9. Familie

Nachdem ich Alice mit viel Murren meinerseits davon abhalten konnte, auch meine Haare aufzustylen, was im Klartext deutet wir haben uns, nach einigem hin und her auf einen einfachen Zopf einigen können und ich einem weiterem sehr menschlichen Bedürfnis nachgegangen war, trug mich Edward wieder ins Bett. Diesmal hatte ich nichts dagegen auszusetzen, da ich von einem Moment zum anderen von einer unglaublichen Müdigkeit überfallen wurde.

Das Pochen in meinem Bein und Kopf hatte sich von lästig zu schmerzhaft gesteigert und ich war erleichtert wieder in dem Bett zu liegen, dem ich vor einer Stunde noch so verzweifelt entkommen wollte. Obwohl Edward sehr sanft mit mir umging, konnte ich dass Zusammenzucken und den Schmerzenslaut nicht zurückhalten, als ich die Matratze berührte. Ich fühlte mich als wenn ich unter die Räder gekommen war, was genauer betrachtet ja auch der Fall war.

Zwei Augenpaare blickten mich besorgt an, als ich versuchte zu lächeln und die Sache herunter zu spielen. Ich wusste was jetzt kommen würde und schloss meine Augen mit einem resignierten Seufzen, um das erwartete ‚ich hab's dir ja gesagt' über mich ergehen zu lassen. Erstaunlicherweise kam nichts und ich öffnete vorsichtig erst ein Auge und dann das andere, um ziemlich einfälltig auf den kleinen Plastikbecher zu schauen, der in meinem Blickfeld aufgetaucht war

„Trink das!" drängte Edward „Es ist ein Schmerzmittel, ich habe mir schon gedacht das du eines brauchen könntest!" Ich nahm den Becher ohne ein weiteres Wort und kippte den Inhalt in einem Zug runter, es schmeckte widerlich, mein Gesicht verzog sich in eine Grimasse des Ekels. Alice drückte mir wortlos ein Glas Wasser in die Hand und ich trank es ein einem Zug aus um den scheußlichen Geschmack in meinem Mund los zu werden. „Das war ekelhaft! Gib es das Zeug nicht als Tabletten?"

Edward sah mich an und konnte nur mit mühe ein Grinsen unterdrücken „Doch, aber die brauchen länger bis sie wirken. Ich kann das nächste mal auch gerne nach einer Schwester klingeln, damit sie dir etwas spritzt!". „Nein! Keine Spritzen!" meine Stimme klang selbst in meinen Ohren panisch. Alice fand das ganze scheinbar urkomisch, denn sie konnte ihr breites Grinsen kaum zurückhalten „Oh Bella, das war so typisch für dich!" „Schön dass du das lustig finden kannst! Ich möchte mal sehen wie du reagierst, wenn die mit Nadeln kommen, um dich zu traktieren und wenn ich nur an das Blut denke, da wir mir jetzt schon ganz übel! Und was soll das heißen das war typisch für mich!" ich war grummelig das merkte ich selbst, was allerdings nicht bedeutet das mir entging dass sowohl Alice als auch Edward schwer schluckten, als ich das Wort Blut aussprach, anscheinend war ich mit meiner Aversion nicht ganz alleine.

„Bella Schatz, beruhige dich! Was Alice damit sagen wollte ist, dass du immer noch du bist, auch wenn du im Moment nicht so genau weißt wer du bist!". Was sollte das den bedeuten, irgendwie ergaben Edwards Worte keinen Sinn für mich. „Wer soll ich denn sonst sein?" na toll ich klang jetzt wieder wie ein weinerliches Kind. Irgendwie fühlte ich mich auf einmal ganz seltsam, mein Kopf fühlte sich ganz leicht an, und mein Körper schien mit jedem Atemzug schwerer zu werden, ich hatte Mühe meinen Blick zu fixieren, das Zimmer verschwamm immer wieder vor meinen Augen.

„Schlaf Bella!" ich blinzelte in das Gesicht über mir „Aber!" „Kämpf nicht dagegen an, du brauchst den Schlaf!". „Edward hat recht, schlaf Bella! Wir reden wenn du wieder aufwachst!" Alice Stimme klang irgendwie gedämpft, weit entfernt. Ich wollte sie noch fragen ob sie es verspricht, aber mein Mund wollte mir nicht mehr gehorchen. Das letzte was ich hörte war Edwards Stimme „Alice, was siehst du?" dann gingen die Lichter aus und ich bekam nichts mehr mit.

Als ich meine Augen wieder aufschlug bot sich mir ein seltsamer Anblick, auf dem Fußende meines Bettes saß eine blonde Schönheit und blätterte voller Verzückung in einem Automagazin. Ein Automagazin?! Warum sollte eine junge Frau die so aussah als wenn sie auf das Titelblatt einer Modezeitschrift gehört, voller Hingabe ein Automagazin durchblättern? Und der muskulöse junge Mann der auf dem Stuhl zu ihren Füßen saß blätterte in einem Frauenmagazin und lachte in kurzen Abständen leise vor sich hin. Irgendwie war das verdreht, sollte es nicht eigentlich genau anders herum sein?

Ich schloss die Augen wieder, dass musste ein Traum sein, das erschien mir zu verrückt um wahr zu sein. Genau in diesem Moment hatte ich einen weiteren Erinnerungsblitz: eine große Garage, ein paar schlanke Beine die unter einem Auto herausschauen, Blondie mit ölverschmierter Jeans und einem öligen Lappen in der Hand lässig an ein rotes Auto gelehnt während sie mit einem Schraubenschlüssel in der Luft herumwedelt und scheinbar etwas erklärt.

DAS erklärt das Automagazin! Blondie ist ein Schrauber. Aber die Frauenzeitung? Vielleicht war meine Kopfverletzung doch schlimmer als mir jeder weiß machen wollte. Ansonsten konnte ich mir diesen Anblick nicht erklären: ein Bär von einem Mann und eine Frauenzeitung und dann dieses Kichern, dass besser in den Frauenumkleideraum einer Turnhalle passte.

„Hey Rosalie! Hast du etwas interessantes gefunden?" „Hmm, könnte sein! Der Mercedes ist nicht schlecht. Der BMW ist allerdings auch nicht übel, aber ich müsste daran noch einige Verbesserungen vornehmen." Ein belustigtes Schnauben erklang. „Es ist ja nicht so, dass du nicht auch am Mercedes etwas zu basteln gefunden hättest! Also ist es letztendlich egal! Das Auto dass deinen Ansprüchen gerecht wird muss erst noch erfunden werden!" „Ach halt die Klappe Emmett! Soweit ich mich erinnern kann, hast du dich nicht beschwert, als es um deinen Jeep ging! Was liest du da eigentlich? Bei deinem Gekicher könnte man meinen, dass du nicht mehr alle Tassen im Schrank hast!" trotz der harschen Worte klang Rosalies Erwiderung eher gutmütig. „15 Wege wie sie ihn um ihren kleinen Finger wickeln kann! Sag mal, glauben die Frauen die das lesen wirklich dass diese Ratschläge funktionieren?!"

In diesem Moment ging die Tür auf und Alice tanze leichtfüßig in den Raum „Oh Emmett, glaub mir, sie funktionieren! Du solltest dir Nummer 6 mal genauer ansehen und dann frag mich noch einmal, ob sie wirken!" Emmetts ungläubiger Blick wanderte von Alice zu Rosalie und wieder zurück „Du glaubst doch wohl nicht, dass ich mich so einwickeln lassen würde?" damit sah er Rosalie nach Bestätigung suchend an, die daraufhin allerdings nur eine Augenbraue hochzog und seinem Blick erwiderte ohne etwas zu sagen. „Tja Emmy, das beantwortet deine Frage dann wohl!" in Alice Tonlage spiegelte sich die Überheblichkeit, die deutlich in Rosalies Gesicht zu sehen war.

Emmett schien darüber einen Moment nachzudenken, dann breitete sich ein zufriedenes Grinsen auf seinem Gesicht aus. „Naja, ich kann nicht behaupten ich hätte keinen Spaß dabei!" „Wir wissen alle ganz genau wie viel Spaß du dabei hast!" klang es teils genervt, teils gelangweilt von einem weiteren Besucher der gerade mit zwei Stühlen zur Tür herein kam. Alice lächelte ihn strahlend an „Danke Jasper!" und nahm ihm eines der wuchtigen Möbelstücke ab.

Was war nur mit diesen Leuten, sie beteiligten sich an Unterhaltungen, als ob sie die ganze Zeit im Raum anwesend waren und Alice hantierte mit dem Stuhl, der bestimmt halb so groß wie sie und bestimmt genau so schwer war, als wenn er nichts wiegen würde. Vielleicht sollte ich dass ganze Unheimlich finden, aber ich empfand nur Neugier als ich Alice dabei beobachtet wie sie den Stuhl gegenüber dem von Emmett abstellte.

Als ich den Blick von ihr abwandte entdeckte ich Jasper, der immer noch mit einem Stuhl in der Tür stand und mich aufmerksam, den Kopf leicht zur Seite geneigt, beobachtet. In seinen Augen lag ein verwirrter Ausdruck, bevor er von Entschlossenheit abgelöst wurde. Ein Lächeln breitete sich langsam in seinem Gesicht aus, er straffte die Schultern und betrat den Raum. „Na Schneewittchen, wieder wach? Du hast dir ja ganz schön Zeit gelassen! Ich konnte Alice nur mit Mühe davon abhalten dich zu wecken. Davon abgesehen, dass Edward ihr wahrscheinlich den Kopf von den Schultern gerissen hätte, wenn sie es ernsthaft versucht hätte!"

„Hey ich kann gar nichts dafür, die beiden haben mich unter Drogen gesetzt. Wo is … Au!" weiter kam ich nicht, da ich mich plötzlich in Emmetts Armen wieder fand, der mich trotz seiner offensichtlichen Kraft erstaunlich sanft an sich drückte, leider nicht sanft genug für meinen Zustand. „Em, pass doch auf!" brauste Rosalie auf und versuchte ihm ihre Zeitung auf den Kopf zu schlagen. Er duckte sich geschickt unter ihrem Arm hinweg während er mir verschwörerisch Zublinzelte. „Ups! T'schuldigung! Alles in Ordnung? Wie lange bist du schon wach?"

„Schon ok! Ich glaube es gibt an meinem Körper keine Stelle die nicht von blauen Flecken überzogen ist. Ich habe sogar lila Streifen auf meinen Füßen." „Wirklich? Laß mal sehen!" das klang für meinen Geschmack etwas zu begeistert und schneller als ich reagieren konnte, hatte Emmett die Decke von meinen Beinen gezogen und wollte sich daran machte mir die Socken von den Füßen zu ziehen. „Emmett!" der Ausruf klang gleichzeitig aus sieben Richtungen und deckte die gesamte Bandbreite von belustigt über fassungslos bis ärgerlich ab.

„Könntest du mir mal verraten was das werden soll?" fragte eine Frau, von der ich annahm dass es sich um Esme handelte während sie Emmett vorwurfsvoll anblickte. „Ich wollte mir Bellas Füße ansehen!" erwiderte Emmett der auf einmal ziemlich kleinlaut wirkte. „Man sollte meinen du hättest bessere Manieren!" „Aber Esme, sie hat gesagt die hätte blaue Flecken auf ihren Füßen! Auf ihren Füßen! Dass muss ich sehen!" Esme blickte Emmett nur fassungslos an während der Rest der anwesenden in unterdrücktes Lachen ausbrach. „Em, du bist machmal so ein Kind!"

Rosalie hüpfte vom Bett und ließ sich in auf Emmetts Beinen nieder, während Esme mich sanft in den Arm nahm, mir einen Kuss auf die Stirn drückte und zumurmelte „Ich bin froh, dass es dir wieder besser geht! Mach dir keine Sorgen, wir bekommen dass schon wieder hin!" sie ließ sich auf dem Platz den Rosalie gerade frei gemacht hatte nieder und lächelte mich an. Edward der den Raum gemeinsam mit ihr und Carlisle betreten hatte schnappte sich den leeren Stuhl und zog ihn an mein Kopfende „Emmett! Ich würde es begrüßen, wenn du Bella nicht an die Wäsche gehen würdest, ich finde dass etwas unpassend!" ihm war deutlich anzusehen, dass er sich nicht entscheiden konnte, ob er wütend oder belustigt sein sollte.

Er ließ sich auf dem Stuhl nieder und drückte mir einen Kuss auf die Handfläche bevor er seine Finger mit meinen verflocht. „Stimmt, es wäre passender wenn du es machst!" Emmetts Antwort trieb mir die Röte ins Gesicht und Edward schoss giftige Blicke in seine Richtung. Während Carlisle die beiden zur Ordnung rief erfüllte eine seltsame Ruhe den gesamten Raum und Edward warf Jasper ,der sich mit Alice auf dem verbleibenden Stuhl etwas hinter Emmett und Rosalie niedergelassen hatte, einen irritierten Blick zu.

Ich fühlte mich von den Medikamenten noch etwas benommen und die friedliche Stimmung im Raum führte dazu, dass ich wieder schläfrig wurde. „Könnte wohl jemand von euch das Fenster auf machen! Wenn ich nicht gleich wieder einschlafen soll, könnte ich etwas frische Luft gebrauchen!" Esme wollte aufstehen, aber Alice hielt sie auf „Ich mach schon!" dabei grinste sie von einem Ohr zum anderen. Sowohl Jasper als auch Edward sahen sie seltsam an, Alice ließ sich davon allerdings keineswegs beeindrucken, stand auf und öffnete das Fenster. Ich beobachte sie und etwas an der Art wie sie aufstand und sich durch den Raum bewegte kam mir seltsam vertraut vor.

Mein Blick verlor sich ins Leere, während ich weiterhin auf die Stelle starrte an der Alice gerade noch gestanden hatte und grübelte darüber warum mir das irgendwie bekannt vorkam. Da traf es mich mit der Wucht einer Abrissbirne, ich holte erschrocken Luft und ignorierte die besorgten Stimmen um mich herum und konzentrierte mich ganz auf das Bild in meinen Gedanken. Alice die sich mit einem Tablett von einem Tisch erhob, mit der Eleganz einer Tänzerin durch den Raum bewegte und durch eine Tür verschwand, während die anderen am Tisch zurückblieben. Ich saß mit einigen Leuten am anderen Ende des Raums und ein Mädchen mit dunklen, wilden Locken erklärte mir dass es sich um Edward, Emmett und Alice Cullen und um Rosalie und Jasper Hale, die Adoptivkinder von Dr. Cullen und seiner Frau handelte.

Carlisles Stimme drang zu mir durch „Bella? Was siehst du?" „Eine Schulcafeteria, Alice ist gerade vom Tisch aufgestanden." ich antwortete ihm geistesabwesend, noch viel zu sehr auf das Bild in meinem Kopf fixiert. „Konzentrier dich weiter darauf, warte ab was noch kommt, versuche nichts zu erzwingen!" ich nahm ihn nur am Rande war, denn die Stimme in meinem Kopf führ fort. Jessica, mir viel der Name wieder ein, erklärte dass alle nicht nur zusammen wohnen würden, sondern auch zusammen währen und dass Esme wahrscheinlich keine Kinder bekommen könnte und deshalb Pflege- und Adoptivkinder aufgenommen hätte. Die Art wie sie es sagte machte sie mir unsympathisch. Sie erzählte mir, dass Edward kein Mädchen gut genug sei und alle erst vor zwei Jahren aus Alaska zugezogen sind. Ich hatte dass Gefühl, dass sie bei ihm abgeblitzt war und dass wohl immer noch nicht ganz verwunden hatte.

„Edward, Emmett und Alice Cullen. Rosalie und Jasper Hale." ich wiederholte die Namen und runzelte die Stirn, irgendetwas störte mich daran. Ich kam blinzelnd wieder ins hier und jetzt zurück und wurde von Emmetts lauter Stimme aufgeschreckt „Whooa, das war unheimlich. Du hast fast so wie Alice ausgesehen wenn sie eine … uff" weiter kam er nicht da Rosalie diesen Moment nutze um sich anders hinzusetzen und dabei wohl ihren Ellenbogen in sein Zwergfell gerammt hatte. Allerdings kam mir das ganze ganz und gar nicht zufällig vor, da alle anderen gleichzeitig versuchten mich abzulenken.

Esme strahlte "Das ist ja Wundervoll!", Alice zappelte aufgeregt auf Jaspers Schoss und jubelte „Ich hab's ja gewusst!". Jasper brachte nur ein schmerzverzerrtes „Mensch Alice!" heraus, als Alice einige seiner empfindlicheren Körperteile einklemmte, diesmal so wie es aussah wirklich aus versehen, da sie in ihrer Begeisterung sein offensichtliches Unbehagen gar nicht wahrzunehmen schien und er sie entschieden ein Stück nach vorne rückte. Rosalie war dabei sich groß und breit bei Emmett zu entschuldigen, nur Edward und Carlisle schienen von dem Tumult um uns herum unberührt.

Edward sah mich an, die Augen groß und voller Wunder während er mir erklärte „Das war dein erster Tag an der Folks High!". „Woher willst du das wissen?" „Du hast Jessica erwähnt und einige andere Worte wie zugezogen und adoptiert." er zuckte mit den Schultern und fuhr fort „Ich kann mir vorstellen, dass das Dinge sind die sie in Bezug auf uns erzählt hat!" mir war das ganze peinlich, ich wollte nicht wissen was mir sonst noch so rausgerutscht war. „Edward, du bist viel zu nett! Jessica ist eine blöde Pute, die keine Gelegenheit auslässt um über die vermeintlich schmutzige Wäsche anderer Leute herzuziehen!" ich blickte mit großen Augen zu Alice die plötzlich ziemlich aufgebracht wirkte „Diese falsche Schlange! Nach außen gibt sie sich als deine beste Freundin und hinter deinem Rücken verbreitet sie ihre Lügen!"

„Also wenn du mich fragst Lauren ist noch viel schlimmer! Jessica schein noch so etwas wie einen funken Anstand in sich zu haben, aber Lauren ist reine Galle!" kommentierte Rosalie Alice Ausbruch, sie schien selbst langsam in Rage zu geraten „Wenn ich die in die Finger bekomme, dann war es das letzte mal in ihrem Leben, dass diese Schlampe Geschichten über unsere Familie verbreitet!" „Rosalie!" Esme wirkte entsetzt über die Wortwahl, Emmett kicherte „Das ist mein Mädchen!" und drückte Rose an sich. „Esme! Rose hat recht!" mischte sich jetzt auch Jasper in das Gespräch ein „Nachdem bekannt geworden ist das Bella und Edward verlobt sind, ist Lauren durch die Gegend gerannt und hat jedem erzählt, dass die beiden heiraten müssten, da Bella es geschafft hätte Edward ein Kind anzuhängen. Sie müsste es ja wissen, da Bella vorher bereits versucht hätte sich an ihren Freund Tyler und auch an Mike Newton ranzumachen!"

Ich konnte spüren wir mir das Blut aus dem Gesicht wich, meine Hände wurden auf einmal ganz kalt. Konnte das möglich sein? War ich so ein Mädchen, das sich jedem Kerl an den Hals warf, bis einer blöd genug war sich einwickeln zu lassen? Esme wirkte in anbetracht der Boshaftigkeit einer solchen Handlung völlig entgeistert „Wie kann dieses Mädchen denn so etwas grässliches behaupten? Jeder der unser Bella kennt weiß doch dass das alles völliger Unfug ist!" Jasper zuckte nur mit den Schultern und erklärte weiter „Ich schätze mal das ist alles eine Frage von verletztem Stolz, einer großen Portion Selbstsucht und maßloser Selbstüberschätzung! Fakt ist, Bella hat vom ersten Tag an die Aufmerksamkeit der Jungs geweckt und sie hat es noch nicht einmal bemerkt. Lauren und Jessica hätten das auch gerne gehabt! Als Edward, der bis dahin jegliches weibliche Wesen ignoriert hat, sich dann auch noch für Bella interessierte hat, hat das zumindest Lauren schon ziemlich an ihre Grenzen betrieben und dann kam die Dartmouth-Annahme und die Verlobung um dem ganzen dann die Krone aufzusetzen!" „Und das schlimmste daran ist, das sie sich die ganze Zeit als Bellas Freundinnen ausgegeben haben, naja zumindest am Anfang!" fügte Alice mit trauriger Stimme hinzu.

Ich war entsetzt, erst als ich blinzelte merkte ich, dass ich Tränen in den Augen hatte. Ich wusste nicht was ich denken sollte, von den Bemerkungen der anderen ausgehend, schien es als wenn ich dass Opfer einer groß angelegten Hetzkampagne war, aber konnte ich sicher sein, dass nicht doch ein Funken Wahrheit darin steckte? Dann dachte ich daran, dass meine Menschenkenntnis nicht allzu gut sein konnte, wenn ich solche Menschen, als meine Freunde bezeichnet hatte. Was mich wiederum wütend auf mich selbst machte. Der Wut folgte die Frustration, darüber das ich es nicht herausfinden konnte solange ich meine Erinnerungen nicht wieder hatte.

„Na schönen dank auch, seht ihr eigentlich was ihr da angerichtet habt!" Edwards gezischte Worte holten mich aus meiner Grübelei, er sah aus als wenn er Jasper und Rosalie am liebsten an die Gurgel gehen würde und nur Carlisles Hand auf seiner Schulter ihn zurückhalten würde. Die beiden wiederum sahen mich entsetzt an, als wenn ihnen erst jetzt bewusst wurde was diese Informationen bei mir auslösen könnten. Rosalie war die erste die sich aus ihrer Starre löste, mit ein paar schnellen Schritten war sie an meiner Seite, setzte sich zu mir aufs Bett, und nahm mein Gesicht in beide Hände. Sie sah mir eindringlich in die Augen und sprach mit nachdrücklicher Stimme „Hör mir zu Bella! Du wirst dich nicht von zwei neidischen Puten die Gerüchte verbreiten runter ziehen lassen! Du bist viel besser als beide zusammen! Du bist schön, intelligent und wirst geliebt! Du bist ein guter Mensch und dass spürt jeder der mit dir zusammen ist! Ich gebe zu ich war am Anfang nicht gerade von dir begeistert, aber das hatte viel mehr mit den dämlichen Entscheidungen meines idiotischen Bruders und meiner eigenen Sturheit zu tun, als dass ich etwas gegen dich als Person hatte. Ich muss zugeben, dass aus meiner Sicht auch du einige dämliche Entscheidungen getroffen hast, aber dass ist deine Sache! Du bist meine Schwester, teil dieser Familie und keiner, wirklich niemand macht sich über meine Familie her, ohne es später zu bereuen!"

Ich spürte wie mir erneut die Tränen in die Augen traten und ich brachte nur ein geflüstertes „Danke Rosalie!" hervor, worauf sie mich anlächelte einmal kurz in den Arm nahm und lapidar sagte „Sag Rose zu mir!". Uns wurde erst in diesem Moment bewusst, wie still es im Raum geworden war. Alle, bis auf Alice blickten uns an, als wenn sie gerade Zeuge eines Wunders geworden waren. Rose sah mich an zwinkerte mir zu und setze eine mürrische Miene auf als sie sich erhob und wieder den anderen zuwandte „Was?" „Ah, komm her Baby!" Emmett grinsen breit und nahm Rosalie fest in seine Arme als sie sich wieder auf seinen Schoss kuschelte. Esme sah aus als wenn sie Rosalie am liebsten in den Arm genommen hätte, begnügte sich aber damit ihr liebevoll übers Haar zu streichen.

Alice und Jasper fingen kurz gefolgt von Emmett an zu kichern, auf Esmes fragenden Blick hin machte Emmett eine Kopfbewegung um ihre Aufmerksamkeit auf Edward zu lenken, der bewegungslos neben mir sah und Rosalie mit einem Blick völligen Unglaubens ansah. „Was ist dem mit dem los?" „Schockstarre!" kam es lachend von Jasper „Hey Rose, dass ist das erste Mal, dass du ihn offen beleidigt hast, ohne dass er an die Decke geht!" kam es lachend von Emmett. Bis auf ein Blinzeln kam weiterhin keine Reaktion von meiner Seite, was einen neuen Lachanfall auslöste. „Edward?" keine Reaktion, auch nicht als ich sein Gesicht in beide Hände nahm und ihn erneut ansprach, er blinzelte einfach wie eine Eule in mein Gesicht und regte sich nicht weiter. „Lass ihm noch einen Moment!" meinte Carlisle während er ihn schmunzelnd betrachtete.

„Bella?!" Jasper sprach mich an und setze sich langsam auf die Bettkante, er nahm meine Hand zaghaft in seine und sah mich in die Augen. „Ich möchte dass du weist, dass ich dir mit meinen unbedachten Äußerungen nicht wehtun wollte! Ich dachte nur dass es dir lieber wäre die Wahrheit zu wissen. Ich kann dem was Rose gerade gesagt hat nicht mehr viel hinzufügen, du bist ein guter Mensch, du bist klug und du bist heiß, wenn ich das mal so sagen darf!" an dieser Stelle unterbrach Emmett ihn „Rattenscharf, triff es genauso!" Es erklang ein eigenartiges gurgelndes Geräusch von Edward, was eine neuerliche Lachsalve auslöste, Jasper ließ sich von beiden nicht beirren, er hielt meinen Blick weiterhin mit seinen golden Augen gefangen und fuhr fort „Ich liebe dich wie eine Schwester und ich bewundere dich für den Menschen der du bist! Ich bin stolz dein Bruder sein zu dürfen und wenn einem dieser Perverslingen einfallen sollte dir zu nahe zu kommen, bin ich mit Freude bereit meine brüderlichen Pflichten zu übernehmen!"

„Genau Mann! Keiner macht unsere Frauen an!" pflichtete Emmett ihm bei, ein grollendes Geräusch verriet, dass Edward zumindest teilweise wieder anwesend war. Jasper war mit seiner kleinen Ansprach allerdings noch nicht ganz fertig „Ich hoffe du kannst mir verzeihen?!" dabei sah er so unsicher aus, dass ich ihn einfach umarmen musste. Im ersten Moment blieb er steif sitzen, erwiderte dann aber die Umarmung und legte sein Kinn auf meinem Kopf. „Du hast Recht, es ist mir lieber die Wahrheit zu hören! Ich möchte wissen, was über mich verbreitet wird, es gibt also nichts was ich dir verzeihen müsste! Ich war nur etwas überrascht, dass ist alles!" mit einem Kuss auf mein Haar löste er sich von mir und wurde von einer strahlenden Alice in die Arme geschlossen.

Als ich Edward anblickte sah er wieder so weit bei sich aus, dass er mich überrascht ansah als ich Esme bat kurz ihren Platz an meinem Fußende zu räumen. Ich biss meine Zähne zusammen und fing an auf der Matratze zur Seite zu rücken „Bella was machst du denn da?" er klang alarmiert während ich die letzten Zentimeter bewältigte und dann einladend auf die Matte klopfte „Na ich mach Platz für dich du Dummie!" „Bella!" „Ach komm schon! Ich bin doch nicht umsonst gerückt, stell dich nicht so an! Ich will dass du dich zu mir setzt damit ich mich an dich lehnen kann!" er war damit nicht so wirklich einverstanden, dass war ihm deutlich anzusehen, aber er setzte sich gehorsam neben mich und schloss mich in seinen Arm. Mit einem zufriedenen Lächeln erklärte ich Esme großzügig „Du kannst seinen Stuhl haben, er braucht ihn nicht mehr!". Das brachte alle zum lachen und Edward brummelte mir ein „Du bist unmöglich!" zu bevor er mir einen Kuss auf die Schläfe drückte und sich zurücklehnte.

Carlisle lächelte mich an und verkündete feierlich „Ich hab es zwar schon einmal gesagt, aber ich wiederhole es gerne noch einmal! Willkommen in der Familie!"