A/N: Wegen Pfingsten erscheint das zehnte Kapitel bereits heute, morgen das elfte und das zwölfte dann wieder regulär am Mittwoch.


Sensei Wu hatte nicht mitbekommen, dass Jay erneut zum Gespött seiner Kameraden geworden war, denn er war unter Deck geeilt, um Nachschub an Tee zu besorgen. Als er, gefolgt von Misako, wieder auf dem Dojo erschien, trainierten seine Schützlinge alle sehr diszipliniert. Der alte Meister lächelte, als er sein Tablett mit der Teekanne und den Tassen auf einem kleinen Tisch am Rande des Trainingsplatzes abstellte. Misako stellte ein weiteres Tablett daneben, auf dem sich zwei große Krüge mit kalten Getränken sowie eine Schale mit Obst und ein Teller mit Salzgebäck befanden.

"Sieh nur, wie gut Lloyd den jungen Max trainiert. Er wird einmal ein ausgezeichneter Sensei sein", sagte Wu und deutete auf die beiden Erwähnten, die jetzt am zweiten Karussell trainierten. Der grüne Ninja zeigte dem Novizen, wie er den Stangen und Klingen, die hier die Hindernisse bildeten, ausweichen musste.

"Wie schade, dass Garmadon das nicht sehen kann", seufzte Lloyds Mutter.

"Wir vermissen ihn alle", erwiderte Wu. "Aber das ist der Preis, den wir zahlen müssen. Mein Bruder hat sich für Ninjago geopfert, und wenn wir heute diesen schönen Tag so unbeschwert genießen können, dann ist das sein Verdienst - und Nyas, die uns vom Urbösen befreit hat. Wir sollten nicht um ihn trauern, sondern stolz sein, ihn gekannt zu haben."

"Garmadon hat aber auch viel Leid und Unheil über Ninjago gebracht, als er noch unter dem Bann des Schlangenmeisters und des Overlords stand. Das hat ihn nach seiner Wandlung zum Guten schwer belastet. Vielleicht war er deswegen so schnell ... ", Misako brach ab und suchte nach den richtigen Worten, "... so schnell bereit, sich in die Verfluchte Welt verbannen zu lassen. Er sah in diesem Opfer eine Chance, seine früheren Vergehen zu sühnen. Ach, ich wünschte nur, wir hätten noch mehr Zeit miteinander gehabt."

"Man muss akzeptieren, was man nicht ändern kann", sagte der weise Spinjitzu-Meister.

Dann schlug er einen goldenen Gong, worauf alle Ninja samt Max mit dem Training aufhörten und sich in zwei Reihen vor ihm aufstellten. Der Junge im schwarzen Novizen-Gi beobachtete, wie die Ninja ihre Hände vor der Brust ineinanderschoben, und tat es ihnen gleich. Der achtfache Rei der Schüler wurde von Misako und Sensei Wu auf die gleiche Weise erwidert. Danach lockerte sich die Formation und alle stürmten auf das kleine Tischchen mit den Erfrischungen zu. Es war jetzt wirklich heiß geworden, weshalb Zane aus seinen Händen ein paar Eiswürfel in jeden Becher fallen ließ - was Max in maßloses Erstaunen versetzte.

Nachdem sie sich gelabt hatten, hielt Nya ihre Hände unter ihr Kinn und spritzte sich mit Hilfe ihrer Elementarkraft ein wenig Wasser ins Gesicht.

"Wer möchte auch eine kleine Abkühlung?", rief sie fröhlich in die Runde.

Sofort drängten sich ihre Kameraden um sie, während Max interessiert zusah. Wie zuvor bei Zane mit dem Eis verwunderte ihn der Anblick des Wassers, das ganz unvermittelt aus Nyas Handflächen schoss, aufs Höchste - obwohl er natürlich über die Elementarkräfte der Ninja Bescheid wusste.

Während er noch überlegte, ob er sich von Nya den Kopf abspritzen lassen sollte, spürte er plötzlich einen Hauch von Kälte an seiner linken Schulter. Als er aufblickte, erkannte er Cole, der rückwärts ging, als wiche er vor Nya zurück. Da sein Körper sich im Durchlässigkeitsmodus befand, war seine Hand dabei durch Max' Schulter geglitten und hatte das kurze Gefühl von Kälte hervorgerufen.

"Sie sollte mich wirklich warnen, bevor sie das tut", sagte Cole mit gequälter Stimme. "Sonst können wir uns am Ende die ganze Mühe mit Sensei Yins Feld morgen sparen."

Da wurde Max erst richtig bewusst, dass das willkommene kühle Nass aus Nyas Händen für Cole eine lebensbedrohliche Gefahr darstellte. Wie furchtbar musste es sein, ständig auf der Hut davor sein zu müssen, dass man nicht nass wurde! Kein Planschen im Schwimmbad, kein Springen in Pfützen, ja, und eben auch keine Abkühlung an einem heißen Tag.

Froh darüber, dass er kein Geist war, ging Max auf Nya zu und bat sie um eine kleine Dusche.

"Warum hat Misako uns überhaupt einen Krug mit Wasser gebracht?", fragte er den Wasserninja. "Wir könnten doch einfach dein Wasser trinken!"

Nya lachte kurz auf, bevor sie antwortete: "Das Wasser, das ich erzeuge, ist reines Elementarwasser ohne jegliche Mineralien."

"Ist es giftig?", fragte der blonde Junge erschrocken.

"Nein, nein, ganz bestimmt nicht. Aber auf Dauer könnte es unseren Elektrolythaushalt durcheinanderbringen", antwortete die schwarzhaarige junge Frau.

Max sah sie mit großen Augen an. Er hatte kein Wort verstanden. Nya seufzte und erklärte: "Unser Körper braucht bestimmte Mineralstoffe wie z.B. Kalium und Natrium, um richtig zu funktionieren. Die sind aber in meinem Elementarwasser nicht enthalten. Darum ist Mineralwasser auf die Dauer ein besseres Getränk. Wenn man aber mit der Nahrung genügend Mineralien aufnimmt, dann schadet reines Elementarwasser allerdings auch nicht. Aber weißt du, mir ist es auf jeden Fall lieber, wenn wir mein Wasser nur im Notfall trinken."


A/N: Es ist ein sogenannter Headcanon von mir, dass Nyas Elementarwasser reines H2O ohne jegliche Zusatzstoffe - also praktisch destilliertes Wasser - ist. Mir wurde noch beigebracht, dass das Trinken von destilliertem Wasser schädlich sei. In anderen Kulturen ist hingegen die Meinung verbreitet, destilliertes Wasser sei sogar überaus gesund. Neuere Studien sind wohl zu dem Ergebnis gekommen, dass destilliertes Wasser weder sonderlich gesundheitsfördernd noch besonders schädlich ist - sofern man genug Mineralien über die Nahrung aufnimmt, was aber in der Regel gegeben ist. Vielen Dank an ShinyShiny9 für den Anstoß zu dieser Recherche.

Das Urböse heißt im Original Preeminent und ist weiblich. Der Große Schlangenmeister heißt im Original The Great Devourer.