~Black Lithning: Danke für dein Review ;)
Anmerkung: Das ist mein letztes Kapitel hier bei . Wer an meiner Geschichte weiter interessiert ist, kann bei fanfiktion . de unter "Emmetts Story" weiterlesen.
Kapitel 10
Blut und Begierde
„Rosalie…"
Emmett sprach den Namen wie den Beginn zu einem Gebet. Wenn dieses Brennen in seinem Hals nicht gewesen wäre, dann hätte er versucht etwas Wundervolles dem Aussprechen ihres Namens hinzuzufügen. Aber das durstige Gefühl machte ihn wahnsinnig. Auf dem Tisch hinter Rosalie stand eine Karaffe mit Wasser. Bevor Emmetts Gedanken den Willen zu gehen formulieren konnten, stand er auch schon am Tisch. Emmett stutzte. Irgendetwas an seiner Beweglichkeit hatte sich verändert. Emmett hatte nicht gespürt, sich bewegt zu haben. Aber das Nachdenken darüber verschob er. Eilig fasste er nach der Karaffe und trank das kühle Wasser. Noch eiliger spuckte er es wieder aus, alles an die gegenüberliegende Wand.
Es schmeckte wie passierter Kot. Emmett stellte die Karaffe zurück, die auf dem Tisch in tausend Teile zerschmetterte. Fassungslos blickte Emmett auf die Scherben und dann zu Rosalie zurück. Rosalies Augen zeigten keinerlei Erstaunen. Auch die anderen im Raum schienen eher amüsiert, als erschrocken. Carlisle trat zu ihm.
„Schmeckt nicht, oder?"
Fragte Carlisle nach und legte eine Hand auf Emmetts Arm.
„Wie gesagt, du bist nun ein Vampir, Emmett. Vieles an dir hat sich sehr verändert. Deine Sinne, deine Fähigkeiten, deine körperlichen Kräfte sind um ein vielfaches verstärkt worden. In den ersten Monaten wird keiner von uns mit dir mithalten können. Neugeborene Vampire explodieren vor Energie. Lern dich neu kennen, Emmett. Und versuche deine Fähigkeiten schnell unter Kontrolle zu bekommen. Wir werden dir helfen, so gut es geht."
Carlisle drehte sich kurz zu Esme, die unbemerkt kurz den Raum verlassen hatte, um aus dem Labor im Keller, Blutreserven zu holen. Esme reichte Emmett das Blut in einem Glas.
„Tierisches Blut…trink das, Emmett."
Schon als Esme mit dem Blut den Raum betrat, vibrierte Emmetts Körper. Jeder seiner Sinne war wie berauscht von dem intensiven Geruch. Emmett riss Esme förmlich das Glas aus der Hand und leerte es in einem Zug. Es war nicht besonders gut, aber viel besser, als das Wasser. Esme füllte noch viermal nach, dann war die Blutreserve zu Ende. Emmetts Kehle brannte weiter.
„Schmeckt es immer so…leer?"
Fragte Emmett nach. Carlisle warf einen Blick zu Edward. Beide wussten, was Emmetts Aussage bedeutete. Emmett würde sich mit tierischem Blut nicht lange zufrieden geben. Sobald menschliches Blut in seine Reichweite kommen würde, würde Emmett nicht mehr zu halten sein. Rosalie war inzwischen auch an Emmetts Seite getreten.
„Schmeckt es dir überhaupt nicht?"
Fragte sie leise nach. Für sie selbst war es ungewöhnlich leicht gewesen, sich nur mit tierischem Blut zu ernähren. Emmett zuckte mit den Schultern. Er sah die Besorgnis in Rosalies Augen.
„Ich werde mich noch daran gewöhnen müssen….kann ich noch mehr haben?"
Seine Frage richtete sich an Esme. Esme blickte zu Carlisle.
Carlisle hatte immer noch eine Hand auf Emmetts Arm.
„Es gibt noch Reserven im Keller, aber frisch gejagtes Blut ist besser, Emmett."
Erklärte Carlisle.
„…außerdem schmeckt jedes Tier verschieden. Das hier war Rinderblut. Du musst deinen persönlichen Geschmack noch finden. Wie du gemerkt hast, ist es uns wichtig nur Blut von Tieren zu trinken. Wir möchten keine Mörder sein, darum meiden wir Menschenblut vollständig. Mit wir meine ich Esme, Rosalie, Edward und mich."
Emmett hörte nachdenklich zu. Immer wieder blickte er auf Rosalie, um zu sehen, ob sie Carlisles Worten zustimmte. Ihm war noch nicht ganz klar, wie die Vampire im Raum zueinander standen. Waren sie eine Familie oder eine Organisation…oder nur eine Zweckgemeinschaft oder was anderes? Rosalies Blick war voller Zustimmung für Carlisles Worte. Emmett spürte, dass er ihr wichtig war.
„Gehöre ich jetzt auch zu diesem wir?"
Fragte er ernst nach, Carlisle lächelte.
„Möchtest du denn zu uns gehören?"
Fragte Carlisle zurück. Emmett blickte gedankenvoll in die Runde. Er wusste noch wenig von den Personen im Raum. Am meisten Bezug hatte er zu Rosalie. Jedes Mal, wenn er sie anblickte, spürte er eine tiefe Verbundenheit und eine starke Anziehungskraft. Es war, als hätte er sein ganzes Leben auf sie gewartet. Alles zuvor war unwichtig und nur ein verschlungener Weg in ihre Richtung gewesen. Die zweite Person, die ihn faszinierte war Carlisle. Er hatte etwas Erhabenes, Würdevolles an sich. Emmett konnte sich Carlisle auch gut in einem politisch, hohen Amt vorstellen.
Der junge Mann und die stille junge Frau, Edward und Esme hingegen, die beiden konnte Emmett kaum einschätzen. Edward schien sich ständig über unsichtbare Dinge zu amüsieren. Er war scheinbar ein geselliger, fröhlicher Typ. Ganz nach Emmetts Geschmack. Von Esme hatte er noch am wenigsten wahrgenommen. Ihre Kleidung war zeitlos elegant. Ihr Gesicht strahlte Wärme und Freundlichkeit aus. Sie wusste immer, was gerade nötig war. Auf einem Nebentisch richtete sie einen Kleiderstapel her. Das war bestimmt für ihn gedacht. Esme war der gute Geist des Hauses. Wie eine liebevolle, junge Mutter. Emmett konnte sich nicht vorstellen, dass dieses liebenswerte Mädchen Blut aus einem Tier saugen sollte.
Edward fing wieder grundlos zu lachen an. Emmett wollte zu gerne wissen, was Edward zum Lachen brachte. Doch wieder war nichts zu sehen. Emmett würde es irgendwann herausbringen. Edward war eine Herausforderung für ihn. Doch war das alles genug, um zu ihnen gehören zu wollen? Emmett war hin und her gerissen. Hatte er denn überhaupt eine andere Wahl, als sich den Vampiren im Raum anzuschließen? Und wieder dieses verdammte Brennen im Hals. Bevor Emmett Carlisles Frage beantworten konnte, meldete Edward sich zu Wort.
„Ich finde, Emmett sollte uns erst besser kennen lernen, bevor er sich entscheidet!"
Schlug er vor und zwinkerte Emmett verschwörerisch zu. Rosalie beobachtete kritisch, wie Edward sich mit Emmett verständigte. Auch Emmett schien Edward zu mögen. In Rosalie begann ein eifersüchtiger Dorn zu wachsen. Edward hatte noch einen zweiten Vorschlag.
„Emmett sollte vorerst nicht alleine jagen gehen. Ich übernehme es gerne, mit ihm auf die erste Jagd zu gehen, Carlisle."
„Nein Edward, das brauchst du nicht übernehmen!"
Rief Rosalie mit eisigem Unterton dazwischen. Wie konnte Edward es wagen, zu versuchen ihr Emmett wegzunehmen. Gerade er, der gar nicht gewollt hatte, dass Emmett ein neues Leben bekommen sollte. In Rosalie brodelte es.
„Ich gehe mit ihm jagen!"
Rosalies betonte jede Silbe einzeln und ihr Blick duldete keinen Widerspruch. Doch Carlisle verstand Edwards Absichten. Edward war die sicherste Wahl, denn er hatte Einblick in Emmetts Gedanken. Sobald Emmett in Gefahr geriet Menschen anzufallen, konnte Edward eingreifen.
„Rosalie, es ist besser, wenn Edward mit Emmett unterwegs ist."
Carlisle trat zu ihr und legte beschwichtigend einen Arm um sie.
Rosalie schüttelte Carlisles Arm ab.
„Kommt gar nicht in Frage. Ich bin schneller als Edward. Ich gehe mit Emmett!"
Widersprach sie und fasste nach Emmetts Hand. Carlisle wollte erneut einen Versuch starten, Rosalie umzustimmen, doch Edward hielt ihn zurück. Edward war deutlich von Rosalies Gedanken gewarnt. Jetzt war kein Zeitpunkt einen Familienstreit hervorzurufen. Edward lenkte sofort ein.
„Es ist in Ordnung Rosalie. Es war nur ein Angebot von mir."
Erklärte Edward ihr. Rosalie zog Emmett mit zur Tür. Esme hielt die Beiden zurück.
„Bevor ihr geht, sollte Emmett sich umziehen."
Sie deutete auf den Kleidungsstapel. Rosalie schenkte Esme ein liebevolles Lächeln.
„Du denkst einfach an alles, Esme. Danke dir!"
Flüsterte Rosalie ihr zu. Auch Emmett presste einen leisen Dank hervor. Er war wie im Fieber. Das Brennen in ihm wurde zusehends stärker und dunkler. Die Gespräche um sich bekam er nur noch gefiltert mit. Das Einzige was ihn einen Moment aus dem dunklen Hungertrieb herausriss, war Rosalies Hand. Rosalies Berührung schlug wie ein Blitz in seinen Arm. Eine neue starke Regung erhob sich gegen den beißenden Hungertrieb. Er starrte auf Rosalies Körper. Ihre Kleidung war eng anliegend und ihr Oberteil tief ausgeschnitten. Emmett atmete schneller. Noch hatte er den stärker werdenden Hungertrieb im Griff, aber diese neue Begierde kostete ihm alle letzte Kraft. Rosalie war zu sehr in ihren ärgerlichen Gedanken über Edward, als das sie Emmetts Blick bemerkte. Sie reichte Emmett die Kleidung, die Esme bereit gelegt hatte, dann zog sie Emmett aus dem Raum.
„Du kannst dich oben in meinem Zimmer umziehen"
Erklärte Rosalie und stieg schnell die Treppe hinauf zu den oberen Räumen. Emmett folgte ihr. Rosalies Raum war zweckmäßig eingerichtet. Kaum vergleichbar mit den luxuriösen Räumen in ihrem menschlichen Leben. Er bestand aus einem riesigen Kleiderschrank, einem Spiegel und einem Sofa. Eine Nebentür führte in ein Bad. Rosalie schloss die Tür hinter Emmett, drehte sich zu ihm. Emmett hatte keinen Blick für den Raum. Er stand unruhig in der Mitte des Raumes.
Rosalie wurde bewusst, dass sie nun alleine mit Emmett war. Ihr Ärger auf Edward war wie weggeblasen. Sie war allein mit Emmett in einem Raum. Rosalie blieb, wie gebannt an der Tür stehen. Sie war schon einmal alleine mit einem Mann, der ihr wichtig gewesen war, in einem Raum gewesen. Einem Mann der sich schuldig an ihrem Tod gemacht hatte und ihre Liebe mit Füßen getreten hatte. Und nun war sie wieder mit jemandem im Raum, für den sie viel empfand. Das Eine durfte nichts mit dem Anderen zu tun haben. Nichts war gleich, Emmett war kein bisschen, wie dieser andere Mann, dessen Namen sie nie wieder aussprechen wollte. Rosalie versuchte die Erinnerung an dieses vergangene Ereignis sofort aus ihren Gedanken zu verdrängen. Es gelang ihr kaum.
„Ich…lass dich besser alleine zum Umziehen…"
Schlug sie vor und spürte, wie ihre Selbstsicherheit in sich zusammenfiel. Emmett hatte die Kleidungsstücke auf dem Sofa abgelegt und blickte zu ihr. Sein Oberkörper war frei, seine zerfetzte Hose kaum mehr erkennbar. Emmett war so unglaublich attraktiv.
Und Emmetts Augen gehörten nur ihr. Rosalie erwiderte seinen bewundernden Blick. Emmett kam näher und griff nach ihrer Hand. Seine Hand zitterte und fühlte sich fast warm an. In Emmetts Gedanken war Krieg. Die eine Armee kämpfte für Liebe und Gerechtigkeit, die zweite dunkle Armee war getrieben von Lust und Begierde. Emmetts Augen glühten dunkel. Rosalies verführerischer Anblick war für ihn kaum mehr auszuhalten.
Noch ein Schritt näher und der Krieg wäre verloren. Emmett atmete ihren berauschenden Duft ein und Rosalie spürte seinen schnellen Atem auf ihrem Gesicht. Er war so wunderschön. Mit einem Schlag kehrte ihre Selbstsicherheit zurück. Nichts war vergleichbar mit der Situation aus ihrem früheren Leben. Die junge, schwache Rosalie gab es nicht mehr. Und das hier war nicht Royce, das war Emmett und alles an ihm war perfekt. Sie selbst hatte ihn erwählt. Hungrig nach seiner Nähe überwand Rosalie die Distanz zwischen ihren Gesichtern und küsste Emmetts wundervolle Lippen.
Emmetts Kontrolle zerbrach, wie die Karaffe in tausend Scherben…
