9. Kapitel: Sommer, Sonne, Schwüre
„Nun, du kannst einen Unbrechbaren Schwur nicht brechen…" – Ron Weasley
Natürlich dachte Snape nicht daran die Vorschläge, die Sirius ihm in den kommenden Tagen zuflüsterte zu befolgen.
Das konnte an vielen Dingen liegen. Zum einen vielleicht daran, dass er sie gar nicht mitbekam, denn Sirius war sich immer noch nicht sicher wie dieses Schützling- beeinflussen/beraten eigentlich funktionieren sollte, und zum anderen wohl daran, dass Snapes eigener Wille zu stur war um sich Vorschlägen zu beugen.
Natürlich verbrachte Sirius auch nicht wirklich seine meiste Zeit bei Snape, denn seine Befürchtung, dass sein Schützling ein absolut langweiliges Leben führte, bewahrheitete sich schnell.
Snape schien das Haus niemals zu verlassen und dabei besaß er nicht einmal einen Muggel-Fernseher. Was er eigentlich die ganze Zeit über tat, was Sirius ein Rätsel.
Manchmal steckte er seine Nase in seine seltsamen Fachbücher und manchmal braute er Zaubertränke zusammen, was Sirius, der schon immer eine Niete in Zaubertränken gewesen war, kaum faszinierte.
Die Highlights von Snapes Leben schienen tatsächlich daraus zu bestehen Peter ab und an einen grässlichen Fluch auf den Hals zu hetzen, aber das wurde Sirius schnell langweilig. Und Peter lernte daraus und benahm sich nach kurzer Zeit schon fast wie Snapes treuer Diener, wenn er sich nicht gerade irgendwo als Ratte versteckte.
Selbst als ich noch in Azkaban eingesperrt war, war mein Leben ereignisreicher als jetzt!
Snape widerstand auch Sirius' zahlreichen Versuchen ihn dazu zu bringen etwas zu unternehmen.
An schönen Tagen versuchte er ihn ohne großen Erfolg dazu zu überreden das Haus zu verlassen und sich wenigstens in die Sonne zu legen. An den Abenden versuchte er ihn dazu zu überreden auszugehen und etwas zu unternehmen, aber auch das brachte nichts.
Lebensmittel einzukaufen und gelegentliche Besuche in der Nocturne-Allee um illegale Zutaten für seine Zaubertränke zu besorgen waren offensichtlich wirklich die einzigen Momente, in denen Snape das Haus zu verlassen schien.
Falls er sich zwischendurch mit anderen Todesessern oder den Orden traf, dann tat er das offenkundig immer ausgerechnet dann, wenn Sirius nicht bei ihm war. Und dieser hatte natürlich auch keine große Lust jede freie Sekunde bei ihm zu verbringen, vor allem, da er allem Anschein nach sowieso nichts zu tun hatte.
Jetzt beginne ich langsam zu verstehen, warum er immer so ein Griesgram ist. Wenn ich so ein Leben führen würde, wäre meine Laune auch immer im Keller.
Den Gedanken, dass er im letzten Jahr seines Lebens tatsächlich so ein Leben geführt hatte und seine Laune entsprechend gewesen war, ignorierte Sirius geflissentlich.
Ein nennenswertes Sexualleben schien Snape auch nicht zu besitzen. Nicht, dass Sirius wert darauf legte, Snivellus mit jemanden im Bett zu erwischen, aber, wenn sich Snape mit einem anderen lebendigen Wesen treffen würde, dann wäre sein Leben wenigstens weniger langweilig.
Es sei denn er treibt es mit Peter, aber wenn das der Fall sein sollte, dann will ich nichts darüber wissen. Igitt!!
Oben im Jenseits war das Leben eigentlich auch nicht viel spannender.
Regulus war, wenn Sirius ihn einmal zur Abwechslung zu Gesicht bekam, ungewöhnlich verschlossen, was Remus' Aktivitäten anging, und seinen eigenen Mentor Jack ging Sirius nach Möglichkeit aus dem Weg, da dieser ihn sonst nur wieder nach seinen Fortschritten fragen würde, von denen Sirius nichts zu berichten hatte, da es keine gab.
Gerade als es richtig frustrierend wurde, bekam Snape endlich einmal Besuch, aber nicht den, den Sirius sich erhofft hatte.
Es waren Sirius' liebende Cousinen Narcissa und Bellatrix.
Als Snape an die Türe ging, hatte Sirius zuerst nur angenommen, dass Narcissa alleine gekommen war, und fragte sich schon, ob sie vielleicht eine heimliche Affäre mit Snape hatte, doch dann folgte ihr die dunkelhaarige Hexe herein.
Ein Blick auf seine Mörderin reichte aus um Sirius alles zu vergessen lassen.
„DU!", brüllte er wütend und stürzte sich auf seine Mörderin. Und fiel natürlich durch sie hindurch. Mist, das hatte ich vergessen.
Bis er sich wieder genug gefangen hatte, hatten sich die beiden Schwestern im Wohnzimmer positioniert und begonnen sich mit Snape zu unterhalten.
Sirius schwebte hinter Bellatrix hin und versuchte sich zu konzentrieren. Wenn er sich genug Mühe gab fest zu werden, war er vielleicht in der Lage die miese Hexe zu erwürgen, die mörderisch verrückte Todesesserin, die ihn umgebracht hatte.
Dass Wurmschwanz auftauchte, wieder ging und Gläser und Wein brachte, und dann wieder ging, bekam Sirius nur am Rande mit so sehr konzentrierte er sich darauf fest zu werden. Er streckte die Hände nach Bellatrixs Hals aus, doch genau in diesem Moment begann sie wütend im Raum umherzuwandern und Gründe aufzuzählen, warum sie Snape nicht vertraute. Sirius folgte ihr und versuchte erneut sie zu berühren als sie endlich still hielt, aber leider war seine Konzentration wieder verloren gegangen, und er griff durch seine verhasste Cousine hindurch.
Verfluchte Schlampe! Wie kannst du es wagen! Ich krieg dich noch! Ich –
WUSCH!
Was ist denn jetzt passiert? Na toll, hier wollte ich eigentlich wirklich nicht sein.
Sirius verschwendete seine Zeit erst gar nicht damit herauszufinden, was ihn diesmal von der Erde weggerissen hatte, sondern ging zum Portal um so schnell wie möglich dorthin zurückzukehren.
Immerhin war Narcissa sicher aus einem bestimmten Grund zu Snape gekommen, und diesen musste Sirius wissen. Vielleicht weiß ich dann auch endlich wie es eigentlich mit dem Krieg aussieht, und was gerade in der Zaubererwelt vor sich geht…
Er wusste eigentlich immer noch nicht, ob es einen Unterschied zwischen der Zeit, die auf der Erde verging, und der, die hier in dem jenseitigen Garten vorbeizog, gab. Und er wusste auch nicht, wie die Dinge standen, was den WUSCH-Effekt anging. Hoffentlich war es nicht zuviel Zeit, die verging.
Was Narcissa auch immer wollte, es schien zumindest nicht auszureichen um bei Snape eine existentielle Krise auszulösen, obwohl das Sirius im Moment lieber gewesen wäre.
Er erreichte den Schleier und war dann auch schon wieder in Snapes Haus.
Die Diskussion zwischen den Schwestern und Snape schien immer noch im vollen Gange zu sein. Allerdings hatte Sirius das Gefühl das Beste verpasst zu haben, denn er hatte keine Ahnung, worum es eigentlich ging. Allerdings schien Draco dabei eine Rolle zu spielen.
Narcissa schien Snape dazu überreden zu wollen, etwas, das Draco für den dunklen Lord tun sollte, an seiner Stelle zu tun.
Wie tief ist Voldemort eigentlich gesunken, dass er jetzt schon Kinder für seine Drecksarbeit einspannt?, fragte sich Sirius und war zum ersten Mal seit er gestorben war nicht mehr sicher, ob es nicht vielleicht doch die bessere Variante war tot zu sein. Zumindest musste er nicht mehr direkt in einer Welt leben, in der ein knapp Sechzehnjähriger böse Dinge tun sollte, die sich verdächtig nach Mord und Totschlag anhörten.
Sirius seufzte und wandte sich dann an Severus. „Jetzt sei doch nicht so, Snape. Ich weiß du hast keine Kinder, aber du könntest Narcissa trotzdem deine Hilfe anbieten", meinte er.
„Narcissa, das ist genug. Trink das. Hör mir zu. Es ist möglich, dass ich in der Lage bin … Draco zu helfen", sagte Snape.
Sirius nickte stolz. „Ja, genau das habe ich gemeint", stimmte er zu.
Narcissa warf Snape einen hoffnungsvollen Blick zu. Zum ersten Mal seit sie das Haus betreten hatte, wirkte sie nicht mehr als würde sie langsam an einer schleichenden Krankheit zu Grunde gehen. Allerdings hätte Sirius nicht mit ihren nächsten Worten gerechnet.
„Severus, schwörst du es? Wirst du den Unbrechbaren Schwur ablegen?", vergewisserte sie sich eifrig.
Ja, spinnt die denn?! Sirius starrte seine Cousine entsetzt an. Cissy war ja schon immer etwas seltsam gewesen, aber nun schien sie über die Tatsache, dass Lucius in Askaban saß, endgültig den Verstand verloren zu haben.
„Vergiss es, Weib! Er wird sicherlich keinen Unbrechbaren Schwur ablegen!", empörte sich Sirius, „So blöd ist er nicht! Sag es ihr, Snape!"
Er sah den Zaubertränkemischer erwartungsvoll an. Doch zu Sirius' Schrecken meinte dieser: „Natürlich, Narcissa. Ich werde den Unbrechbaren Schwur ablegen."
„WAS?! NEIN DAS WIRST DU NICHT!", brüllte Sirius ihn an.
Zwar konnte er Snape weder besonders leiden, noch war er ein guter Schutzengel, aber eines wusste er mit Sicherheit: Eine Aufgabe der Schutzengel bestand darin ihre Schützlinge davon abzuhalten Dummheiten zu machen, und das Ablegen eines Unbrechbaren Schwurs für ein Mitglied der Familie Malfoy vor den Augen von Bellatrix Lestrange gehörte dazu.
„Ich werde deinen Zauberstab brauchen, Bellatrix", verkündete Snape.
„Stopp! Lass das! Hör auf!", befahl Sirius und kam sich dabei ein wenig vor wie ein Hundebesitzer, der seinen ungehorsamen Vierbeiner Befehle zu schrie, die dieser ignorierte. Snape ignorierte ihn auf jeden Fall auch nach Kräften.
„Snivellus, ich warne dich! Als dein offizieller Schutzengel verbiete ich dir diesen Schwur zu leisten!", knurrte Sirius, aber es half nichts. Snape war schon dabei den Schwur abzulegen.
„Wirst du, Severus, meinen Sohn Draco bei seinen Versuchen die Wünsche des Dunklen Lords zu erfüllen helfen?"
„Das werde ich."
„Und wirst du ihn, nach besten Wissen und Gewissen, vor Schaden bewahren?"
„Das werde ich."
„Und, wenn es nötig werden sollte … wenn es so aussieht als würde Draco keinen Erfolg haben … wirst du dann die Aufgabe zu Ende bringen, die der Dunkle Lord Draco befohlen har auszuführen?"
„SAG NEIN!", schrie Sirius an dieser Stelle verzweifelt dazwischen.
„Das werde ich", sagte Snape.
Damit war es besiegelt.
„Na wunderbar", beschwerte sich Sirius, „Wollt ihr mir wenigstens sagen, um was für eine ominöse Aufgabe es sich handelt? Soll Draco jemanden umbringen? Und wen ja, wen? Harry, vielleicht? Soll er Harry etwas antun?... Hallo, ich rede mit euch!"
Keiner der drei reagierte auf ihn. Wunderbar. Frustration und Wut wechselten sich im Minutentakt ab während Sirius alle drei Anwesend böse anstarrte.
Unbrechbarer Schwur! Wie kann man nur so blöd sein! Und das heißt es immer, Snivellus wäre clever! Jedes Kind weiß, dass man nicht so einfach einen Unbrechbaren Schwur ablegt!
Dafür würde Snape was zu hören kriegen. Soviel war sicher. Aber wie sollte Sirius es anstellen, dass sein Schützling ihm auch zuhörte?
Nun, da der Schwur abgelegt worden war, schienen es Narcissa und ihre verfluchte Schwester gar nicht eilig genug haben zu können das Haus wieder zu verlassen.
Meise verfluchte Schlangen. Das seid ihr beide. Mit euch rechne ich auch noch eines Tages ab.
Sirius starrte Snape intensiv an und wartete darauf, dass dieser ihn auch sah. Immerhin hatte er ihn ja schon einmal gesehen. Das bedeutete also, dass es durchaus möglich war, dass es noch einmal geschehen würde.
Allerdings war dies wohl nicht der Augenblick dafür.
Aber Sirius musste einfach mit Snape sprechen! Er musste einen Weg finden!
Dann bleibt mir wohl keine andere Wahl. Ich muss mit Jack sprechen…
Sirius kehrte in den jenseitigen Garten zurück und hielt Ausschau nach seinem Coach. Schließlich fand der Jack beim Schachspielen mit einem anderen Schutzengel, den Sirius nicht kannte.
„Hallo, darf ich euch mal kurz unterbrechen? Es ist wichtig", meinte er und sah die beiden fragend an. Jack warf ihm einen erstaunten Blick zu.
„Ah, Sirius, dass du dich mal wieder sehen lässt… Ich dachte schon, du gehst mir aus dem Weg", wunderte er sich und warf seinen Kumpel einen viel sagenden Blick zu.
„Das war auch so, aber das ist jetzt egal. Ich brauche deinen Rat. Ich muss unbedingt mit meinem Schützling sprechen", erklärte Sirius schnell, „Wie kann ich am Besten schnell mit ihm in Kontakt treten? Wie funktioniert diese Sache mit den Träumen?"
Jack seufzte. „Nun, das ist eigentlich ganz simpel. Du wartest bis er schläft und dann … besuchst du ihn in seinen Träumen", sagte er.
Sirius verdrehte die Augen. „Ja und wie?!" Langsam aber sicher ging Jack ihm auf die Nerven.
„Nun, das ist schwer zu erklären. Du musst es einfach ausprobieren, dann wirst du schon sehen. Es ist so ähnlich wie mit dem Materiellwerden. Du musst dich konzentrieren", erklärte der ältere Schutzengel.
Noch kryptischer geht es wohl nicht, was? „Vielen Dank für diese genaue Beschreibung", knurrte Sirius und kehrte zum Schleier zurück um Snape zu beobachten bis dieser einschlief. Dann würde es ihm hoffentlich gelingen ihn in seinen Träumen zu besuchen und dem Marsch zu blasen. Tja, das wird sicher lustig.
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A/N: Nach einem Jahr oder so, geht es endlich weiter wie ihr seht. Ich hoffe, das nächste Kapitel dauert nicht so lange. In diesem wird Sirius versuchen Sev in seinen Träume zu besuchen.
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