Jinai: Hallihallohallöle! Ein weiteres Fluff-kapitel für euch:D
Raffael: Ich nehme an, ich darf nichts dazu sagen.
Jinai: Nein. Du hast deine Abreibung bereits bekommen.
Raffael: Hai, hai.
Rated: T
Disclaimer: Ihr kennt die Platte ja.
Diesmal ritten sie mehrere Stunden im vollen Galopp, sodass jeder mit seinen Gedanken allein war. Es blieb keine Zeit zum Reden.
Die Exorzisten gewöhnten sich nur schwer an die Umstellung, vor allem an die Zeitumstellung. Normalerweise hatten sie fast sieben Stunden mehr Zeit pro Tag. Hier ging jede Stunde für ihre Reise drauf. Nur kurze Pausen waren ihnen vergönnt, in denen sie schlafen konnten. Sie konnten sich gerade noch so im Sattel halten, ohne einfach herunterzufallen und schlafend liegen zu bleiben. Dem Rest des Trupps ging es nicht anders. Außer Daralea, Elaine und Jinai waren alle hundemüde und hätten nur zu gern eine Pause eingelegt. Aber die drei drängten sie voran, und so mussten sie wohl oder übel folgen.
Das Gefühl, dass Jinai ihnen etwas verschwieg, wurde immer stärker in den vier Exorzisten. Ein Blick genügte jedem von ihnen, um festzustellen, dass die anderen drei auch so dachten. Der Rest der Gruppe, die inzwischen auf ungefähr siebzig Reiter angewachsen war, schien davon nichts mitzubekommen. Stur folgten sie ihrer Königin und deren Familie.
Die Stunden vergingen zäh. Keiner der vier Exorzisten konnte abschätzen, wie viel Weg sie seit ihrem Eintreffen schon zurückgelegt hatten. Und sie spricht von einem kleinen Land. Lavi seufzte nicht, denn er musste seine Atmung auf Maars Schritte einstellen. Wenigstens ritten sie nicht mehr durch den Wald. Schon bevor sie das Schloss des Grafen erreicht hatten, hatten sie den Wald verlassen. Jetzt folgten endlose Wiesen und Trampelpfade zwischen Feldern hindurch. Sie bekamen kaum einen Menschen zu Gesicht. Wenn sie jemanden trafen, so waren das Bauern und ihre Familien, die beim Anblick der Reiter erst Furcht erfüllt das siebenzackige Gebetszeichen schlugen und dann, wenn sie die königliche Familie sahen, die Stirn in den Staub drückten und nicht wieder aufstanden, bis sämtliche Reiter vorbei waren.
Bis wir endlich angekommen sind, weiß ganz Leharein Bescheid.
Allen warf einen Blick zu Jinai, die an der Spitze der Reiterschar ritt. Sie ließ sich ihre Müdigkeit nicht anmerken.
Als Königin muss sie immer perfekt sein. Ich würde das nicht aushalten.
Linali dachte dasselbe wie Allen. Hier, in dieser Welt ohne Akuma, Noah oder Millennium-Grafen konzentrierten sich fast alle ihre Gedanken auf Jinai. Sicher, sie dachte auch oft an ihre Welt, aber im Moment konnte sie nichts tun. Sie saßen hier noch eine halbe Woche fest. Es brachte nichts, sich Sorgen um ihre Welt zu machen. Damit änderte sie nichts. Sie musste sich darauf konzentrieren, dass sie bald wieder nach Hause kamen. Allerdings ohne Jinai. Dass sie ohne sie gingen und sie nie wieder sehen würden, kam ihrem Tod gleich. Linali dachte nicht gerne an diesen Abschied. Sie wusste, dass es den anderen nicht besser ging. Besonders Lavi. Jinai war seine kleine Schwester, seine imouto, wie er immer sagte. Auch Allen würde das nicht kalt lassen. Sie alle hatten Jinai sehr gern gewonnen.
Linali warf einen Blick zu Kanda, der wieder neben ihr ritt. Sie wusste nicht, was er über Jinai dachte, aber so, wie er sich verhielt, machte es ihm wahrscheinlich nicht viel aus. Sie kannte den Japaner zwar schon seit ein paar Jahren, aber sie wagte es nicht, sich als seine Freundin zu bezeichnen. Er tolerierte sie. Lavi musste er in Kauf nehmen. Und Allen ebenfalls. Wenigstens hatten die beiden weniger miteinander zu tun.
Aber bei Jinai verhielt es sich anders. Lavi hatte zwar behauptet, dass Kanda vielleicht mehr für sie empfinden könnte, aber Linali wollte nicht so recht daran glauben. Er hätte Linali genauso behandelt, wenn sie ihn ‚Yuu-chan' genannt hätte. Aber weil sie das nicht tat, war er ihr gegenüber immer noch ein wenig… sagen wir mal, weniger eisig. Aber Jinai trieb ihn ständig zur Weißglut. Kanda war bestimmt froh, wenn er sie nicht mehr zu sehen brauchte.
Linali sah noch mal zu ihm hinüber. Ein so unfreundlicher Mensch hatte Liebe gar nicht verdient. Dann schüttelte sie den Kopf. Sie maßte sich ein Urteil an, über Dinge, die sie nichts angingen und über die sie nichts wusste. Wer wusste schon, was Kanda Yuu dachte.
Niemand außer Kanda Yuu persönlich.
Und der war gerade mit demselben Thema beschäftigt. Leider kam er nicht davon los. Seine Gedanken kreisten unablässig um das Mädchen, das nur wenige Meter vor ihm ritt. Es war anstrengend, Tir zurückzuhalten. Der Hengst spürte Kandas Anspannung und reagierte darauf, indem er immer weiter nach vorne drängte. Unruhig zog er an den Zügeln.
Kanda musste selbst ruhig werden, bevor Tir sich beruhigen konnte. Einfacher gesagt als getan. Also blieb ihm nichts anderes übrig, als Tir die Zügel schießen zu lassen. Sofort verlängerte der Araberpinto seine Schritte, ging raumgreifender und verkürzte den Abstand zwischen sich und Elao.
„Oi, baka neko." Kanda war es egal, dass Daralea und Elaine auf Jinais anderer Seite ritten.
„Du wünscht?" Jinai lächelte ihn an.
Teufel, kann sie denn nichts anderes als lächeln? Da kann man ja nicht mehr klar denken.„Wie lange willst du diesmal durchreiten? Zwei oder drei Tage?"
„Wenn du eine Pause machen willst, sag es ruhig."
„Che"
Jinai warf einen Blick zurück. „Okay, aber wir bleiben nicht lang."
Anscheinend dachte sie, er würde um der anderen drei willen fragen. „Du hast mein Frage nicht beantwortet."
„Gerade eben. Wir machen jetzt eine Pause, dann reiten wir weiter. Es ist ja nicht mehr weit."
Wenn es nicht mehr weit ist, warum ist sie dann so in Eile? Gerade jetzt könnten wir uns doch ein wenig Zeit lassen.
Jinai hob den Arm zum Zeichen, dass der Trupp die Pferde zurücknehmen sollte. Sie lenkte Elao auf eine große Wiese, wo genug Platz für die Schar an Menschen und Reittieren war. „Ihr habt Zeit bis Sonnenuntergang. Wenn die Sonne untergegangen ist, reiten wir weiter."
Drei Viertel der Reiter atmeten erleichtert auf. Auch wenn ihre Pferde mehr Durchhaltevermögen hatten als die Pferde in der Welt der Exorzisten, ihre Reiter hatten es durchaus nicht. Die Pause kam ihnen sehr gelegen.
Jinai stieg als einzige nicht ab. Elao tänzelte unruhig und verriet damit, wie sehr sie darauf brannte, weiter zu reiten. „Ich werde ein Stück weit reiten. Elao braucht noch ein bisschen Bewegung. Ich bin rechtzeitig wieder da."
„Du solltest jemanden mitnehmen." Daralea brauchte Jinai allerdings nicht an die Gefahr erinnern.
„Wer mit mir mithalten kann, soll meinetwegen mitkommen." Sie ließ Elao mehr Zügel und sofort schoss er los, dass der Schnee stob. Ihr Rock und ihre Haare flatterten im Wind, als sie sich immer weiter von der Gruppe entfernte.
„Und worauf wartest du noch?" Lavi sah Kanda an, der gerade absteigen wollte.
„Drück dich klar aus."
„Tir ist als einziger schnell genug, um mit Elao mithalten zu können. Du musst ihr folgen."
„Che. Wieso soll ich auf das Gör aufpassen? Sie kommt sehr gut allein zurecht."
„Kanda, ihre Großmutter hat darauf bestanden. Bitte." Linali warf einen Blick zu Daralea.
Kanda folgte ihrem Blick. Daralea stand da und sah ihn erwartungsvoll an. Chikushou. Wieso gerade ich? Kanda knurrte unwillig. Tir nahm das als Zeichen, Elao zu folgen. So sah Kanda auch nicht mehr, wie Daralea ihrer Enkelin kurz sorgenvoll hinterher blickte und dann ihren Blick verbarg. Ceathan war schon immer ungeduldig gewesen. Auch wenn Jinai das nicht wollte, war es doch besser, wenn sie ihm nicht allein gegenüberstand, sollte er auftauchen.
Die Hufe des Hengstes donnerten, als er seinen Freund einholte. Kanda konnte inzwischen gut genug reiten, um sich problemlos auf Tirs Rücken zu halten. Tir wieherte freudig, als Elao nur noch zwei Pferdelängen entfernt war. Der erwiderte den Gruß, streckte sich dann aber, um noch schneller zu galoppieren.
Jinai wandte sich kurz um. Kanda schien es gar nicht zu gefallen, dass man ihn gezwungen hatte, ihr zu folgen. Aber wem gefiel es schon, zu etwas gezwungen zu werden? Sie lachte, als Tir wieder kleiner wurde. Er und Elao spielten dieses Spiel schon seit ihrem ersten Treffen. Seit sie Fohlen gewesen waren, waren sie immer um die Wette gerannt. Heute war es eine gute Gelegenheit, um die Spannung abzubauen, die ihre beiden Reiter auf sie übertragen hatten.
Tir wurde ebenfalls schneller. Bald lagen die beiden Kopf an Kopf. Jinai hatte inzwischen das Rennfieber gepackt. Sie wollte auf jeden Fall beweisen, dass Elao schneller war. „Bis zu dem umgefallenen Baum!" Sie musste schreien, damit Kanda sie verstand. „Gleiche Bedingungen wie beim letzten Mal!"
Die Kämpfer dürfen Einsätze machen, die einen Anreiz auf den Sieg bieten sollen. Ein Wunsch.
Er nickte nur. Hinterher fragte er sich dann, wieso er zugestimmt hatte.
Jinai sah wieder nach vorne. Elao wurde noch schneller, aber Tir blieb ihm dicht auf den Fersen. Der Baumstamm kam immer näher. Beide Pferde setzten zugleich darüber. Auf der anderen Seite brachten ihre Reiter sie langsam zum Schritt. Alle vier atmeten schwer.
„Da hinten ist ein Bach. Wir sollten sie kurz tränken." Jinai wies auf ein paar Bäume, nur zwanzig Meter entfernt.
Sie stiegen ab, lockerten kurz die Sattelgurte, damit die Pferde etwas freier atmen konnten und führten sie dann zu den Bäumen. Jinai ließ sich erschöpft unter einen der kahlen Bäume fallen, während die Pferde im seichten Bach tranken. „Setz dich hin. Du siehst erschöpft aus."
„Che-" Er kam nicht dazu, auch nur diesen einen Laut vollständig auszusprechen.
Sie hatte ihn am Mantel gepackt und neben sich gezogen. „Keine Widerrede. Ich bin Königin und das war ein Befehl." Ihr erschöpftes Lächeln strafte ihre Worte Lügen. Im Moment war sie einfach nur glücklich. „Also, wir haben Gleichstand. Was machen wir?"
„Vergiss es. Ich hab gewonnen."
„Einen Schwachsinn hast du. Ich habe gewonnen."
„Hast du nicht gerade von Gleichstand geredet, baka?"
„Ich wollte großzügig sein."
„Che"
„Dann halt nicht." Sie schwieg eine Weile. Dann sprach sie weiter. „Was wäre dein Siegerpreis gewesen?"
Kanda hatte einen Moment keine Antwort. Darüber hatte er gar nicht nachgedacht. Er rettete sich gerade noch rechtzeitig. „Gar nichts. Ich hab nur mitgemacht, weil du sonst nicht angehalten hättest."
„Danke."
Kanda setzte sich mit einem Ruck auf. „Wofür bedankst du dich jetzt schon wieder!?"
Sie lächelte ihn mit glühenden Wangen an. „Dass du mitgemacht hast."
Er konnte sie nur anstarren. „Du bedankst dich echt wegen jedem Blödsinn." Das konnte er allerdings erst sagen, als er seine Sprache wieder gefunden hatte.
„Meinst du? Aber so bin ich erzogen worden."
Kanda lehnte sich wieder an den Baum. „Dann hat deine Großmutter irgendwas falsch gemacht. Du nervst."
„Ja, Kanda-sama."
Er sah sie entgeistert an. Kanda-sama!?
Jinai grinste „Ich breche nie ein Versprechen. Und ich habe versprochen, dass ich dich einundzwanzig Stunden lang nur noch ‚Kanda' nenne."
„Aber –sama!?"
„Lavi. Wäre dir etwas anderes lieber?"
Wieder konnte er sie nur anstarren.
„Was?", fragte sie schließlich.
„Ich bring ihn um."
„Wen? Lavi? Aber wieso das denn?"
„Weil."
„Das ist keine Antwort."
„Doch."
„Aber keine zufrieden stellende."
„Che."
„Armer Schatz, so verwirrt, dass er nur mehr ein Wort auf einmal herausbringt." Sie legte spaßhalber die Hand auf seine Stirn. „Du wirst doch nicht etwa krank?"
Er schlug ihre Hand weg, als hätte er sich verbrannt. „Lass den Scheiß."
„Spricht nicht mehr einsilbig. Patient geheilt." Ihre gute Laune ließ sich anscheinend durch nichts trüben.
Kanda fuhr hoch und drehte sich zu ihr herum. Im selben Moment machte Elao einen Schritt zur Seite.
Auf einmal saß Kanda im Bach. Seine Hose und sein Mantel sogen sich voll mit dem eiskalten Wasser. Verblüfft starrte er den Hengst an, dann sah er zu Jinai hinüber.
Die brach in Gelächter aus. Sie hielt sich den Bauch und legte das Gesicht auf die aufgestellten Knie, um das Lachen wenigstens etwas zu dämpfen. „Entschuldige, aber", sie lachte, „das war- das-", wieder Lachen, „einfach-", mehr brachte sie nicht heraus. Aber langsam beruhigte sie sich.
Sie stand auf und hielt ihm die Hand hin. „Hier, ich helfe dir."
Kanda packte ihre Hand.
Dann saß sie auch im Bach. Er hatte sie einfach neben sich gezogen.
„Wofür-"
„Du hast gelacht."
„Aber es sah einfach zu komisch au-"
Platsch! Ein Schwall Bachwasser traf sie. Kanda hatte ihn direkt in ihr Gesicht gelenkt.
„Das war jetzt unfair!"
Platsch!
Kandas Gesicht.
„Ach, und das nicht?"
„Nein. Du hattest es verdient. Und jetzt sollten wir aufstehen. Es wird kalt."
Sie versuchten aufzustehen, aber die Steine im Bett waren rutschig. Immer wieder glitten sie darauf aus und konnten gerade noch das Gleichgewicht halten. Schließlich schafften sie es aus dem Bachbett heraus und ließen sich wieder unter den Baum fallen. Jinai lachte immer noch. Das war auch ihr größtes Problem gewesen, als sie aufstehen hatte wollen. Gleichzeitig auf nassen Steinen zu balancieren und zu lachen war schwierig.
Das Wasser in ihrem Kleid und ihren Haaren verdampfte. Sie drehte den Kopf, um Kanda anzusehen. „Du solltest die Haare aufmachen."
„Wieso?"
„Dann kann ich sie besser trocknen. Beug dich ein Stück vor." Sie zog vorsichtig das Haarband von seinen nassen Haaren und legte es beiseite. Dann fuhr sie mit beiden Händen durch die schweren Strähnen, sodass sie das Wasser davon isolieren und verdampfen lassen konnte. Nach ein paar Minuten waren seine Haare trocken. Sie machte ihm einen neuen Zopf. „Bitteschön."
Er tastete nach seinem Zopf. Alles trocken. Dafür kribbelte jetzt seine Kopfhaut.
„Haare sind schwerer zu trocknen als Stoff. Deine Hose musst du also selber trocken bekommen."
„Ich weiß, wie das geht." Sein Mantel trocknete bereits.
„Und ich weiß, dass du weißt, wie das geht. Ich habe es dir ja beigebracht." Sie lächelte wieder.
„Kannst du eigentlich auch was anderes als lächeln?" Diese Frage wollte er eigentlich schon seit Wochen stellen.
„Ja. Aber du bringst mich einfach zum Lachen."
Kanda zog die Augenbraue hoch.
Hinter ihnen ging gerade die Sonne unter. „Die Pause ist bald um", meinte Jinai. „Wir sollten zurück reiten, ehe sich Nana noch Sorgen macht." Sie stand auf.
Beide griffen nach den Zügeln ihrer Pferde und stiegen auf.
„Willst du noch ein Rennen?"
„Nein."
„Schade." Jinai trieb Elao an. „Diesmal hättest du bestimmt gewonnen."
„Ich hab gewonnen."
„Wenn du das glauben willst…" Sie neckte ihn.
„Che"
Sie ritten im Schritt zurück. Elao und Tir wären gerne galoppiert, aber das konnten sie noch genug, wenn sie wieder mit den anderen weiter ritten. Als der letzte Streifen Sonne den Horizont erreichte, trafen sie wieder auf die anderen.
Sie wurden bereits erwartet. „Da seid ihr ja! Deine Großmutter wollte schon jemanden losschicken, dich zu suchen, imouto."
„Aber wir sind ja rechtzeitig wieder da. Also gibt es keinen Grund zur Aufregung." Jinai sprach laut weiter. „Aufsteigen! Ende der Rast. Wir reiten weiter!"
Das taten sie dann auch, und zwar im vollen Galopp. Bis sie am nächsten Morgen zu den Toren einer großen Stadt kamen. „Laros", sagte Jinai nur, ehe sie im Schritt durch das baumhohe Tor ritten. Die Stadt, in der ihr Winterpalast lag.
Laros war riesig. Die Stadt musste zwischen 20- und 30.000 Einwohner haben. Gebaut auf einem riesigen Hügelplateau, schraubten sich die Häuserreihen den Hang entlang bis zum Schloss. Mehrere Kirchen waren zu sehen, alle auf das Areal der Stadt verteilt. Je höher die Häuser lagen, desto größer und prächtiger wurden sie. Die Schlösser des Adels.
An den Palast im Herzen der Stadt reichten sie trotzdem nicht heran. Die Mauern, die sich um die Palastgebäude zogen, waren gut und gerne zehn Meter hoch. Als sie durch das Palasttor ritten, mussten sie ungefähr zwanzig Meter in einem Tunnel reiten. Dann erst folgte ein zweites Tor. Beide Tore waren durch schwere Holztüren und Eisengitter gesichert. Vor und nach jedem Tor standen zwei Wachen. Auf dem Wehrgang patrouillierte noch mal eine Armee aus Soldaten.
Der Burghof –Palasthof konnte man das ja schon nicht mehr nennen, trutzig wie er war- wimmelte vor Menschen, die den unterschiedlichsten Tätigkeiten nachgingen. An der Mauer befanden sich verschiedenste Gebäude: Die Stallungen, eine Schmiede, Waschhäuser, etc. Die Leute eilten von einem Gebäude zum nächsten, an den Händlern vorbei, die die Waren für den Hof lieferten. Hier befanden sich auch die Unterkünfte für die Palastwache und ein Übungsplatz, so groß wie der Schlosshof der Otaris. Dahinter lag eine weitere Mauer, höher und schmaler als die vorherige. Hinter ihr konnte man das Hauptgebäude sehen, einen Palast von riesigen Ausmaßen. Die Mauer zog sich um den gesamten Palast und die dazugehörigen Gärten.
Als die Leute auf dem Hof den Trupp Reiter sahen, blieben sie stehen. Dann erkannten sie ihre Herrscherin. Jubel brach aus, der sich wie ein Lauffeuer über den gesamten Burghof erstreckte. Der Lärm war ohrenbetäubend. Er folgte ihnen, bis sie das Tor zur Mauer des Hauptgebäudes passiert hatten. Sofort nach ihnen wurde es geschlossen; der Lärm wurde auf ein Summen gedämpft.
„Alle Achtung, imouto, du bist ganz schön beliebt. Das müssen mehrere hundert Menschen gewesen sein."
„Alles Angestellte und Händler." Jinai richtete den Blick weiterhin stur gerade aus.
„Ihr habt so viele Angestellte in einem einzigen Schloss!?" Lavi riss sein Auge auf.
„Nach der Zerstörung des Sommerpalastes wurden alle hierher gebracht. Gut die Hälfte der Leute da draußen wird nach dem Wiederaufbau wieder verschwinden."
Lavi sprach leise, damit ihn niemand außer ihr hören konnte. „Eine Frage, imouto. Wie groß ist Leharein wirklich? Du hast immer von einem kleinen Reich gesprochen, aber…"
„Es ist nicht ganz das, was du erwartet hast? Dabei ist Leharein das kleinste der sieben Königreiche. Es ist in euren Maßstäben nur ungefähr fünf Millionen Quadratkilometer groß."
„Das ist halb Europa!"
Sie zuckte mit den Schultern. „Martein ist fast so groß wie euer Asien. Wir hatten Glück, dass wir so nahe an Laros gelandet sind. Sonst hätten wir zu Pferde Wochen gebraucht, um hierher zu gelangen." Jinai stieg ab. Sofort kamen ihr ungefähr zwanzig Frauen entgegen, alle in feine Gewänder gehüllt und bis zum Abwinken mit Schmuck behangen. Sie knicksten und zwitscherten dann laut durcheinander. Es ging wohl um das Aussehen Ihrer Majestät.
Diese machte eine Handbewegung und sofort verstummten die Frauen. „Ich werde erst mein Pferd versorgen. Dann werde ich mich um meine Gäste kümmern. Und erst dann werde ich mich in diese Folterkammer begeben." Sie sprach offensichtlich von einem Ankleidezimmer, in das sie ihre Hofdamen bringen wollten.
Jinai wandte sich zu den vier Exorzisten um. „Ihr bekommt eure Räumlichkeiten für die nächsten vier Tage im Palast. Euer Training wird fortgesetzt, bis ihr uns verlasst. Jetzt führen wir die Pferde in ihre Ställe und versorgen sie. Dann zeigen Elaine und ich euch das Porträt meiner Eltern, auf das sie so brennt. Und dann muss ich mich foltern lassen. Das heißt, ihr werdet mich eine Weile nicht zu Gesicht bekommen. Frühestens zu Mittag können wir dann unser Training fortsetzen." Während sie das sagte, war sie schon in Richtung der privaten königlichen Stallungen vorgegangen. Die Exorzisten, die Otaris, Aaron, ihre Tante und Elaine folgten ihr. Die Diener hatten sie außerhalb gelassen, wo sie ihre Pferde versorgten. Sie würden nachkommen.
Kein zwei Minuten hier und schon so ein Chaos. Jinai warf einen Blick auf ihre Hofdamen. Ich hasse Kleider.
„Schade. Dabei siehst du so hübsch darin aus."
Turam. „Lass das, Nii-san, wenn du nicht eines äußerst qualvollen Todes sterben möchtest." Sie führte Elao in seinen Stall und begann, ihn abzusatteln.
„Aber er hat Recht, Jinai. Du siehst wunderschön aus."
„Bitte nicht du auch noch, Linali. Erstens tue ich das nicht und zweitens bin ich die ganze Nacht durchgeritten, also kann ich gar nicht so aussehen."
„Wieso reagierst du immer so ablehnend, wenn man dir ein Kompliment macht?" Lavi klang beleidigt.
„Weil ich gelernt habe, dass sie meistens nicht wahr sind." Sie dämpfte ihre Stimme. „In der feinen Gesellschaft wimmelt es nur so von Speichelleckern, die dir das Blaue vom Himmel heruntererzählen, weil sie sich irgendetwas davon erhoffen."
„Aber wir meinen das ernst. Du bist hübsch! Stimmt's, Yuu?"
„Halt die Klappe, du nervst."
„Alle sind so gemein zu mir! Niemand hat mich lieb!"
„Doch, Nii-san, wir haben dich lieb. Aber du bist manchmal ein wenig überdreht." Sie kam aus der Box. Die anderen waren auch gerade fertig geworden.
Elaine kam auf sie zu. „Jetzt das Bild."
Jinai lachte leise. „Ja, Wirbelwind. Das Bild. Zu Befehl."
Elaine zog sie hinter sich her. Sie schien förmlich an ihrer Cousine zu kleben, bestand auch immer darauf, neben ihr zu reiten. Ihre Stute, die sie sich von Otari geliehen hatte, hatte manchmal Schwierigkeiten, mit Elao mitzuhalten.
Sie will möglichst viel Zeit mit mir verbringen, bevor… Jinai tat es weh, dass ihre kleine Cousine so litt. Sie war wie eine Schwester für sie. Aber gegen das Schicksal konnten sie sich nicht stellen.
Sie rannten durch die schneebedeckten Gärten auf das Schloss zu. Die vier Exorzisten folgten ihnen. Kanda rannte natürlich nicht. Er begnügte sich mit einem schnellen Schritt.
Als sie im Inneren angekommen waren, verfielen sie in ein etwas langsameres Tempo. Jinai führte ihre Freunde durch die Eingangshalle, die mindestens vier Stockwerke hoch war, über eine breite Treppe in einen langen Korridor. Dort hingen an beiden Seiten überlebensgroße Ölbilder von hunderten von Königspaaren; das älteste war fast fünftausend Jahre alt. Als sie die Galerie entlang wanderten, fiel ihnen auf, wie sich die Frauen ähnelten. Das Aussehen der Königinnen veränderte sich so wenig, dass man erst alle paar Bilder einen Unterschied sah. Offenbar waren die Gene der Lehar-Frauen stark.
„Natürlich hat man diese Bilder mit Erschaffungsmagie gemalt, sonst wären sie schon längst zu Staub zerfallen. Sie sind allerdings alle Originale, also trotzdem sehr empfindlich. Das sind alles meine direkten Vorfahren. Jede dieser Frauen hat einmal Leharein regiert."
„Sind die anderen sechs Länder auch matriarchalisch?" Lavi sprach leise, damit Elaine ihn nicht hören konnte.
„Zwei von ihnen schon." Elaine hatte ihn doch gehört. „Martein und drei andere haben einen König. So wie es drei Göttinnen und vier Götter gibt, so gibt es auch drei Königinnen und vier Könige. Und alle sind bei Jinais Geburtstagsball dabei."
Jinai lächelte. „Keine Sorge, Elaine kann ein Geheimnis für sich bewahren."
Sie waren an dem vorletzten Gemälde angelangt. An allen vorherigen hatten sie Jinai in den Gesichtern der Frauen und Männer erkennen können, mit der Zeit immer stärker. Daralea hatte in ihrer Jugend Jinai tatsächlich sehr ähnlich gesehen, nur die Haare und Augen waren deutlich heller gewesen.
Sie blieben stehen. Vor ihnen hing das Porträt von Jinais Eltern. Maede war eine wunderschöne Frau gewesen. Sie hatte fast dieselben hellen Haare und Augen wie ihre Mutter, rehbraun. Von ihr hatte Jinai die Gesichtszüge und die leicht gebräunte Haut geerbt.
Naon hatte dunkle Haare und Augen. Der Maler hatte es geschafft, dieselben Reflexe wie bei Jinai einzufangen, feuerrot und golden. Die Augen waren ebenfalls fast schwarz. Er wäre die Sorte Mann gewesen, die man als eiskalt beschrieben hätte. Das lag schon in seinen kantigen Gesichtszügen. Gutaussehend, aber… kalt.
Wäre da nicht das Lächeln gewesen, das er seiner Frau zuwarf. Beide sahen nicht den Maler, sondern den jeweils anderen an. Das war das erste Porträt, das so aussah. Man konnte deutlich sehen, dass die beiden sich geliebt hatten.
Es wird mir nie vergönnt sein… ich habe ein anderes Schicksal. Jinai warf einen verstohlenen Seitenblick auf Kanda, der gelangweilt das Bild betrachtete. Noch vier Tage. Sie musste schlucken. Was nicht alles hätte sein können, würden sie nicht aus verschiedenen Welten kommen… und würde er etwas für sie empfinden. Diese Tatsache musste sie sich immer wieder ins Gedächtnis rufen.
Lavi riss sie aus ihren Gedanken. „War die Ehe deiner Eltern arrangiert?"
„Nein. Meine Mutter war die Liebenswürdigkeit in Person, sagt man. Sie hat meiner Großmutter gehorcht, wie ich es nie getan habe. Sie hat mir immer erzählt, dass Mutter nie jemanden gehasst hat. Das konnte sie gar nicht. Sie war wahrscheinlich die geduldigste, liebste und gütigste Königin, die Leharein je gehabt hat. Zumindest hat mir Daralea das immer erzählt, wenn wir uns dieses Bild angesehen haben. Sie meint, sie wüsste bis heute nicht, woher sie das gehabt hat. Von ihr jedenfalls nicht. Und mein Großvater war auch nicht so. Aber Maede hat sich ihrer Mutter in allem gefügt, bis…", sie grinste.
„Bis es dann zu der Auswahl eines Gatten kommen sollte. Ursprünglich sollte sie einen Grafen heiraten. Reich, gutaussehend, und so weiter. Aber er hat immer fürchterlich mit seiner Elementmagie geprahlt. Sie mochte ihn nicht. Trotzdem hätte sie ihn geheiratet, wenn sie nicht vorher meinen Vater kennen gelernt hätte. Naon war kein Adliger, nicht einmal niederer Adel. Ein einfacher Pferdezüchter, aber ein mächtiger Luftmagier. Sie haben sich kennen gelernt und überhaupt nicht ausstehen können. Aber irgendwie… Meine Großmutter sagt, sie weiß immer noch nicht, was damals passiert ist. Irgendwann ist Mutter einfach aufgestanden und hat gesagt: ‚Ich heirate Naon, oder gar nicht!' und ist davon nicht abgewichen. Egal, wie lange Daralea auf sie eingeredet hat. Es war ihr egal, dass die gesamte Gesellschaft die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen und sie für verrückt erklärt hat. Damals war sie zweiundzwanzig, also gerade mal acht Jahre auf dem Thron. Manche wollten sie sogar entthronen. Aber die Mehrheit war dann doch dagegen. Außerdem hätten sie die Götter erzürnt, wenn sie eine Lehar gestürzt hätten. Also wurde ihre Heirat akzeptiert und später dann auch gefeiert. Genauer gesagt, ein Jahr später."
„Als du geboren wurdest." Allen warf einen Blick zu Jinai hinüber.
Diese nickte. „Vor fast genau achtzehn Jahren. Übermorgen ist mein Geburtstag. Und gleichzeitig der siebzehnte Todestag meiner Eltern."
Elaine warf ihrer Cousine einen schnellen Blick zu. Sie hatte ihren Geburtstag um einen Tag vorverschoben, um ihn mit ihren Freunden zu feiern. Am nächsten Morgen sollten sie abreisen. Früher ging es nicht. Ihr wahrer achtzehnter Geburtstag.
„Was ist damals passiert?" Linali sah den Schmerz auf Jinais Gesicht, als sie diese Frage stellte.
„Ein Attentat. Ich sollte ermordet werden. Meine Mutter und mein Vater sind stattdessen für mich gestorben. Die Wachen kamen zu spät, um sie zu retten. Der Angreifer wurde nie gefasst. Die Götter müssen sich seiner entledigt haben. Daraufhin beschloss man, dass ich nicht sicher war. Also wurde ich versteckt. Bis ich dann erfuhr, wer ich bin. Aber das wisst ihr ja bereits." Beim letzten Satz war sie wieder ihr fröhliches Selbst. „Jetzt zeige ich euch eure Zimmer."
„Moooment. Was ist mit dem letzten Bild?" Lavi wollte weitergehen.
Jinai wurde rot. „Das ist von mir… aber das braucht ihr nicht sehen… ihr wisst ja, wie ich aussehe… gehen wir- Bitte! Elaine!"
Elaine zog Allen und Linali auf das Bild zu, Lavi auf ihren Fersen, Kanda nur knapp hinter ihnen. „Das Bild ist erst ein halbes Jahr alt. Sie hat alle Amtsinsignien tragen müssen!" Es machte ihr offensichtlich Spaß, dass Jinai noch roter wurde.
Sie blieben wieder stehen. Das Gemälde zeigte Jinai in einem langen, fließenden violetten Kleid und mit einem zarten, silbernen Diadem mit durchsichtig geschliffenen Amethysten. Sie saß auf einem purpur bezogenen Thron mit Armstützen. Über ihr das Wappen von Leharein: Die Symbole für Feuer, Erde, Wasser und Luft auf purpurnen Grund; das Wappen der Lehars. Alles in allem war das Bild durchaus geschmackvoll gehalten, nichts Protziges, keine riesige Krone, keine weiten Röcke und kein Schmuck… sah man von Jinais Abneigung gegen Kleider ab. Deswegen mochte sie das Bild wahrscheinlich auch nicht.
„Es ist furchtbar! Aber Nana hat darauf bestanden. Als siebente Hexe muss ich sowohl auf dem Thron sitzen, als auch violett tragen. Und das Wappen muss auch zu sehen sein. Am liebsten hätte ich überhaupt kein Porträt machen lass-"
„Es ist toll." Linali sah Jinai ernst an. „Ehrlich."
Allen und Lavi nickten. Lavi stellte sich neben sie, legte einen Arm um ihre Schultern und wies theatralisch auf das Gemälde: „Meine imouto- Au!" Er wich zurück, als sie eine Flamme an seine Fingerspitzen hielt. Sie versuchte, böse zu schauen, musste aber schmunzeln. Dann lachte sie.
„Ich zeige euch jetzt besser eure Zimmer. Keine Sorge, wir sperren euch nicht in die Besenkammer." Sie ging über den Korridor zurück.
Die anderen folgten ihr. Kanda blieb noch kurz stehen, bis er bemerkte, dass Lavi auf ihn wartete. Dann folgte er der Gruppe.
„Sie ist wirklich hübsch, oder? Willst du deinen Kopf riskieren und es ihr sagen?"
Kanda wandte seinen ‚Du-bist-ein-ekliges-Gewürm'-Blick an. „Nein und Nein."
„Schade. Dann wärt ihr wenigstens etwas vorangekommen." Sie folgten der Gruppe mit einigem Abstand, also bestand keine Gefahr, dass die anderen sie hören konnten.
„Was willst du damit sagen?"
„Nur weil ich eine Augenklappe trage, bin ich noch lange nicht blind."
„Aber ein Idiot, wenn du glaubst-"
„Das glaubst du doch selbst nicht, Yuu."
„Ich weiß es."
„Glaubst du? Ich nicht. Ich glaube, Jinai ist dir lange nicht so egal, wie du allen weismachen willst. Besonders ihr."
„Und wie kommst du darauf?"
„Ich bin ein Bookman. So etwas fällt mir auf."
„Dann sei woanders Bookman und lass mich in Ruhe, baka."
„Du weißt, dass du damit weder dir noch ihr einen Gefallen tust, oder?" Und noch bevor Kanda antworten konnte, hatte Lavi schon zu den anderen vieren aufgeschlossen.
Was sollte das heißen?
Also, wenn ich seine Worte richtig interpretiere-
Das war eine rhetorische Frage.
Dann bekommst du auch eine rhetorische Antwort: Ich hatte Recht und du nicht.
Und was soll das jetzt heißen?
…
Das war keine rhetorische Frage.
Sie mag dich, was gibt's da nicht zu verstehen?
Mögen ist nicht lieben.
Heute sind wir wieder philosophisch. Trennungsängste?
Wenn ich philosophisch sein soll-
Ich bitte darum.
Ich spüre den Abschied.
Das war… das war… ich finde keine Worte.
Wenigstens etwas.
Witz, komm raus, du bist umzingelt.
…
Traurig, oder? Jetzt sind wir nicht mehr ganz so enttäuscht, dabei bleiben uns nur noch wenige Tage.
Drei. Am Morgen nach ihrem achtzehnten Geburtstag werden sie das Portal für uns öffnen.
Ich könnte heulen.
Wehe.
Verstanden. Also keine Tränen. Darf ich schluchzen?
Nein.
Spielverderber.
Das hatten wir schon.
Ach, wer wünscht sich nicht jemanden, den man lieben kann und der einen genauso liebt? Du musst nicht antworten.
… Das hatte ich auch nicht vor.
… ne, Yuu. Wäre es nicht besser, du sagst es ihr?
Nein.
Aber wer weiß, vielleicht-
Nein.
Sie könnte-
Nein.
Du willst es ja nicht mal versuchen!
Genau.
Baka! Vielleicht liebt sie dich ja auch! Dann könnt ihr die verbleibende Zeit genießen.
Erstens: Nein. Und zweitens: Das bringt nichts, wenn wir uns danach nie wieder sehen.
Man möchte dich treten. Dorthin, wo die Sonne nicht scheint.
Körperlosigkeit.
Scheiße. Aaaaaah! Wuuut!
Mein Unterbewusstsein rennt Amok.
Ist es nicht besser, zu wissen, was Liebe ist, als nie geliebt zu haben!?
Nein.
Duuuuuuuuuuu!
Jinai und die anderen waren vor einer Tür stehen geblieben. Kanda war so mit seinem Unterbewusstsein beschäftigt gewesen, dass er gar nicht auf den Weg geachtet hatte.
„Das wird euer Zimmer sein." Jinai öffnete die Tür und trat ein. Elaine und die vier Exorzisten folgten ihr.
Vor ihnen lag ein reich ausgestattetes Wohnzimmer mit weichen Sofas und einem Kamin, in dem ein gemütliches Feuer brannte. An jeder Wand befand sich eine Tür. Durch eine von ihnen hatten sie den Raum gerade betreten. „Hinter jeder Tür befindet sich ein Schlafzimmer. Ich würde Linali ja auch hier lassen, wenn daraufhin nicht zweiundzwanzig Hofdamen in eine dauerhafte Ohnmacht fallen würden. Also teilt sie sich ein identisches Zimmer mit mir und Elaine." Jinai ging wieder zur Tür, gefolgt von Linali und Elaine. Sie ließ Allen, Lavi und Kanda zurück. Bevor sie die Tür wieder schloss, steckte sie noch einmal den Kopf herein. „Zu Mittag wird euch jemand zum Speisesaal führen. Ihr solltet bis dahin geduscht und umgezogen sein. Mein Hof hasst Pferdegeruch. Leider." Sie grinste und schloss die Tür.
Lavi starrte noch einen Moment auf die geschlossene Tür, dann rannte er zur ersten Tür und riss sie auf. Dann die zweite und dritte. Er blieb kurz stehen, dann marschierte er auf das zweite Zimmer zu. „Meins." Tür zu.
„Lavi, es sind nur drei Tage! Wir ziehen nicht hier ein." Allen schüttelte den Kopf und ging einfach zu einem der beiden anderen Zimmer. „Ich werde duschen." Zweite Tür zu.
Kanda ging, ohne ein Wort zu verlieren, zu der letzten Tür. Eine Dusche war jetzt genau das richtige. Dritte Tür zu.
*~*
Raffael: Was für ein treffender Titel. Tür zu.
Jinai: Ich schreibe Geschichten, keine Überschriften.
Raffael: Gehört das nicht dazu.
Jinai: ...Klappe. Wir sehen usn bald, sehr bald. In 'Schock', um genau zu sein. See ya!
Raffael: Schockierend. CU!
