Kapitel 9 – Ein unmoralisches Angebot
Thrawn glaubte, gegen eine Wand gelaufen zu sein, als sie die Oberfläche des Planeten erreicht hatten. Es war windstill und die drückende, staubige Luft raubte ihm beinahe den Atem – ebenso die unbeschreibliche Hitze. Es musste an die fünfzig Grad heiß sein. Hastig legte er seine linke Hand schützend über die roten Augen. Die Vibro-Lanze eines der Wärter stieß ihm in den Rücken und die zwei Gefangenen gingen langsam in Richtung Bergwerk. Die flirrende Hitze raubte dem Admiral jeden Atem, doch Leia schien es bereits jetzt wesentlich schlechter zu ergehen als dem Chiss und er konnte sie gerade noch auffangen, als sie kurz vor dem Eingang zu taumeln begann. Die Entführung, der Kampf, die Haft und diese höllische Hitze, kombiniert mit dem Wissen, nicht lange ausruhen zu können, bevor sie mit dem Abbau beginnen mussten, war einfach zu viel für den zierlichen Körper der Prinzessin.
Leia erspähte als erstes das Innere der Mine und sah die Sklaven arbeiten; sah, wie sie große Schlitten gefüllt mit Steinen hinter sich herzogen. Die Sklaven waren schon fast unterernährt; ihre Haut hing schlaff an ihren Körpern. Es waren überwiegend Männer, auch wenn sie gelegentlich mal eine Frau unter ihnen erblickte. Und sie arbeiteten in einem kollektiven Schweigen; die einzigen Geräusche waren verteiltes Stöhnen, als sie die Steine über den unebenen Boden zogen und die Schreie der Wärter, die die Arbeit überwachten.
„Man möchte glauben, man sei auf Kessel."
Leia sah ihren Begleiter an. „Sagen Sie das nur so oder sprechen Sie aus Erfahrung?" fragte sie dann.
Die Wache deutete auf ein paar veraltete Spitzhacken. „Sieht so aus als würde man uns keine Lasertechnik anvertrauen", zischte Thrawn als er ihr eine der Hacken überreichte. „Ich war schon mal auf Kessel. Aber unter anderen Bedingungen."
Leia riss ihm angewidert das Gerät aus der Hand. „Dann haben Sie ja jetzt genug Zeit, die imperiale Minenarbeit für Strafgefangene noch einmal zu überdenken, Admiral. Ich habe gehört, ein Perspektivenwechsel kann wahre Wunder bewirken."
Die beiden stiegen in einen ihnen zugewiesenen Wagen, welcher sie tief unter die Erde beförderte.
„Glaubt mir, im Vergleich zu dieser Mine ist Kessel ein Hotel."
Die zwei Neuankömmlinge wurden von den übrigen Sklaven neugierig beäugt. Besonders Leia schien ihre Blicke gefangen zu halten, da viele Männer seit Jahren keine junge Menschenfrau mehr zu Gesicht bekommen zu haben schienen. Bereits nach einigen Metern rief eine Stimme „Espensi na gotga ta chura!" Einige Männer lachten auf und warfen der Prinzessin vielsagende Blicke zu. Thrawn blieb stehen und drehte sich zu der Stimme um, dann ließ er Leia ein wenig perplex allein zurück und ging auf einen fettleibigen kleinen Menschen zu. "Te haka na chura wa hoki", erklärte er in einem Tonfall, kälter als der Weltraum. "Ta fissa!" Damit ging er zu Leia zurück, griff nach ihrer Hand und zog sie grob hinter sich her.
"Ihr bleibt bei mir!" befahl er schroff.
"Wie bitte, was? Das können Sie doch nicht einfach machen." Leia zerrte an ihrer Hand.
"Und ob ich das kann. Ich glaube nicht, dass der Imperator sehr beeindruckt wäre, sollte ich Euch hier durch die Hand eines Kleinkriminellen oder Perversen verlieren. Also, zu Eurem eigenen Schutz Prinzessin, bleibt an meiner Seite!"
Leia schaute sich noch einmal verstört zu dem Mann um. "Was hat er gesagt?" fragte sie dann leicht verängstigt.
"Verzeiht, wenn ich mich weigere, eine wortwörtliche Übersetzung zu liefern, aber er schien Euch ein eher unmoralisches Angebot zu unterbreiten."
"Was! Und was haben Sie gesagt?" Leia wartete geduldig auf eine Antwort, doch diese blieb aus. Einer der Vong-Soldaten stieß sie grob in ihre Arbeitsecke.
"Euch wird das Reden schon noch vergehen, Menschen! Arbeitet! Bis Sonnenuntergang ist es noch lang!"
§§§
Leia war zu erschöpft, um zu reden, zu denken oder irgendetwas zu tun. Alle ihre Glieder schmerzten und ihre Hände waren aufgerissen, als sie am Abend zurück in ihr neues Quartier im Sklavenlager gebracht wurden.
Der Yuuzhan Vong stieß die Neulinge grob hinein und ein zweiter warf zwei Schalen voll mit unappetitlich aussehender Nahrung auf den Tisch. Wortlos verließen sie die Zelle.
Leia warf sich auf einen der Stühle und inspizierte ihre Umgebung. Zwei Räume, ein Waschraum und ein Schlafzimmer mit Esstisch und Hochbett, alles in grau gehalten.
„Mir ist schlecht", erklärte sie kurz und blickte starr auf den Becher vor ihr.
Thrawn, welcher kurz zuvor im Waschraum verschwunden war, kam nun mit einem Glas Wasser zurück. „Trinkt das. Ihr habt heute zu viel Wasser verloren."
Dankbar griff sie danach und trank es mit zwei langen Zügen aus. Ihre Hände zitterten und Thrawn probierte vorsichtig einen Bissen ihres Abendessens.
„Wie können Sie das Zeug nur essen? Alleine beim Anblick wird mir schlecht!"
Thrawn sah sie über den Tisch hinweg an. „Wir werden nichts Anderes bekommen, Prinzessin. Das Essen mag Euch vielleicht töten. Wenn Ihr es jedoch nicht esst, tötet es Euch bestimmt. Und Ihr benötigt diese Nahrung mehr als ich. Also schaut nicht hin und esst es." Er hatte Recht. Wenn dieses Zeug jedoch nur halb so schlecht schmeckte, wie es aussah, dann würde sie es nicht hinunter bekommen, ganz bestimmt nicht.
Nachdem sie Bissen für Bissen den Brei herunter geschlungen hatte, richtete sie ihren Blick auf das Bett. „Oben oder unten?"
Thrawn hob fragend eine Augenbraue. „Ich liege lieber oben", erklärte er dann erschöpft. Leia grinste. „Tun das nicht alle Männer?"
Auf seinen Wangen zeichnete sich ein weiches lila ab. „Das ist jetzt vielleicht etwas falsch herausgekommen… Aber Ihr könnt auch gerne im Hochbett oben liegen."
Es tat wirklich gut zu sehen, dass auch ein imperialer Offizier rot werden konnte. Es machte ihn in Leias Augen um einiges menschlicher. Sie griente ihn erneut an.
„Gut Admiral, denn Prinzessinnen liegen immer oben. Wussten Sie das nicht?"
Leia dachte, dass er es darauf beruhen lassen würde, doch nach einer kurzen Pause zeichnete sich der Hauch eines frechen Grinsens auf seinen kantigen Zügen ab. „Ich… hatte leider noch nicht das Vergnügen." Nun war es Leia, welcher die Schamesröte ins Gesicht stieg.
„Aha. Na ja, man lernt halt nie aus." Sie befreite einen nicht existenten Frosch aus ihrem Hals und zeigte Richtung Notausgang-„Waschraum". „Ich… äh… ziehe mich dann besser um."
TBC
Please Review!
Why Am I feeling so happy tonight? wink
