Auf der Treppe waren jetzt Schritte zu hören und nach ein paar Sekunden betrat Craig mit einem fröhlichen „Guten Morgen!" die Küche. Mit Schwung setzte er sich auf einen Stuhl, wischte mit seinen Händen über seine grüne OP-Kleidung und warf sich zwei Scheiben Brot in den Toaster. Die Frage, ob sie denn gut geschlafen hätten, verkniff er sich, schon aufgrund des Faktes, dass er sie heute Morgen im Wohnzimmer gefunden hatte. Stattdessen fragte er: „Und? Was habt ihr heute vor?", während er sich fröhlich seinen Toast mit Frischkäse bestrich. Snape und Hermine sahen sich an. „Naja, erstmal werde ich versuchen, eine einfache Erklärung für Elektrizität zu finden, weil Prof. Snape so etwas nicht kennt." Craig verschluckte sich beinahe an seinem Toast, weil er lachen musste. Er beruhigte sich aber schnell, als er einen äußerst beleidigten Blick von Snape auffing. „Elektrizität? Das ist doch ganz einfach: Also, alles, wirklich alles besteht aus Teilchen, so genannte Atome. Das sind winzigkleine Gebilde. Die bestehen aus drei verschiedenen Bestandteilen: Elektronen, Protonen und Neutronen. Soweit klar?" Snape nickte. „Ja, das ist mir verständlich." „Elektronen und Protonen sind so genannte Ionen. Die Ladung ist nicht ausgeglichen." Snape unterbrach ihn. „Ladung?" Hermines Vater überlegte kurz. „Stellen Sie es sich so vor: Wenn Sie extrem wütend sind, besitzen Sie eine negative Ladung, wenn Sie fröhlich sind", Hermine machte ein äußerst skeptisches Gesicht, „haben Sie eine positive Ladung. Genauso verhält er sich mit diesen Teilchen. Elektronen sind negativ geladen und Protonen positiv. So weit, so gut. Nun zur Elektrizität an sich. Auch Sie kennen welche, da sie auch natürlich vorkommt. Die stärkste Form sind Blitze bei Gewittern, aber auch Zitteraale produzieren welche. Alle diese Dinge basieren auf demselben Prinzip: Es baut sich eine Ladung auf, positiv aber auch negativ und wenn ein gewisses Potential überschritten wird, entlädt sich diese Ladung. So, wie man vor Wut anfängt zu schreien. Dabei entsteht ein Strom aus Teilchen, Ein Strom, egal welcher Art, ist eine gerichtete Bewegung von Teilchen. Dabei ist es völlig egal, was für Teilchen. Außer Neutronen, da sie ausgeglichen sind. Bei den ganzen elektrischen Geräten, die Sie hier sehen, wir dieses Prinzip ausgenutzt. Der Strom der Teilchen, der ja eine Bewegung darstellt und somit auch eine gewisse Kraft besitzt, treibt die Geräte an. Und je größer der Unterschied zwischen dem Minus – also dem negativen Elektronenpol und dem Pluspol, also dem der Protonen, umso schneller bewegen sich auch die Teilchen." Er stand auf und lief zu einer Steckdose, die in der Wand über einer Arbeitsplatte der Küche angebracht war. „Hier, sehen Sie?" Das ist eine Steckdose. Das ist der Minuspol", er zeigte auf das eine Loch, „und das ist der Pluspol. Und wenn man jetzt ein elektrisches Gerät daran anschließt …" Er nahm aus einem Schrank ein Rührgerät und steckte den Anschluss in die Dose, „dann wird es durch den Strom angetrieben!" Er drückte auf den Schalter und das Gerät begann zu arbeiten. Snape war insgeheim beeindruckt, ließ sich jedoch nichts anmerken. Jedoch hatten sich für ihn noch einige Fragen ergeben. „Und was ist mit so einer Steckdose, wenn man nichts daran angeschlossen hat, da können ja gar keine Teilchen fließen?"
„Eine gute Frage, schön, dass Sie sie stellen! Also, sie Pole, also die Ladungen sind trotzdem noch da. Deswegen rate ich Ihnen dringendst, niemals in eine Steckdose zu fassen, das ist äußerst ungesund. Denn dann entlädt sich die Elektrizität durch Sie selbst und so etwas kann leicht tödlich enden. Es ist dasselbe Prinzip wie vom Blitz getroffen zu werden, nur dass der Stromschlag nicht so stark ist."
Respektvoll beäugte Snape die Steckdosen. „Und ei erzeugen sie Elektrizität?" Schon leicht ratlos seufzte Craig auf. „Puh … da wird es jetzt langsam kompliziert. Der Strom wird in so genannten Kraftwerken erzeugt. Es gibt viele verschiedene Arten von Kraftwerken. Viele werden mit Kohle betrieben, manche mit Wasser, andere mit Wind. Einige wenige mit Atomenergie. Die ist ziemlich riskant, bringt aber den meisten Strom. Bis auf die Atomkraftwerke wandelt, um Elektrizität zu erzeugen eine Energieform, wie zum Beispiel Wärme oder mechanische Bewegungen wie Wasser- oder Windkraft in elektrische Energie um. Die wird dann über Leitungen in die Häuser der Menschen geleitet." Mit einem Blick auf die Küchenuhr meinte er, „So, jetzt muss ich aber wieder runter, mein nächster Patient kommt gleich:" Sprach´s und war verschwunden. Noch immer beobachtete Severus die Steckdosen, Lichtschalter und sonstige Geräte leicht argwöhnisch, als ob sie gleich Blitze schleudern würden und kaute (noch immer) gedankenverloren auf seinem Toast herum.
„Also, was wollen Sie heute machen?", fragte Hermine mit forschem Blick. Snape sah sie an. „Keine Ahnung, Sie wohnen doch hier. Ich weiß doch nicht, was man den ganzen Tag über machen soll, wenn man in einem Haus eingesperrt ist und keine Magie benutzen darf!" Genervt fuhr er sich mit einer Hand durch die Haare. „Aber für´s Erste", fuhr er fort, als er sah, dass Hermine ihn ein wenig betroffen ansah, „würde ich vorschlagen, helfe ich Ihnen, das Frühstück wegzuräumen und dann könnte man ja einen weiteren Versuch unternehmen, mal wieder nach oben zu gelangen, da ich nicht vorhabe, den gesamten Tag im Morgenmantel umherzulaufen." Sie standen auf und Hermine öffnete die Klappe des Geschirrspülers, um das Geschirr hineinzuräumen, wofür sie den nächsten misstrauischen Blick Snapes erntete, der das Gerät mit einer hochgezogenen Augenbraue betrachtete. „Das ist eine Spülmaschine. Die nimmt einem das Abwaschen ab." Irritiert schüttelte Severus den Kopf und begann statt dessen lieber, die Marmeladen, den Zucker und andere Sachen dort wieder hinzuräumen, von denen er noch wusste wo Hermine sie hergeholt hatte. Als er die Butter wieder in den Kühlschrank stellte, blieb er fasziniert einige Sekunden davor sitzen und probierte mit der Hand immer wider, wie kalt es in ihm war. Hermine musste lächeln, als sie meinte ein leises „Faszinierend …" zu vernehmen. Schließlich war die Küche aufgeräumt und sie standen (wieder einmal) vor der Treppe. Sie kamen dieses Mal recht schnell hoch, sie brauchten nur etwa fünf Minuten. Oben musste sich Snape, der völlig außer Atmen war, aber erst einmal gegen die Wand lehnen, um wieder Luft zu bekommen. Hermine musste ihn leicht stützen, als sie zu seinem Zimmer liefen. „kommen Sie einfach zu mir, wenn Sie wollen, mir wird schon etwas einfallen, was wir machen können."
Snape nickte nur kurz und schloss die Tür. Langsam ging er zum Bett und ließ sich drauffallen. Im Raum war es angenehm kühl, denn die Fenster zeigten nach Osten und Norden. Eine Woge der Müdigkeit schwappte über ihm zusammen und mit einem leichten Aufseufzen schloss er die Augen.
Wie lange er geschlafen hatte konnte er nicht sagen. Aber als er aufwachte, musste er feststellen, dass jemand im Zimmer gewesen sein muss, da er zugedeckt war. Außerdem hatte man die Jalousien heruntergelassen und im Zimmer herrschte ein angenehmes Dämmerlicht.
Langsam setzte er sich auf und rieb sich die Augen, fühlte sich aber zum ersten Mal seit Tagen wirklich ausgeruht und hellwach. Eine zeitlang kramte er unschlüssig in seiner Tasche herum und entschied sich dann für eine einfache schwarze Hose und ein perfekt dazu passendes T-Shirt.
In aller Seelenruhe zog er sich an, öffnete dann die Jalousien, nur um festzustellen, dass die Intensität der Sonne schon ein wenig nachgelassen hatte, der Nachmittag also schon etwas weiter fortgeschritten sein musste. Dann verließ er den Raum um leise an Hermines Tür zu klopfen.
Von drinnen erscholl ein fröhliches „Kommen Sie rein, Prof. Snape!" Er öffnete die Tür und stand in einem hellen Zimmer. Die Wände waren zitronengelb und leuchteten ein wenig golden, da die Sonne teilweise hineinschien. Zu seiner Linken an der Wand entlang stand ein großes Bücherregal, welches natürlich praktisch überquoll. Gegenüber der Tür stand ein großes Bett, auf dem sich im Moment Crookshanks breitgemacht hatte und sich ausgiebigst in der Sonne aalte und putzte. Das Fenster über dem Bett war weit geöffnet, man hatte Blick auf das nächste Haus in der Straße, welches allerdings um einige Nummern kleiner war als das der Grangers. Fast die gesamte rechte Wand des Zimmers wurde von einer Schrankwand aus hellem Kiefernholz beherrscht. Auch sie war mit Büchern nur so voll gestopft, dieses mal aber Bücher, die sie eindeutig in Florisch und Blotts erstanden haben musste und das waren bei weitem alles keine Schulbücher. „woher wussten Sie, dass ich es war?" fragte Snape abwesend, während er mit höchstem Interesse die Titel las.
Hermine grinste. „Naja, meine Eltern klopfen nie an. Außerdem arbeiten sie im Moment noch, aus irgendeinem Grund ist montags immer so unglaublich viel Betrieb. Bis um sieben werden die beiden vollauf beschäftigt sein."
Fast widerwillig riss sich Snape von den Büchern los und drehte sich zu Hermine um. „Wie spät ist es denn?" Hermine wandte den Kopf und erst jetzt sah er, dass auch hier so ein seltsamer Kasten mit Glasscheibe vornedran stand, nur dass sie hier nicht dunkel war, sondern bunt leuchtete. Jede Menge Bilder, viel Schrift und irgenwelches blinkendes Zeugs.
„oh, es ist ja schon halb sieben!" riss ihn Hermines Antwort aus den Gedanken. Beinahe aufgeregt deutete Severus auf das Gerät. „So etwas steht doch auch unten, oder?" Hermine nickte. „Was ist das?" fragte er völlig perplex.
„Das, Prof. Snape, ist ein Computer. Wie der funktioniert, kann ich Ihnen beim besten Willen nicht erklären. Aber wenn Sie wollen, kann ich Ihnen zeigen, was man damit alles machen kann." Snape beugte sich näher heran. „Sie benutzen etwas, von dem Sie nicht wissen, wie es funktioniert? Ist das nicht … gefährlich?" Hermine schüttelte den Kopf. „Vergessen Sie nicht, sie befinden sich hier in der Muggelwelt." Snape verzog das Gesicht. „Wie könnte ich?" Genervt seufzte Hermine auf. „Ich wollte damit eigentlich nur sagen, dass es hier unmöglich ist, dass ein Gerät ein eigenes Bewusstsein entwickelt und dann eigenständig handelt. Zumindest noch nicht." schränkte sie mit einem nachdenklichen Gesichtseindruck ein. „Also, passen Die auf: Man kann einen PC für viele Sachen benutzen. Das einfachste ist wohl das Schreibprogramm." Sie ergriff ein etwa faustgroßes braunes Ding mit einer Schnur dran und schob es über den Tisch. Auf der Glasscheibe bewegte sich synchron dazu ein weißer Pfeil. „Das hier nennt man übrigens Maus, man benutzt sie, um sich im Computer fortzubewegen." Sie bewegte den Mauspfeil über die Glasscheibe auf ein Objekt zu, auf dem ein blaues großes „W" auf weißem Untergrund zu sehen war. Dann drückte sie zweimal schnell hintereinander auf einen Schalter, der sich auf der Maus befinden musste.
„Sehen Sie? Jetzt öffnet sich das Programm. Ein so genanntes Fenster öffnet sich," auf der Glasscheibe war jetzt ein großes weißes Rechteck mit einer grauen Oberleiste zu sehen, „ und nun kann man hier schreiben." Sie zog das Brett mit den vielen Buchstabenknöpfen, welches es auch hier gab, zu sich heran und begann diese zu drücken. Auf der Glasscheibe waren nun auf dem weißen Untergrund die schwarzen Buchstaben zu sehen.
„Wollen Sie auch mal?"
In Snape machte sich ein mulmiges Gefühl breit. Was wenn er etwas falsch machte, etwas kaputt ging? Er würde sich bestimmt total blamieren. Seine Gedanken schienen ihm wohl nur allzu deutlich ins Gesicht geschrieben zu sein, denn als er ablehnend die Hände hob, bemerkte Hermine trocken: „Sie werden schon nichts kaputtmachen. Und keine Sorge, als ich zum ersten Mal vor so einem Ding gesessen habe, habe ich mich auch angestellt wie der erste Mensch."
Zögernd ließ sich Snape auf den Stuhl nieder, den Hermine freigemacht hatte. „Genau das ist es ja, was ich befürchte …" murmelte er verlegen. Etwas hilflos saß er nun vor dem Computer und legte schließlich langsam die Hände auf die Tastatur. Vorsichtig begann er seinen Namen einzutippen, kam jedoch auf die Num-Lock-Taste, so dass letztendlich alles in Großbuchstaben stand. Snape brach kalter Schweiß aus. Was zum Henker war jetzt los! Hinter sich hörte er, wie Hermine aussichtslos versuchte ein Lachen zu unterdrücken. „Was!" fragte er gereizt. Statt einer Antwort langte sie einfach über seine Schulter und schaltete er wieder aus, unterließ aber, zu Snape´s großer Dankbarkeit jegliches Kommentar. Nachdem er nun eine Weile recht ziellos herum getippt hatte fragte er recht ratlos: „Und nun?" Hermine deutete auf verschiedene Symbole, die auf dem hellerleuchteten Kasten zu sehen waren (denn noch immer nicht hatte sie verraten, wie das Gerät hieß) und deutete auf das faustgroße graue Ding mit der Schnur dran. „Nehmen Sie die Maus und probieren Sie einfach alles aus!" Verständnislos glotzte Snape sie an, so dass sie genötigt war es selber zu machen. Wieder langte sie über seine Schulter und bewegte den Mauszeiger über den Bildschirm, um eine andere Schriftart einzustellen. Sie wählte nun Gothika aus und überließ Snape die Maus, sie dieser auch recht mutig ergriff, da er ja gesehen hatte, wie es funktionierte. Mit der anderen Hand tippte er ein paar weitere Buchstaben ein. Nach und nach wurde er sicherer, er probierte vieles aus und fragte Hermine, wenn er nicht weiterkam. Sie musste feststellen, dass er (was sie eigentlich schon immer vermutet hatte) unglaublich schnell lernte und er ein unvergleichliches Fassungsvermögen hatte. Sie selbst zog sich auf ihr Bett zurück, um mit den Hausaufgaben für die Geschichte der Zauberei zu beginnen. Nach etwa einer Stunde drang von unten ein leicht gedämpfter fröhlicher „Hermine"-Ruf herauf. Sie sprang auf, lief bis zum Treppenansatz und brüllte zurück „Was ist!", was Snape ein leichtes Grinsen über das Gesicht huschen ließ. Jugendliche waren doch alle gleich: bloß nicht zuviel bewegen!
Von unten war irgendeine Antwort gekommen, die er gar nicht verstanden hatte, aber das war halb so wild, da Hermine fast sofort ihren Kopf durch die Tür steckte und meinte: „Es gibt Abendbrot!"
Snape stand auf, blickte aber zögernd zu dem Gerät zurück. „Lassen Sie ihn einfach an, der schaltet sich selbst ab." Er folgte ihr zur Treppe, die er diesmal in einer echten Rekordzeit bewältigte, er konnte sie fast normal herunter gehen. Unwillkürlich schüttelte Snape bewundernd den Kopf. Dr. Clements hatte ganze Arbeit geleistet.
So brauchte er nur zwei Minuten bis er unten war und er war nicht mal außer Atem gekommen.
