10. Frühstück im Wintergarten
Gina und Lucius saßen bereits am Frühstückstisch. Die Türen des Wintergartens waren geöffnet und die warme Luft des Sommertages wehte freundlich und sanft herein.
Fleißige Helfer und einige kleine Zauber hatten den Garten bereits wieder in seinen ursprünglichen Zustand versetzt.
Kaum etwas ließ noch auf das rauschende Fest schließen, dass hier gestern stattgefunden hatte.
Snape platze mit langen Schritten herein und ließ sich mürrisch auf einen Stuhl fallen, nur Gina mit einem angedeuteten Kopfnicken bedenkend.
Hermine kam etwas langsamer hinterher. Lucius stand sofort höflich auf und rückte für sie den Stuhl ab, half ihr sich zu setzen. Er warf Severus einen tadelnden Blick zu.
„Guten Morgen und danke Lucius!" Hermine lächelte Lucius an und heimlich suchte sie in seinen Augen nach den Anzeichen dieser schlechten Eigenschaften, für die er von Severus verachtet wurde.
Gina saß mit übergeschlagenen Beinen in einem seidenen Kimono am Tisch. Die Tatsache, dass sie nicht geschminkt war unterstrich den frischen, rosa Hauch, der ihren Wangen eine natürliche und sehr jugendliche Farbe gab.
„Gut geschlafen, meine Lieben? Ihr ward ja so schnell verschwunden!"
Ginas Lächeln war breit und sie betrachtete amüsiert Severus, der zunächst nur in seine Kaffeetasse starrte, bis er ein „zufriedenstellend" kläffte. Und mit bissigem Blick auf Lucius fragte er: „Und selber?"
Gina räkelte sich lasziv in der Sonne, streichelte über Lucius Schulter und meinte versonnen: „Wir sind noch etwas müde!"
Lucius legte ihr gerade ein halbes Brötchen auf den Teller, dass er ihr liebevoll mit Erdbeermarmelade bestrichen hatte und hauchte ihr einen Kuss zu.
Snape verzog gequält den Mund.
Hermine hingegen freute sich trotzdem. Ihr war es lieber Lucius am Frühstückstisch vorzufinden, als Steven Gibson. Dieser schien ja nun wohl Geschichte zu sein.
„Was habt Ihr beiden Süßen denn heute vor?" fragte Gina aufgeräumt. „Wir könnten zusammen Schwimmen gehen, Lucius leiht dir bestimmt eine Badehose!" grinste sie.
Severus bedachte sie nur mit einem tödlichen Blick und nahm einen Schluck Kaffee.
„Ich denke wir werden einfach etwas Faulenzen!" antwortete Hermine statt seiner. „Außerdem habe ich noch an meiner Seminararbeit zu schreiben!"
Gina nickte. „Euer Projekt für Transformationsgenetik, ich weiß, Steven hatte mir gestern davon erzählt. Du schreibst die Arbeit zusammen mit dem kleinen Robin Ostendorf, nicht war? Netter Bengel, übrigens!"
Hermine fragte sich, ob Gina das eigentlich extra machte. Mit diesem einen Satz hatte sie einen Schatten über Lucius Gesicht geworfen, Severus veranlasst missbilligend knurrend die Stirn in Falten zu werfen und Hermine in Verlegenheit zu bringen.
Snape lehnte sich in seinem Stuhl zurück und antwortete aalglatt: „Was plant ihr denn heute an so einem schönen Tag wie diesem? Du wirst doch sicher nicht zulassen dass dein hübscher Mann die Welt auf sein Angesicht verzichten lässt, indem er sich wieder in seiner kleinen Werkstatt einschließt!"
Lucius schenkte Hermine gerade Kaffee ein und ihre Augen trafen sich. Er sah sie wachsam an und Hermine senkte verschämt den Blick.
„Manche Menschen sollten sich auch besser einschließen damit sie nicht herumrennen und andere durch ihre unbedachte Art verletzen!" murmelte Lucius und stellte die Kaffeekanne zurück auf den Tisch. Hermine seufzte resigniert. Sie ahnte was nun kommen würde.
„Wie war das?"
Hermine hatte richtig vermutet. Snape hatte sich gereizt auf seinem Stuhl aufgerichtet und sah Lucius scharf an. Was dachte sich der kleine Stümper eigentlich?
„Du hast mich richtig verstanden, Severus, ich bedaure dass wir hier über keinen Kerker verfügen, in dem ich dich einschließen kann bis es Zeit für deine Abreise ist!" Lucius hatte diesen Satz ruhig ausgesprochen und dabei ein weiteres Brötchen aufgeschnitten.
„LU!" tadelte Gina ihn und es hörte sich so an, als riefe sie einen Hund zur Ordnung.
„Genau Lu!" ereiferte sich Snape, „hör schön was das Frauchen sagt sonst bringt sie dich zurück ins Tierheim!"
„Jetzt hört auf, alle beide!" bestimmte Gina. „Ihr benehmt euch wie Kinder!"
Hermine war die Situation mehr als unangenehm. Warum konnte Severus nicht wenigstens einmal friedlich bleiben. Er reagierte auf andere Menschen stets wie ein Fass Benzin auf offenes Feuer. Es war lebensgefährlich sich in seiner Nähe aufzuhalten.
Mit dem Mut der Verzweifelung setzte sie alles auf eine Karte um die Stimmung zu retten.
„Lucius hat mir einen Zauberstab geschenkt, Gina!"
Gina griff das Thema sofort dankbar auf.
„Oh das ist nett von dir Schatz!" lächelte sie Lucius an und zu Hermine. „Und wie kommst Du damit klar, liegt er dir?"
Hermine sah Lucius auffordernd an, der nun peinlich berührt auf seinen Teller schaute.
Snape wollte schon eine bissige Bemerkung ausspucken, doch fiel ihm gerade noch rechtzeitig ein, dass er eigentlich versprochen hatte, seine Arbeit nicht in Frage zu stellen.
Er kämpfte einen Moment mit sich, dann sprang er über seinen eigenen Schatten.
„Ja der ist ihm wirklich ganz gut gelungen!" knurrte er und bemühte sich, seine Bemerkung zwar ehrlich aber nicht allzu freundlich klingen zu lassen.
Gina schaute verdutzt in die Runde. „ Gelungen? Habe ich was verpasst?"
Hermine lächelte Lucius an. „Nun erzähle es ihr schon!"
Zögernd bekannte er: „Ich mache Zauberstäbe!"
Gina machte ein abwartendes Gesicht als rechnete sie nun mit einer Katastrophe.
„Und?"
„Nichts und!" gab Lucius zurück.
„Das entsprach jetzt nicht ganz der Wahrheit!" bemerkte Hermine.
„Lucius macht die besten Zauberstäbe, die ich je gesehen habe, und der den er für mich gemacht hat, der ist einfach fantastisch!"
Gina schwieg, schaute weiter abwartend in die Runde.
„Was ist daran jetzt so schlimm?" wunderte sie sich.
„Was ist daran so schlimm, dass Du es mir nicht erzählen wolltest?" sprach sie Lucius direkt an.
„Er hat sich wohl geniert!" kicherte Hermine.
Lucius strich sich verlegen die Haare aus der Stirn. „Ich wusste nicht ob sie wirklich gut genug sind."
„Also meiner ist fantastisch!" schwärmte Hermine und übersah Snapes Augenrollen.
„Darf ich das Prachtstück denn einmal sehen?" Gina war nur wirklich interessiert.
Hermine war sofort aufgesprungen und holte den Zauberstab aus ihrem Zimmer.
Strahlend überreichte sie ihn Gina, die ihn prüfend in ihre Hände nahm.
Lucius sah aus, als würde er gleich in Ohnmacht fallen.
„Mahagoni!" sagte Gina gerade.
"Andiroba, um genau zu sein!" fügte Lucius eifrig hinzu.
Gina sah ihn kurz an, dann nahm sie den Stab und hielt ihn zwischen den Zeigefingern ihrer Hände vor sich. Ihre Augenbrauen hoben sich. „Und der Kern?"
Lucius druckste herum. Hermine sah auf ihre Hände. Gina schaute hinüber zu Snape, der aber mit den Schultern zuckte.
Gina nahm den Stab wieder in ihre rechte Hand und benutzte ihn um ihre Kaffeetasse neu zu füllen. Abschätzend wog sie ihn in der Hand.
„Sternenstaub!" rief sie da ungläubig aus.
„Lucius du bist ein Schlingel!" Sie versuchte streng auszusehen aber man merkte ihr an, dass sie nicht verärgert war. Freundlich gab sie den Stab an Hermine zurück.
„Und wieso habe ich noch keinen neuen Zauberstab?" wollte sie gespielt empört wissen.
Lucius wurde ganz aufgeregt. „Du meinst, dass ich... also ich habe schon dran gedacht... ich hätte schon längst, aber ich dachte immer...!" stotterte er.
„Schätzchen, bisher hat mir dein einer Zauberstab gereicht!" sagte Gina anzüglich, was mit einem gequälten „Uääää" von Snape kommentiert wurde. „Aber ich würde auch gerne ein solches Prachtstück besitzen. Du weißt doch, wir Frauen sind so was von eitel und ich kann doch jetzt nicht damit leben, dass meine Schwägerin einen besseren Zauberstab besitzt als ich!"
Lucius leuchtete wie ein Adventskranz. „Ich weiß schon genau welches Holz ich verwenden werde, und wie er aussehen muss." Er war ganz aufgeregt. „Ich fange direkt mit der Planung an!"
Und damit sprang er auf und rannte fast durch den Garten. Severus, Gina und Hermine sahen ihm nach, bis die zuschlagende Werkstatttür ihn vor ihren Blicken verbarg.
Gina blickte ihm amüsiert hinterher. „Er ist ja so süß, oder?"
Severus hieb sich mit der flachen Hand vor den Kopf und sah Gina an, als hätte diese den Verstand verloren.
„ Ja wirklich sehr süß! Los Lu, hol Frauchen das Stöckchen!" höhnte er und sein Mund, welcher ein gequältes Lächeln vorspiegelte, war bei genauerem Hinsehen schmerzhaft verzerrt.
tbc
