10. Lady Shnyder

JP und Eliza lachten sich schlapp über den verliebten Geist. Die Geschichte ging rund um Hogwarts, in allen Ecken wurde getuschelt und gekichert. Sogar die Lehrer sahen erheitert aus. Zufrieden mit ihrem Leben und dem köstlichen Essen (gebratene Forelle in Buttersoße mit Salzkartoffeln und Lauchgemüse) machte sie sich mit ein paar kleinen Gryffindors auf zu ihrer ersten Stunde Defense Against the Dark Arts. Das war das Fach, worauf sie bis jetzt am meisten gespannt war. Sie wusste, dass es von Lady Schneider unterrichtet wurde; für alles Übrige musste sie sich auf die Bücher stützen, und das waren nicht wenige Informationen. Erstens schien dieses Fach den größten Verschleiß an Lehrkräften zu haben, zweitens klang es unheimlich interessant.

Sie rechnete gerade nach Laplace aus, wie hoch die Wahrscheinlichkeit sei, dass die jetzige Lehrerin dieses Jahr von einem stinkenden Troll konsumiert würde, als sie in den Jungen vor ihr hineinrannte. Vor dem Klassenzimmer war ein Stau aus Schülern entstanden, da die Tür noch verschlossen war. Doch schon hörte sie hinter sich den selbstbewussten Schritt eines Menschenhassers, und Lady Schneider zog einen Pflug zwischen den Schülern hindurch zur Tür. Sie sah sehr schlecht gelaunt aus...

Mit dem Passwort, das außer Martina sicher niemand verstehen konnte (satanarchäolügenialkohöllisch), stapfte sie in den Raum, verdunkelte augenblicklich die Fenster und zündete eine einzige Kerze an.

Die Kinder setzten sich mit zitternden Knien. Auch Martina war nicht wohl in Anwesenheit dieser Person, und ihr kam ihr Traum wieder in den Sinn. Da sie die Letzte in der Reihe von Schülern gewesen war, blieb ihr nur noch ein Platz direkt vor dem Lehrerpult.

Die Lehrerin, bewaffnet mit nichts weiter als mit ihrem Zauberstab und dem Schrecken, den sie verbreitete, hob an zu sprechen.

„Welcome to Hogwarts, first graders, and welcome to this class, Defense Against the Dark Arts. Many of you have been looking forward to the subject, as elder siblings might have told you many interesting tales about it. Let me, then, tell you all a tale that you shan't forget throughout your career as pupils in Hogwarts:

Whisper with your neighbour and you will be expelled.

Engage yourselves in something other than this subject while I am teaching, and you will be expelled.

Contradict my way of teaching, you will be expelled. Question it, same so.

Complain about any of this to any person and I will find a reason to have you expelled.

Is there comprehension between us?" Die Klasse blieb stumm, alle warfen sich irritierte Blicke zu.

Is there comprehension between us?" kam die nun schärfere Aufforderung zu einer Antwort. „To make things clear (Als ob sie das nicht schon zur Genüge getan hätte...) I want you to answer questions followed by my name. Do you understand?"

Schließlich brachte die Klasse ein piepsiges „Yes, Lady Shnyder." hervor.

„Very well. So we are set to start." Sie ging um den Tisch herum, setzte sich auf das Lehrerpult und ließ ihre Füße direkt vor Martina baumeln. „What do you know about defending yourselves against the evil?" Zögerlich hob eine kleine Hufflepuff ihre Hand.

„Say your name and then your answer."

„Nena Northanger, Miss…"

„I am no 'Miss', Miss Northanger." Das Mädchen wand sich sichtlich unter dem kalten Blick der Lehrerin.

„S-s-soory... I mean, Lady Shnyder...", jetzt hatte sie den Faden eindeutig verloren.

„You were to say?" Nena atmete tief durch, dann sprudelte sie wie ein Wasserfall hervor:

„My name is Nena Northanger, Lady Shnyder, and what I know about the defense against dark arts is what my grandfather, who was an auror, has told me...", doch wieder wurde sie von Lady Schneider unterbrochen.

„Very interesting indeed. My request, however, was to have you tell me what you know about the sujet (Oh, jetzt müssen wir auch noch zeigen, dass wir Französisch können!), not who exactly told you about it. Continue."

„W-ww-ell… I know that it can be very dangerous. Especially aurors have been known to be missing limbs or even chunks of their noses, and getting, well, paranoid after a while in the business."

„I would have never guessed that." kam die trockene Antwort der Lady.

So ging es die ganze Doppelstunde über. Egal, was gefragt wurde, die Antworten reichten bei weitem nicht aus, um den exquisiten Geschmack der jungen Frau zu befriedigen. Sie gingen in ihren Büchern gerade das erste Kapitel aus Defense Against the Dark Arts – An Introduction durch, als Martinas Augenmerk auf den Namen des Autors fiel.

Also das ist doch! Also das gibt's doch nicht! Als sie sich aus der ersten Trance des Erstaunens befreit hatte, fing sie an, sich über sich selbst zu ärgern.

Du hättest ja bloß mal ein bisschen neugieriger sein müssen und einfach mal in die Schulbücher hineinschauen können. Dann hättest du dir selber eine Menge Ärger und Planlosigkeit erspart. Ich musste ja bloß mal auf die Auflagennummer schauen. Aber NEIN! Man ist ja faul und bildet sich ein, müde zu sein! Gerade hatte sie sich so schön in einen Wutanfall gegen sich selbst hineingesteigert, im nächsten Moment wurde sie abrupt aus ihrer inneren Diskussion herausgerissen.

„Miss Bärstetter – what are you here for?" Lady Schneider stand neben ihrem Tischchen, die Hände hinter dem Rücken verschränkt wie ein englischer General, eine Augenbraue erwartungsvoll hochgezogen. Martina wusste nicht so recht, was sie sagen sollte. Hatte sie was verpasst? Höchstwahrscheinlich, sie konnte sich an nichts erinnern, was in den letzten fünf Minuten im Klassenzimmer passiert war. Lady Schneider stand schweigsam und wartete. Martina rutschten die Schulterblätter immer weiter nach vorne, und sie fragte sich, wie hoch die Wahrscheinlichkeit sei, dass der stinkende Troll gerade jetzt in den Raum gestürzt käme, um sie vor dem bohrenden Blick der Serafina-und-doch-auch-wieder-nicht zu retten. Nichts geschah. Die Luft blieb so frisch wie eine Rose im Morgentau.

„Well well well, somebody is not paying attention. In her ever first class. Prepare it might be your last."

Die Schulglocke läutete das Ende der Stunde ein.

Am Boden zerstört kroch Martina mehr als dass sie ging zu ihrer nächsten Doppelstunde. Sie hatte Einzelunterricht in Ancient Runes. Hier stieg sie auf dem Level der dritten Klasse ein, so wie in Arithmancy, Divination und Muggle Studies. Eigentlich fragte sie sich, warum sie überhaupt noch hinging, schließlich würde sie sowieso von der Schule fliegen. Ob sie wohl auch eine Anhörung bekommen würde wie Harry Potter im fünften Band?

Mit Tränen in den Augen hatte sie schon bald den Weg verloren, einige Treppen veränderten die Richtung, während sie nach oben stieg, und letztendlich landete sie in einem ihr vollkommen fremden Teil des Schlosses. Sie würde zu spät kommen, aber das machte ja eh nichts.

Kraftlos lehnte sie sich gegen die Wand und versuchte, ihre Schläfen an dem kalten Stein zu kühlen. Nach einer Ewigkeit fühlte sie sich in der Lage, die Augen zu öffnen. Vor ihr stand Mr. Anderson.

„Well if tha's nad my German gurl. Lost yar way 'gin?" Am liebsten hätte sie sich ihm an die Brust geworfen (Schaut unter dem Hemd auch recht muskulös aus...). „Bu' hey! Wha'd'I see there? Yar cryin'!" Er griff ihr unter das Kinn und zwang sie, ihm in die Augen zu sehen. So brach es endgültig aus ihr hervor. Schluchzend versuchte sie ihm klarzumachen, was in der Stunde zuvor passiert war. Etwas unbeholfen klopfte er ihr auf die Schulter und zog sie mit sich mit.

„Tha's nothing ta cry 'bou'! Don't ya worry. I'm gonna give Professor Dumbledore my opinion on the subject if it's the last thing I do." So redete er auf sie ein, bis er sie durch eine offene Tür in ein kleines Klassenzimmer voller riesiger Bäume schob.

„Professor Kloom, this's Miss Bearshtatter the German stoodent ya know. She's been havin' a hell of a time righ' now, an' got lost on her way up here. Found her safe'n'sound, so please excuse'r for bein' late." Hier stockte er sichtlich beschämt und sprach dann etwas leiser zu der blonden Frau: „I'm... kinda no good comforta, ya know. Maybe you can..."

„Go ahead, Neo, I'll take it from here!" Lächelnd komplimentierte sie ihn hinaus, verschloss die Tür und wandte sich behutsam Martina zu.

„Hey Miss Bearshtatter." Sie legte ihr die Hände auf die Schulterblätter. „What makes you so worried? Are you homesick?" Sie sagte dies mit solchem Ernst in der Stimme, dass Martina unwillkürlich lächeln musste. Wenn sie etwas hatte, war das sicher kein Heimweh. „Did somebody behave rude against you or did they hurt your feelings in any other way?" Sie schüttelte vehement den Kopf.

„No, it's dschast thätt Ai äm going tu bie ixpelled from Hogwarts."

„And why would that be so?"

„Biekause in Lady Schneider's lesson, Ai didn't päy ättention änd schie säd thätt it will bie mei last lesson forewer." Nun lag es an Professor Kloom, vehement den Kopf zu schütteln.

„Don't worry, if anything, this is not a reason to have you expelled. Don't you worry!" Aufmunternd klopfte sie ihr auf den Rücken, reichte ihr ein Taschentuch und schritt dann vor zur Tafel. Sie deutete darauf.

„I have prepared our first lesson in Ancient Runes. If you look at your timetable, these are the only two hours granted to my subject. Professor Dumbledore and I both agreed that for now, you will not need more than that, especially since it's a single class, just you and me. We will have a lot of time together, and a lot of fun, I hope! Now, do you have any idea what Ancient Runes is about?" Martina schnäuzte sich noch einmal kräftig die Nase, schob dann ihre Ängste beiseite und antwortete:

„When Ai think of Runes, Ai sie old women with crooked noses änd big warts in their fäises around a faier." Und einen schwarzhaarigen Sheriff mit eng anliegenden Hosen und Stiefeln, fügte sie in Gedanken noch hinzu.

Professor Kloom brach in Gelächter aus, erklärte ihr, dass das ein allzu mit Vorurteilen beladenes Bild sei, stellte aber auch richtig, dass man sich durchaus entspannen und seinen Geist öffnen müsse, wozu ein schönes Feuer ganz brauchbar sei. Die Lehrerin hatte eine perfekte Reihe blitzendweißer Zähne, ihre langgliedrigen Finger fuhren durch das feine blonde Haar, das ihr bis zu den Hüften herabfiel. Sie hatte eine elfische Schönheit an sich, sodass sogar meine heterosexuelle Protagonistin fasziniert beobachtete, wie geschmeidig ihre Bewegungen waren und wie strahlend rein ihre Haut. Ihr fiel auf, dass die Ohren der Lehrerin spitz waren wie die von Mr. Spock. Sie passte auch perfekt in ihre Umgebung hinein; als wäre sie für Bäume geschaffen, und Bäume für sie. Die Gesamtatmosphäre in diesem Klassenzimmer tat Martinas Seele wohl, und zum Läuten hatte sie Lady Schneider schon weit von sich geschoben.

„Are you going down to the Great Hall for supper?"

„Jes."

„Do you know the way?"

„Oh… no." Darüber hatte sie noch gar nicht nachgedacht. In ihrer Agonie vorhin war sie Mr. Anderson einfach hinterher gestolpert, jetzt hatte sie nicht die leiseste Ahnung, wo sie sich befand.

„If you can wait for a second, I will accompany you... I just want to drop off my books and runes in my dormitory. That's just at the back of this hallway." Martina nickte dankbar.

Auf dem Weg hinunter bot Professor Kloom ihr sozusagen das „Du" an. Sie schlug nämlich vor, dass sie sich beim Vornamen nennen könnten, da sie auch fast gleich alt waren.

„You see, I just turned 25 last month, and I know that you're 23, so there's no need for us to be that formal! Anyway, there's nobody around us when we have class, so people won't even notice for all I know. My name's Orlanda."

„Martina, wery nais to miet ju!" Sie schüttelten sich kräftig die Hände.