Tut mir leid, dass es dieses Mal länger gedauert hat mit dem Update. Ich werde im Moment von diversen Musen belagert, nur diese hier hat es sich anscheinend mit Severus in einer Hängematte am Strand von Tahiti bequem gemacht. °grummel°

Kira: Ja, vorsichtige Annäherung trifft es wohl recht gut. Es ist wirklich nicht zu fassen, wie sehr man Severus bitten muss, ehe er sich dazu herablässt. Sturer Kerl… Aber ich freu mich, dass dir meine Dialoge gefallen. :D °nutellabrot rüberschiebt°
Sepsis: Jaah, ich weiß, ich kann auch nicht ohne Schoki. Aber wenn, dann würde Severus auch nur diese 70 Kakaoanteil-Schokolade essen, wo sich jedem normalen Menschen die Zehennägel kräuseln. ;)
JoNiTo: Jap, er hat sich definitiv weit aus dem Fenster gelehnt. Aber unter dem wäre Hermine auch nicht geblieben. °gg°
Tatze: Ich glaube, im Moment muss einem keiner der beiden wirklich leid tun. °lol° Und was die Schokolade betrifft… Ich habe gerüchteweise gehört, dass es tatsächlich Menschen geben soll, die sie nicht mögen… Ich finde die Vorstellung ja auch grausam. ;)
la dame: °gg° Minerva weiß auf jeden Fall, wie sie Severus nerven kann. Und sie nutzt das gerne mal ein bisschen aus. Albus ist da etwas subtiler. ;)
Nirtak.Enaile: Danke für das Lob und viel Spaß mit dem nächsten Kapitel. :D
Andrea: °blush° Bei deiner Review fange ich mal wieder sehr dümmlich zu grinsen an. Danke für das Lob. :D Aber was du gegen das Ei in Albus' Bart hast, ist mir absolut unbegreiflich. °fg°
Kathi: Und noch eine, die das Ei komisch fand. Ehrlich, in so einer Mähne bleibt einiges hängen. Ich will es mir gar nicht so genau vorstellen… °grusel° Aber Hermine wird auch weiter ihre Frau stehen, immerhin bewegt sie sich damit langsam auf ein höheres Ziel zu. °tehe°
Schanin: Also theoretisch ist die Story fertig. Ich muss es nur noch aufschreiben. ;) Aber ich denke, ich werde niemals wieder eine Story posten, bevor sie nicht fertig auf meinem Rechner liegt. Das ist die reinste Nervensache hier, vor allem, wenn die Muse sich so stur stellt. °ferngespräch nach tahiti verlangt° Ich werde mein Möglichstes tun. :)

Ich wünsche viel Spaß und gute Unterhaltung. :)


- Kapitel 10 -


Die Sommerferien begannen zwei Tage nachdem Severus Hermine davon abgehalten hatte, Hogwarts zu verlassen. Erfolgreich – nun ja, mehr oder weniger. Minerva und Albus hatten es allerdings inzwischen aufgegeben, ihn zu triezen. Der Trick war, nicht darauf zu reagieren. Eigentlich eine sehr simple Methode und noch dazu eine, die er schon früher immer benutzt hatte. Warum er da nicht schon vor zwei Tagen drauf gekommen war, hatte ihn wirklich beschäftigt.

Dabei war die Antwort darauf so simpel wie wenig anderes in seinem Leben. Sie hieß Hermine Granger und diese Erkenntnis regte ihn nicht mehr so auf, wie noch vor knapp vier Wochen. Das hingegen war eines der Dinge in seinem Leben, die nicht so einfach waren. Und da diese Dinge sich am besten regelten, wenn man nicht so genau darüber nachdachte, ließ er es bleiben.

Jedenfalls hatte sich das Verhältnis zwischen ihnen beruhigt und dieser Effekt verstärkte sich noch einmal, nachdem die Schule ruhig und verlassen in der Landschaft klebte und sich von der prallen Sommersonne braten ließ. Severus weigerte sich, das Schloss auch nur einmal zu verlassen und genoss es, dass er jetzt so etwas wie eine Assistentin hatte, die gegebenenfalls Botengänge für ihn erledigen konnte.

Auch das war ein Grund, warum er sich mit ihr gut zu stellen versuchte. Er hatte an diesem ersten Ferientag eine Eule an 'Flourish & Blotts' geschickt und die Lieferung würde spätestens morgen da sein. Das bedeutete vierundzwanzig Stunden, in denen er besser die Füße still halten sollte.

Deswegen verhielt er sich auch denkwürdig gelassen, während er am Nachmittag neben Hermine am Labortisch stand. Und nebenbei versuchte er ihr zu beweisen, dass er seine Gedanken durchaus soweit unter Kontrolle hatte, dass er sie im Ernstfall retten konnte. Sie wusste ja gar nicht, wie viel Ablenkung er vertrug. Aber sie hatte auch noch nie einen Kurs Gryffindors und Slytherins unterrichtet.

Nichtsdestotrotz sorgten die Dämpfe, die strenge Konzentration und der Mangel an Schlaf, den er durch Hermines gelegentliche nächtliche Ängste inkauf nehmen musste, dafür, dass sich recht bald ein ziehendes Pochen zwischen seinen Schläfen bildete. Wie ein Knoten aus robustem Segeltau ballte der Schmerz sich mit fortschreitender Zeit immer fester zusammen und verwandelte seine Mimik in eine steife Maske.

Erst nach über einer Stunde begann Severus sich zu fragen, wer von ihnen der Ursprung dieser Kopfschmerzen war, die ihn sonst immer nur am Freitagnachmittag überkamen, wenn er zwei besonders anstrengende Kurse hintereinander hatte (Hufflepuff und Slytherin aus dem derzeitigen zweiten Jahrgang und Gryffindor und Rawenclaw aus dem entsprechenden fünften Jahrgang; die einen stellten zu wenig Fragen, als dass der Unterricht nicht in einer Katastrophe enden könnte, die anderen zu viele, als dass er dabei nicht die Geduld verlor). Seine Blicke wanderten prüfend zu Hermine, doch sie ließ sich nichts anmerken. Ihre Blicke waren gesenkt, das Gesicht entspannt. Sie zupfte weiter an ihren Petersiliezweigen, zerrieb die Blätter in einer Steinschale zusammen mit etwas Estragon und gab danach beides vorsichtig in den Trank.

Schließlich entschied Severus, dass er zwar trotz Hermines Gefühlen aufmerksam genug war, um eine drohende Gefahr zu erkennen, Kopfschmerzen ihm allerdings den Rest gaben und sie sich beide lieber nicht mehr auf seine Fähigkeiten verlassen sollten. „Ich bin sofort wieder da", informierte er Hermine mit leiser Stimme und ging hinüber in sein Büro.

Kopfschmerzen waren Beschwerden, mit denen er sich schon während der Zeit, in der er Legilimentik und Okklumentik erlernt hatte, abgefunden hatte. Doch heute war er zu verbissen, um auch nur eine seiner bewährten Entspannungstechniken anzuwenden. Deswegen griff er zielsicher nach seiner letzten Ausflucht, einer roten Phiole, und entkorkte sie, ohne auch nur noch einmal auf das Etikett zu sehen. Er kannte seinen Kopfschmerztrank. Würde ihn sogar blind finden. Der schwache Zitronengeruch bestätigte seinen Griff.

Kurz nachdem er den Trank eingenommen hatte, rauschte eine Welle aus angenehm prickelnder Hitze durch seinen Körper, die den Schmerz zwischen seinen Schläfen in die Mangel nahm – ihn jedoch nicht knackte.

Daraufhin bekam Severus große Augen. Sein Trank hatte ihn noch nie im Stich gelassen. Und als er diesen Gedankengang weiterdachte, entfuhr ihm ein leises Brummen. Er musste die Frage nicht einmal stellen, um die Antwort zu erfahren: Hermine Granger. Im Zweifelsfall war es immer Hermine Granger.

Doch heute ließ er es nicht zu, dass ihn diese Erkenntnis verärgerte. Es war durchaus legitim, dass sie Kopfschmerzen hatte. Und es war auch legitim, dass sie dagegen keinen Trank nehmen wollte, sofern es sie nicht in ihrer Konzentration einschränkte. Was nicht legitim war – und damit stand es dummerweise zwei zu eins – war die Tatsache, dass er ihren Schmerz mit tragen musste. Dieser Zauber war wirklich nicht sehr fair ausgerichtet.

Severus straffte seine Haltung, steckte sich eine weitere der roten Phiolen in die Tasche und kehrte ins Labor zurück. Er würde sie nicht darauf ansprechen. Er würde sie zu nichts zwingen und nichts verlangen. Einmal über seinen großen, hakennasigen Schatten zu springen, reichte für mindestens drei Jahre.

Hermine sah ihn scheel von der Seite an, als er nach dem konzentrierten Alkohol griff und begann, die Inhaltsstoffe der Ringelblumenblätter darin zu lösen. Der scharfe Geruch gelangte bald an seine Nase und er inhalierte ihn tief. Eine ganze Reihe Erinnerungen wurden durch diesen Geruch ausgelöst, die meisten davon waren sehr heiter und keine davon würde er freiwillig preisgeben.

„Ist alles in Ordnung?", fragte Hermine nach einigen Minuten.

Severus sah sie mit hochgezogenen Augenbrauen an. „Sicher. Warum?"

Sie zuckte mit den Schultern. „Du siehst blass aus."

„Ach was, ehrlich?" Seine Stimme troff vor Sarkasmus.

Hermine verdrehte die Augen. „Blasser als sonst, meine ich."

„Nun, du siehst auch nicht unbedingt aus wie das blühende Leben", gab er unbekümmert zurück.

„Muss daran liegen, dass hier unten nicht viel blüht." Hermine biss sich amüsiert auf ihre Unterlippe.

„Dein Humor ist wirklich umwerfend."

„Oh, komm schon! Das war witzig. Gib's zu, du fandest es auch witzig!" Sie stützte sich auf dem Labortisch ab und sah ihn mit großen Augen von unten herauf an. An ihrer rechten Wange kräuselte sich eine Haarsträhne, die sich aus dem festen Knoten gelöst hatte, mit dem Hermine ihre Mähne im Labor zu bändigen pflegte.

Severus erwiderte ihren Blick mit stoischem Desinteresse, nicht sicher, ob er auf ihre ausgelassene Stimmung eingehen sollte oder nicht. Zumal er spürte, dass sie eigentlich nicht so ausgelassen war, wie sie vorgab. Ihre Gefühlslage war eine andere. Erschöpft und müde, geplagt von Kopfschmerzen und der Sehnsucht nach frischer Luft und Sonne. Nun gut, das letzte hatte er dazu gedichtet. Aber es war naheliegend. Wer außer ihm verschmähte schon ein wenig Sonnenlicht?

Doch er schweifte ab, was zweifellos an diesen Kopfschmerzen lag. „Wenn ich zugebe, dass ich es ein kleines bisschen amüsant fand, tust du mir dann einen Gefallen?", entschied er sich schließlich, auf die weibliche Neugierde anzuspielen. Und das war weder Zwang, noch ein Befehl. Es war ein Deal. Sehr slytherin.

Vermutlich wurden Hermines Augen deswegen so schmal. „Was für einen Gefallen?"

„Ja oder nein?"

„Ich will erst wissen, worum es geht."

Severus zuckte mit den Schultern, eine Geste, derer er sich sonst nie bediente. „Dann nicht." Er wandte sich wieder seinen Blütenblättern zu und zerrieb diese so gelassen und vor allem konzentriert in seiner Porzellanschale, dass er regelrecht sehen konnte, wie Hermines Neugierde ihren Stolz überwog.

„Also gut. Und nun sag es!"

Er ließ die Schale sinken und sah ihr direkt in die Augen, wohl wissend, dass sie es sonst nicht durchgehen lassen würde. „Es war witzig."

Hermine grinste zufrieden.

„Und nun zu meinem Gefallen." Mit leisem Klappern stellte er Schale und Mörser auf den Tisch und zog die Phiole aus seinem Umhang. Behutsam stellte er sie vor Hermine auf den Tisch. „Gegen Kopfschmerzen", erklärte er, bevor sie die Gelegenheit hatte, ihm wieder eine Ohrfeige zu verpassen.

Hermine sackte sichtlich in sich zusammen, schloss die Augen und ließ ein Seufzen hören. „Ich dachte schon, du bietest ihn mir nie an", murmelte sie, während sie nach der Phiole griff und sie in zwei Zügen leerte.

Severus beobachtete ungläubig das Geschehen vor ihm und ließ dann ein ehrliches, grunzendes Lachen hören, in das Hermine nach einigem Zögern einfiel.


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Am nächsten Tag sortierte Severus die bisherigen Notizen ihrer Experimente, während Hermine in die Winkelgasse aufgebrochen war, um die Lieferung von 'Flourish & Blotts' abzuholen. Zu seiner Überraschung hatte er sie gar nicht lange bitten müssen, was seine Theorie, dass sie sich nach frischer Luft und Sonne sehnte, nur unterstützte.

Entgegen seinem Willen begann er zu überlegen, wie er ihr diesen Wunsch erfüllen könnte. In etwa einer Woche würde es sich lohnen, für die ersten Sommerblumen einen Abstecher in den Verbotenen Wald zu machen. Er brauchte dringend neue Vorräte und es würde sie sicherlich interessieren.

Andererseits war auch das Arbeit und ein wirklich billiger Grund, sie nach draußen zu locken. Vielleicht sollte er die Möglichkeit einfach für einen Spaziergang am See nutzen. Sie könnten reden, so wie sie es vor ihrem unsäglichen Geständnis auch getan hatten. Über die neusten Artikel in Ars Magica oder die Entwicklungen des Krieges, soweit sie darin eingeweiht war. Sie hatten bis vor wenigen Wochen oftmals nach getaner Arbeit noch ein Glas Wein zusammen getrunken, einfach weil er sie als Kollegin geschätzt und die Gespräche unterhaltsam gefunden hatte. Es war lange her, dass er das letzte Mal mit jemandem gesprochen hatte, der ähnlich interessiert an Tränken war wie er selbst.

Er konnte nicht gänzlich verhindern, dass es ihn ärgerte, dass Hermine ihm dies durch ihr Liebesgeständnis genommen hatte. Seitdem geriet er ständig ins Zweifeln, ob er so mit ihr umgehen konnte, wie er es gerne wollte. Auch die Tatsache, dass er selbst möglicherweise dabei war, Gefühle für sie zu entwickeln, machte die ganze Sache nicht besser. Er vermisste einfach die Sorglosigkeit im Umgang miteinander. Hermine hatte es verpatzt.

Ohne dass er es bemerkt hatte, hatte seine freie Hand nach einem leeren Stück Pergament gegriffen und es wütend in der Hand zusammengezogen. Nachdenklich musterte Severus den kleinen Ball und neigte den Kopf, während er in sich hinein horchte. Da war Wut. Viel Wut. Tiefe Runzeln bildeten sich auf seiner Stirn. Egal in welche Richtung Hermine das Verhältnis zwischen ihnen gelenkt hatte, es würde ihn niemals so wütend machen.

Sofort dachte er an die Standardantwort auf alle seine Fragen, denn das hatte sich in den letzten Tagen bewährt. Severus verschloss seinen Geist durch Okklumentik und die Wut verschwand gänzlich. Mit einem zufriedenen Nicken legte er seine Feder beiseite und räumte alles von seinem Schreibtisch, das beim Fallen zu Bruch gehen könnte. Dann stand er auf, holte sich ein großes Tablett und ging ins Labor, um den Vorratsschrank zu sortieren.

Während er dies tat, hielt er seine Barrieren aufrecht. Er konnte mit allen Emotionen, die Hermine ihm sandte, irgendwie umgehen. Doch bei Wut konnte er es nicht drauf ankommen lassen. Er trug selbst viel zu viel davon ganz dicht unter seiner oberflächlichen Gelassenheit, als dass er dieses zusätzliche und nicht gerade geringe Maß hätte ertragen können. Und da Hermine ohne jeden Zweifel als erstes hierher kommen würde, wenn sie zurückkehrte, war es schlauer, dafür zu sorgen, dass er in einer ausgeglichenen Stimmung war.

Nach und nach sammelten sich immer mehr verdorbene oder qualitativ minderwertige Zutaten auf dem Tablett, allesamt verstaut in verschiedenförmige Glasgefäße. Er hatte den Vorratsschrank schon vor Wochen sortieren wollen, doch es war ihm immer etwas dazwischen gekommen (nicht zuletzt der Tod persönlich). Nun hatte sich die optimale Gelegenheit ergeben.

Nach etwa zwanzig Minuten kehrte er mit gut gefülltem Tablett in sein Büro zurück. Die aneinander schlagenden Gefäße gaben klingende Geräusche von sich, einige heller, andere tiefer. Er stellte das Tablett auf eine Ecke seines nun nahezu komplett freien Schreibtisches und reihte die Phiolen und gläsernen Schachteln in einer ordentlichen Kette an der langen Kante auf.

Schließlich brachte er das Tablett an seinen Platz zurück, lehnte sich mit verschränkten Armen gegen den Tisch und wartete.


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Was er nicht lange tun musste. Bereits fünf Minuten später rauschte Hermine ins Büro, ließ die schwere Tasche mit den Büchern dort fallen, wo sie stand, und knallte die Tür so laut ins Schloss, dass die Phiolen neuerlich klirrten.

„Dieser… dieser…", brachte sie wütend hervor, die kleinen Hände zu so festen Fäusten geballt, dass die Haut weiß war. Ihr Gesicht hingegen war tiefrot und Severus konnte es sich nicht verkneifen, spöttisch eine Augenbraue zu heben. „Dieser ignorante Gockel! Dieser Mistkerl! Dieser…"

Sie verstummte schlagartig, als Severus wortlos nach der ersten Phiole griff und sie ihr vor die Nase hielt. Sofort wurde ihr Gesicht ein paar Nuancen heller und sie sah ihn perplex an. „Was soll ich damit?"

Mit seiner freien Hand deutete er auf ein großes Stück leerer Kerkerwand genau gegenüber seines Schreibtisches. „Es dagegen werfen."

Hermines Augen wurden größer. „Warum?"

„Damit ich aufhören kann, meinen Verstand zu verschließen. Du musst dich abreagieren und verdorbene Trankzutaten sind ein hervorragendes Mittel dafür. Also nur keine Scheu, ich habe eine Menge Munition gefunden." Er nickte zu der langen Reihe an Gefäßen hinter sich.

Trotz dieser Erklärung wirkte Hermine mehr als skeptisch. „Severus, ich bin mir nicht sicher, ob…"

„Nun, ich bin es", unterbrach er sie abrupt. „Ich habe meine Erfahrungen mit Wut. Du solltest mir besser vertrauen." Nachdrücklich bewegte er die Phiole vor ihr in der Luft, denn sein Arm wurde allmählich lahm.

Zögerlich nahm Hermine ihm die alten Molchsaugen aus der Hand und drehte sie nachdenklich in den Händen. „Das gibt eine riesige Sauerei", wagte sie einzuwenden.

„Deswegen funktioniert es ja so gut." Severus feixte, zufrieden mit seinen Argumenten.

Neuerlich musterte Hermine ihn skeptisch, trat dann aber doch soweit vor den Schreibtisch, dass sie die Wand vor und die Phiolen hinter sich hatte. Ihre Lippen wurden zu einem schmalen Strich, die Farbe wechselte von rot zu weiß und ihre Augen sprühten angriffslustig.

„Wer hat dich so gereizt?", entschloss Severus sich, ihr den letzten Anstoß zu geben.

Hermines Finger schlossen sich so fest um die Phiole, dass er Angst hatte, sie würde sie gleich hier zerdrücken. Dann allerdings holte sie weit aus und schleuderte das Gefäß mit einem wütenden Grollen gegen die Steinwand. „Lucius Malfoy!", tobte sie, noch während die Molchsaugen platschend zu Boden fielen.

Severus zuckte anerkennend mit den Augenbrauen und hielt ihr die nächste Phiole hin – Fischleber. „In dieser Beziehung ist er wirklich ein Naturtalent", musste er zugeben.

„Er ist ein Mistkerl!" Die Leber lief glitschig und eher schleimig die Wand hinunter.

„Das auch, ja." Das nächste Gefäß.

„Ein Bastard!" Getrocknete Grillen, die teilweise an der Wand kleben blieben.

„Sehr treffend", sagte Severus nüchtern.

„Ein arrogantes Schwein!" Bienenlarven.

„In der Tat."

„Weniger wert als ein kastrierter Flubberwurm!" Fischeier.

Severus sah sie beeindruckt an. „Netter Gedanke."

Hermine wischte sich keuchend die Haare aus dem Gesicht. „Danke."

„Was hat er denn gesagt?"

Nun griff sie selbst nach den Gefäßen, gleich zwei auf einmal. „Och, nur das Übliche…" Das Klirren hallte laut von den Wänden wider, während die zu Boden segelnden Grashalme vollkommen untergingen. „Von Schlammblütern und der Erhaltung der Rasse." Das Tümpelwasser hingegen rieselte wie dreckiger Regen hinab und erfüllte das Büro mit einem widerlichen Geruch. Hermine griff nach den nächsten Gefäßen. „Von Feiglingen und vorgetäuschten Krankheiten." Die Stacheln grüner Igel klirrten beinahe wie Nadeln.

„Ich gehe davon aus, die letzten beiden Punkte galten mir?"

„Natürlich!" Die letzten Gefäße landeten in einem so wilden Durcheinander an der Wand, dass Severus nicht unterscheiden konnte, was eigentlich darin gewesen war. Tief atmend drehte Hermine sich zu ihm um und stemmte die Hände in die Hüften. Hinter ihr puffte es aufgrund einiger Reaktionen, die die bunte Mischung hervorgebracht hatte, und blaue Dampfwolken stiegen auf.

„Nun, geht es dir jetzt besser?", fragte Severus noch immer ruhig. Dass Lucius ihn durch den Dreck zog, war nichts Neues mehr. Es hatte einmal eine Zeit gegeben, da hatte Severus behaupten können, der blonde Mann meine nicht einmal die Hälfte dessen, was er über ihn sagte, wirklich ernst. Doch diese Zeiten waren vorbei und Severus kümmerte es nicht weiter.

„Nein, irgendwie nicht", stellte Hermine frustriert fest und schob die Unterlippe vor.

Severus sah sie nachdenklich an, ließ probeweise seine Barrieren weniger dicht werden und musste ihr Recht geben. Schließlich löste er sich vom Schreibtisch und winkte sie hinter sich her. „Komm mit!"

„Wohin?" Hermine drehte sich verwirrt um sich selbst, während er zur Tür ging.

„Lass dich überraschen." Er hielt ihr die schwere Holztür mit einem einladenden Gesichtsausdruck auf und deutete auf den verlassenen Gang. Ein Schwall kühler, aber frischer Luft trieb in sein Büro und Severus ging gedanklich bereits die Zauber durch, die er nachher hier anwenden musste. Aber vorher hatte er anderes geplant. Denn das hier war die perfekte Gelegenheit, sie an die frische Luft zu setzen – im wahrsten Sinne des Wortes.


TBC…