10. Malfoys mal ganz anders
Irgendwo in England... besser
London...
"Was sollen wir jetzt tun, Meister?"
Eine
schwarze Gestalt am Fenster drehte sich zu seinem Diener um, der
kniend vor ihm saß und den Kopf gesenkt hielt.
"Lass
dir nichts anmerken. Hole ihn vom Bahnhof ab und kümmere dich um
ihn. Dann wirst du an einem Tag, den ich dir nennen werde, einen
Ausflug mit ihm machen und danach wirst du ihn zu mir bringen."
"Sir,
was haben sie mit ihm vor?"
"Keine Angst, der Körper
deines Sohnes wird heil bleiben. Ich will den Jungen nur auf unsere
Seite ziehen."
"Ja, Meister."
"Nun geh. Und
denke daran, ich will den Jungen unversehrt. Haben wir uns
verstanden, Lucius?", zischte die Gestalt und empfang die
Schlange, die sich über seine Beine zum Oberkörper
schlängelte und ihren Kopf in dem Nacken bettete.
"Ja,
My Lord. Dem Potter- Jungen wird nichts geschehen. Dafür werde
ich sorgen."
Lucius Malfoy erhob sich, verließ den
Empfangssaal und apparierte zum Bahnhof Londons.
Enttäuscht
über jeden und alles durchlief ich die Barriere, die den
Mugglebahnhof und das Gleis 9 ¾ trennte und blickte mich
um.
Er war mir mittlerweile egal, wo ich die nächsten 2
Monate verbringen sollte, es war mir schnuppe, dass diese Familie
allesamt Todesser waren, es interessierte mich nicht die Bohne, dass,
wenn ich auffliegen würde, ich mal wieder ein unliebsames
Kaffeekränzchen Mit Onkel Voldie und Tante Tod vor mir hätte.
Es ging einfach alles an mir vorbei. Zu sehr verachtete ich jetzt
mein Leben, das mir so übel mitspielte, mich als Handpuppe
agieren ließ, als Marionette.
Manchmal kam mir einfach der
Gedanke, wie es denn wäre, ein normaler Zauberer zu sein, kein
Harry Potter, der verehrt und gleichzeitig angespieen wird, kein
Bezwinger Voldemorts... Sich einfach aus diesem Krieg raushalten zu
können.
Ich schnaubte.
Ein schönes Wunschdenken...
"Ah,
mein Junge."
Ehe ich genau wusste, was genau geschah, wurde
ich schon an eine Brust gedrückt und auf heftigste
durchgeknuddelt. Panisch schnappte ich nach Luft und sah mich schon
tot, als ich endlich aus der Umarmung entlassen wurde.
Tief ein-
und ausatmend musterte ich meinen Fast-Mörder und erkannte in
ihm die Mutter von Malfoy... Narzissa.
Und wie immer die kalte
Schönheit... Na ja nicht ganz so kalt, da sie mich mit Tränen
in den Augen und einen lieben Lächeln anschaute.
"Ach,
ist es schön dich nach fast einem Jahr wieder zu sehen. Und wie
du gewachsen bist... Und mit jedem Jahr wirst du hübscher. Dir
müssen ja alle Jungs und Mädchen zu Füssen liegen.",
sprach sie glücklich zu mir und zog mich wieder in ihre Arme,
diesmal aber, Godrics Plüschvoldie sei dank, sanfter.
Ich
fühlte mich durch ihre Worte geschmeichelt, auch wenn es nicht
mein Körper war, tat es doch meiner Seele gut, so etwas Liebes
zu hören.
Zögerlich legte ich meine Arme um ihren Nacken
und genoss diese Wärme und Liebe, die sie ausstrahlte.
Ich
wünschte mir in diesem Moment, ich wäre wirklich ihr Sohn.
Mir wäre wohl viel erspart geblieben...
Langsam stiegen auch
mir Tränen in die Augen, aber ich kniff sie erfolgreich weg. Das
wäre doch wirklich zu weit gegangen und dennoch konnte ich einen
wohligen Seufzer nicht unterdrücken.
Plötzlich legte
sich eine Hand auf meine Schulter und drückte leicht zu. Ich
entließ "meine Mutter", drehte mich um und blickte in
die grauen Augen von Lucius Malfoy, der mich freundlich anlächelte.
"Mein
Sohn.", sagte er zu mir mit einer ruhigen tiefen Stimme, die
kein Fünkchen Überheblichkeit und Kälte
beinhaltete.
"Vater.", antwortete ich fest und versuchte
dabei meine Nervosität zu überspielen.
Auch diesmal fand
ich mich in einer Umarmung wieder... zu meiner großen
Überraschung... denn Lucius Malfoy hätte ich solch eine
Liebesbekundung an seinen Sohn nicht zugetraut.
Aber auch die
wurde nach wenigen Sekunden unterbrochen... was irgendwie Schade war.
"Wir
sollten jetzt gehen.", meinte Mrs. Malfoy und ihr Ehemann und
ich nickten zustimmend.
Also verließen wir den Mugglebahnhof
und schlugen den Weg in eine Gasse ein.
Verwundert lief ich hinter
"meinen Eltern" her und fragte mich was das jetzt
sollte...
"Schatz, welche von den beiden Dosen war noch mal
die Richtige?", fragte Narzissa ihren Mann und blickte zwischen
zwei am Boden liegenden Dosen hin und her.
"Die Linke,
Ziss."
"Gut. Also, Männer. Bei Drei wird die Dose
angefasst. Eins..."
Häh? Was sollte das mit der
Dose? Verstand ich jetzt nicht...
"Zwei..."
Ach
so! Ein Portschlüssel..
.
Gedanklich schlug ich mir gegen die Stirn. Ich konnte manchmal so
blöd sein.
Ich konnte ja nicht apparieren und wie sonst
sollten wir nach Malfoy Manor kommen? Mit einem
Auto?
"Drei!"
Schnell tippte ich mit dem Finger
auf die Dose und ehe ich mich versah stand ich in einem aus weißem
Marmor gehaltenen Saal, wo bereits vier Hauselfen auf uns
warteten.
"My Lady, My Lords.", quitschten sie alle und
verbeugten sich so tief, dass die Nasen beinah den glänzenden
Marmor berührt hätten.
Doch ich achtete mehr auf meine
Umgebung als auf die Hauselfen und versuchte dabei krampfhaft den
Mund geschlossen zu halten.
Ich bemerkte nur nebenbei, wie mich
Lucius Malfoy aus den Augenwinkeln beobachtete und dabei amüsiert
lächelte.
"Nun,
ich denke, du wirst Hunger haben. Und müde bist du sicherlich
auch."
"Ja, Vater.", antwortete ich rasch und
richtete meine Aufmerksamkeit auf Malfoy Senior.
"Gut.",
meinte er nur und schob mich ins Nebenzimmer, wo bereits ein Tisch
mit vielen Köstlichkeiten gedeckt war. Die vier Hauselfen
folgten und bedienten uns anschließend.
Ich musste mich
beherrschen nicht alles auf einmal in mich hinein zu stopfen, das
wäre mir doch zu peinlich gewesen...
"Nun, da wir jetzt
fertig gespeist haben...", unterbrach Lucius die Stille, die
während des Essens eingehalten wurde und tupfte sich mit einer
Stoffserviette die Mundwinkel sauber.
"Tics, bring den jungen
Herrn in sein Gemach und vergiss sein Gepäck nicht.", rief
Malfoy Sen. eine Hauselfe her und stand auf.
"Ich
wünsche dir eine gute Nacht, mein Sohn."
"Gute
Nacht, Vater. Auch dir eine gute Nacht, Mutter.", verabschiedete
ich mich und folgte der Hauselfe mit dem Namen Tics durch mehrere
Gänge und Treppen.
Endlich an meinem Zimmer für die
nächsten 8 Wochen angekommen, schmiss ich mich auf das riesige
Bett, in das ich fünfmal reingepasst hätte und schloss die
Augen. Nur nebenbei hörte ich die Hauselfe meine Kleidung und
Bücher einräumen.
Vielleicht würde ich mich doch
hier wohl fühlen. Alle waren nett zu mir. Niemand hatte einen
Verdacht bisher. Und Voldienchen lief mir auch noch nicht über
den Weg.
Dafür gab es nur ein Wort: PERFEKT.
"Tics
ist fertig, junger Herr.", fiepte die Hauselfe und verschwand
aus den Zimmer.
Ich überlegte kurz, ob ich noch mal ins Bad
gehen sollte um Zähne zu putzen, aber ich dachte mir, die
Malfoyischen Zähne kommen auch einmal gut ohne zurecht und zog
mir die Decke über den Körper.
Auch zum Umziehen hatte
ich absolut keinen Bock und mümmelte mich gähnend in die
größenwahnsinnige Matratze ein...
...und ohne groß
noch nachzudenken, versank ich auch schon in einen tiefen Schlaf.
