Hi! Sorry, dass ich so lange gebraucht habe, aber die Schule hat wieder angefangen und die Lehrer sind so gnadenlos wie schon lange nicht mehr.
Ich habe in den letzen zwei Wochen mehr HÜ's geschrieben als in den ganzen zwei Monaten davor. Also bitte seid nachsichtig, ja?
Kapitel 10 (Hilfe! Schon das zehnte! Ach Herr je, ich krieg ja noch nen Herzinfakt!)
Drei Tage waren nun seit ihrer Vision von Lydon vergangen und Silith wurde zusehends leiser und nachdenklicher. So sehr sich Gimli und die Hobbits aber vor allem Legolas auch bemühten, lächelte sie kaum. In Gedanken ging sie immer und immer wieder alle Möglichkeiten durch, die sie hatte; und das waren nicht sonderlich viele.
Sie könnte versuchen, Lydon zu besiegen. Aber dass sie das schaffen würde, war noch unwahrscheinlicher, als es bei dem Skalven und ihrem Vater gewesen war. Dann könnte sie auch noch versuchen ihr Volk mit Hilfe eines magischen Portals zu befreien, aber weder wusste sie, wo sie gefangen gehalten wurden, noch konnte sie sichergehen, dass sie das Portal lange genug offen halten konnte.
Kurz... es lief alles darauf hinaus, dass sie sich eigentlich nur ergeben konnte, aber das würde wahrscheinlich das Ende von Mittelerde einläuten. Dann würde Lydon die ganze Magie besitzen und dann würde es schier unmöglich sein, ihn zu töten.
Silith verfluchte sich für ihre Kurzsichtigkeit, dass sie das mit dem Stein nicht schon viel früher bemerkt hatte. Sie hatte ja nur über tausend Jahre darauf aufgepasst. Und jetzt, da sie es wusste, half es ihr auch nicht sonderlich weiter. Weder ihr noch den anderen. Sie hatten einen ganzen Nachmittag damit zugebracht, darüber zu diskutieren, allerdings ohne Erfolg.
Aylah vor zwei Tagen abgereist und so hatte sie auch niemandem, bei dem sie sich ausheulen konnte. Und Legolas... es war ihr schon peinlich genug, dass er so aufgelöst nach der Vision gesehen hatte, da konnte sie jetzt nicht auch noch zu ihm gehen und sich ihre Seele frei reden.
Immer öfter hatte sie sich in den letzten Tagen in ihr Zimmer zurückgezogen und die Tür abgesperrt. Und wenn jemand gekommen war um sie zu sprechen oder sie zum Essen abzuholen, schwieg sie eisern.
So auch jetzt; mit einem leisen Seufzer ließ sie die Luft aus ihren Lungen entweichen. Sie hatte schon gedacht, Gimli würde ihr die Tür einrennen, aber das hatte er dann doch nicht getan... wenn es auch sehr knapp gewesen war. Sie war schon kurz davor gewesen, einen Bann auf die Tür zu legen, damit sie standhielt.
Sie saß mit angezogenen Knien auf ihrem Bett und lauschte in die Stille hinein. Sie hatte seit dem Morgen, als Aylah gegangen war, nichts mehr gegessen, aber das war ihr herzlichst egal. Sie hatte so wie so nur gegessen, weil Aylah ihr sonst eine Strafpredigt gehalten hätte, von der ihr Tage später noch die Ohren geschmerzt hätten. Sie hatte gegessen, obwohl ihr schon beim Anblick von irgendwelchen Nahrungsmitteln schlecht wurde und sie an Lydia denken musste, wie sie abgemagert an die Steinmauer gekettet war. Wieso verstand das nur niemand?
Sie seufzte leise und griff nach dem Buch, dass sie die ganze Zeit durchgeblättert hatte, auf der Suche nach etwas, das ihr helfen könnte, jedoch ohne Erfolg. Wohl schon zum hundertsten Mal in den letzten Tagen schlug sie den Buchdeckel auf und betrachtete das Inhaltsverzeichnis. Nichts... überhaupt nichts...
Warum hatte sie nicht ein anderes Buch aus ihrer alten Heimatstadt mitgenommen, als sie nach Mittelerde zurückgekehrt war? Die Antwort war einfach... Es war das Buch, das ihr einst ihre Großmutter zu ihrem einhundertzwanzigsten Geburtstag geschenkt hatte und dadurch war dieses Schriftstück ein Schatz für Silith.
Sanft, fast liebevoll fuhr sie mit den Fingern über die Seiten. Ihre einzige Erinnerung an ihre Großmutter... sie seufzte. Vor ihrem geistigen Auge bildete sich ihr lächelndes Gesicht und ein in letzter Zeit selten gewordenes Gefühl der Wärme und Geborgenheit durchflutete sie.
Doch gleich wurde dieser schützende Mantel durch ein Klopfen an der Tür hinfort gewischt. „Silith! Macht auf! Ihr müsst etwas essen!"
Mit gerunzelter Stirn sah sie zur Tür. Nun kam auch schon Gandalf und bat sie etwas zu essen... so langsam sollte sie sich wirklich Sorgen machen um sich selbst.
„Macht auf, oder ich werde die Tür mit einem Zauber öffnen!" Sie seufzte ungehalten. Mit einem leisen, gemurmelten Wort legte sie einen Bann auf die Tür und machte es dem Zauberer somit unmöglich hineinzugelangen. Wieso verstand sie niemand? Sie wollte alleine sein und nachdenken, obwohl man letzteres eher mit in Selbstmitleid versinken betiteln sollte.
Sie hörte, wie Gandalf auf der anderen Seite der Tür ein paar Beschwörungen murmelte, doch sie kümmerte sie nicht darum. Er würde es eh nicht schaffen. Sie ging zum Fenster und beobachtete einen Adler, der sich immer höher gen Himmel schraubte. Wie gerne wäre sie jetzt an seiner Stelle und würde die Freiheit genießen. Aber leider war sie an den Boden gebunden.
Auf einmal spürte sie, wie die Magiefäden, mit denen sie die Tür gebannt hatte, zu reißen begannen. Sie hatte den alten Zauberer unterschätzt. Mit einem leisen Verzweiflungsseufzer durchtrennte sie die Fäden und gab die Tür frei. Sie gab sich geschlagen.
Wenige Momente später wurde die Tür geöffnet. Doch wider Erwarten trat nicht Gandalf ein, sondern... (Na, wer wird es wohl sein?)
... Legolas.
Sie hätte es wissen müssen.
Mit einem leisen Klack schloss er die Tür hinter sich, bevor er sich zu ihr umdrehte. Er sah sie vorwurfsvoll an. „Wieso habt Ihr Euch so lange dagegen gesträubt, mit jemandem zu reden?", fragte er sie leise.
Sofort beschlichen Silith die Schuldgefühle, die sie die ganze Zeit so erfolgreich verdrängt hatte. „Ich wollte alleine sein", antwortete sie kurz angebunden und ließ keinen Zweifel daran, dass sie dies auch weiterhin sein wollte. Doch Legolas störte sich nicht daran und setzte sich auf einen Sessel an dem Kamin, der den Mittelpunkt ihres Zimmers bildete.
Silith ignorierte ihn und wandte ihm den Rücken zu. Sie sah wieder aus dem Fenster, doch der Adler war verschwunden und so blieb ihr nichts anderes übrig, als eine der wenigen Wolken zu fixieren, die den Himmel bevölkerten.
Eine Weile lang herrschte drückende Stille in dem Zimmer, bis Legolas schließlich fragte: „Warum habt Ihr euch so zurückgezogen?"
Silith starrte einige Momente einfach weiter aus dem Fenster, bevor sie antwortete. „Ich hatte das Gefühl, dass mich keiner verstehen würde, wenn ich mich aussprechen würde und deshalb bin ich in mein Zimmer geflohen." Wie es der Elb schaffte ihr solche Antworten zu entlocken, war ihr völlig schleierhaft.
Sie hörte, wie er aufstand und ebenfalls zum Fenster trat. „Und wieso hast du es nicht einfach versucht? Ich... wir machen uns Sorgen um dich, Silith! Sogar Frodo und Sam, die bisher kaum ein Wort mit dir gewechselt haben, waren kurz davor zu deiner Tür zu pilgern! Findest du nicht, dass du es ruhig versuchen solltest? Dich uns anzuvertrauen?"
Wieso mussten Elben ausgerechnet in Rhetorik unterrichtet werden, wenn sie sowieso schon so überzeugend waren? Sie warf ihm einen verzweifelten Blick zu. „Und wenn ich es nach so langer Zeit verlern habe, zu vertrauen? Wenn ich verlernt habe ‚Hilfe' zu sagen? Sicher, ich vertraue Aylah, aber das ist etwas anderes... ich kenne sie schon, seit sie ein Baby war."
Legolas kämpfte gegen den Impuls an sie in seine Arme zu ziehen und nicht wieder loszulassen. Er wandte den Blick ab. „Dann... ist es verwunderlich, warum du dich mir gerade anvertraust." Auf seinem Gesicht zeichnete sich ein leichtes Lächeln ab, das deutlich machte, dass er durchaus wusste, dass er soeben gewonnen hatte.
Silith verfluchte sich selbst dafür, dass sie ihm auf den Leim gegangen war. So etwas war ihr schon lange nicht mehr passiert. Dass sie von jemand anderem hinters Licht geführt wurde. Sie murmelte etwas, das sich verdächtig nach „Dämlicher Elb!" anhörte, was besagtem ein leises Lachen entlockte.
Sie warf ihm einen bösen Blick zu. „Was?", fragte sie, doch Legolas schüttelte den Kopf und nickte aus dem Fenster. Dort war wieder der Adler zu sehen, der am Himmel entlag segelte.
„Willst du nicht auch kurz einmal deinem Gefängnis entfliehen?", fragte er.
Sie sah ihn zuerst nachdenklich an, dann nickte sie. Sie war wirklich schon zu lange in ihrem Zimmer gewesen.
„Gut, aber bevor wir loskönnen, musst du noch etwas essen!", sagte er und ergriff ihre Hand um sie in Richtung Küche zu ziehen. Er ignorierte ihre Proteste königlich.
°°
Nachdem sie der Küche einen kurzen Besuch abgestattet hatten, wo sie auf die Hobbits trafen, die sich freuten Silith wiederzusehen, gingen sie zu den Ställen und machten ihre Pferde ausrittfertig. Oder besser gesagt: Legolas holte Arod aus dem Stall, während Silith draußen wartete.
„Wo ist eigentlich deine Stute? Ich habe sie im Stall nicht gesehen", sagte Legolas, als er mit Arod aus dem Stall trat.
„Nemesis läuft frei herum, da sie sonst zu wenig Bewegung bekommen würde. Sie wartet vor den Toren auf mich." Silith nickte hinunter zum ersten Ring der Stadt.
„Nun, dann wirst du wohl bei mir auf dem Pferd reiten müssen, bis wir dort sind." Mit einer leichten Verbeugung trat er vor sie. „Meine Dame, es wäre mir eine Ehre, wenn Ihr bis zum Stadttor auf Arod mitreiten würdet."
Sie nahm den Faden auf. „Im Gegenteil, mein Herr, es ist mir eine Ehre, auf Arod mitreiten zu dürfen", erwiderte sie mit einem Knicks. Gleich darauf lachten sie beide los. So befreit hatte sich Silith schon lange nicht mehr gefühlt.
Legolas half ihr auf Arod und schwang sich dann selbst hinter sie. „Geht's?", fragte er und als sie nickte, ritten sie los. Die überraschten Blicke, die sie von den Wachen an den Toren zugeworfen bekamen, bemerkten sie gar nicht.
°°
Der Tag ging vorbei und sie sprachen nicht ein einziges Mal über Lydon oder den Alchatar; zumindest bis sie wieder im Schloss waren. Dann schnitt Legolas das lang gemiedene Thema an.
„Hast du schon überlegt, was du wegen dem Stein und Lydon machen wirst?", fragte er und beobachtete genauestens ihre Reaktion.
Ihre Gesichtszüge entglitten ihr etwas, aber das war alles. „Ich habe drüber nachgedacht, aber mir ist nichts eingefallen."
Sie sah an ihm vorbei. Ihre Gute Laune war wie weggeblasen. Warum musste er solche Fragen auch immer dann stellen, wenn es ihr halbwegs gut ging und sie das, was unweigerlich kommen würde, einmal für einen kurzen Moment vergessen hatte? Erkannte er denn nicht, dass sie eine Auszeit brauchte?
Auf einmal spürte sie eine Hand an ihrer Wange, die diese sanft liebkoste. „Es tut mir Leid, dass ich dich wieder daran erinnert habe", sagte er, während er ihr sanft über die Wange strich.
„Ist schon in Ordnung...", murmelte sie und wandte ihr Gesicht leicht ab. „Ich meine, du hast ja Recht. Ich sollte mir wirklich langsam mal Gedanken darüber machen, aber..." Sie brach ab und sah betrübt zu Boden. Nach ein paar Momenten nahm sie ihren ganzen Mut zusammen und sah Legolas direkt an. „Was soll ich tun? Wie soll ich jemanden besiegen, der hundertmal so viel Macht besitzt wie ich? Wie?" Sie sah wieder zur Seite.
Silith, die normalerweise alles andere als sentimental war, standen Tränen in den Augen. Sie selbst bemerkte es nicht, doch Legolas sah es sehr wohl. Er nahm ihr Gesicht in seine Hände und zwang sie so ihn anzusehen.
„Ich weiß auch nicht, wie du... nein wir das bewerkstelligen können. Aber was ich weiß, ist, dass du nicht allein bist. Wir werden dich alle unterstützen. Aragorn, Gandalf, Gimli, die Hobbits und ich. Wir haben es geschafft, Sauron endgültig zu vernichten und nun werden wir es auch schaffen, seinen Sohn zu besiegen. Meinst du nicht?" Er lächelte sie zuversichtlich an und ihr blieb nichts anderes übrig als zurückzulächeln. „So! Und jetzt komm! Es gibt Abendessen!"
°°
Silith saß auf einer Bank und erzählte Tinuviel und Eldarion eine ihrer Geschichten, als ein Diener angerannt kam.
„Schnell! Ihr müsst sofort in den Hof kommen!", keuchte er und gestikulierte wild in die Richtung, in die sie rennen sollte.
„Was...?", wollte sie anfangen, doch der Mann schüttelte nur den Kopf und deutete wieder zum Hof.
„Geht! Ich werde mich solange um die Geschwister kümmern!", schnaufte er.
Endlich kapitulierte Silith und raffte ihre Röcke. So schnell es ihr möglich war, rannte sie dorthin. Was sie dort erwartete, wusste sie nicht, aber sie ahnte es...
Wie falsch sie doch damit lag...
Ende Kapitel 10Ja, ich weiß, für das zehnte Kapitel etwas kurz... es waren ja nur rund zwei Seiten weniger. Aber dafür verspreche ich euch, dass das nächste länger wird. Ganz sicher!
Nun ja, hier ein paar Lembas als Wiedergutmacherle.
