Oh je oh je… Meine Updates kamen auch schon mal schneller, hu? Ich hoffe, ihr könnt mir die lange Wartezeit noch mal verzeihen…

Dafür wird in diesem Kapitel so einiges aufgeklärt – und jede Menge neue Fragen aufgeworfen…fiesgrins

Aber am Besten ihr lest einfach selbst! Viel Spass dabei! ;)


..: V. Searching for Hope and Memories (part one) :..
„Welchen Schlüssel?"

Kai war verwirrt. Wovon zum Teufel redete dieser Irre? Schlüssel? Er wusste nichts von einem Schlüssel!

„Stell' dich nicht dumm, Junge!" Boris' Stimme ließ keinen Zweifel daran, dass er wütend war – sehr wütend… „Den Schlüssel zur Geheiligten Kammer! Den Schlüssel, mit dem deine Schlampe von Mutter abgehauen ist in der Nacht, nachdem ihn ihr dein nichtsnutziger Vater kurz vor seinem Tod gegeben hat! Diesen Schlüssel!"

Kai spürte, wie ihm der kalte Schweiß über den Rücken rann. Er hatte keine Ahnung, wovon Boris sprach. Nur eines wusste er mit Gewissheit – er war nur deshalb noch am Leben, weil Boris offenbar der festen Überzeugung war, er wüsste, wo sich dieser mysteriöse Schlüssel befand. Wenn er erst dahinter kam, dass das nicht der Fall war, war Kai so gut wie tot. Fieberhaft kramte er in seinen spärlichen Erinnerungen. Von welcher Nacht sprach Boris? Kurz bevor sein Vater gestorben war? Aber er erinnerte sich nicht daran, seinen Vater sterben gesehen zu haben… Oder doch?

„Rede endlich, Kai!" Mit einer für einen Mann seines Alters erstaunlichen Kraft riss Boris Kai vom Boden hoch. Seine kalten Hände krampften sich schmerzhaft um Kais Hals, bis er kaum noch Luft bekam. „Ich weiß, dass du das Versteck kennst! Du warst da, in dieser Nacht, ich habe dich gesehen. Dich und deine Mutter! Ihr seid durch den Hinterausgang geflohen, kurz bevor wir ankamen. Wir haben euch laufen lassen, weil ich dachte, dein Vater hätte den Schlüssel. Aber er hat ihn ihr gegeben! Sie hatte ihn bei sich, als ihr geflohen seid! Wohin hat sie ihn gebracht, Kai? Wo hat sie ihn versteckt? Rede endlich, verdammt noch mal!"

Kai hörte nur noch mit einem Ohr zu. Diese Nacht… Bilder begannen vor seinem inneren Auge in kurzer Folge aufzublitzen, zu schnell, um sie zu einem sinnvollen Ganzen zusammenzufügen. Das Gesicht seines Vaters, angsterfüllt, panisch. Seine Mutter, immer wieder dieselben Worte schreiend, beinahe hysterisch. Arme, die ihn hochhoben. Schnee, überall Schnee. Schreie irgendwo hinter ihm. Kälte. Nichts als Kälte… Und diese Augen. Rotbraun wie seine eigenen, stumpf, leblos und irgendwie… traurig… Und dann… schwarz… alles schwarz…

„Hey! Komm zu dir, verdammt!" Wütend schüttelte Boris den halb bewusstlosen Jungen in seinem Griff. Er hatte ihn zu hart angepackt. Der Sauerstoffmangel und sein ohnehin angeschlagener Zustand hatten ihn ohnmächtig werden lassen. Frustriert lockerte er seinen Griff und sah ungerührt zu, wie die geschundene Gestalt leblos zu Boden sackte. Er würde später wiederkommen müssen. Egal. Es spielte keine Rolle. Er hatte schon so lange gewartet, dass ein paar Stunden mehr oder weniger keine Rolle mehr spielten. Früher oder später würde Kai sein Geheimnis preisgeben, und sei es nur, um das Leben seiner Freunde zu retten. Oder sein eigenes. Er konnte warten…

..: oOo :..

„Wer sind Sie?"

Gespannt warteten die Bladebreakers darauf, dass der mysteriöse Mann Mr. Dickenson antwortete. Irgendetwas an diesem Typ war definitiv seltsam.

„Mein Name ist Luca. Luca Stratovič. Ich kannte Kais Eltern."

„Sie… waren ein Freund von Victor?"

„Wer ist Victor?" Tyson blickte gespannt von Mr. Dickenson zu dem Mann, der sich eben als Luca Stratovič vorgestellt hatte. Was in drei Teufels Namen ging hier eigentlich vor?

„Victor Markow war Kais Vater." Der BBA-Vorsitzende wandte sich nun wieder den Bladebreakers zu. „Er starb, als Kai gerade sechs Jahre alt war. Gerüchten zufolge war er Mitglied einer Geheimorganisation, von der er schließlich ermordet wurde."

Ermordet?" Ray war sprachlos. Er hatte ja gewusst, dass Kais Vergangenheit nicht gerade rosig gewesen war, mit der Abtei und allem, aber das… puh…

„Ja, er wurde ermordet", schaltete sich der Fremde nun wieder ein, „aber nicht von der Organisation. Er wurde von unseren Feinden getötet."

Ihre Feinde? Dann sind Sie auch Mitglied dieser Organisation?"

Luca beantwortete Mr. Dickensons Frage mit einem knappen Nicken. „Mein Vater war ein ranghohes Mitglied der Bruderschaft. Seine Aufgabe war es, die Prophezeiung zu schützen."

„Prophezeiung? Bruderschaft?" Das ließ Kenny aufhorchen. Bisher hatte er geglaubt, bei Kais Entführung ginge es nur um Boris' Rache an Kai und darum, Black Dranzer zurückzubekommen. Doch allmählich gewann er den Eindruck, dass sich hinter alldem noch sehr viel mehr verbarg. Geheime Bruderschaften, Prophezeiungen, Mord… Was hatte Kai ihnen noch alles verschwiegen?

Luca trat einen Schritt auf Mr. Dickenson zu und setzte sich neben ihn auf die Bank im Umkleideraum. „Das dürfte eine lange Geschichte werden…"

„Na, dann fangen Sie am besten gleich damit an!", forderte Tyson ihn salopp auf und ließ sich ebenfalls zurück in seinen Stuhl fallen.

Gebannt wandten sich aller Augen nun dem jungen Mann zu und warteten, was er zu erzählen hatte…

..: oOo :..

„Haben Sie den Schlüssel?"

„Er sagt, er weiß nichts von einem Schlüssel, Sir."

„Und das glauben Sie ihm?" Ein frustriertes Schnauben erklang vom anderen Ende der Telefonleitung. „Jetzt hören Sie mir mal zu, Balkov! Ich kenne meinen Enkel! Er ist gerissen und fürchtet weder Tod noch Teufel. Er würde Ihnen noch ins Gesicht lügen, wenn Sie ihm seine Arme und beide Beine brechen. Er muss wissen, wo der Schlüssel ist! Sie hatte den Jungen bei sich, als sie geflohen ist, Herrgott noch mal! Er hat gesehen, wohin sie ihn gebracht hat. Bringen Sie ihn zum Reden. Egal, mit welchen Mitteln! Ich habe nicht mein ganzes Leben damit verbracht, nach diesem verdammten Ding zu suchen nur um jetzt mit leeren Händen dazustehen!"

„Selbstverständlich, Sir. Aber wie Sie selbst gesagt haben, Sir", Boris schluckte hörbar. Er wusste, was er zu sagen im Begriff war würde Voltaire nur noch mehr in Rage versetzen. „Es ist schwer, etwas zu finden, das ihn dazu bringen könnte zu reden."

„Stellen Sie sich nicht dumm, Balkov!", erklang die wütende Stimme des alten Mannes. „Er ist mit Ihnen gekommen, als Sie ihm gedroht haben, seine Freunde zu töten. Er wird Ihnen auch dieses Geheimnis anvertrauen, wenn er glaubt, damit ihr Leben retten zu können. Und beeilen Sie sich damit! Sie wissen, es wird nicht mehr lange dauern, bis er nicht mehr fähig sein wird irgendetwas zu sagen."

„Ja, Sir, verstanden. Ich werde die Antworten bekommen, die wir brauchen."

Mit diesen Worten hängte er ein. Er war nur froh, dass der Alte sicher verwahrt hinter Gittern saß. Durch einen Telefonhörer war seine Wut bei weitem nicht so beängstigend, als wenn er direkt vor einem stand…

..: oOo :..

„Vor tausenden von Jahren beherrschten Wesen die Erde, die ihr heute als Bit Beasts kennt. Gute Geister, die in machtvollen Gegenständen gewissermaßen ‚wohnten'. Sie stellten ihre Kräfte stets in den Dienst starker Krieger, um ihnen im Kampf beizustehen. Ich nehme an, eine ähnliche Geschichte habt ihr schon einmal gehört, nicht wahr?"

Ein Blick in die Runde zeigte Luca nur nickende Gesichter, gespannt darauf mehr zu erfahren.

„Die Legende erzählt von einem dieser Geister, welcher der Ursprung aller Bit Beasts sein soll. Sein Name ist Suzaku. Ein mächtiger Phönix, dessen Kräfte alles Vorstellbare übersteigen."

„Ein Phönix? Wie Dranzer?"

Luca wandte sich Max zu. „Ja. Dranzer ist aller Wahrscheinlichkeit nach ein direkter Nachfahre Suzakus."

„Wow…" Kein Wunder, dass Kai so sehr an seinem Bit Beast hing. Anscheinend war es wirklich etwas Besonderes…

„Als die Menschen anfingen, die Macht der Bit Beasts für ihre Zwecke zu missbrauchen, wurde Suzaku zu einem äußerst begehrten Objekt und gleichermaßen zu einer großen Bedrohung. Viele haben versucht, seine Macht zu bändigen. Angeblich hat Suzaku die Fähigkeit, seinen Geist nicht nur in einen mächtigen Gegenstand einzuschließen, sondern ihn gleichermaßen an eine menschliche Seele zu binden."

„Wollen Sie damit sagen, dieses Bit Beast kann von einem Menschen Besitz ergreifen?"

„Überrascht dich das etwa, Kenny?" Luca sah den kleinen Japaner forschend an. „Ihr alle habt bereits einmal gesehen, dass so etwas möglich ist."

„Was meinen Sie damit?"

„Black Dranzer…", beantwortete Ray Tysons Frage an Lucas Stelle. „Nicht wahr?"

„Richtig, Ray. Black Dranzer ist gewissermaßen eine Imitation von Suzaku. An Kraft und Fähigkeiten seinem Vorbild sehr ähnlich. Allerdings wurde Black Dranzer künstlich erschaffen – und ohne Suzaku als ‚Vorlage'. Black Dranzer wurde auf der Grundlage von Dranzers Daten geschaffen. Er ist sozusagen Dranzer mit Sonderausstattung. Er sollte nur als Prototyp dienen."

„Prototyp? Wofür?" Kenny lehnte sich interessiert nach vorne, um nur ja nichts von Lucas Geschichte zu verpassen. Er wurde das Gefühl nicht los, dass sie alle nahe daran waren, Kais Geheimnis auf die Spur zu kommen. Was immer er vor ihnen verbarg, Luca schien die Wahrheit zu kennen…

„Eine wirklich gute Frage, Kenny. Und sie führt uns direkt zur Prophezeiung. Um Suzaku vor der Machtgier der Menschen zu schützen, gründeten einige wenige Krieger, die der Überzeugung waren, dass die Macht der Bit Beasts nur für das Gute eingesetzt werden dürfe, die „Brazstvo Phenixa" – die Bruderschaft des Phönix – eine Organisation, deren einzige Aufgabe es war, Suzakus Geheimnis zu bewahren. Mit Suzakus Einverständnis wurde sein Geist in einem geweihten Gegenstand versiegelt und in einem weit verzweigten unterirdischen Labyrinth, welches extra für diesen Zweck angelegt worden war, versteckt. Der Zugang zu diesem Irrgang wurde verschlossen und ist nur durch einen Schlüssel zu öffnen, den mit ihrem Leben zu schützen sich die Mitglieder der Bruderschaft zur Aufgabe gemacht haben. Zur selben Zeit als die Bruderschaft ins Leben gerufen wurde, also vor etwa viertausend Jahren, prophezeite ein ägyptischer Seher, dass eines Tages ein Krieger geboren würde, mit reinem Herzen, dem es gelingen sollte, Suzakus Geist in seiner Seele zu beherbergen und seine volle Macht zu nutzen. Bis dieser Krieger in Erscheinung treten wird, ist es Aufgabe der Bruderschaft, Suzakus Versteck zu schützen, damit niemand sonst seine Macht missbrauchen kann."

Als Luca seine Geschichte beendet hatte, sah er sich im Raum um. Erstaunte Gesichter begrüßten ihn von allen Seiten. Doch sie schienen ihm zu glauben. Gut. Das war mehr, als er erwartet hatte. Es hatten ihn schon ganz andere Leute für verrückt erklärt, wenn er mit dieser Geschichte ankam. Nicht, dass er oft Gelegenheit hätte, sie zu erzählen…

„Ist denn…", begann Kenny zögernd, „ich meine, hat es je jemanden gegeben, der dieser Krieger hätte sein können?"

Luca sah ihn schwach lächelnd an. „Nein. Einige sind an die Bruderschaft herangetreten und haben behauptet, der Auserwählte zu sein, doch keiner hat je die Prüfung bestanden."

„Prüfung?", fragte Ray erstaunt. Diese Geschichte wurde ja immer haarsträubender…

„Ja. In der Vergangenheit, vor der Bruderschaft, haben viele versucht, Suzakus Geist in sich aufzunehmen. Die meisten sind bei dem Versuch gestorben oder verrückt geworden. Keiner hat dieses Unterfangen je unbeschadet überstanden, geschweige denn dass es jemandem gelungen wäre, Suzakus Geist in seiner Seele zu behalten. Allerdings trug letztlich jeder das Potential in sich, der besagte Krieger zu sein. Es gab kein äußerliches Erkennungsmerkmal, das den Auserwählten eindeutig gekennzeichnet hätte. Also hat die Bruderschaft schließlich festgelegt, dass jeder, der behauptet dieser Auserwählte zu sein sich einer Prüfung unterziehen muss, die seine physische Stärke, seinen Geist und seine Willenskraft auf die Probe stellt. Die Führer der Bruderschaft glauben, dass, wer diese Prüfung nicht besteht, Suzaku auf keinen Fall gewachsen und damit nicht der prophezeite Krieger sein kann. Bisher hat niemand die Prüfung bestanden."

„Sie sagen, wer sie nicht besteht, ist Suzaku nicht gewachsen. Was, wenn er sie besteht? Bedeutet das dann, er ist Suzaku gewachsen?"

Luca bewunderte Kenny im Stillen für seine Cleverness. Dieser Junge wurde nicht umsonst als kleines Genie gehandelt. „Nein, ich fürchte nicht. Wie gesagt, bisher hat niemand die Prüfung bestanden. Wir wissen also nicht, ob sie Suzaku in ihren Anforderungen wirklich gerecht wird. Aber um ehrlich zu sein – ich glaube es nicht. Sollte jemals jemand die Prüfung bestehen, sollte er sich besser noch nicht am Ziel seiner Träume wähnen. Es könnte immer noch sein, dass er nicht der Auserwählte ist und den Versuch, Suzaku in seine Seele aufzunehmen mit dem Leben bezahlt."

Die Stille, die sich über den Raum legte, hatte beinahe etwas Ehrfürchtiges. Luca konnte förmlich spüren, wie die Jahrtausende alte Mischung aus Furcht und Faszination, die seit jeher mit dem Namen Suzaku untrennbar verbunden war, sich nun ihren Weg in die Herzen dieser Jungs hier bahnte. Gut. Es war wichtig, dass sie begriffen wie gefährlich Suzakus Macht sein konnte.

Schließlich war es Tyson, der das Schweigen brach. „Was ich nicht verstehe ist – was hat das alles mit Kai zu tun?"

Über Lucas feine Züge legte sich augenblicklich ein trauriger Schatten. „Wie gesagt, Kais Eltern waren Mitglieder der Bruderschaft. Ihre Aufgabe war es, den Schlüssel zu verwahren und vor unseren Feinden zu schützen – jenen Menschen, die Suzakus Macht für sich und ihre Gier nach Macht besitzen wollen. Jemand kam dahinter, dass sie den Schlüssel haben und hat sie in die Enge getrieben – und schließlich ermordet."

„Wer?" Es war kaum mehr als ein Flüstern. Und Ray war sich sicher, dass er die Antwort auf diese Frage bereits kannte.

„Voltaire Hiwatari."

Voltaire hat Kais Eltern getötet?" Max konnte es nicht glauben. Er war sein Großvater! Das bedeutete, dass er mit Kais Eltern sein eigenes Kind getötet hatte! Der Kerl war echt krank!

„Ja. Kais Mutter, Anna, war Voltaires Tochter. Er war schon lange Zeit hinter Suzaku her, und als er schließlich herausfand, dass ausgerechnet dieser nichtsnutzige Victor Markow, den seine Tochter gewagt hatte gegen seinen Willen zu heiraten, ein Mitglied der Bruderschaft und noch dazu Hüter des Schlüssels war, nach dem er schon so lange suchte, wähnte er sich am Ziel seiner teuflischen Pläne. Er überfiel Victor in seinem eigenen Haus um den Schlüssel von ihm zu fordern. Victor hat ihm gesagt, er solle sich zum Teufel scheren, und dass der Schlüssel längst in Sicherheit sei. Da dämmerte Voltaire, dass Victor den Schlüssel Anna gegeben hatte, die kurz zuvor mit Kai eilig das Haus verlassen hatte. Er hatte keine Verwendung mehr für ihn, also gab er Balkov Befehl, Victor zu töten und nahm die Verfolgung seiner Tochter auf. Als er sie schließlich einholte, hatte sie den Schlüssel nicht mehr bei sich. Sie sagte ihm, sie hätte ihn zurück zur Bruderschaft gebracht, wo er in Sicherheit und außerhalb Voltaires Reichweite war. Als ihm klar wurde, dass Anna ihm nicht mehr sagen würde, ließ er sie erschießen und nahm Kai mit sich. Kai war bei ihr gewesen, als sie den Schlüssel weggebracht hatte und Voltaire dachte wohl, einen Sechsjährigen könnte er leicht zum Reden bringen. Ha, aber da hat er unseren jungen Kai wohl gehörig unterschätzt!" Obwohl Lucas Lachen bitter klang konnte Kenny doch eine Spur von Stolz darin mitschwingen hören.

Also darum ging es hier: Boris hatte Kai entführt, weil er der Überzeugung war, dass er wusste wo sich dieser Schlüssel befand. Er würde Kai sicher so lange foltern, bis dieser ihm das Versteck dieses Schlüssels verriet. Aber…

„Wird Kai ihm das Versteck des Schlüssels verraten?" Mit einem zweifelnden Blick wandte sich Kenny Luca zu.

„Ich glaube kaum." Mit einem Mal wirkte dieser sehr besorgt. „Inzwischen bin ich mir nicht mehr so sicher, ob Kai jemals wusste, wo sich der Schlüssel jetzt befindet. Und selbst wenn er es damals wusste – nach diesem Zwischenfall mit Black Dranzer damals in der Abtei hat Kai sein gesamtes Gedächtnis verloren. Er wusste nicht einmal mehr, wer er selbst war, geschweige denn, wer seine Eltern oder die Bruderschaft waren. Nach den World Championships letztes Jahr hat er zwar seine Erinnerungen an die Abtei wiedererlangt… aber das heißt noch nicht, dass er sich auch an das erinnert, was vor der Abtei war…"

„Sie meinen, er kann sich nicht mal mehr an seine eigenen Eltern erinnern?" Ray war fassungslos. Langsam fing er an zu begreifen, warum Kai immer so seltsam war. Er selbst hatte seine Eltern bei einem Unfall verloren als er noch sehr klein gewesen war. Aber er erinnerte sich noch sehr gut an sie. Die warmen goldenen Augen seiner Mutter und dass sie immer nach Vanille gerochen hatte. Die starken Arme seines Vaters, die ihn so oft spielerisch durch die Luft geschleudert hatten, nur um ihn anschließend fest zu umarmen. Der tiefe beruhigende Klang seiner Stimme. Wenn er seine Augen schloss, sah er ihre Gesichter ganz deutlich vor sich, und die Liebe, die sich darin spiegelte. Er wollte sich gar nicht vorstellen, wie er sich fühlen würde ohne diese Erinnerungen. Einsam. Und traurig.

„Es wäre möglich", holte ihn Lucas ernste Stimme aus seinen Gedanken. „Und wenn es so ist, haben wir ein Problem…"

Fragende Blicke richteten sich aus allen Richtungen auf ihn.

„Was meinen sie mit ‚Problem'?"

„Ganz einfach, Max. Boris wird Kai so lange festhalten, bis er hat, was er will. Und um den Schlüssel zu bekommen, wird er sicher vor nichts zurückschrecken. Er hat Kai in der Vergangenheit die schrecklichsten Dinge angetan, und er wird es wieder tun. Aber er weiß auch, dass er Kai am Leben lassen muss, da er sonst seine Antworten nie bekommt. Also wird er nach einem anderen Weg suchen, um Kai zum Reden zu bringen. Er braucht ein Druckmittel – und ich fürchte, er hat bereits ein sehr wirkungsvolles gefunden."

„Ja. Uns…"

Luca brauchte darauf nichts zu antworten. Sie wussten auch so, dass Tyson ausnahmsweise den Nagel auf den Kopf getroffen hatte. Boris hatte bereits Gelegenheit gehabt herauszufinden, dass Kai wohl so ziemlich alles tun würde, um die Bladebreakers zu schützen.

„Aber… wenn er doch gar nicht weiß, wo sich der Schlüssel befindet!", gab Ray zu bedenken. „Er kann Boris nicht antworten, selbst wenn er wollte!"

„Richtig. Wie ich schon sagte: Wir haben ein Problem. Und die einzige Chance, eine Tragödie zu verhindern, liegt darin Kai so schnell wie möglich zu finden."

„So ist es", schaltete sich nun endlich Mr. Dickenson in das Gespräch ein. „Luca, Sie sagten, Sie wüssten, welcher Charterfirma der Helikopter gehört, mit dem Boris Kai weggebracht hat?"

Luca nickte kurz. „Yusakov-Air."

„Gut. Dann wollen wir hoffen, dass diese Firma nicht mit Boris unter einer Decke steckt und uns sagen kann, wohin der Helikopter fliegen sollte." Mit diesen Worten zog er sein Handy aus der Tasche und wählte die Nummer der Auskunft. Je eher er Kontakt zu dieser Firma aufnehmen konnte, desto schneller würden sie Kai gefunden haben. Er konnte nur hoffen, dass der junge Russe solange durchhielt…


Und? Wie hat's gefallen?

Ich hoffe, ich hab nicht allzu viel Verwirrung gestiftet… Sollte jemand zu dem Kapitel dringende Fragen haben, bitte via Review einfach bescheid sagen – ich werd' dann versuchen, die Sache aufzuklären.

Ein Dank an alle meine Reviewer bisher! Leider hab ich gelesen, dass anscheinend was dagegen hat, wenn man in den Stories einzelnen Reviewern dankt… Find' ich zwar ehrlich gesagt ziemlich sch…….au doch mal, die Eisenbahn! Aber ihr wisst ja auch so, wie sehr ich mich über jeden einzelnen eurer Kommis freue, oder? ;)

Und was die Vermutungen angeht: Tut mir leid, dass ich euch da enttäuschen musste… Aber ich verspreche hoch und heilig, Tala bekommt auch noch seinen großen Auftritt!

So, und jetzt: Zeit dem netten blauen Button da unten eine Daseinsberechtigung zu geben! Bitte, bitte?

Alles Liebe

Siliana

Oh, und was den Ausdruck angeht ;) Wenn du willst, schick mir doch einfach deine email-Adresse. Dann kann ich dir das gesamte Dokument schicken wenn's fertig ist! Mit der richtigen Formatierung, die mir leider immer vermurkst, wenn ich die Chapis poste… grummel