13.März, Mittwoch

Ein paar Tage nach unserem Gespräch verschwand James. Durch Sirius bekam ich leider nur vage Informationen, dass er für ein paar Wochen Abstand bräuchte und nach Hause ging. Zu sagen, ich wäre enttäuscht und verletzt war untertrieben. Ich fühlte mich allein und im Stich gelassen. Natürlich wusste ich, dass er das Baby zigfach mehr geliebt hatte als ich, aber mir war es schließlich auch nicht egal. Und eine Fehlgeburt ist immer schwierig zu verkraften.

Besonders störte ihn anscheinend auch, dass ich oft mit Sirius darüber redete. Aber was konnte er schon sagen? Soweit ich wusste, hatte er seit seiner Abreise immer mal wieder Briefkontakt mit Lily, statt mit mir, was mich natürlich eifersüchtig machte, denn auch Lily wollte nicht recht über James reden.

Also beschloss ich ihn zu besuchen. Dass es mitten in der Woche war und wir eigentlich Unterricht hätten war mir egal. Schließlich wurde James über Wochen beurlaubt, also machen ein paar Tage nichts aus.

Von meinem Plan erzählte ich nur Delia und Natasha und diese unterstützen mich damit und deckten mich bei den Lehrern.

Von Hogsmeade aus apparierte ich nach Godric´s Hollow, doch umso näher ich an das Tor von Potter Manor trat, desto unsicherer wurde ich. War das das Richtige? Sollte ich wirklich da rein?

Er hat sich schließlich kein einziges Mal gemeldet. Aber vielleicht brauchte er einfach Abstand. Andererseits bin ich seine Freundin, nicht Lily.

Nach dem ich klingelte, summte schon das Tor und ich konnte eintreten. Während ich den langen gepflasterten Weg hoch zum Haus lief, ging ich immer wieder im Kopf durch, wie unser Gespräch laufen könnte. Und es vielen mir leider mehr schlechte als gute Szenarien ein.

Gerade als ich an der Tür ankam, wurde sie auch schon geöffnet und eine Frau mit braunen, schulterlangen Haaren trat heraus. „Guten Tag Mrs Potter, ist James vielleicht zu sprechen?" fragte ich unsicher. „Klar, komm doch herein." Sie lächelte mich warm an und zeigte mir den Weg. „James! Komm runter! Du hast Besuch!" rief sie in Richtung Treppe. Dann sah sie wieder mich an. „Ich schätze mal du musst Madeleine sein." Sie musterte mich argwöhnisch und ich wollte am liebsten gleich wieder gehen. „Ähm...ja." „Ach Gott Kind, es tut mir ja so Leid was du durchmachen musstest." murmelte sie und nahm mich plötzlich in den Arm. Völlig überrascht nahm ich ihre Umarmung an.

„Maddie?" Ich drehte mich um und sah James vor mir stehen. „James." flüsterte ich. Mrs Potter sah uns beide an und verschwand in die Küche um uns Privatsphäre zu geben. „Was machst du hier?" „Dein Ernst? Du hast dich seit Wochen nicht bei mir gemeldet." schnaufte ich. Er sah mich mit einem schlechten Gewissen an. „Komm, wir gehen lieber nach oben." meinte er und führte mich in das obere Stockwerk in sein Zimmer. „Ich hätte mich melden sollen." „In der Tat James." „Es tut mir Leid." Er setzte sich auf sein Bett. „Tut es das wirklich?" fragte ich argwöhnisch. Er war distanziert und es verunsicherte mich so sehr. „Immerhin hast du guten Kontakt mit Evans gehalten." „Lily." „Was?" verwirrt sah ich ihn an. „Sie heißt Lily." „Dessen bin ich mir im Klaren James. Was tut das zur Sache? " „Ich konnte mich nicht bei dir melden. Mir wurde das Ganze zu viel. Ich hab eine Auszeit gebraucht." „...von mir?" „Von allem!" „James, ich versteh ja, dass du traurig bist und das bin ich auch, aber du setzt gerade unsere Beziehung auf´s Spiel." „Ich weiß..." „Ach, dessen bist du dir also bewusst?! Gut zu wissen." Er stand auf und lief zu mir. Ich sah ihm in seine braune Augen und erkannte, dass er Schuldgefühle hatte. „Es tut mir wirklich Leid. Ich wollte dir nicht wehtun. Ich brauchte einfach ein bisschen Zeit um das Ganze zu verarbeiten und damit klar zu kommen." „Du hast es deinen Eltern erzählt." Es war keine Frage. „Ja, ich musste mit ihnen darüber reden." „Wie wäre es, wenn du zur Abwechslung mal mit mir darüber reden würdest, statt mit jedem anderen." „Hey, das ist jetzt nicht fair!" Seine Stimme stieg an. „Denkst du es ist fair, wenn ich höre, dass du Kontakt mit Lily pflegst, aber mir kein Stück Bescheid sagst?" Er fuhr durch seine Haare; das tat er immer, wenn er nervös war.

„Hast du was mit Lily am laufen?" Ich sah ihn mit zusammengekniffenen Augen an. Er sah weg. „Nein hab ich nicht. Jetzt beruhige dich mal." „Warum bist du dann so?" Ich legte meine Hand an sein Kinn und drehte sein Gesicht zu mir, sodass er mich ansehen musste.

Wie sich in den nächsten Wochen herausstellte, wollte er eine Pause, eine vorzeitige Trennung. Natürlich war ich traurig, aber mehr war ich jedoch sauer und enttäuscht. Er ging immer öfter zu Lily, was mich enorm störte. Ich wusste, wie sie ihn damals verarschte und mit ihm spielte. Außerdem hatte ich mich mit ihr angefreundet und fühlte mich, als würde sie mir in den Rücken fallen.

Mai

James und ich waren mittlerweile schon Monate auseinander. Inzwischen ist wieder Ruhe eingekehrt, aber es fühlte sich nicht mehr an wie früher. Ich redete kaum mit ihm und wir mieden uns. Er wollte sich zwar oft entschuldigen, aber er hatte irgendwann gemerkt, dass es nichts half. Ich fühlte mich einfach im Stich gelassen, und wollte ihm auch nicht so schnell verzeihen.

Sirius unterstützte mich zwar, aber ich hatte das Gefühl, dass es ihn teilweise auch freute, dass wir auseinander waren. Ich möchte nicht eingebildet klingen, aber es schien mir als hätte Sirius immernoch starke Gefühle für mich. Natürlich wusste ich, dass da etwas war, immerhin hat er mir ja am Valentinstag genug Andeutungen gemacht, aber ich fand es etwas unpassend.

Erst verlor ich mein Baby und dann James und ich kam mir vor, als verschwende keiner Gedanken darum wie es mir ging. Jeder gab James genug Halt und ich verstand es auch wirklich, immerhin war er ziemlich fertig nach der Fehlgeburt, aber warum dachte jeder nur an ihn? Ich war doch auch noch da?

Was die Tabletten anging kontrollierte mich Sirius ziemlich. Er versuchte immer einen Blick in mein Badezimmer und Schränke zu erhaschen. Er dachte zwar er wäre unauffällig, aber ich durchschaute ihn. Ich war mir im Klaren, dass er nur helfen wollte, aber ich brauchte doch auch James. James war vor unserer Beziehung mein bester Freund und ich konnte mit ihm über all meine Probleme reden und nun bin ich allein. Besonders, da Lily nur noch bei ihm war.

Delia und Natasha unterstützen mich so gut es ging. Sie wussten was Sache war und verstanden mich. Delia erwähnte jedoch häufig, dass sie meinte Sirius sei der Richtige für mich und James und ich seien zwar süß zusammen gewesen, dennoch glaubte sie wir hätten nicht für immer halten können. Ob sie mich damit nur trösten und ablenken wollte, wusste ich nicht, aber emotional ging es mir deswegen nicht besser.

1 Jahr später

Die letzten Monate verbrachte ich damit herumzureisen. Ich sah das Berliner Tor, den Eiffelturm in Paris, den Schiefen Turm von Pisa und irgendwann führte meine Reise mich sogar nach Amerika. Dort begann ich ersteinmal mit der Westküste und flog nach New York. Danach ging es ab an die Ostküste. Los Angeles, San Francisco, Santa Barbara. Alles habe ich gesehen.

Das Reisen hat mir sehr geholfen mich selbst wieder zu finden. Ich brauchte die Zeit um meine Gedanken zu ordnen.

Wie es in London läuft wusste ich nicht, denn ich brach den Kontakt für einige Zeit ab. So schwer es mir auch fiel, aber ich musste weg.

Nach unserem Schulabschluss im Juni heirateten Sirius und ich im September im großen Stil.

Es gab eine riesen Feier und zu meinem Glück durften all unsere Freunde kommen, auch wenn sie als Blutsverräter abgestempelt wurden. Wir haben sie beschönigt und alles daran gesetzt, dass es so unproblematisch wie möglich von statten ging. James war Sirius´ Trauzeuge und es war einer der schwersten Dinge für mich ihn so zu sehen. Wir hatten uns bis zu diesem Zeitpunkt nicht komplett ausgesprochen und auch wenn ich ihm nicht verziehen hatte, so merkte ich,wie schwer es für ihn war, seinen besten Freund und mich so zu sehen. Delia und Natasha waren meine Brautjungfern. Lily konnte jedoch nicht kommen, da sie muggelstämmig war und meine Familie dies nicht zu ließ, so Leid es mir tat. Ein Teil von mir war jedoch auch erleichtert, denn ich bemerkte natürlich wie viel Zeit James mit ihr verbrachte und ich war mir nicht sicher, ob sie sogar zusammen waren. Ich sprach Sirius nicht darauf an.

Sirius und meine Beziehung verbesserte sich und ich hatte auch Gefühle für ihn, aber ich wusste nicht, wie ich über den Verlust von James hinweg kommen sollte. Er wusste das und versuchte sich nichts anmerken zu lassen, aber ich spürte seine Enttäuschung. Sirius hatte sich mehr erhofft.

Und das hat er auch bekommen.

Vor vier Monaten (Januar) machte ich einen kurzen Abstecher in London, denn meine Familie wusste nicht, dass ich reiste. Sie dachten Sirius und ich würden unser Familienleben genießen beziehungsweise sie erwarteten, dass ich bei ihm war. Sirius deckte mich natürlich über die ganzen Monate, aber als wir ein Familientreffen hatten, musste ich kurzzeitig nach London zurückkehren. James hatte ich nicht gesehen und eigentlich auch sonst keinen außer Sirius, seine Eltern und meine.

Das Treffen verlief weniger gut, denn sie machten mir Vorwürfe, dass ich doch mehr als Hausfrau fungieren sollte und warum ich mich noch nicht informiert hatte, wie ich die besten Chancen auf eine Schwangerschaft hätte. Dass ich bereits einmal schwanger war, wussten sie nicht.

Das Treffen ging ein Wochenende lang und so kam es, dass Sirius, der sonst in unserer gemeinsamen Wohnung in London lebte, und ich im Grimmauldus Platz übernachteten.

Er tröstete mich nach dem Gespräch mit unseren Eltern, da ich immer noch stark unter meinen Eltern litt.

Und aus Trösten wurden Umarmungen. Aus Umarmungen wurden Küsse und schließlich schliefen wir an diesem Abend zusammen. Es war wunderbar. Ich vergaß James, ich vergaß meinen Kummer und ich lernte Sirius wieder zu schätzen. Ich erinnerte mich an die gemeinsame Zeit, bevor ich mit James zusammen kam und ich bekam Schuldgefühle, wie sehr ich Sirius doch verletzt hatte.

In dieser Nacht blieben wir lange wach und redeten offen miteinander. Er wusste, dass er mich auf meinem Weg nicht stoppen konnte und so ließ er mich weiterreisen. Und ich tat es.

Am nächsten Tag gingen wir zurück in unsere Wohnung, die mir schon immer fremd vorkam. Ich packt meine Sachen und ging wieder.

Aber nun war ich zurück.

Zurück an dem Ort, dem ich den Rücken gekehrt hatte.

Und ich war schwanger. Von meinem Ehemann.

Ich schloss meine Augen ein letztes Mal und nahm meinen Mut zusammen. Bepackt mit den ganzen Koffern, schloss ich die Tür zu unserer Wohnung auf. „Sirius?" rief ich hinein, doch bekam keine Antwort. Ich schaltete die Lichter an und zog meine Weste aus.

Langsam lief ich durch die Wohnung, versuchte mich zu erinnern, wie es am Anfang war, frisch verheiratet hier rein zu kommen und zu leben. Und wie es war, als ich ihn verließ und einfach ging.

Die Wohnung war sehr groß und dank mir auch schön und gemütlich eingerichtet. Doch ich entdeckte neue Dinge. Auf jedem Fenstersims oder Ablage standen Bilderrahmen. Ich ließ meinen Blick über sie gleiten. Es waren teilweise Bilder aus Hogwarts. Von Sirius und mir, von den Rumtreibern aber es gab auch neuere Bilder. Sie zeigten Sirius und James stolz bei ihrer Aurorenausbildung oder Sirius und mich an unserem Hochzeitstag. Ich nahm das Bild in meine Hand und fuhr mit dem Finger hinüber. Es war ein Bild von unserem Hochzeitskuss. Dass er das aufgehoben hat und sogar einrahmen lies wunderte mich.

„Gefallen sie dir?"

Erschrocken drehte ich mich um. Da stand er, mein Ehemann. Ich grinste und stellte das Bild wieder zurück. „Sirius!" begrüßte ich ihn begeistert und fiel ihm um die Arme. „Du hast mir gefehlt Kleine." murmelte er in mein Haar. „Du mir auch!" Ich küsste ihn auf die Backe.

„Merlin hast du zugenommen." lachte er, als er meinen Bauch in unserer Umarmung spürte. Mein Lächeln stoppte und ich trat einen Schritt weg. „Hey, das war doch nur ein Scherz." wollte er beschwichtigen. Ich ging noch einen Schritt zurück, sodass er es besser sah. Er sah mich verwirrt an, aber blickte dann auf meinen Bauch. Ich sah wie er begriff.

„Du bist wieder schwanger." flüsterte er geschockt. „Ja." Ich versuchte zu grinsen, es misslang mir jedoch. „Von wem?" Ich erkannte an seiner Stimme, dass er wütend wurde. Das war so typisch Jungs. Sie denken gleich, dass man mit anderen geschlafen hat. Ich verdrehte meine Augen. „Von dir Sirius." „Von mir?" Er war sprachlos und starrte mich einfach nur an. „Deswegen bin ich zurück gekommen. Ich bin im vierten Monat, Sirius."

Seine Kinnlade fiel eine Etage tiefer.

„Ohje ich bin so aufgeregt." flüsterte ich. Nervös rieb ich mir die Hände, bis Sirius sie in seine Hand nahm. Er sah mich eindringlich an. „Alles wird gut!" sagte er langsam. „Ich hoffe es."

Ich erhob mich und ging nocheinmal den Tisch durch. Hatte ich auch genug Teller gerichtet? War auch genug Kuchen und Besteck vorhanden?

„Ich versteh sowieso nicht, warum du das alles selbst gerichtet hast. Hast du etwa vergessen, dass du seit einem Jahr legal zaubern darfst?" er lachte. „Nein, aber wenn ich es selbst mache lenkt es mich ab." „So schlimm?" „Ja, ich habe sie alle seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen. Ich weiß nicht, ob es nicht zu viel wird, wenn gleich alle auf einmal kommen." „Soll ich sie ausladen? Wir können das Ganze noch absagen, es ist nicht zu spät." „Nein, nein lass."

Ich legte eine Hand auf meinen Bauch und blickte aus dem Fenster. Wie würde James reagieren, wenn er erfährt, dass ich schwanger war?

Ich spürte einen sanften Kuss an meinem Hals und an meiner Schulter. Sirius umarmte mich von hinten und legte auch seine Arme auf meinen Bauch. „Mach dir nicht so viel Gedanken Süße, es wird alles gut werden." „Wir müssen noch mit unseren Eltern reden." „Da mache ich mir nicht so viele Sorgen. Ich denke sie werden begeistert sein." murmelte er und vergrub sein Gesicht in meinen Haaren. Er hatte Recht. Für unsere Eltern wäre es wahrscheinlich das Erfreulichste seit langem.

Dann klingelte es an der Tür und Sirius ließ mich los. Mein Herz fing an zu rasen und ich spürte wie ich anfing zu schwitzen. Oh Merlin, ich wollte am liebsten sofort aus dem Fenster springen und abhauen.

„Hallo!" riefen sie alle draußen und begrüßten ihn, während ich mich ein wenig versteckte und sie betrachtete. Da standen sie alle, meine Freunde aus Hogwarts. Natasha´s Haare waren nun zu einem Langhaarbob geschnitten, der ihr vorne nur noch bis zur Schulter ging. Ihr helles blond war nun einen Ton dunkler, was es natürlicher und älter wirken lies.

Delia hingegen hatte immernoch ihre braune Lockenpracht. Doch auch sie hatte sie um ein paar Zentimeter kürzer als damals.

Sie sahen so viel erwachsener aus, auch wenn nur ein Jahr vorbei war.

Und dann fiel mein Blick auf Lily und James.

Lily´s Haare waren lang, aber sie hatte sie schön gewellt und James, er sah aus wie früher. Sein Haar verzaust, als wäre es immer noch nicht zu bändigen. Aber er sah erwachsener aus. Seine Gesichtszüge waren strenger. Zwar hatte er immernoch etwas Spielerisches an sich, doch man sah, dass er ein Mann wurde.

„Kommt rein, ich hab eine kleine Überraschung für euch." sagte Sirius und ließ die anderen durch. Sie sahen ihn verwirrt an, bis sie ins Esszimmer zu mir kamen.

„Maddie!" stießen Delia und Natasha gleichzeitig aus. Man sah wie erstaunt sie waren. Ich lächelte sanft und lies sie auf mich zurennen. „Merlin, du bist es wirklich." flüsterte Delia und sie umarmten mich. „Ja ich bin es." Sie liesen mich los und grinsten mich an. Hinter ihnen sah ich den sichtlich geschockten James. Eigentlich wollte ich zu ihm, aber Lily lief mir schon entgegen. „Madeleine, es ist so schön dich wieder hier zu haben." murmelte sie und drückte mich an sich. „Ich bin auch froh wieder hier zu sein." Sie trat einen Schritt zurück und sah mir tief in die Augen und dann auf meinen Bauch. Dennoch machte sie den Mund nicht auf. Mein Blick wanderte zu James, für den mein Bauch von den Mädels verdeckte wurde. „Und du? Willst du mich nicht begrüßen?" Ich legte meinen Kopf schief und lächelte ihn schüchtern an. Aber ich kann nicht beschreiben wie nervös ich war. Ich hatte so Angst, dass er nein sagen würde und einfach abhauen würde. „Natürlich." Seine Stimme war rau und anders als ich sie in Erinnerung hatte, aber dennoch gefiel sie mir. Lily trat weg und James kam auf mich zu und umarmte mich. „Ich hab dich vermisst." „Ich dich auch." murmelte ich.

„So, jetzt alle bitte setzen. Maddie hat gedeckt." unterbrach uns Sirius.

„Und du warst echt in Amerika? Wie war das so? Sind da wirklich alle dick?" fragte Natasha neugierig. „Naja, viele. Aber es gibt auch richtig viele Models die Size Zero haben!" „Und warst du auch am Times Square?" „Ja." Ich lachte und reichte ihr meine frisch entwickelten Fotos.

„Geil." Sie gaben sie der Reihe nach durch und bestaunten sie.

Sirius sah mich aufmunternd an, als wolle er mir damit sagen, dass es bisher gut lief. Doch auch, dass wir jetzt mit den Fakten rausrücken sollten.

„Leute wir müssen euch etwas sagen." Sie sahen uns an und ich biss mir auf die Lippe. „Ich bin schwanger." „Was?" James war erschüttert und ich konnte es ihm nicht verübeln. Ich sah über den Tisch zu ihm herüber und sah den Schmerz in seinen Augen. „Ich wusste es." stieß Delia aus. „Im wievielten Monat bist du?" „Im vierten." sagte ich und lächelte sie an. „Läuft bisher alles gut?" „Ja, bisher ist alles okay gewesen laut meiner Heilerin." „Wer ist der Vater?" Ich sah zu Natasha. „Ich." mischte sich Sirius ein, warf aber einen unsicheren Blick auf James. „Das ist jetzt nicht euer Ernst oder?" stieß er zwischen gepressten Zähnen aus und erhob sich. „James..." Lily legte ihm eine Hand auf seinen Arm, um ihn zu beruhigen. Er stieß sie jedoch weg und verließ den Raum. Mein Blick senkte sich. „Ich geh ihm lieber nach." meinte mein Mann und folgte ihm.

„Du bist von Sirius schwanger? Wie das? Du warst doch nie da?" Delia wurde neugierig und auch Lily setzte sich neben uns. „Doch vor vier Monaten hatten wir ein Familientreffen und ich war gezwungen für ein Wochenende hier her zu kommen. Und da ist es eben passiert." Gegen Ende wurde ich leiser. „Wow." Sie waren geschockt. „Darf ich mal?" Ich nickte und Natasha legte ihre Hand an meinen Bauch. „Spürst du schon etwas?" „Naja, eher nicht. Also bisher hat es noch nicht gekickt." „Und weißt du schon was es wird?" Lily sah mich an. „Nein, aber ich wollte es auch nicht. Nachdem letzten Mal..." Sie sahen mich traurig an.

Ich lief Sirius entgegen und sah ihn fragend an. „Versuch du es." murmelte er und ging zu den Mädels. Schweren Herzens lief ich nach draußen. Ich sah ihn schon von weitem auf der Bank unter dem Baum sitzen. Seinen Kopf, wie früher schon, in seinen Händen vergraben. Schmerzhaft schloss ich meine Augen für eine Sekunde und ging dann auf ihn zu.

„Hey." flüsterte ich und setzte mich neben ihn. Er blickte nicht auf. „Es tut mir Leid." Nun sah er mich an. Ich versuchte ihn anzulächeln, scheiterte aber. James sah mich ernst an. „Ich wollte nicht schwanger werden, es ist einfach passiert." „Ich kann es nicht fassen, dass du hier warst und mir nichts gesagt hast. Und ich kann erst recht nicht fassen, dass du mit ihm geschlafen hast." Ich sah ihn wütend an. „Warum nicht? Er ist mein Mann und soweit ich weiß hast du mich damals abgewiesen und nicht mehr mit mir geredet. Du kannst mir keine Vorwürfe machen!" „Ich weiß." flüsterte er. „Und ich mache mir deswegen auch Vorwürfe. Aber es ist so schmerzhaft dich so zu sehen Maddie." Er sah mich verzweifelt an. Ich erkannte, dass er den Tränen nah war und auch mir kamen sie. „James,..." Er drehte sich zu mir und nahm meine Hände in seine. „Das sollte mein Kind sein." meinte er verbittert. Ich biss mir auf die Lippe und legte ihm eine Hand auf den Rücken. Sanft streichelte ich ihm darüber.

„Es schmerzt so sehr." „Du wolltest das Baby wirklich hm?" „Ja." Er sah mich durch seine geröteten Augen an und mein Herz schmolz. „Es tut mir so Leid James, ich wünschte ich könnte dir geben, was du willst. Aber es ist zu spät. Das Baby ist gestorben und es ist nicht mehr rückgängig zu machen."

Wir saßen eine Weile still da.

„Bist du mit Lily zusammen?" Er stieß ein bitteres Lachen aus. „Das interessiert dich jetzt hm?"

„Ich frage mich das jetzt schon seit über einem Jahr." James sah mich verwundert an. „Du dachtest ich hätte dich in Hogwarts mit ihr betrogen?" „Naja, ich war mir nicht sicher. Du bist einfach abgehauen, hattest aber mit ihr engen Kontakt. Und danach? Danach hast du mich nichteinmal angeschaut und bist nur noch mit ihr rumgehangen." „Und trotzdem lässt du sie in dein Haus." „Und trotzdem lasse ich sie in mein Haus." sprach ich ihm nach. „Warum? Warst du nicht eifersüchtig?" Die Frage schockte mich und brachte mich zum Nachdenken. Natürlich tat es mir damals weh, aber wäre ich wirklich eifersüchtig gewesen, hätte ich ihr das doch auch deutlich gemacht. Ich machte nie eine Fassade darum wie ich gegenüber einer Person fühlte, besonders wenn es negativ war. „Die alte Maddie hätte sie deswegen gehasst." „Ich schätze, ich habe mich verändert. Aber wie kannst du erwarten, dass es nicht so ist, ich meine, ich war schwanger und hab mein Baby verloren und wurde zwangsverheiratet und du hast dich von mir getrennt ohne ein Wort."

„Mir scheint es nicht gerade, als wärst du unglücklich in deiner Ehe." „Das ist jetzt nicht dein Ernst! Ich bin erst gestern wieder nach Hause gekommen und hab ihn seit Monaten nicht mehr gesehen. Außerdem war er schon immer ein guter Freund. Du willst nur, dass es mir schlecht geht!" „Ja, okay vielleicht stimmt das! Aber weißt du warum? Weil es MIR schlecht ging! Ich hab mich gefühlt, als wäre dir das Baby gar nicht so wichtig gewesen, als wäre ich naiv und würde glauben ich wäre genug für dich. Aber das war ich nie! Wir waren immer in einer Dreierbeziehung!" „Du weißt schon, dass du mich in unsere Beziehung gedrängt hast und nicht Sirius, oder? Ich war mit Sirius verlobt, nicht mit dir!" „Ach, jetzt ist es also meine Schuld?!" „Nein, natürlich nicht, immerhin habe ich mich in dich verliebt. Aber du kannst mir nicht ständig Vorwürfe machen! Das muss aufhören! Außerdem sollte ich diejenige sein! Du hast mich damals verletzt. Und meine Frage hast du immernoch nicht beantwortet!"

„Ich bin nicht mit ihr zusammen." „Warst du es zu irgendeinem Zeitpunkt?" „Nein..." „Aber?" „Wir stehen uns ziemlich nahe." „Ihr werdet bald zusammen sein." Ich schnaufte, das wurde immer besser. „Du hast also vergessen, wie sie dich damals verarschen wollte? Ich hab dich damals davor bewahrt!" „Indem du mit mir vor ihren Augen rumgemacht hast und mich und Sirius wochenlang verarscht hast?" „Ich habe dich geliebt. Sie nicht. Sie wollte nur Ruhm." „Und trotzdem wurde sie deine Freundin. Warum lästerst du dann so über sie?" „Sie tat das alles, bevor wir Freunde wurden." „Also, dann spricht ja nichts dagegen, wenn ich mit ihr zusammen komme. Immerhin ist das auch alles passiert, bevor ich mich mit ihr anfreundete." Er hatte mich in der Hand. Ich wandte mein Blick ab und sah unser Haus stattdessen an. „Es tut mir Leid, ich versteh was du meinst. Aber Lily half mir sehr, in der Zeit, in der du tablettensüchtig warst, oder nachdem du das Baby verloren hast." „Du hast mich dir nicht helfen lassen!"

„Was ist bloß mit uns passiert?" flüsterte er und vergrub abermals sein Gesicht in seinen Händen.

„Ich bin schwanger und du kannst nicht akzeptieren, dass es nicht deines ist. Das ist passiert." sagte ich stur. „Schön, dass du mir immer die Schuld gibst. Wie wäre es mal dir an die eigene Nase zu fassen? Immerhin kamst du da einfach nach Hogwarts, warst dir deines Aussehens und deines Einflusses bewusst und hast mich verführt -"

„Ich dich? Soweit ich weiß, hast du mich damals im Bad geküsst. Du bist einfach im Handtuch aus der Dusche gestiegen und hast mich überall geküsst. Du hast mich verführt!" „Ich war dir schon immer verfallen. Von Anfang an." „Du hattest am Anfang nur Evans im Kopf!" „Ist doch egal. Was ich sagen will: Du hast mit uns gespielt! Du hast mal ihn geküsst, mal mich. Dann wurdest du tablettenabhängig, hast wilde Exzesse gehabt und erwartest allen Ernstes, dass das spurlos an mir vorbeigeht? Das Ganze hat mich geprägt! Und mit der Fehlgeburt da hast du einfach ein Limit erreicht. Das Fass ist übergelaufen! Ich konnte nicht mehr! Und weißt du was das Schlimmste war? Ich konnte dir nach einer Weile nicht mehr in die Augen schauen! Ich weiß du wolltest es nicht und dir tut es Leid, aber deine Tablettensucht war ein großer Grund dafür warum unsere Tochter sterben musste!"

Geschockt sah ich ihn an. „Gut zu wissen, was du von mir hältst." flüsterte ich und sah auf meine Hände.

„Nein, das ist was ich damals fühlte. Natürlich änderten die Monate nichts an der Tatsache, aber ich bin jetzt anders. Lily hat mir geholfen meine Wut zu kontrollieren und auch meine Trauer zu bändigen." „Da bin ich aber froh, dass Lily das konnte." Er sah mich an und streichelte mir über die Wange. „Mach das nicht Maddie. Sei nicht so." „Dann sei du nicht so. Du akzeptierst mein Leben mit Sirius nicht, warum sollte ich deines mit Lily akzeptieren?" „Ich akzeptiere, dass du mit Sirius zusammen bist, auch wenn ich natürlich nicht begeistert bin. Ich war einfach nur so wütend, dass du schwanger bist."

Sein Blick wanderte zu meinem Bauch. „Darf ich mal?" Seine Frage verwunderte mich. Ich dachte er würde dieses Kind hassen, das in mir wächst. Erst recht falls es ein Mädchen werden sollte. „Ja." flüsterte ich. Seine Hände fasten an meinen Bauch. Ich legte meine auf seine. „Spürst du schon was?" Ich lächelte leicht. „Nein..." Er streichelte darüber. Meine Hand wanderte zu seiner Wange. „James, irgendwann wirst du ein wunderbarer Vater sein und eine Frau haben die besser ist als ich." „Keine ist besser als du." Ich fuhr durch seine Haare. „Oh doch. Ich habe viele Fehler gemacht und du hast besseres verdient." Er wollte gerade etwas sagen, als Sirius herkam und uns unterbrach. „Ich will nicht stören, aber die Anderen sind gegangen." Er sah uns argwöhnisch an und ich lächelte ihm zu. „Ich sollte auch gehen." meinte James und wandte sich zu mir. „Ich wünsch dir viel Glück und alles Gute." flüsterte er in mein Ohr, während er mich umarmte. „Danke James, das bedeutet mir viel." Ich drückte ihn kurz fester und ließ ihn dann los. „Sorry nochmal wegen vorhin Pad. Es tut mir wirklich Leid, ich habe überreagiert." „Nein Kumpel hast du nicht. Ist schon okay." Und damit ging er.

„Na das lief ja mal gut." Der Sarkasmus konnte nicht stärker sein. Erschöpft ließ ich mich in unser Bett fallen. „Habt ihr alles geklärt?" fragte Sirius während er sich umzog. „Ja ich denke schon..." Ich beobachtete ihn wie er sein Hemd auszog. Er bemerkte wie meine Stimme leise wurde und sah mich an. Dann grinste er. „Werde ich schon in meinem eigenen Haus bespannt?" „Naja, technisch gesehen ist es auch meins." ich grinste ihn an und er legte sich neben mich – oberkörperfrei. „Mhm.." murmelte er und drehte mich um, sodass wir in Löffelstellung waren. Dann legte er eine Hand um meine Hüfte an meinen Bauch und streichelte darüber. Genüsslich schloss ich meine Augen, während er mich an der Schulter sanft küsste. Und langsam aber sicher driftete ich in eine andere Welt ab.