Kapitel 9 – Heiße Herbstnächte (Draco)

Die ersten Novemberwochen vergingen wie im Fluge für Draco, ständig hatte er zu tun gehabt. Der Umzug in den Turm, seine Verpflichtungen als Lehrer und als Schüler, er war so beschäftigt wie nie zuvor. Und nie hatte er sich so erfüllt gefühlt.

Das Lehren bereitete ihm große Freude. Die Schüler hegten für ihn zwar die wenigste Gegenliebe von allen vier Junglehrern – denn er galt als streng und kühl, und eine Handvoll Schüler hatte sicher ein wenig Angst vor ihm –, aber im Vergleich mit den drei Gryffindors, die ihre Eleven fast zu Tode herzten, konnte er nicht mithalten; absolut betrachtet war er immer noch außerordentlich beliebt.

Am Ende jeder Stunde VGDK sammelten sich also um jeden der Lehrer eine Traube von Schülern, die Fragen hatten; aber nicht, weil sie etwas nicht verstanden gehabt hätten, sondern weil sie neugierig geworden waren, mehr wissen wollten von Werwölfen und Kappas, von Grindelohs und Gnomen. Und zu Draco kamen sie mit den schweren Fragen. Denn wer ihm eine einfache Frage stellte, bereute es bald, musste selbst alles erzählen was er zum Thema wusste, bis er von selbst die Antwort fand.

Einer der wissbegierigsten war der junge Snow geworden, den Draco schon langsam ins Herz geschlossen hatte. Nach jeder Stunde kam er zu ihm und stellte ihm knifflige Fragen zum Unterricht, und strahlte Draco mit einem breiten Lächeln an, wenn er sich für die Antworten bedankte. Er war auch einer der wenigen Slytherin, die den Umzug Dracos zu bedauern schienen.

Einige Schüler fragten sogar, ob man nicht Dumbledores Armee wiederbeleben könnte. Die Junglehrer lehnten zwar geschlossen ab („Ohne guten Grund werden wir keine paramilitärische Organisation in Hogwarts dulden!"), aber die dahinterstehende Idee eines mehr auf die Praxis angelegten Extrakurses – wie zum Beispiel eines Duellierklubs – hätten sie gerne umgesetzt, hätten sie die Zeit gehabt.

Draco fand so viel Gefallen am Unterrichten, dass er in Erwägung zog, nach der UTZ-Prüfung in die Fußstapfen Severus' zu treten und Zaubertränke in Hogwarts zu unterrichten. Wenn er nach Hogwarts ein paar Jahre Erfahrung als Ministeriumsalchimist sammeln würde, würde er nach der Pensionierung von Professor Slughorn dessen Posten übernehmen können. Oder überhaupt als zweiter Lehrer in Hogwarts für dieses Fach arbeiten. Denn dass es nur einen Lehrer pro Fach gab, erschien ihm sehr merkwürdig.

Bei ihren kleinen Lehrerkonferenzen hatte er oft mit Hermine darüber diskutiert: An jeder Muggelschule gibt es mindestens zwei Lehrer, die ein Fach unterrichten können, damit sie zum Beispiel im Fall einer Krankheit einander vertreten könnten. Wenn in Hogwarts ein Lehrer ausfiel, gab es das Fach einfach nicht mehr. Wem war so ein beklopptes System eingefallen?

Auch hätte Draco seinen Zeitplan ein wenig lockern können, wenn er auf den Ministeriumsalchimisten hinarbeiten würde, denn dann hätte er zum Beispiel auf Zauberkunst verzichten können, und doch noch einen Duellierklub aufbauen, oder zumindest mehr Zeit für Verwandlung aufbringen.

Seine Noten litten – wie auch die seiner drei Junglehrerkollegen – kaum, im Gegenteil: Vor allem Weasleys Leistungen näherten sich langsam den Niveau seiner Freundin (gaaanz langsam, aber doch). Der Extradruck schien ihn zu beflügeln, oder vielleicht auch nur die Tatsache, dass er ein wenig mehr Respekt vor dem Lehreramt bekommen hatte, das er ja nun selbst ausüben durfte.

Eine Ausnahme bei Dracos Noten bildete nun aber eben Verwandlungen. In dem Fach hatte er immer schon ein wenig Probleme gehabt – seit er einmal von diesem durchgeknallten Professor in ein Frettchen verwandelt worden war –, doch jetzt kam er ernsthaft ins Straucheln. Daher nahm er seit Anfang Oktober Nachhilfe; jeden Sonntag Abend drei Stunden. Natürlich hätten Harry oder Hermine ihm gerne Privatunterricht gegeben, aber Draco wusste, wie eng deren Zeitplan war und wollte ihn nicht weiter einengen; irgendwann mussten sie ja auch ihre eigenen Hausübungen erledigen und für die UTZ-Prüfungen lernen.

Daher lernte er mit Ramona Rodriguez, einer Ravenclaw aus dem siebten Jahrgang. Einer sehr attraktiven Ravenclaw, wohlgemerkt. Langes, braunes Haar, braune Augen, dunkle Haut, nicht enden wollende Beine und „ordentlich Holz vor der Hütten" – wie Blaise sie in der Vergangenheit charakterisiert hatte. Da sie beim Lernen immer nah beisammen saßen, kam er immer in den Genuss ihres verführerischen Parfums (sie duftete immer nach Flieder), ihr Englisch hatte einen leichten spanischen Akzent (oh, wie sie das R rollen konnte, muy caliente) und sie schien auch ein gewisses Interesse an Draco zu zeigen. Sie brachte also Dracos Blut in Wallung. Nicht selten führte sein Weg nach der Nachhilfe zuerst ins Badezimmer, wo er eine „lange Dusche" nahm.

Draco bereute es aber bald, seinen neuen Freunden von seiner Begeisterung für sie erzählt zu haben. Sie alle sagten ihm, dass es nur seinem Plan schaden könne, falls der Funke überspringe. Und Harry schien sich sogar aktiv zu bemühen, den Plan zu schützen, indem er sie regelmäßig Sonntag abends zum Nachsitzen verdonnern wollte. Überhaupt wurde er fast feindselig ihr gegenüber, stellte ihr die schwierigsten Fragen und nahm sie als Versuchskaninchen für Verteidigungszauber.

Draco selbst wusste, wie schwierig die Situation für ihn geworden war: Ramona wollte ihn, er wollte sie; das war inzwischen klar geworden. Aber wie hätten sie zusammenkommen können? Nicht nur der Plan stand hier auf dem Spiel, auch seine schulische Karriere: Er war zwar einerseits in Verwandlung ihr Mitschüler, aber in VGDK war er ihr Lehrer. Und dass ein Lehrer und eine Schülerin ... Absolut undenkbar, die Folgen wären katastrophal.

Draco versuchte deshalb sich von ihr abzulenken. Das erste Wochenende in Hogsmeade zwei Wochen nach Halloween war eine willkommene Möglichkeit dazu. Eigentlich hatten Harry und er vorgehabt, ein wenig in der Ortschaft herumzuspazieren und sich dann in den Drei Besen mit Hermine und Weasley zu treffen. Doch stellte sich heraus, dass Reporter der Klatschpresse bereits Wind von dem neuen Liebespaar erfahren hatten und nun Hogsmeade belagerten; denn Hogwarts selbst durften sie nicht betreten (einer hatte es versucht und hielt sich fortan für einen Kolibri). Daher warteten Paparazzi auf eine Gelegenheit, die beiden außerhalb Hogwarts' zu erwischen.

Und Draco hatte sich bereits darauf gefreut: Die Presse war ein geeignetes Mittel, um Lucius mitzuteilen, was Sache war. Aber Harry wollte das nicht, er hatte in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen mit den Medien gehabt und ließ in diesem Punkt auch nicht mit sich reden, obwohl Draco sich angestrengt um seine Zustimmung bemüht hatte.

Also mussten sie sich an den Pressefritzen vorbeischleichen. Zu diesem Zweck nahm Harry seinen Unsichtbarkeitsmantel mit und, während Hermine und Weasley durch Hogsmeade flanierten, folgten ihnen unsichtbar Draco und Harry. Es war ein recht kalter Tag; zumindest muss Harry recht kalt gewesen sein, weil er ständig Körperkontakt mit Draco suchte.

Dem Gryffindor schien überhaupt schon den ganzen November kalt zu sein. Sooft es möglich war, saß er ganz dicht neben ihm. Draco war das recht. Schließlich ging es um die Vorspiegelung einer Beziehung, und da sind solche Berührungen durchaus angebracht. Außerdem macht ihm Körperkontakt inzwischen nichts mehr aus – wohlgemerkt: Körperkontakt mit Harry, er war der einzige, der Draco gefahrlos berühren durfte.

Als sie die vier Junglehrer Drei Besen erreichten, setzten sie sich in einen Winkel – Harry ganz dicht an Draco –, der möglichst frei von neugierigen Blicken waren. In einem unbeobachteten Augenblick zogen sie den Tarnumhang ab und bestellten je ein Butterbier und begannen zu plaudern. Gelegentlich kam ein Schüler, der ein freundliches Wort für die Damen und Herren Professoren hatte, gelegentlich ein Slytherin, der im Vorbegehen ein unfreundliches Wort flüsterte, und zu guter Letzt Professor Slughorn, der sich zu ihnen setzte.

Er begrüßte sie alle in seiner jovialen Art und verwickelte sie in ein Gespräch über die verrückten Verschwörungstheorien, die nach dem Sturz Voldemorts entstanden waren; eine war lächerlicher als die andere: „Von den alten Geschichten mal abgesehen, dass sich Todesser im verborgenen Wald herumtreiben würden und so weiter, gibt es einige echt lustige Geschichten: Ein Spinner zum Beispiel hat entdeckt, dass Voldemort ein Anagramm von Old Rev Tom ist. Rev ist natürlich die Abkürzung von Reverend – Hochwürden –, und deshalb hat es sich jetzt zum Auftrag gemacht, jeden Geistlichen, der alt ist und Tom oder Thomas oder Tomáš und so weiter heißt, aufzusuchen, ob sich nicht Voldemort in seiner Seele eingenistet hätte!"

Slughorn lachte aus voller Kehle, und auch seine Schüler/Kollegen stimmten mit ein.

„Aber", fuhr er fort, „selbst wenn es so wäre – wenn Voldemort wirklich zurückkäme – müssten wir uns ja keine Sorgen mehr um ihn machen. Wie ich höre, sorgen Sie, liebe Kollegen, dafür, dass jeder einzelne Schüler die Dunklen Künste mit verbundenen Augen bannen könnte."

Hermine ergriff, wegen des Kompliments mit leicht geröteten Wangen, das Wort: „Danke, Prof Slughorn, aber ich glaube, das meiste Lob gebührt Harry und Draco. Sie sind die wahren Experten, und ein unschlagbares Team."

Slughorn drehte sich zu den beiden und bevor Draco und Harry Hermines Kompliment abwehren konnten, sagte er: „Ein unschlagbares Team, ja, und sehr beliebt. Aber beides trifft auch auf Sie und Ihren Freund zu, Ms Granger ... Ah, da fällt mir ein, ich wollte Ihnen vieren von einem Zwischenfall erzählen ... Sie haben es vielleicht schon gehört, aber in meinem Unterricht hat heute jemand versucht, einem Schüler einen dummen Streich zu spielen. Der Name des Schülers ... ist Rodric Bulstrode."

Draco fuhr hoch: „Bulstrode?"

Was auch immer ihm geschehen ist, er hat es sich verdient! Das war diese kleine Drecksau, der mich im Unterricht als „Prof Mörder" angesprochen hat, und ich weiß, dass er es war, der mir immer vor die Zimmertür geschissen hat!

„In der Tat. Jemand hat einen Verwandlungstrank in seine Trinkflasche gefüllt."

„Einen Verwandlungstrank?"

„Und ... was ist geschehen?" fragte Hermine.

„Ihm ist ein Schweif gewachsen. Wissen Sie, Mr Malfoy, zu welchem Tier der Schweif gehörte?"

„Nein ... Aber ... Sie würden nicht fragen, wenn es nicht auch ein Löwen- oder ein Tigerschwanz wäre, nicht wahr?"

„In der Tat war es ein Löwenschwanz. Genauso wie bei Ihnen."

„Das wird wohl kaum Zufall sein", sagte Harry, der bisher stumm gelauscht hatte.

Draco zog skeptisch eine Augenbraue hoch: „Warten Sie, Sie wollen Doch nicht etwa sagen, dass... dass ich..."

„Aber, nein, Mr Malfoy", wehrte Slughorn ab. „An Ihrer Unschuld besteht kein Zweifel."

„Warum das?, fragte Draco, langsam genervt, dass Slughorn sich jedes Stück Information mühsam aus der Nase ziehen lies.

„Wir haben die Übeltäter bereits erwischt. Und sie sind geständig."

„Sie ... sind ... ? Mehrere?"

Slughorn genoss es sichtlich, dass alle vier an seinen Lippen hingen. Er hätte das, was er sagen wollte, in einem Satz auch sagen können, aber das hätte nicht eine so einschlagende Wirkung gehabt. „Sie sind mehrere. Um genau zu sein, es war fast die ganze siebte Klasse, die dahinter steckte. Schüler aus allen Häusern. Aus wirklich allen."

Draco stockte der Atem. Harry spannte seine Muskulatur an – er saß so dicht neben Draco, dass dieser so etwas fühlen konnte – und sprach: „Die halbe Klasse hat das getan? Und warum?"

„Ihretwegen, Mr Malfoy und Mr Potter. Die Schüler sind so angetan von Ihnen, dass sie sich entschlossen haben, Vergeltung für das Ihnen zu Halloween widerfahrene Unrecht zu üben." Und Slughorn lachte noch einmal auf und klopfte Harry fest auf die Schultern: „Was auch immer Sie beide im Unterricht tun, machen sie damit weiter!"

Sie unterhielten sich noch bis spät in den Abend hinein. Andere Gesprächspartner hatten sich zu ihnen gesetzt und sich wieder von ihnen verabschiedet. Die Sonne war schon lange untergegangen, als sie sich auf den Weg zurück ins Schloss machten. Slughorn, der freundlicherweise die Rechnung der vier übernommen hatte, blieb noch in den Drei Besen, um sich noch mit Bekannten zu unterhalten.

Im Schloss angekommen hatte sich Draco – wieder einmal – in der Eingangshalle von ihnen verabschiedet und wollte zu den Kerkern gehen, als ihm einfiel, dass er ja jetzt denselben Weg zu gehen hatte, wie seine Freunde: „Alte Gewohnheiten legt man nicht so einfach ab."

Plötzlich hörte er Weasleys Stimme hinter sich knurren: „Das glaube ich Dir gerne, Draco."

Draco reagierte nicht auf diesen Kommentar – das machte Hermine, indem sie Weasley einen Klaps auf den Hinterkopf gab. Draco ging nur still neben Harry die Treppen hinauf, vereinzelt entgegenkommende Schüler grüßten sie und die vier grüßten zurück.

Sie gaben der fetten Dame in ihrem Portrait das Passwort („Gnothi seauton"; man hatte Draco erzählt, dass das auf Altgriechisch „Erkenne dich selbst!" bedeuten soll) und kletterten durch das Loch in den Gemeinschaftsraum.

Es waren nur mehr wenige Schüler im Raum: Zwei spielten Zauberschach, ein Fünftklassler war in Zaubertränke für Dummies vertieft, ein paar diskutierten über das Quidditch-Match Hufflepuff vs. Ravenclaw vergangene Woche.

Draco fühlte sich inzwischen hier nicht mehr wie ein Fremdkörper. Von Anfang an hatten sich alle Mühe gegeben, ihm klarzumachen, dass er hier willkommen war (mit zwei rothaarigen Ausnahmen, die sich eher reserviert ihm gegenüber verhielten). Dass er als Slytherin im Haus der Gryffindors willkommen war, war ihm sehr wichtig: Dass er hier weiterhin Slytherin bleiben durfte, aber dennoch kein Außenseiter sein musste. Niemand verlangte, dass er auch offiziell ins Haus Gryffindor wechseln sollte, niemand nahm Anstoß daran, dass er anders aussah (denn überall dort, wo die Gryffindors auf ihren Schals, Pullovern und Hosen Rot, Gold und den Löwen hatten, prangten auf sein Gewändern Grün, Silber und die Schlange).

„So funktioniert Integration", dachte er voller Bewunderung für die Löwen von Hogwarts.

Gerne erinnerte er sich an den Abend, als er hierher umgezogen war:

Noch am selben Tag, als McGonagall den Quartierwechsel aufs Tapet gebracht hatte, waren Dracos Siebensachen nach oben, in den Turm verfrachtet worden. Als er dann am Abend jenes Tages gemeinsam mit Harry und zwei Anhängseln am Steißbein aus der Krankenstation entlassen wurde, hatte er keinen Grund mehr, in die Kerker zurückzukehren, Harry führte ihn direkt in den Turm. Die „Anrainer" waren bereits von Hermine informiert worden und veranstalteten sogar eine kleine Genesungs- und Willkommensparty für die beiden.

Die Party war sehr lustig; nur dieses Spiel, wo man einem Bild von einem Esel einen Schwanz anstecken musste, beäugte Draco höchst argwöhnisch – ganz anders als Harry, der sich einen Spaß daraus machte, den Eselsschwanz nicht mit seinen Händen, sondern mit seinem eigenen Tigerschwanz zu halten. Alle waren freundlich, klopften ihm auf den Rücken, erzählten ihm, wie sehr sie sich über den Neuen freuten. Viele Schüler sagten ihm, wie sehr ihnen Dracos neuer Schwanz gefalle und dass er gleich viel „knuddeliger" wirke – oh, das Wort „knuddelig" hatte ihm keinen Spaß bereitet – und dass es schade wäre, dass er ihn so bald wieder verlieren würde. Die Jüngeren spielten gerne damit, die Katze von Hermine war ganz aus dem Häuschen und irgendjemand hatte sogar mal die Schwänze von Harry und Draco zusammengeknotet.

Und dann kam die erste Nacht in seinem neuen Schlafzimmer. Es war ziemlich genauso, wie er es sich vorgestellt hatte: Weasley sprach nur mit Harry und seine ganze Kommunikation mit Draco bestand aus bösen Blicken. Harry auf der anderen Seite schien ganz aufgeregt und quasselte wie ein Wasserfall. Und auch er hatte einen Blick für Draco, der aber alles andere als böse war. Harry konnte seine Augen kaum von ihm nehmen.

Sein Bett stand neben dem Harrys, weiter weg von dem Weasleys. Und er war dankbar dafür, denn Weasley sägte im Schlaf ganze Wälder um.

Weasleys Donnergrollen – das war wohl der treffendste Ausdruck für sein Schnarchen – hielt ihn wach. Er drehte sich in alle möglichen Positionen in der Hoffnung eine zu finden, in der er einschlafen könnte. Dann überlegte er, ob ihm nicht ein Zauber einfalle, der Weasley verstummen ließe – es fielen ihm einige ein, sämtliche hätten Weasley endgültig verstummen lassen und kamen daher nicht wirklich in Frage.

Wie kann Harry nur neben so einem Radau schlafen?

Als ihm aber gegen ein Uhr morgens diese Zauber immer verlockender schienen, entschloss er sich, seine Bettdecke zu nehmen, heute im Gemeinschaftsraum zu schlafen und morgen in der Bibliothek nach einem geeigneten Mittel zu suchen. Aber als er aufgestanden war, hört er plötzlich eine leise Stimme hinter sich:

„Wo gehst Du hin?"

Es war Vollmond, Selene strahlte mit all ihrer Kraft in das Zimmer und erhellte es. Deutlich konnte er Harry sehen, der sich in seinem Bett aufgesetzt hatte.

„Oh, entschuldige, Harry, ich wollte Dich nicht aufwecken."

„Du hast mich nicht aufgeweckt. Ich konnte nicht schlafen."

Draco grinste: „Ich auch nicht." Er deutete auf Weasley. „Wie ein Sägewerk ... Ich schlaf heute im Gemeinschaftsraum."

Harry gähnte und streckte sich: „Da weiß ich was Besseres", griff nach seinem Zauberstab, richtete ihn auf den Rothaarigen und flüsterte „Silentium!"

Augenblicklich verstummte Weasley, obwohl man noch sehen konnte, dass er ziemlich laut weiterschnarchen musste.

Im Geiste musste sich Draco aufs Hirn greifen: Silentium! Auf den Spruch hätt ich auch selbst draufkommen können.

Der Slytherin atmete auf: „Puh, Danke! Jetzt werd ich schlafen können.", setzte sich zurück in sein Bett und sah zu Harry.

Und er wunderte sich.

Er betrachtete den Gryffindor, seine schwarzen, zerzausten Haare ... seine im Mondlicht silbern schimmernde Haut ... seine großen Augen, in denen er auch im Dunkel der Nacht ein helles Grün zu sehen meinte ... seine haarlose Brust – denn Harry schlief mit nacktem Oberkörper ...

Mir ist nie aufgefallen, wie hübsch er eigentlich ist. Wenn ich wirklich schwul wäre und wir wirklich Liebhaber ... wir kämen nicht aus dem Bett heraus ... Und mein Leben wäre so viel einfacher ... Vielleicht unser beider Leben ...

Er riss sich aus seiner Träumerei und fragte Harry: „Und was hält Dich wach? Vielleicht kann ich ja helfen."

Harry öffnete seinen Mund, aber er ließ ihn sofort wieder zuschnappen und schüttelte den Kopf, als wollte er einen Gedanken bei den Ohren rausschleudern.

„Na, dann ... Gute Nacht, Harry!"

„Gute Nacht."


Seit dem Ausflug nach Hogsmeade waren zwei Wochen vergangen. Es war Sonntag und Draco kehrte wieder einmal von der Nachhilfe bei Ramona zurück. Draußen war es bitterkalt geworden, aber Draco war heiß. Zwischen ihnen hatte es einen Moment gegeben, in dem sie einander fast geküsst hätten. Im letzten Moment hatte sie aber eingelenkt und sich entschuldigt, dass sie das Harry nicht antun könne – wie schön der Name Harry aus ihrem Munde klang, mit diesem wunderbar gerollten R –, bevor sie den Unterricht abrupt beendete.

Draco war daraufhin in sein Zimmer gestürmt, um sich von dort ins Badezimmer zurückzuziehen und sich selbst sexuelle Erfüllung zu verschaffen. Als er im Zimmer ankam, saß dort Harry an seinem Arbeitstisch und schrieb gerade einen Aufsatz. Er schien auf Draco gewartet zu haben.

„Nanu, schon zurück? Du kannst wohl nicht schnell genug ins Badezimmer?"

„Ramona hatte heute noch einen Termin", log er schnell. „Und was meinst Du mit dem Badezimmer?"

Harry stand vom Tisch auf und machte ein paar langsame Schritte auf Draco zu, er schien irgendwie schlecht gelaunt: „Du wohnst seit einem Monat hier. Du duscht jeden Morgen und bist nach zehn Minuten fertig. Aber jeden Sonntag, wenn Du von dieser Ravenclaw zurückkehrst, duscht Du mindestens eine halbe Stunde."

„Einmal in der Woche wasche ich mich eben besonders beflissentlich!"

„Quatsch." Harry errötete leicht, und er vermied es, Draco in die Augen zu sehen. „Du wäscht einen Körperteil, aber den polierst Du besonders gründlich."

Was ist denn los mit ihm?

„Na gut, ich onaniere. Ist das etwa verboten?"

„Natürlich nicht." Sein Kopf wurde hochrot, langsam fuhr er fort, seine Augen auf einen Punkt auf Dracos grüngesäumten Pullover geheftet: „Aber wir sind jetzt ein Paar. Und wenn Du solche Bedürfnisse hast, dann ... dann sollst Du Dich an mich wenden."

Draco musste lachen: „Ich versteh Dich nicht ganz. Erstens, wir tun nur so, als wären wir ein Paar, schon vergessen? Die Geschichte mit Lucius? Und zweitens, ich bin nicht schwul! Ich steh auf Frauen!"

Harry sah ihm plötzlich in die Augen: „Es gibt kein schwul oder hetero, wenn es um Sex geht. Nur bei der Liebe gibt es das. Wenn Du spürst, wie ein Mund an Deinem Schwanz lutscht; glaubst Du, der Mund eines Mannes fühlt sich anders an als der einer Frau?"

Draco trat erschrocken einen Schritt zurück: „Harry, was ist los mit Dir?"

„Ich habe Dir zuerst eine Frage gestellt", sagte Harry und machte einen Schritt vor. „Und Ich will eine Antwort." Er ging noch einen Schritt auf Draco zu, der wieder einen Schritt zurückwich. „Ist der Mund eines Mannes wärmer oder vielleicht feuchter als der einer Frau?"

Draco schluckte.

Was ist nur in ihn gefahren? Er will mir etwa einen ...? Das ist doch überhaupt nicht seine Art! ... Vor allem dieses Drängen!

Der Blonde tat noch einen Schritt zurück, der Schwarzhaarige noch einen Schritt vor.

„Draco, ich will Dich." Schritt. „Aber ich werde nichts gegen Deinen Willen machen." Schritt. „Sag Nein, und ich werde Dich nicht berühren!"

Schritt.

„Ron könnte jeden Moment reinkommen!"

Schritt.

„Ron ist noch mehrere Stunden in der Bibliothek, das hat er mir versprochen."

Er hat es ihm versprochen? Weiß Weasley von dem hier?

Schritt.

Und plötzlich stand Draco mit dem Rücken zur Wand.

„Harry, was ist los mit Dir? Ist Dir nicht wohl?"

„Mir geht es bestens, Draco ..." Er steckte seine Hände in Dracos Gesäßtaschen. „Sag einfach Nein, Draco, wenn Du das nicht willst."

Nein sagen, wenn ich das nicht will ...

Er sah tief in die Harrys Augen, in diese wunderschönen Smaragde.

Nein ...

Er fühlte Harrys heißen Atem auf seiner Brust.

Nein ...

Er fühlte, dass Harry erregt war.

Nein ... das werde ich nicht sagen.

Harry wartete. Er starrte in Dracos silbergraue Augen und wartete.

Ich werde nicht Nein sagen, Harry.

Harry wartete scheinbar ewig. Keiner von beiden bewegte sich. Schließlich stellte sich Harry auf die Zehenspitzen, um seine Lippen auf die Dracos zu drücken, und wartete erneut, seine Augen tief in die Dracos versunken. Als dann immer noch kein Nein kam, begab sich Harry auf die Knie.

Draco blickte geradeaus nach vorne, zu dem Arbeitstisch, an dem bis eben Harry gesessen war.

Sein Körper erbebte, als er Harrys Hände fühlte, die seinen Gürtel aufmachten, seine schwarze Jeanshose und schließlich seine Boxershorts bis in die Kniekehlen runterzogen.

Und dann fühlte er ihn. Er fühlte Harrys Hände und Harrys Mund auf sich. Er fühlte eine Zunge, fühlte Lippen auf sich.

Er stemmte sich gegen die Wand, seine Hände ballten sich zu Fäusten und verkrampften; noch nie hatte er so etwas empfunden. Etwas so Gutes.

Pansy hatte ihn auch einmal mit ihrem Mund verwöhnt. Besser gesagt, sie hatte es versucht. Aber das damals war etwas ganz anderes, war etwas Liebloses im Vergleich zu dem, was Harry mit seinem Mund und seinen Händen an Dracos erigiertem Glied und seinem Hodensack machte.

„Nh ...", stöhnte Draco auf, und sah hinab zu Harry, der vor ihm kniete und ebenfalls leise stöhnte; er sah zu Harry, dessen Zunge sich um Dracos Eichel wand; zu Harry, dessen grüne Augen gelegentlich zu ihm aufsahen und ihm dabei fast noch einmal dasselbe Vergnügen bereiteten wie seine Zunge.

„Harry ...", stöhnte er mit heiserer Stimme.

Die Wonne, die Harrys Zärtlichkeiten in ihm auslöste, war zu groß. Wenige Minuten, nachdem Harry seine Liebkosungen begonnen hatte, fühlte er, wie er auf den Höhepunkt zudriftete.

Mit versagender Stimme flüsterte er: „Harry ... gleich ... komme ..."

Und wenige Momente später geschah es: Er stemmte sich wieder gegen die Wand, ballte seine Hände zu Fäusten und biss in sein Handgelenk, um sein Aufstöhnen einzudämmen, als sich sein Samen in Harrys Mund ergoss.

Dann sank er kraftlos die Wand entlang zu Boden.

Nun wieder auf Augenhöhe mit Harry, starrte er in dessen jadegrüne Augen, in denen er viel Zufriedenheit, und noch mehr Verlangen zu erkennen meinte.

Er hat recht. Beim Sex ist es egal, ob Mann oder Frau. Vergnügen ist Vergnügen.

Und er wusste, er musste jetzt auch etwas tun. Es wäre ungerecht, die Sache jetzt enden zu lassen.

Er stand auf und zog sich die Hose hoch, sodass er gehen konnte, während Harry, weiterhin am Boden kniend, jede seiner Bewegungen beobachtete. Dann bückte er sich, packte den schmächtigen Gryffindor, trug ihn wie der Bräutigam seine Braut und legte ihn sanft in sein – Dracos – Bett. Während Harry ihn weiterhin mit großen Augen anstarrte, legte er sich neben den schwarzhaarigen Gryffindor.

Er ließ seinen Blick über Harrys Körper wandern, von seinen Socken über seine schwarze Hose mit der deutlichen Ausbeulung im Schritt, über den mit einem rot-goldenen Löwen verzierten schwarzen Pullover zu dessen Gesicht. Er konnte Harrys unruhige Atmung hören.

Er sah Harry in die Augen, platzierte seine rechte Hand auf Harrys Brust, wo sich der Löwe von Gryffindor aufbäumte, und ließ sie langsam nach unten gleiten.

„Sag einfach Nein, Harry, wenn Du das nicht willst, und ich werde sofort aufhören."

Harry sagte nicht Nein.


Ein kleiner Reminder:

Mich interessiert Eure Meinung zu jedem Kapitel, aber was Ihr zu diesem hier sagt, interessiert mich besonders. Was hat Euch gefallen, was nicht? Was fandet Ihr lustig, was lächerlich, was liederlich? Es gibt keine falschen Antworten auf diese Fragen, also: Seid nicht scheu!