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„Willkommen bei Allen & Brigmore, Ms Grantham" begrüßte Mr Lewis Brigmore II seine neue Assistentin, ihr freundlich die Hand schüttelnd.
„Dankesehr, Mr Brigmore."
„Gut, gut. Zuerst werde ich ihnen die Kanzlei zeigen, ehe ich ihnen genau erläutere, welche Aufgaben ihnen im ersten Quartal ihrer Ausbildung hier zufallen. Nach zwei Quartalen wird der Besuch der Universitätsseminare Pflicht, parallel zu den Pflichten innerhalb der Kanzlei."
Nicole nickte und folgte dem untersetzten Mann durch die Eingangspforte in einen offen gestalteten Eingangsbereich.
„Versuchen Sie, möglichst keinen Kaffee oder Tee zu verschütten. Das ist echter Afyon Gold Marmor" merkte Mr Brigmore an. Durch die hohen Fenster zu beiden Seiten strömte Tageslicht herein und erleuchtete die getäfelte Rezeption, an der bereits ein Mann und eine Frau ihrer Arbeit nachgingen.
Mr Brigmore nahm zwei Aktenordner entgegen, grüßte seine Angestellten und führte Nicole dann die linke Treppe hinauf in den eigentlichen Arbeitsbereich der Kanzlei. Statt Marmor dominierte hier eine halbhohe Kirschholz- Vertäfelung, die Sprossenfenster völlig frei von Vorhängen.
„Hier befindet sich das Fall Archiv, worin Sie Präzedenzen überprüfen können oder sich anderweitig über einen aktuellen Fall informieren können. Es gibt eine separate Abteilung für Klientel Daten und Straftaten. Gegebenenfalls müssen Sie letzteres jedoch von den Auroren persönlich abholen. Das hier ist ihr Arbeitsplatz" Brigmore öffnete eine weitere Tür und Nicole erblickte einen kleinen, aber gut zusammengestellten Vorraum, welcher sich gegenüber von ihre momentanen Position in das Büro von Mr Brigmore öffnete.
Ihr Schreibtisch stand neben dem seines juristischen Assistenten und war noch völlig frei von Zetteln und Büchern. Neben Fenstern füllten einige Bücherregale die Wände, obgleich die gläsernen Türen davor suggerierten, dass sie lediglich zur Anschauung dienten.
„Mein Assistent dürfte gleich hier sein und Ihnen ihre genauen Arbeiten erläutern. Ich selbst muss jetzt zu einer Verhandlung des Zaubergamot aufbrechen. Viel Erfolg, Ms Grantham."
Als der Herr aus der Tür verschwunden war, atmete Nicole zum ersten Mal seit zwanzig Minuten durch. Mr Brigmore schaffte es nur durch seine Art zu reden, Hektik zu verbreiten. Trotzdem bot er eine respektgebietende Persönlichkeit dar und Nicole hatte ihn im vorangegangenen Monat bei einer Sitzung der Jury beobachten können. Dort wirkte er fasst gelangweilt, außer er verteidigte seinen eigenen Punkt.
Die Tür schwang erneut auf, als Nicole sich vorsichtig auf den mit dunkelrotem Leder überzogenen Stuhl sinken ließ. Ein junger Mann, vermutlich an die 30, trat ein, fuhr sich seufzend durch die mausbraunen Haare und warf seinen Reiseumhang gekonnt in Richtung eines Hutständers neben der Zimmerpflanze.
„Hey" er lächelte breit, die Zähne blitzten, und krempelte die Ärmel seines schwarzen Hemdes hoch. Nicole ergriff seine anschließend ausgestreckte Hand.
„Du musst Nicole sein, die Zweitassistentin von Mr Brigmore."
„Korrekt. Mit wem habe ich die Ehre?"
„Xavier Moreau. Freut mich sehr. Ich habe hier auch schon direkt den ersten Fall, an dem du mitarbeiten wirst. Ist recht einfach, wenn man die Bücher gelesen und verstanden hat."
Er hob fragend eine Augenbraue.
„Nicht allzu komplex, allerdings angemessen intellektuell fordernd" gab Nicole ihre Meinung zu der Lektüre bekannt, ihr Herz klopfte noch immer nervös und sie musste sich äußerst zusammenreißen, um ihre Hände vom Zittern abzuhalten. Nicht einmal vor der Abschlussrede mit Charlie war sie so konzentriert und aufgeregt gewesen, recht untypisches Verhalten für die ehemalige Slytherin.
„So sollte es auch sein."
Die Antwort ihres Vorgesetzten beruhigte Nicole ungemein, doch war sie noch nicht bereit, aufzuatmen. Dies war eine Befragung, obgleich sie sich diese Stelle in der Theorie verdient hatte.
Xavier lächelte erneut: „Keine Sorge, nach einer Woche hört das Schickanieren auf- ich spreche aus Erfahrung."
„Sehr beruhigend. Also, woran arbeite ich als erstes?"
„Es ist momentan eine außenpolitisch interessante Angelegenheit und wir arbeiten gemeinsam mit einigen anderen Kanzleien und dem Ministerium daran. Wie dir klar sein sollte, ist im November letzten Jahres in Berlin die Mauer gefallen."
Nicole nickte langsam, in der Tat hatte das Ereignis es sogar bis in den Tagespropheten geschafft und Dumbledore hatte ohne Vorwarnung einen freien Tag angeordnet, recht praktisch so kurz vor dem Wochenende.
„Was genau hat das hiermit zu tun? Muggelpolitik, und noch mehr Deutschland muss ich noch aufarbeiten."
„Kein Problem, solange du mit England auf dem Laufenden bist, kannst du dir das noch erlauben, aber spätestens in einer Woche sollte das Wissen zumindest irgendwo notiert sein. Wir haben viele Internationale Fälle, von Bürgerrechten von Touristen bis hin zu Verfassungsfragen, bei denen uns das Ministerium zu Rate zieht. Es ist unglaublich wichtig, die internationale Situation im Auge zu behalten."
„Verstanden."
„Ausgezeichnet. Zurück zu Berlin. Die Mauer wurde vor 29 Jahren errichtet, sie hätte sich letzte Woche gejährt, in den Nachwehen des zweiten Weltkrieges. Deutschland wurde danach nämlich in vier Besatzungszonen aufgeteilt, wobei ein Teil natürlich auch der UdSSR zufiel. Anfang Dezember '46 wurde von Seite der Sowjetunion bereits die Grenze etabliert. Kurze Zeit später begann das, was man als den Kalten Krieg bezeichnet- die Kurzfassung? Die gegensätzlichen Ideologien von West und Ost, hauptsächlich Amerika und die Sowjetunion, trafen aufeinander aufgrund der Irankrise. Die beiden Großmächte begannen ein Wettrüsten und standen praktisch ständig kurz davor, sich gegenseitig mit verheerenden Bomben in die Luft zu jagen- der Rest der Welt in der Mitte gefangen oder in Bündnissen mit einer der Parteien."
„Kurze Frage" unterbrach Nicole vorsichtig den recht erzürnten Vortrag ihres Gegenüber, „Du scheinst das sehr zu Herzen zu nehmen."
„Ich bin ein Muggelgeborener, meine Großeltern- ein jüdischer Deutscher und eine Französin- sind damals aus Deutschland hierher geflohen, als die Nationalsozialisten ihren Griff auf die Politik ausgebreitet haben. Es wäre ihr Todesurteil gewesen, wären sie geblieben. Die Familie meines Großvaters ist jetzt tot, weil sie die Chance nicht genutzt haben, diesen Irren zu entkommen."
Es herrschte kurzes Schweigen, in dem Xavier sich beruhigte.
„Zurück zum Kalten Krieg."
Die nächste halbe Stunde verbrachte Xavier damit, Nicole den groben Verlauf zu erläutern und einige Nachfragen zu beantworten. Die Achtzehnjährige kam nicht umhin, sich unwohl zu fühlen. Sie hatte die letzten beiden Jahrzehnte abgeschirmt von den Übeln dieser Welt verbracht und war sich nicht im Klaren gewesen, welche Gefahren sich zusammenbrauten. Für sie war noch immer der Gedanke an Grindelwald und Ihr-Wisst-Schon-Wen im Vordergrund, wenn sie an Gewalt und Zerstörung dachte- an Rassismus.
„Jetzt fragst du dich vermutlich, was das mit uns zu tun hat. Nun, wir und das Ministerium sind um die Menschenrechte von Zauberern und Hexen besorgt und wollen unseren Teil dazu beitragen, die dortigen Gemeinschaften wieder aufzurichten. Die waren nämlich, trotz allen Stolzes, nicht unangetastet. Das Geheimhaltungsabkommen ist Merlin sei Dank noch in Kraft, aber unseren Brüdern und Schwestern im Osten geht es mehr als miserabel."
„Wegen der konstanten Überwachung" wandte Nicole nun ihr angehäuftes Wissen an, mit ihrem Finger mentale Verknüpfungen in die Luft zeichnend.
„Genau. Die Rechtssysteme in Deutschland sind kaum existent, die Regierung fürchtete sich davor, aktiv gegen kriminelle Aktivitäten von Magiern vorzugehen, weil das noch gefährlicher war. Magie ist sowieso ein Tabu- Thema und konnte kaum praktiziert werden. Selbst Reinblüter haben wie Muggel gelebt, aus purer Angst. Bei einer Flucht hätten sie natürlich ihre Nachbarn und Freunde in Gefahr gebracht."
„Also sind jetzt die Besten der Besten des Internationalen Justizwesens gefragt. Wo fange ich an?"
Xavier schnippte mit seinem Zauberstab und flog einen Karton auf ihren Schreibtisch, öffnete den Deckel und es offenbarte sich der Blick auf an die Hundert Akten, alle in mehr oder weniger gutem Zustand.
„Das hier sind Infos über Personen und Geschäfte in Ostberlin, Magier natürlich. Du wirst die Informationen filtern und nach einem sinnvollen System sortieren, anschließend Zusammenfassen und auf dieser Wand ihr graphisch darstellen. Somit erhalten wir Anhaltspunkte zu möglichen Vermissten, denn wir tappen momentan in fast kompletter Dunkelheit. Außer „Alles ist Mist" wissen wir nämlich keine Details über die Situation, weil es keine Details in Deutschland selbst gibt."
„Was ist mit den anderen Ländern, die betroffen waren?"
„Tja, das wurde anderen Kanzleien zugeteilt, auch wenn wir alle an einem Strang ziehen. Warum fragst du?"
„Mein Freund hat sich bei einem Drachenreservat in Rumänien beworben."
„Solche Angelegenheiten müssten von der Dallas- Kanzlei in Sussex gehändelt werden. Vielleicht kannst du dort mal anfragen. Aber erst: an die Arbeit, wir müssen einen strengen Zeitplan einhalten."
Mit diesen Worten machte sich Xavier über seine eigene Box her, zog einen Stapel Akten hervor und begann die systematische Katalogisierung von Daten auf ein liniertes Pergamentblatt neben sich. Die beiden arbeiteten mehrere Stunden still vor sich hin, einige Kannen magisch gebrühten Tees leerend. Nicole betrachtete gerade das Leben einer kleinen Familie mit einem unaussprechlichen Namen (die Buchstaben machten ihr noch gelegentlich Probleme und der Übersetzungszauber ließ einige Sätze zu absolutem Wirrwarr werden), als Mr Brigmore von seiner Verhandlung zurückkehrte, eine Papptüte vor sich her tragend, aus der ein intensiver Geruch drang. Nicole unterdrückte das Hungergefühl, mit ihren farblich und magisch gekennzeichneten Verbindungen und Daten zu der Familie fortfahrend. Xavier arbeitete unterdessen an einer Karte von Ostberlin.
„Mittagessen, ihr zwei!" rief Mr Brigmore gut gelaunt aus und platzierte den Inhalt der Tüte auf Xaviers und Nicoles Tisch.
„Indisch?" fragte Xavier begeistert und öffnete das Styropor-Behältnis.
„Meine Frau hat mir den empfohlen, Oxford Street" gab Mr Brigmore zu, gab Nicole ein Zeichen der Anerkennung für ihre Arbeit und verschwand in sein eigenes Büro.
Am Ende des Tages war Nicole gerade einmal mit zehn Akten durch, wohingegen Xavier fast die Hälfte seiner Box abgearbeitet hatte. Es war ein frustrierender Prozess und weniger aufschlussreich und einfach, als Nicole erwartet hatte. Die Informationen waren fast fünfzehn Jahre alt, aber sie musste dennoch Spuren zu Einzelpersonen ermitteln können.
„Die Auroren würden das nicht schaffen, außerdem haben die genug zu tun, die Personen in all den Ländern aufzuspüren, wenn wir ihnen die Infos geliefert haben. Waynewright & Partner hat übrigens den ersten Entwurf für eine mögliche Integration Ostdeutschlands in das Westministerium vorgeschlagen" meinte Mr Brigmore, ein sich an den Enden aufrollendes Pergament an Xavier weiterreichend.
„Was sagt Präsident Krämer dazu?"
„Er wartet darauf, bis wir zumindest eine Gruppe von Politikern der ehemaligen Regierung aufspüren können."
„Ich dachte, es gäbe noch eine Regierung?" fragte Nicole verwirrt nach, „Woher sonst stammen die Akten alle?"
„De facto wurde Ostdeutschland von dem Moskauer Zauberei Gremium verwaltet und es gab keinerlei eigenständige Regierung dort, die Akten sind alle aus dem verlassenen Gebäude, was benutzt wurde, bis sich das Ganze gänzlich aufgelöst hat. Es ist ein Wunder, dass sie überhaupt bis 1974 durchgehalten haben" erläuterte Mr Brigmore in Ruhe, nicht wirklich genervt von den Nachfragen der neuen Angestellten.
Gegen kurz nach sechs verabschiedeten sich die Kollegen voneinander, Nicole griff nach ihrem Hut und verließ das eindrucksvolle Gebäude. Eine Eule flog über ihren Kopf hinweg aus dem oberen Fenster, welches zu Mr Allens Büro gehörte, während eine andere ihr entgegenkam. Man schien in allgemeiner Aufruhr und Hektik in der Justizwelt, auch wenn die Profis es sich natürlich nicht anmerken ließen.
Mr Allen hatte sich Nicole erst am Nachmittag vorgestellt, nachdem er nach einer dreiwöchigen Reise aus Paris zurückgekehrt war, mit neuen Informationen bezüglich Flüchtlingen.
Nicole apparierte zum Tropfenden Kessel, betrat Flourish & Blotts und erkundigte sich rasch über Werke zu Muggel- Geschichte und Fremdsprachen. Nach einem kleinen Fehlschlag bei ersterem Thema entschied die junge Hexe sich zu einem Ausflug in die Muggelwelt, nachdem sie die wichtigsten Muggel Tageszeitungen aus aller Welt recherchiert hatte.
Sie rollte mit dem Kopf, ihr Nacken knackste nach dem anstrengenden Tag, welcher sie noch zwei weitere Stunden in Anspruch nahm, bis sie in Kings Cross einen Zeitungshändler aufgetrieben und mit Muggel Geld bezahlt hatte.
Zuhause erwartete sie nebst dem Abendessen mit der Familie auch ein Brief von Charlie, welcher ihr ein breites Lächeln aufs Gesicht zauberte. Er war tatsächlich im Reservat angenommen worden und fragte, ob sie am Wochenende mit ihm ausgehen wolle, um diese Tatsache zu feiern. Die beiden jungen Erwachsenen wussten genau, dass sie einander unter der Woche kaum sehen würden- viele Jobs taten das zu einer Beziehung, aber bisher war Nicole vollauf glücklich.
Da Charlie seine Frühschicht zu einer Nachtschicht hatte umlegen müssen, trafen sie einander auch nicht mehr zum Frühstück in Leicester Square, was Nicole jedoch wirklich sehr vermisste.
Die Woche verging doch schneller, als Nicole es erwartet hatte, und sie konnte einen definitiven Fortschritt vermelden. Es war am 23. August, dem Donnerstag ihrer ersten Woche bei der Kanzlei, als Mr Allen mit seiner Assistentin und einer Flasche Elfenwein die Tür zu Brigmores Büro aufstieß.
„Die Ost-Berliner Volkskammer hat für den Beitritt der DDR zur BRD gestimmt!" rief er aus, „Und das Deutsche Zaubereiministerium hat endlich die finanziellen Mittel für den Wiederaufbau im Osten gelockert! Die Kobolde haben wahre Wunder gewirkt!"
Euphorisch und gut gelaunt, möglichweise auch durch den Wein, endete die Woche und am Samstag stand Nicole ihrem Spiegelbild genauso nervös gegenüber wie am Montagmorgen.
Sie würde Charlie in zwanzig Minuten in Leicester Square treffen und betrachtete den kleinen Zettel mit Informationen aus der Dallas Kanzlei bezüglich der Reservate und Zaubererschule in Rumänien. Obgleich die Nachrichten sie beruhigen müssten, war sie dennoch ein wenig skeptisch, ob es dort wirklich so sicher war, wie man vorgab.
Mit einem letzten Blick auf ihre Frisur machte Nicole sich auf den Weg hinaus in den Spätabend.
„Guten Abend, meine Schöne" grüßte Charlie, gekleidet in einen offensichtlich neuen Umhang und zog sie in eine feste Umarmung.
Sie gab ihm einen sanften Kuss zur Begrüßung, sich in seinen Armen sofort entspannend.
„Eine angenehme erste Woche erlebt?" fragte der Weasley, sie in Richtung eines Restaurants geleitend, welches sie einst entdeckt hatten.
„Sehr angenehm. Die Kollegen sind äußerst nett und es ist momentan sehr aufregend, traurig, aber interessant."
„Traurig?"
Nicole gab eine kurze Zusammenfassung der Thematik. Charlie nickte, als erinnerte er sich an etwas.
„Dad hat davon erzählt. Seine Abteilung ist scheinbar sehr gefragt bei den Auroren im Augenblick."
„Ich habe bei einer anderen Kanzlei nachgefragt über Rumänien, weil ich Sorge hatte, es wäre dort nicht sicher vor der Überwachung."
Ihr Gegenüber sah sie erstaunt an, lächelte sanft und gab ihr einen leichten Kuss auf die Wange.
„Was hast du in Erfahrung gebracht?"
„Laut den Behörden ist alles sicher und sie haben sich gut vor den Blicken der Muggel verborgen, aber du solltest dennoch vorsichtig sein."
„Vielleicht hat sich das bis Oktober auch schon alles ein wenig gelegt" beruhigte Charlie, als sie ihre Reservierung dem Ober im Eingangsbereich bekanntgaben.
Ihre Bestellungen wurden angenommen.
„Wie geht es deiner Familie? Müssten nicht wieder einige deiner Brüder auf Hogwarts anfangen?"
„Fred und George haben letztes Jahr schon angefangen. Ich will gar nicht wissen, was die beiden anstellen, sobald ich nicht mehr da bin, um auf sie zu achten."
„So schlimm?"
Charlie stöhnte: „Schlimmer. Die machen einen Streich nach dem anderen, ich wette sie sind für das ein oder andere Malheur letztes Jahr verantwortlich, auch wenn natürlich keiner Erstklässler dahinter vermuten würde. Immerhin hat wenigstens Ron ein wenig Ruhe vor den beiden, bis er selbst anfängt. Was ist bei dir so los?"
„Nichts Aufregendes, Danny und Jim fühlen sich deutlich wohler bei uns. Langsam bekommen sie wohl ihr Leben ernsthaft in den Griff, auch wenn Jim noch immer ein Idiot ist und andere kaum mit Mitgefühl und Empathie behandelt. Mein Vater scheint ihm jedoch gehörig Respekt einzuflößen und ich vermute, dass Vater ihn als den Sohn betrachtet, den er nie hatte. Mehr noch als Danny, an den meine Mutter einen Narren gefressen hat."
„Danielle?"
„Ist ein wenig niedergeschlagen, weil sie mich nicht mehr sooft sehen kann. Als ihre Bezugsperson sollte ich wirklich öfter etwas mit ihr unternehmen…"
„Nimm es gelassen, Nicole" beruhigte Charlie sie, als ihre Getränkebestellung eintraf, „Sie hat eine großartige Familie um sich herum und du solltest dein Leben nach deinen Maßstäben führen dürfen. Dany ist nicht deine Tochter."
Nicole lächelte, als sie anstießen: „Ich weiß, obwohl es sich bisweilen so anfühlt. Vielleicht, weil sie mich so an Maryanne in dem Alter erinnert."
„Kinder haben den Effekt. Wenn sie keine Unruhe verbreiten, muss man sie einfach gern haben. Da spreche ich aus jahrzehntelanger Erfahrung."
„Daher also die grauen Haare" triezte Nicole und strich eine Strähne aus Charlies Stirn. Er hielt ihre Hand fest, ehe sie sie zurückziehen konnte, und betrachtete den Ring an dem Finger.
„Mach dich nicht über meine Weisheit lustig" erwiderte er, noch immer mit ihrer Hand spielend.
„Deine Wenigkeit" konterte Nicole grinsend, „Es gibt da essentielle Unterschiede."
„Sprichst du aus Erfahrung?"
„Nein, du siehst doch- ich habe keine grauen Haare" Nicole warf ihre kunstvoll gedrehten Locken über eine Schulter.
„Müssen wir den Antennen Vorfall wiederholen? In aller Öffentlichkeit wäre das deutlich peinlicher" drohte Charlie.
„Nur für dich, mein Guter, weil du auf der Albernheit bestehst."
„Ich würde nur eine Hypothese überprüfen!"
„Warte damit bitte bis nach dem Essen, es würde den Abend doch ein wenig unangenehm verkürzen."
Wie auf Befehl kam der Ober mit ihren Tellern auf den Tisch zu, die beiden lösten sich ein wenig voneinander.
„Einmal das Schweinefilet in Orangekaramell" er stellte das Gericht vor Charlie ab, „und einmal das Wolfsbarsch in Salzkruste für die Verlobte."
Mit einer kleinen Verbeugung verabschiedete er sich und sah so nicht mehr, wie Charlie und Nicole in gedämpftes Kichern ausbrachen. Trotz der langen Zeit, in der sie sich an die Annahmen von Menschen über ihren Beziehungsstatus gewöhnen konnten, war der Irrtum noch immer so amüsant wie am ersten Tag. Sie nahmen es den Leuten jedoch nicht übel, sondern verstanden es als Kompliment.
„Auf uns" meinte Nicole, erneut ihr Weißweinglas ergreifend.
„Auf uns" erwiderte Charlie und stieß mit ihr an.
„Wann genau geht deine Ausbildung jetzt los?" fragte Nicole, die Serviette über ihren Schoß ausbreitend.
„Am dritten September soll ich dort anfangen, das Datum haben sie mir vorgestern zugeschickt- zusammen mit ein paar letzten Instruktionen."
„Wie kommst du dort hin?"
„Ich werde mit einem Portschlüssel in die Schweiz reisen und von dort mit einem zweiten Portschlüssel direkt ins Reservat- Geheimhaltung und so weiter. Bis Weihnachten muss ich dann wohl dort bleiben."
„Du musst nicht meinetwegen deine Begeisterung unterdrücken- ich weiß genau, wie sehr du dich darauf freust."
Charlie grinste, schüttelte dann aber den Kopf: „Ich wünschte wirklich, es wäre nicht so weit weg von dir und einfacher zu erreichen. Wenn ich schon in den ersten Monaten kaum nach Hause darf, dann will ich mir fast nicht ausmalen, wie es die nächste zwei Jahre werden soll."
„Selbst, wenn du kaum hier bist, können wir uns noch schreiben und über das Flohnetzwerk Kontakt halten. Vielleicht können wir sogar gemeinsam in Urlaub fahren?"
„Da muss ich mit meinem Boss drüber reden, sobald sich die Gelegenheit ergibt. Irgendwie werden wir das schon erarbeiten…"
„Genau. Egal, wie weit du weg bist, meine Gefühle für dich werden sich nicht ändern. Ich vertraue dir vollkommen."
Charlie lächelte sie über den Rand des Weins hinweg an, nahm ihre freie Hand und gab ihr einen Kuss auf den Handrücken.
„Ich liebe dich, Nicole Grantham."
Nicoles Herz machte einen Satz und eine Wärme strömte durch sie hindurch, wie ein Lavastrom. Sie konnte nicht anders, als sein Lächeln erwidern und seine Hand drücken. Ohne es zu wissen, hatte sie diesem Moment entgegen gefiebert- darauf gehofft und war manchmal an dem Gedanken verzweifelt, er würde es ihr nie wirklich sagen. Durch die Blume, mit Gesten (die ihr umso wichtiger wurden) natürlich, aber diese Aussprache von drei simplen Worten ließ jeden Zweifel, jede Angst völlig verpuffen.
„Ich liebe dich auch, Charles Weasley" war ihre geflüsterte Antwort, die Realität noch nicht in Gänze realisierend.
So strahlten sie einander an, das Essen kurzzeitig vergessen. Es dauerte einige Minuten bis sie sich erneut voneinander abwenden konnten.
Merlin sei Dank schienen die anderen Gäste ob ihrer Gefühlsduselei nicht sonderlich genervt, sondern ignorierten das Pärchen, welches zwei Stunden und eine geteilte Rechnung später das Restaurant in die Nacht verließ.
Arm in Arm spazierten sie an den Gebäuden vorbei auf eine der Bänke zu, die Straßenlaterne die einzige Lichtquelle, da Wolken die Himmel verdunkelten. Die Kühle war nach der Hitze der letzten Wochen eine angenehme Abwechslung, weshalb Nicole Charlies Umhang nicht annahm.
„Was für ein wunderschöner Abend" meinte Nicole und lehnte sich gegen Charlies Schulter, die Beine auf die Bank ziehend.
„Außerordentlich schön."
Danach verfielen sie in angenehmes Schweigen und genossen schlicht die Nähe zum Anderen. Nicole blendete die Gedanken aus, dass in lediglich einer Woche Charlie für mehrere Monate nicht an ihrer Seite sein könnte. Und nach Weihnachten? Wer wusste schon zu sagen, was auf sie wartete.
„Ich werde auf dich warten" gab sie leise bekannt.
„Wir beide. Wir sind vielleicht noch sehr, sehr jung, aber…würde es dir etwas ausmachen, wenn ich meinen neuen Kollegen erzähle, wir wären wirklich verlobt?"
Nicole musste keine Sekunde darüber nachdenken: „Überhaupt nicht."
„Es ist mir sehr ernst mit dir, Nicole. Ich weiß, wir hatten schon unseren emotionalen Moment des Tages, aber du bist mir unglaublich wichtig und in all den Jahren habe ich nie eine Frau getroffen, die mich so fühlen lässt, wie du. Wenn es nicht eine voreilige Entscheidung wäre und ich nicht wüsste, wie schlecht solch junge Ehen enden, würde ich dich jetzt auf der Stelle zum Ministerium bringen…"
„Das ist ein beruhigender Gedanke. Kann man das als Antrag werten?"
„Worauf willst du hinaus?"
„Nun ja, meine Großeltern würden sofort eine Heirat organisieren, sobald sie mitbekämen, wir seien in der Tat verlobt. Deshalb müssten wir das vielleicht für uns behalten"
„Ein kleines Geheimnis, also" Charlie grinste, nahm ihre linke Hand und sagte leise: „Nicole Grantham, willst du ganz geheim mit mir verlobt sein? Ohne Verpflichtungen, nur ein Versprechen?"
„Ja, Charlie" erwiderte sie, legte einen Arm um seinen Hals und zog ihn für einen Kuss zu sich.
Erst als es zur vollen Stunde schlug, und einige Tauben um sie herum aufgescheucht wurden, verließen die beiden ganz geheim Verlobten die Parkbank, gaben einander einen letzten Kuss und disapparierten- gleichermaßen wehmütig und euphorisch.
Nicole hatte sich gerade einen Hausumhang über ihr Nachthemd gezogen, um anschließend im Bad zu verschwinden, als es klopfte.
„Herein?"
Es war Danny.
„Schönen Abend gehabt?" fragte er, ihr breites Grinsen nur schwerlich falsch interpretierend.
„Wunderschön. Gibt es etwas" es war eher eine Feststellung.
„Ja, ich wollte mit dir über Maryanne reden."
Nicole legte den Kopf schief: „Maryanne?"
„Genau. Sie hat mir gerade erzählt, dass sie mal was für Jim übrig hatte…"
„Falls du dir Sorgen machst, dass das Angebot nur wegen dieser Tatsache steht, irrst du dich."
Danny schien beruhigt, atmete aus und fuhr dann fort: „Ich weiß, als Bruder sollte ich das nicht sagen, aber… Jim ist keine gute Person, zu niemandem. Seine Emotionen hat er weggeschlossen, verborgen vor der Welt. Aber, wenn es jemanden gäbe, der das wieder zum Vorschein bringt, dann Maryanne."
„Was genau ist dein Plan?"
„Du würdest das zulassen, ich bin ein wenig schockiert…"
„Eine etwas längere Geschichte, die Kurzfassung ist, dass meine beste Freundin dafür verantwortlich ist, dass ich mit Charlie zusammen gekommen bin. Sie hat einige Dinge organisiert und ich habe bisher noch immer nicht das volle Ausmaß ihrer Idee ans Tageslicht gebracht."
„Cassandra, richtig?"
„Genau."
„Hm… vermutlich müssen wir die beiden nur mehr Zeit miteinander verbringen lassen. Der Rest sollte von selbst laufen…" philosophierte Danny.
„Das sollte sich einrichten lassen, auch wenn es bis zum Ende der Sommerferien zu einem Selbstläufer geworden sein muss. Wir sollten erst für eine Freundschaft sorgen, dann kann der Rest sich selbst entwickeln."
„Kann ich machen. Wegen der Nachtschicht muss ich tagsüber meinen Schlaf nachholen und kann ein paar Aufgaben an die beiden delegieren…"
„Vorsicht, sonst geht das nach hinten los" warnte Nicole gähnend als Danny das Zimmer verließ.
Die Warnung war äußerst berechtigt, wie Nicole drei Tage später nach einem anstrengenden Aufenthalt in der Kanzlei feststellte. Die beiden Teenager waren in ein lautes Wortgefecht verwickelt, Maryanne hielt einen Lappen in der Hand, während Jim seine Arme verschränkt hatte.
Gut nur, dass Lord und Lady Grantham bei einer anderen Familie zu Gast waren, um das nicht mitanhören zu müssen.
„Was geht hier vor?" verlangte Nicole zu wissen, legte ihre Handtasche auf dem Esstisch ab und betrachtete die beiden eindringlich.
„Ach, der Idiot weigert sich nur, seinen Anteil der Aufgaben zu erledigen… dabei kommen unsere Großeltern nach der Woche wieder zurück und sollen sich doch freuen!"
„Macht mich noch immer nicht zum Hauselfen" erwiderte Jim genervt.
„Jim, hör zu. Ich mache sowas normalerweise auch nicht, aber wir sind momentan ein gut ausgefüllter Haushalt und wir sind die einzigen, die Nichts zu tun haben. Warum jammerst du also so sehr über eine schlichte Aufgabe, anstatt sie einfach hinter dich zu bringen?" erläuterte Maryanne- entnervt.
„Weil mein Kumpel mir eine Eule geschickt hat, dass er heute in die Winkelgasse geht!"
„Pech gehabt" schnaubte Maryanne.
„Sagst du doch nur, weil du keine Freunde hast."
„Jim!" sagte Nicole, „Wie wäre es, wenn du ein wenig dein Gehirn einschaltest, anstatt alle fünf Minuten in die Defensive zu springen. Bei Merlins Bart, ihr seid Schlimmer als ein Kobold mit Rubinlieferung… macht die Aufgabe und danach könnt ihr gerne tun und lassen, was ihr wollt."
„Anstrengend heute?" fragte Maryanne, deutlich beruhigter und gelassener als zuvor.
„Du machst dir keine Vorstellungen. Wir haben die Vermutung, es könnte sich ein geheimer Ring von Zauberern und Schiebern gebildet haben, um Leute aus der DDR rauszuschmuggeln- für unglaubliche Summen an Geld. Aber bis auf ein paar verdächtige Notizen, die einfach nur Fehlinformationen sein könnten, hat sich Nichts ergeben…"
„Macht es wenigstens noch Spaß?"
„Noch? Ja, sehr sogar. Auch wenn ich es nicht abwarten kann, mit Xavier und Lewis ein paar neue Paragraphen für das Grundgesetz dort zu entwerfen. Das ist der nächste Arbeitsschritt und ich kann endlich beweisen, dass ich verstehe, wie Jura eigentlich funktioniert."
„Wie funktioniert es denn?" fragte ihre Schwester kichernd.
„Momentan versuchen wir herauszufinden, welche Paragraphen es im ostdeutschen Ministerium gab, bevor es zusammenbrach, weshalb wir die Akten durchforsten. Gleichzeitig betreiben wir für die Auroren systematische Personensuche."
„Also führt ihr von den Strafakten zurück auf das Gesetz?" fragte Jim, um seine Vermutung zu bestätigen und Nicole nickte.
„Es ist ein Ausnahmezustand und momentan zieht, magisch-juristisch gesehen, ganz Europa an einem Strang, um den Osten wieder auf die Beine zu bringen."
„Warum wir nie darüber reden… Binns könnte doch seine Zeit mal sinnvoll nutzen."
„Die Geschichte unserer Zauberergemeinschaft ist genauso interessant und wir haben auch ein paar Sachen, die nie wieder passieren dürfen."
„Nun ja, Grindelwald sitzt im Gefängnis und Ihr-Wisst-Schon-Wer ist verschwunden, also denke ich nicht, dass wir viel zu befürchten haben" meinte Maryanne achselzuckend, „Nicht für die nächsten sechzig Jahre."
Nicole nickte zustimmend. Vorerst schien sich das „Böse" in der Magierwelt zurückzuhalten und es war, für britische Zauberer, eine recht angenehme Zeit.
„Genau deshalb aber müssen wir anderen helfen- weil wir selbst das Problem nicht mehr haben."
Maryanne wirbelte den Lappen nachdenklich durch die Luft, was Jim ein wenig auf die Nerven zu fallen schien.
„Kommst du am Samstag mit nach Kings Cross?"
Nicole grinste: „Natürlich. Ich würde die Gelegenheit doch nicht vorbei ziehen lassen."
„Die Gelegenheit, Charlie zu sehen?" bohrte Maryanne nach, ein wissendes Lachen auf dem Gesicht. Diese Eigenschaft hatte sie definitiv von Danny übernommen.
„Möglicherweise, jetzt los! Ich muss in der Küche nach dem Abendessen sehen. Macht weiter, sonst übernimmt Mutter das noch."
Jim schien bei der Nennung von Mrs Grantham in einer Motivations-Hoch zu kommen und zog den Lappen aus den Händen der jüngeren Schwester. Nicole verdrehte nur die Augen und ging ihrem restlichen Tagesgeschäft nach, was ebenfalls im Reinigen eines Teils des Hauses bestand. Cassandra hatte ihre Arbeit im Ministerium ebenfalls bekommen und schrieb bereits begeistert von einer neuen Quelle, was Nicole ein wenig mitleidig mit ihren neuen Kollegen werden ließ.
Derek und Nate hatten ebenfalls ihre kleine Reise angetreten und schickten ihrem besten Freund regelmäßig Updates von variierender Länge und Detailgrad.
Dany kam mitten in Nicoles Schwelgen über Hogwarts Zeiten in den Raum geplatzt.
„Hey, wie war es heute?" fragte die fast- Dreizehnjährige, die sich manchmal eher wie ein Kleinkind verhielt. Nicole fragte sich in diesen Momenten immer, was ihr wiederfahren war, dass diese kindliche Staunen noch so in ihrer Persönlichkeit verankert sein konnte. Über ihren Bruder sprach sie ebenfalls kaum, schien seine Existenz vor sich selbst zu verheimlichen.
„Aufregend, aber trotzdem anstrengend" gab Nicole zu, wenn auch nur halb so ehrlich wie zu Maryanne. Ihr Lächeln kompensierte für die leicht schmerzende Schreibhand.
„Ich weiß nicht, ob ich mich auf Hogwarts freue" meinte das junge Mädchen unvermutet und die ältere wusste sofort, dass dies der Grund, die Angst, von Danielle war, „Ohne dich und Grandma Grantham…"
„Deine Freunde warten doch sicherlich auf dich." Nicole ließ sich auf dem Bett neben Danielle nieder.
„Es ist hier so schön, keiner behandelt mich schlecht und keiner macht mir Angst…"
„Professor Snape?"
„Ja" Danielle schüttelte sich, „Er redet mit uns, als wären wir keine richtigen Schüler."
„Das ist seine Persönlichkeit. Lass dich nicht von einem einzelnen Lehrer entmutigen, du solltest deine Zeit im Schloss genießen, denn besser wird es nicht. Du bist eines der mutigsten Mädchen, das ich kenne. Du hast dich von dir aus bei Cassandra gemeldet, hast die Hilfe zugegeben und dich getraut, deine Angst zuzugeben. Du brauchst uns gar nicht so sehr zum Glücklichsein, wie du möglicherweise denkst, weil du so gut auf eigenen Beinen stehst. Wir sind immer hier für dich, Dany, werden dir immer zuhören, dich immer Trösten und Beschützen."
„Aber ich muss von selbst nach den Sternen greifen" meinte Dany kaum hörbar. Ihre Augen waren glasig geworden.
„Josh hatte das als…als Tattoo hier" sie deutete auf eine Stelle unter ihrem linken Schlüsselbein, „In Latein. Er hat immer gesagt, dass ich von Selbst nach den Sternen greifen muss. Als ich zu Cassandra ging, war das nur, weil er Geburtstag hatte und ich mir geschworen habe, an jedem seiner Geburtstage etwas zu machen, was ich mich nie trauen würde."
„Er ist sicherlich stolz auf dich."
„Der Priester hat gesagt, er sei jetzt bei Gott- im Himmel. Glaubst du an Gott?"
Nicole schwieg, ein wenig aus dem Gleichgewicht gebracht von der Frage. Doch sie fand eine Antwort: „Vielleicht nicht an Gott, aber daran, dass etwas gibt, wo wir nach unserem Tod hingelangen- unsere Seele, oder wie du es auch nennen möchtest. Es ist keine Religion, aber dennoch der Glaube an etwas."
„Wenn es einen Gott gäbe, hätte er Josh nie gehen lassen" meinte Dany wütend, „Er hätte das verhindert! Er war der beste große Bruder!"
Nicoles Hand fuhr sanft durch das Haar des Mädchens, welches ihren Kopf in ihrem Schoß platziert hatte, leise Tränen rangen über ihre Wangen.
„Kann ich ihn nicht…nicht zurückbringen?"
Die Augen der älteren Grantham schlossen sich für einen Moment auf diese schmerzlich naive Frage hin.
Doch ihr Schweigen schien Dany Antwort genug und endlich, nach einer Ewigkeit der Stärke, brach sie schluchzend zusammen, ein Haufen aus Umhang und Haaren, der nur noch zitterte, manchmal still, manchmal laut.
Okay, also langsam wird es mir doch tatsächlich etwas unangenehm mit den Formatierungsfehlern, aber ich bin leider noch immer im Unklaren, was genau diese hervorruft. Vielleicht muss ich doch auf eine etwas weniger effiziente, dafür aber im Nachhinein bessere Lösung umsteigen.
Bis dahin, immer wachsam.
Zuerst kommt aber noch der Fragenkatalog für den geneigten Kommentatoren:
1.- Was haltet ihr von 'Allen & Brigmore'? Ist es genug Brimborium und Glanz, oder hättest du dir lieber eine etwas weniger glamouröse Kanzlei gewünscht?
2.- Xavier Moreau, was ist deine Meinung zu Nicoles direktem Vorgesetzten? (Auch im Bezug auf die Vorgeschichte seiner Familien)
3.- Direkt nach der ersten Begegnung gibt es eine kleine Geschichtsstunde, da ich erstaunt festgestellt habe, dass die Geschehnisse, der Job und die reale Geschichte so perfekt zusammenfließen. Wie war das eingearbeitet? Der Rest der Handlung ist ein wenig in den Hintergrund getreten, ich hoffe, das war zu verkraften? Mir war es wichtig, Substanz in den Kapiteln zu haben.
4.- Charlie und Nicole beim Abendessen, muss ich mehr sagen? (*hust* Ich liebe dich *hust* *hust* Geheime Verlobung *hust*)
5.- Haben deiner Meinung nach Maryanne und Jim eine Zukunft, oder wer wäre besser für eine Beziehung geeignet? Was sind deine Ships in dieser Fanfiction?
6.- In vielen Fanfictions (egal welche Zeit, welche Charaktere) ist es Gang und Gebe, dass die Protagonisten eine Vorahnung haben, dass Voldemort zurückkommt, sie sterben etc. Erneut ein Klischee, welches ich hoffentlich erfolgreich umgangen habe?
7.- Die kleine Dany wächst mir langsam richtig ans Herz, obwohl ihre Geschichte nicht mehr in diese Fanfiction passen wird. Würdest Du gerne eine neue Geschichte lesen, mit Danielle als Protagonistin? Wenn nicht, gibt es einen anderen Charakter, von dem du mehr lesen möchtest? (Sobald diese FF beendet ist, würde ich dieses Projekt in Angriff nehmen)
8.- Der Balanceakt zwischen Glaube und Magie war mit am Schwierigsten in Worte zu fassen. Denkst Du, Zauberer würden trotz der schlechten Historie zwischen der Kirche und der magischen Gemeinschaft an Gott glauben?
LG,
Roxanne
