In Drei Besen herrschte ein reges und tüchtiges Treiben, als Draco inmitten des Pubs stehen blieb. Seine trägen Sinne waren lediglich auf einen einzigen Auftrag fokussiert.

Er musste mit Madam Rosmerta sprechen.

Ein Zwerg mit einem langen roten Bart war wie aus dem Nichts erschienen und stieß mit ihm zusammen. Draco fiel daraufhin zu Boden, was ihn mehr als überraschte. Immer noch auf den schlammigen Boden liegend wandte er sich der kleinwüchsigen Gestalt zu und stellte erschrocken fest, dass es sich dabei um einen fast drei Meter hohen Mann handelte, der die Schultern einziehen musste, damit sein Kopf nicht gegen die Decke stieß. Sein Gesicht war vor Wut verzerrt und gerötet, was Dracos Körper vor Furcht schmerzhaft verkrampfen ließ. Eine pulsierende Ader auf der Stirn des Riesen platzte auf, während der unbekannte Mann schrie, wobei seine Worte nicht zu verstehen waren. Die Ader stieß eine weiße Flüssigkeit aus und Draco dachte zunächst, dass es sich dabei um Eiter handelte. Der Mann hörte nicht zu schreien auf, sodass ihm langsam die Luft ausblieb.

An seinen Mundwinkeln sammelte sich Spucke an, die immer größer und fester zu werden schien, bis sie eine rosinengroße Form annahm, die dem Eiter auf seiner Stirn glich. Das Sekret wanderte auf seinem Gesicht herum und schien sich in seinem Bart verfangen zu haben. Der Mann schrie immer noch aus Leibeskräften. Er spürte, wie die feste Spucke von dem Bart des Riesen auf Dracos eigene Hand gelandet war, und er sah es sich sofort an.

Es war eine Made.

Als Draco panisch zu dem Riesen aufblicken wollte, stellte er fest, dass er plötzlich auf dem Boden lag und sich nicht mehr rührte. Er sah nur, wie sein Bart bebte, in dem das Ungeziefer sein Unwesen trieb. Angewidert öffnete er den Mund, um jemandem zu befehlen, diesen widerwärtigen Körper zum Verschwinden zu bringen, aber eine schöne und obendrein splitterfasernackte Frau, die den Pub betreten hatte, lenkte ihn sofort davon ab.

Er starrte ihr nach, als sie sich dem liegenden Riesen nährte und ihre Augen funkelten rot, nachdem sie diesen eine Weile lang angesehen hatte. Langsam wandte sie sich Draco zu und deutete auf den Riesen.

„Das ist mein Mann", sagte sie mit einer tiefen, ruhigen Stimme, während Draco ihren Körper begutachtete. „Ein Jammer. Ich wusste, dass es eines Tages passieren würde." Sie zuckte mit der Schulter. „Irgendwann platzt dir der Kopf. Das habe ich ihm immer gesagt. Er hat nicht auf mich gehört. Gleich kommen die Auroren, um ihn zu holen. Ich bin nackt. Er ist tot. Ich muss wieder zurück, bevor es dunkel wird."

Draco sah ihr nach. Sein Rücken tat ihm wegen der Kälte weh, die der Boden unter ihm verströmte. Langsam stand er auf und stolperte auf einen Stuhl zu, um sich an einem leeren Tisch zu setzen.

Die Auroren würden kommen.

In Hogsmeade suchten sie überall nach dem Angreifer mit dem Opalhalsband. Er war der Angreifer. Aber die Auroren würden ihn wegen des Riesen befragen wollen. Und dann? Dann würden sie ihn fragen, weshalb er sich in Hogsmeade befand, obwohl er doch im Schloss sein sollte. Die Auroren würden sofort dahinterkommen, dass er der Angreifer war. Seine Anwesenheit würde ihn verraten. Einfach gehen, konnte er auch nicht. Die nackte Frau hatte ihn doch gesehen. Sie würde ihn verraten.

Und er musste nach Madam Rosmerta sehen.

Mit klopfendem Herzen sah er sich nach der Wirtin um. Aus dem geöffneten Fenster nahm er Stimmen wahr. Jemand fragte, wo sich das Wirtshaus Die Drei Besen befand.

Das mussten die Auroren sein.

Draco beschloss, den Auroren zu sagen, dass ihn Dumbledore nach Hogsmeade geschickt hatte, um für die Weihnachtsfeier frischen Met zu holen. Der Schulleiter hatte das Schloss verlassen, deshalb würde er das gar nicht abstreiten können. Als sich die Tür öffnete, hielt er die Luft an. Aber es war die Frau des Riesen. Diesmal trug sie einen rosafarbenen Umhang. Sie steuerte auf Draco zu, während neben ihr ein Notizblock und die Flotte-Schreibe-Feder schwebten.

„Was möchtest du bestellen?", wollte sie wissen.

„Met", sagte er zunächst.

„Wir haben nur Butterbier."

„Wo ist Madam Rosmerta?", fragte er schließlich leise.

„Wer?", kam es ausdruckslos von ihr.

Bevor er etwas sagen konnte, wandte sie sich von ihm ab und verschwand hinter dem Tresen.

Wo war Madam Rosmerta? Sie musste sich wohl krank gemeldet haben. Ständig beschwerte sie sich, dass sie sich unwohl fühlte. Erneut vernahm er Stimmen, die aus dem Fenster drangen. Lachen vermischte sich mit dem Eisnebel. Dann fiel ihm voller Entsetzen ein, dass er sich wohl vertan haben musste und die Schüler von Hogwarts Hogsmeade-Wochenende hatten. Als die Tür aufging, erschien eine im schwarzen Umhang vollständig vermummte Gestalt, die auf ihn zuging. Er wusste, dass es Madam Rosmerta war.

„Du hast nicht mehr so viel Zeit", flüsterte sie ihm zu. „Bleib hier und übergib mir das Päckchen. Ich warte auf der Damentoilette auf dich."

Er hatte aber kein Päckchen bei sich.

Als er sich nach ihr umsah, sah er auf der anderen Seite des Pubs seine Mutter, wie sie ihren Tisch verließ und sich hinter dem Tresen stellte. Sie polierte die Gläser.

Draco wollte aufwachen. Aber es gelang ihm nicht.

Die Tür ging erneut auf und diesmal hatte Pansy den Pub betreten. Sie setzte sich an Dracos Tisch und sprach kein Wort mit ihm.

„Entschuldigung?" Er drehte sich um und begegnete Daphne, die hinter ihm gestanden hatte. „Wo ist die Toilette?"

„Ich weiß es nicht", behauptete er und spürte, wie ihm die Panik seine Brust zuschnürte. Wenn sich Daphne auf der Toilette aufhalten sollte, würde er nicht mehr reingehen dürfen. Und was war mit Pansy? Sie würde ihm sofort folgen wollen, wenn er den Tisch verlassen würde.

„Draco?" Pansys Augen weiteten sich, als er sich ihr zuwandte. „Die Leute reden."

„Ich weiß", sagte er bloß, während er überlegte, wie er sie loswerden könnte.

„Draußen kämpfen die Todesser gegen den Orden", flüsterte sie. „Dein Vater wurde verhaftet. Ich habe gehört, wie Black gesagt hat, dass du dich hier mit einem brennenden Unterarm versteckst, während die anderen kämpfen. Stimmt das? Brennt dein Mal?"

Draco wollte aufwachen. Es konnte nur ein Traum sein.

Jemand hatte ihm auf die Schulter getippt. Die Frau des Riesen übergab ihm ein kleines, braunes Päckchen und ging wortlos davon.

„Du solltest das so schnell wie möglich öffnen, bevor man es dir abnimmt. Hier dürfen keine Päckchen angenommen werden", sagte Pansy hastig.

Er wusste, dass sich etwas Grauenvolles darin befinden musste. Er spürte es. Und dennoch riss er die Pappe auf. Aus merkwürdigen Gründen konnte er zunächst nicht erkennen, was sich darin befinden könnte. Sein Blick war wie verzerrt und er musste mehrmals blinzeln, um seine Sicht zu schärfen. Und dann sah er es.

Eine Handvoll Maden schlängelte sich bebend um ein einziges rotes Haar.

Sein Herz schlug um ein Zehnfaches schneller gegen die Brust und er ließ das Päckchen achtlos fallen. Der Inhalt landete gut sichtbar auf dem Boden.

„Ich dachte, es würde dir gefallen."

Entsetzt sah er auf. Auf dem Platz ihm gegenüber saß nicht mehr Pansy, sondern ironischerweise das Bell-Mädchen. Sie lächelte ihn friedlich an. Er versuchte einen Atemzug zu nehmen, was durch die zusammengezogene Eingeweide erschwert wurde.

Und endlich – endlich – konnte er aufwachen.

Draco richtete sich mit rasendem Herzen auf, während er mehrmals nach Luft schnappte. Schließlich fing er kräftig zu husten an, was ihm die nötige Erleichterung verschaffte. Der Sauerstoff ließ ihn etwas schwummrig werden.

Erschöpft lehnte er sich mit seinem rechten Ellenbogen nach hinten an und verlagerte sein ganzes Gewicht auf diese Seite. Kurz verlor er seinen neu gewonnen Atemrhythmus. Mehrmals atmete er tief ein, brachte jedoch bei jedem Ausstoßen der Luft ein Stöhnen heraus. Erst als ihm bewusst wurde, dass er am ganzen Körper zitterte, hatte er feststellen können, dass er schweißgebadet war.

Draco ließ sich auf dem Rücken fallen und versteckte das Gesicht in seinen Händen, obwohl ihn niemand sehen konnte. Er hatte mehrere Anläufe gebraucht, um den Tränen freien Lauf zu lassen. Es fühlte sich immer noch befremdlich an, wenn er diesem Bedürfnis nachkam.

xxxxxx

Dumbledore war deutlich später zurückgekommen, als es McGonagall ursprünglich angenommen hatte. Das Wochenende war für Ruby dementsprechend eine Stimmungskatastrophe gewesen, sodass sie ihre Freizeit trotz der Minustemperaturen hauptsächlich am See verbracht hatte. Den Raum der Wünsche hatte sie gemieden, um ihre Freunde nicht weiter zu verärgern. Hermine ging seit ihrem letzten Gespräch sowieso distanzierter mit ihr um, was möglicherweise dem verschuldet war, dass Ruby keineswegs den Wunsch verspürte, den Konflikt nochmals aufzugreifen.

Am Montagmorgen hatte sie sich also dazu aufraffen müssen, den Lehrern hinterher zu rennen, um ihre Aufgaben zu erhalten. Sie erfuhr jedoch, dass Dumbledore inzwischen zurückgekommen war und sie am Nachmittag erwarten würde, was sie sicherlich nicht dazu verleitet hatte, Luftsprünge zu machen. Es war ihr letztlich und doch unter größter Kraftanstrengung gelungen, ihrem Schulleiter einen Besuch abzustatten.

Ruby legte ihre zusammengefalteten Hände auf dem Schreibtisch und wartete geduldig, bis sich Dumbledore in vollkommener Ruhe um den neugeborenen Fawkes' gekümmert hatte. Sie fand, dass er sich ruhig noch ein wenig Zeit lassen konnte, da sie es nicht eilig hatte, mit ihm dieses verstörende Gespräch zu führen. Ursprünglich hatte sie sich einreden müssen, dass die Begrüßung der unangenehmste Teil des Wiedersehens sein würde. Wenn sie erstmal Dumbledore gegenüber sitzen würde, hatte sie sich gesagt, würde alles nur noch einem routinierten Ablauf folgen. Nun hatte sie das ganze Begrüßungsprozedere hinter sich gebracht und musste feststellen, dass sie sich auch wirklich jeden Scheiß selbst abkaufte. Vielleicht sollte sie ihren Schulabschluss vergessen und Fletchers Geschäftspartnerin werden.

Dumbledores langer Finger streichelte zärtlich an dem vor Asche dreckigen Kopf des Phönix' und sie versuchte sich damit zu beruhigen, dass Dumbledore, der auf eine solch sanfte Weise sein Haustier streicheln konnte, sie niemals böswillig unter Druck setzen würde. Wenige Sekunden später fiel ihr jedoch ein, dass er sich wohl kaum gegen solche Persönlichkeiten wie Voldemort oder Grindelwald behauptet hätte, wenn er sie zärtlich gestreichelt hätte.

Es ging ihr wirklich nicht darum, ihre Missetaten abzustreiten oder klein zu reden. Sie wusste, was sie falsch gemacht hatte. Es ging ihr einzig und allein darum, dass sie von ihm hören wollte, dass Snape eine hinterhältige, widerliche und zweigesichtige Ratte war.

Oder dass er zumindest nicht richtig gehandelt hatte. Aber niemals würde er den ach-so-lieben Professor Snape kritisieren.

Sie machte sich auch Sorgen, dass er das gesamte Gespräch auf ihre vermeintliche Labilität lenken oder dass er dies möglicherweise mit ihrem Zustand während des letzten Gesprächs in Verbindungen setzen würde. Ihre Chancen standen bei Null, dass sie es schaffen würde, bei der Gesprächsführung das Ruder zu übernehmen. Der alte Mann würde sie rhetorisch vernichten. Das würde sie wiederum sauer machen. Sie wusste es ganz genau. Und wenn sie sauer war, würde sie ihm möglicherweise ein paar weitere Vorwürfe entgegen halten, was sie nicht wollte. Und wenn sie schon mal dabei wäre, würde sie -

„Ich muss mich für diese Verzögerung entschuldigen, Ruby", unterbrach er ihre apokalyptischen Gedankengänge und er setzte sich mit einem typischen altersbedingten Stöhnen auf dem Stuhl. „Als ich nach meiner Reise das Büro betreten hatte, türmten die Briefe gut sichtbar auf dem Tisch, sodass ich mich zuerst um die ein oder andere unangenehme Angelegenheit kümmern musste, bevor ich mich auf unser Gespräch vorbereiten konnte. Nun hat auch Fawkes deutlich früher als erwartet Feuer gefangen. Ich musste nach ihm sehen."

„Ich habe mal gehört, dass sich Tiere auch mal merkwürdig verhalten können, wenn sie ihre Besitzer vermissen. Sie sind in letzter Zeit so oft unterwegs ge-", sagte sie unüberlegt und dann fiel ihr ein, dass ihre Aussage auch unverschämt klingen könnte. „Also, das war jetzt natürlich kein Seitenhieb, Sir", ruderte sie zurück und sie konnte sehen, wie er seine Augen hinter der Halbmondbrille amüsiert zusammenkniff.

„Du hast durchaus einen sehr guten Zusammenhang herstellen können", gestand er ihr ein. „Ich vermute aber, dass er sich vielmehr an meine Stimmung anpasst, als dass er mich vermisst, wobei ich natürlich hoffe, dass er mich ab und an vermisst."

Ruby konnte nur mit Mühe ihre Verwirrung verbergen. Zunächst hatte sie sich die dümmliche Frage stellen müssen, ob Dumbledore schwer krank war, was den Vogel dazu verleitete, früher sterben zu müssen. Aber der Schulleiter sah keineswegs krank aus.

„Ich kenne mich mit Tieren nicht gut aus", sagte sie schulterzuckend, als sie feststellte, dass er auf eine Erwiderung wartete. „Tiere mögen mich nicht."

„Tiere mögen dich nicht?", wiederholte er ihr Gesagtes und schien dabei überrascht zu sein.

Warum sprachen sie nun über irgendwelche Viecher?

„Ähm, nein. Sie greifen zuerst immer mich an", ließ sie sich dennoch darauf ein. Es war zumindest erträglicher als das Thema, welches den Anlass ihres Erscheinens darstellte. „Sie hören nicht auf mich."

„Ihre Anwesenheit kann sehr tröstlich sein, wenn man sich einsam fühlt", sagte Dumbledore nachdenklich, während er Fawkes einen rührenden Blick zuwarf. „Es erfordert sehr viel Geduld und Mühe, eine Verbindung zu ihnen aufzubauen. Ist diese erstmals hergestellt, bleibt sie ein Leben lang erhalten." Er wandte sich Ruby neugierig zu. „Ich würde es an deiner Stelle mit Seidenschnabel versuchen."

Sie sah ihn entgeistert an. „Professor, nein. Das Tier hat mehrmals versucht, mich anzugreifen und ich war immer nett und respektvoll. Wirklich, Sir. Ich würde lieber einen Gnomen als Haustier haben als ihm noch einmal näher zu kommen."

Sie erinnerte sich noch vage daran, wie ihr in den letzten Weihnachtsferien aufgetragen worden war, dem Hippogreif sein Futter zu geben. Das Zusammentreffen hatte damit geendet, dass er sie mit einer einzigen Kopfbewegung gegen die Wand befördert hatte. Das hatten die anderen urkomisch gefunden. Irgendwo in ihrem Bewusstsein nahm sie das laute und bellende Lachen wahr, das ihr schrecklich bekannt vorkam. Sie schüttelte mit dem Kopf, um sich auf Dumbledore zu fokussieren.

Seine Augen funkelten kurz. „Ich hege eine starke Vermutung, dass er sich ausgerechnet über deinen Besuch freuen würde."

Nun musste Ruby lachen. „Hm", kam es bejahend von ihr, was sie deutlich ironisch meinte. „Als Sirius noch -"

Ruby brach den Satz sofort ab. Ihre Gesichtsmuskeln spannten sich daraufhin an.

Sie war so naiv gewesen. Natürlich hat er nicht einfach so mit ihr über Haustiere plaudern wollen. Wie alt war sie denn? Fünf?

„Naja, egal. Ich -", versuchte sie dennoch die Kurve zu bekommen und plötzlich verspürte sie das Verlangen, es nur noch hinter sich zu bringen. „Ich bin – Können wir uns bitte auf das Wesentliche konzentrieren, Sir? Ich würde gerne anfangen", verkündete sie und bemerkte, dass sie nervös wurde. Sie konnte Dumbledore nicht in die Augen sehen. „Es ist nämlich so, dass ich – Also, ich habe natürlich einen Fehler gemacht. Das weiß ich." Mist. Sie hatte sich doch darauf vorbereitet. In welcher Gehirnhälfte waren ihre klug gewählten Worte abgeblieben? „Nein, fangen Sie bitte an und ich werde … antworten."

Als Ruby seinem Blick begegnete, stellte sie fest, dass sie ihm offenbar leid tat. Langsam legte auch er seine zusammengefalteten Hände auf dem Tisch, was sie dazu zwang, ihre eigenen Hände auf dem Schoß zu legen. Sie musste diese Distanz wahren. Das war sicherlich kein Gespräch in aller Freundschaft. Erst recht nicht, wenn er vorhatte, über Sirius zu sprechen. Siehatte zu entscheiden, wann und ob sie mit ihm darüber sprechen wollte. Sirius war ihrePrivatsphäre. Das Einzige, was er zu dieser Geschichte bislang beigetragen hatte, war es, Sirius einzusperren.

Der Ausgang der Geschichte war bekannt.

Erneut schüttelte sie mit dem Kopf, um diesen Gedanken zu verscheuchen. Es war abscheulich, ihm für diesen Ausgang die Schuld zu geben.

„Ruby?"

Sie vermutete, dass er etwas gesagt hatte und sie ihm nicht zugehört hatte.

„Nein, ich wiederhole nicht, was Sie gesagt haben", rutschte es ihr genervt heraus.

Er sah sie überrascht an. „Ich bin mir jedoch sicher, nichts gesagt zu haben. Gewiss bin ich nicht mehr der Jüngste und mit dem Alter -"

Sie sah ihn vielsagend an, sodass er seinen unvollendeten Satz in der Schwebe ließ.

„Es tut mir leid, dass ich Sie eben angefahren habe", sagte sie hastig. „Können wir bitte endlich über meine Suspendierung sprechen?"

„Selbstverständlich", erwiderte er, als wäre er die ganze Zeit über drauf und dran gewesen, das Thema anzuschneiden. „Ich erlaube es mir, einen wichtigen Gedanken kurz und einleitend zu formulieren, um dir bewusst werden zu lassen, wie überrascht ich war, als ich die Nachricht erhielt, was zwischen Professor Snape und dir vorgefallen ist." Er schien seine folgenden Worte abwägen zu müssen, während er die Daumen übereinander kreisen ließ. „Nein, ich möchte mich korrigieren. Ich war nicht überrascht. Ich war vielmehr enttäuscht und erschrocken darüber, wie unüberlegt du riskiert hast, dass ein fälschliches Urteil über jemanden gebildet werden könnte, der tatsächlich sein Leben riskiert, weil er seine vergangenen Taten bereut." Ruby war irritiert. Sprachen sie beide von derselben Person? „Ihm diese vergangenen Taten vorzuenthalten, ist, entschuldige nun meine strengen Worte, schwach."

Schwach?

„Schwach?", konnte sie es sich nicht verkneifen. „Wie – Okay, gut." Sie schüttelte mit dem Kopf. „Ich nehme es an. Fein." Es hatte sie getroffen. Wirklich getroffen. „Ähm, ja. Ich würde jetzt aber sehr gerne darauf zurückkommen, wie es sich an dem Tag wirklich abgespielt hatte."

„Sehr gerne, Ruby", kam es friedlich zustimmend von dem Schulleiter, als hätte sie einen Fortschritt in einem kniffligen Zauberspruch gemacht. „Ich habe mir mehrere Versionen bezüglich der Gefühlslagen des darin involvierten Personenkreises anhören und, ja, leider auch lesen müssen, sodass ich dringend auf deine Ausführungen angewiesen bin."

„Ach, ja?" Ruby hob mit Absicht den verbitterten Unterton hervor. „Welche Version des Verlaufs kam denn von ihm, Sir?"

Dumbledore sah alles andere als zufrieden aus. „Du hast mich falsch verstanden, Ruby. Über den Verlauf des Geschehens bin ich bestens informiert. Mir persönlich geht es vielmehr darum -"

„Sie waren nicht dabei, Sir. Woher sollen Sie also wissen, dass Sie bestens informiert wurden?"

„Weil Professor McGonagalls Schilderungen mit Professor Snapes Version übereinstimmen", sagte er mit einer deutlichen Spur der Ungeduld in der Stimme. „Sie hat mit Professor Snape gesprochen und hat die anwesenden Schüler befragt. Sie hat in die Wege geleitet, den Fall ordnungsgemäß aufzuklären und selbst mit ihrer Hilfe, Ruby, stehst du nicht ganz so unschuldig da."

Das war so unverschämt. Er war mehr als unverschämt. Wenn es hierbei um Harry gegangen wäre, wäre die Sache im Nullkommanichts aus der Welt geschaffen worden und die beiden hätten ihr Gespräch über Haustiere weiter fortsetzen können.

„Was ist mit der Suspendierung, Sir?", fragte sie ebenfalls ungeduldig.

„Ich habe angenommen, dass du über den Tag, an dem du mit Professor Snape aneinandergeraten bist, sprechen möchtest", erinnerte er sie daran.

„Nein, ich glaube das hat sich für mich erledigt", winkte sie ab und sie spürte, dass ihre Frustration sie dazu drängte, frecher zu werden. „Zurück zu der Suspendierung. Ich habe in den letzten Tagen meine Aufgaben fristgerecht abgegeben. Meine Hausaufgaben sind auch schon fertig. Wenn die Suspendierung verlängert werden sollte, dann werde ich das selbstverständlich annehmen, aber dann würde ich gerne den genauen Zeitpunkt kennen. Ich möchte nicht von der Gesellschaft ausgeschlossen und dabei mit dem Zeitpunkt der Aufhebung meiner Strafe hingehalten werden. Das führt ja bekanntlich zum Tod."

Dumbledore senkte den Blick, was Ruby ganz und gar nicht leid tat. Sie wartete geduldig, bis er sich ihr erneut zuwandte. Den Gefallen tat er ihr jedoch nicht. Stattdessen betrachtete er seine Hände und sie bemerkte das schwarze Mal auf seiner Haut, von dem ihr Harry bereits berichtet hatte. Die Haut, auf der sich die Schwärze ausgebreitet hatte, wirkte geglättet, was einen Kontrast zu dem Rest der Haut bildete. Sie horchte in sich hinein und fühlte immer noch kein Mitleid.

Er holte tief Luft. „Ich habe mit Professor McGonagall gesprochen und sie hat mir bestätigen können, dass du deiner Strafe beispielhaft nachgekommen bist. Aus diesem Grund waren wir beide der Meinung, dass die Verlängerung der Suspendierung nicht mehr notwendig sei. Somit ist es dir ab morgen erlaubt, an dem Unterricht und deinen übrigen schulischen Aktivitäten, wie zum Beispiel Quidditch, teilzunehmen." Diesmal hob er den Blick. „Ich muss dich jedoch verwarnen, Ruby. Eine wiederholte Eskalation in dem Unterricht von Professor Snape wird keinesfalls mit einer ähnlichen Milde behandelt. Ich wünsche mir, dass du dir darüber im Klaren bist, welche Grenze du überschritten hast, als du -"

„Und der Typ ist sich nicht im Klaren darüber, welche Grenze er überschritten hat?", brach sie ihm scharf das Wort ab. „Das ist Ihrer Meinung nach gerechtfertigt, sich darüber auszulassen, nein, sich darüber lustig zu machen, wie – wie dumm -" Sie schnappte vor Fassungslosigkeit nach Luft. „Schauen Sie mich an, Professor, und sagen Sie mir ins Gesicht: Dumm gelaufen, Ruby. Machen Sie es ihm nach. Wenn es doch in Ordnung ist, Professor, werden Sie wohl kein Problem damit haben."

„Es ist nicht in Ordnung, wie sich Professor Snape dir gegenüber verhalten hat", sagte er ruhig und er verzog dabei das Gesicht, was ihn um weitere Jahre älter aussehen ließ. „Ich habe dir gegenüber nicht behauptet, dass ich diese Worte toleriere. Aber letztendlich handelt es sich hierbei um eine Angelegenheit, die zwischen Professor Snape und mir zu klären ist. Es ist und bleibt im schulischen -"

„Ich kann mir vorstellen, wie dieses Gespräch zwischen ihnen abgelaufen -"

„Nein, du unterbrichst mich nicht, Ruby. Du lässt mich ausreden", warf er mit einem strengen Nachdruck ein und sie verstummte sofort. „Ich verstehe dich und es tut mir leid, dass du dich letztendlich für etwas rechtfertigen musst, was du in einem Augenblick der Wut und des Schmerzes getan hast. Aber dies gehört, so schwer dies auch zu fassen sein mag, zum Leben dazu und es ist geradezu erforderlich, dass wir auch dafür Verantwortung tragen. Menschen tun unrechte Dinge, wenn sie wütend oder verletzt sind und wir dürfen uns dieser Verantwortung nicht entziehen."

Ruby schüttelte frustriert mit dem Kopf. Sie würde sich sicherlich nicht von einer Rede über Nächstenliebe und menschliche Fehler beeindrucken lassen.

Dumbledore schien ihren Frust richtig gedeutet zu haben. „Mit welcher Erwartung bist du heute bei mir erschienen, Ruby?" Er löste die Hände voneinander und ließ sie beinahe kapitulierend und gleichzeitig hilflos in die Höhe gleiten, bevor er sie ruhig auf dem Tisch legte. „Ich gewinne allmählich den Eindruck, dass du hergekommen bist, um dafür Sorge zu tragen, dass Professor Snape bestraft wird. Was genau möchtest du von mir hören?"

Dumbledore schien auf eine Antwort zu warten. Sie blickte aber demonstrativ auf ihre Armbanduhr herunter und zuckte daraufhin merklich zusammen. Wie oft wollte sie noch auf die kaputte Uhr starren?

Die Erinnerung, dass sie ursprünglich vorgehabt hatte, Dumbledore ihre Uhr zeigen zu lassen, verpasste ihr einen entsprechenden Dämpfer bezüglich ihres Verhaltens. Ruby hob ihren Blick und bemerkte, dass der Schulleiter sie neugierig beobachtete. Sie räusperte sich.

„Entschuldigen Sie mich, Sir. Was haben Sie mich nochmal gefragt?"

„Meine vorausgehende Frage war für mich, wenn ich ehrlich bin, nicht von Bedeutung gewesen, Ruby", sagte er ruhig und er beugte sich leicht vor, was die Distanz zwischen ihnen verringerte. „Deshalb möchte ich dich etwas anderes fragen." Sie schluckte laut hörbar, während er sie eigehend musterte. „Möchtest du vielleicht über eine andere Angelegenheit sprechen, die dir am Herzen liegt?"

Aus unerklärlichen Gründen musste Ruby plötzlich an ein Ereignis aus ihrer Kindheit denken. Sie war damals mit Beth am Strand gewesen. Es war inzwischen unmöglich für sie, den genauen Tagesablauf zu rekonstruieren oder ihr Alter abzuschätzen, aber es musste deutlich länger her sein, weil Beth früher mit ihr häufig das Haus verlassen hatte. Was sie wusste, war, dass ihr Ausflug zu einer kalten Jahreszeit stattgefunden hatte. Noch genauer hatte Ruby in Erinnerung, dass sie eine fürchterliche Angst vor dem Wasser gehabt hatte. Sie hatte in ihrer Nähe einen Fuchs gesichtet und ihm folgen wollen. Dabei war sie ausgerutscht und im See gelandet. Sie wäre damals beinahe ertrunken und Ruby erinnerte sich, dass sie sich seitdem mehrmals eine Lungenentzündung eingeholt hatte, die sich jedoch seit der Aufnahme in Hogwarts nicht mehr wiederholt hatten.

Sie zögerte. Woher diese Eingebung kam, dass sie Dumbledore plötzlich erzählen wollte, dass sie als ein kleines Mädchen beinahe ertrunken wäre, wusste sie nicht. Wenn sie ehrlich war, verstand sie sich einfach selbst nicht mehr.

Ruby holte tief Luft. „Nein, Sir."

Dumbledores Gesichtsausdruck nach zu urteilen, hatte sie ihn enttäuscht. Auch dieser nahm einen tiefen Atemzug. „Hast du vielleicht noch Fragen, die du mir stellen möchtest?"

Sie schüttelte mit dem Kopf und dann fiel ihr dennoch etwas ein. „Das Nachsitzen heute Abend, Professor. Das -"

„- Nachsitzen wird nicht aufgehoben", beendete er den Satz und sah sie ruhig an.

„Gut." Sie nickte und stand langsam auf, ohne dass er sie entlassen hatte. „Ja, das habe ich auch eigentlich gedacht. Ich wollte trotzdem nachfragen."

Dumbledore stand ebenfalls auf. Ruby hatte kurz den Eindruck, als würde er ihr noch etwas sagen wollen. Sie dagegen wollte nur noch gehen, wusste jedoch, dass es unangebracht wäre, wenn sie es ohne seine Zustimmung getan hätte.

„Ich möchte, dass du weißt, dass ich es zutiefst bedaure, unter welchen Umständen wir heute Abend auseinander gehen müssen, Ruby", setzte er endlich an und wirkte sichtlich bedrückt. „Ich habe die Hoffnung gehegt, diesmal eine günstige Gelegenheit bekommen zu haben, dein Vertrauen zu gewinnen. Aber -" Er sah sie eindringlich an. „- ich muss schmerzlichst feststellen, dass du diesen Raum wiederholt mit dem Glauben verlassen wirst, dass ich dich enttäuscht habe."

Sie sah ihn wortlos an. Seinem beschriebenen Eindruck war nichts mehr hinzuzufügen, weil er Recht hatte. Er war weder auf Sirius' noch auf ihrer Seite gewesen. Er war auf Harrys Seite gewesen, die nach Sirius' Wohl verlangt hatte. Diese Seite hatte ihrem Vater den Schutz ermöglicht.

„Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Abend, Professor", sagte sie deshalb, um dem Ausgang des Zusammentreffens näher kommen zu können.

„Ich danke dir", kam es lächelnd von ihm. „Diesen wüsche ich dir auch, Ruby."

xxxxxx

Sie eilte mit einem vor Anstrengung hochrotem Kopf durch die Korridore, um bloß nicht zu ihrem ersten Tag des Nachsitzens zu spät zu kommen. In Wahrheit war an diesem Zeitdruck Slughorn Schuld. Er hatte sie auf dem Weg zu Professor McGonagalls Büro, der sie ihre letzten Aufgaben abzugeben hatte, zufällig getroffen und sie im wahrsten Sinne des Wortes vollgelabert. Nachdem sie ihn mehrmals verzweifelt daran erinnern musste, dass sie nachzusitzen hatte, hatte er sie doch noch einmal aufgehalten, um sie zu seiner Weihnachtsfeier einzuladen.

„Ich vermisse Ihre Anwesenheit während des Abendessens", hatte er sich beschwert.

„Sie sagen mir immer ab, Miss Black", lautete sein Versuch, ihr ein schlechtes Gewissen einzureden.

„Nun, da Dumbledore zurück ist, steht meiner Einladung zu dem Weihnachtessen nichts mehr im Wege", hatte er glückselig verkündet.

Wie sich herausgestellt hatte, wurden die Mitglieder des Slug-Klubs bereits vor einer Woche davon in Kenntnis gesetzt, dass diese ominöse Weihnachtfeier stattfinden würde. Und es handelte sich dabei obendrein um eine Plus-One-Veranstaltung, was Ruby ganz toll fand. Wirklich richtig super und absolut toll, wenn sie dabei berücksichtigte, dass ihre Freunde es wohl nicht für nötig befunden hatten, ihr Bescheid zu geben. Offenbar hatte Harry bislang ihre Wenigkeit nicht als Begleitung in Betracht gezogen. Wäre doch langweilig gewesen, oder? Warum Ruby, wenn man doch einen Groupie fragen konnte?

Als Ruby noch im letzten Augenblick an dem vereinbarten Treffpunkt ankam, blieb sie mit einem stolpernden Ruck direkt vor Malfoy zum Stehen und holte tief Luft. Er stand regungslos da und würdigte sie keines Blickes.

Was nun? Sollte sie jetzt „Hi" oder Ähnliches sagen? Wie begrüßten sich Feinde, die sich nebenbei die Finger wund schnitten, zum erzwungenen Zeitvertreib? „Hallo, Schwachkopf, wie geht es dir?" - Ne, oder? Oder mit etwas Originellem: „Abend, Misthaufen" - Klang nun auch nicht nach dem, was es sein sollte.

Na ja, egal. Nun war es sowieso zu spät. Und Malfoy war auch nicht gerade nach einer Begrüßung zumute. Gute Einstellung seinerseits. Die Strafarbeit sollte nur hinter sich gebracht werden. Keine Diskussionen, keine zwischenmenschlichen -

„Da sind ja die Übeltäter!", kam eine hocherfreute Stimme hinter Ruby und sie drehte sich um.

Der schleimige Filch und seine eklige Katze, die auch als seine Ehefrau durchgehen könnte, waren höchstpersönlich erschienen. Weder Malfoy noch Ruby hatten dem Ganzen etwas hinzuzufügen. Der Hausmeister öffnete die schwere Holztür und ließ die beiden zuerst hinein. Der Raum war vollkommen verdunkelt.

„Ähm – wie wär's mit etwas Licht?", fragte Ruby und suchte im Dunkeln nach Filchs Umrissen.

„Darum müsst ihr euch schon selbst kümmern!", polterte er und sein Mundgeruch brannte ihr Tränen in den Augen.

„Okay – alles klar", würgte sie hervor und holte ihren Zauberstab heraus. „Lumos Maximus!"

Der Raum erhellte sich augenblicklich. Malfoy und Ruby schauten sich um. Ihre Strafarbeit hatte also etwas mit vollen Regalen zu tun. Flurenlange Regale und Schränke, vollgestopft mit Pergamentbögen, Mappen und Kisten. Ruby wusste, was zu tun war. Sie kannte Snape.

„Strafakten", grunzte Filch. „Von Schülern aus den letzten zweihundert Jahren."

Okay, das hatte sie nicht erwartet. Überrascht starrte sie in das Gesicht des glückseligen Hausmeisters.

„Professor Snape will, dass in den Archiven für Ordnung gesorgt wird. Dieser Bereich der Verwaltung wurde bis jetzt vernachlässigt", erklärte er. „Das wird sich ändern. Professor Snape will, dass ihr damit anfangt, die Akten alphabetisch zu ordnen. Ohne Magie. Ohne Unruhen. In drei Stunden werdet ihr entlassen. Ihr geht, wenn ich euch abhole. Verstanden?"

„Was?"

Ruby verstand die Welt nicht mehr. Sie mit Malfoy alleine in einem Raum? Alleine? Drei Stunden lang? Es war doch schon so spät.

Filch grinste genüsslich und sie kämpfte gegen die Ekel-Gänsehaut an.

Viel Freude wünsche ich euch, Mistkindern!", verabschiedete er sich von den beiden mit einem Brechreiz verursachenden Lachen und ging. Die Tür fiel ins Schloss.

Er hatte sie abgeschlossen?

Ruby hatte nun wirklich das dumpfe Gefühl, dass es Snapes Wille war, dass sie Malfoy ohne Aufsicht gegenübertreten musste. Eine verschlossene Tür war nur ein symbolisches Hindernis und würde beim selbstständigen Verlassen einen Regelverstoß bedeuten. Magie war in diesem Raum und unter Snapes Befehl verboten.

Malfoy drehte sich zu ihr um und warf ihr einen wütenden Blick zu. Oh, irgendetwas stimmte nicht mit ihm.

„Ist irgendwas?", fragte sie vorsichtig und stemmte ihre Hand in die Hüfte.

„Es gibt Regeln, die du beachten wirst."

Regeln?"

„Bestimmte Richtlinien und Vorkehrungen, an die du dich halten wirst."

„Ich weiß, was Regeln sind!", fuhr sie ihn ungeduldig an.

Er grinste. „Ich war mir nicht sicher. Du hast so dumm geschaut."

Mistkerl.

„Erstens -", fing er an. „Hast du mich nicht anzustarren."

Sie starrte ihn ungläubig an. Was für eine Unverschämtheit!

„Ich STARRE nicht!"

„Zweitens – Quatsch mich nicht an."

„Als ob ich dich anquatsche", schnaubte Ruby unmädchenhaft.

„Drittens – du packst mich nicht an."

„Du bist so ein Idiot." Sie schüttelte fassungslos mit dem Kopf.

„Blutsverräterin", erwiderte er schulterzuckend und mehr als gelangweilt.

Nun, diese Beleidigung war auch inzwischen mehr als lahm. Dennoch hätte ihn Ruby am liebsten gepackt, um ihn kräftig zu schütteln, behielt dann jedoch die Hände bei sich.

Als sie wieder in der Welt der Tatsachen zurückkehrte, war Malfoy nicht mehr da. Na, Gott war's gedankt, lautete der Muggelspruch, wenn etwas gut lief.

Zuversichtlich schritt sie auf das Regal zu ihrer Linken zu und holte neugierig eine Pergamentrolle heraus. Gordion Louder, fünftes Schuljahr, Slytherin. Er hatte einer Schülerin aus Gryffindor einen Schlaftrank untergejubelt, um sie auf der Jungentoilette einzusperren. Wie langweilig. Zur Strafe musste er nach dem Schulunterricht die Toiletten mit einer Zahnbürste schrubben. Ruby erschauderte. Gut, das war brutal und hätte auch sicherlich Filch gefallen. Aber für einen Slytherin mehr als gerecht. Sie blickte auf das Datum. Zweiundzwanzigster September Achtzehnhundertneunundneunzig. Wow.

Sie sah sich die volle Ablage des Regals an und runzelte die Stirn. Woher sollte sie wissen, wohin sie den Schriftzug legen sollte? Wo sollte die Alphabetisierung anfangen? Wo in Merlins Namen war der blonde Schwachkopf?

„Malfoy!", herrschte sie in die Stille hinein.

Sie vernahm ein Knurren von der gegenüberliegenden Seite. Musste er immer so angespannt an? Um eine friedlichere Stimmung bemüht, machte sie sich auf dem Weg zu ihm. Der Slytherin stand mit geschlossenen Augen vor einem Regal und wartete mit geballten Fäusten auf sie.

„Wir müssen uns mal unterhalten", sagte sie.

„Mädchen, verstehst du gar nichts! Ich werde keine Unterhaltungen mit dir führen", fuhr er sie wütend an. „Hau ab!"

„Wie sollen wir die Akten ordnen? Ich habe teilweise lose Pergamentbögen gefunden? Was ist damit? Wir brauchen einen Plan", sagte sie, ohne sich auf seinen Ton herabzusetzen.

„Falsch! Du brauchst einen Plan. Du bist nämlich viel zu dämlich, um -"

„Hör damit auf!", schrie sie und war nun deutlich aus der Fassung gebracht worden. „So kannst du mit deinen Hauskameraden sprechen. Nicht mit mir."

Malfoy zog seinen Zauberstab heraus und richtete ihn auf Ruby, die lediglich mit den Augen rollte. Das war ein typisches Malfoy-Spiel. Er musste immer sofort mit dem Zauberstab drohen, wenn ihm irgendetwas nicht passte. Falls er ernsthaft vorhatte, sie anzugreifen, dann war er absolut wahnsinnig. Absolut.

Das Ganze lief doch schon super harmonisch ab.

„Ich warne dich", sagte er ruhig. „Lass meine Freunde aus dem Spiel."

„Freunde?", lachte sie nun ehrlich. „Du bezeichnest deine Troll-Leibgarde als Freunde? Können Crabbe und Goyle überhaupt deinen Namen schreiben oder glauben sie, dass eine Schreibfeder zum Essen geeignet ist?"

Er kam ihr einen Schritt näher, wobei seine Hand gefährlich zitterte. „Überstrapaziere meine Scheiß-Geduld nicht, du Bastardkind. Ich habe keine Skrupel davor, dir wehzutun", drohte er.

„Die habe ich dir gegenüber auch nicht", erwiderte sie unbeeindruckt und hätte sogar beinahe gelacht.

Die beiden standen sich einige Sekunden gegenüber, bis schließlich Malfoy überraschenderweise seinen Zauberstab sinken ließ und mit einem selbstgefälligen Grinsen davonstolzierte.

Er war eine solche Drama-Queen.

Sie hatte es versucht. Sie hatte versucht, mit Malfoy ohne unnötige Konflikte kooperieren zu wollen, aber wenn er so verdammt stur war, dann eben nicht. Sie hatte ihren Stolz. Und diesen würde sie niemals wieder vergessen, um die Fronten zwischen ihnen zu glätten. Ein Slytherin war durch und durch ein Egoman. Und das war ein Malfoy erst recht.

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Es war inzwischen dunkel geworden und Ruby spürte ihre Finger von dem endlosen Blättern nicht mehr, als er nach ihr rief.

Zumindest klang es danach.

Sie richtete sich auf und schloss ihre Augen. Seinem Rufen würde sie nicht folgen. Wenn er etwas von ihr wissen wollte, dann sollte er sich gefälligst selbst bewegen.

Black!"

Was wollte er? Wahrscheinlich hatte er irgendeine Strafakte von Harry gefunden, wie es bei ihr vor einer Stunde der Fall gewesen war. Oder sogar eine ihrer Akten. Sie war auf der Suche danach gewesen.

„Bist du taub, oder was?", kam es mürrisch von ihm und Ruby schaute dem wütenden Malfoy endlich ins Gesicht.

„Ne, du?" Sie zog eine Augenbraue in die Höhe, um ihm zu demonstrieren, wie uninteressant seine Beiträge im Allgemeinen waren.

„Ich habe dich gerufen!"

„Schön", lobte sie ihn.

Er schloss ungeduldig die Augen und murmelte etwas vor sich hin, was Ruby jedoch nicht verstand. Dann aber wie durch Zauberhand grinste er sie an und seine Augen fingen zu strahlen an. Welch eine Stimmungsänderung! Gruselig.

Ruby wollte das auch können!

„Ich habe da etwas Interessantes für dich", sagte er amüsiert. „Danken kannst du mir später."

Er hielt ihr eine staubige Akte entgegen und sie nahm diese skeptisch an. Was war das wohl? Ihr Einbruch in die Duschen der Jungen? Oder ihr Fall in den See, den Snape als eine wilde in Schwimmfeier getarnte Sexorgie abgestuft hatte und wahrscheinlich noch viel obszöner protokolliert hatte.

Sie wurde nervös. Sie kannte Malfoy seit der ersten Klasse und wusste, dass seine gute Laune nichts Gutes verheißen konnte. Es steckte etwas anderes dahinter als ihre irrwitzigen Missetaten.

„Na, mach schon. Öffne sie!", drängte der blonde Slytherin wie ein kleiner Junge.

Widerwillig schlug sie die Akte auf und blickte automatisch auf die Namen der Straftäter. Als hätte ihr jemand von hinten einen Stupor aufgehalst, stand sie zunächst wie gelähmt da und starrte auf die Buchstaben. Als sie wieder ihre Hände bewegen konnte, schlug sie wütend die Akte zu. Ihr Herz schien sich nicht beruhigen zu wollen.

„Gefällt's dir?", fragte Malfoy voller Selbstzufriedenheit.

Ruby schlug ihm die Akte gegen die Brust und ging an ihm vorbei. Ignorieren. Einfach nur ignorieren.

„Du solltest weiterlesen, Black", spielte er den Überraschten und folgte ihr zu ihrer Missgunst.

„Lass mich in Ruhe", entgegnete sie schwach.

„Viertes Schuljahr. Während der Nachtruhe außerhalb der Betten im dritten Stock erwischt. Eine Vermutung, was sie dort getrieben haben könnten?"

Ruby blieb wie angewurzelt stehen. Hinter dem von ihr angesteuerten Regal war kein Durchgang vorzufinden. Sackgasse. Sie war Malfoy ausgeliefert. Ihm und seiner gnadenlosen Stimme.

„Ich lese, dass Peter Pettygrew dabei war. Ein wenig naiv, oder? Das ist ja auch der Grund für ihre hohe Sterblichkeitsrate. Nicht merken zu können, dass ihnen der Verräter von Anfang an hinterher gekrochen ist."

„Dafür kriecht er jetzt Voldemort hinterher!", rief sie zornig aus und wirbelte herum, um ihn dabei ansehen zu können. „Und ich finde, dass er deinen Vater dabei tadellos ersetzt."

Vor Bestürzung fiel Malfoy die Strafakte aus den Händen. Diesmal hatte sie ihn getroffen. Und sie bereute es sofort. Sein Vater war ein Tabu für sie.

„Was kam aus deinem dreckigen Mund?", fragte er flüsternd, wobei sich seine Worte trotz der Lautstärke fest in ihrem Gedächtnis einprägten.

„Auge um Auge, Malfoy", erwiderte sie ruhig. „Du bist nicht besser. Ständig – muss ich mir deine widerliche Genugtuung ansehen. Erwarte nicht, dass ich das alles einfach so hinnehme."

„Du lässt meinen Vater schön aus der Sache raus, du elendes Miststück!", schrie er daraufhin zornentbrannt los und seine Stimme echote in dem Raum. Mit einem wirren Blick ging er auf und ab, kam ihr dabei jedoch nicht näher, als wäre zwischen ihnen eine unsichtbare Grenze aufgezeichnet worden.

„Dann halte dich von meinem fern", bemühte sie sich um Ruhe und Standhaftigkeit, wobei sie ihn nicht aus den Augen ließ. Sie wusste, wie schnell die Situation eskalieren könnte, wollte sich jedoch nicht klein machen lassen.

Ich habe deinen Verräter von Vater nicht umgebracht! Mein Vater sitzt wegen deiner Dummheit und die deiner Gryffindor-Freunden in Askaban fest!"

Sie wusste, dass er es ihr vorwarf. Das war aber nicht richtig. Es war einfach nicht richtig. Sie musste dazu etwas sagen.

„Nein." Sie räusperte sich, um ihrer Stimme mehr Halt zu verleihen. Sie hatte Malfoy noch nie auf diese Weise die Kontrolle verlieren sehen. Er blieb stehen und sah sie mit weit aufgerissenen Augen an. „Nein, Malfoy. Dein Vater wurde festgenommen, weil er für die falsche Seite kämpft. Er hat diese Entscheidung selbst getroffen und wenn du einfach nur darüber nach-"

Ruby brach ab, als er eine Regung zeigte, die sie als gefährlich einstufte. Diesmal durchbrach er die Grenze zwischen ihnen und eilte zu ihr. Malfoy stand direkt vor ihr und schnappte immer wieder nach Luft, als wäre er mehrere Runden um das Quidditchfeld gelaufen.

„Sag das nochmal, Black. SAG-DAS-NOCHMAL!", brüllte er ihr ins Gesicht.

Sie riss ihre Augen weit auf. Er war wütend. Ruby war fassungslos, wie wütend er war.

Beunruhigt holte sie zunächst tief Luft. „Kannst du bitte wenigstens einen Schritt zurücktreten?", schlug sie vor. „Das ist mir zu nah. Du benimmst dich, als -"

Er ging stattdessen einen weiteren Schritt auf sie zu und stieß mit ihr zusammen, was sie wiederum dazu zwang, zurücktreten zu müssen. Ihr Rücken lehnte spürbar an der kalten Steinwand. Dann wurde ihr klar, dass er sie bloß provozieren wollte und plötzlich einen völlig ruhigen Eindruck machte.

Sie öffnete den Mund, um ihm erneut zu sagen, dass er sich von ihr zu entfernen hatte.

„Du hast überhaupt gar kein Recht darauf, irgendwelche Ansprüche zu stellen, Black", sagte er stattdessen und schüttelte dabei mit dem Kopf. „Nicht nach alldem, was du getan hast."

Sie zuckte unbeeindruckt mit der Schulter. „Gut, dann bleiben wir hier so stehen, bis Filch kommt. Ist auch gut."

„Das findest du irrsinnig witzig, was?", kam es leise von ihm. „Das ist dein Humor, Black. Ich weiß das. Mir Schadenfreude vorzuwerfen, obwohl du – Nein, wie hast du das genannt? Widerliche Genugtuung. Ich weiß noch -" Er zitterte am ganzen Leib. „- im Zug, als wir – wir kamen zurück und -"

Er verstummte und machte einen verwirrten Eindruck. Ruby konnte an seinem Gesichtsausdruck erkennen, dass er den Faden verloren hatte. Obwohl sie sich keineswegs seine gestörten Schuldzuweisungen anhören wollte, fand sie, dass sie in dieser prekären Situation versuchen sollte, das Gespräch bei dem ruhigen Tonfall aufrechtzuerhalten.

„Was ist im Zug passiert?", fragte sie deshalb. „Du meinst, als dir Harry gefol-?"

Sprich jetzt bloß nicht über ihn."

„Was ist dein Problem, Malfoy?", brach es ungeduldig aus ihr heraus. „Was genau wirfst -"

„Hälst du endlich deinen Mund?", kam er ihr zuvor.

„Du verbietest mir den Mund nicht", sagte sie sofort und diesmal spürte sie, dass sie zunehmend wütender wurde.

„Du hast überhaupt gar kein Recht darauf, irgendwelche Ansprüche zu stellen, Black", sagte er nochmal. „Du – Du bist schuld. Ich werde sicherlich nicht so tun, als – als wäre - als wäre alles in Ordnung. Wenn du nicht bereit bist, zuzugeben, dass du schuld bist, dann hälst du den Mund."

„Du hättest auch mitkommen können", erwiderte sie und sie spürte, dass sie dabei grinsen musste, während sich diesmal seine Augen weiteten. „Beim nächsten Mal sage ich dir Bescheid und dann kannst du dir selbst ein Bild davon machen, wie es in solchen Fällen ab-"

„Hälst du jetzt den Mund?", knurrte er und lehnte sich vor. Er stützte sich mit der linken Hand an der Wand hinter ihr an und deutete mit dem Finger seiner rechten Hand anklagend vor ihrem Gesicht. „Hast du es endlich verstanden?"

Ruby keuchte überrascht auf. Sie war ihm noch nie so nah gewesen, was sie angesichts seines Verhaltens abstoßend fand. Das war ihr nun wirklich viel zu nah. Sie spürte seinen Arm auf ihrer Schulter. Sie konnte ihn riechen. Sie spürte sogar seinen Atem auf ihrer Stirn. Es machte sie wütend, dass er in dieser Hinsicht genug Grenzen überschritten hatte. Ihretwegen konnte er sich ein solches ambivalentes Verhalten Parkinson gegenüber erlauben.

„Lass mich raten, Malfoy", konnte sie es nicht für sich behalten, wobei ihr mehr als klar war, dass sie mit folgenden Worten eine weitere verbale Eskalation herbeiführen könnte. „Den Umgang mit Frauen ahmst du deinem Vater nach?"

Malfoy reagierte völlig anders, als sie es sich gedacht hatte. Zornig holte er aus und für einen kurzen Augenblick des Schreckens hatte sie angenommen, dass er sie schlagen wollte. Sie sog vor Entsetzen die Luft ein, doch er schlug lediglich mit der bloßen Hand gegen die Wand hinter ihr. Ruby hatte den Windstoß, den seine Hand verursacht hatte, auf ihrer Wange gespürt.

Sie hatte in ihrem Leben schon oftmals sehen müssen, wie Menschen, wenn sie frustriert oder wütend waren, gegen Gegenstände schlugen. Meistens waren es Männer, die diese Art des Energieabbaus benötigten. Sirius beispielsweise hatte seine Fäuste oft genug auf dem Tisch geschlagen, um bei einem Streitgespräch seinen Standpunkt durchzusetzen. Nicht nur einmal war sie dabei zusammengezuckt.

Dennoch hatte sie sich bei Malfoys Bewegung so heftig erschreckt, dass sie wahrhaftig das schockierte Gefühl hatte, dass er sie wirklich berührt und ihr dabei wehgetan hatte. Malfoy betrachtete verunsichert ihr Gesicht und schien sich augenblicklich beruhigt zu haben. Er ging sogar endlich einen Schritt zurück.

Ruby atmete hörbar aus. „Was sollte das?", brach es vorwurfsvoll aus ihr heraus.

„Entspann -"

„Was sollte das?", schrie sie ihn diesmal an und stieß ihn kräftig von sich weg, wobei er dabei beinahe das Gleichgewicht verloren hatte.

Malfoy fuhr sich verwirrt über sein Haar und trat einen weiteren Schritt zurück, während er auf dem Boden blickte. Er hatte sie lange genug gegen die Wand gedrängt und Druck ausgeübt. Sein Verhalten widerte sie an. Als er seinen Blick hob, wurde ihr das erste Mal die Farbe seiner Augen bewusst.

Sie konnte das nicht wahrhaben. Ihre Hand zitterte vor Fassungslosigkeit und bevor sie sich selbst ermahnen konnte, holte sie aus und der Raum wurde mit dem Klang einer Ohrfeige erfüllt. Es folgte eine kaum überhörbare Stille, die den Rahmen jeglicher Form der Anspannung sprengte. Langsam bewegte sich Malfoys Gesicht in ihre Richtung.

Er presste seine Lippen zusammen, während er aufgerichtet vor ihr stand. Rubys Hand prickelte ein wenig von dem Schlag und ihre Lust, ihm nochmals weh zu tun, war damit kein bisschen gelindert worden. Sie wünschte sich beinahe, dass er sie anschreien oder auf sie zugehen würde, um eine weitere Gelegenheit zu finden, ihn anzugreifen.

„Du wirst", würgte sie hervor und sie bemühte sich um Selbstbeherrschung, „mir nie wieder so nahe kommen. Du wirst mich nicht mehr ansprechen, Malfoy. Du wirst deinen Mund endlichhalten. Ich kann dich nicht einmal ansehen. Du bist widerlich."

Malfoy wich ihrem Blick aus und ballte seine Hände zu Fäusten. Sie sah ihm dabei wachsam zu, um sich nicht ein weiteres Mal von ihm überraschen zu lassen.

„Ich habe dich nicht angefasst", sagte er angestrengt, da er offenbar selbst um Fassung rang. „Ich habe auch gar nicht die Absicht gehabt, dich treffen zu wollen."

„Du kannst dich glücklich schätzen, dass ich Dumbledore nichts von meinem Unfall -" Sie zeichnete mit ihren Fingern Anführungszeichen in der Luft. „- in Zaubertränke erzählt habe. Das hätte ich, wie ich jetzt feststellen muss, tun sollen, aber das lässt sich nachholen. Du wirst von meinem dummen Eigenwillen keinen Profit ziehen, du bösartiges -"

Er öffnete seinen Mund, wobei die beiden augenblicklich zusammenzuckten, als das Schloss aufging. Ruby blickte Malfoy erwartungsvoll an, doch allen Anschein nach, hatte er ihr nichts mehr zu sagen. Sie setzte sich in Bewegung und ging an ihm vorbei.

„Black, warte -"

Natürlich erwartete Malfoy, dass sie nun stehen bleiben und ihm zuhören würde. Aber diesen Gefallen würde sie ihm nicht tun. Sie hoffte innerlich, dass er sich nachts in die Hosen machen würde.


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„Du warst dabei, als Katie verflucht wurde. Stimmt's? Du und Potter und die beiden anderen", kam es rasch von ihm, während er ihren Blick mied.

Ruby richtete sich alarmierend auf. Das kam nun unerwartet. Das musste sie erst einmal angemessen einordnen. Eine angespannte Überforderung machte sich in ihr breit. Warum Katie?

„Ich habe auf einen von euch gewartet", fuhr er fort.

„Meine Freunde sind schon hier", merkte sie langsam für Extra-Debile an. Warum musste es auch immer sie sein?

„Ich muss dich etwas fragen. Ich brauche Informationen", kam es eilig von ihm und Ruby wurde endlich klar, warum er seine Sprechgeschwindigkeit immer wieder erhöhte. Er konnte es wohl nicht ertragen, sich noch länger mit ihr unterhalten zu müssen.

Ja, gut. Das könnte doch noch wenigstens lustig werden.