor Schreck, als ein knallrotes Bündel mit rasanter Spitzengeschwindigkeit an ihm vorbeischoss, so nah, dass es ihn fast streifte. Potter zog seinen Besen hoch, raus aus dem waghalsigen Sturzflug, den Schnatz fest in seiner rechten Hand, jubelnd – nach nur knapp fünf Minuten Spiel. Das Getöse des Applauses war ohrenbetäubend – Gryffindor war soeben im Rennen um den Hauspokal in Führung gegangen. Das war absolut nicht die Art Befriedigung, die sich Severus von dem Spiel erwünscht hatte.

Stocksauer spuckte er auf den Boden und knallte den Besen in eine Ecke der Besenkammer, sich nicht um den brechenden Reisig scherend. Auf dem Weg aus dem Stadion krallte er sich Quirrell und pinnte ihn gegen die nächstbeste Wand.

„In einer Stunde auf der Buchenlichtung im Verbotenen Wald. Allein. Und wehe Sie erscheinen nicht!", fauchte er, dann eilte er hinauf zum Schloss, um seine Kleidung zu wechseln. Auf Abendessen mit den anderen konnte er nach dieser Blamage ohnehin verzichten.

Zur angegebenen Zeit schlich sich Severus, seinen Umhang tief ins Gesicht gezogen, hinaus auf die Schlossgründe. Er sah sich nicht um - alle Bewohner des Schlosses stopften sich gerade eben in der Großen Halle voll als wären sie am Verhungern -, aber falls ihn doch jemand von dort aus sehen sollte, wollte er zumindest nicht erkannt werden. Als er außer Sichtweite war, rannte er los.

Die Lichtung, auf der er sich mit Quirrell treffen würde, war nicht sonderlich tief im Wald gelegen und er wusste, dass der andere sie kannte, da er ihn einmal dort beim Herumstromern erwischt hatte. Und wirklich: Zitternd und erbärmlich kalkweiß vor Furcht wartete der… Verteidigungsprofessor schon auf ihn.

„I-Ich weiß nicht, w-warum Sie sich ausgerechnet h-hier t-treffen wollten, Severus…", begann Quirrell, kaum dass sein Kollege die Kapuze zurückwarf und sich bedrohlich vor ihm aufbaute, doch Severus hatte nun wirklich keinen Nerv, sich dieses jämmerliche Gestotter anzuhören. Er war geladen und wollte dieses Problem vor seiner Nase endlich aus der Welt schaffen.

„Oh, ich dachte, wir behalten das für uns, die Schüler sollen schließlich nichts vom Stein der Weisen wissen."

„A-Aber…"

„Haben Sie bereits rausgefunden, wie man an Hagrids Biest vorbeikommt?"

„Severus, i-ich…"

„Sie wollen mich nicht zum Feind haben, Quirrell", sagte Severus eisig und rückte ihm weiter auf die Pelle.

„Ich w-weiß nicht, was Sie…"

„Sie wissen sehr wohl, was ich meine. Es geht hier um einiges mehr als um Ihr lächerliches bisschen Hokuspokus. Ich warte."

„A-Aber ich weiß nicht…"

„Schön", fiel Severus ihm ins Wort. „Wir werden uns bald noch einmal unterhalten, wenn Sie Zeit hatten, darüber nachzudenken und sich zu entscheiden, wem gegenüber Sie loyal sind." Wütend aufgrund der gescheiterten Befragung und des Tages an sich zog er sich die Kapuze wieder über den Kopf und ließ das elende Häufchen Lehrer zwischen den Bäumen stehen. Mittlerweile war es fast komplett dunkel geworden und seine Laune hatte ein Rekordtief erreicht. Er brauchte einen oder zwei Whisky, oder vielleicht auch drei…